Globalisierung

Die Ernährungsdiktatur. Warum wir nicht länger essen dürfen, was uns die Industrie auftischt. Tanja Busse. 1. Aufl.München: Blessing 2010. 334 S. ; 22 cm.
ISBN 9783896674203 kt.: 16.95€

Sachbuchthriller über die zweifelhaften Segnungen der industriellen Nahrungsmittelproduktion.

Während in den Industrienationen die Menschen aufgrund von Fehlernährung immer dicker und kränker werden, nimmt der Hunger in anderen Teilen der Welt weiter zu. Tanja Busse zeigt auf, warum dies so ist, mit welchen Methoden die Großkonzerne der Agroindustrie Gewinne scheffeln, und was dabei auf der Strecke bleibt: Geschmack und Nährstoffe in Nahrungsmitteln etwa. Billige Rohstoffe werden z.B gerne mit Aromen aufgepeppt – die Konsumenten aber dank lauer Gesetze in die Irre geführt. Der Preiskrieg der Handels- und Agrargiganten führt letztlich zu Hunger, Umwelt- und Klimazerstörung, zur Verdrängung einer mittelständischen Landwirtschaft, zur Verarmung des Angebots. Besonders bedrückend sind Busses Beispiele dafür, wie die Politik die aberwitzigen Agrar-Strukturen noch unterstützt – etwa wenn durch Exportsubventionen für Fleischmäster in der EU die Existenz afrikanischer Bauern vernichtet wird. Ein wichtiges Buch, das dazu anregt, sein eigenes Einkaufsverhalten zu hinterfragen.

Als Diskussionsgrundlage für eine kritische Auseinandersetzung mit den Themen Hunger und Armut, Globalisierung, gesunde Ernährung und Umweltzerstörung bestens geeignet.

Signatur: Nm|Sd
Schlagworte: Ernährung|Agrarindustrie |Gesundheit|Globalisierung
Bewertung: +++
Rez.: Michael Freitag 06.12.06

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Vier Äpfel. Roman. David Wagner. 1. Aufl.Reinbek: Rowohlt 2009. 158 S. ; 21 cm.
ISBN 9783498073688 geb.: 17.90€

Ein Supermarktroman, klug, witzig, tiefsinnig – über das Leben und die Liebe in der Konsumgesellschaft.

Es beginnt mit vier Äpfeln, die der Erzähler in den Einkaufswagen legt. Es endet mit dem Bezahlen und Verlassen des Supermarkts. Das Ganze dauert vielleicht eine halbe Stunde. Trotzdem hat es der Roman in sich – ebenso wie der Schauplatz. In 144 knappen Beobachtungen und Einfällen, versehen mit 52 Fußnoten, räsoniert der Held beim Auswählen von Lebensmitteln über Kaufgewohnheiten, Verkaufspersonal und Warenangebot. Durch Rückblenden in seine Lebens- und damit Konsumgeschichte, etwa seine Assoziationen zu Fischstäbchen und Tütenmilch, wird er zum Ethnologen einer ganzen Generation, die in der Wohlstandsgesellschaft der BRD aufwuchs. Und immer wieder wird der Erzähler während seiner Erklärungen, zum Beispiel über die Erfindung des Einkaufswagens, globale Handelswege oder die Unmöglichkeit unschuldigen Konsums, von Erinnerungen an seine Ex-Frau heimgesucht. „Meine Marken sind noch bei mir, L. nicht.“ Es gibt keinen wa(h)ren Trost im Treffpunkt von Kittelfee und Schnäppchenjäger.

Ein besonderes Lese-Schnäppchen für alle, für die Romane keine Handlung, aber Geist und Anregungspotenzial brauchen. Sehr geeignet für Lesekreise.

Signatur: SL
Schlagworte: Konsum|Moderne Gesellschaft|Liebe|Globalisierung
Bewertung: +++
Rez.: Kerstin Wohne

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Der weiße Tiger. Roman. Aravind Adiga. Dt. von Ingo Herzke. München: Beck 2008. 320 S. ; 21 cm. Aus d. Engl.
ISBN 9783406576911 geb.: 19.90€

Indien: Ein Mann vom Land will nach oben und landet als Chauffeur im Dschungel von Dehli. Er ist der Weiße Tiger.

In sieben nächtlichen E-Mails an den chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jingbao erzählt Balram Halwai sein abenteuerliches Leben auf dem Weg aus der Finsternis ins Licht: aufgewachsen als Sohn eines Rikshafahrers auf dem Land bringt er es als aufgeweckter Simplicius zum Fahrer des reichsten Grundbesitzers und zieht mit diesem nach Delhi. Die Hauptstadt erweist sich als modernes Babylon. Balrams Bildungshunger führt ihn zu den Büchern des Dichters Iqbal und dessen Erkenntnis: „Sobald man das Schöne in der Welt erblicken kann, hört man auf Sklave zu sein.“ Balrams Befreiung endet mit einem Mord und führt ihn in neue Verstrickungen. In Bangalore, der Hightech-Metropole Indiens, baut er ein Taxiunternehmen auf, spezialisiert sich auf Fahrten für internationale Unternehmen und lebt nun im Licht. Erneut verstrickt er sich in Schuld, aber sein Traum von der Befreiung vom Sklavendasein bleibt.

Befreiungsroman von elementarer Wucht und filigraner Poesie. Gute Ergänzung zu aktuellen Sachbuchtiteln wie „Bombay. Maximum City“ und „Die Rückkehr Asiens“.

Signatur: SL
Schlagworte: Indien|Selbstfindung|Globalisierung
Bewertung: +++
Rez.: Rüdiger Sareika

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Die Weltreise einer Fleeceweste. Eine kleine Geschichte über die große Globalisierung. Wolfgang Korn. Ill. von Birgit Jansen. Berlin: Bloomsbury 2008. 168 S.: Ill. ; 21 cm.
ISBN 9783827052926 geb.: 14.90€

Anschauliche Darstellung der Hintergründe und Zusammenhänge der weltweiten Verflechtung der Märkte am Beispiel einer Fleeceweste.

Eine billige rote Fleeceweste spielt die tragende Rolle im Buch. Der Autor kauft sie in einem Warenhaus; fleckig kommt sie in einen Altkleidercontainer. Zwei Jahre später glaubt der Autor, seine alte Weste in einem Fernsehbericht über afrikanische Flüchtlinge auf Teneriffa wiederzuerkennen. Dies bringt ihn auf die Idee, am Beispiel der Weste zu zeigen, wie in der globalisierten Welt alles zusammenhängt. So wird der Leser von den Erdölfeldern am Persischen Golf über die Polyester- und Textilindustrie Bangladeschs, einem Warenhaus und einer Textilrecycling-Firma in Deutschland über Afrika bis zu den Kanaren geführt. - Die spärlich illustrierte, durchaus spannende Geschichte bietet treffliche Basisinformationen über Ursachen und Begründungen für weltumspannenden Handel, ohne sich in überfrachtendem Detailwissen zu verlieren. Der persönliche Ton erleichtert den Zugang gerade für junge Leser und weckt Empathie für die Opfer der Globalisierung.

Ein vorrangig zu empfehlendes Sachbuch, auch wenn Quellenangaben, Stichwort- und Literaturverzeichnis fehlen. Ab 12 J.

Signatur: Je|Js
Schlagworte: Globalisierung|Wirtschaft
Bewertung: +++
Rez.: Dieter Jeanrond

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