Inklusion

Woltz, Anna: Für immer Alaska. Dt. von Andrea Kluitmann. Hamburg: Carlsen 2018. 173 S. ; 21 cm. Aus d. Niederländ. ISBN 978-3-551-55378-2, geb.: 12,00 €

Ein berührender Roman aus zwei Perspektiven zum Thema Anderssein.

Ein neues Schuljahr, eine neue Schulklasse. Für Sven soll diesmal alles anders werden: Er will nicht wieder als der arme kranke Junge mit den gruseligen epileptischen Anfällen dastehen. Mit seiner frischausgebildeten Assistenzhündin Alaska will er auf keinen Fall gesehen werden.
Parker ist eigentlich alles um sie herum egal. Nach einem Raubüberfall, bei dem ihr Vater angeschossen wurde, hat sie vor allem Angst. Zudem leidet sie unter dem Verlust ihrer Hündin Alaska, die sie wegen der Allergie ihres Bruders vor einem Jahr abgeben musste.
Gleich am ersten Schultag tut sich Sven als Mobber hervor, als er erfährt, dass Parker Lieder bellen kann wie ein Hund. Was er nicht weiß: Parker hat ihn mit Alaska gesehen. Und sie will sie um jeden Preis zurück. Was folgt: Sven mobbt Parker, Parker belügt Sven. Beide kämpfen für sich, um ihren Hund, um Normalität. Dann wird Sven selbst Mobbingopfer und Parker fasst einen Plan…

Eine kluge Geschichte mit viel Einfühlungsvermögen für die Nöte ihrer ProtagonistInnen. Themen wie Mobbing, Krankheit und Empathie sind gekonnt zu einem stimmigen Ganzen verwoben und bieten zahlreiche Umsetzungsmöglichkeiten. 

Signatur: Ju 2
Schlagworte: Anderssein | Krankheit | Epilepsie | Freundschaft
Bewertung: +++
Rez.: Wiebke Mandalka

Akerlie, Iben: Lars, mein Freund. Dt. von Ina Kronenberger. München: Dt. Taschenbuch Verl. 2018. 251 S. ; 22 cm. (Reihe Hanser). Aus d. Norw. ISBN 978-3-423-64039-8, geb.: 12,95 €

Anrührende Geschichte, in der geschickt die Themen Inklusion, Freundschaft, Liebe und Mobbing verknüpft werden.

Amanda ist unsterblich in Adam verliebt, den süßen Jungen aus ihrer Klasse. Leider bemerkt dieser sie gar nicht und Amanda ist in seiner Nähe schüchtern und verstockt. Vergeblich versucht sie, sich Adam aus dem Kopf zu schlagen. Aber dann hat Amanda auf einmal noch ein ganz anderes Problem: Als Schul-Patenkind bekommt sie nicht einen kleinen Erstklässler zugeteilt, sondern ihren neuen Mitschüler Lars, einen Jungen mit Down-Syndrom. Für Amanda, die am liebsten nicht auffällt und mit dem Strom schwimmt, ist dies ein großes Problem. Dass sie sich nachmittags immer öfter mit Lars trifft, verheimlicht sie lieber. Und als sie von dem Blog erfährt, in dem sich eine Mitschülerin über Lars lustig macht, beteiligt sie sich daran. Aber sie lernt aus den Folgen und es gelingt ihr, zu ihrem Freund Lars zu stehen.

Eine berührende, fesselnde Freundschaftsgeschichte mit Tiefgang, die zum Nachdenken anregt!
LeserInnen ab 10 Jahren werden sich in dieser warmherzigen Geschichte gut wiederfinden und bekommen hier eine sowohl humorvolle als auch nachdenkenswerte Lektüre.

Signatur: Ju 2
Schlagworte: Freundschaft | Inklusion | Mobbing | erste Liebe
Bewertung: +++
Rez.: Gabriele Güterbock-Rottkord

Frank, Astrid: Enno Anders. Löwenzahn im Asphalt. Ill. von Regina Kehn. Stuttgart: Urachhaus 2017. 158 S. : Ill. ; 21 cm. ISBN 978-3-8251-5122-5, geb.: 14,90 €

Auch ANDERS kann gut sein.

„Mit Enno stimmt was nicht. Enno ist anders, anders, anders." Und Enno tut sich wirklich schwer, in der Schule und daheim den Erwartungen der Erwachsenen gerecht zu werden. Mit seiner Klassenlehrerin Frau Wolf, die immer nur seine Defizite sieht, ist es nicht leicht und auch Ennos Mutter verliert mitunter die Geduld mit Ennos „Macken". Nur sein einziger, hochbegabter Freund Olsen versteht Enno und seine Anpassungsschwierigkeiten. Doch durch die Hilfe von Olsens Mutter, die für Ennos Familie einen Termin beim Psychologen macht, kommt Bewegung in die scheinbar ausweglose Situation. Denn Enno ist weder hoch- noch tiefbegabt, sondern hochsensibel. Er nimmt daher viel mehr wahr als die anderen Kinder und braucht Zeit, alles zu verarbeiten. Und mit dieser Erkenntnis wächst Verständnis für diesen besonderen Jungen und seine Fähigkeiten. - Eine sensible Geschichte, die tiefreichendes Verständnis für die Andersartigkeit von Kindern zu wecken versteht und Zuversicht nährt, dass ihr Leben gelingt.

Bestens geeignet für Kinder am Ende der 4. Grundschulklasse.

Signatur: Ju 2
Schlagworte: Anderssein | Hochsensibilität | Freundschaft
Bewertung: +++
Rez.: Karin Steinfeld-Bartelt

Arnold, Elana K.: Keine Angst vor Stinktieren. Dt. von Sylke Hachmeister. Ill. von Maja Bohn. Hamburg: Carlsen 2017. 131 S. : Ill. ; 21 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-551-55681-3, geb.: 10,99 €

Ein Stinktier als Haustier? Geht das überhaupt?? Klar, sagt Bat.

Bixby Alexander Tam, genannt Bat, lebt das ganz normale Leben eines Drittklässlers: Er streitet mit seiner älteren Schwester, verbringt jedes zweite Wochenende bei seinem Papa und mag Erdnussbutterbrote. Ein bisschen anders ist er allerdings schon: Wenn er aufgeregt ist, beginnen seine Arme zu flattern. Es fällt ihm schwer, anderen Menschen in die Augen zu sehen und im Gespräch Zwischentöne wahrzunehmen. Laute Töne erträgt er nur mit Ohrenschützern. Was aber vor allem wichtig über ihn zu wissen ist: Bat liebt Tiere. Was für ein Glück ist es da, dass seine Mutter Tierärztin ist! Eines Tages bringt sie ein Stinktierbaby mit nach Hause. Bat ist begeistert! Dass seine Mutter gleich darauf hinweist, dass sie den Kleinen in vier Wochen wieder abgeben müssen, damit er in einer Rettungsstation auf die spätere Auswilderung vorbereitet werden kann, macht ihm zwar etwas Sorgen, aber er hat schon einen Plan: In diesen vier Wochen wird  er zum besten Stinktierhalter der Welt avancieren, dem sicher keiner sein Stinktier wird streitig machen mögen!

Eine wirklich schöne Familiengeschichte, die auf Schubladen verzichtet und mit zahlreichen liebenswerten ProtagonistInnen aufwartet. Zum Selberlesen ab 8, aber auch zum Vorlesen für jüngere Kinder gut geeignet.

Signatur: Ju 2
Schlagworte: Tiere | Familie | Anderssein | Autismus
Bewertung: +++
Rez.: Wiebke Mandalka

Unterm Sternenzelt. Szenario: Aurélien Ducoudray. Zeichnungen: Anlor. Dt. von Swantje Baumgart. Bielefeld: Splitter 2017. 97 S. : überw. Ill. ; 32 cm. Aus d. Franz. ISBN 978-3-96219-014-9, geb.: 22,80 €

Graphic Novel über eine Gruppe Obdachloser, die Verantwortung für einen Jungen mit Down-Syndrom übernehmen müssen.

Als Amédée, der Anführer einer Gruppe Obdachloser, eines Tages die Nachricht von der Erbschaft eines Hauses bekommt, glaubt er an einen Hauptgewinn. Allerdings hat er nicht damit gerechnet, dass zu dem Haus auch der kleine Nicolas gehört, der mit dem Down-Syndrom geboren wurde. Um das Haus behalten zu können, müssen Amédée und seine Clochardfreunde beweisen, dass sie Verantwortung für den lebhaften Jungen übernehmen können. Sie geraten dabei in einige abenteuerliche Situationen.
Eine wunderschön gezeichnete Graphic Novel, die mit ihren derb charmanten Charakteren nicht nur junge Leser*innen zu begeistern weiß. Wichtige gesellschaftliche Themen, wie Obdachlosigkeit, Inklusion und Übernahme von Verantwortung werden spielerisch leicht dargestellt und diskutiert.

Für Büchereien, die Angebote für Jugendliche und junge Erwachsene haben, sehr empfohlen.

Signatur: Ju 3 | SL
Schlagworte: Inklusion | Down Syndrom | Obdachlosigkeit | Graphic Novel
Bewertung: +++
Rez.: Christian Prange

Mia - meine ganz besondere Freundin. Dagmar Eiken-Lüchau. Ill. von Tanja Husmann. Schwarzenfeld: Neufeld 2016. O. Pag. : überw. Ill. ; 30 cm. ISBN 978-3-86256-079-0, geb.: 14,90 €

Wie Kinder mit und ohne Autismus verstehen und sich verstanden fühlen.

Für Lotte gibt es nichts Schöneres auf der Welt als in der Kita zusammen zu spielen und die Welt zu entdecken. Gern würde Lotte auch mit Mia spielen, aber Mia scheint sie nicht zu verstehen, wenn sie mit ihr spricht. Wie also miteinander kommunizieren oder gar spielen? Wie soll Lotte wissen, was Mia möchte? Lotte findet das alles ziemlich kompliziert. Sie beginnt Mias Gefühle und Verhalten zu beobachten und bemerkt, dass sie beide phantastisch zusammen lachen und tanzen können und sich eigentlich gar nicht so unähnlich sind. Wer braucht da noch Sprache, um sich zu verstehen?
Dieses liebevoll gestaltete Bilderbuch lädt Groß und Klein kindgerecht und vorurteilsfrei dazu ein, das Verhalten, die Bedürfnisse und Gefühle autistischer Kinder zu verstehen und angemessen auf sie einzugehen. Situationsorientiert und mit viel Feingefühl dürfen sich die Kinder in diesem Buch wundern und Wunderbares erfahren: Nämlich wie schön es ist, akzeptiert zu werden - so wie man ist.
          
Ein Muss für jede Kita! Die Geschichte ist übertragbar auf alle Formen des Anderssein und kann dabei helfen, "besondere" Kinder ganz leicht in die Gruppe zu integrieren.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Autismus | Vielfalt | Integration
Bewertung: +++
Rez.: Lena Danneberg

Johansen, Anders: Das schwarze Loch in mir. Dt. von Gabriele Haefs. Weinheim: Beltz & Gelberg 2016. 294 S. ; 22 cm. Aus d. Dän. ISBN 978-3-407-82172-0, geb.: 14,95 €

In einem abgelegenen kleinen Dorf auf den Faröer Inseln bricht nach dem Bau eines Straßentunnels das Leben einer Familie auseinander.

Der dänische Autor lässt seinen Jugendroman um einen autistischen Jungen auf einem anfangs vom modernen Leben abgeschiedenen Dorf auf den zu Dänemark gehörenden Faröer-Inseln spielen. Der Patriarch der Familie glaubt an einen strafenden Gott und sperrt sich gegen jede Neuerung. Doch nach dem Bau eines Straßentunnels und der Eröffnung eines Cafés gerät das Leben in dem Dorf aus den Fugen. Der autistische Ich-Erzähler wird zum Gespött. Sein Bruder wird von der Freundin betrogen. Das Familiengeschäft scheitert, der Vater beginnt zu trinken und wird gewalttätig. Am Schluss verlässt die Familie das Dorf.
Der Autor erzählt einfühlsam vom Einbruch der Moderne in eine kleine Dorfgemeinschaft. Der Tourismus führt zu Zwietracht und zur Zerstörung der Natur und der Vogelwelt. Konflikte verschärfen sich und führen zu einer Tragödie.

Der ruhig und zurückhaltend erzählte Roman dürfte bei für die angeschnittenen Themen Interessierten gut ankommen. Eher etwas für größere Büchereien.

Signatur: Ju 3
Schlagworte: Autismus | Moderne | Faröer | Kulturwandel
Bewertung: ++
Rez.: Peter Bräunlein