Anderssein

Wer hat schon eine normale Familie? Belinda Nowell. Ill. von Míša Alexander. Hg. und dt. von Christel Rech-Simon. Heidelberg: Carl Auer 2017. O. Pag. : überw. Ill. ; 22 cm. (Carl-Auer Kids). Aus d. Engl. ISBN 978-3-8497-0203-8, geb.: 15,95 €

Ein Bilderbuch, das die Vielfalt von Familienformen abbildet und den Normalitätsbegriff hinterfragt.

Max „neue" Schwester ist ein Pflegekind. Als Max davon in der Schule erzählt, finden seine Klassenkameraden: „Das ist nicht normal!" Max beschäftigt dieser Satz sehr. Er vertraut sich zu Hause seiner Mutter an und diese hat eine tolle Idee: Mit Hilfe eines Klassenfotos kommen die beiden über andere Familien(konstellationen) ins Gespräch und stellen fest: Keine Familie entspricht dem vermeintlichen „Idealbild". Denn „jede Familie ist anders, und das ist die normalste Sache von der Welt." Dieses liebevoll illustrierte Bilderbuch greift ein wichtiges Thema der Kinderwelt auf: den Wunsch dazuzugehören. Kinder beobachten sehr genau, wie man sich zu verhalten hat, um wie alle anderen zu sein. Gleichzeitig definiert auch die Erwachsenensprache, was, wer oder welches Verhalten „normal" ist. Das Buch kann heilsam für die kindliche und erwachsene Seele sein und eine offenere und schubladenfreiere Perspektive auf die Welt ermöglichen.   

Dieses Buch ist eine Einladung zum Austausch von Sichtweisen und Erlebnissen - an Kinder ab 4 Jahren und ihre Bezugspersonen. Mit einem Nachwort für Eltern und Erzieher/innen.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Familie | Anderssein | Adoption | Pflegekinder
Bewertung: +++
Rez.: Lena Danneberg

Der volllkommmen normale Herr Gnirzdefrrrtz. Martin Fuchs. Ill. von Fréderic Bertrand. Leipzig: Klett Kinderbuch 2018. O. Pag. : überw. Ill. ; 20 cm. ISBN 978-3-95470-183-4, geb.: 14,00 €

Nur weil jemand Hjolllschdequttelicki Gnirzdefrrrtz heißt, soll er nicht in Ordnung und absolut normal sein? Wieso das denn?

Auf den ersten Blick wirkt Herr Gnirzdefrrrtz außergewöhnlich, auf den zweiten ganz normal. Denn dann kennen wir ihn ja schon! Manche meinen, er sei nicht ganz normal, er sei ein komischer Typ. Aber wenn wir ihn uns ganz genau anschauen, dann kann es wohl nicht an seinem Bart liegen, der aus 1000 grünen, lustigen Tausendfüßlern besteht, auch nicht an seinen kunterbunten Zähnen, seiner Kleidung aus morschen Ästen und Ranzwanzen, seinen drei Augen (zwei zum Essen, eins zum Hören) mit Austauschexemplaren für Weihnachten namens Glitzi-Glupsch-Festtagsaugen … nee, so sind wir doch alle! Wir sind doch alle ein bisschen durchgeknallt. Jeder ist anders, jeder ist ein Original und somit herrlich normal. Jeder darf er selbst sein. Mit diesem graphisch toll umgesetzten Vorlesebilderbuch merken das selbst schon die Kleinsten. Sehr wertvoll!

Ein witziges Vorlesebuch mit farbenfrohen originellen Zeichnungen, welches junge LeserInnen ab 3 begeistern wird.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Individuum | Anderssein | Akzeptanz | Humor
Bewertung: +++
Rez.: Anne Tebben

Viale, Marco: Vorsicht. roter Wolf. Dt. von Ulrike Schimming. Frankfurt: Sauerländer 2018. O. Pag. : überw. Ill. ; 30 cm. Aus d. Ital. ISBN 978-3-7373-5438-7, geb.: 16,99€

In eine blau geordnete Welt voll blauer Wölfe kommt ein roter Wolf.

In der blauen Stadt der blauen Wölfe ist alles geregelt. Und das bitte schön in blau. Alle machen immer das gleiche. Wohnen in blauen Häusern mit zwei Fenstern, stehen zur selben Zeit auf, trinken Kaffee aus blauen Tassen, tragen blaue Krawatten und setzen sich in ihre blauen Autos, um zur Arbeit zu fahren. Selbst Pipi machen läuft unisono ab. Selbstverständlich in blau. Dann kommt da plötzlich ein roter Wolf. Auf einem Fahrrad. Pfeifend. Und auch noch unverschämt glücklich. Als er nach einiger Zeit die Stadt wieder verlässt, haben die blauen Wölfe viel über die Bedeutung des Pfeifens gelernt. Und bald schon naht ein gelber Wolf. Großartig wie Viale mittels Größe, Farbe, Typografie und Perspektive die Atmosphäre einfängt und Spannung aufbaut. Auf einer Doppelseite führt er am linken Bildrand mit Schrift und Farbe den kleinen roten Wolf ein, während die rechte Seite die blaue Blechkarawane der Wölfe ausfüllt, die starr in ihrer Bewegung eingefroren scheint. Ein Hoch auf das Pfeifen, verkörpert es hier doch eine Lebenshaltung in der Freude, Selbstbestimmung und Müßiggang möglich ist.

Für Kindertagesstätten und Grundschulen. Gerne empfohlen für alle Bestände.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Individualität | Anderssein | Lebensfreude
Bewertung: +++
Rez.: Anna Winkler-Benders

Frank, Astrid: Enno Anders. Löwenzahn im Asphalt. Ill. von Regina Kehn. Stuttgart: Urachhaus 2017. 158 S. : Ill. ; 21 cm. ISBN 978-3-8251-5122-5, geb.: 14,90 €

Auch ANDERS kann gut sein...

Mit Enno stimmt was nicht. Enno ist anders, anders, anders." Und Enno tut sich wirklich schwer, in der Schule und daheim den Erwartungen der Erwachsenen gerecht zu werden. Mit seiner Klassenlehrerin Frau Wolf, die immer nur seine Defizite sieht, ist es nicht leicht und auch Ennos Mutter verliert mitunter die Geduld mit Ennos „Macken". Nur sein einziger, hochbegabter Freund Olsen versteht Enno und seine Anpassungsschwierigkeiten. Doch durch die Hilfe von Olsens Mutter, die für Ennos Familie einen Termin beim Psychologen macht, kommt Bewegung in die scheinbar ausweglose Situation. Denn Enno ist weder hoch- noch tiefbegabt, sondern hochsensibel. Er nimmt daher viel mehr wahr als die anderen Kinder und braucht Zeit, alles zu verarbeiten. Und mit dieser Erkenntnis wächst Verständnis für diesen besonderen Jungen und seine Fähigkeiten. - Eine sensible Geschichte, die tiefreichendes Verständnis für die Andersartigkeit von Kindern zu wecken versteht und Zuversicht nährt, dass ihr Leben gelingt.

Bestens geeignet für Kinder am Ende der 4. Grundschulklasse.

Signatur: Ju 2
Schlagworte: Anderssein | Hochsensibilität | Freundschaft
Bewertung: +++
Rez.: Karin Steinfeld-Bartelt

Stromer. Sarah V. Ill. von Claude K. Dubois. Dt. von Tobias Scheffel. Frankfurt: Moritz 2017. O. Pag. : überw. Ill. ; 16 cm. Aus d. Franz. ISBN 978-3-89565-342-1, geb.: 12,95 €

Ein Kind begegnet einem Obdachlosen.

Das Bilderbuch erzählt zwei Geschichten, die schließlich zusammengeführt werden. Die eine Geschichte handelt von einem Kind, das morgens behütet aufsteht und mit seiner Mutter zur Schule geht. Die andere Geschichte berichtet von Stromer, einem Mann ohne festen Wohnsitz, der auch aufstehen muss. Aber sein Start in den Tag ist ganz anders als der des Kindes. Von dem Kontrast Ordnung - Unordnung, Schutz - Sorge lebt das Buch. Stromers Geschichte ist ausführlicher, weil das Buch auf Empathie mit Stromer angelegt ist. Das Kind entdeckt Stromer und durchbricht seine Mischung aus Scham, Einsamkeit und Ausgrenzung mit der kindlichen Frage: Magst du einen Keks? Es wird der beste Keks für Stromer. Nähe ist ein Lebenselixier. Die Farben der Bilder sind zart, hell. Die Linien sind fließend ohne starke Kontraste. Der Inhalt bietet genug Kontrast.

In Kindertagesstätten und Grundschulen kann das Buch eingesetzt werden. Oder in einer Andacht zum Thema Obdachlosigkeit.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Obdachlosigkeit | Mitgefühl | Perspektivwechsel
Bewertung: +++
Rez.: Martin Schulz

Pin, Isabel: Du nicht! Rostock: Hinstorff 2017. O. Pag. : überw. Ill. ; 30 cm. ISBN 978-3-356-02155-4, geb.: 16,99 €

Eine Robbe findet neue Freunde bei den Pinguinen - bis die Vögel elementare Unterschiede bemerken.

Die drei Pinguine staunen nicht schlecht, als ein neuer Spielgefährte auf sie zuschlurft: Kautschuk nennt er sich und bereichert das Trio gleich mit seinen guten Einfällen. Und mit ihm macht alles doppelt so viel Spaß! Dass er anders aussieht, bemerken die Vögel erst, als alle zusammen einen Schneepinguin bauen wollen und Kautschuk den Schnabel dazu auftreiben soll. Der jedoch bringt einen Stein, dann eine Muschel - erst da nehmen die Pinguine seine Andersartigkeit wahr! Nun wird Kautschuk gemieden, doch seine guten Ideen fehlen den anderen bald. - Verpackt in eine Geschichte mit wunderbar klaren Illustrationen, vorwiegend in weiß, schwarz und blau, kommt die Botschaft schon bei kleinen Kindern an:  Das vermeintlich Fremde muss kein Ausschlusskriterium sein für Freundschaft. Im Gegenteil: Gemeinsamkeiten zwischen Gleichaltrigen finden sich über Länder- und Völkergrenzen hinweg. 

Ein wunderschönes Bilderbuch, das sich bestens als Einstieg zum Thema "Fremd sein" in Kita und Bibliothek anbietet. 

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Freundschaft | Anderssein
Bewertung: +++
Rez.: Margarete Barth-Specht

Biddulph, Rob: Ein bunter Hund. Dt. von Steffen Jacobs. Zürich: Diogenes 2017. O. Pag. : überw. Ill. ; 29 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-257-01212-5, geb.: 16,00 €

Eine Hundedame sticht aus der grauen Masse ihrer Mithunde hervor.

In der Stadt der Hunde geht alles sehr geordnet zu. Einheitskleidung wird getragen und keiner tanzt aus der Reihe. Aber eine Ausnahme gibt es doch: Eine Hundedame trägt Kunterbunt und sie bewegt sich gegen den Strom. Doch alleine Anderssein macht einsam. Deshalb begibt sie sich auf die Suche nach anderen bunten Hunden so wie sie einer ist. Ihre Reise bringt sie bis nach Bellowood, der Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten. Dieses Bilderbuch des gebürtigen Briten besticht durch klare Formen und Farben. Konformität trifft auf etwas Chaos. Die einzelnen Seiten passen sich in ihrer Gestaltung dem Rhythmus des gereimten Textes an. Und dieser wiederum fügt sich wohldosiert und -platziert in die ganzseitigen Farbillustrationen ein. Detailreich, witzig, emotional und mit einer Portion britischem Patriotismus sendet dieses Buch die Botschaft aus, Mut zum Anderssein zu haben.

Ein sehr empfehlenswertes Bilderbuch gegen den Mainstream mit britischem Charme. Nicht nur für Hundeliebhaber zum Vorlesen und Selberlesen für jung und alt geeignet.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Außenseiter | Toleranz | Anderssein
Bewertung: +++
Rez.: Brigitte Elstner-Steinbach

Bansch, Helga: Die Rabenrosa. Wien: Jungbrunnen 2015. O. Pag. : überw. Ill. ; 22 cm. ISBN 978-3-7026-5874-8, geb.: 14,95 €

Wie die Rabenrosa ihr Anderssein akzeptiert und ihre Stärken zu nutzen lernt.

Hoch oben auf dem Baum lag das Nest, in dem Rosa und ihre Rabengeschwister aus ihren Eiern schlüpften. Warm und gemütlich war es da und die klugen, umsichtigen Rabeneltern versorgten ihre Kleinen mit allem, was diese so brauchten. Doch bald merkt Rosa, dass sie anders als die Geschwister ist, sie lernt nicht fliegen, sie bleibt federlos und kann einfach nicht krächzen. Von anderen wird sie angestarrt und bemitleidet und sie versucht, sich anzupassen. Doch dann findet Rabenrosa heraus, welche starken Fähigkeiten sie hat und lernt diese anzunehmen und selbstbewusst zum Vorteile aller einzusetzen. Die Geborgenheit und Annahme in ihrer Familie unterstützt sie dabei sehr. In braun, grau, rosa und rot gehaltenen bildschönen Zeichnungen und Collagen, die aus verschiedenen Perspektiven auf das Geschehen blicken, kommt diese herzerwärmende, einfühlsame Geschichte daher. Hoffnungsvoll und freudig endet sie mit den Worten: Ich freu mich auf morgen.

Wunderschöne Mutmach-Geschichte für Kinder ab 4 Jahren, über Selbstannahme, die Courage, eigene Stärken auszuleben und von der Kraft, die eine liebevolle Umgebung verleihen kann. 

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Anderssein|Selbstvertrauen|Familie
Bewertung: +++
Rez.: Stefanie Drüsedau

Jelena fliegt. Viola Rohner. Ill. von Sonja Bougaeva. Wuppertal: Hammer 2015. O. Pag. : überw. Ill. ; 22 cm. ISBN 978-3-7795-0512-9, geb.: 14,90 €

Obwohl Jelena für ihr Alter zu groß, zu dick und zu dumm ist, zeigt sie der Welt, welche Qualitäten in ihr stecken.

Der Jahrmarkt ist Jelenas Welt. Dort steht die Schießbude ihrer Mutter und die Achterbahn des Vaters. Weil das Kind viel zu groß und zu dick ist, passt es nirgendwo hinein, selbst in die Schulbank nicht, die es mit jedem Umzug wechseln muss. Deswegen bleibt Jelena dumm. Eine Sache kann sie wie keine Zweite. Bei der Jahrmarktattraktion „Hau-den-Lukas“ schwingt sie den Hammer so kraftvoll, dass der Schneller bis in den Himmel fliegt. Jelena bekommt für ihr Geschick eine Menge schönster Ballons. Diese tragen sie hoch in die Lüfte. Die Eltern sorgen sich um ihre verschwundene Tochter. Da lässt das Mädchen einen Ballon nach dem anderen los und ... Farbenprächtige Zeichnungen unterstützen Viola Rohners anrührende Geschichte von der Außenseiterin Jelena aufs Beste. Durch die Luftballone und ihren Triumph beim Hau-den-Lukas wird Jelena so leicht, dass sie die Erdenschwere hinter sich lassen kann. Die glückliche Wiedervereinigung von Eltern und Kind außerdem rührt nicht nur das Herz junger Betrachter.

Das wärmende Bilderbuch lädt zum Betrachten, Nachdenken und Diskutieren ein: über Außenseiter, Talente und die eigene Haltung gegenüber Nonkonformisten. Unbedingt anbieten!

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Außenseiter|Talente|Kraft
Bewertung: +++
Rez.: Martina Mattes

Erdrich, Louise: Das Haus des Windes. Roman. Dt. von Gesine Schröder. Berlin: Aufbau 2014. 383 S. ; 22 cm. Aus d. Amerikan. ISBN 978-3-351-03579-2, geb.: 19,99 €

Leben im Indianerreservat, Vergewaltigung der Mutter; der 13jährige Joe erzählt die Geschichte seiner Initiation.

Der erwachsene Joe Coutts erzählt im Rückblick von der traumatischen Erfahrung seines Erwachsenwerdens in den späten 1980er Jahren. Die Familie lebt im Indianerreservat der Ojibwe in Nord Dakota, sie ist angesehen, der Vater Richter, die Mutter arbeitet in der Stammesverwaltung. Geraldine wird von einem Unbekannten vergewaltigt und entkommt nur knapp dem Tode. Die kriminalistische und juristische Verfolgung des Täters ist schwierig, gelten doch für Indianer und Weiße unterschiedliche Gesetze, entweder Stammes-, Einzelstaats- oder das föderalistische Recht. Joe kann das alles noch nicht völlig verstehen, aber er beginnt zu begreifen, dass für die Menschen in Amerika noch lange nicht Rechtsgleichheit besteht. Die heile Welt seiner Kindheit zerbricht, die Welt seiner geliebten Fernsehserie 'Star Trek' ist eine Illusion, die Wirklichkeit ist anders. - Entschlossen nimmt er das Recht in die eigene Hand, und wird erwachsen. Die Form der Initiationsgeschichte ist das Strukturprinzip des Romans.

Für Leser, die sich für die psychologische Seite des Rassismus interessieren, wird die Problematik grandios und vielschichtig vorgeführt.

Signatur: SL
Schlagworte: USA|Reservat|Recht|Erwachsenwerden
Bewertung: +++
Rez.: Hans-Wolfgang Schaller

Endres, Brigitte: Schluri Schlampowski und die Spielzeugbande. Ungekürzte, inszenierte Lesung. Sprecher: Andreas Fröhlich. Musik: Dirk Wilhelm. Regie: Johanna Setiner. Berlin: Argon 2012. 1 CD ; 74 Min. ISBN 978-3-8398-4027-6, : 9,95 €

Ein Schlampiner gerät durch einen Sturm in das Abenteuer seines Lebens und findet ein neues Zuhause.

Die Spielzeugbande ist zunächst gar nicht erfreut, als der Puppendoktor Opa Helfrich so ein hässliches Zottelwesen aus dem Bach fischt und auch noch bei sich aufnehmen will. Dieses hässliche Etwas muss erstmal aufgepäppelt werden, ehe es die abenteuerliche Geschichte der Verwehung von seiner Heimatinsel Tohuwabohu und den Inselbewohnern erzählen kann. Bedauerlicherweise hat der neue Mitbewohner ausgerechnet eine Vorliebe für Zwiebeln, Schlammbäder und Unordnung. Die Puppe Grete Petete hält dann aber doch zu Schluri, schließlich rettet er sie vor dem nachbarlichen Hund. Am Ende des Tages ist Opa Helfrich sich sicher, dass das Leben mit dem Schlampiner deutlich aufregender sein wird als ihr bisheriges. Brigitte Endres lässt die Spielzeuge lebendig werden, verleiht jedem Einzelnen einen speziellen Charakter und hat mit Schluri Schlampowski eine freche, quirlige Figur geschaffen, der man gern auf seinen Abenteuern folgt. Andreas Fröhlich liest wie immer wunderbar, mit Lust auf mehr.

Familienhörbuch für junge Hörer ab ca. 4 Jahre mit Schmunzelgarantie und KiTa geeignet.

Signatur: Ju 1
Schlagworte: Außenseiter|Abenteuer|Freundschaft
Bewertung: +++
Rez.: Axel Witkavel

Silvey, Craig: Wer hat Angst vor Jasper Jones? Dt. von Bettina Münch. Reinbek: Rowohlt Taschenbuch Verl. 2012. 416 S. ; 22 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-499-21613-8, geb.: 16,95 €

Egal, was in dem kleinen australischen Städtchen Corrigan auch passiert: Es kann nur Jasper Jones gewesen sein.

Jasper Jones wird in Corrigan für nahezu alles verantwortlich gemacht. Er ist ein Sündenbock für die dort lebenden Menschen. Nur in dem Highschool-Sportteam, für das er reihenweise Siege einholt, wird er für die Spielzeit von seinen Mannschaftskameraden und den Zuschauern akzeptiert. Grund genug für ihn, gut versteckt im australischen Busch sein Dasein zu fristen. Als er dort jedoch seine Freundin eines Nachts erhängt an einem Baum vorfindet, ist für ihn klar, dass die Einwohner ihn sofort des Mordes verdächtigen werden. Er bittet seinen Mitschüler Charlie Bucktin um Hilfe. Seit dieser Nacht ändert sich schlagartig Charlies bisher ruhig verlaufenes, langweiliges Leben.- In diesem erschütternden Roman wird schonungslos ein Bild einer Gesellschaft entworfen, die einem unschuldigen Menschen "einen Stempel aufdrückt". In den Medien präsente und aktuelle Themen wie sexueller Missbrauch in der Familie, Selbstmord und Außenseitertum bzw. Mobbing werden geschickt in den Handlungsverlauf integriert.

Ein aufwühlender Roman für Jugendliche ab 14 Jahren, der den Leser noch lange Zeit nach der Lektüre gedanklich beschäftigen wird.

Signatur: Ju 3
Schlagworte: Außenseiter|Mobbing|Vorurteile|Selbstmord
Bewertung: +++
Rez.: Inger Lison

Habersack, Charlotte: Kalle gegen Alle. Ill. von Eva Schöffman-Davidov. Berlin: Tulipan 2011. 154 S. : Ill. ; 22 cm. ISBN 978-3-939944-75-1, geb.: 12,95 €

Kalle wird bald 10. Nun soll Schluss sein mit der Außenseiterrolle.

Kalle ist alles andere als beliebt in seiner Klasse. Er ist zu dick und unsportlich. Hat keine coolen Sachen oder berühmten Eltern. Immer heißt es: Alle gegen Kalle. Aber damit soll jetzt Schluss sein. Seine Oma sagt immer, in 21 Tagen ist alles möglich. Man muss nur daran glauben. Also dreht Kalle den Spieß um und fordert das Schicksal heraus. Das gelingt noch besser, als er die Bekanntschaft von Arthur, einem Jungen aus der 2. Klasse macht. Gemeinsam machen sie das Unmögliche möglich und bekommen noch das wertvollste Geschenk von allen: Einen richtig guten Freund.- Der junge Protagonist hangelt sich auf der Suche nach Anerkennung ausgesprochen einfallsreich durch 21 Kapitel. Jedes einzelne wird von einer s/w-Zeichnung von Eva Schöffmann-Davidov passend eingeleitet. Er lässt nichts unversucht, seinen Widersachern Paroli zu bieten und steckt dabei auch mal was ein. Die Autorin spannt einen zeitlichen Rahmen um die Handlung und es gelingt ihr, diese mit viel Witz zu füllen.

Sehr empfehlenswertes Kinderbuch, bevorzugt für 10jährige Jungen, die das Gefühl kennen, keine Rockstars zu sein. Und für solche die denken, dass sie es sind.

Signatur: Ju 2
Schlagworte: Junge|Freundschaft|Außenseiter|Schule
Bewertung: +++
Rez.: Brigitte Elstner-Steinbach

Scheib, Asta: Streusand. Erzählungen. Hamburg: Hoffmann & Campe 2011. 125 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-455-40314-5, geb.: 15,00 €

Sechzehn Erzählungen von fast alltäglichen Ereignissen mit kleinen oft überraschenden Wendungen.

Die Autorin ist eine genaue Beobachterin, die hinter die Begebenheiten zu schauen versteht, die die Vordergründigkeit bürgerlicher Konventionen durchdringt und Vorurteile aufbricht. Ihre knappe, klare Sprache, ihre aufschlussreichen Dialoge charakterisieren die gesellschaftlichen Umbrüche, wobei sie die Situation von Frauen im Spannungsfeld zwischen Familie und Arbeitswelt und in veränderten Beziehungsgeflechten darstellt. Realistisch, unprätentiös, dennoch liebevoll und lebensklug. Obwohl unaufgeregt erzählt, beschreiben die Geschichten pragmatisch eine sich ständig wandelnde, keineswegs konfliktfreie Gesellschaft.

Die Erzählungen, von denen etliche in der bayerischen Metropole mit ihrem besonderen Flair angesiedelt sind, seien vorrangig für Leserinnen empfohlen.

Signatur: SL
Schlagworte: Alltag|Gesellschaft|Außenseiter
Bewertung: +++
Rez.: Halgard Kuhn