Kirche

Der Protestantismus in der Bundesrepublik Deutschland. (1945-2005). Martin Greschat. Leipzig: Ev. Verl.-Anst. 2011. 248 S. ; 24 cm.
ISBN 9783374028283 kt.: 28.00€
Darstellung der Beteiligung des Protestantismus an den gesellschaftlichen Veränderungen der Zeit ab 1945 in Deutschöland.
Wenn man auf Deutschland blickt, und besonders auf die Bundesrepublik, dann stellt sich die Zeit zwischen 1945 und 2005 als Abschnitt rasanter Veränderungen dar. Der Protestantismus und die evangelische Kirche waren diese einschneidenden Umbrüche nicht nur verwickelt oder davon betroffen, sie waren als Akteure immer gestaltend und prägend tätig, man denke nur an den Aufnäher „Schwerter statt Pflugscharen“ der kirchlichen Jugendarbeit in der DDR. Der Gießener Kirchengeschichtler Martin Greschat entfaltet diese Prozesse in ihren Zusammenhängen. Greschat ist einer der besten Kenner kirchlicher Zeitgeschichte in Deutschland. Er bezieht die Prozesse in ihre politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zusammenhänge ein und setzt wichtige Schwerpunkte und hinterfragt Entwicklungen und Selbstverständnisse, besonders in den letzten Jahren, die sehr stark auf eine Dominanz ökonomischer Überlegungen und Plannungen hinauslaufen.
Für Christen, die wissen wollen, woher sie kommen. Ein nachdenklich machendes, wichtiges Buch für den weiteren Weg der Kirche.
Signatur: Cc 1
Schlagworte: Protestantismus|Kirche|Gesellschaft
Bewertung: +++
Rez.: Martin Weskott

Gottes Häuser. oder die Kunst, Kirchen zu bauen und zu verstehen. Johann Hinrich Claussen. In Zusammenarbeit mit Christof Jaeger. München: Beck 2010. 287 S. : Ill. ; 25 cm.
ISBN 9783406607189 geb.: 24.95€
Über Zusammenhänge und wechselseitige Beziehung von christlicher Sakralarchitektur und den von ihr in den Gebäuden zu erfüllenden, sich im Laufe der Jahrhunderte wandelnden Funktionen.
An markanten Beispielen, die für die jeweilige Epoche aussagekräftig sind, wird gezeigt, wie Außen- und Innenwelt von christlichen Bauwerken aufeinander bezogen sind, und daher oft schon während der langen Bauphasen Veränderungen vorgenommen werden mussten. Hatten die ersten christlichen Gemeinden sich in schlichten Hauskirchen versammelt, so trat nach der konstantinischen Wende und dem Bau großer Basiliken, die zugleich den Herrschaftsanspruch dokumentierten, eine zunehmende Prachteinfaltung ein. Sie zog sich von den romanischen Domen, über die gotischen Kathedralen bis zu den goldgeschmückten Barockkirchen durch. Bunt und vielfältig war die Nutzung durch Klerus einerseits und Kirchenvolk andererseits. Hier brachte die nachreformatorische Zeit - wenn auch erst zögerlich - eine enorme Veränderung für die Bauwerke. Ein kaleidoskopartiges Füllhorn von heiligen und unheiligen Geschichten öffnet der Autor dem neugierigen kirchennahen und kirchenfernen Laien und nimmt ihn mit auf eine spannende Entdeckungsreise. Denn die Geschichte des Kirchenbaus ist - so sein Resümee - ein kulturhistorischer Leckerbissen aus 'steingewordenen Paradoxien'.
Gern empfohlen für an Kirchen-, Kunst- und Kulturgeschichte, Architektur und Sozialgeschichte interessierte Leser, die aus dem Rückblick auch Aspekte für die Gegenwart gewinnen können.
Signatur: Cc 1|Ca
Schlagworte: Kirche|Kirchennutzung|Rituale|Kirchenbau
Bewertung: +++
Rez.: Halgard Kuhn

Mir aber zerriss es das Herz. Der stille Widerstand der Elisabeth Schmitz. Manfred Gailus. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2010. 320 S. : Ill. ; 23 cm.
ISBN 9783525550083 geb.: 24.95€
Geschichte der unerkannt gebliebenen Widerstandskämpferin im Nationalsozialismus Elisabeth Schmitz und ihrer ebenso unerkannt gebliebenen Urheberschaft an der Denkschrift „Zur Lage der deutschen Nicht-Arier“.
Die 1893 geborene Elisabeth Schmitz nahm nicht zuletzt durch ihre enge Freundschaft mit einer jüdischen Ärztin den Nationalsozialismus von Anfang an aus der Perspektive der Verfolgten wahr. Nach den Geschehnissen der Reichspogromnacht vom November 1938 beantragte sie ihre Entlassung aus dem Schuldienst, in dem sie seit 1929 tätig war. Als evangelische Christin sah sie ihre Kirche in der Pflicht, sich deutlich gegen die Menschenverachtung des NS-Regimes und die zunehmende Diskriminierung der jüdischen Bürgerinnen und Bürger auszusprechen, in den meisten Fällen ergebnislos. Bereits im April 1933 wandte sie sich an den zu dieser Zeit in Bonn lehrenden Theologen Karl Barth. 1935 verfasste sie die oben genannte Denkschrift, die sich die Kirche jedoch nicht zu eigen machte und deren Urheberschaft später in Vergessenheit geriet. Auch nach 1945 war Elisabeth Schmitz politisch aktiv: 1950 etwa hielt sie in ihrer Heimatstadt Hanau eine Rede zum Gedenken an die Opfer des Fachismus und des Krieges. Das Buch von Manfred Gailus enthält zahlreiche Fotos aus dem Leben der Elisabeth Schmitz sowie den Text der Denkschrift von 1935, einen Brief an Helmut Gollwitzer aus dem Jahr 1938 sowie die Hanauer Rede von 1950.
Evangelischen Büchereien mit einem Schwerpunkt „Zeitgeschichte“ oder „Frauen in der Gesellschaft“ zur Anschaffung sehr zu empfehlen.
Signatur: Bb
Schlagworte: NS-Zeit|Frau|Kirche
Bewertung: +++
Rez.: Caroline Peter



