200. Geburtstag Karl Marx

Anlässlich des 200. Geburtstags des Ökonomen und Philosophen Karl Marx erschienen zahlreiche neue und überarbeitete Buchtitel. Wir haben eine kleine Liste zusammengestellt mit Büchern, die einen biografischen Blick auf Karl Marx, sein Leben und Handeln und auf seine Theorie und sein Denken werfen.

Anregende Lektüre wünscht:

das Eliport-Team

Sachbuch für Jugendliche

Korn, Wolfgang: Karl Marx. Ein radikaler Denker. München: Hanser 2018. 254 S. : Ill. ; 22 cm. ISBN 978-3-446-25870-9, geb.: 19,00 €

Biographie des bekanntesten Theoretikers der Arbeiterbewegung, eingebettet in die Sozialgeschichte seiner Zeit.

Der Sachbuchautor und Wissenschaftsjournalist erzählt die Biografie von Karl Marx. Dabei geht er neben interessanten biografischen Details – etwa den verleugneten Sohn mit der Haushälterin – auf den sozialen und politischen Kontext der Zeit ein. In kurzen Abschnitten widmet er sich etwa dem Verhältnis zwischen dem Wert und dem Preis einer Ware, aber auch den Konkurrenten von Marx, etwa dem Anarchisten Bakunin, den er aus der ersten Internationale drängte. Es entsteht das Bild eines extrem aktiven Menschen, der sich wie 1848/49 und während der Pariser Kommune auch immer wieder in die Tagespolitik einmischte. Darunter litt seine Arbeit an seinem Hauptwerk „Das Kapital“, das er nie vollendete. Außerdem machten Marx – trotz der Hilfe seines Freundes Engels – immer wieder materielle Probleme zu schaffen. Insgesamt ein anspruchsvoller, sparsam illustrierter Band, der den Schwerpunkt auf Marx‘ ökonomische Theorie legt, aber auch auf seine junghegelianischen Anfänge, etwa seine Religionskritik, eingeht. Auch die Fehlentwicklungen des Marxismus werden angeschnitten.

Das Sachbuch wendet sich v.a. an interessierte Jugendliche, ist aber durchaus auch als Einstieg für Erwachsenen geeignet. Breit empfohlen.

Signatur: Jb
Schlagworte: Marx | 19. Jh. | Arbeiterbewegung | Marxismus
Bewertung: +++
Rez.: Peter Bräunlein

Erzählendes für Erwachsene

Beinert, Claudia u. Nadja: Revolution im Herzen. Die heimliche Liebe des Karl Marx. Historischer Roman. München: Knaur 2018. 477 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-426-65433-0, geb.: 19,99 €

Lenchen Demuth, Karl Marx und eine Liebe, die nicht sein durfte.

Lenchen Demuth ist erst 9 Jahre alt, als ihr geliebter Vater stirbt. Aus ärmlichsten Verhältnissen stammend sieht sie nur einen Weg: sie reißt aus, um eine Stelle als Dienstmädchen zu suchen. In Trier trifft sie auf Jenny von Westphalen, die ihr eine Stelle im eigenen Haus verschafft. Schnell werden die beiden Freundinnen und Lenchen lernt Rechnen, Schreiben und ihren Verstand zu nutzen. Als Jenny Karl Marx heiratet, zieht Lenchen mit den beiden nach Brüssel und London. Der einst von ihr verabscheute Karl beeindruckt sie dabei immer mehr und übers gemeinsame Schachspiel verliebt sie sich in den stürmischen und faszinierenden Mann. Politische Gespräche, die wachsende Familie und Zeiten voller Entbehrungen schweißen alle Beteiligten zusammen, doch dann bekommt Lenchen von Karl ein Kind. Das Autorinnenduo Beinert gewährt einen tiefen Einblick in das Leben von Karl Marx, seine Gedanken, die Industrialisierung und das Alltagsleben in der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Der fesselnde, kurzweilige historische Roman aus der Sicht des Hausmädchens beleuchtet gefühlvoll Karl Marx Leben und verwebt historische Fakten mit einer mitreißenden Geschichte.

Signatur: SL
Schlagworte: Marx | 19. Jh. | Liebe | Schach
Bewertung: +++
Rez.: Stefanie Drüsedau

Jerger, Ilona: Und Marx stand still in Darwins Garten. Roman. Berlin: Ullstein 2017. 284 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-550-08189-7, geb.: 20,00 €

Eine fingierte Begegnung von Charles Darwin (1809-1882) mit Karl Marx (1818-1883) im Jahr 1881.

Die beiden bedeutenden Zeitgenossen, die durch ihre Werke die Welt so nachhaltig veränderten, lebten etliche Jahre nur wenige Meilen voneinander entfernt. Sie wussten voneinander, sind sich jedoch nie persönlich begegnet. Die revolutionären Ideen des Klassenkämpfers waren dem älteren auf seine Naturbeobachtungen konzentrierten Darwin fremd und unsympathisch. Im Roman wird eine Kunstfigur eingeführt, die als Arzt beide alten Männer betreut und meint, da gebe es mehr Gemeinsamkeiten als den Protagonisten bewusst sei. Gern würde er eine Begegnung herbeiführen, aber Darwin überhört den Hinweis. Es kommt dann zu einer Abendeinladung, bei der Karl Marx als Überraschungsgast auftritt, sehr zum Ärger von Darwin und dessen frommer Ehefrau. Der Gentleman Darwin rettet die explosive Situation, indem er Marx zu einem Gang in den Garten auffordert, wo er ihm von seinen Experimenten erzählen kann. Eindrucksvoll die Darstellung der großen Weltreisen des jungen Darwin, auf die ausführlich eingegangen wird. Kaum thematisiert werden hingegen die heftigen Kontroversen und Anfeindungen  gegen die beiden Protagonisten.

Ein mit großer Fabulierlust geschriebener Roman über ein langes Forscherleben.

Signatur: SL
Schlagworte: Evolutionslehre | Natur | Gesellschaft
Bewertung: ++
Rez.: Halgard Kuhn

Sachbücher für Erwachsene

Eagleton, Terry: Warum Marx recht hat. Dt. von Hainer Kober. Berlin: Ullstein 2018. 285 S. ; 19 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-548-37770-4, kt.: 12,00 €

Terry Eagleton entkräftet Einwände gegen das Werk von Karl Marx.

Diese Verteidigungsrede will 10 Bedenken gegen Marx Philosophie ausräumen: Die Welt hat sich so grundlegend verändert, dass Marx nicht mehr greift - Marx Theorie und Praxis passen nicht zusammen  - Marx ist Determinist - Marx träumt eine Utopie, die das Böse im Menschen unterschätzt - Marx reduziert alles auf Ökonomie - Es gibt keine Klassen mehr - Marx als Revolutionär heiligt der Zweck alle Mittel - Marx glaubt an den totalitären Staat - Feminismus, Ökologie, Tierschutz usw ersetzen Marx. Der Stil ist polemisch, bildhaft, einfach gut zu lesen, aber auch weitschweifig. Marx, (Vulgär)Marxismus, Kapitalismus, ökonomische Gegenwart zu unterscheiden und zusammenzubringen überfordert. Eagleton macht Marx zu einem romantischen Philosophen und Philanthropen mit liberalen Zügen. Die scharfen Reaktionen auf Marx und seine Gedanken - sind sie nur ein Mißverständnis (gewesen)? 

Zum 200. Geburtstag kann Marx nur nützen - in der Gemeinde, Predigt, Veranstaltungen. Hier sind Anregungen. Zur Auseinandersetzung wären andere Titel hinzu zu ziehen.

Signatur: Pa 3
Schlagworte: Marxismus | Gesellschaft
Bewertung: +
Rez.: Martin Schulz

Hosfeld, Rolf: Karl Marx - Philosoph und Revolutionär. Eine Biographie. München: Pantheon 2018. 269 S. ; 20 cm. ISBN 978-3-570-55368-8, kt.: 15,00 €

Das Leben von Karl Marx im Spiegel seiner Theorien und Kämpfe.

Bereits 2009 erschien die Originalausgabe unter dem Titel „Die Geister, die er rief. Eine neue Karl-Marx-Biografie“. Der Originaltitel macht den Ansatz des Autors besser deutlich als der für die Neuauflage als Taschenbuch. Hosfeld beschreibt sehr klar und detailliert die Zusammenhänge zwischen den verschiedenen „Geistern“, mit denen sich Marx bei der Entwicklung seiner philosophischen und politischen Konzepte auseinandersetzte. So entsteht eine „neue“ Biografie, in der die Kreuz- und Querbezüge zu den historischen Ereignissen und Diskursen im Mittelpunkt stehen. Marx‘ Leben wird aus dem Kontext seiner umfangreichen Studien, Kontakte und Aktivitäten erschlossen. Daraus geht hervor, dass die Aneignungs- und Abstoßungsprozesse in seinem Leben auch von manchen sachlichen wie persönlichen Fehlentwicklungen zeugen. Somit vermittelt die „Biografie“ ein tieferes Verständnis für die krisenhaften Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftsprozesse seit dem 19. Jahrhundert.

Eine höchst aufschlussreiche Studie für alle, die mit der Geschichte, den einschlägigen Namen und Spielarten des Marxismus sowie der politischen Theorien bereits vertraut sind.

Signatur: Bb
Schlagworte: Marx | Geschichte | 19. Jh. | Philosophie
Bewertung: +++
Rez.: Rüdiger Sareika

Neffe, Jürgen: Marx. Der Unvollendete. Vollständige Lesung. Gelesen von Stefan Wilkening. München: Der Hörverl. 2017. 3 mp3-CDs ; 1545 Min. ISBN 978-3-8445-2825-1, : 27,99 €

Der Autor schildert Leben und Werk von Karl Marx, erklärt verständlich dessen ökonomische Theorien und zeigt, wie hilfreich seine Analyse des Kapitalismus noch in der globalisierten Welt des 21. Jahrhunderts ist.

Anlässlich des 200. Geburtstages von Karl Marx hat sich der bekannte und preisgekrönte Journalist und Sachbuchautor Jürgen Neffe (hier zuletzt mit einer Biographie über Charles Darwin) den revolutionären Querkopf und ökonomischen Vordenker des 19. Jahrhunderts vorgenommen. Er verwendet Beschreibungen von Zeitzeugen, zitiert aus Briefen und zeichnet so mit einprägsamen Bildern, informativ und unterhaltsam, das Porträt eines ebenso eigensinnigen wie arbeitswütigen Menschen, schwierig im Umgang, als Staatenloser immer auf der Flucht, gezeichnet von Krankheit, Armut und Familientragödien. Zugleich erklärt er Marx‘ Gedankenwelt und seine ökonomischen Theorien verständlich und zeigt, dass Marx’ Analyse des entfesselten und nicht mehr beherrschbaren Kapitalismus sogar zur Erklärung der Finanzkrise von 2008, überhaupt der heutigen krisengeschüttelten Weltwirtschaft taugt. Sein Fazit: Marx ist nicht tot, er ist aktueller denn je. Stefan Wilkening, Schauspieler und bekannter Hörbuchsprecher, setzt diesen umfangreichen Text professionell um. Bei den Passagen, die sich mit Marx‘ theoretischen Schriften befassen, braucht es allerdings konzentrierte Zuhörer.

Das Hörbuch ist, jenseits des aktuellen Anlasses, allen empfohlen, die gerne Biographien lesen bzw. hören und allen politisch Interessierten, die auch umfangreiche Texte nicht scheuen.

Signatur: Bb
Schlagworte: Marx | Biographie | Politik | Gesellschaft
Bewertung: +++
Rez.: Wolfgang Vetter

Pilgrim, Volker Elis: Jenny, Helene, Marianne. Die drei Frauen von Karl Marx. Hamburg: Osburg 2018. 369 S. : Ill. ; 21 cm. ISBN 978-3-95510-156-5, geb.: 20,00 €

Wieder aufgelegte und neu bearbeitete Einblicke in das Privatleben des Gesellschaftstheoretikers Karl Marx (1818-1883).

Anlässlich des 200. Geburtstags wurde dieses, vor knapp 20 Jahren zum ersten Mal erschienene, Sachbuch neu bearbeitet und wieder aufgelegt. Im Mittelpunkt steht der Gesellschaftstheoretiker und Autor von „Das Kapital“ Karl Marx und die Beziehung zu Ehefrau Jenny sowie zu seinen Hausangestellten Helene und Marianne. Mithilfe einer gewaltigen Fülle an Quellenmaterial belegt der Autor das jahrzehntelange „parasitär-sadistisches Verhalten“ des „Titans der sozialistischen Welterlösung“. Marx sei ein Typ der krassesten Doppelmoral gewesen. Er beutete seine Ehefrau Jenny aus, unterhielt ein Verhältnis mit den in seinem Haushalt lebenden Angestellten Helene und Marianne, verleugnete den unehelichen Sohn und war Schuld an Mariannes frühem Tod. Eine detaillierte Krankheits-Chronik gibt Auskunft über den Gesundheitszustand von Karl Marx und die Auswirkung auf sein Schaffen. Gedichte und Fotografien, hunderte von Anmerkungen und eine umfangreiches Literaturverzeichnis runden das nicht leicht zu lesende Buch ab.

Ab sehr großen Beständen und für einschlägig Interessierte denkbar.

Signatur: Bb
Schlagworte: Biografie | Marx
Bewertung: +
Rez.: Martina Mattes

Weissweiler, Eva: Lady Liberty. Das Leben der jüngsten Marx-Tochter Eleanor. Hamburg: Hoffmann & Campe 2018. 416 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-455-00292-8, geb.: 26,00 €

Nach dem Tod ihres Vaters Karl Marx setzt seine jüngste Tochter Eleanor (1855-1898) seine Theorien in die Praxis um.

Zum 200. Geburtstag von Karl Marx beleuchtet die Germanistin Eva Weissweiler das Leben seiner jüngsten Tochter Eleanor, genannt Tussy. 1855 im Londoner Exil geboren, war sie ihrem Vater enger verbunden als ihre älteren Schwestern Jenny und Laura. Nach seinem Tod 1883 übersetzt und ediert sie viele seiner Werke und engagiert sich als Gewerkschaftsführerin im Straßenkampf der Arbeiter für den Achtstundentag. Als politische Autorin hält sie Vorträge in Europa und Amerika für Arbeiter- und Frauenrechte. In Amerika wird sie bewundernd „Lady Liberty“ genannt und selbst politische Gegner zollen ihr Respekt. Aber wiederkehrende Depressionen und die Untreue ihres Geliebten lassen sie oft verzweifeln. Mit nur 43 Jahren setzt sie ihrem Leben in London ein Ende.
Weissweilers Biographie besticht durch sorgfältige Quellenrecherche und wissenschaftliche Genauigkeit, kombiniert mit einem lockeren Erzählton und etlichen historischen Fotos ihrer Protagonisten. Anmerkungsapparat und Literaturverzeichnis runden das Buch ab. Ihm gebührt das Verdienst, Eleanor Marx aus dem Schatten ihres übermächtigen Vaters treten zu lassen.

Sehr gut geeignet für Liebhaber von Frauenbiographien und an Karl Marx Interessierte.

Signatur: Bb
Schlagworte: Frauen | Geschichte | Biographie | Marx
Bewertung: ++
Rez.: Claudia Puschmann

Wittstock, Uwe: Karl Marx beim Barbier. Leben und letzte Reise eines deutschen Revolutionärs. München: Blessing 2018. 287 S. : Ill. ; 21 cm. ISBN 978-3-89667-612-2, geb.: 20,00 €

Der Algerienaufenthalt des lungenkranken Karl Marx (1818-1883) im Jahr vor seinem Tod.

Im Wechsel beschreibt Uwe Wittstock den Erholungsaufenthalt von Marx im Frühjahr 1882 in Algerien und seine Lebensgeschichte, die eingebettet ist in die Strömungen und Ereignisse des Vormärz, der gescheiterten Um- und Aufbrüche, der mehrfachen Ausweisungen wegen demagogischer Betätigung des Protagonisten. Durch das ungewöhnlich regnerische Wetter ans Haus gekettet, bleibt Marx viel Zeit zur Reflexion und Rückschau. Sein Leben mit der geliebten, kürzlich verstorbenen Jenny von Westphalen, seine Rolle als Vater und die ständige Geldnot werden ebenso beschrieben wie seine neuen Theorien und Gesellschaftskonzepte, die anschaulich entfaltet werden. Gleichzeitig wird die Tragik des Widerspruchs zwischen Theorie und praktischer Umsetzung im Alltag jenes Genies deutlich. Die großen Leitideen jenes revolutionären Denkens, die bis heute virulent sind, obwohl nur ein kleiner Teil von ihm selbst veröffentlicht, sondern erst aus seinem Nachlass publiziert wurden. 

Eine gut lesbare Zeit- und Lebensgeschichte des revolutionären Bürgersohns, Ehemanns und Vaters im Kontext der Zeit des Umbruchs im 19. Jahrhundert.

Signatur: Bb
Schlagworte: Marx | Arbeiterbewegung | Bürgertum | Alter
Bewertung: ++
Rez.: Halgard Kuhn