Generationen

Thimm, Katja: Vatertage. Eine deutsche Geschichte. Frankfurt am Main: S. Fischer 2011. 287 S. ; 22 cm.
ISBN 9783100769039 geb.: 18.95€

Ausgezeichnet mit dem Evangelischen Buchpreis 2012.

Es gibt zurzeit viele gute Bücher über das Älterwerden der eigenen Eltern, über den Umgang mit Krankheit und Demenz, mit Pflegestufen und Betreuungsmöglichkeiten, über die „Kriegskinder“-Generation und die Folgen ihrer Erfahrungen für ihre Familien. Katja Thimm berührt all diese Themen und hat doch ein ganz besonderes, ein fesselndes und erhellendes neues Buch geschrieben. Ausgehend von der Momentaufnahme des Umzugs ihres Vaters in ein Altenheim entwickelt sie eine Art Doppelbiografie, in der sie die Auseinandersetzung mit der Generation des Vaters auf die eigene generative und zeitgeschichtliche Sicht der Welt treffen lässt. Horst Thimm ist Jahrgang 1931. Aufgewachsen in Masuren zwingt der Krieg dem Dreizehnjährigen Flucht und große Verantwortung auf. Auch die Nachkriegszeit in der noch jungen DDR ist von Überforderung und übergangslosem Erwachsenwerden geprägt. Krieg, Flucht, Auseinandersetzung mit dem DDR-Regime, Haft und Ausreise in die Bundesrepublik, schließlich Familiengründung im konservativ geprägten Bonn-Bad Godesberg – anlässlich des rapiden Alterungsprozesses des Vaters wird der Autorin bewusst, wie wenig sie über die ersten dreißig Lebensjahre ihres Vaters weiß. Gemeinsam mit dem Vater unternimmt sie konkret und in Gedanken eine Reise in die Vergangenheit und rekonstruiert ein Stück Lebens- und Zeitgeschichte. Katja Thimm ist eine ausgezeichnete Journalistin und eine begabte Autorin. Meisterhaft hält sie die Balance zwischen sachlicher Erzählweise und emotionaler Dichte, zwischen Sympathie und Distanz. Dadurch reicht ihre Geschichte weit über die Darstellung eines individuellen Schicksals hinaus. Sie erzählt von einem Annäherungs- und Verstehensprozess und gibt damit einen wichtigen Anstoß zum Dialog der Generationen. Gleichzeitig legt das Buch eindrucksvoll Zeugnis über eine vertrauensvolle Vater-Tochter-Beziehung ab. Horst Thimm hat dem Schreiben dieses Buches, das auch seine Schwächen nicht verschweigt, nicht nur zugestimmt, er hat aktiv daran mitgewirkt. Zahlreiche Tonbänder sind aufgenommen worden und Katja Thimm hat ihm immer wieder Passagen „unseres Buches“ vorgelesen.

Erleben und Recherche, Erzählen und Reflexion gehen bei Katja Thimm eine überaus fruchtbare Verbindung ein. Ihr Buch regt an, über die eigene generationengeprägte Sicht der Welt und das Miteinander der Generationen nachzudenken.

Signatur: Bb
Schlagworte: Lebensgeschichte
Bewertung: +++
Rez.: Gabriele Kassenbrock

Elscher, GéraldineDer alte Schäfer. Ill. von Jonas LauströerBargteheide: minedition 2011. o. Pag.: überw. Ill.; 30 cm. 

ISBN 9783865661425 geb.: 12.95€

Ein namenloser Ich-Erzähler besucht seinen Großvater, der im Rollstuhl sitzt, im Altenheim.

Immer fürchtet er sich vor einem grimmigen alten Mann, der sprachlos in der Eingangshalle sitzt. Da erfährt er, dass Otto früher Schäfer war und bringt ihm sein Schaf auf Rollen mit. Der Junge, sein Großvater, aber auch die Pflegerin sind erstaunt über die Veränderung, die mit dem alten Schäfer geschieht. Als der Junge dafür sorgt, dass wirkliche Schafe auf dem Gelände des Altenheims angesiedelt werden und auch Otto für sie sorgen darf, ist der Wandel perfekt. Das Buch beruht auf einer wahren Geschichte und lebt ganz von den beeindruckenden Bildern, die weit über die Wirklichkeit hinausgehen.

Ein Augenschmaus für Jung und Alt.

Signatur: Jm 1|Fd
Schlagworte: Alter|Altenheim|Senioren
Bewertung: +++
Rez.: Gabriele Kassenbrock

Hole, Stian: Garmans Sommer. Aus d. Norw. von Ina Kronenberger. München: Hanser 2009. o. Pag. : überw. Ill. ; 28 cm. .

ISBN 9783446233140 geb.: 14.90€

Ein Bilderbuch, das mit Illustrationen in surrealistischer Manier die Angst vor dem Tod und dem Schulanfang beschreibt.

Es gibt Bilderbücher, bei denen denken Erwachsene: „Das ist nichts für Kinder!" Kinder aber fassen die vermeintlich schweren Geschichten leicht auf. „Garmanns Sommer" schildert die Zeit vor dem Schulanfang. Drei Tanten kommen zu Besuch, die jedes Jahr kleiner und bald sterben werden. Garmann fragt sie aus und erfährt, wovor sie Angst haben. Auch seine Eltern erzählen ihm, wovor sie sich fürchten. Die Bildebene mixt Fotografien, Zeichnungen und grafische Techniken und fügt sie im Collage-Stil ineinander. Gelegentlich ist die Bildwirkung unheimlich. Auch der Erzählduktus ist collageartig und häufig hart gefügt. Die Gesamtwirkung ist poetisch und von großer Suggestion. Das Buch weiß, dass Kinder in einer noch unverstandenen Welt leben und doch mit allen großen Fragen des Lebens zurechtkommen müssen. Die wilden assoziativen Verknüpfungen, die Bilder und Texte vorführen, entsprechen dem kindlichen Denken. Erwachsenen wird jedoch dabei leicht mulmig.

Ein Buch für Erwachsene und Kinder, die sich vor etwas fürchten oder mehr vom Leben wissen möchten

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Tod|Alter|Angst
Bewertung: +++
Rez.: Frank Hiddemann

Rohner, Viola Wie Großvater schwimmen lernte. Ill. von Dorothea Wünsch. Wuppertal: Hammer 2011. o. Pag. : überw. Ill. ; 22 cm. 

ISBN 9783779503538 geb.: 13.90€

Ein kleines Mädchen unternimmt viel mit seinem Großvater, sie schauen den Zügen nach, sie gehen in den Zoo, sie arbeiten im Garten, sie kaufen einen Strohhut, sie besuchen einen kranken Freund, sie gehen zu einer Beerdigung. Stets kommentiert der Großvater die Unternehmungen mit der Floskel „zum letzten Mal“. Dem setzt das kleine Mädchen ihre Erfahrung „Einmal ist immer das erste Mal“ entgegen und bringt dem alten Herrn das Schwimmen bei. Diese Geschichte voller Weisheit und Lebensfreude wird in wenigen Sätzen und seitenübergreifenden querformatigen Bildern mit klaren Konturen und bewegten Figuren kongenial erzählt.

Das klug komponierte Buch über die Begegnung von Jung und Alt wird Kinder ab 5 Jahren interessieren und alle Großeltern beglücken.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Großeltern|Abschied|Tod
Bewertung: +++
Rez.: Gabriele Kassenbrock

Silverstein, Shel: Der Baum, der sich nicht lumpen ließ. Aus d. Engl. von Harry Rowohlt. Zürich: Kein & Aber 2010. o. Pag. : überw. Ill. ; 23 cm. 

ISBN 9783036952765 geb.: 12.90€

Ein Baum und ein kleiner Junge werden dicke Freunde und der Baum bleibt seinem Freund für immer treu.

„Es war einmal ein Baum und der liebte einen kleinen Jungen.“ Dieser kam täglich zu dem Baum, sammelte Blätter, kletterte den Stamm hinauf, schaukelte an den Ästen, aß Äpfel, schlief im Schatten des Baumes. Beide waren glücklich. Der Junge wurde älter, kam nur noch, wenn er etwas brauchte: Geld zum Amüsieren z.B., Holz zum Haus-, den Stamm zum Schiffsbau. Der Baum gab und gab und gab. Zuallerletzt brauchte der „Junge“, nun müde und hinfällig geworden, einen Platz zum Ausruhen. Dazu war ein alter Baumstumpf ideal. - Seine wunderbar weise, klar erzählte Beispielgeschichte vom Glück des Gebens und der Geduld hat Shel Silverstein mit knappen, eindrucksvollen Zeichnungen (schwarz auf weiß) illustriert. Auch wer in der Geschichte die gedankenlose Ausbeutung der Natur durch den Menschen thematisiert sieht, wird das kleine Buch nicht als „Absichtsbuch“ empfinden sondern eher als eins, das Denkanstöße gibt. Harry Rowohlt hat es ins Deutsche übersetzt. Der signalgrüne Einband mit roten Akzenten ist Blickfang.

Ich empfehle die Geschichte (die auch inmitten der Erwachsenenbücher stehen könnte) für alle Alterstufen, besonders zum Gebrauch in Kindergruppen und Schule.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Geben|Altern|Natur|Bewahrung der Schöpfung
Bewertung: +++
Rez.: Irmgard Schmidt-Wieck

Tejima, Keizaburo/Hisakazu, Fujimura: Der weise Hase Isopo.  Ill. von  Shitaku Yae.  Aus d. Japan. von Izukawa Yoko. Zürich: Baobab 2011. O. Pag. : überw. Ill. ; 31 cm. 

ISBN 9783905804331 geb.: 16.50€

Märchen aus Japan über den Hasengott Isopo, der auch im Alter seinen Platz in der Gemeinschaft findet.

Als er jung war, machte Isopo, der Hasengott, die höchsten Sprünge und das Leben war leicht und schön. Voller Tatendrang und immer hilfsbereit sprang er durch sein Leben. Nun ist Isopo alt. An einem warmen Frühlingstag packt ihn die alte Lebenslust und er springt "hoh rim rim" in den Tag und bis zum Meer. Schmerzlich muss er während dieses Ausflugs erfahren, dass seine alten Augen ihm Streiche spielen, er die Dinge falsch sieht und sich selbst in Gefahr bringt. Er kehrt traurig zu seiner Familie zurück. Im warmen Bau von den seinen gut versorgt, wendet sich die Traurigkeit in Zustimmung, und er weiß: nun ist es seine Aufgabe die Jungen mit Geschichten zu beschenken. Bebildert in ausdrucksstarken Holzschnitten ist die alte Erzählung der Ureinwohner Japans über den Zusammenhalt einer Gesellschaft, in der jeder nach seinen Möglichkeiten seinen Platz hat, ein wertvoller Beitrag zum Thema Altwerden.

Das außergewöhnliche Bilderbuch braucht etwas Neugier auf fremde Kulturen. Sicher lässt es sich auch in Gruppen als bringenden Impuls zum Thema: "Umgang mit dem Alter" verwenden.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Alter|Japan|Generationen
Bewertung: +++
Rez.: Gudrun Rathke

Jünger, Brigitte: Ferien am Ende der Welt. Ill. von Birgitta Heiskel. Wien: Jungbrunnen 2008. 77 S.: Ill. ; 21 cm.
ISBN 9783702657918 geb.: 12.90€

Wandas Ferien bei ihrer Oma auf dem Land erweisen sich trotz großer vorheriger Skepsis als Volltreffer.

Schon der Beginn dieser Feriengeschichte macht Lust auf Weiterlesen: Wanda beschwert sich erst einmal: über ihren blöden Namen und darüber, dass die Eltern alleine Urlaub machen und sie zur Oma schicken, die am Ende der Welt wohnt, wo es bestimmt ganz langweilig ist. Dabei hat sie doch von abenteuerlichen Ferien geträumt! Wie Wanda ihre Vorurteile allmählich ablegt, richtige Abenteuer mit ihrer Oma erlebt und am Schluss gar nicht mehr nach Hause will, davon erzählt dieses kurze, vergnügliche Buch.

Ab dem 2. Schuljahr gut geeignet, angenehmer Druck, in viele Abschnitte unterteilt und mit fröhlichen, z.T. ganzseitigen farbigen Illustrationen versehen – ein echtes Lesevergnügen.

Signatur: Ju 1/2
Schlagworte: Ferien|Großmutter|Generationen
Bewertung: +++
Rez.: Ileana Beckmann

Klein, Martin: Großeltern für einen Tag. Ill. von Ines Rarisch. München: Dudenverl. 2011. 31 S. : überw. Ill. ; 23 cm.
ISBN 9783411710720 geb.: 7.95€

Seit in der Schule ein Großelterntag anberaumt wurde, ist Linus auf der Suche nach geeignetem Ersatz, denn er hat keine Oma und keinen Opa mehr.

Linus hat ein wunderbares Wochenende mit seinem Freund Anton, dessen Opa, Hertha vom Wochenmarkt und Herrn Wolf, dem Bademeister, verbracht. Als sich am Montag alle Kinder in der Schule treffen, sind auch sie voller Lob und besonders gut schneiden dieses Mal die Großeltern ab. Also lässt sich Frau Bräutigam, die Lehrerin, dazu überreden, einen Großelterntag zu veranstalten. Für Linus ein Problem, denn er hat den Mund etwas zu voll genommen und seine Großeltern in den höchsten Tönen gelobt, obwohl es die gar nicht mehr gibt. Fortan hat er schlaflose Nächte, bis ihm doch noch einfällt, wie er ohne Blamage einen guten Enkelsohn abgibt. Sehr witzig geschrieben, führt der Autor den Leser in kleinen Textblöcken zwischen vielen farbigen Illustrationen von Ines Rarisch auf die Suche. Textbegleitend gilt es in detektivischer Manier 5 Fragen zu beantworten. Dem aufmerksamen Leser winkt unter Umständen ein toller Buchpreis.

Für Jungen und Mädchen um die 8 J., die erste Leseerfolge mit Spiel, Spaß und Spannung verzeichnen sollen.

Signatur: Ju 1/2
Schlagworte: Großeltern
Bewertung: +++
Rez.: Brigitte Elstner-Steinbach

 

Seidel, Christina: Als Opa mir eine Million schenkte. Ill. von Markus Grolik. Mannheim: Sauerländer 2011. 63 S.: Ill. ; 23 cm.

ISBN 978-3-7941-6154-6, geb.: 9,95 €

Michael (8 J.) und sein Opa verbinden eine besondere Beziehung. Das ändert sich auch nicht, als dieser sehr krank wird.

Michaels Opa verspricht ihm eines Tages eine Million. Doch dann fährt sein Opa in den Urlaub und wird dort sehr krank. Nach einigen Wochen kommt er wieder nach Hause, ist jedoch pflegebedürftig und häufig verwirrt. Erst ein Jahr später geht es ihm besser und er kann endlich sein Geheimnis mit der Million lüften. Dieses hat überhaupt nichts mit Geld, sondern mit Büchern zu tun. Ein trotz des ernsten Themas häufig humorvoll geschriebenes Erstleserbuch, in dem die liebevolle Beziehung zwischen dem Großvater und seinem Enkel im Vordergrund steht und aus Kindersicht das Thema Altern und Krankheit beleuchtet wird. Nach Opas Schlaganfall ist Michael derjenige, der seinem Opa viele Dinge wieder zeigen muss. Mit farbigen, zumeist kleinformatigen Illustrationen, die zusätzlich zum Text Geschichten erzählen und zum Gespräch anregen.

 Zum Selberlesen ab 8 Jahren, aber auch zum Vorlesen für (Groß)Eltern und Kinder ab 5 Jahren. Ein sehr empfehlenswertes Buch zum Dialog der Generationen.   

Signatur: Ju 1/2
Schlagworte:  
Großvater| Enkel
Bewertung: +++

Rez.: Anke Märk-Bürmann 

 

Enquist, Per Olov: Großvater und die Schmuggler. Ill. von Leonard Erlbruch. Aus d. Schwed. von Wolfgang Butt. München: Hanser 2010. 157 S. : Ill. ; 22 cm. ISBN 9783446236592 geb.: 12.90€

Das zweite spannende Abenteuer eines sympathischen Großvaters mit seinen Enkeln.

In vielem knüpft der schwedische Autor an sein erstes, preisgekröntes Kinderbuch „Großvater und die Wölfe" an: Wieder gerät ein Ausflug des Großvaters und seiner Enkel am Dreihöhlenberg zum Abenteuer, in das die teilweise schon bekannte Tierwelt entscheidend eingebunden ist - nur sind alle drei Jahre älter geworden. Zufällig stößt die Crew auf ein verdächtiges Zelt und gerät ins Visier von Kriminellen. Die Bergexpedition führt ins Hauptversteck der schwer bewaffneten Schmuggler, die mit gemeinsamer Kraft gestellt werden. Der Autor gibt dem Buch aber nicht nur Spannung, sondern auch Tiefe, wenn er etwa zu Beginn die Einschläferung der Laikahündin schildert. Der einfühlsame und humorvolle Blick auf die Kinder kommt ebenso zur Entfaltung wie die mit viel Selbstironie, großer Erzählfreude und menschlichen Details gezeichnete Figur des Großvaters. Ein Buch, das verbindet, denn Jung und Alt und sogar Tiere bringen ihre jeweiligen Stärken ein, ihre Schwächen sind in der Gruppe gut aufgehoben.

Ein ideales Familienbuch, das Kinder ab 10 J. ebenso anspricht wie Eltern und besonders Großeltern. Als Folgeband zu „Großvater und die Wölfe" wärmstens zu empfehlen!

Signatur: Ju 2/1
Schlagworte: Generationen|Abenteuer|Tiere|Familie
Bewertung: +++
Rez.: Rainer Merkel

Wigersma, Tanneke: Ole Habichtsman. Ill. von Marion Goedelt. Aus d. Niederländ. von Andrea Kluitmann. Hildesheim: Gerstenberg 2010. 118 S. : Ill. ; 22 cm.

ISBN 978-3-8369-5277-4, geb.: 11,90 €

Zwei vereinsamte Menschen - der 9jährige Ole und die ältere Dame Rosa - helfen sich gegenseitig in ein neues Leben hinein.

Nach dem Unfalltod seiner Mutter ist Ole mit seinem sehr beschäftigten Vater in eine andere Stadt gezogen. Er flüchtet sich in eine Phantasiewelt, in der sein Comic-Held, der starke, kluge „Habichtmann" ihm seine Probleme lösen hilft. Der Vater gibt dem Unwohlsein seines Sohnes immer wieder nach und lässt ihn allein zu Hause. Eines Tages rettet Ole ein Kaninchen von der Straße - nach Habichtmanns Rat - und kommt so mit seiner merkwürdigen Besitzerin Rosa in Kontakt. Ole merkt, dass sie sehr schüchtern und hilfsbedürftig ist. Die völlig dem realen Leben entwachsene Rosa lässt Oles Unterstützung zu, und er gewinnt durch seine wichtige Helferrolle selbst Mut für seinen neuen Alltag. - Ganz zufällig begegnen sich zwei aus der Bahn geworfene Menschen: Ole in seiner Angst, die Mutter zu vergessen, Rosa in einer eingeigelten häuslichen Welt nach ihrer Scheidung.

Das leise, sehr nachhaltig wirkende Buch beeindruckt in dem fruchtbaren Zusammenwirken von Jung und Alt und ist sehr zu empfehlen. 

 

Signatur: Ju 2/1
Schlagworte:  
LebenskriseFamilieNachbarschaft |Generationen

Bewertung: +++

Rez.: Cornelia Dianati 

 

Literatur für Erwachsene

Beckerhoff, Florian: Frau Ella. Berlin: List 2009. 315 S. ; 19 cm.

ISBN 978-3-471-35023-2, geb.: 14,90 €

Humorvolle Geschichte über die kuriose Freundschaft des jungen Sascha zu der 86jährigen Frau Ella.

Sascha ist 30 Jahre alt und muss sich in der Augenklinik ein Zimmer mit Frau Ella, einer rüstigen alten Dame, die seine Großmutter sein könnte, teilen. Doch als Frau Ella zu einer Operation überredet wird, die sie so gar nicht möchte, wird Sascha aktiv: Heimlich verlässt er mit ihr das Krankenhaus und quartiert sie bei sich zuhause ein. Aus dem geplanten einen Tag werden gleich mehrere und beide lernen in dieser Zeit eine Menge von einander: Während Frau Ella kulinarische Highlights wie Latte Macchiato entdeckt, neu eingekleidet wird und sich erlaubt, die eigene Vergangenheit wieder aufleben zu lassen, erkennt Sascha neue Werte im Leben, lernt, sich auf andere einzulassen und dabei sich selbst besser kennen. Dem Autoren Florian Beckerhoff ist ein kurzweiliger, stellenweise äußerst humorvoller Roman gelungen, der jedoch gegen Ende etwas langatmig wird. Er führt auf lockere Art vor, dass die ältere Generation keine Belastung, sondern eine Bereicherung für die jüngere ist.                      

Für Leser und Leserinnen jeder Generation eine leichte, vergnügliche und unterhaltsame Lektüre mit nicht allzuviel Tiefgang. (Das gleichnamige Hörbuch ist bei Hörbuch Hamburg erschienen. ISBN 978-3-89903-691-6)

Signatur: SL
Schlagworte:  
Generationen | Freundschaft
Bewertung: +++

Rez.: Stefanie Drüsedau

 

 

Dorrestein, Renate: Alles voller Hoffnung. Roman.  Aus d. Niederländ. von Hanni Ehlers. München: C. Bertelsmann 2011. 317 S. ; 21 cm. ISBN 9783570100516 geb.: 17.99€

Hippie-Oma und lernbehinderter, erwachsen werdender Enkel mit Lebenswillen, Lebensfreude und Entwicklungsschritten.

Die 48-jährige Nettie lebt mit ihrem geistig eingeschränkten Enkel Igor. Das einstige Hippie-Girl hat für ihn eine Stelle als Toilettenfrau angenommen. Zwischen Putzen, der Sorge um ihn, seinem Job in den Betreuten Werkstätten und ihrer Flucht in Süßspeisen-Backattacken, stellt sie fest: Generationenkonflikte wiederholen sich. Ihr einstiges Kommunenleben verzieh die später drogenabhängige Tochter ebensowenig wie das Nettie zuerkannte Sorgerecht für Igor. Während dieser beginnt, sich abzunabeln, selbstständiger wird, seiner ersten Liebe begegnet, und mit der zweiten, einer Ausreißerin, ein Baby "rettet", bzw. ohne Unrechtsbewusstsein mitnimmt, lernt auch Nettie "in Liebe loszulassen". Ein Aussöhnungsversuch mit der Tochter zu Weihnachten scheitert, aber schafft Klarheit. Aus der Perspektive des 16-, bzw. 24-Jährigen, der ein wenig an Steinhöfels "tiefbegabten Rico" erinnert, und seiner Oma, erzählt die Autorin einfühlsam und spannend in teils drastischer, aber stets passender Umgangssprache.

Warmherzig geschriebener Roman, der ermutigt und nachdenklich macht.

Signatur: SL
Schlagworte: Erwachsenwerden|Behinderung|Generationen
Bewertung: +++
Rez.: Delia Ehrenheim-Schmidt

 

Geiger, Arno: Der alte König in seinem Exil. München: Hanser 2011. 188 S. ; 20 cm. ISBN 9783446236349 geb.: 17.90€

Ein Schriftsteller lässt uns beobachten, wie er erst einen Zugang zu seinem Vater findet, als dieser dement wird.

Wer sich viel mit dem absurden Theater beschäftigt hat, findet sich leichter in Pflegeheimen zurecht. Denn vieles, was alte Menschen sagen, lässt sich nicht sofort verstehen und hat doch eine eigene Poesie - und letztlich auch einen eigenen Sinn. Der Schriftsteller Arno Geiger stammt aus der Rheintalgemeinde Wolfurt, wo seine Vorfahren Kleinbauern waren. Als sein Vater dement wird, übernimmt er einen Teil der Pflege und kehrt in sein Elternhaus zurück. Seine Vaterbeziehung war immer kompliziert. Aber nun baut er eine Beziehung zum Vater auf, die freundlich und von gegenseitigem Respekt geprägt ist. Erst der demente Vater betritt das Reich der Poesie, in dem der Sohn zu Hause ist, sich vielleicht auch geflüchtet hat. Erst der helfende Sohn beginnt eine Biografie zu achten, die von den Einschränkungen des dörflich begrenzten Lebens geprägt ist.

Demenz erzeugt Poesie und ist deswegen faszinierend zu beobachten. Dass dieser Satz nicht zynisch sein muss, zeigt das Buch und bietet damit einen rasanten Gesprächsstoff.

Signatur: Bb
Schlagworte: Demenz|Pflege|Vater|Biographie
Bewertung: +++
Rez.: Frank Hiddemann

Hochmüller, Almuth [Hrsg.]: Erinnerung an meine Großeltern. 24 literarische Liebeserklärungen. Lahr: Kaufmann 2009. 168 S. : Ill. ; 21 cm.

ISBN 978-3-7806-3078-0, geb.: 19,90 €

Anrührende Erinnerungen an Großmütter und Großväter.

Die Rolle und Bedeutung von Großeltern für ihre Enkelkinder ist in letzter Zeit öfter beschrieben worden. In dem vorliegenden Buch hat die Herausgeberin Erinnerungen von 24 Autorinnen und Autoren an ihre Großeltern gesammelt. Es handelt sich durchweg um Auszüge aus bereits veröffentlichten autobiographischen Texten. Sie geben Einblick in eine vergangene Zeit und erzählen von dem besonderen Verhältnis, das sich auch heute noch zwischen Großeltern und Enkeln entwickeln kann, geprägt von viel Verständnis, offener Zuwendung und bedingungsloser Liebe.

Unter den Autorinnen und Autoren sind u. a. Isabel Allende, Ingmar Bergmann, Agatha Christie, Hans Fallada, Hildegard Knef, Reiner Kunze, Golo Mann, Orhan Pamuk, Jean Paul Sartre, Erwin Strittmatter und Liv Ullmann.

Ein empfehlenswertes Buch - nicht nur für Großeltern, sondern für alle, die sich gern an ihre eigenen Großeltern erinnern.

Signatur: SL | Ba
Schlagworte:  
Großeltern | Generationendialog | Biographie
Bewertung: +++

Rez.: Karl Foitzik

 

 

Noll, Ingrid: Ehrenwort. Roman. Zürich: Diogenes 2010. 335 S. ; 19 cm.
ISBN 9783257067606 geb.: 21.90€

Überzeugende, bitterböse Komödie über die Leichen im Keller einer Mittelstandsfamilie.

Das Leben der Familie Knobel gerät aus den Fugen, als Großvater Willy nach einem Sturz Pflege braucht. Da es sowieso so aussieht, als ob seine Tage gezählt wären, setzt Schwiegertochter Petra durch, dass der alte Herr bei ihnen einzieht. Doch womit keiner gerechnet hat, passiert: Willy erholt sich bei der guten Pflege seines Enkels. Petra und ihr Mann Harald setzen alle Hebel in Bewegung, um den lästigen Greis und ungeliebten Gast loszuwerden, aber die ausgeklügelten Mordanschläge werden vereitelt oder entpuppen sich als Schuss nach hinten. Nur Enkel Max genießt sein neues Leben und die Verliebtheit mit der Pflegerin Jenny. Doch auch sie hat eine Vergangenheit. Ingrid Noll überzeugt wieder durch präzise Milieubeschreibungen und ihren schwarzen Humor. Ein Buch, welches viele Überraschungen für den Leser bereithält.

"Ehrenwort" ist Belletristik, die in keiner gut ausgestatteten Bücherei fehlen sollte, denn Ingrid Noll sorgt für amüsante, geistreiche und humorvolle Lesestunden.

Signatur: SL
Schlagworte: Generationen|Familie|Konflikt
Bewertung: +++
Rez.: Eva-Maria Nielsen

Peters, Veronika: Das Meer in Gold und Grau. Roman. München: Goldmann 2011. 285 S. ; 22 cm. ISBN 9783442311682 geb.: 19.99€

Eine junge Frau auf der Suche nach neuen Perspektiven.

Die junge Katia verliert - nach einer Affäre mit ihrem Arbeitgeber - fristlos ihren Job nebst Wohnung, macht sich nach diesem Fiasko auf den Weg zu einer bis dato unbekannten Tante, die mit einer Freundin ein winziges, individuelles Hotel, gelegen an der Ostsee führt. Eingebettet in eine idyllische Oase am Strand, umgeben von Meer und Dünenlandschaft versucht Katia, ihre seelische Balance wiederzufinden. Aus geplanten wenigen Tagen werden diverse Monate mit interessanten Begegnungen unterschiedlichster Charaktere, Erfahrungen von menschlicher Wärme und Einfühlungsvermögen inmitten einer fantastischen Natur- und Vogelwelt, die als Inspiration und "Wiedergeburt" für ihre fotographische Begabung fungiert. Gesamteindrücke für die Protagonistin, die sie, als Tante Ruth schwerst erkrankt, in bereitwilliger Hilfsbereitschaft zurückgeben kann. Dadurch erfährt ihre Lebenssicht eine völlig neue Perspektive, die sie neue Wege finden und gehen lässt.

Veronika Peters ist ein wunderbarer Roman gelungen: Feinfühlig, humorvoll, lesenswert. Eine willkommene Unterhaltung im (Klinik-)Alltag. Empfehlung für alle (Patienten-)Büchereien.

Signatur: SL
Schlagworte: Frau|Selbstfindung
Bewertung: +++
Rez.: Brigitta Morgenstern

Razumovsky, Dorothea: Letzte Liebe. Roman. Frankfurt am Main: Weissbooks 2009. 150 S. ; 22 cm.

ISBN 978-3-940888-44-0, geb.: 18,80 €

Roman über Sinnfindung im Alter.

Die Ich-Erzählerin, eine Professorenwitwe, entschließt sich, ihre Villa zu verlassen, um ihren Lebensabend im Altenheim zu verbringen, begleitet von ihrem Hund Cora und ihrem Laptop.  Im Park begegnet sie bei Spaziergängen dem sympathischen 16 jährigen Russlanddeutschen Wowa. Sie lernt ihn in seiner gesamten emotionalen, schulischen sowie zwischenmenschlichen Problematik kennen - und lieben. Sie gibt ihm die Geborgenheit, die ihm seine Familie, aufgrund großer Integrationsschwierigkeiten, nicht geben kann. Selbstbewusst signalisiert die einfühlsame Protagonistin ihre freudige Entschiedenheit an diesem intensiven "Erziehungseinsatz", der ihren Alltag neu definiert. Sie ist glücklich über ihre späte Beteiligung am Entwicklungsprozess eines Heranwachsenden, durch die ihr Alltag eine neue Sinngebung erhält. - Ein wunderbares Buch, das alle Facetten des Alterns beleuchtet. Liebevoll-ironische Reflektionen der Vergangenheit sind eingebettet in eine lebendige Zukunftsperspektive. Mit dem 2011 erschienenen „Babuljas Glück“ (ISBN 978-3-86337-010-7)  hat der Roman eine ebenso empfehlenswerte Fortsetzung gefunden.

Aufmunternde Bereicherung zum Thema „Alter“ und „Generationen“ für alle (Patienten-) Büchereien.

Signatur: SL 
Schlagworte:  
Alter | Generationen | Verantwortung
Bewertung: +++

Rez.: Brigitta Morgenstern

 

 

 

 

Razumovsky, Dorothea: Babuljas Glück. Roman. Frankfurt am Main: Weissbooks 2011. 154 S.; 22 cm.

ISBN 978-3-86337-010-7, geb.: 18,90 €

Maria, eine alte Witwe, verlässt ihr Altersheim und reist Wowa, dem ehemaligen jugendlichen Betreuer nach Sibirien nach, um ihn und sich selbst zu finden.

Die Verfasserin schafft es in dieser Fortsetzung des 2009 erschienenen Romans „Letzte Liebe“ (ISBN 978-3-940888-44-0), wieder den Wünschen und Sehnsüchten einer alten Frau überzeugend Eindruck zu verschaffen. Sie lässt ihre Protagonistin mitten in einem kleinen Dorf in der sibirischen Weite Bekanntschaft mit russischen Lebensweisen und Gedankengängen machen. Wowa, ein junger Mann, in den sie sich in ihrem Altersheim in Deutschland schon ein wenig verliebt hatte, zeigt ihr sein Leben, Erinnerungen an seine verstorbene Großmutter, seine Liebe  zu der Freundin Lisa, seine Tante Martha und führt sie in die mafiaartigen Strukturen des nachsowjetischen Lebens auf dem Lande ein. Dorothea Razumovski hat sich in ihrem Werk sehr sensibel auf das Geschehen eingestellt und lässt Maria Genrichowna am Ende das fühlen, was sie wohl immer gesucht hat: sie ist Babulja (Großmutter).

Dieses schöne, gut zu lesende Buch mit vielen biblischen Anklängen sollte nicht nur von der älteren Generation gelesen werden.

Signatur: SL 
Schlagworte:  Sibirien
| Alter | Generationen | Entwicklungsroman
Bewertung: +++

Rez.: Kurt Triebel

 

 

Roger, Marie-Sabine: Das Labyrinth der Wörter. Roman. Aus d. Franz. von Claudia Kalscheuer. Hamburg: Hoffmann & Campe 2010. 205 S. ; 21 cm. ISBN 9783455402544 geb.: 18.00€

Über die Freundschaft mit der kultivierten alten Margueritte erfährt der Außenseiter Germain Nähe und den Zauber des Lesens.

Germain ist Mitte dreißig, ungeliebter Sohn einer vom Leben enttäuschten Mutter und Hilfsarbeiter. Zu seinem Selbstbild gehört seit Schultagen, dass er nicht der Schlauste ist. In der französischen Provinz hat er sich in sein ruhiges, im Grunde einsames Dasein gefügt. Auf einer Parkbank lernt er beim Beobachten der Tauben eine zarte alte Dame kennen, die ebenfalls gerne Tauben zählt. Die beiden aus ganz verschiedenen Welten kommenden Menschen freunden sich an, dabei spielt die Tatsache, dass die gebildete Margueritte ihm aus Büchern vorliest eine entscheidende Rolle. - Die bekannten Themen Freundschaft unter Ungleichen, Alt und Jung, die Entwicklung eines Außenseiters werden durch die Erzählweise der französischen Autorin zu einem Lesevergnügen. Sie lässt Germain als Ich-Erzähler auftreten und rückt damit seine Persönlichkeit und seine Sprache in den Mittelpunkt. Möge die Zauberwirkung des Lesens auch in der Wirklichkeit gelingen!

Ein leicht zu lesender charmanter Roman, der optimistisch vom Gelingen des Lebens und Lesens erzählt und dessen happy end man in allen Bibliotheken gerne zur Kenntnis nehmen wird. Gern empfohlen, auch zum Vorlesen. Ebenso wie die im selben Verlag erschienene CD. ISBN 978-3-455-30683-5. (Verfilmt mit Gérard Depardieu. Deutscher Filmstart am 06.01.2011.)

Signatur: SL
Schlagworte: Lesen|Außenseiter|Generationen|Freundschaft
Bewertung: +++
Rez.: Gabriele Kassenbrock

Seggelke, Ute Karen: Drei Generationen. Großmütter, Mütter und Töchter erzählen. Hildesheim: Gerstenberg 2011. 180 S. : Ill. ; 27 cm. ISBN 978-3-8369-2649-2, geb.: 29,95 € 

Ein Bildband, der von starken Frauen und ihrem Eingebundensein in die Generationenfolge erzählt.

Wie fühlt es sich an, Tochter, Mutter, Enkelin und / oder Großmutter zu sein? Gibt es Gemeinsamkeiten oder Unterschiede? Wem fühle ich mich näher? Was hat mich geprägt und hat mich zu dem gemacht, was ich bin? Diese Fragen schwingen mit in den Berichten der Frauen, die zum Teil klar Position beziehen, zum Teil tastend Antworten suchen. Jeweils drei Frauengenerationen einer Familie hat die Autorin getroffen, gemeinsam fotografiert und getrennt voneinander interviewt. Herausgekommen sind zehn einfühlsame Portraits von Frauengenerationsketten, die ganz persönliche Beziehungen zeigen, dabei von inniger Liebe und auch tiefen Verletzungen erzählen. Gleichzeitig wird ein Stück Frauengeschichte der letzten 90 Jahre deutlich. Seggelke hat für den Band sowohl bekannte Frauen, z.B. Charlotte Knobloch, als auch ganz „normale“ Frauen gewonnen. Die schönen Fotografien, die es zum Teil schaffen, die beschriebenen Beziehungen einzufangen, verleihen den Texten weitere Aussagekraft.

Als Geschenk für alle Frauen, die sich der Kraft von Frauenbeziehungen bewusst machen möchten sowie für (Frauen-)Gesprächskreise in der Gemeinde sehr empfehlenswert!

Signatur: Ba
Schlagworte: 
Frauen | Generationen
Bewertung: 
+++
Rez.: Nina Eberle-Theka

 

Voss, Bastienne: Drei Irre unterm Flachdach. Eine Familiengeschichte. München: Piper 2009. 237 S. ; 20 cm.
ISBN 9783492252263 kt.: 7.95€

Romanhafte Autobiografie, die in erster Linie das Verhältnis der Autorin zum Großvater widerspiegelt.

Bastienne Voss hat ihrem Erstlingswerk einen kuriosen Titel gegeben! Die „drei Irren unterm Flachdach“ sind sie selbst und ihre Großeltern. Gemeinsam leben sie in einem Bungalow nach amerikanischem Stil in der damaligen DDR. Der Mittelpunkt ihrer Kindheit ist Großvater Gustav, den sie abgöttisch liebt und manchmal hasst und der auch 25 Jahre nach seinem Tod ihr Leben prägt wie kein anderer. Als überzeugter Kommunist ist er während der NS-Herrschaft im KZ Sachsenhausen inhaftiert worden; eine Zeit, über die er nie spricht. Lediglich aus seinem Tagebuch erfährt Voss nachträglich (und mit ihr die LeserInnen) etwas über den KZ-Alltag, was sonderbare Gewohnheiten und Anfälle des Großvaters verständlicher werden lässt. Doch legt Voss keinesfalls den Schwerpunkt auf das Leben im KZ, vielmehr beschreibt sie das Zusammenleben mit Opa und Oma in der DDR, oftmals mit einem weinenden aber meist mit einem lachenden Auge.

Bastienne Voss` Familiengeschichte ist neben ihrer eigenen Geschichte auch ein Stück deutsche Geschichte und liest sich dank der unkomplizierten Schreibweise der Autorin flüssig und gut. Überall einsetzbar.

Signatur: SL
Schlagworte: Deutschland|DDR|Großvater |Familie
Bewertung: +++
Rez.: Judith Richter