Reformation

Plaudereien an Luthers Tafel. Köstliches und Nachdenkliches. Thomas Maess [Hrsg.]. Leipzig: Ev. Verl.-Anst. 2010. 114 S. ; 20 cm.
ISBN 9783374028047 geb.: 14.80€
Texte aus Luthers lebhaften, zeitnahen und oft drastischen Tischreden, teilweise von Freunden und Studenten mitgeschrieben.
Als nach der Reformation, 1524, das „Schwarze Kloster“ in Wittenberg verwaist war, bekam es Luther vom Kurfürsten als Wohnsitz geschenkt. Er lebte dort mit seiner Familie (1525 Heirat mit Katharina v. Bora) bis zu seinem Tode 1546. Das Kloster bot Raum genug, um die zahlreichen Tischgäste zu bewirten, bis zu 50 Personen versammelten sich täglich zum Tischgebet, vor ausgedehnten Mahlzeiten. Luther legte Wert aus gutes Essen und Trinken und erfreute sich an ausführlichen Darlegungen über theologische oder ganz weltliche Themen, über geistige und geistliche Gespräche, voller Fröhlichkeit. Denn „Gott will, dass wir fröhlich seien“. Dabei sah er es als seine grösste Aufgabe an, den Menschen das Evangelium nahe zu bringen, und zwar in der ihnen verständlichen deutschen Sprache. Und im übertragenen Sinne gilt bis heute: „wenn wir die Sprache vernachlässigen, ... werden wir nicht allein das Evangelium verlieren, sondern ... wir (werden) weder Lateinisch noch Deutsch richtig sprechen oder schreiben können ... da muss zuletzt das Evangelium untergehen...“ (S. 80). Wenngleich uns Luthers Duktus oder manche der damaligen Termini nicht mehr geläufig sind, zieht uns seine bildhafte Sprachkraft in Bann. - Eine Zeittafel wäre wünschenswert.
Literatur- und Seniorenkreisen gern zu empfehlen. Für LeserInnen, geprägt durch „lutherischen“ Religions- oder Konfirmandenunterricht, eine glaubensstärkende Lektüre. Der Zugang Jugendlicher ist wichtig und wird von ihrem jeweiligen Umfeld abhängen.
Signatur: Ci
Schlagworte: Luther|Zitate
Bewertung: ++
Rez.: Gabriele von Altrock

Martin Luther - die Lektionen der Straße. Wie die Welt das Denken des Reformators veränderte. Karen Michels. Hamburg: Corso 2010. 96 S. : Ill. ; 24 cm.
ISBN 9783862600045 geb.: 19.90€
Was hat Luther erlebt auf den 12.000 Kilometern, die er - zumeist wandernd - unterwegs war? Welche Spuren hinterließen seine vielfältigen Reisen in seinem Denken, Schreiben, Handeln?
Luther, der das Reisen keineswegs liebte, war dennoch ständig unterwegs. Frühe Dienstreisen für seinen Orden meist zu Fuß, auch zu Pferde und in unbequemen Kutschen. Später reiste er oft inkognito oder als Junker Jörg verkleidet und mit großem Begleitschutz. Er reiste zu Disputationen mit Kontrahenten, auf Reichstage, um für seine Reformvorschläge einzutreten und immer wieder zu seinem fürstlichen Herrn und Beschützer, wenn dieser ihn rief. Seine letzte Reise, auf der er schwer erkrankte und starb, hatte er angetreten, um zwischen zerstrittenen Parteien im Mansfelder Land zu schlichten.
Seine erste und einzige Reise über die Alpen ins Zentrum kirchlicher Macht hat ihn besonders nachhaltig geprägt.
Als abstoßend und schockierend erlebte er die prunkvolle Machtentfaltung kirchlicher Würdenträger, die bigotte Reliquienverehrung von unzähligen Pilgerscharen und die damit einhergehenden Geldzuwendungen empörten ihn mehr und mehr. Daraus folgte nach seiner Rückkehr die scharfe Kritik am Finanzgebaren des Papstes und der Kurie, auch einiger deutscher Fürsten. - Der schön gestaltete, mit vielen zeitgenössischen Abbildungen versehene Band über Luthers Reisen entstand in der Begegnung der Kunsthistorikerin mit jenen Orten, die für den reisenden Mönch neue Einblicke und Alltagserfahrungen brachten, gesammelt jenseits der Studierstube, und sein Denken und Handeln nachhaltig veränderten.
Allen LeserInnen empfohlen, die erfahren möchten wie die Welt den großen Reformator geprägt hat.
Signatur: Cc 1
Schlagworte: Reformation|Gesellschaftsordnung|Luther|Mönchtum
Bewertung: +++
Rez.: Halgard Kuhn

Die gelebte Botschaft. Frauen der Reformation. Ursula Koch. Hamburg: Agentur des Rauhen Hauses 2010. 47 S. : Ill. ; 24 cm.
ISBN 9783760015323 geb.: 8.95€
Lebensbilder von zehn Frauen, die zur Zeit der Reformation eine bislang unterschätzte Rolle gespielt haben.
Argula von Grumbach? Elisabeth Cruciger? Katharina Zell? Nie gehört? Einzig Katharina von Bora, Luthers Ehefrau ist von den durchaus interessanten Frauengestalten der Reformation ein wenig bekannter. Die anderen? Weitgehend vergessen. Dabei hat beispielsweise Argula von Grumbach Mut und Intelligenz bewiesen, als sie sich für einen verhafteten Lutheranhänger einsetzte und zahlreiche Briefe schrieb, die wenig später als Flugblätter unter den Frauen kursierten. "Ohne die mutigen Frauen der Reformationszeit wäre die Botschaft von der Rechtfertigung aus Gnade nicht auf den Märkten und in den Spinnstuben weitergegeben worden", schreibt Ursula Koch in ihrem Vorwort. Das knapp 50-seitige Buch mit zahlreichen Abbildungen macht neugierig, sich weiter mit den facettenreichen Frauen zu beschäftigen. Schön wäre es deshalb gewesen, wenn es noch Hinweise zu weiterführender Literatur gegeben hätte.
Als Einstieg gerne empfohlen für alle, die vielleicht noch unbekannte Seiten der Reformation kennenlernen wollen
Signatur: Cc 1|Ba
Schlagworte: Reformation|Frauen|Kirchengeschichte
Bewertung: +++
Rez.: Dagmar Paffenholz

Luther und Calvin. Briefe, die nie geschrieben wurden. Gerhard Rödding. Neukirchen-Vluyn: Aussaat 2008. 142 S. ; 21 cm.
ISBN 9783761556498 geb.: 12.90€
Ein fiktiver Briefwechsel der bedeutenden Reformatoren erhellt, worauf es ihnen ankam und worin sie sich unterscheiden.
Luther und Calvin sind sich persönlich nie begegnet, haben aber voneinander gewusst. Mit einer originellen Idee bringt der Autor die beiden ins Gespäch. Sie tauschen sich aus über ihre unterschiedlichen Ansichten zum Thema Bilderverehrung, Gottesdienstgestaltung, Abendmahl und Kirchenzucht. Luther wirft Calvin vor, die Menschen zu sehr in ihrer Lebensweise zu kontrollieren und zuviel Wert auf die Ordnungen der Kirche zu legen. Calvin wiederum erkennt bei Luther zuviele Reste des "papistischen Christentums" und zuviel Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse des einfachen Volkes. Beide legen den Hauptwert auf die Vermittlung der "Gerechtigkeit durch Gnade" ,die Orientierung an der Ehre Gottes und der heiligen Schrift als Richtschnur. Im Dialog bekommt das Eigene klare Konturen und es wird verständlich, wie es zur Bildung von zwei evangelischen Konfessionen kommen konnte.
Trotz der Überzeichnung Calvins als "streng" und "ernst" ein Buch, dass historische Hintergründe und konfessionelle Strömungen auf gut lesbare Weise verständlich macht.
Signatur: Cc 1|Bb
Schlagworte: Calvin|Luther|Reformation
Bewertung: +++
Rez.: Bettina Rehbein

Wir sollen Menschen und nicht Gott sein. Luther zum Vergnügen. Johannes Schilling [Hrsg.]. Stuttgart: Reclam 2008. 155 S. Ill. ; 15 cm.
ISBN 9783150185797 kt.: 4.00€
Johannes Schilling hat intellektuell vergnügliche Sprüche Luthers gesammelt und thematisch geordnet.
Martin Luther hat durch die Bibelübersetzung wie kein anderer die deutsche Sprache und das Denken geprägt. Diese Sammlung dient dem Vergnügen der Sprach- und Gedankenlust. Schilling ordnet die Luthersprüche thematisch grob nach Rechtfertigungslehre, Reformation, Bildung, Land und Leute, Luther als Person. Fundorte der Sprüche sind nachgewiesen. Es ist eine wunderbare, abwechslungsreiche Sammlung entstanden. Man kann die Sprachgewalt Martin Luthers nachempfinden. Sowohl Martin Luthers Geist als auch der seines Sammlers, Johannes Schilling, leuchten auf.
Zum Lesen und Schmökern sowie für Gemeindegruppen, die sich mit der Reformation beschäftigen.
Signatur: Ce|Ch 2
Schlagworte: Martin Luther|Reformation|Rechtfertigung|Luther
Bewertung: +++
Rez.: Martin Schulz

Luther und die Macht des Wortes. Andreas Venzke. Ill. von Klaus Puth. 1. Aufl.Würzburg: Arena 2007. 112 S.: Ill. ; 21 cm.
ISBN 9783401060415 kt.: 7.95€
Das Leben und das Werk Martin Luthers, ergänzt durch spannende Informationen über die Zeit der Reformation.
Auf höchst unterhaltsame Weise vermittelt Andreas Venzke seinen Leserinnen und Lesern ein lebendiges Bild Martin Luthers und der Reformationszeit. Die in der Ich-Form gehaltene Erzählung seines Lebens wird durch sachkundige Informationen, etwa zum Schulsystem des Mittelalters, zur Lutherbibel oder zu den Bauernkriegen unterbrochen, auch ein Glossar und eine Zeittafel zum Leben des Reformators fehlen nicht. Hervorzuheben ist, dass der Autor nicht nur die Verdienste Luthers beschreibt, sondern auch seine folgenschweren Verdammungen des Judentums und der aufständischen Bauern nicht verschweigt. Illustriert wird der preisgünstige, schön gestaltete Band durch zeitgenössische Bilder und kluge, wirklich witzige Illustrationen von Klaus Poth. Nicht nur das abschließende Kapitel mit seinen durchaus diskussionswürdigen Überlegungen lädt zur eigenen Meinungsbildung über die Bedeutung Luthers ein.
Sehr zu empfehlen für Leserinnen und Leser ab 12 Jahren, aber auch für alle Erwachsenen, die eine gut verständliche und flott lesbare Biographie Luthers suchen.
Signatur: Jb
Schlagworte: Luther|Reformation
Bewertung: +++
Rez.: Erhard Reschke-Rank



