Interkulturalität

Kämper, Regine: Amina, Erdal, Njami und die anderen. Geschichten aus der Deutschstunde. Ill. von Yayo Kawamura. München: Dt. Taschenbuch Verl. 2016. 76 S. : Ill. ; 22 cm. ISBN 978-3-423-64024-4, geb.: 12,95 €

Neun Kinder aus neun verschiedenen Ländern lernen bei Regine Deutsch. Die liebenswerte Lehrerin gibt im Unterricht alles.

Tatsächlich sind nur neun Kinder in der Klasse. Das ist so ungewöhnlich nicht, denn die Jungen und Mädchen haben alle eine andere Muttersprache. Nun leben sie in der Bundesrepublik, wo sie Deutsch lernen wollen. Ihre Lehrerin heißt Regine. Sie mag jeden ihrer Schützlinge gerne, egal ob er Njami, Bartek, Milan, Irina, Nadja, Erdal, Antonia, Amina oder Wowa heißt und kenianische, polnische, kroatische, russische, türkische, spanische, syrische oder ukrainische Wurzeln hat. Damit den Kindern der Sprachunterricht leicht fällt, lässt sich Regine allerhand einfallen. Sie singt, spielt, kocht und scherzt und lässt keine Gelegenheit aus, die Neun zum Reden zu animieren. Langsam wird aus der Gruppe eine kleine Gemeinschaft. Aus der Ich-Perspektive lädt die Autorin ihre Leser ein, am Unterricht teilzunehmen und sich mit ihr über die Fortschritte beim Lernen und über die Späße der Kinder zu freuen. Ein weiteres Plus ist, dass man sprachliche Fehler durch Markierungen im Text sofort erkennen kann. Prima!

Die gut gegliederte, lustig illustrierte Geschichte erfüllt alle Bedingungen für ein gutes Kinderbuch und sollte in jeder Bücherei angeboten werden. Empfohlen ab 9 J.

Signatur: Ju 2
Schlagworte: Deutsch als Fremdsprache | Migration | Schule | Interkulturalität
Bewertung:
+++
Rez.: Martina Mattes

Stern, Adriana: Und frei bist Du noch lange nicht.... Roman. Berlin: Ariella 2016. 375 S. ; 22 cm. ISBN 978-3945530-08-5, geb.: 14,95 €

Jugendliche in einem Flüchtlingsheim kämpfen gegen eine kriminelle Bande.

Spannung bis zur letzten Seite! Die dreizehnjährige Zippi aus Aserbaidschan und Saladin aus Syrien finden sich in der Trostlosigkeit eines Flüchtlingsheimes in Deutschland wieder. Quälend lang ist das Warten auf Asyl, schwierig das Finden neuer Freunde. Doch dann entdecken sie, dass ein skrupelloser Verbrecherring vielen Flüchtlingen die Pässe abgenommen hat und sie zwingt, gestohlenes Gut zu verkaufen. Auch Leandro aus Rumänien und sein kleiner Bruder sind Opfer dieses Rings geworden. Nun laufen sie Gefahr abgeschoben zu werden in das Land, in dem Vater und Schwester ermordet wurden. Zusammen mit dem deutschen Jungen Dario, der wie Zippi Jude ist, nehmen die Kinder den Kampf gegen die Verbrecher auf. Dabei wird zur Verständigung untereinander zwischen Türkisch, Englisch, Russisch und Deutsch übersetzt. Als klar wird, dass Rechtsradikale Stimmung gegen Flüchtlinge machen und der Hausmeister des Flüchtlingsheims einer von ihnen ist, eskaliert die Situation. Doch Mut und Zusammenhalt führen letztlich zum Erfolg der Kinder!

Spannendes Jugendbuch mit geflüchteten Jungen und Mädchen als Helden, die alle Unterschiede und Vorbehalte überwinden. Jeder Bücherei und jeder Schulklasse zu empfehlen!

Signatur: Ju 3
Schlagworte: Flüchtlinge | Judentum | Abenteuer | Interkulturalität
Bewertung:
+++
Rez.:Regina Riepe

Alle da! Unser kunterbuntes Leben. Anja Tuckermann. Ill. von Tine Schulz. Leipzig: Klett Kinderbuch 2014. O. Pag. : überw. Ill. ; 27 cm. ISBN 978-3-95470-104-9, geb.: 13,95 €

Ein witziges Kinderbuch über die Vielfalt unseres Zusammenlebens.

Wer neugierig ist, gewinnt! Diese Botschaft will ein buntes und quirliges Bilderbuch vermitteln, das sich vor allem an Kinder im Grundschulalter richtet. Unsere alltägliche Vielfalt an unterschiedlichen Menschen ist darin eine Selbstverständlichkeit und nicht etwa eine "Integrationsaufgabe". Die Mischung von fröhlichen Aspekten des Andersseins und von problematischen Seiten ist überaus gelungen. Mit welchen Gesten sagt man Ja oder Nein - das kann verblüffend unterschiedlich sein. Doch es wird auch erklärt, wieso das Fremde manchmal Angst macht und was ein Vorurteil ist. Auch hier gelingt es den Autorinnen, eine humorvolle Note in ein ernstes Thema zu bringen. Am Schluss des Buches werden alle aufgefordert, über die Vielfalt in ihrem eigenen Leben nachzudenken um dabei festzustellen, wie sehr sie Teil unseres kunterbunten Alltags sind.

Comicartige Zeichnungen und ein fröhlicher Text machen dieses Buch für Kinder ab 5 Jahren zu einem (Vor-) Lesevergnügen und bieten viel Stoff zum miteinander reden und nachdenken.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Interkulturalität|Ausländer|Fremdheit|Humor
Bewertung:
+++
Rez.:Regina Riepe

Toutonghi, Pauls: Die Sphinx von Montana. Roman. Dt. von Eva Bonné. Berlin: Rowohlt Berlin 2013. 317 S. ; 21 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-87134-745-0, geb.: 19,95 €

Ein ordnungsliebender Junge aus Montana sucht seinen Vater in Ägypten und findet das Chaos und seine Heimat.

Wie kommt man in Kairo am besten durch die Staus der Mittagszeit? Es gibt eigentlich nur eine Möglichkeit. Man lässt sich von der Präsidenteneskorte begleiten. Der geniale Lügner und Hochstapler Akram schafft es, das zu organisieren, um seinen Sohn in ein ordentliches Krankenhaus zu bringen. Vorher hatte er ihn als das Kind seines Onkels Malik vorgestellt, um seinen amerikanischen Sprössling aus erster Ehe zu verbergen. Es ist kaum zu beschreiben, welche Turbulenzen der junge, etwas pedantische Khosi auslöst, als er versucht seinen Vater zu finden bzw. zu stellen. Schließlich ist es das Gelbfieber, das Vater und Mutter in Ägypten am Bett ihres Sohnes eine Art Frieden schließen lässt. Der Epilog des Buches berichtet, wie der junge Mann auf dem Tahir Platz zeltet und sich an den Protesten dort beteiligt. Das bedeutet nun wirklich: Er ist im Land seines Vaters angekommen.

Ein Roman in turbulenter Prosa, der einen aus jeder denkbaren Situation in die vergnüglich-tragischen Probleme interkultureller Verwicklungen fortträgt.

Signatur: SL
Schlagworte: Interkulturalität|Vater|Ägypten|Ehe
Bewertung:
+++
Rez.: Frank Hiddemann

Pigeon English. Roman. Stephen Kelman. Dt. von Clara Drechsler und Harald Hellmann. Berlin: Berlin Verl. 2011. 297 S. ; 22 cm. Aus d. Engl. ISBN 9783827009753 geb.: 19.90€

Eintauchen in die Weltsicht eines elfjährigen Emigranten.

Harri Opoku ist vor kurzem mit seiner Mutter und seiner Schwester aus Ghana nach London gezogen. Sie leben in einer Sozialwohnung, die Sitten auf der Straße und in der Schule sind hart. Harri liebt die Tauben, träumt davon sich durch das gesamte Haribo-Sortiment zu naschen und ist der schnellste Läufer seines Jahrgangs. Dann wird vor dem «Chicken Joe’s» ein Junge erstochen, den Harri bewundert hat, weil er ein toller Fußballer mit echtem Chelsea-Trikot war, den Basketball quer über den Platz in den Korb werfen konnte und weil er denen von der Gang gesagt hat, dass sie Harri in Ruhe lassen sollen. Als die Polizei im Fall des «gemesserten» Jungen nicht weiterkommt, beschließen Harri und sein Freund Dean, die Tätersuche selbst in die Hand zu nehmen. Kelman sorgt geschickt dafür, dass man ganz in den Sog des munter plappernden Harri gerät und darüber fast vergisst, dass dessen nicht gerade subtile Ermittlungen mit den realen Machtverhältnissen kollidieren müssen.

Geeignet für alle Büchereien.

Signatur: SL
Schlagworte: Freundschaft|Interkulturalität|Fremde|Gewalt
Bewertung: +++
Rez.: Christine Stockstrom

Mein erstes Lexikon der Kinder dieser Welt. Stephanie Ledu. Dt. von Nadine Scherr. Esslingen: Esslinger 2011. 121 S. : überw. Ill. ; 26 cm. Aus d. Franz. ISBN 9783480227242 geb.: 16.95€

Ein farbenfrohes und zugleich spannendes Buch über das Leben von Kindern auf dieser Erde, das man ganz nebenbei auch als Lexikon benutzen kann.

Das vielseitig gestaltete Buch nimmt Grundschüler in Kapiteln über Wohnen, Familie, Essgewohnheiten, Körperpflege, Lernen, Spielen, künstlerische Betätigung und Feiern auf eine sehr interessante Weltreise zu den entlegensten Teilen der Erde mit. Immer stehen Kinder verschiedenen Alters in ihrer natürlichen Umgebung, mit ihren kulturellen Besonderheiten und ihrem ganz alltäglichen Leben im Mittelpunkt des Geschilderten. Jede Doppelseite lädt mit farbig gestalteter Überschrift und motivierender Fragestellung zum Betrachten eindrucksvoller Fotografien und zum Lesen kurzer, leicht verständlicher und farbig unterlegter Texte ein. Ein thematisch geordnetes Inhaltsverzeichnis, ein Stichwort-Index und eine Weltkarte unterstreichen die lexikalische Ausrichtung dieses Kindersachbuches, das auf ganz unkomplizierte Weise zur interkulturellen Empathie beitragen kann: Schon auf der ersten Seite wird gefragt: Wenn du dort geboren wärst, welche Welt würdest du jeden Morgen entdecken?

Für Kinder in Familie, Schule und Kinderbetreuung vom 3. Schuljahr ab sehr empfohlen.

Signatur: Je
Schlagworte: Geografie|Kultur|Kindheit
Bewertung: +++
Rez.: Margot Rickers

Tschick. Roman. Wolfgang Herndorf. 1. Aufl. Berlin: Rowohlt Berlin 2010. 253 S. ; 21 cm. ISBN 9783871347108 geb.: 16.95€

Dieser Roman ist ein deutscher "Fänger im Roggen" voller Humor, verrückter Einfälle und einem Hauch von Traurigkeit.

In der Klasse nennen sie den Deutschrussen aus dem "Assi"-Hochhaus nur "Tschick". Maik Klingenberg, Sohn eines reichen Geschäftsmannes und einer Mutter, die sich von einer Entziehungskur zur anderen hangelt, hätte nicht gedacht, dass er ausgerechnet mit dem Außenseiter Tschick seine Ferien verbringen würde. Maik ist 14, sehr verliebt in Tatjana, die seine Liebe nicht erwidert und ihn nicht zu ihrer Party einlädt. Mitten in seinem Selbstmitleid überrascht ihn Tschick mit einem geklauten Lada und der Idee einer Spritztour durch Deutschland. Das Abenteuer beginnt bei glühender Hitze und wenig Proviant, ohne Landkarte Richtung Berlin. Die beiden werden von der Polizei verfolgt, klauen Benzin mit einem Schlauch, begegnen kuriosen Menschen wie Isa von der Müllkippe, verletzen, verlieren und finden sich. Erst als sie sich nach Unfall und Krankenhaus beim Jugendrichter wiedertreffen, spüren beide, wie sie der Sommer verändert hat. Sie wissen, wer sie wirklich sind und was Freundschaft bedeutet. (Ausgezeichnet mit dem von der Stadt Heidelberg gestifteten Clemens-Brentano-Preis 2011.)

Ein wunderbarer amüsanter Roman voller Tiefe und Leichtigkeit, der Jugendliche (ab 14 J.) und Erwachsene berührt. Zusammen mit der CD (978-3-8398-4012-2) für Jugendarbeit und Konfi-Freizeiten empfohlen.

Signatur: SL
Schlagworte: Erwachsenwerden|Deutschland|Außenseiter|Interkulturalität
Bewertung: +++
Rez.: Bettina Rehbein

Die Glückssucher. Roman. Tishani Doshi. Dt. von Werner Löcher-Lawrence. Berlin : Bloomsbury 2010. 349 S. ; 22 cm. Aus d. Engl. ISBN 9783827009463 geb.: 22.90€

Wie zwei Menschen verschiedener Kulturen durch die Kraft der Liebe ihren eigenen Weg finden und gehen, trotz mancher äußeren Belastung.

Als Investition in die Zukunft sieht der indische Geschäftsmann Patel das Studium seines ältesten Sohnes in London. Dass Babo dort aber in der Waliserin Sian die Liebe seines Lebens findet, ist nicht vorgesehen und die erzürnten Eltern zwingen Babo durch eine List zur Rückkehr. Doch nichts kann die Liebe der jungen Menschen erschüttern. Beide heiraten, leben in Madras, bekommen zwei Töchter, die sichere Mayuri und die unsichere Beena, deren Lebensziel ein Glück wie das ihrer Eltern ist. Geschehnisse, die Eltern, Geschwister, Freunde betreffen, gehören zu der Geschichte der beiden Liebenden. Anlaufstelle für alle Patels in Nöten ist die lebenserfahrende Großmutter, die auf dem Lande lebt. - Die Familien- und Liebesgeschichte beginnt 1968, umfasst gute 30 Jahre, lässt den geschichtlichen Hintergrund und Besonderheiten Indiens erkennen, spart auch den Blick auf die Armut nicht aus. Die Autorin erzählt charmant, lebhaft, sehr sinnlich (gelegentlich blumig und mit Längen) und widmet das Buch ihren Eltern, den „ursprünglichen Glückssuchern“ - ihrem indischen Vater und ihrer walisischen Mutter. Mit Glossar.

Gut zu lesender Unterhaltungsroman über eine völkerverbindende Liebe für viele.

Signatur: SL
Schlagworte: Indien|Liebe|Interkulturalität
Bewertung: +++
Rez.: Irmgard Schmidt-Wieck

Draußen nur Kännchen. Gekürzte Lesung. Asfa-Wossen Asserate. Hamburg: Der Audio Verl. 2010. 4 CDs ; 268 Min. ISBN 9783862310029 19.99€

Eine wunderbar treffende, entlarvende, mit Humor gewürzte Sammlung von Essays über „Die Deutschen“ vom Autor selbst gelesen.

Der äthiopische Prinz Asfa-Wossen Asserate betritt mit 16 Jahren zum ersten Mal deutschen Boden. Vieles von dem, was er hier erlebt hat, hat er aufgeschrieben. Hier liest Asserate (bekannt geworden durch sein Buch „Manieren“ Ev. B. 04/575) seine Anekdoten über Dienstleistungen, Füße reinigen, Kaffee-Eigenarten und Deutschland als Leseland fabelhaft vor und bringt uns somit wunderbar zum Schmunzeln. Wer in Deutschland geboren ist, dem fallen bestimmte „typisch deutsche“ Eigenschaften, Macken oder Sonderbarkeiten gar nicht mehr auf. Asserate schildert die „deutschen“ Marotten auf liebenswerte Art und Weise und verbildlicht so erst richtig die alltäglichen Gewohnheiten, die uns völlig normal erscheinen. Dabei geht der Wahldeutsche auch stets auf die historischen Ursprünge eines jeden Rituals oder einer deutscher Besonderheit ein, was dieses Hörbuch zu einem echten Lernerlebnis macht! Kritisch aber unglaublich sympathisch wird der Deutsche mit seinen Marotten betrachtet.

Wer diese CD angehört hat wird das nächste Kännchen Filterkaffee sicher nicht ohne ein Lächeln trinken. Kurzweilig und höchst vergnüglich mit durchaus ernstem Hintergrund.

Signatur: SL|Sb 2
Schlagworte: Mentalität |Deutschsein|Interkulturalität
Bewertung: +++
Rez.: Christine Stockstrom

Amsterdam und zurück. Roman. Marente de Moor. Dt. von Waltraud Hüsmert. 1. Aufl. Berlin: Suhrkamp 2010. 284 S. ; 21 cm. Aus d. Niederländ. ISBN 9783518421840 geb.: 22.90€

Als Russe illegal in Amsterdam zu leben bedeutet: Emigration, Heimweh und die Kluft zwischen Mentalitäten zu erfahren.

Witali Kirillow fährt Anfang der 90er Jahre zu seinem Cousin Ilja nach Amsterdam. Nach Ablauf des Visums lebt er illegal in Holland. Witali will den Mann finden, den er als junger Grenzoffizier hatte flüchten lassen, doch die Suche bleibt nahezu erfolglos. Im Zentrum des Romans steht eher der Alltag als Emigrant in Amsterdam, geprägt vom Kunstkitschverkauf auf dem Rembrandtplein, alkoholschwangeren Treffen in Kneipen und Küchen, an denen man über Russland herzieht und sich doch danach sehnt. Die gut gelaunte Niederländerin Jessie verliebt sich in Witali und seine russische Seele, zeigt ihm die niederländische Welt, die ihm aber fremd bleibt. Letztlich kehrt er nach Russland zurück. Eindrucksvoll authentisch fließt das Wissen der Autorin über russische Kultur, Geschichte und Zeitgeist ein. Unaufgeregt und skurril humorvoll wird Witalis eigentlich wenig handlungsreiche Geschichte erzählt.

Eine literarische Begegnung mit liebevoll-skurrilen Charakteren der „russischen Seele", die Themen wie Identität, Heimat und Fremde interessierten Lesern näher bringen.

Signatur: SL
Schlagworte: Russland|Emigration|Amsterdam|Interkulturalität
Bewertung: +++
Rez.: Kathrin Vogel

das baumhaus. Ill. von Marije Tolman und Ronald Tolman. 1. Aufl. Berlin: Bloomsbury 2010. o. Pag. : nur. Ill. ; 34 cm. ISBN 9783827054210 geb.: 16.90€

Textloses Bilderbuch über einen Baum, der zum Zuhause für viele wird.

Hier ist ein Baumhaus, Traum aller Kinder, angelegt auf großflächigen Seiten zwischen verknorzten Ästen, die sich nach allen Seiten strecken. Über dem großflächigen Entree das nächste Geschoss im Stil eines Bootes, dann die Beletage: ein Hausboot mit Geländer. Zuerst entdeckt ein Eisbär das Anwesen, dann gesellt sich ein Braunbär dazu. Im Laufe des Jahres strömen alle möglichen Tiere herbei: Flamingos, ein fettes Nashorn, das den Baum zum Erbeben bringt, gelenkige Brillenbären, putzige Eulen, ein Schwarm schwarzer Vögel.... Mit Neugier, nie mit Unmut, betrachten die Erstbesetzer den bunten Zuzug, der das Baumhaus zu einer „Villa Kunterbunt“ macht, zu einer Arche, die Reisende aufsuchen, genießen und wieder verlassen. Dem Charme dieser „Zuwanderung“, zauberhaft in einem Jahreskreis dargestellt, kann sich niemand entziehen. Viele Details regen an zum Erfinden eigener Geschichten, „der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt“ bestärken die Künstler, die sowohl dezent als auch mit kräftigen Farben gearbeitet haben.

Sehr empfohlen für Büchereien, Familien und als Weihnachtsgeschenk.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Tiere|Gemeinschaft|Interkulturaliät
Bewertung: +++
Rez.: Irmgard Schmidt-Wieck

Würde. Roman. Andrew Brown. Dt. von Mechthild Barth. 1. Aufl. München: btb 2010. 381 S. ; 22 cm. Aus d. Engl. ISBN 9783442752782 geb.: 19.95€

Das privilegierte aber eintönige Leben eines weißen Anwalts in Südafrika ändert sich durch eine Begegnung grundlegend.

Der Anwalt Richard Calloway lebt in Kapstadt ein angenehmes, sorgloses Leben, das ihn jedoch zu Tode langweilt. Sein neuer Mandant Stefan Svritsky, ein krimineller russischer Geschäftsmann wird bald sein wichtigster Mandant. Calloways makelloses Selbstbild bekommt erste Risse. Als Svritsky ihm die Telefonnummer von Abayomi, einer illegal eingewanderten nigerianischen Masseurin zusteckt, die dieser bald darauf aufsucht, beginnt sein Leben aus den Fugen zu geraten. Die Massage entpuppt sich als überaus erotisch. Mit jeder Berührung bröckelt Calloways rechtschaffene Fassade, erwacht sein Innerstes zu neuem Leben. Er beginnt sich für die Lebenswirklichkeit weniger bevorzugter Einwohner Kapstadts zu interessieren und gerät dabei in Konflikt mit dem organisierten Verbrechen. Die Geschichte ist mitreißend geschrieben. Sie macht nachdenklich mit ihrer eindrücklichen Schilderung menschlicher Verhaltensweisen und weckt das Interesse an Südafrikas politischer Wirklichkeit.

Der Autor hat hier Südafrikas Gegenwart in eine spannende, teilweise sehr bedrückende Geschichte verpackt, die zum Nachdenken herausfordert. Sehr zu empfehlen!

Signatur: SL
Schlagworte: Südafrika|Einwanderer|Interkulturalität
Bewertung: +++
Rez.: Susanne Brenner

Bilal. Als Illegaler auf dem Weg nach Europa. Fabrizio Gatti. Dt. von Friederike Hausmann und Rita Seuß. München: Kunstmann 2010. 457 S. : Ill. ; 22 cm. Aus d. Ital. ISBN 9783888975875 geb.: 24.90€

Ein italienischer Journalist begibt sich auf die Einreisewege illegaler Einwanderer aus Afrika nach Europa.

Der Chefreporter bei ’Espresso’ reiste auf den Routen illegaler Einwanderer vom Senegal über Mali und Niger nach Libyen. Zudem recherchierte er in den Küstenstädten Tunesiens und Libyens und betrat getarnt das Flüchtlingslager auf der Mittelmeerinsel Lampedusa. Überall trifft er auf verzweifelte Afrikaner, die trotz guter Bildung dem wirtschaftlichen Niedergang und der politischen Unterdrückung in ihren Heimatländern entfliehen wollen. Doch sie treffen auf brutale und korrupte Angehörige des Militärs und der Polizei, die die Not der Flüchtlinge erbarmungslos ausnützen. Daneben beschreibt Gatti die Zusammenarbeit des rechten italienischen Premiers Berlusconi mit dem libyschen Diktator Gaddafi. Die ausführliche Reportage mit vielen Hintergrundinformationen wirft einen genauen Blick auf die Ausgeschlossenen, die an die für sie weitgehend verschlossenen Tore der Festung Europa klopfen.

Der Bericht ist ein spannendes Sachbuch, aber auch eine gute Grundlage für Gespräche über die gegenwärtige Flüchtlingspolitik. Breit empfohlen.

Signatur: Sa 5
Schlagworte: Einwanderung|Afrika|Europa|Globalisierung
Bewertung: +++
Rez.: Peter Bräunlein

Ich leb jetzt hier!. Die Geschichte einer Einwanderer-Familie. Regina Rusch. Ill. von Edda Skibbe. 1. Aufl. München: cbj 2010. 153 S. : Ill. ; 19 cm. ISBN 9783570221051 kt.: 5.95€

Die Geschichte vom zehnjährigen Shahin und seiner Familie, die vor dem Krieg im Irak nach Deutschland geflüchtet sind.

„Alles war schöner in Bagdad!" Natürlich ist das ungerecht, doch Shahin vermisst so viel. In den ersten Wochen fühlt er sich einfach nur fremd und versteht kein einziges Wort. Die jungen Leser können das nachempfinden, denn die Autorin lässt die deutschen „Murmelkrächzer", wie Shahin sie nennt, in einer Spezialsprache reden, die entschlüsselt werden muss. „Redd guif!" rufen die Mitschüler beispielsweise. Wie soll man sich da zurecht finden?! Dazu kommen noch die nächtlichen Albträume von Bomben und Entführungen. Wie gut, dass es Nachbarn und Mitschüler gibt, die Shanin über die erste Fremdheit hinweghelfen. Er findet Freunde und es gelingt ihm täglich mehr, sich in der Schule und der Umgebung zurechtzufinden. Mit viel Einfühlungsvermögen und Humor werden die Schwierigkeiten der Familie im völlig fremden Umfeld geschildert. Das Buch ist ein Appell an die jungen Leser, Mitschüler aus fremden Ländern willkommen zu heißen und ihnen eine Brücke in den Alltag zu bauen.

Die flott geschriebene Geschichte von Shanin schafft Sympathie für Einwanderer-Familien. Für junge LeserInnen ab 8 J. Gut als Klassenlektüre geeignet.

Signatur: Ju 2/1
Schlagworte: Einwanderer|Irak|Fremdheit|Interkulturaliät
Bewertung: +++
Rez.: Regina Riepe

Spiel mit dem Feuer. Susanne Orosz. Hamburg: Klopp 2009. 221 S. ; 21 cm. ISBN 9783781715011 kt.: 9.95€

Der aus Moldawien stammende Kyrill lernt es, sich in der ihm völlig fremden neuen Heimat Deutschland zurechtzufinden.

Kyrill stammt aus Moldawien. Als seine Familie nach Deutschland umsiedelt, fällt es ihm schwer, sich in diesem ihm völlig fremden Land einzugewöhnen. Die Kontakte zu den Freunden in der Heimat brechen ab, in der Schule wird Kyrill durch gewalttätige Mitschüler abgezockt. Erst das Training in einer Tae-Kwon-Do-Schule gibt ihm das nötige Selbstvertrauen, sich zu wehren. Hier lernt Kyrill auch Jurij kennen, doch die Freundschaft zu diesem droht, ihn völlig aus der Bahn zu werfen. Außerordentlich spannend schildert Susanne Orosz die Erlebnisse des jungen Umsiedlers, und schon alleine die Beschreibung des brutalen Alltags in einer Hamburger Gesamtschule und der von der Autorin treffend beschriebenen Hilflosigkeit der LehrerInnen lohnen die Lektüre. Halt findet Kyrill in den starken Frauen seiner Familie und in der sich anbahnenden Liebe zu Meryem.

Eine packende Beschreibung der Erlebnisse eines jungen Umsiedlers, sehr zu empfehlen gerade für Jungen ab 13 Jahren.

Signatur: Ju 3
Schlagworte: Umsiedler|Aussiedler|Fremdheit|Interkulturaliät
Bewertung: +++
Rez.: Erhard Reschke-Rank

Die Venus im Fenster. Roman. Eleonora Hummel. 1. Aufl. Göttingen: Steidl 2009. 217 S. ; 22 cm. ISBN 9783865218780 geb.: 18.00€

Ein Roman über die Geschichte einer russlanddeutschen Aussiedlerfamilie.

Ihre Schwester hat Alina zehn Jahre nicht gesehen. Mit ihr wartet der Leser in der Tristesse des Ostberliner Bahnhofs auf Irma und begleitet Alina in Erinnerungen an die von Umbrüchen geprägte Vergangenheit. Ist die Großmutter 1945 aus Donauschwaben nach Sibirien deportiert worden, um am Schwarzen Meer zu stranden, so wandert die Familie Anfang der achtziger Jahre nach Dresden aus, in das ersehnte Land. Im DDR-Sozialismus angekommen, wünscht sich der Vater in die Bundesrepublik, doch die Oma will nie wieder umsiedeln und neu anfangen. So bringt erst die Wende die Freiheit, in der jeder eigene Wege geht. - Auch die 1970 geborene Autorin ist als Zwölfjährige aus Kasachstan in die DDR immigriert. Immer leise, mal melancholisch, mal humorvoll lässt sie die Figur Alina von ihrer Familie und eigenen Befindlichkeiten erzählen. Wer Hummels empfehlenswerten Debütroman „Die Fische von Berlin“ (Ev. B. 05/546) kennt, begegnet hier der erwachsen gewordenen Alina wieder.

Etwas anspruchsvollere LeserInnen gewinnen mit diesem angenehm lesbaren, zuweilen zart klingenden, nie dramatisierenden Roman Einblick in eine Aussiedler-Familiengeschichte.

Signatur: SL
Schlagworte: Migration|Familie|Fremde
Bewertung: +++
Rez.: Kathrin Vogel