Religionen

Lewin, Waltraud: Córdoba. Roman. Hildesheim: Gerstenberg 2016. 319 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-8369-5458-7, geb.: 16,95 €

Ein Roman um Liebe und Hass in Cordoba im 16. Jahrhundert nach der Rückeroberung durch die Christen.

Andalusien war im hohen Mittelalter unter maurischer Herrschaft  ein positives Beispiel für das Zusammenleben von Muslimen, Juden und Christen. 1492 wurde Andalusien von den Christen zurückerobert. Muslime und Juden wurden vertrieben, sofern sie sich  nicht zum christlichen Glauben bekannten. Doch der Konflikt zwischen den „Altgläubigen“ und den konvertierten „Neuchristen“ blieb nicht lange aus. Letztere wurden aus vielen Städten gejagt. Als weltoffene Stadt öffnete Cordoba seine Tore für die Flüchtlinge. Der Bürgermeister war überzeugt, dass die Integration zu schaffen sei. Doch mit der wachsenden Zahl der Flüchtlinge eskalierten die Ereignisse. Auf diesem Hintergrund schildert Waltraud Lewin einfühlsam und ungeheuer spannend die Liebes- und Leidensgeschichte der Tochter des Bürgermeisters und des Sohnes einer ursprünglich jüdischen Familie. Sie schildert einerseits die brutale Rolle von Kirche und Inquisition damals und öffnet fast nebenbei den Blick auf die aktuelle Flüchtlingssituation.

Ein fesselnder Roman, der  die schlimme Rolle der Inquisition im Mittelalter verdeutlicht, aber auch immer wieder an die aktuelle gesellschaftliche Situation denken lässt.

Signatur: Ju 3
Schlagworte: Inquisition | Mittelalter | Religionen
Bewertung: +++
Rez.: Karl Foitzik

Liss, Hanna: Erzähl es deinen Kindern. Schemot - Namen. Übertragen von Hanna Liss u. Bruno Landthaler. Ill. von Darius Gilmont. Berlin: Ariella 2014. 144 S. : Ill. ; 25 cm. (Die Thora in fünf Bänden, Band 2). ISBN 978-3-9816238-4-0, geb.: 24,80 €

Zweiter Teil der sagenhaften Kinderbibel aus jüdischer Hand. Jetzt zu den Gesetztexten!

Wie bereits im ersten Band besticht diese jüdische Kinderbibel durch Textgenauigkeit. In trotzdem kindgemäßer Sprache wird das 2. Buch Mose durcherzählt, wobei eine Vielzahl an Kommentaren das Verstehen vertieft und die jüdische Perspektive erschließt. Es ist  beeindruckend, wie texttreu und dennoch frei die Geschichte der Unterdrückung des Volkes Israel in Ägypten, die Rettung Moses, sein Lebensweg, seine Beauftragung, die Gottesbegegnung am Dornbusch, die Plagen und die Flucht geschildert werden. Am Beispiel der Plagenfolge wird die rabbinische Weisheit spürbar, die jede Plage bedenkt, ihre sprachliche Darstellung untersucht und dadurch eine besondere Dynamik der Geschichte zu zeigen in der Lage ist. Nach der Rettung am Schilfmeer kommen die ersten langen Gesetzestexte der Bibel. Diese Kinderbibel erzählt sie nach. Und wie! Ob es um den Bau von Wohnungen, um Kleidung, Essen oder Mord geht - hier wird Gottes Thora zum Lebenshaus. Wunderbar!

Für die Arbeit mit Kindern in Gemeinde und Religionsunterricht.

Signatur: Jc
Schlagworte: Ägypten|Pessach|Thora|Regeln
Bewertung: +++
Rez.: Christiane Thiel

Beile, Markus: Religion für Nichtschwimmer. Fünf Trockenübungen. Gütersloh: Gütersloher Verl. - Haus 2014. 192 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-579-08508-1, geb.: 17,99 €

Eine etwas andere Art, das Christentum als religiöse Weltsicht kennenzulernen.

Frei von frommen Phrasen, erzählerisch und ohne bei den Leserinnen und Lesern großes Vorwissen vorauszusetzen, nähert sich Markus Beile, ev. Pfarrer in Allensbach/Bodensee, dem Phänomen Religion und seiner Anziehungskraft. Er lädt die Menschen ein, die religiös eher »wasserscheu« sind, Religion in Gestalt des Christentums kennenzulernen als eine Weise, die Welt zu deuten und sich in ihr »schwimmend« zu bewegen. Das Buch will nicht überreden, sondern anregen, eigene Gedanken auszuprobieren, und dann zu sehen, ob man Lust bekommt, selbst zu schwimmen. Mit anderen Worten, es gelingt dem Verfasser auf vortreffliche, kluge und informative Art und Weise seine Leserschaft so zu fesseln, dass ein sich Eintauchen in die Grundlagen und Grundaussagen der Bibel eben ein Schwimmen ermöglicht, so dass selbst der Tod niemand untergehen lässt. Ein Buch, das nicht nur Nichtschwimmern im Glauben Einsichten und Halt geben kann, sondern selbst Rettungsschwimmer ein helfendes Ufer finden lässt. Es lohnt sich, dieses Werk zu lesen, statt zu moralisieren oder zu belehren, fordert es zum Denken auf.

Dieses Buch gehört unbedingt in unsere Büchereien, viele BenutzerInnen werden sich darüber freuen und sich darin festlesen.

Signatur: Ce|Cm
Schlagworte: Religion|Glaube
Bewertung: +++
Rez.: Kurt Triebel

Markovits, Anouk: Ich bin verboten. Roman. Dt. von Anne Rademacher. München: Knaus 2013. 286 S. ; 21 cm. Aus d. Amerikan. ISBN 978-3-8135-0497-2, geb.: 19,99 €

Orthodoxes jüdisches Leben nach dem Holocaust. Alltag, Liebe und Glauben. Dicht verwebte Schicksale.

Die Schrecken der Judenvernichtung ragen weit hinein in unsere Welt und die Lebenswirklichkeit der Kinder und Kindeskinder der Verfolgten und erst Recht der Ermordeten. Manchmal überlebt ein Kind, versteckt unter dem Tisch. Und wird von einer polnischen Haushaltshilfe gerettet und an Kindesstatt groß gezogen. Bis ein Rabbi den verlorenen Sohn doch zurückholt in die jüdische Gemeinde. Wieder ein Mutterverlust. Kann das gut gehen? Wie wirkt sich die große Thoraliebe und Gottestreue in einem Leben aus? Was wird aus den Jungen? Was aus den Mädchen? Wie leben heute chassidisch geprägte Familien mitten in einer Weltstadt wie Paris oder New York? Ist die vermeintliche Enge nur eng oder auch weit in ihrer Treue? Die Autorin, selbst aus einer jüdisch orthodoxen Familie stammend, schildert kenntnisreich und liebevoll bis ins Detail hinein den Alltag solcher Familien, die Situation besonders der Mädchen und Frauen, den Gottesdienst, das Thorastudium. Sie kennt aber auch den berechtigten Ausbruch!

Hervorragend geeignet für Gespräche zum Judentum (einst und heute).

Signatur: SL
Schlagworte: Holocaust|Judentum
Bewertung: +++
Rez.: Christiane Thiel

Erbacher, Jürgen: Papst Franziskus. Aufbruch und Neuanfang. München: Pattloch 2013. 176 S. : Ill. ; 20 cm. ISBN 978-3-629-13047-1 , geb.: 16,99 €

Lebensbild des argentinischen Kardinals Jorge Mario Bergoglio SJ (geb. 1936) und Einblicke in das Konklave im März 2013, das ihn zum  "Bischof von Rom" wählte.

Seine Wahl war eine Überraschung und sein erstes Auftreten weckte viele Hoffnungen. Jedes Kapitel dieser Biografie stellt Jorge Mario Bergoglio in einem anderen Zusammenhang vor: Papstwahl, Herkunft der Familie, Jesuit, Militärdiktatur, Befreiungstheologie, zwei Päpste usw. Der Autor (Theologe, Politikwissenschaftler, Vatikan-Journalist und ZDF-Redakteur) verknüpft jeweils geschickt das allseits bekannte Wissen mit seinem umfangreichen Hintergrundwissen. So wird deutlich, welche Erfahrungen und Glaubensüberzeugungen den Menschen geprägt haben und sein Verhalten und Denken als Papst bestimmen (werden). Wie nebenbei erfahren wir auch Details über die aktuellen Probleme in der katholischen Kirche und welche Probleme anstehen. Sechs kurze Stellungnahmen deutscher Kardinäle, die am Konklave teilgenommen haben, unterstützen die Aussagen von Erbacher. Im Anhang: ein tabellarischer Lebenslauf und einige Literaturhinweise.

Ein aktuelles und erhellendes Buch; auch für evangelische Bestände. 

Signatur: Bb|Cd
Schlagworte: Papst|Kirche|Katholizismus
Bewertung: ++
Rez.: Dörte Melzer

Tworuschka, Monika u. Udo: Die Weltreligionen - Kindern erklärt. Ill. von Guido Wandrey. Gütersloh: Gütersloher Verl. - Haus 2013. 239 S. : Ill. ; 23 cm. ISBN 978-3-579-06604-2, geb.: 19,99 €

Judentum, Christentum, Islam, Hinduismus und Buddhismus für Kinder erklärt.

Bei dem vorliegenden Band handelt es sich um eine aktualisierte, neu gestaltete Ausgabe, die noch kindgerechter und anschaulicher die fünf großen Weltreligionen erklärt. Jedes der Kapitel beginnt mit Zahlen und Fakten zur Verbreitung der Religionen weltweit und zeigt ihre vielfältigen Erscheinungsformen auf, die je nach Herkunftsland, Richtung und Auslegung divergieren. Neu sind die detailreichen Wimmelbilder, die die Protagonisten des jeweiligen Kapitels vorstellen und erste typische religiöse Gegenstände und Handlungen erkennen lassen. Glaubensinhalte, Religionsstifter, heilige Bücher und Stätten sowie Feste und Bräuche werden dann in überschaubaren Kapiteln mittels kurzer, gut verständlicher Sätze erläutert; unterstützt von einer Vielzahl von Zeichnungen und Fotografien. Dialoge der Religionen untereinander, in denen Kinder und Erwachsene ihre Ansichten zum Thema Umwelt/Frieden/Tierschutz/Behinderung etc. diskutieren, runden die jeweiligen Kapitel und den Band selbst ab.

Ein äußerst informatives, sehr empfehlenswertes Buch für Kinder und Erwachsene, das in keiner Schul- oder Gemeindebücherei fehlen sollte.

Signatur: Jc
Schlagworte: Weltreligionen|Toleranz
Bewertung: +++
Rez.: Petra Schulte

Staguhn, Gerhard: An einem Tisch. Religiöse Rezepte von Juden, Christen und Muslimen. Neustadt a. d. Weinstraße: Umschau Buchverl. 2013. 208 S. : Ill. ; 28 cm. ISBN 978-3-86528-737-3, geb.: 29,90 €

Ein tolles, interkonfessionelles Buch für alle, die sich der Liebe, die durch den Magen geht, nicht verschließen.

Wie schön, dass wir kochen, backen und brutzeln können. Wie schön, dass wir über unsere Geschmacksnerven Liebe zu anderen Ländern und Leuten und auch zu anderen Religionen entwickeln können. Dieses Buch will und kann dazu verführen, die drei großen Religionen, die einer Wurzel sind (auch kulinarisch, wie hiermit bewiesen wäre!), am Tisch zu vereinen, Grenzen und Vorurteile zu überwinden und miteinander und ineinander zu schwelgen! Höchste Zeit, dass in den Kirchgemeinden mehr miteinander und füreinander gekocht wird. Die Frauen der Weltgebetstagsbewegung beweisen es schon viele Jahre, dass das Essen der landestypischen Speisen ganz wesentlich zum Reiz des Tages gehört.
Mit diesem Buch liegt ein wunderschönes Prachtstück auf dem Tisch und macht mit einfachen Rezepten, die nach den Festen geordnet sind, Mut zum Genießen und zum Hineinschmecken in die geschwisterlichen Religionen. Die gründlichen Einführungen sind gut zu lesen und öffnen lustvoll Augen und Sinne für alles Verbindende.

Ein Gewinn für alle EÖBs. Finanzkräftigen Büchereien sehr gern empfohlen zum Selbstlesen und für die  Veranstaltungsarbeit (WGT, Gemeindefeste, Pessachfeiern, Gründonnerstag usw.)

Signatur: Ra 2|Cl
Schlagworte: Kochen|Backen|Weltreligionen
Bewertung: +++
Rez.: Christiane Thiel

Drobinski, Matthias u. Keller, Claudia: Glaubensrepublik Deutschland. Reisen durch ein religiöses Land. Freiburg: Herder 2011. 200 S.; 21 cm. ISBN 978-3-451-30340-1, geb.: 16,95 €

Ein eindrucksvolles Panorama der vielfältigen religiösen Landschaften in der Bundesrepublik Deutschland. 

Deutschlands Frömmigkeit ist bunt geworden, vielfältig wie seine Landschaften. Die Autoren, beide renommierte Journalisten, sind durch die Republik gereist und haben Menschen nach ihren inneren Einstellungen und Erfahrungen mit Religion gefragt. Einfühlsam haben sie mit Gesprächspartnern aus verschiedenen Frömmigkeitsrichtungen der christlichen Kirchen, des Judentums und des Islams versucht, die jeweilige religiöse Entwicklung nachzuvollziehen. Sie haben Gläubige, Halbgläubige und Zweifler besucht und gefragt, woran sie glauben und wer sie dazu gebracht hat. So entstanden eindrucksvolle Personenportraits von hoher literarischer Qualität, die mit profunder Sachkenntnis allgemeinen Strömungen zugeordnet und mit statistischem Material unterfüttert wurden. Die Autoren zeichnen ein realistisches Bild der schwieriger gewordenen religiösen Situationen. Ihr Fazit: Es würde der Gesellschaft etwas Wesentliches fehlen, wenn es weniger glaubende Menschen im Land gäbe.

Ein gut lesbares, eindrucksvolles Buch, das für Gemeindebüchereien sehr zu empfehlen ist.

Signatur: Co|Cl
Schlagworte: Frömmigkeit|Religionen|Glauben|Entwicklung
Bewertung: +++
Rez.: Karl Foitzik

Lieber Mischa. ... der Du fast Schlomo Adolf Grinblum geheißen hättest, es tut mir so leid, dass ich dir das nicht . Lena Gorelik. München: Graf 2011. 184 S. ; 21 cm. ISBN 9783862200122 geb.: 18.00€

Mit Humor und Selbstironie reflektiert die Autorin die jüdisch-sowjetisch-deutsche Identität ihrer Familie.

Die Autorin ist als Jugendliche mit der Familie aus der Sowjetunion, wo es keinen Gott und keine jüdische Religion gab, nach Deutschland eingewandert. In einem langen Monolog erzählt sie ihrem kleinen Sohn Mischa das ABC der jüdischen Identität. Humorvoll ironisch beschreibt sie die skurrilen Versuche ihrer Familie, die jüdischen Feste angemessen zu feiern. In ihrer humorvollen Weisheit sinnt sie über die „Wahrheit" der 10 wichtigsten antisemitischen Vorurteile, belegt zudem, dass alle Verallgemeinerungen über die „jüdische Mamme" und ihre schwierige Beziehungen zu ihren Kindern wahr sind. Manchem Leser hält sie einen Spiegel vor, indem sie heitere Begebenheiten über Antisemiten, Philosemiten und Konvertiten zum Besten gibt. Dabei wird ihr Herzensanliegen deutlich: Den Juden ihr Judesein zu lassen - mit all seinen Verrücktheiten - und nicht zu meinen, man könne mal eben ein Jude werden. Ein urkomischer Bericht über das Leben in „Falafel-Land" (Israel), rundet die Betrachtungen ab.

Mit gewisser Achtung vor der ironischen Selbstkritik liest man dieses Buch mit großer Freude. Eine schöne Ergänzung der früheren Romane der Autorin.

Signatur: SL
Schlagworte: Judentum|Deutschland
Bewertung: +++
Rez.: Bettina Rehbein

Die Pfeiler des Glaubens. Ildefonso Falcones. Dt. von Stefanie Karg. 1. Aufl. München: C. Bertelsmann 2010. 926 S. ; 24 cm. Aus d. Span. ISBN 9783570100455 geb.: 24.99€

Andalusien, Mitte des 16. Jahrhunderts: Der erbitterte Glaubenskrieg zwischen Christen und Mauren nimmt kein Ende. Dazwischen steht der junge Hernando alias Ibn Hamid. Er sieht das Ziel seines Lebens darin, die Aussöhnung der verschiedenen Religion herbeizuführen.

Der Start ins Leben hätte schlechter nicht sein können. Ein katholischer Priester vergewaltigt eine spanische Muslimin. Die Frucht der Schandtat ist Hernando, alias Ibn Hamid, mit blauen Augen und olivfarbenem Teint. Sein Stiefvater hasst „den Christenbastard“, seine Landsleute lassen ihn die sündige Abstammung stets spüren. 1568 haben die Mauren in Spanien die Unterdrückung durch die Katholiken satt. Sie wagen einen blutigen Aufstand in Andalusien. Unvorstellbare Gräuel geschehen auf beiden Seiten. Hernando, der im Katholizismus wie im muslimischen Glauben beheimatet ist, versucht unermüdlich, das Blutvergießen zu stoppen und eine Aussöhnung herbei zu führen. Das wird zur schwierigsten Aufgabe seines Daseins. Bestsellerautor Ildefonso Falcones beschreibt mit Hilfe von Hernandos Lebens- und Leidensgeschichte den Konflikt zwischen dem muslimischen Glauben und dem Christentum im Spanien des 16. Jahrhunderts. Seine Hauptfigur ist Beweis dafür, wie wichtig und hilfreich der Beitrag jedes Einzelnen zur Aussöhnung zwischen den unterschiedlichen Religionen ist.

Die detailliert beschriebenen Grausamkeiten sollten niemand davon abhalten, das dramatische Werk zu lesen, welches schonungslos zeigt, wie weit die Probleme zwischen Islam und Christentum in Europa zurückreichen. Ohne Einschränkung empfohlen!

Signatur: SL
Schlagworte: Spanien|16. Jh.|Glaubenskrieg|Religionen
Bewertung: +++
Rez.: Martina Mattes

Mohammad, der Prophet. Roman. Kader Abdolah. Dt. von Christiane Kuby. Berlin: Claassen 2009. 281 S. : Ill. ; 21 cm. Aus d. Niederländ. ISBN 9783546004510 geb.: 19.90€

Ein Bildungsroman über Mohammad, in dem der Autor dessen Entwicklungsgeschichte erzählt.

Der in Holland lebende Exiliraner Kader Abdolah stellt in dem Roman seine Überzeugung dar, dass der Koran nicht ohne Mohammad und umgekehrt Mohammad nicht ohne Koran zu verstehen ist. Dazu erfindet er Zayd, einen Adoptivsohn Mohammads. Dieser Adoptivsohn sammelt die Offenbarungen Allahs und strukturiert sie im Koran. Doch der wird von starken Gegnern unter den Muslimen abgelehnt. Nun macht sich Zayd auf die Spurensuche, er redet mit denjenigen, die Mohammad kannten: seiner Familie, seinen Dienern, den Wissenschaftlern und den Dichtern, seinen Freunden und Feinden. Ein Reigen aus Geschichten entsteht, in farbenfrohen Szenen schildert Zayd das Leben des Propheten von der Geburt bis zum Tod. Und dieses Leben erweist sich als der Schlüssel zum Koran: als Zayd im Licht seiner neuen Erfahrungen den Koran neu ordnet, wird das Buch als die wahre Lehre angenommen. - Die Idee ist schlüssig und überzeugt. Für das Leben Jesu ist sie oft angewendet worden. Die Ausführung ist sachlich und sprachlich einfach gehalten. (Erstaunlich ist die Offenheit, mit der die Sexualität Mohammeds geschildert wird.)

Gemeinde- und Schulbüchereien, Literaturkreise und muslimisch-christliche Gesprächsforen haben in dem Roman ein Buch, mit dem sie sich auseinandersetzen können.

Signatur: SL
Schlagworte: Mohammed|Islam|Koran|Religionen
Bewertung: +++
Rez.: Martin Schulz

Heilige Symbole. Der Schlüssel zu den großen Mysterien der Welt. München: Knesebeck 2009. 792 S. : Ill. ; 19 cm. ISBN 9783868730364 geb.: 19.95€

Heilige Symbole der Menschheit in Wort und Bild - ein Kompendium.

Heilige Symbole sind Zeichen und Sinnbilder und stellen dar, wie Menschen zu verschiedenen Zeiten die Zusammenhänge des Universums und des Lebens verstehen - früher und heute. Robert Adkinsons Buch gibt einen Überblick über die bedeutsamsten heiligen Zeichen und Bilder der Menschheit, beginnend bei den Völkern - Ägypter, Kelten, Indianer und Mayas - über die Religionen - Buddhismus, Taoismus und Christentum - bis zu den Mysterien - Mandala, Heilige Sexualität und Tarot. Der Band versteht sich als Kompendium und Nachschlagewerk und möchte auf die vielfältigen eindrücklichen und faszinierenden Traditionen hinweisen und gleichzeitig den Blick für zahlreiche Parallelen und Gemeinsamkeiten menschlicher Erfahrungen öffnen. - Das Buch ist aufwendig und kunstvoll gestaltet; die Symbole werden in kurzen Texten und ausdrucksstarken Bildern und gut gewählten Detailabbildungen vorgestellt.

Ein Buch, das zum Entdecken und Weiterblättern einlädt - empfehlenswert für Gemeinde- und Schulbüchereien.

Signatur: Ca 2|Gb 2
Schlagworte: Religionen|Spiritualität|Mythen
Bewertung: +++
Rez.: Anne Rank

Die großen Fragen des Lebens. Für kleine Philosophen. Julia Knop. Ill. von Katharina Lange. Freiburg: Herder 2009. 93 S. : Ill. ; 24 cm.  ISBN 9783451709074 geb.: 14.95€

Mit Hilfe dieses Buches kann leicht gelernt werden, wie man durch gute Fragen zu klugen Antworten kommen kann.

Schon der konsequent angelegte Aufbau verrät ein didaktisch wohlüberlegtes Konzept: 20 tiefgreifende Fragen als Inhaltsverzeichnis, ein Vorwort an Kinder und alternative Antwortversuche u.a. aus den Bereichen Literatur, Weltreligionen und Philosophie, die dazu anleiten, selbst mäeutisch aktiv zu werden, also in Eigenregie Fragen zu hinterfragen. Mit Hilfe des Gelesenen und des differenzierten Stichwortregisters kann man nun selbst zum kleinen Philosophen werden, der zunächst staunt, dann fragt und nachdenkt, schließlich Antworten sucht, die neue Fragen aufwerfen können. Pfiffige, farbige Illustrationen regen dazu an, nochmals kreativ zu überdenken, ob nicht auch die karikaturhaften, futuristisch wirkenden und phantasieanregenden Bildelemente zu neuen Antworten führen können. Es gelingt der Verfasserin überzeugend, schwierige Zusammenhänge verstehbar zu formulieren, ohne zu vereinfachen.

Trotz der scheinbar "schweren Kost" werden Kinder am Ende des Grundschulalters bis hin zu Jugendlichen im Konfirmandenalter das Buch mit Gewinn "verschlingen".

Signatur: Jp
Schlagworte: Philosophie|Religionen|Interkulturalität
Bewertung: +++
Rez.: Margot Rickers

Gott hat viele Namen. Kinder aus aller Welt erzählen von ihrem Glauben. Georg Schwikart. Ill. von Kristin Labuch. Düsseldorf: Patmos 2008. 94 S.: Ill. ; 21 cm. ISBN 9783491797772 geb.: 14.90€

Vom Bericht eines nordamerikanischen Indianerjungen bis zur afrikanischen Religion spannt sich der Bogen der beschriebenen Religionen.

Vier Jungs und drei Mädchen porträtieren ihren Lebenskontext und ihre Religion. Dabei gelingt eine kindgemäße Einführung in Leben und Glauben, ohne zu belehrend zu wirken. Im Gegenteil scheinen echte Kinder aus ihrem Leben zu berichten. Das macht den Reiz des Buches aus. Alltagsreligion, Essen, Trinken, Tanzen, die Bedeutung der Eltern oder Vorfahren - alles kommt zu Wort. Eine Landkarte neben dem Bild des Kinders veranschaulicht die Verbreitung der jeweiligen Religion. Fotos von Land und Leuten - manchmal wie Schnappschüsse wirkend - lockern das Buch auf und machen es überzeugend. Die Texte sind angenehm knapp, gut vorlesbar, gut lesbar. Die Informationen zu den Religionen fallen sachgemäß kurz aus.

Als kindgerechte Einführung in die Weltreligionen sehr empfohlen.

Signatur: Jc
Schlagworte: Weltreligionen|Kindheit|Toleranz
Bewertung: +++
Rez.: Christiane Thiel

Der Koran für Kinder und Erwachsene. Übers. und erl. von Lamya Kaddor und Rabeya Müller. Ill. von Karl Schlamminger. 2. Aufl. München: Beck 2008. 234 S. : Ill. ; 25 cm. Aus d. Arab. ISBN 9783406572227 geb.: 19.90€

Eine Auswahl von Korantexten in deutscher Übersetzung mit Miniaturen aus islamischer Tradition.

Ein einzigartiges Buch: eine Auswahl von ins Deutsche übersetzten Korantexten, denen jeweils der Originaltext in arabischer Schrift gegenübersteht. Sie sind optisch aufgelockert durch die Miniaturen und bieten thematisch geordnet Erzählungen über die Propheten (darunter natürlich Isa /Jesus), aber auch Texte zu den Themen Gott, Schöpfung, u.a. Auffallend ein Kapitel über „Vorbildliche Frauen“ wie Maryam – ein Kapitel, das tendenziell in der Nähe feministischer Theologie liegt. Die Themen sind mit ausführlichen Erklärungen eingeleitet, die die Texte für den Leser leichter verständlich machen und bei den entsprechenden Abschnitten die koranische Lehre und die andersartigen Auffassungen in Judentum und Christentum sachlich ohne Polemik nebeneinander stellen. Es bleibt eine für den europäischen Leser (namentlich für Kinder!) schwere Lektüre, die professioneller Anleitung bedarf.

Geeignet für Religionsunterricht und Gemeindeseminare zu Bibel und Islam

Signatur: Pc 4
Schlagworte: Koran|Islam|Religiöse Erziehung|Religionen
Bewertung: +++
Rez.: Reinmar Tschirch

Die zehn Gebote. Matthias Köckert. München: Beck 2007. 127 S. ; 18 cm. ISBN 9783406536304 kt.: 8.95€

Entstehung und Wirkungsgeschichte der zehn Gebote, ihre Bedeutung für Judentum, Christentum und Islam bis zur Gegenwart

In zehn Kapiteln entfaltet der Autor, Professor für Altes Testament an der Humboldt-Universität in Berlin, die zehn Gebote als Erbe eines universalen Sittengesetzes, gültig zu allen Zeiten, an jedem Ort. Thomas Mann z. B. erkennt in ihnen die „Quintessenz des Menschenanstands“ (S. 8 ). Nach einer Einführung zur Entstehung der zwei Fassungen des Dekalogs, den auf zwei steinernen Tafeln von Gott an Moses gegebenen Geboten, folgen die jeweiligen Interpretationen im ursprünglichen (jüdischen) Sinn und ihrer Bedeutung. Danach wird eingegangen auf die zehn Gebote im Neuen Testament, d.h. auf die Entwicklung vom Sabbat bis zum Sonntag, von der „Pflicht“ zum „Gesetz der Gnade“. Sodann werden die Spuren der zehn Gebote im Koran untersucht. Dabei werden nicht nur die unterschiedliche Bedeutung von Mose, entsprechend dem AT, und Mohammed im Koran sehr deutlich, sondern auch die z. T. grundsätzlich unterschiedlichen Interpretationen. Ihre Popularität verdanken die zehn Gebote dem „Grossen Katechismus“ von Martin Luther 1544, in dem er auf Gottes Barmherzigkeit verweist, auf die die Menschen angewiesen bleiben, die die Menschen jedoch in der Nächstenliebe eine ethische Grundregel erkennen lassen. - Die 10 Gebote stehen für das „natürliche Recht“, das allen Menschen ins Herz geschrieben ist, und mahnen sie an ihre Verpflichtung im Gewissen. - Diese zusammenfassende, fundierte Information füllt eine Lücke in der gegenwärtigen Auseinandersetzung mit anderen Religionen und Geisteshaltungen und dient der Vertiefung des eigenen christlichen Wissensstandes.

Geistig aufgeschlossenen LeserInnen, die mit theologischen Gedanken vertraut sind, zu empfehlen. Bei allem wissenschaftlichen Gehalt eingängig und verständlich zu lesen.

Signatur: Cb 2|Cl
Schlagworte: Bibel|Gebote|Ethik|Religionen
Bewertung: +++
Rez.: Gabriele von Altrock