Kirchenjahr

Naumann, Bettina: Heilige Orte und heilige Zeiten? Kirchenräume und Kirchenjahr. Leipzig: Ev. Verl.-Anst. 2013. 114 S. : Ill. ; 19 cm. ISBN 978-3-374-03149-8, kt.: 9,90 €

Klare und verlässliche Einführung in Geschichte und Gegenwart des Kirchenjahrs und der Kirchenräume.

Gibt es in der Evangelischen Kirche eigentlich heilige Räume? Oder ist die Kirche nur ein Versammlungsort für Gottesdienstbesucher? Noch vor einigen Jahren hätten hier besonders Pfarrerinnen und Pfarrer klare Antworten gegeben. Aber nun ist Bewegung in diese Fragen gekommen. In der Kirchenpädagogik und in der Arbeit mit Offenen Kirchen wurden die Räume, in denen evangelische Christen wohnen und feiern, neu entdeckt. Dieses Buch ist in einer Reihe erschienen, die Theologie für Gemeindemitglieder und Ehrenamtliche transparent machen soll. Es informiert zuverlässig über die Geschichte des Kirchenbaus und die Farben und Zeittakte des Kirchenjahrs. Es begnügt sich dabei nicht mit historischen Informationen, sondern entfaltet Gründe, warum es richtig ist, sich an den Traditionen der Heiligkeit von Zeiten und Räumen weiter abzuarbeiten, z.B. die Theorie der Erinnerungsräume.

Diesem Buch wünsche ich weite Verbreitung unter Ehrenamtlichen, Interessierten, aber besonders auch unter Pfarrerinnen und Pfarrern.

Signatur: Cc 1
Schlagworte: Kirchenbau|Theologie|Geschichte|Kirchenjahr
Bewertung: +++
Rez.: Frank Hiddemann

Thiel, Christiane: Das chrismon-Familienjahrbuch. Mit Lisa und Björn durchs Kirchenjahr. Ill. von Sandra Beer. Frankfurt am Main: Ed. Chrismon 2012. 286 S. ; 25 cm. ISBN 978-3-86921-098-8, geb.: 24,90 €

Ein Gang durchs Kirchenjahr von Dezember bis November aus evangelischem Blickwinkel.

Die Pfarrerin Christiane Thiel hat ein Jahrbuch mit bewusst "protestantischem Profil" verfasst. Die sonst in solchen Büchern häufig benannten Heiligenlegenden und –tage sind darin ersetzt durch das monatliche Porträt je eines Mannes und einer Frau, deren Schicksal uns bewegen und herausfordern kann, wie Jochen Klepper, Johann Heinrich Pestalozzi, Anne Frank oder Elisabeth von Thadden, dazu oft bedenkenswerte Zitate. Den Weltbezug soll auch eine Zeitschiene betonen, die unten mitläuft und die Daten von Holocaust-Gedenktag oder Weltflüchtlingstag neben eher skurrilen wie dem "Vanilleeis-Tag" notiert. Miteinander verbunden sind die Monate durch die Geschichte einer Patchworkfamilie samt Großeltern und russlanddeutscher Patin. Das zu den besonderen Herausforderungen der Familiensituation auch noch traumatische Kriegserfahrungen der Großmutter und die MS-Erkrankung des Vaters kommen, wurde mir fast ein bisschen zu viel.
Jedes der zwölf Kapitel schließt mit einem schönen Gebet. Sehr gut gefällt mir, wie selbstverständlich neben den christlichen die jüdischen Fest(bräuch)e benannt werden, bisweilen auch die anderer Religionen. Allerdings habe ich den Weltgebetstag schmerzlich vermisst. Unter dem Stichwort "Schöpfung" versammeln sich Informationen zu Menschen, Tieren, Pflanzen und Planeten, unter "Nützliches" ein Rezept oder ähnliches. Grundlegende theologische Informationen hat die Rubrik "Bibel gegen den Strich gebürstet" zu bieten, oft unter eher losem Kirchenjahresbezug.
Die zarten Illustrationen von Sandra Beer sind in sehr gedämpften Farben gehalten.

Obwohl in jedem Kapitel einzelne Texte für Leseanfänger extra gekennzeichnet sind und der Titel entsprechende Erwartungen weckt, spricht das Buch wohl doch stärker Erwachsene an. Ich könnte mir darum gut vorstellen, dass das Buch eine Erwachsenen-(Gemeinde-)Gruppe, aber auch Familien, durchs Jahr begleitet und hier sehr anregend sein kann.

Signatur: Ch 1
Schlagworte: religiöse Erziehung|Kirchenjahr
Bewertung: ++
Rez.: Griet Petersen

Vom Hasen zum Himmel. Was es an Ostern wirklich zu feiern gibt. Thomas Joussen, Peter Karliczek. Asslar: Gerth Medien 2012. 72 S.: überw. Ill. ; 24 cm. ISBN 978-3-86591-713-3, kt.: 8,99 €

Eier und Hasen statt Vergebung und Erlösung? Das Osterfest hat bei den meisten nur noch die Aufgabe, eine Woche Ferien zu spendieren. Aber was war da noch mal, das lohnen würde, entdeckt zu werden?


Die Osterhasen und die entsprechenden Eier in diesem kleinen Buch verdecken nicht das wichtigste christliche Fest. Sie fordern dazu heraus, den Sinn der Auferstehung zu begreifen und zu feiern. Farbig, humorvoll, erstaunlich, informativ und hintersinnig nähert sich dieser Bildband dem Plan Gottes für den Menschen mit vielen ganzseitigen, liebevollen Illustrationen, Grafiken und Texten. Angefangen wird in der Tat mit Schokolade und Hasen. Dann nähern sich die Autoren grafisch aufbereitet den großen Oster-Themen wie “Kreuzweg“, „Die letzten Worte Jesu“, „Jesus starb für alle Menschen“. Und so nimmt dieses Buch auch kirchenferne Menschen von heute mit auf eine Reise, die für sie zum entscheidenden Weg werden kann. - Den beiden Autoren, Pfarrer zumal, gelingt es vortrefflich und äußerst originell eine Suche zu präsentieren, die den Grundfragen des Lebens und Sterbens auf der Spur ist. Sehr gut gestaltet und schön gemacht!

Für alle, die den Sinn des Osterfestes (wieder) entdecken wollen und die auf der Suche nicht nur nach den versteckten Eiern sind. Gern empfohlen für die Arbeit mit Jugendlichen und Erwachsenen.

Signatur: Ch 1|Jc
Schlagworte: Auferstehung|Sinnsuche|Ostern|Bildband
Bewertung: +++
Rez.: Kurt Triebel

Gesät ist die Hoffnung. 14 Begegnungen auf dem Weg nach Ostern. Margot Käßmann. Freiburg: Herder 2011. 92 S. : Ill. ; 18 cm. ISBN 9783451323669 geb.: 12.95€

Die Geschichte der Passion birgt Anzeichen ausgesäter Hoffnung hin zur österlichen Auferstehung.

Die tiefe Verlassenheit während der letzten Lebenstage von Jesus, die uns in den Evangelien überliefert ist, macht die Christen jedes Jahr erneut betroffen, besonders in der Karwoche. Vom jubelnden Hosianna beim Einzug über Schmach, Hohn und Erniedrigung, über Verrat und Verleumdung in den eigenen Reihen und dem feigen Rückzug aus der Verantwortung der Herrschenden zeigt sich ein breites Spektrum menschlichen Verhaltens. Da bleiben die Weinenden, die Trauernden, die liebevoll und würdevoll Handelnden in ihrer Ohnmacht notgedrungen sehr im Hintergrund. Margot Kässmann versteht es, eine Brücke von dem Geschehen vor 2000 Jahren in die Gegenwart zu schlagen. Eindrucksvoll weist sie auf Zustände und Ereignisse unserer Zeit hin und konstatiert „Eine leidensfreie Welt gibt es nicht", dennoch ist Fakt, „die Hoffnung ist gesät", denn der Leidensweg von Jesus führt hin zum leeren Grab am Ostermorgen. Seine vorgelebte Friedfertigkeit und Nächstenliebe sind das Saatgut christlicher Hoffnung.

Empfohlen als Grundlage für Gesprächskreise in kirchlichen Gemeinden - und weit darüber hinaus - besonders, aber nicht nur, in der Karwoche.

Signatur: Ch 1|Ci
Schlagworte: Glaube|Hoffnung|Ostern
Bewertung: +++
Rez.: Halgard Kuhn

Vom Osterhasen zum Christkind. Christliche Feste im Jahreslauf. Thomas Binotto. Zürich: Elster 2011. 143 S. : Ill. ; 22 cm. ISBN 9783907668849 geb.: 17.90€

Eine lesenswerte Einlassung über den Sinn des Kirchenjahres aus der Feder eines Schweizer Journalisten.

Die Fragen der Kinder nach Sinn und Unsinn des Todes, nach Gottes Macht oder Allmacht sind Binotto Grund zur Schlussfolgerung, dass unser Glauben in den Alltag gehört und Gespräche über Gott und die Welt am besten beim Abwasch geführt werden. (Schafft die Spülmaschinen ab!) Wenn der Mut über den Abwasch hinaus reicht, dann wird das Leben sinnhaft und schön, wenn es der guten alten Ordnung des Kirchenjahres folgt, die Binotto einfach und klar erklärt. Dabei würdigt er populäre Entwicklungen ebenso, wie er traditionelle Schätze zu pflegen weiß. Manche Schweizer Spezialität und Mundart schleicht sich außerdem ein. Jeder große Kirchenjahresabschnitt wird von einer Rubrik "Nachgedacht" abgeschlossen, in der der Autor theologisch und fromm über die Relevanz der Zeit und ihrer Bedeutung in einer normal chaotischen Familie zu Beginn des 21. Jahrhunderts reflektiert. Das ist gelungen.

Das Buch ist eine unaufgeregte, gut lesbare Einladung zum Glauben und zugleich eine übersichtliche Information für alle Familien mit Kindern. Sehr empfohlen auch für die Eltern- bzw. Familienarbeit.

Signatur: Ch 1
Schlagworte: Kirchenjahr|Feste|Familie|Glauben
Bewertung: +++
Rez.: Christiane Thiel

Himmlische Küche. Kochbuch für die christlichen Feste. Christa Spilling-Nöker. Mit zwölf Rezepten von Lea Linster. Freiburg: Herder 2010. 223 S. : Ill. ; 26 cm. ISBN 9783451302060 geb.: 22.95€

Christliches Brauchtum mit Rezepten zu den traditionellen Festen.

Der Verlauf des Kirchenjahres bildet die Grundlage dieses reich illustrierten Bandes. Dr. Spilling-Nöker, evangelische Pastorin, Hausautorin bei Herder mit Texten zur Lebensgestaltung, legt hier mehr als nur ein Kochbuch vor. Vielmehr steht christliche Festtradition im Mittelpunkt, die sich symbolhaft in den Speisen wiederspiegelt. Jeder Zeitabschnitt, jedes Fest des Kirchenjahres in ökumenischer Vielfalt wird in seiner Bedeutung historisch erklärt, bis hin zu etymologischen Erläuterungen. Zu den grundlegenden Ausführungen der Autorin kommen besinnliche Texte von Dichtern. Die festtypischen Gerichte stammen aus verschiedenen Jahrhunderten und deutschen Regionen mit unterschiedlicher religiöser Prägung. Rezepte aus dem späten Mittelalter und dem 19.Jahrhundert (Henriette Davidis) stehen neben denen der Autorin und denen von Lea Linster. Sehr Zeitaufwendiges und Kalorienreiches aber auch gut Umsetzbares ist erhalten - von den Thorner Kathrinchen bis zur Martinsgans.Ein Literaturverzeichnis ermöglicht weiterführende Beschäftigung.

Der auch im Layout herausragende Titel ist gut geeignet für die Gemeindearbeit, um Interesse an Tradition oder Erinnerungen zu wecken. Sehr empfohlen auch für den Eigenbesitz!

Signatur: Ch 2|Ra 2
Schlagworte: Feiern|Kirchenjahr|Kochen
Bewertung: +++
Rez.: Uta Behnen

Fasten mit Leib und Seele. Amselm Grün. Peter Müller. 1. Aufl. Münsterschwarzach: Vier-Türme-Verl. 2010. 191 S. ; 21 cm. ISBN 9783896804549 geb.: 18.90€

Handbuch zum Fasten als einem bewährten Mittel geistlicher Askese, das die Leser in die richtige Haltung Gott und den Menschen gegenüber bringen will.

Fasten ist ein Geschenk für Körper, Geist und Seele sowie ein heilsamer Weg für den ganzen Menschen. Das beweisen die beiden Autoren durch vielfache Beispiele in ihren Ausführungen. Der Benediktinerpater Anselm Grün legt in seinem Kapitel „Geschichte und Aktualität des Fastens“ sozusagen das Grundverständnis christlichen Fastens dar. Dem folgt der zweite, wesentlich umfangreichere Teil von Peter Müller. Darin sind spirituelle Impulse, Informationen zum Entlasten, Fasten, Fastenbrechen und zum Aufbau enthalten, sowie zahlreiche Übungen für Körper, Geist und Seele während einer insgesamt zehntägigen Fastenzeit zu finden. Weitere nützliche Tipps für die konkreten Maßnahmen während der Fastentage erleichtern den Lesern ihr Ziel, durch das Fasten eine neue körperliche, psychische und spirituelle Dimension zu erlangen. Mit erbaulichen Gebeten, Sprüchen zum Tage, Meditationen, Anmerkungen, Literaturangaben und Kontaktadressen zu Fastenwochen.

Dieses gut lesbare, gedankenreiche Plädoyer für das religiöse Fasten liegt voll im Trend und kann sehr empfohlen werden.

Signatur: Ch 1|Ci
Schlagworte: Fasten|Naturheilverfahren|Kirchenjahr
Bewertung: +++
Rez.: Martina Mattes

Wie das Ei zum Osterei wurde. Hermann-Josef Frisch. Ill. von Ulrike Baier. Düsseldorf: Patmos 2008. O. Pag.: überw. Ill. ; 30 cm. ISBN 9783491797765 geb.: 13.90€

Eine alte Legende aus Ägypten als farbenfrohes religiöses Osterbilderbuch gestaltet, das zu erklären versucht, warum es zu Ostern Eier gibt.

Die Legende erzählt von Katharina, einer klugen Ägypterin, die als Christin eine schwierige Aufgabe zu lösen hat. Sie betet nicht die steinernen Götter des nichtchristlichen Kaisers Maxentius an, wird deshalb vor diesen zitiert und soll nun unter zeitlichem Druck die Lebendigkeit und damit Überlegenheit ihres christlichen Gottes beweisen. Nach großer Ratlosigkeit wendet sie schließlich mit Hilfe ihres Freundes einen Trick an, durch welchen das Ei zum christlichen Symbol für Ostern geworden sein soll. - Kulturgeschichtlich gesehen gibt es allerdings auch eine andere Deutung, die mit der Abgabenpflicht von Kleinbauern ihrem Grundherrn gegenüber zu tun hat, wonach am Gründonnerstag das Schuldnerjahr mit der Abgabe rot gefärbter Eier endete. - Dennoch besticht nicht nur der Text als legendäre Überlieferung des Osterglaubens der ersten Christen in römisch besetzten Gebieten, sondern auch die künstlerische Gestaltung der doppelseitigen Bilder in nordafrikanischen Farben, Formen, Mustern sowie Gebäuden und Gestalten.

Empfohlen für Familie und Grundschule als Gesprächsanregung zur christlichen Deutung von Ostern und zum mehrdimensionalen Symbolgehalt des Ostereis.

Signatur: Jc|Jm 1
Schlagworte: Ostern|Brauch|Interkulturalität|Kirchenjahr
Bewertung: +++
Rez.: Margot Rickers

Im Rhythmus des Kirchenjahres. Vom Sinn der Feste und Zeiten. Kristian Fechtner. 1. Aufl. Gütersloh: Gütersloher Verl. - Haus 2007. 184 S. ; 22 cm. ISBN 9783579080222 geb.: 17.95€

Erkundungen über die Leben prägende Kraft des Kirchenjahres zwischen den Polen Gottesdienst und Alltagskultur.

K. Fechtner geht es nicht um die geschichtliche Herkunft des Kirchenjahres und seiner Feste, auch nicht um ein Werkbuch für die gemeindepädagogische Praxis. Sein Augenmerk liegt auf dem Kirchenjahr als kultureller Praxis. Und dieser Blick ist sehr ergiebig. Vier Felder unterscheidet er: Anfänglich leben – Weihnachten; Aus dem Tod heraus - Karneval bis Ostern; Aufbruch in das Leben – pfingstliche Zeit; Im Glauben reifen- späte Zeit des Kirchenjahres. Auch wenn die Zahl der Gottesdienstbesucher abnimmt, prägen die Kirchenjahreszeiten den Lebensrhythmus der Gesellschaft immer stärker. Fechtner legt das Kirchenjahr als gelebte Frömmigkeit frei und kann es als eine Form popularer, nämlich allgemeiner Religion aufwerten.

Für Gesprächskreise in der Gemeinde, Pastorenkonvente und Mitarbeitende in Kirchengemeinden. Das Buch liest sich flüssig, die wissenschaftliche Diskussion ist in den Anmerkungen untergebracht.

Signatur: Ch 1
Schlagworte: Kirchenjahr|Spiritualität|Fest
Bewertung: +++
Rez.: Martin Schulz