Rezension des Monats

Erdoğan, Aslı: Nicht einmal das Schweigen gehört uns noch. Essays. Mit einer Einführung von Cem Özdemir. Dt. von Sabine Adatepe, Gerhard Meier u.a. München: Knaus 2017. 191 S. ; 21 cm. Aus d. Türk. ISBN 978-3-8135-0780-5, geb.: 17,99 €

Politische Essays, in denen sich die konfliktreiche Gegenwart mit Gewalt, Willkür und Diskriminierung in der Türkei spiegeln.

Aslı Erdoğan, studierte Physikerin, türkische Journalistin und preisgekrönte Romanautorin, spiegelt in ihren politischen Essays, die hier erstmals auf Deutsch erscheinen, Gewalt, Massaker, Willkür, Niederschlagung von Demonstrationen, Haft und Folter, Entsetzen, Schuld, Angst, Schmerz und Hoffnungslosigkeit, die Leben und Politik in der Türkei prägen. - Wegen ihrer Kolumnen in der kurdisch-türkischen Zeitung Özgür Gündem wurde Aslı Erdoğan im August 2016 nach dem gescheiterten Militärputsch zusammen mit 22 weiteren Journalisten inhaftiert und im Dezember vorerst unter Auflagen für die Prozessdauer entlassen. „Aslı Erdoğans mutige und sprachlich beeindruckende Texte sind Aufschrei und Widerstand gegen die Diskriminierungen in der Türkei“, schreibt Cem Özdemir in seiner historisch-politisch informativen Einführung zum Buch. Abgrundtief und erschütternd sind diese Texte (mit erklärenden Fußnoten), fassen Sprachlosigkeit und Schrecken in Worte, flammen wie Blitzlichter auf, lassen den Leser nicht los!

„Aslı Erdoğans Waffe sind ihre Worte“ – Keine leichte Kost! Sie fordert LeserInnen, die Mut haben, sich fremder Not zu öffnen.

Signatur: Gh 4
Schlagworte: Türkei | Willkür | Gewalt
Bewertung: +++
Rez.: Heide Germann