Rezension des Monats Juli 2017

Doron, Lizzie: Sweet Occupation. Dt. von Mirjam Pressler. München: Dt. Taschenbuch Verl. 2017. 202 S. ; 21 cm. Aus d. Hebr. ISBN 978-3-423-26150-0, kt.: 16,90 €

Porträts von fünf Friedenskämpfern aus Israel und Palästina.

Die erfolgreiche israelische Autorin schildert die Begegnungen einer jüdischen Journalistin aus einer vom Holocaust betroffenen Familie mit zwei jüdischen und drei palästinensischen gewaltlosen Kämpfern für ein friedliches Zusammenleben von Juden und Palästinensern. Schon die ersten Begegnungen sind schwierig, da sie z.T. auf palästinensischem Territorium stattfinden, in das Israelis nicht legal einreisen dürfen. Die Biografien machen die großen Schwierigkeiten deutlich, unter denen sich heute Menschen zu dem eigentlich naheliegenden Ziel bekennen. Ein israelischer Soldat etwa weigerte sich nach seinen Erfahrungen in Gaza weiter Militärdienst zu leisten und endet im Gefängnis. Ein den Frieden liebender nach Israel eingewanderter Jude aus Polen wird persönlich und beruflich ausgegrenzt. Die drei Palästinenser überwanden ihren gewaltsamen Protest gegen die israelische Besetzung in ihrer Jugend. Auch sie wurden für ihr Friedensengagement diffamiert und verbrachten lange Zeit im Gefängnis.

Der emotional berührende Roman ist nicht nur spannend, sondern zeigt auch die heutigen Probleme einer Friedenslösung. Breit empfohlen.

Signatur: SL
Schlagworte: Israel | Palästina | Friede | Gewaltlosigkeit
Bewertung: +++
Rez.: Peter Bräunlein

 

 

 

 

 

 

 

Rezension des Monats Juni 2017

Genechten, Guido van: Vielleicht. Dt. von Eva Schweikart. München: Mixtvision 2016. O. Pag. : überw. Ill. ; 24 cm. Aus d. Niederländ. ISBN 978-3-95854-071-2, geb.: 14,90 €

Aus Kreis, Dreieck, Quadrat und viel Phantasie lässt sich eine Welt erschaffen.

Vielleicht beginnt es so: Am Anfang ist alles schwarz, dann sind Farben da, rot, gelb und blau. Im nächsten Schritt gibt es einfache Formen, die sich ihres Daseins freuen. Sie vermehren sich durch Aufteilung und 12 bunte Elemente werden zum Baukasten für alles, was sich daraus legen lässt. Auf schwarzem Hintergrund gibt es Menschen und Tiere, Pflanzen, Fahrzeuge und vieles mehr zu entdecken. Bis am Ende – vielleicht – alles wieder in kleine Teile zerfällt.
Die ganze Welt ist zusammengesetzt aus Einzelteilen, die komplex zusammenwirken. Diese philosophische These setzt Guido van Genechten in seinem Bilderbuch kindgerecht um. Ob die Vorlesende das Bilderbuch zum Anlass nehmen will, über Evolution, über Philosophie oder Schöpfungslehre zu sprechen, bleibt ihr überlassen. Es macht Kindern auf jeden Fall Spaß, diese vielfältigen Figuren mit Phantasie zu interpretieren, vielleicht Geschichten dazu zu erdenken.
Ein beiliegender Ausschneidebogen fordert auf, selbst kreativ tätig zu werden.

Ein Bilderbuch mit interaktiven Möglichkeiten, einfach, aber mit einer tieferen Bedeutungsebene. Für Kinder ab 4 J. interessant, aber auch Impuls zum Nachdenken für ältere Kinder.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Formen | Farben | Erschaffung | Phantasie
Bewertung: +++
Rez.: Birgit Schönfeld

 

 

 

 

 

 

 

Rezension des Monats Mai 2017

Kurbjuweit, Dirk: Die Freiheit der Emma Herwegh. Roman. München: Hanser 2017. 333 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-446-25464-0, geb.: 23,00 €

Emmas Leben (1817 – 1904) zeigt, wie revolutionäre Ideen im Privaten scheitern am alten Rollenverständnis der Geschlechter.   

Die Hochzeit war eine Sensation: Die Tochter eines preußischen Hoflieferanten heiratet den sozialistisch denkenden Freiheitsdichter Georg Herwegh! Der Roman verschränkt drei Zeitebenen miteinander. 1894 in Paris erzählt die verarmte 80jährige Emma dem jungen Freund Frank Wedekind ihre ganz persönliche Lebens- und Leidensgeschichte in der Ich-Perspektive. Die zweite Erzählebene spielt im Jahr 1842 in Berlin. Wir lesen vom Leben in großbürgerlichen romantischen Salons und zugleich vom sozialen Elend der Arbeiter in den Borsigwerken. Die dritte Ebene schildert die Ereignisse im Frühjahr 1848, als das in Paris zusammengestellte desolate Häuflein der „Deutschen Demokratischen Legion“ unter Herweghs Leitung Heckers Aufstand in Baden zu Hilfe eilt und Emma als einzige Frau, bewaffnet und zu Pferde, großen Mut und diplomatisches Geschick beweist. Kurbjuweits Erzählweise zeigt auf, wie schwer es ist, hohe gesellschaftspolitische Ideale mit dem kleinen privaten Leben in Einklang zu bringen.

Ein anregender Lesegenuss für alle, die sich für politisches und kulturelles Leben des 19. Jh. interessieren. Zu manchen Ideen der 68er Generation gibt es interessante Parallelen.

Signatur: SL
Schlagworte: Revolution | Emanzipation | Demokratie | Geschichte
Bewertung: +++
Rez.: Heidrun Martini

 

 

 

 

 

 

 

Rezension des Monats April 2017

Zedelius, Miriam: Träumst du? Rostock: Hinstorff 2017. O. Pag. : überw. Ill. ; 19 cm. ISBN 978-3-356-02096-0, geb.: 16,99 €

Wunderbares Bilderbuch über das Träumen. Einmal in Schreibschrift!

Das Mädchen wird von Papa erinnert, nicht zu träumen. Diese Aufforderung ist der Ausgangspunkt einer kleinen Reise durch die Träume, ihr Herkommen, ihre bösen Seiten, ihr Märchenhaftes oder Witziges. Meine Jungs haben beim Angucken sehr gelacht. Was träumen Große? Der Mann in der Hängematte träumt vom Angeln. Der große Fisch allerdings, den er an der Angel hat, hüpft zu ihm ins Boot... Der glückliche Löwe von Roger Duvoisin entpuppt sich als wütend. Eine Maus malt eine Katze an. Und kann man gute Träume herbeiwünschen? Die Illustratorin wählt sparsame Striche, wenige Elementarfarben und druckt kunstvolle kleine Kunstwerke, die geschickt die Bildsprache von Kindern zitieren (Strichmännchen). Manchmal steht Jutta Bauer sehr deutlich Patin. Aber das ist nicht schlimm. Der Text erscheint in Schreibschrift. Ein Plädoyer für die geschriebene Schulausgangsschrift. Beim Betrachten und Lesen der wenigen Worte kommt es schnell zum Gespräch, zum Weiterträumen und Weiterspinnen.

Empfohlen für Eltern-Kinder-Lesekreise, Vorlesezeit und Elternlesekreise.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Träume | Mut
Bewertung: +++
Rez.: Christiane Thiel

 

 

 

 

 

 

Rezension des Monats März 2017

Preisendörfer, Bruno: Als unser Deutsch erfunden wurde. Reise in die Lutherzeit. Köln: Galiani 2016. 472 S. : Ill. ; 22 cm. ISBN 978-3-86971-126-3, geb.: 24,99 €

Detail- und kenntnisreiche Zeitreise, das Eintauchen in eine vergangene Welt (um 1500).

Das Sachbuch des Jahres 2015, "Als Deutschland noch nicht Deutschland war" (Goethezeit), ist der handwerkliche Vorgänger. Aber nun geht es um die Zeit Luthers. In einem Zeitpanorama, reichen Details, guten Literaturhinweisen und einem glänzenden Stil versetzt Preisendörfer den Leser in die Zeit um 1500.
Ausgehend vom großen weltgeschichtlichen Überblick, in die Zeit der Renaissance, das Zeitalter der Entdeckungen, über die politische Gesamtlage in Deutschland, geht es dann in den beschwerlichen Alltag. Burg, Stadt und Land, Handwerk und Bauern, Ausstattung der Häuser, Ernährung, Frauen und Männer - das alles wird lebendig und eindrücklich geschildert. Die Glaubenswelt wird in Kapitel 7 (Himmel, Hölle, Alltag) und in Kapitel 13 (Alter, Tod und Auferstehung) beklemmende Wirklichkeit. Auch Luther kommt als Referenz immer wieder vor. Nur das "unser Deutsch" des Haupttitels wird in seiner Besonderheit kaum gestreift. Der Untertitel "Reise in die Lutherzeit" kennzeichnet das eigentliche Zentrum des Buches.

Für historisch Interessierte ein fast unerschöpfliches Buch. Umfassende Quellen- und Literaturnachweise, Glossar und 'kleines Latinum für Zeitreisende' machen das Buch zu einem Nachschlagewerk.

Signatur: Gf
Schlagworte: Reformation | Geschichte | Lutherzeit
Bewertung: +++
Rez.: Hans-Wolfgang Schaller

 

 

 

 

 

Rezension des Monats Februar 2017

Roper, Lyndal: Der Mensch Martin Luther. Die Biographie. Dt. von Holger Fock u. Sabine Müller. Frankfurt: Fischer 2016. 729 S. : Ill. ; 22 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-10-066088-6, geb.: 28,00 €

Eine Lutherbiografie, die konsequent die Person des Reformators analysiert und reflektiert.

Es ist erstaunlich, welche überraschenden Einsichten eine neue Perspektive auch für die erschließt, die schon viel über den Reformator wissen. Die in Oxford lehrende australische Historikerin Lyndal Roper hat zehn Jahre intensiv geforscht, um herauszufinden, was für ein Mensch der große Reformator eigentlich war. Sie beschränkte sich dabei nicht auf Luthers Selbstäußerungen in den Tischreden und in seiner umfangreiche Korrespondenz. Sie bezieht auch Aussagen und Dokumente von Zeitgenossen in ihre Analyse ein. Was hat Luther motiviert? Wie reagierte er auf Erfolge und Niederlagen? Wie erlebte er Enthaltsamkeit, wie Familie und Sexualität? Der Autorin ist es gelungen, das umfangreiche Material systematisch im Blick  auf ihre Fragestellung zu durchdringen und die Entwicklung des Menschen Martin Luther in gefälliger Sprache auf über 500 Seiten nachvollziehbar darzustellen. In den Anmerkungen auf weiteren 120 Seiten belegt und ergänzt sie ihre Darstellung durch viele Details. 

Das Buch wird wohl zu einem Standardwerk der Lutherforschung, das - was selten ist - eine breite Leserschaft anspricht. Für Gemeindebüchereien durchaus zu empfehlen.

Signatur: Bb | Ca 2
Schlagworte: Reformation | Luther | Glaube
Bewertung: +++
Rez.: Karl Foitzik

 

 

 

 

Rezension des Monats Januar 2017

Nürnberger, Christian u. Gerster, Petra: Der rebellische Mönch, die entlaufene Nonne und der größte Bestseller aller Zeiten. Martin Luther. Ill. von Irmela Schautz. Stuttgart: Gabriel 2016. 208 S. : Ill. ; 22 cm. ISBN 978-3-522-30419-1, geb.: 14,99 €

Eine Lutherbiographie für kritische Zeitgenossen.

Christian Nürnberger fragt, wie aus dem einfachen Bergmannssohn der „Kerl“ werden konnte, der Papst und Kaiser trotzte und die Kirche ins Wanken brachte. In seinem für ihn typischen Stil zeichnet er Luthers Weg nach, teils humorvoll, teils kritisch, flott und phantasievoll erzählend. Dabei leiten ihn zwei Motive: Er möchte auch denen, die nicht viel über Luther wissen und von anderen Fragen umgetrieben werden als von der Frage nach einem gnädigen Gott, Luthers Beweggründe transparent machen. Zugleich fragt er immer wieder, welche Konsequenzen die zentralen Einsichten Luthers, die damals Kirche und Reich erschütterten, nach 500 Jahren immer noch für den Einzelnen, für die Gesellschaft und die Kirchen haben können und sollten. Die Kapitel sind unterschiedlich intensiv gelungen. Besonders eindrucksvoll sind dabei die ersten sowie das Kapitel über Katharina von Bora.

Das gut lesbare Buch ist eine hilfreiche Lektüre für jugendliche und erwachsene LeserInnen. Für Gemeindebüchereien sehr zu empfehlen.

Signatur: Jc | Jb
Schlagworte: Reformation | Martin Luther | Katharina von Bora
Bewertung: +++
Rez.: Karl Foitzik

 

 

 

Rezension des Monats Dezember 2016

Teckentrup, Britta: Worauf wartest du? Das Buch der Fragen. Berlin: Jacoby & Stuart 2016. O. Pag. : überw. Ill. ; 21 cm. ISBN 978-3-946593-09-6, geb.: 22,00 €

Fragen über Fragen, ein ganzes Buch voll.

"Kann man an nichts denken?" - "Warum muss man sich immer streiten?" - Jede der mehr als 90 Doppelseiten stellt eine Frage, die immer begleitet wird von einem Bild in Britta Teckentrups typischem, mit Druck- und Collageelementen arbeitenden Stil. Es sind im besten Sinne Kinderfragen, einige sehr groß, alle offen für Antworten auf den verschiedensten Ebenen. Das Spektrum reicht von philosophischen Impulsen  über Fragen nach der persönlichen Erfahrung bis zu Phantasiefragen. Die prägnanten Illustrationen, meist in zurückhaltender Farbgebung, sind so offen gehalten, dass sie die Fragehaltung unterstreichen, dabei sanfte Anregungen geben, die Phantasie spielen zu lassen.
Kein Buch, das von vorne nach hinten gelesen werden muss, sondern das man irgendwo aufschlägt, um eine oder mehrere zusammenhängende Fragen zu durchdenken, zu diskutieren. Wer sich darauf einlässt, wird eingeladen, zu  reden, zu träumen, zu  phantasieren, aber auch zu spielen, zu malen oder zu schreiben.

Im Büchereiregal wird das Buch untergehen. Es ist aber zu empfehlen als Sammlung von Gesprächs- und Schreibanlässen oder von Impulsen zur Meditation, z.B. in der Grundschule.

Signatur: Jp
Schlagworte: Philosophie
Bewertung: +++
Rez.: Birgit Schönfeld

 

 

Rezension des Monats November 2016

Köhler, Joachim: Luther! Biographie eines Befreiten. Leipzig: Ev. Verl.-Anst. 2016. 405 S. : Ill. ; 22 cm. ISBN 978-3-374-04420-7, geb.: 22,90 €

Eine Lutherbiographie, die sich von anderen positiv abhebt.

Noch eine Lutherbiographie. Sie setzt sich in mehrfacher Hinsicht von anderen ab. Sie ist zunächst einmal sehr gut lesbar. Der Philosoph Joachim Köhler schildert mit viel Empathie die innere Zerrissenheit des Reformators und versteht es vorzüglich, diese im Kontext der Zeitumstände zu verorten und mit der kirchlichen, gesellschaftlichen und politischen Situation zu verknüpfen. Aus der jeweiligen Situation heraus führt er elementar und auch für Nichttheologen nachvollziehbar in Luthers theologische Ansätze und wichtige Publikationen ein. Wurden in letztere Zeit vor allem Luthers Schwachstellen herausgestellt, schildert Köhler den Reformator mit großer Sympathie. Das Ausrufezeichen im Titel weist darauf hin. Köhler sieht Luthers persönliche Entwicklung durch drei Befreiungsakte geprägt: von der Loslösung von einem bestimmenden Vater; von der Befreiung aus einer angstmachenden kirchlichen Lehre und  von der Befreiung aus politischen Abhängigkeiten. Letzteres ist m.E. zu hinterfragen.

Eine sehr gute Einführung in Luthers Leben und Werk, die aufgrund der verständlichen Darstellung einer breiten Leserschaft empfohlen werden kann.

Signatur: Bb
Schlagworte: Luther | Reformation | Kirchengeschichte | Glaubensbiographie
Bewertung: +++
Rez.: Karl Foitzik

 

 

Rezension des Monats Oktober 2016

Juul, Jesper: Leitwölfe sein. Liebevolle Führung in der Familie. Dt. von Nuka Matthies. Weinheim: Beltz 2016. 215 S. ; 21 cm. Aus d. Dän. ISBN 978-3-407-86404-8, geb.: 16,95 €

Nach Jahren der Beratung ratloser Eltern ermutigt Jesper Juul zu mehr Führungsqualität.

Die Erfahrung als Familientherapeut spricht aus jedem Satz. Immer wieder streut Juul Beispiele aus seiner Praxis ein und macht dadurch deutlich: es sind Sorgen und Schwierigkeiten, die sich offenbar in vielen Familien wiederholen, die seiner Meinung nach alle in einer Schwäche wurzeln: fehlende Führung der Kinder. Aber Achtung: es geht weder um Disziplin noch um Gehorsam, sondern um Zeit, Stille, Authentizität. Weniger Erziehung! Er bleibt sich und der Wertschätzung der Kinder treu. "Ebenwürdigkeit" nennt er das, was der Ausgangspunkt sein soll. Er schildert Schritt für Schritt wie das ausgeprägte Sozialverhalten von Wolfseltern zum Bild für Familienarbeit werden könnte. Dabei kommt es zuerst auf die Ausbildung eines guten Selbstwertgefühls an, das Schwächen und Stärken kennt. Dann macht er Mut zum Wahrnehmen der Potenziale des Lebens und dann kommt die Herausforderung, die Kinder los zu lassen und sie dezent zu leiten - mit ganz wenig, aber ganz genau. Mit mehr Nähe!

Ein gut geeignetes Buch für Elternkreise, Elterngespräche, Beratungssituationen und für jede Bücherei / Gemeinde mit Familien im Lesepublikum.

Signatur: Pc 2
Schlagworte: Wertschätzung | Abstand | Behutsamkeit | Mut
Bewertung: +++
Rez.: Christiane Thiel

 

Rezension des Monats September 2016

Budde, Nadia: Vor meiner Tür auf einer Matte. Wuppertal: Hammer 2016. O. Pag. : überw. Ill. ; 26 cm. ISBN 978-3-7795-0539-6, geb.: 15,90 €

 „…steht jeden Tag die blonde Ratte.“ Und wie diese dem Gastgeber auf die Nerven geht, schildert Nadia Budde hinreißend komisch!

Riesengroß, gutgelaunt, brav das blonde lange Haar mittig gescheitelt und mit herrlich großen Kulleraugen wird die blonde Ratte zum Dauergast. Dabei lässt sie nichts aus: zieht die Hausschuhe des Hausherren an, besetzt Sessel, Kanapee und das Klavier, lärmt, plündert und zerstört. Schlussendlich rückt sie dem unfreiwilligen Gastgeber so eng auf die Pelle, dass dieser schließlich wütend aus sich herausplatzt: „Immerzu sind wir zu zweit. Das geht wirklich jetzt zu weit!“ Am nächsten Abend ist die Ratte weg. Mhhh. Schön. Schön schade aber auch. Da schlägt die Einsamkeit und Wehmut plötzlich zu und der kleine Mann vermisst die Ratte fürchterlich. „Meine Wäsche hängt wie immer, sonst ist niemand hier im Zimmer.“ Und so macht er sich auf die Suche nach ihr. - Mit einfachen zeichnerischen, aber umso eindrucksvolleren Mitteln hat Budde ihre Geschichte um Zweisamkeit, Toleranz und Gelassenheit illustriert. Gedeckte Farben, dick schwarz umrandetet Formen bilden Stimmungen ab, die sofort auch kleinen Kindern zugänglich sind. Buddes urkomische Reime sind einfach, treffen aber genau ins Schwarze.

Ein rattenstarkes Bilderbuch für Leser ab vier Jahren, für Zuhause oder die Kita. Macht großen Spaß und regt zum Erzählen an.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Freundschaft|Toleranz|Reime
Bewertung: +++
Rez.: Anne Tebben

 

Rezension des Monats August 2016

Almada, Selva: Sengender Wind. Roman. Dt. von Christian Hansen. Berlin: Berenberg 2016. 124 S. ; 20 cm. Aus d. Span. ISBN 978-3-946334-04-0, geb.: 20,00 €

Der Prediger Pearson und der Mechaniker Gringo tragen mitten in der Pampa Argentiniens umtost von einem nächtlichen Unwetter einen Zweikampf um Religion aus.

Die Pampa inmitten Argentiniens, heiß, trocken, öde. Reverend Pearson verreckt das Auto. Aber irgendwo im Nirgendwo findet er die Werkstatt von Gringo Brauer. Die schlechtgelaunte Tochter des frommen Mannes freundet sich während der Reparatur mit dem Jungen Tapioca an, den der Mechaniker aufgenommen hat. Der Reverend hat nichts Besseres zu tun als Tapioca für Jesus zu gewinnen und ihm die Seele zurecht zu meißeln. Doch Gringo hat etwas dagegen. Einerseits würde er hier in der Wüste allein zurückbleiben, wenn Pearson den Jungen mit in die Stadt nähme, anderseits kann er mit der Religion des Predigers nichts anfangen: Das sei etwas, um sich vor der Verantwortung zu drücken, indem man dem Teufel die Schuld in die Schuhe schiebt. Gringo hält sich an seine Berge, in denen er das Leben spürt. Tatsächlich bleibt der Glaube des Reverend blutleer. Es bleibt bei einer Möchte-gern-Mystik: „Öffnet Jesus eure Brust!“ Das Auto läuft am Schluss wieder, aber wer fährt mit, wer bleibt?

Ein Roadmovie, in dem sich die Protagonisten nur innerlich in ihre Vergangenheit bewegen – gut zu lesen an einem langen Abend.

Signatur: SL
Schlagworte: Religion|Argentinien
Bewertung: +++
Rez.: Volker Dettmar

 

Rezension des Monats Juli 2016

Pehnt, Annette: Alle für Anuka. Ill. von Jutta Bauer. München: Hanser 2016. 138 S. : Ill. ; 21 cm. ISBN 978-3-446-25088-8, geb.: 12,90 €

Begegnung von Arm und Reich im Cluburlaub: Kinder nehmen die Unrechtsstrukturen nicht hin, sondern solidarisieren sich.

Der etwa zehnjährige Philip, ein Außenseiter, macht mit seinen Eltern wieder Urlaub im Palmenclub. Das bedeutet Kamelreiten, Sonne, Pool und Pommes, aber auch die Begegung mit Mädchen wie Anuka, die immer lächeln müssen und die Besucher bedienen. Die Leserschaft nimmt, durch blau abgesetzte Schriftfarbe, beide Perspektiven im Wechsel ein. Kinderarbeit statt Schulpflicht prägt die Welt hinter den Kulissen. Anuka lebt ohne Eltern mit ihren zwei Brüdern. Als der jüngere erkrankt und versorgt werden muss, helfen nicht zuletzt andere Kinder. Die Clubchefin aber feuert alle, die nicht funktionieren. Schließlich tun sich die Kinder beider "Welten" zusammen und boykottieren das System. Was nach Klischee klingt, wird einfühlsam und berührend erzählt. Emotional und altersgerecht vermittelt das Buch, was globale Ungerechtigkeit und ein Leben ohne Kindheit bedeuten. Vor allem aber macht das Buch Hoffnung. Eine rührende, von Jutta Bauer schlicht und stimmig illustrierte Geschichte von Solidarität.

Ein Buch für Kinder von 9 bis 12 Jahren, das auch Erwachsene angeht. In der Veranstaltungsarbeit in Verbindung mit einem Projekt zur weltweiten Gerechtigkeit möglich.

Signatur: Ju 2
Schlagworte: Gerechtigkeit|Arm und Reich|Solidarität|Hoffnung
Bewertung: +++
Rez.: Rainer Merkel

 

Rezension des Monats Juni 2016

Der rote Faden. Manuela Monari. Ill. von Brunella Baldi. Dt. von Gottfried Kompatscher. Innsbruck: Tyrolia 2015. O. Pag. : überw. Ill. ; 25  cm. Aus d. Ital. ISBN 978-3-7022-3196-5, geb.: 14,95 €

Es gibt etwas, das alles miteinander verbindet, hält und trägt, Orientierung gibt. Wie ein roter Faden. Aber, was ist das?

Es gibt einen Faden, der läuft hinauf und hinab, nach links und nach rechts und verbindet alles miteinander, das Kind mit den Eltern, die Eltern miteinander. Er verbindet Häuser,  macht daraus eine Stadt. Er verbindet Menschen miteinander und mit ihrer Mit-Welt, mit den Tieren, den Meeren, dem Himmel und den Sternen. Er verbindet Menschen mit Gedanken, Gedanken mit Ideen, Ideen mit Entdeckungen. Mama sagt: Vielleicht ist es die Liebe. Papa meint, es ist vielleicht die Vernunft. Die Lehrerin denkt, es ist die Wahrheit. Mein bester Freund sagt: Für mich ist es Gott…. Langsam, einfühlsam und neugierig machend führt uns der Text, unterstützt durch teils ungewöhnliche Illustrationen, durch dieses wunderschöne Bilderbuch über das Leben. Über Halt, Gefühle, Orientierung; über Beziehungen, Freundschaft  und - über Gott. Ein Buch, das durchaus einlädt, weiter zu philosophieren, weiter nachzudenken; was ist mein "roter Faden"?

Gut einsetzbar im Elementarbereich von Kindertageseinrichtungen; aber auch in der Gemeindearbeit, z.B. bei Konfirmanden oder anderen Gruppen der Erwachsenenarbeit.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Glauben|Gefühle|Lebensfragen|Philosophie
Bewertung: +++
Rez.: Dörte Jost

 

Rezension des Monats Mai 2016

Helberg, Kristin: Brennpunkt Syrien. Einblick in ein verschlossenes Land. 2., aktual. und erw. Aufl. Freiburg: Herder 2014. 304 S. ; 19 cm. ISBN 978-3-451-06544-6, kt.: 9,99 €

Eine Journalistin liefert einen Schlüssel zum Verständnis des Landes.

Die Autorin kennt Syrien recht genau, denn sie hat von 2001 bis 2009 in Damaskus gelebt und pendelt auch jetzt noch zwischen Deutschland und ihrer Wahlheimat. "Syrien ist ein reiches Land", so der Beginn eines der Kapitel in diesem höchst interessanten Buch, "reich" aufgrund seiner Bewohner und des Landes an sich. So hätte Syrien nach seiner Unabhängigkeit in den 50er Jahren schnell zu einem wohlhabenden Schwellenland werden können. Aber in-effektive Planwirtschaft und die Ausbeutung durch eine korrupte Clique warfen das Land um Jahrzehnte zurück. Der Krieg tat ein Übriges: Syrien liegt nicht nur wirtschaftlich am Boden. Die Autorin arbeitet als Journalistin u.a. für die ARD, den ORF, das Schweizer Radio und Fernsehen SRF sowie verschiedene Printmedien. Sie bringt dem Leser durch ihre profunden Kenntnisse der Politik und Geschichte das Land, seine Kultur und Religion näher, indem sie nicht nur die aktuelle Lage analysiert, sondern auch von ihren persönlichen Erlebnissen berichtet. Außerdem räumt sie auch mit manchem Klischee auf, das durch einige Medien vorgegaukelt wird.

Das gut lesbare Buch sollte in keiner Bücherei fehlen.

Signatur: Ee|Sa
Schlagworte: Syrien|Politik|Religion
Bewertung: +++
Rez.: Cornelia von Forstner

 

Rezension des Monats April 2016

Damm, Antje: Hat Jesus Fußball gespielt? Ill. von Katja Gehrmann. Frankfurt: Moritz 2016. 59 S. : Ill. ; 22 cm. ISBN 978-3-89565-318-6, geb.: 9,95 €

Der schreckliche Herr Kruzinna will Freds Ball nicht zurückgeben. Da erinnert sich Fred an die Geschichte von Zachäus…

Fred besucht seit kurzem die Schule. Eines Nachmittags fliegt beim Fußballspielen der Ball in den Garten von Herrn Kruzinna, dem schrecklichen Nachbarn. Kruzi weigert sich, den Ball zurückzugeben. Fred und seine Freunde macht das zunächst schrecklich wütend. Dann aber erinnert sich Fred an die Geschichte von Zachäus, die seine Lehrerin im Religionsunterricht erzählt hat, und er fragt sich, wie Jesus wohl mit Herrn Kruzinna umgegangen wäre. Nur: Hat Jesus überhaupt Fußball gespielt? Ganz wunderbar erzählt Antje Damm aus dem Alltag eines siebenjährigen Jungen. Katja Gehrmanns liebevolle Illustrationen, die den sehr lesefreundlich gesetzten Text oft untermalen, lassen den Leser Freude, Zorn und Nachdenklichkeit der Hauptpersonen nachempfinden. Insgesamt ein hinreißendes Beispiel dafür, wie eine biblische Geschichte ganz unverkrampft mit dem Alltag eines Kindes verknüpft werden kann!

Besonders Jungen werden an diesem Buch ihren Spaß haben! Sehr zu empfehlen ab 7 Jahren und für alle, die Kindern gerne biblische Geschichten auf ungewohnte Art erzählen.

Signatur: Ju 1
Schlagworte: Zachäus|Freundschaft|Streit
Bewertung: +++
Rez.: Erhard Reschke-Rank

 

Rezension des Monats März 2016

Bibel. Jugendbibel der Katholischen Kirche. Stuttgart: Kath. Bibelwerk 2015. 429 S. : Ill. ; 23 cm. ISBN 978-3-460-32587-6, geb.: 14,99 €

Ein Wunder! Eine wahrhaftig tolle Bibel für Jugendliche und alle, die neugierig geblieben sind.

Schade, dass wir - als Evangelische Kirche - dieses Projekt nicht gemacht haben. Das ist der erste Gedanke, der mir in den Kopf kam, als ich diese Bibel in der Hand hatte. Seitdem sind einige Wochen vergangen und ich nehme sie immer wieder her, weil sie "eine Lust für die Augen ist und klug macht". Das katholische Bibelwerk hat diese Jugendbibel in Kooperation mit der „Youcat-Foundation“ herausgebracht. Der Text der Einheitsübersetzung wird kommentiert, illustriert mit kleinsten Miniaturen, witzigen gekonnten (!!!) Bildchen aus Strichmännchen und -frauchen und einer Fülle von Texten aus der Tradition der katholischen Kirche (der Schatz der Heiligen) und wenigen guten Texten aus evangelischen Federn (unsere Heiligen: Bach und Bonhoeffer). Es entsteht ein vielstimmiges Werk, das die Tiefe der biblischen Überlieferung in ihrer Gegenwärtigkeit zum Leuchten bringt. Welch ein Glück, einen Papst wie Franziskus zu haben? Welch eine Gnade, Glaubenslehrende wie Frere Roger und Edith Stein zu haben? Was auffällt: die wenigen erklärenden Bemerkungen zu den biblischen Texten sind wissenschaftlich aktuell und mutig aufklärerisch. 

Für Gruppen von Heranwachsenden und Erwachsenen.

Signatur: Jc|Cb
Schlagworte: Bibel|Tradition|Gebete|Jugend
Bewertung: +++
Rez.: Christiane Thiel

 

Rezension des Monats Februar 2016

Ortheil, Hanns-Josef: Der Stift und das Papier. Roman. München: Luchterhand 2015. 383 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-630-87478-4, geb.: 21,99 €

Schreiben - alles notieren - jeden Tag. Der Weg aus der Sprachlosigkeit führt über das Aufschreiben.

Hanns-Josef Ortheil, 1951 in Köln geboren hat einen langen Weg zurück legen müssen, um eine Möglichkeit zu finden, sich auszudrücken. Seit dem 8. Lebensjahr wurde er von den Eltern aus dem Stummsein mit nicht nachlassender Intensität Tag für Tag hinaus in die Normalität geführt. Er wurde „Das Kind das schreibt“. In früheren Büchern hat Ortheil schon Stationen auf diesem Weg beschrieben. Es wird dem Leser ein tief anrührendes Erlebnis, diesen Weg teilnehmend zu begleiten. Man muss die Eltern bewundern, wie sie ihn täglich ermutigten und befähigten, selbstgestellte Schreibaufgaben zu bewältigen. „Der Stift und das Papier“ werden zum Lebenselixier für den heutigen Schriftsteller, Pianisten und Professor für Kreatives Schreiben an der Universität Hildesheim.

Die bewegende Geschichte eines Jungen, der lange Zeit nicht sprach und der einen eigenen Weg zum Sprechen und Schreiben suchen musste. Nachdrücklich empfohlen.

Signatur: SL
Schlagworte: Schreiben|Ausdrucksfähigkeit
Bewertung: +++
Rez.: Christine Razum

 

Rezension des Monats Januar 2016

Wagemann, Gertrud: Feste der Religionen - Begegnung der Kulturen. München: Kösel 2015. 269 S. : Ill. ; 22 cm. ISBN 978-3-466-37115-0, geb.: 21,99 €

Ein Buch zum Freuen! Voller Wissen, schöner Bilder und tiefem Respekt vor den Kulturen und deren Festen.

Gertrud Wagemann beschäftigt sich seit Jahren mit interkulturellen Kalendern. Ihre Leidenschaft dafür wurde durch ihren Wunsch nach gegenseitigem Respekt und Wertschätzung geweckt. Sie begab sich auf Suche und Forschungsreise und heute ist sie sachkundig und offenbar gründlich informiert. Sie kennt sich mit Festen und Feiern aus, versteht die Unterschiede der Kalender und hat Einfühlung und Erfahrung genug, die Religionen und ihre Bräuche ebenbürtig darzustellen. Das Buch ist nach den Religionen geordnet. Im Anhang findet sich eine kalendarische Übersicht. Wenige aussagekräftige Bilder illustrieren den Inhalt. Besonders schön: immer wieder werden originale Texte (in deutscher Übersetzung) eingebaut. Das macht das Buch lebendig und abwechslungsreich. Die Freude über die Vielfalt ist dem Werk abzuspüren. Das ist schön. Heute gehört es in jede Bücherei.

Hervorragend geeignet für Flüchtlingsarbeit, Willkommensklassen, sowie Gesprächskreise.

Signatur: Ch 1|Cm
Schlagworte: Religionen|Feste|Bräuche|Gebete
Bewertung: +++
Rez.: Christiane Thiel

 

Rezension des Monats Dezember 2015

La Roche, Käthi: Buchstabe für Buchstabe. Den Glauben lesen lernen. Ein Buch für Kinder, Eltern und Grosseltern. Ill. von Hannes Binder. Zürich: TVZ 2015. 208 S. : Ill. ; 20 cm. ISBN 978-3-290-17789-8, geb.: 30,90 €

Exquisit gemachtes Buch, anspruchsvoll bebildert, anspruchsvoll geschrieben. Ein Alphabet der besonderen Art.

Hier liegt ein Buch vor, das nicht kleckert, sondern klotzt, obwohl es in Format und Ausstattung bescheiden erscheint. Ein Blick ins Innere belehrt schon bei den Buchstabenvignetten eines Besseren: ein Künstler tritt neben eine versierte und kluge Theologin, gemeinsam machen sie ein lesenswertes, unterhaltsames und herausforderndes Buch, das gründlich nach der Bibel fragt und theologisch Wissenswertes klar in Worte fasst. Dabei bleibt die Autorin (Käthi La Roche, bis 2011 Pfarrerin am Großmünster in Zürich) den Traditionen treu und erzählt recht eindeutig nach. Hier fehlt mir der kritische Abstand zu den biblischen Figuren oder vermeintlich historischen Ereignissen. Das ist aber auch die einzige Schwäche, die ich finden konnte. Es liest sich gut, spart Belehrung und altkluge Besserwisserei aus und ist nah am Leben dran. Es ist KEIN Buch für kleine Kinder. Texte und Bilder verlangen Konzentration und Leseerfahrung. Ab 12 Jahre ist es einsetzbar. Es taugt für den Konfirmationsunterricht.

Für Familien zum Vorlesen, für Religionsunterricht, Konfirmationsunterricht, Glaubenskurs, Gottesdienste für Große und Kleine.

Signatur: Jc
Schlagworte: Glauben|Kinderbibel|Tradition|Theologie
Bewertung: +++
Rez.: Christiane Thiel

 

Rezension des Monats November 2015

Schärer, Kathrin: Der Tod auf dem Apfelbaum. Zürich: Atlantis 2015. O. Pag. : überw. Ill. ; 26 cm. ISBN 978-3-7152-0701-8, geb.: 14,95 €

Der Tod gehört zum Leben.

Ein altersschwacher Fuchs lebt unter einem Apfelbaum und es ärgert ihn, dass die anderen Tiere seine Äpfel fressen und ihn nicht mehr fürchten. Als der Fuchs ein Zauberwiesel trifft, ergibt es sich, dass er einen Wunsch frei hat. Das Wiesel verzaubert den Apfelbaum so, dass jeder, der ihn berührt, an ihm für immer festklebt. So wagt bald kein Tier mehr, den Baum zu berühren. Als schließlich der Tod den Fuchs zu sich holen will, kommt der Fuchs auf eine listige Idee. Er bittet den Tod um einen letzten Apfel und schon klebt der Tod am Baum. Nach einer langen Zeit sind aber alle Freunde des Fuchses gestorben und deshalb sehnt auch er sich nach dem Tod und geht friedlich mit ihm. Die kurzen Texte in verständlicher Sprache wirken in dieser Bilderbuchgeschichte vorbildhaft für einen guten Umgang mit dem Sterben. Einmalig ästhetisch und schön anzuschauen sind die großformatigen ausdrucksstarken Bilder, die einladen über die Gefühle angesichts des Todes zu reden.

Dieses äußerst gelungene Bilderbuch kann die Erkenntnis vermitteln, dass der Tod zum Leben gehört. 

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Alter|Tod|Leben
Bewertung: +++
Rez.: Barbara Cramer

 

Rezension des Monats Oktober 2015

Macdonald, Helen: H wie Habicht. Dt. von Ulrike Kretschmer. Berlin: Allegria 2015. 416 S. ; 22 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-7934-2298-3, geb.: 20,00 €

Ein Buch über die Sehnsucht, mit der Zähmung eines Habichts die Natur, sich selbst und andere Menschen zu verstehen.

Es beginnt mit der packenden Beschreibung der Besonderheiten des Habichts. „Im echten Leben ähnelt der Habicht dem Sperber ungefähr so wie der Leopard der Hauskatze.“ (S. 13) Sukzessive erläutert Macdonald ihre Leidenschaft für Greifvögel und die Jagd mit ihnen. Speziell die schwer abzurichtenden Habichte haben es ihr angetan, seit sie mit zwölf Jahren zum ersten Mal Falkner mit ihnen jagen sah. Ausgelöst werden diese Erinnerungen durch die Rückbesinnung auf den Vater, der als Fotograf und leidenschaftlicher Naturbeobachter seine Tochter nachhaltig geprägt hat. Um seinen Tod zu überwinden, stellt sie sich als mittlerweile erfahrene Falknerin der Herausforderung, einen Habicht abzutragen. Ihre Erfolge und ihr Scheitern verbindet sie mit Reflexionen über die Spannungen zwischen Mensch und Natur, über die historische Dimension der Falknerei als Demonstration von Macht sowie über die literarische Verarbeitung dieser Erfahrungen insbesondere im Werk von T.H. White ("Der König auf Camelot").

H wie Habicht erhielt in England den renommierten Samuel Johnson Prize, der herausragenden Sachbüchern verliehen wird, sowie den hochdotierten Costa Award für das beste Buch des Jahres. Für Liebhaber moderner Literatur über die Natur und die Abgründe menschlicher Existenz, die Geschichte und das Zeitgeschehen. Eine verblüffend unprätentiöse poetische Prosa.

Signatur: Bb|Ni
Schlagworte: Trauer|Falknerei|Frau|England
Bewertung: +++
Rez.: Rüdiger Sareika

 

Rezension des Monats September 2015

Honigmann, Barbara: Chronik meiner Straße. München: Hanser 2015. 151 S. ; 19 cm. ISBN 978-3-446-24762, geb.: 16,90 €

Tagtägliche Begegnungen und Beobachtungen in einer ganz gewöhnlichen Straße führen in ungeahnte Weiten.

Seit drei Jahrzehnten lebt Barbara Honigmann in Straßburg in einer wenig attraktiv aussehenden Straße, von der es heißt, dass am dort am Anfang wohne, um bald in eine vornehmere Gegend zu wechseln. So war sie zunächst auch bei der Autorin als ein Provisorium gedacht, doch es kam anders. Ihr Schreibtisch steht noch immer vor dem Fenster mit Blick auf den Balkon, den eine freundliche Hausbewohnerin ihr eines Tages mit bunten Blumen bepflanzte. So bunt und vielfältig sind auch die Eindrücke im Quartier voll Schicksalen im Völkergemisch der vielfältigen Ethnien mit ihren ab und an befremdlichen Gewohnheiten, auch Schrulligkeiten, nur der sprichwörtlichen französischen Lebensart begegnet man in der grenznahen Straße nicht. Heimat aber ist hier auch nicht wirklich, obwohl man nach etlichen Jahren im Hinterhof die eigene Laubhütte aufstellen darf, um die Festwoche zu begehen. Die Verwarnung der von Nachbarn herbeigerufenen Polizei, die Laubhütte innerhalb einer Woche abzubauen, kann man problemlos zusagen, denn dann ist das Fest zu Ende - bis zum nächsten Jahr.

Eine zauberhaft erzählte Straßenchronik, voll Lebensschicksalen und Lebensweisheit, hier und da nicht ohne ein Schmunzeln oder voll Ironie, aber auch nostalgisch und jedenfalls höchstaktuell in einer multikulturellen Zeit. 

Signatur: SL
Schlagworte: Interkulturalität|Heimat|Fremdheit|Großstadt
Bewertung: +++
Rez.: Halgard Kuhn

 

Rezension des Monats August 2015

Scheuer, Norbert: Die Sprache der Vögel. Roman. München: Beck 2015. 237 S. : Ill. ; 20 cm. ISBN 978-3-406-67745-8, geb.: 18,95 €

Ein deutscher Wehrdienstleistender beobachtet in Afghanistan Vögel und verliert dabei sich selbst.

Mehrere Handlungsstränge warten auf die Leser: Im Mittelpunkt steht das Tagebuch des Sanitätsobergefreiten Paul Arimond, das mehrere Monate umfasst, die er in einem Feldlager in Afghanistan verbringt. Dann gibt es intensive Bezüge zu seiner Heimat in der Eifel, von wo er nicht nur ein familiär begründetes Trauma mitbringt, sondern wo er auch einen Autounfall verursacht hat, bei dem ein Freund irreversibel schwer verletzt wurde. Weiterhin gibt es Notizen eines Vorfahren, der im 18. Jahrhundert Afghanistan bereist hat. Außerdem wird der Fund von Arimonds Tagebuch nach dessen Tod infolge eines Anschlags thematisiert. Das klingt nach zu viel Inhalt, aber dem Autor gelingt es, daraus ein stimmiges Mosaik zu formen, auch sprachlich. Wie bei Jonathan Trouern-Trends realem "Birding Babylon: Tagebuch eines Soldaten im Irak" (Berlin-Verlag 2009) spielen Vögel als Symbole für Freiheit und Frieden eine zentrale Rolle. Für Scheuers leidenden Protagonisten wird die Ornithologie aber zu einer selbstzerstörerischen Manie.

Das attraktiv illustrierte Buch wurde für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert und wird im Segment der deutschen Gegenwartsliteratur zur vorrangigen Anschaffung empfohlen.

Signatur: SL
Schlagworte: Afghanistan|Vögel|Bundeswehr|Familie
Bewertung: +++
Rez.: Tobias Behnen

 

Rezension des Monats Juli 2015

Brummer, Arnd: Jan Hus. Warum ein frommer Katholik auf dem Scheiterhaufen endete. Berlin: Wichern 2015. 160 S. ; 20 cm. (wichern porträts). ISBN 978-3-88981-389-3, geb.: 14,95 €

Informative und lebendige Biographie des frühen Reformators Jan Hus (1370 - 1415), der gegen die damaligen Missstände der Kirche ankämpfte und einer der Wegbereiter Martin Luthers wurde.

Zum Gedenken an 500 Jahre Reformation gehört auch die Erinnerung an frühere Reformatoren, wie den böhmischen Theologen Jan Hus. Bereits vieles Vertrautes begegnet einem: die Kritik am Ablasshandel, die Rückbesinnung auf die Bibel, die Forderung nach Gottesdiensten und einer Bibel in der Sprache des Volkes sowie des Abendmahls auch für Laien, die Kritik am sittlich moralischen Zustand der Kleriker, die Bewertung des Papstes als Antichrist. Alles Reformanstöße für die abendländische Kirche, alles hundert Jahre früher als Marin Luther. Dass der eine Reformator auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde und der andere zum „erfolgreichen“ Reformator wurde lag einfach an der politischen Großwetterlage. Die Wittenberger Reformation wurde durch eine zuverlässigere Unterstützung evangelischer gewordener Fürsten und vor allem deren Berater besser geschützt. - Das Buch von Arnd Brummer ist gut lesbar, persönlich und spannend geschrieben. Seine Motivation zu diesem Buch schildert der Autor in seinem Nachwort: „Noch immer leiden die Tschechen unter dem Umgang der Deutschen mit Jan Hus, seinem Werk und Sterben. Es ärgert sie, dass ihr Reformator auf dem Wege zum 500. Jahrestag der Veröffentlichung von Martin Luthers Thesen am 31. Oktober 1517 in Wittenberg nur am Rande wahrgenommen wird. Zu Recht!“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Ein weiterer Beitrag zum Verständnis der Reformation vor 500 Jahren. Breite Empfehlung für Büchereien jeder Größe, auch für die praktische Gemeindearbeit gut einsetzbar.

Signatur: Bb|Cc 1
Schlagworte: Reformation|Jan Hus|Hussiten|Lutherdekade
Bewertung: +++
Rez.: Martin Ertz-Schander

 

Rezension des Monats Juni 2015

Stuhlmann, Rainer: Zwischen den Stühlen. Alltagsnotizen eines Christen in Israel und Palästina. Neukirchen-Vluyn: Aussaat 2015. 155 S. : Ill. ; 22 cm. ISBN 978-3-7615-6179-9, geb.: 12,99 €

Eindrücke und Erlebnisse vom Alltag in Israel und Palästina. Der Autor lebt im internationalen ökumenischen Dorf Nes Ammim im Norden Israels.

Der frühere Pfarrer Stuhlmann lebt seit seinem Ruhestand in Nes Ammim, einem internationalen ökumenischen Dorf, wo er eine Begegnungsstätte leitet, in der versucht wird, das interreligiöse Gespräch zwischen Christen und Juden zu führen, Menschen unterschiedlicher Religionen und Kulturen zusammenzubringen und Verständnis für den jeweils Anderen zu wecken. Sein Engagement für die Versöhnung zwischen Israelis und Palästinensern durch tagtägliche Begegnungen ist nicht neutral, sondern er bezieht kritisch Stellung – für beide Seiten, setzt sich damit oft genug „zwischen die Stühle“ und eckt bei denen an, die ein klares Feindbild pflegen. In einem Blog berichtet er regelmäßig von seiner Arbeit und vermittelt sein Verständnis und Unverständnis für das, was er jeden Tag in Israel und den besetzten Gebieten beobachtet. Er warnt vor „falschen Freunden“ Israels oder Palästinas, die mit ihrem Engagement Feindbilder zementieren und letztlich der Sache schaden. Für dieses Buch wurden ausgewählte Blogbeiträge der letzten Jahre gekürzt, überarbeitet und in eine thematische Ordnung gebracht. In die Texte eingeflochten sind Bibelzitate, die der Autor als Leitfaden für seine Sicht- und Handlungsweise nutzt. Stuhlmann zeigt überzeugend, wie wichtig Begegnungen zwischen den Menschen sind, damit aus Fremden vielleicht Freunde werden.

Das Buch kann als Sammlung von Erlebnissen in Israel gelesen werden, aber auch als Anregung für eigene Aktivitäten im Hinblick auf interreligiöse bzw. –kulturelle Begegnungen genutzt werden. In diesem Sinne sehr empfohlen.

Signatur: Ee
Schlagworte: Israel|Palästina|Autonomie|Dialog
Bewertung: +++
Rez.: Wolfgang Vetter

 

Rezension des Monats Mai 2015

Richter, Peter: 89/90. Roman. München: Luchterhand 2015. 411 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-630-87462-3, geb.: 19,99 €

Die Wende aus der autobiografischen  Sicht eines Jugendlichen.

Ein unbeschwerter Sommer 1989 in der DDR. Der Autor Peter Richter schreibt, wie er damals in Dresden mit seinen Freunden das Leben bewältigt hat, welche Musik sie gehört, in welche Mädchen sie verliebt waren. Ohne es zu ahnen, es war der letzte Sommer der DDR. Plötzlich wurde alles anders. Die Mauer fiel und sie konnten es nicht fassen, was mit ihnen geschah. Schnell traten alle möglichen politischen Gruppierungen auf den Plan und behaupteten ihre Territorien. Gewaltfrei war das nicht. Straßenschlachten, gegenseitiges Auflauern und brutale Schlägereien waren an der Tagesordnung. Neonazis waren mit der Wende in Dresden sofort massiv aktiv.- Ein wunderbarer Roman, der den Leser die Wende aus einer sehr spezifischen Sicht erleben lässt. Ein Geschenk aus einem realen Leben.- Ein aktueller Roman, der den Leser verstehen lässt, warum die PEGIDA-Bewegung gerade in Dresden ihre Hochburg hatte. Das ist bereits seit der Wende angelegt und für Kenner keine Überraschung.- Ein später Wenderoman! Zu spät? Vielleicht – und trotzdem verständlich, denn die Ereignisse von damals müssen erst verarbeitet und erwachsen werden, bevor man sie aufschreiben und mitteilen kann.

Mit diesem Roman kann man wunderbar Abende gestalten, an denen Menschen erzählen, wie sie die Wende erlebt haben.

Signatur: SL
Schlagworte: DDR|Wende|Erwachsenwerden
Bewertung: +++
Rez.: Dirk Purz

 

Rezension des Monats April 2015

Damm, Antje: Der Besuch. Frankfurt: Moritz 2015. O. Pag. : überw. Ill. ; 26 cm. ISBN 978-3-89565-295-0, geb.: 12,95 €

Ein besonderes Bilderbuch, das Mut machen kann, sich immer wieder neu auf das Leben einzulassen.

Das Besondere an diesem Buch ist seine Machart. Antje Damm hat ihre Bilder nicht gezeichnet oder gemalt, sondern als Kartonkulisse gebaut und fotografiert. Als weiteres Stilmittel setzt sie auf die Aussagekraft von Farben. Man muss nur die erste Innenseite und die letzte aufschlagen (genau die gleiche Szene, aber doch völlig anders), um zu sehen, wie viel auf den Seiten dazwischen passiert sein muss. Im Mittelpunkt des Buches steht Elise. Bei ihr ist alles geordnet, sauber und einheitlich grau. Sie ist eine ängstliche Person, die zurückgezogen in ihrer eigenen Welt lebt. Dann geschieht es: das Leben klopft in Gestalt eines Jungen an ihre Türe. Elise lässt ihn eintreten und lässt sich damit auch auf Veränderungen in ihrem grauen Alltag ein. Diese Veränderungen machen ihre kleine Welt bunt und lebendig. Eine wunderschöne Geschichte – ein wunderbares Buch!

Sehr empfohlen für Büchereien und Familien mit Kindern im Alter von 4 – 7 Jahren. Auch einsetzbar in der Arbeit mit generationsübergreifenden Aspekten oder in der Seniorenarbeit.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Freundschaft|Generationen|Einsamkeit|Veränderung
Bewertung: +++
Rez.: Susanne Betz

 

Rezension des Monats März 2015

Gundar-Goshen, Ayelet: Löwen wecken. Roman. Dt. von Ruth Achlama. Zürich: Kein & Aber 2015. 431 S. ; 19 cm. Aus d. Hebr. ISBN 978-3-0369-5714-2, geb.: 22,90 €

Welchen Wert hat ein Menschenleben? Hängt er von Hautfarbe, Nationalität oder Bildung ab?

Die junge israelische Literatur ist schonungslos offen. Das Land, seine Leute, seine Politik, sein Alltag - alles kommt sagenhaft schlecht weg. Auch hier. Und zugleich ist dieses Buch zauberhaft, poetisch, brutal, wahr, leidenschaftlich und extrem spannend. Ein angesagter Neurochirurg überfährt bei einer nächtlichen Frustfahrt mit seinem Benzjeep (offenbar ein Statussymbol) einen "Infiltranten" (einen illegalen Einwanderer aus Eritrea) und begeht nach sachkundiger Einschätzung der Hoffnungslosigkeit des Falls Fahrerflucht. Er weiß nicht, dass er dabei beobachtet wird. Die Frau des Opfers spürt Etan auf und setzt ihn unter Druck. Ihren Anweisungen folgend beginnen Monate der Qual aus Zweifeln, Lügen, Begehren und harter Arbeit. Etan muss in einer verborgenen Garage Flüchtlingen ärztliche Hilfe leisten. Nacht für Nacht. Und seine Familie? Seine heile Welt, in der seine Söhne vertrauensvolle Kinder und seine Frau eine attraktive Kriminalkommissarin sind? Was wird damit? - Wie hätte man selbst in einer solchen Situation gehandelt? Diese Frage schwebt über dem Roman, der die Grenzen zwischen Liebe und Hass, Schuld und Vergebung und Gut und Böse meisterhaft auslotet. Nachdenklich machender Lesestoff. Gut geeignet für Gespräche über Schuld und Verantwortung.

Empfohlen für die Eigenlektüre, für Literaturkreise sowie zur Einstimmung auf eine Israelreise.

Signatur: SL
Schlagworte: Unfall|Tod|Gewalt|Migration
Bewertung: +++
Rez.: Christiane Thiel

 

Rezension des Monats Februar 2015

McEwan, Ian: Kindeswohl. Roman. Dt. von Werner Schmitz. Zürich: Diogenes 2015. 222 S. ; 19 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-257-06916-7, geb.: 19,90 €

Der 17-jährige Adam, Mitglied der Zeugen Jehovas, verweigert eine lebensrettende Bluttransfusion. Richterin Fiona Maye muss darüber urteilen.

Die Bitte kommt überraschend. Jack möchte noch einmal eine große, leidenschaftliche Affäre erleben und Fiona, seine Ehefrau seit 35 Jahren, soll ihren Segen geben. Fiona, renommierte Familienrichterin am Londoner High Court, ist entsetzt. Obwohl ihre Ehe in den letzten Jahren wenig heißblütig verlief, lehnt sie kategorisch ab. Genau zu dem Zeitpunkt muss sie über den Eilantrag einer Klinik entscheiden. Der 17-jährige Adam verweigert aus religiösen Gründen eine lebensrettende Bluttransfusion. Die sehr gewissenhafte Fiona begibt sich noch während der Gerichtssitzung ins Krankenhaus, um den jungen Mann über seinen Entschluss zu befragen. Diese Begegnung wird ihr Leben maßgeblich verändern. Der international bekannte englische Schriftsteller Ian McEwan legt, nach grandiosen Romanen wie „Abbitte“ oder „Der Zementgarten“ wieder ein Highlight der erzählenden Literatur vor. Seine Fähigkeit, Sätze von präziser Aussagekraft zu formen und damit erschütternde Szenarien zu beschreiben, hat Weltklasse.

Ein vielschichtiges Meisterwerk, das in jeder Bibliothek angeboten werden muss.

Signatur: SL
Schlagworte: Leukämie|Religiöse Sekten|Selbstbestimmung
Bewertung: +++
Rez.: Martina Mattes

 

Rezension des Monats Januar 2015

Poppe, Sonja: Bibel und Bild. Die Cranachschule als Malwerkstatt der Reformation. Leipzig: Ev. Verl.-Anst. 2014. 118 S. : Ill. ; 21 cm. ISBN 978-3-374-03795-7, geb.: 16,80 €

Populäre Einführung in das Schaffen von Lucas Cranach dem Älteren und dem Jüngeren.

Reformation - Bild und Bibel, anlässlich dieses Themenjahres hat die Theologin und Religionspädagogin Sonja Poppe eine erste Annäherung an das Wirken von Vater und Sohn der Cranach-Familie herausgebracht. Auf gut 100 Seiten und mit zahlreichen Abbildungen gibt sie einen guten Einblick in die Cranach-Schule als Malwerkstatt der Reformation. Dabei stehen die Präsentation und Interpretation von zehn Szenen aus dem Alten und Neuen Testament im Mittelpunkt des Buches. Die Autorin wie kongenial sich die Theologie Luthers und die Bildsprache der Cranach-Werkstatt verbanden und wie sich die bildliche Darstellung im Laufe der Zeit veränderte (bis hin zur Übermalung). Jeder Bilddeutung ist der Bibeltext (Lutherbibel 1984) vorangestellt, bevor Erläuterungen zur Entstehungsgeschichte und zur Bildkomposition zur theologischen Aussage des Gemäldes führen. Weitere Abschnitte befassen sich mit den Lutherporträts und dem Wittenberger Reformationsaltar.

Als kurzweiliger und allgemein verständlich verfasster Einstieg ins Thema Bild und Bibel für Bücherei, Gemeinde und Schule empfohlen. Auch zur Vorbereitung eines Besuches in Wittenberg oder einer der Gemäldegalerien, in denen man die Originale bewundern kann, gut geeignet.

Signatur: Cb 2|Kc
Schlagworte: Kunst|Bibel|Reformation
Bewertung: +++
Rez.: Gabriele Kassenbrock