Sterben - Tod - Trauer

Pásztor, Susann: Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster. Roman. Köln: Kiepenheuer & Witsch 2017. 285 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-462-04870-4, geb.: 20,00 €

Ist das wahr oder ist das Kitsch? Ist das möglich? Eine Sterbebegleitung auf Umwegen zwischen Witz und Schock.

Fred ist Mitte 40 und übergewichtig, zieht nach einer Scheidung seinen Sohn Philipp allein groß, der gerade in die Pubertät kommt und ein Lyrik liebender liebenswerter Sonderling ist. Das Liebenswerte hat er mit seinem einsamen, spießigen aber offenherzig ratlosen Vater gemeinsam. Fred ist irgendein Beamter, ohne Hobbys, ohne Ausschläge, aber mit viel Aufmerksamkeit für Phil. So weit so gewöhnlich. (Ist das vielleicht schon ein bisschen zu stereotyp?) Fred entscheidet sich, eine Ausbildung zum ehrenamtlichen Sterbebegleiter zu machen und zu Beginn des Romans tritt er seinen ersten Dienst an: bei Karla. Sie ist Fotografin, Hippiegirl und Immobilienhändlerin gewesen. Mit Anfang 60 stirbt sie zügig an einem Schilddrüsenkrebs. Die Chemotherapie hat sie abgebrochen. Sie leidet und schwankt zwischen witzig zynischer Giftigkeit und kluger Ehrlichkeit. Sie findet Fred doof. Er versteht sie nicht. Aber alles kommt anders. Und wie es anders kommt, ist wunderbar. Phil spielt auch eine Rolle.

Empfohlen für Literaturgottesdienste, Jugendarbeit, Hospizarbeit, Krankenhausbibliothek

Signatur: SL
Schlagworte: Tod | Kampf | Wut | Witz
Bewertung: +++
Rez.: Christiane Thiel

Taylor, Cory: Sterben. Eine Erfahrung. Dt. von Ulrike Kretschmer. Berlin: Allegria 2017. 171 S. ; 20 cm. Aus d. Amerikan. ISBN 978-3-7934-2318-8, geb.: 18,00 €

Eine gelungene Auseinandersetzung mit dem bevorstehenden Sterben.

Schon zehn Jahre lebte die Schriftstellerin Cory Taylor mit der Diagnose Krebs. Als sie spürt, dass ihre Lebenszeit zu Ende geht, beginnt sie über das Sterben zu schreiben. Es ist ein Anliegen ihres Buches, Sterbende aus der Einsamkeit zu befreien. Aufrichtig spricht Cory Taylor über die Angst vor dem Tod und darüber, was ihr geholfen hat, zur Ruhe zu kommen. Bei einer Fernsehsendung zu Tabuthemen – hier dem Tod – erhielt die Autorin zum Einstieg zehn von Zuschauern gestellte Fragen. Diese Fragen nutzt sie im ersten Teil des Buches als Ausgangspunkte ihrer Gedankengänge. Im zweiten Teil berichtet sie humorvoll und spannend über ihr Leben. In der Bearbeitung ihrer Familiengeschichte und in den nüchternen Überlegungen zum bevorstehenden Tod gibt sie dem Leser eine Fülle von Anregungen zur eigenen Auseinandersetzung. Dieses Buch kann wie ein Geschenk erlebt werden, weil es Gelegenheit gibt, zunehmend Ruhe und Gelassenheit beim Gedanken an den eigenen Tod zu spüren.

Ein äußerst bemerkenswertes Buch für jeden, der sich mit dem Sterben auseinandersetzt.

Signatur: Fd
Schlagworte: Sterben | Leben | Gelassenheit | Familiengeschichte
Bewertung: +++
Rez.: Barbara Cramer

Knauss, Sibylle: Der Gott der letzten Tage. Roman. Tübingen: Klöpfer & Meyer 2017. 182 S. ; 19 cm. ISBN 978-3-86351-440-2, geb.: 20,00 €

Ein Pfarrer zieht vor dem Tod seine Lebensbilanz in Form eines Gesprächs mit Gott und nimmt Abschied von der Familie.

Ein Mann, Pfarrer von Beruf, liegt im Sterben. Zeitweise wiedererwacht aus dem Koma, medikamentös „lahmgelegt“, denkt er nach, erinnert sich. Er predigte besonders gut an Gräbern. Nun ist er über sein Hauptthema Tod und über sein verflossenes Leben mit Gott im Gespräch. Nach einer Embolie wurden ihm noch zehn Jahre geschenkt – Leben im „Sparflammenmodus“. Vieles kam ihm abhanden, um vieles hat er sich selber gebracht „mit Wut, Gewalt, Zigaretten, Alkohol und manch anderem.“ Religion beschäftigt ihn auf neue Weise: „Sie weckt unsere Sinne und Leidenschaften. Sie lockt uns an unsere Grenzen und darüber hinaus. Nur die erotische Liebe kann es mit ihr aufnehmen.“ Warum nur sind die meisten Menschen „religiös abstinent“? Stilsicher, nicht ohne Ironie und Humor wird dieser Dialog im Innenleben erzählt. In der äußeren Wirklichkeit treten seine Kinder und seine Geliebte an sein Bett. Mit ihnen spricht er über sein Versagen, seine Schuld. Mit Gott über Unverfügbares, über die letzten Dinge.

Das Buch sei Leserinnen und Lesern empfohlen, die raffinierte unkonventionelle Erzählweisen schätzen und an einem freien Umgang mit theologischen Fragen interessiert sind.

Signatur: SL
Schlagworte:
Sterben | Tod | Gott
Bewertung: ++
Rez.:
Christoph Kuhn

Tante Fannys Stern. Wenn Kinder dem Tod begegnen. Brigitte Weninger. Ill. von Feridun Oral. Bargteheide: minedition 2016. O. Pag. : überw. Ill. ; 30 cm. ISBN 978-3-86566-302-3, geb.: 14,95 €

Eine berührende Geschichte über das Zusammenleben mehrerer Generationen, zu dem auch der Tod gehört.

In der vermenschlichten Hasengeschichte erklärt die Mutter ihren drei Kindern, warum die Großtante zukünftig bei ihnen leben wird und spricht über das Altern. Liebevoll unterstützt die Mutter die Familie dabei, durch Veränderungen im Haus die Aufnahme der alten Frau vorzubereiten. Im Zusammenleben mit der alten Häsin haben die Geschwister bald viel Spaß. Manchmal wirkt die Alte merkwürdig, so auch wenn sie abends den Sternen zuwinkt und erzählt,  dass sie irgendwann „dort hinauf“ fliegen wird. Als die Tante schwächer wird, umsorgen die Kinder sie zärtlich. Nach tröstlichen Hinweisen auf ihren Tod stirbt die alte Häsin. Als hilfreich für die Kinder erweisen sich nach dem Tod die vorbereitenden Gespräche der alten Häsin und auch, dass die Kinder bei den Trauerritualen mitwirken dürfen. Der Text ist gut verständlich und stimmig zu den großformatigen Bildern. Viele liebevoll gemalte Details laden zum längeren Betrachten ein. Die Tierfiguren erleichtern es Kindern ab 3 Jahren, sich mit den Protagonisten zu identifizieren und über eigene Gefühle und Vorstellungen zu reden.

Eine Hommage an das Zusammenleben von Jung und Alt mit empfehlenswerten Hinweisen für eine gelungene Trauerverarbeitung.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Sterben | Trost | Trauer | Generationen
Bewertung: +++
Rez.: Barbara Cramer

Raschke, Jens: Schlafen Fische? Ill.von Jens Rassmus. München: Mixtvision 2017. 57 S. : Ill. ; 22 cm. (Dramatiker erzählen für Kinder). ISBN 978-3-95854-070-5, geb.: 17,90 €

Bebildertes Kinderbuch zur Trauerbewältigung eines 10-jährigen Mädchens nach dem Tod des kleinen Bruders.

Der 10-jährigen Jette gehen viele Gedanken über das Leben und das Sterben durch den Kopf. Vor einem Jahr ist ihr 6-jähriger Bruder Emil gestorben. Rückblickend erzählt die Protagonistin vom früheren Leben mit Emil, von einem Urlaub in Dänemark oder von einem Rollenspiel, bei dem die Geschwister so taten, als wäre Emil schon gestorben. Sie erzählt auch von Emils Beerdigung und von der Zeit nach seinem Tod, als die Mutter so viel weinte und Jette wütend war, weil der Bruder nicht mehr da war. Jette stellt dem Vater viele Fragen über das Wie und Warum des Sterbens, die der Vater ruhig beantwortet. Von der Mutter fühlt sich Jette jedoch vernachlässigt und es hilft ihr, darüber zu sprechen. Die kleinen, comicartig gemalten Bilder laden zum Betrachten ein. Die Sprache der Texte ist kindgemäß. Die Protagonistin erzählt von Empfindungen, die nach jedem Todeserleben auftreten. So ergeben sich beim gemeinsamen Lesen mit Kindern an vielen Stellen Einstiegsmöglichkeiten zu weiteren Gesprächen.

Ein unterstützendes Buch für die Trauerarbeit von Geschwisterkindern ab 8 Jahren. 

Signatur: Ju 2
Schlagworte: Sterben | Tod | Trauer | Geschwister
Bewertung: +++
Rez.: Barbara Cramer

Opa, welche Farbe hat der Tod? Annett Stütze u. Britta Vorbach. Ill. von Mascha Greune. Ostfildern: Patmos 2017. O. Pag. : überw. Ill. ; 25 cm. ISBN 978-3-8436-0953-1, geb.: 13,00 €

Opa Hase bereitet seinen Enkel auf sein baldiges Sterben vor.

Opa Hase spürt, dass dies sein letzter Frühling ist. Ihm ist wichtig den kleinen Hasen auf den Tod vorzubereiten. Obwohl auch er Angst hat über den Tod zu sprechen, ermutigt er den kleinen Hasen zu fragen: Warum stirbst du?  Welche Farbe hat der Tod? Kann man den Tod hören? Tut sterben weh? Wohin gehst du, wenn du stirbst? Opa Hase versucht zu antworten und gibt dem kleinen Hasen mit: „Wenn du an mich denkst, werde ich immer bei dir sein.“ und erklärt: „Weine so lange und so viel du willst. Dann wird es etwas leichter werden.“. Sie genießen die ihnen noch gemeinsame Zeit bis Opa Hase stirbt. Wunderbar einsetzbar, um Kinder auf das Sterben eines Familienangehörigen vorzubereiten.                            

Auch als Einstieg in das Thema „Tod und Sterben" in der Kita,  Grundschule oder Gemeinde geeignet, um Kinder zum Fragen und Aussprechen ihrer Ängste zu ermutigen. 

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Tod | Sterben
Bewertung: +++
Rez.: Christine Stockstrom

Mikas Himmel. Bibi Dumon Tak. Ill. von Annemarie van Haeringen. Dt. von Meike Blatnik. Hildesheim: Gerstenberg 2017. O. Pag. : überw. Ill. ; 27 cm. Aus d. Niederländ. ISBN 978-3-8369-5939-1, geb.: 12,95 €

Behutsame Begleitung eines kleinen Jungen nach dem Tod seines geliebten Hundes.

Die Bilderbuchgeschichte erzählt von den Empfindungen eines Jungen, der hier Kleiner Bruder genannt wird, nach dem Tod seines geliebten Hundes. In dem Moment, als der Hund stirbt, ist die Familie beisammen. Obwohl es stark regnet und gewittert, öffnen sie das Fenster. Wortlos verdeutlicht der Junge seinen Gedanken, dass Mika nun wohl im Himmel und zugleich auch bei ihnen ist. Liebevoll wird die Anregung des kleinen Bruders von seiner Familie aufgenommen: Sie graben ein Loch als Grab, streuen Blätter und Gras hinein und legen einen Ball zum Spielen hinzu. Der kleine Bruder stellt viele Fragen und die Älteren verstehen es, beruhigende und aufrichtige Antworten zu geben. Die Sprache ist kindgemäß und poetisch. Auf den großformatigen Doppelseiten überwiegt die Farbe Schwarz. Mehrfach sind die Konturen eines großen, schwarzen Hundes zu sehen und um ihn herum mit wenigen Strichen gezeichnete Motive, die zum Erzählen einladen. Die Geschichte endet tröstlich.

Empfehlenswert zum Verständnis der kindlichen Todesvorstellung und als Gesprächseinstieg für Kinder von 4-8 Jahren.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Tod | Sterben | Haustier
Bewertung: +++
Rez.: Barbara Cramer

Avery, Tom: Der Schatten meines Bruders. Roman. Dt. von Wieland Freund u. Andrea Wandel. Weinheim: Beltz & Gelberg 2014. 145 S. ; 21 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-407-82049-5, geb.: 12,95 €

Ein vom Tod des Bruders traumatisiertes Mädchen erzählt von ihrer Trauer und vom hohen Wert von Freundschaften.

Avery arbeitet als Lehrer in einem sozialen Brennpunkt Londons. Auf die Idee, das Buch zu schreiben, kam er, als das Geschwisterkind eines Kindes seiner Klasse starb. Er nennt das Mädchen Kaia, macht es zur Protagonistin, die nachvollziehbar von ihrer Trauer erzählt, bedrückend und berührend zugleich: die Erstarrung, das Chaos der Gefühle, die Mutter, die ihren Schmerz im Alkohol ertränkt, die Freundinnen, die Kaia zunächst nicht erreichen. Ein Junge in zerlumpten Kleidern, der in die Klasse kommt, kein Wort spricht, aber zu Kaias nahen Begleiter wird. Gibt es ihn wirklich? Ist er ein Double des toten Bruders, der ihr gelegentlich als Engel erscheint? Er hilft ihr in einem berührenden Prozess, Schockstarre und Chaos zu überwinden und sich langsam wieder dem Leben zuzuwenden. Einfühlsam nimmt der Autor jugendliche und erwachsene Leserinnen und Leser in den Trauerprozess mit hinein und hilft, das oft wirre Verhalten Trauernder wahrzunehmen und nachzuempfinden.

Eine nicht nur Jugendliche sehr ansprechende und anregende Lektüre. Sehr empfehlenswert.

Signatur: Ju 3
Schlagworte: Trauer|Trauma|Freundschaft|Trost
Bewertung: +++
Rez.: Karl Foitzik

Ganz die Mutter. Roddy Doyle. Ill. von Freya Blackwood. Dt. von Christel Rech-Simon. Heidelberg: Carl Auer 2014. O. Pag. : überw. Ill. ; 29 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-8497-0029-4, geb.: 19,95 €

Gelungene Trauerbewältigung nach dem Tod der Mutter.

In dem bebilderten Kinderbuch geht es um den lang andauernden Prozess der Trauer eines Mädchens und seines Vaters nach dem Tod der Mutter. Zu Beginn der märchenhaften Erzählung ist Hanna 10 Jahre alt. Sie lebt alleine mit ihrem Vater, der sich liebevoll um sie kümmert. Der Vater vermeidet jegliches Gespräch über die Mutter und so trauert jeder für sich alleine. Es ist für Hanna ein großer Schmerz, dass sie sich nicht an das Gesicht der Mutter erinnern kann. In einem Tagtraum trifft das Mädchen auf eine Frau, der sie von ihrer tiefen Traurigkeit erzählt. Die unbekannte Frau weiß von Hannas Schmerz und gibt dem Mädchen Hinweise, die ihr im Trauerprozess helfen. Noch Jahre später, als erwachsene Frau, erinnert sich Hanna an diese heilende Begegnung und nun kann sie auch dem Vater in seiner Trauer helfen. Die zart gemalten Bilder dieser zutiefst berührenden Geschichte laden zum Betrachten, Nachdenken und Erzählen ein. Die Sprache der Texte ist verständlich.

Das Buch empfiehlt sich für Kinder ab 10 J. wie auch für Erw. zum besseren Verständnis von schmerzhaften Trauerprozessen. Ein meisterhaft bebildertes Kinderbuch zum Thema Trauerbewältigung.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Trauer|Trauerbewältigung|Tod
Bewertung: +++
Rez.: Barbara Cramer

Jianghong, Chen: Der kleine Fischer Tong. Dt. von Tobias Scheffel. Frankfurt: Moritz 2014. 45 S. : überw. Ill. ; 29 cm. Aus d. Franz. ISBN 978-3-89565-284-4, geb.: 18,00 €

Tong hat eine Furcht einflößende Begegnung auf dem Meer, die sein  Leben verändert.

Tong kämpft in seinem kleinen Boot gegen die sich überschlagenden Riesenwellen, hält aber mit aller Kraft die Angelleine fest. In großzügigen Pinselstrichen wird die Gewalt des Meeres dargestellt. Dann die Nahaufnahme des Jungen mit weit aufgerissenen Augen, auf der nächsten Seite der Grund für das Entsetzen: Mit der Leine hat er ein menschliches Skelett an Bord gezogen hat. Es sind realistische, unheimliche Bilder, die Angst des Jungen teilt sich dem Betrachter mit. Er flieht, das Skelett folgt ihm und wird zu seinem Retter, als er erschöpft zusammenbricht. Nun wird die große Traurigkeit des Skeletts offenbar. Die Angst des Jungen verschwindet mit dem wachsenden Mitgefühl und das Skelett verwandelt sich in ein menschliches Wesen. Tong hat einen väterlichen Freund gefunden, mit dem er auf Fischfang geht. Der Text wird sparsam eingesetzt, es sind die Bilder, die die Geschichte aus wechselnden Perspektiven erzählen.

Ein herausragendes, herausforderndes Bilderbuch. Es lässt sich lesen als Geschichte mit einem wundersamen Ausgang, auf einer tieferen Ebene ist es die Auseinandersetzung mit der Sterblichkeit und dem Tod als Übergang in ein anderes Sein.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Tod|Tod|Meer|Gefahr|Mitgefühl
Bewertung: +++
Rez.: Ursula Führer

Grill, Batholomäus: Um uns die Toten. Meine Begegnung mit dem Sterben. München: Siedler 2014. 222 S. : Ill. ; 22 cm. ISBN 978-3-8275-0029-8, geb.: 19,99 €

Begegnungen mit dem Tod in vielerlei Gestalt.

Bartholomäus Grill, geb.1954, wuchs in strenggläubig katholischem Milieu auf einem bayerischen Bauernhof auf. Die festgefügten Sitten und Gebräuche regelten den Umgang mit Leben und Sterben, wenn auch Geburt und Tod eines behinderten Schwesterchens die selbstverständliche Ordnung störten. Als langjähriger Auslandskorrespondent der "Zeit" wurde Grill mit allen nur denkbaren Katastrophen konfrontiert wie dem Völkermord in Ruanda oder der Ausbreitung von Aids  in vielen Staaten Afrikas. Nachzulesen ist in diesem Band der im Dezember 2005 in der "Zeit" veröffentlichte Bericht Grills (ausgezeichnet 2006 mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis) über den von "Dignitas" in der Schweiz assistierten Freitod seines krebskranken Bruders. Es folgt ein Interview zum Thema mit dem kath. Moraltheologen Robert Spaemann, das nicht vereinbare Positionen aufzeigt. Den Schluss bildet ein Essay über den Umgang mit dem Tod in unserer Gesellschaft vor dem Hintergrund unserer Kultur- und Geistesgeschichte. Beeindruckend ist die klare, beherrschte Sprache, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt, aber immer Abstand wahrt, ohne jemals kalt zu erscheinen.     
  
Ein vielschichtiges, tiefsinniges Buch, dem viele LeserInnen zu wünschen sind.

Signatur: Fd
Schlagworte: Tod|Sterbehilfe|Völkermord|Kultur
Bewertung: +++
Rez.: Lieselotte Diepholz

Damm, Antje: Clara und Bruno. Berlin: Annette Betz Verl. 2013. O. Pag. : überw. Ill. ; 30 cm. ISBN 978-3-7641-3000-8, geb.: 14,95 €

Trost in der Trauerbewältigung.

Clara, ein heranwachsendes Mädchen und ihr Hund Bruno verbringen viele schöne Momente miteinander. Beide beachten, was der andere gerne macht, und sie lieben es, gemeinsam etwas zu unternehmen. Als der Hund älter wird, nicht mehr laufen und essen mag, ahnt Clara, was kommen wird. Bruno stirbt. Clara nimmt Abschied und begräbt ihn. Mit den guten Erinnerungen lebt sie weiter. Der knappe Text besteht aus kurzen Sätzen, wobei jede Textseite bis zu Brunos Begräbnis durch den Satz "Clara liebt Bruno" eingeleitet wird. Die wenigen Worte sind gut verständlich und passen stimmig zu den klar strukturierten Bildern. Viele kleine Details, zum Beispiel die Kriechtiere auf dem Gemüse, die geöffneten Futterdosen oder die Mimik von Clara und Bruno, laden zum Erzählen, zum Weitersuchen und auch zum Lachen ein. 

Dieses Bilderbuch empfiehlt sich für 4-6-Jährige zur Hinführung auf Gespräche zum Thema Tod. 

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Haustier|Altern|Sterben|Trost
Bewertung: +++
Rez.: Barbara Cramer

Salm, Christiane zu: Dieser Mensch war ich. Nachrufe auf das eigene Leben. München: Goldmann 2013. 252 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-442-31350-1, geb.: 17,99 €

Was bleibt am Ende meines Lebens? Mehr als 80 Zeugnisse von Menschen, die im Angesicht ihres Todes zurückblicken.

Zunächst beschreibt die Autorin ihren Weg, sich als erfolgreiche MTV-Geschäftsführerin zur Sterbebegleiterin im Ehrenamt ausbilden zu lassen, auf der Suche nach der „Quintessenz des abgelaufenen Lebens“. Verbunden mit ihren Erinnerungen an schmerzhafte frühe Todeserfahrungen, erzählt sie von ihrem Entschluss, sterbende Menschen in ihrer letzten Lebensphase zu begleiten, bis zum „Schlüsselerlebnis“, das zur Buchidee führte: „Schreibe in 15 Minuten deinen eigenen Nachruf“. So hat sie autorisierte Zeugnisse Sterbender gesammelt. Ungeschminkte Rückblicke in der Bandbreite von Hoffnung und Enttäuschung, Glück und Gelingen, Lebenslügen und verpassten Chancen, und immer wieder vom Bedürfnis nach Verzeihen und Verzeihung Erfahren. Sie beschreiben das Auflehnen gegen den frühen Tod und das Zurücklassen der Kinder ebenso wie das nüchterne Zugehen auf den Tod, ohne Angst und in Dankbarkeit. Vereinzelt nur erzählen sie von der Hoffnung eines Aufgehobenseins über den Tod hinaus.

Zur Einzellektüre in öffentlichen Gemeinde- und Krankenhausbibliotheken, aber auch, und besonders, als Impuls für Gruppen, in denen es um die Auseinandersetzung mit dem Tod geht.

Signatur: Fd|Bb
Schlagworte: Tod|Endlichkeit|Sterben
Bewertung: +++
Rez.: Ulrich Walter

Conrad, Susanne: Sterben für Anfänger. Wie wir den Umgang mit dem Tod neu lernen können. Berlin: Ullstein 2013. 204 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-550-08052-4, geb.: 18,00 €

Wie der Umgang mit dem Tod unser Leben verändern kann.

Das Buch bietet Ansichten und Anmerkungen zum Umgang mit dem Sterben und plädiert für eine mehr individuelle Begegnung mit dem Tod. Der Autorin geht es darum, wie man den Tod in sein eigenes Leben mit aufnimmt, ihn akzeptiert als Unausweichlichkeit und ihn mit Würde behandelt. Aber auch darum, ihn als Lehrmeister für das zu sehen, was wirklich wichtig ist im Leben. Durch eine eigene Brustkrebserkrankung und den Tod ihrer Eltern formiert sich Susanne Conrads Leben neu. Sie beschreibt ihre eigenen Gefühle und Erlebnisse, legt ihre Erkenntnisse offen und zeigt an vielen Beispielen die Chancen auf, die das Alltagserleben mit dem Tod und der eigenen Gestaltungsmöglichkeiten der Zeit zwischen Tod und Bestattung ermöglichen. Ein Plädoyer  gegen das Delegieren von Sterbebegleitung und die Auslagerung in Krankenhäuser, Pflegeheime und Hospize. Susanne Conrad will konstruktive Rituale, Formen und Formeln neu beleben um Tod wieder in den Alltag zu bringen.  
                          
Für alle Büchereien geeignet.

Signatur: Fd
Schlagworte: Tod|Leben|Rituale|Sterben
Bewertung: +++
Rez.: Christine Stockstrom

Der vierte Versuch. Roman. Catherine O’ Flynn. Dt. von Cornelia Holfelder - von der Tann. 1. Aufl.Zürich: Arche 2011. 303 S. ; 21 cm. ISBN 9783716026458 geb.: 19.90€

Nachrichtenmoderator Frank aus Birmingham interessiert sich für vereinsamte Menschen, die nach ihrem Tod niemand vermisst. Er greift Fälle in seiner Sendung auf und entdeckt bei einem unversehens einen Zusammenhang mit seinem eigenen Leben.

Die Hauptfigur dieses ganz besonderen Romans ist der 43-jährige Frank. Er befindet sich gerade in einer leichten Krise, obwohl es das Leben gut mit ihm meint: ein einträglicher Job beim Fernsehen, eine sympathische Frau und eine liebenswerte Tochter. Eines Tages wird Franks betagter Ex-Kollege Phil getötet, der Anlass für Frank, erneut seinen eigenen Lebenssinn zu hinterfragen. Parallel dazu erfährt man Franks Passion, dem Lebenslauf von Mike nachzuspüren. Der ältere Herr starb vereinsamt und wurde erst Tage später aufgefunden. Bei seinen Recherchen nach Verwandten oder Freunden stößt Frank auf Phil und dessen erste Ehefrau. Sie weiß um den Zusammenhang zwischen Mike und Phil und sie ist es auch, die Franks These widerlegt, dass viele Leute sterben, ohne Spuren zu hinterlassen. – Die mehrschichtige Zeitstruktur, die Rückblenden und Nebenhandlungen des trefflichen Romans erfordern ein hohes Maß an Aufmerksamkeit. Dass sich das sehr lohnt, merkt man, je tiefer man in dieses außergewöhnliche Buch eindringt.

Eine nachdrückliche Empfehlung für alle, die an beeindruckender Literatur ihre Freude haben.

Signatur: SL
Schlagworte: Vereinsamung|Freundschaft|Sterben Tod Trauer
Bewertung: +++
Rez.: Martina Mattes

Wenn die alten Eltern sterben. Das endgültige Ende der Kindheit. Barbara Dobrick. Freiburg: Herder 2010. 199 S. ; 19 cm. ISBN 9783451062612 kt.: 9.95€

Der Tod der alt gewordenen Eltern wirft Gefühle und Erinnerungen auf, die ins Leben integriert werden wollen.

Die Ablösung von den eigenen Eltern ist sowohl in der Adoleszenz als auch nach deren Tod eine der größten Herausforderungen für jeden Menschen. Die Autorin hat Söhne und Töchter befragt, die von der Heftigkeit ihrer Emotionen nach dem Verlust der Eltern überrascht wurden. Sie beschreiben Gefühle der Erleichterung, der Dankbarkeit, aber auch der Wut und der Schutzlosigkeit. Viele Kinder reagieren mit Schuldgefühlen und fühlen sich von den Eltern verlassen. Mit dem Tod der Eltern ist die Kindheit endgültig vorbei, das "Schutzschild im Rücken" (Josef Roth) fehlt, die Geschwister-Beziehungen ordnen sich neu und klären sich, manchmal in brutaler Weise. Die Autorin reflektiert die Gespräche mit Trauernden, wertet Berichte bekannter Autoren aus, hilft weiter mit Erkenntnissen der Tiefenpsychologie. Deutlich wird: Die Trauerarbeit ist umso schwerer, je ungelöster die bisherigen Konflikte waren. Dieses Buch hilft Trauerenden sich selbst besser zu verstehen.

Ein Ratgeber für Erwachsene, die den eigenen wie den Tod der Eltern bewusst bedenken wollen. Enthält hilfreiche Überlegungen z.b. zu Gestaltung der Trauerfeier/Aussegnung.

Signatur: Fd
Schlagworte: Sterben Tod Trauer|Abschied|Familie
Bewertung: +++
Rez.: Bettina Rehbein

Ist das Leben eine Abfolge einzelner Punkte?. Martin Blasco. Dt. von Katharina Diestelmeier. Hamburg: Carlsen 2010. 93 S. ; 22 cm. Aus d. argent. Span. ISBN 9783551582263 geb.: 12.90€

Eine skurrile, zuweilen witzige und trotzdem ernsthafte Erzählung über den Tod und vor allem das Leben.

Nach dem plötzlichen Tod seines Vaters droht das Leben von Damián aus den Fugen zu geraten: Sein kleiner Bruder, bisher immer brav wie ein Engel, prügelt sich auf dem Schulhof, seine Mutter geht einfach nicht mehr zur Arbeit und Damián kann nichts mehr mit seiner geliebten Musik anfangen. Außerdem macht er sich ernsthaft Sorgen um die Familienfinanzen und kauft von dem Erlös seiner Plattensammlung Unmengen haltbarer Lebensmittel. Vorsichtshalber sucht er sich noch einen Nebenjob. So gut es geht, versucht er die viel zu große Lücke, die sein Vater hinterlassen hat, auszufüllen. Manche Situationen erscheinen dabei skurril und absurd, doch Damián gelingt es mit der Zeit, seine eigenen Gefühle zu ordnen und sogar beruhigend auf seinen Bruder und seine Mutter einzuwirken. Am Ende stellt er fest, dass das Leben weitergegangen ist. Anders als gedacht, aber nicht unbedingt schlecht. Es bleibt die Frage: Ist das Leben eine Abfolge einzelner Punkte? Oder hängen alle Ereignisse auf geheimnisvolle Weise zusammen?

Gerne an alle Jugendlichen (und Erwachsenen) empfohlen, die sich mit schweren Fragen auf ernsthaft-leichte Weise auseinandersetzen möchten. Ab 13J.

Signatur: Ju 3
Schlagworte: Argentinien|Tod|Trauer|Erwachsen werden
Bewertung: +++
Rez.: Nina Eberle-Theka

Vom Atmen unter Wasser. Roman. Lisa-Marie Dickreiter. Berlin : Berlin Verl. 2010. 271 S ; 22 cm. ISBN 9783827009456 geb.: 19.90€

Roman, der das Problem Trauer innerhalb einer Familie thematisiert.

Sarah, die sechzehnjährige Tochter der Familie Bergmann, ist vor einem Jahr ermordet worden. Nichts ist mehr, wie es einmal war. Der Gerichtsprozess ist vorbei, der Täter verurteilt. Doch was geschieht mit denen, die zurückbleiben, die mit ihrem Leben nicht einfach weitermachen können? Die Mutter Anne unternimmt einen Selbstmordversuch, wird jedoch in letzter Minute gerettet. Der Sohn Simon (Medizinstudent, kurz vor dem Physikum stehend), wird vom Vater Johannes gebeten, sich intensiv um die Mutter zu kümmern. Anne isoliert sich, lebt nur in ihrer Trauer und lehnt auch die professionelle Hilfe einer Psychologin ab. Johannes schließlich sucht Zuwendung und menschliche Wärme bei einer Geliebten. Es gelingt Simon, seine Mutter aus ihrer Lethargie zu reißen und sie wieder dem Leben zuzuführen - doch dabei gerät er an seine Grenzen und droht sich selbst zu verlieren

Der Autorin ist es gelungen, ein schwieriges Thema in sehr sensibler Art und Weise darzustellen. Beste Unterhaltung, zum Nachdenken anregend!

Signatur: SL
Schlagworte: Familie|Verlust|Sterben Tod Trauer
Bewertung: +++
Rez.: Ingeborg Vogt

Der Himmel kann noch warten. Gideon Samson. Dt. von Rolf Erdorf. 1. Aufl. Münster: Coppenrath 2010. 157 S. ; 22 cm. Aus d. Niederländ. ISBN 9783815798713 geb.: 9.95€

Das Leben hört auch im Krankenhaus nicht auf, schwierig zu sein - selbst wenn man dabei ist zu sterben.

Belle hasst die Sätze mit den großen Ausrufezeichen. Ebenso wenn in den Worten ihrer Mutter ein gewisses Bedauern mitschwingt. Dann versucht sie, sie zu provozieren oder ruft gleich nach ihrer "Niere", in die sie sich übergibt. Belle liegt im "Sterbezimmer". Eine Zeit lang neben Jan, der heftig an den Himmel glaubt, sie aber nicht davon überzeugen kann. Belle schreibt ein Tagebuch. Sie sagt, sie will damit so berühmt werden wie Anne Frank, die ja auch gestorben ist. Sie streitet sich mit ihren beiden Freundinnen, die hinter ihrem Rücken anders sprechen als zu ihr und attackiert ihre Eltern, die getrennt sind. Die Mutter kann sich das Rauchen nicht abgewöhnen, und der Vater ist ein Feigling. Belles Oma liegt auch im Krankenhaus. Opa besucht beide abwechselnd. Sie wetten, wer zuerst rauskommt. Belle verliert offenbar, denn nach der angekündigten Operation bricht das Buch ab.

Ein spannendes und unterhaltsames Jugendbuch voller Zartheit und Zorn. Belle würde sagen: Ein Heft für, wenn ich tot bin.

Signatur: Ju 3|Jf
Schlagworte: Tod|Sterben|Trennung |Krankenhaus
Bewertung: +++
Rez.: Frank Hiddemann

Ewiges Leben. Hoffnung über den Tod hinaus. Gerlinde Baumann. Freiburg: Herder 2010. 121 S. ; 19 cm. ISBN 9783451061790 kt.: 7.95€

Eine Einführung in die christliche Hoffnung auf ewiges Leben.

Der Versuch der evangelischen Pfarrerin G. Baumann auf knappem Raum die christliche Hoffnung auf „ewiges Leben“ zeitgemäß zu begründen, ist überzeugend gelungen. Sensibel greift sie Fragen auf, die Menschen heute im Blick auf den Tod und ein Leben nach dem Tod bewegen. Sie spürt den Wurzeln unterschiedlicher Vorstellungen nach und führt differenziert und dennoch gut lesbar in die Grundzüge christlicher Vorstellungen vom ewigen Leben ein. Die Schuld der Kirche, die über lange Zeit mit ihren Vorstellungen vom Jüngsten Gericht und von Himmel und Hölle Macht ausübte, klammert die Autorin nicht aus. Die heute noch vorhandenen konfessionellen Unterschiede referiert sie vorurteilsfrei. Seelsorgerlich und biblisch begründet zeigt sie, dass die christliche Hoffnung über den Tod hinaus nicht auf ein St. Nimmerlein vertröstet, sondern sich schon im Leben vor dem Tod fragmentarisch erfüllen kann.

Für eine interessierte Leserschaft und damit auch für die Gemeindebücherei unbedingt zu empfehlen.

Signatur: Cd 1
Schlagworte: Ewiges Leben|Tod|Christ sein
Bewertung: +++
Rez.: Karl Foitzik

Auf Leben und Tod. Wie in der Welt gestorben wird. Lutz van Dijk. 1. Aufl. Gütersloh: Gütersloher Verl. - Haus 2010. 187 S. : Ill. ; 24 cm. ISBN 9783579068756 geb.: 22.95€

Über unterschiedliche Traditionen und Sichtweisen zu Leben, Sterben und Tod.

Der Autor berichtet von persönlichen Erfahrungen, die er im Beruf und auf Reisen über Einstellung zu Leben und Tod in verschiedenen Kulturen machte. Mythen und Ritualen religiös geprägter Völker zum unendlichen Kreislauf von Werden und Vergehen geht er nach, aber auch Argumenten aus agnostischer und atheistischer Sicht. Aspekte gewaltsamen Todes durch Diktaturen, Naturkatastrophen oder technisches Versagen werden ebenso thematisiert wie Freitod, Sterbehilfe und Zerstörung des Lebensraumes durch die Bedrohung der Atombombe. Ausgewählte Zitate untermauern die Überlegungen und geben Hilfestellung bei einer Suche nach Antwort zu den aufgeworfenen Fragen.

Ein gut zu lesender Einblick in die unterschiedlichen Formen des Umgangs mit Leben, Sterben und Tod in anderen Kulturen und Zeiten, mit vielfältigen Anregungen zu Gesprächen.

Signatur: Pa 3|Ga 3
Schlagworte: Tod|Rituale|Kultur
Bewertung: +++
Rez.: Halgard Kuhn

Engel des letzten Tages. Roman. Michal Viewegh. Dt. von Eva Profousova. 1. Aufl. Wien: Deuticke 2010. 126 S. ; 21 cm. Aus d. Tschech. ISBN 9783552061286 geb.: 14.90€

Himmlische Beschützer auf den Brücken von Prag: Wie können sie den Sterbenden noch Gutes tun und einen Wunsch erfüllen?

„Wir müssen nicht an Gott glauben, aber wir dürfen die Hoffnung nicht aufgeben.“ Vielleicht ist dieser letzte Satz des Buches, gesprochen vom Erzähler – einem Engel –, die Botschaft, um die sich der gesamte Roman dreht. Es sind mehrere Engel in diesem Buch, die sich um die Menschen in ihren letzten Stunden kümmern, keine Schutzengel, aber Freunde und Begleiter im Sterben. Sie kennen die Todesstunde, sie kennen die Todesart – ein Verkehrsunfall, ein Krebstod –, aber sie können nichts ändern, nur den letzten Wunsch des künftigen Toten erfüllen und seine letzten Stunden so schön wie möglich machen. Aus ihrer Sicht erschließt sich die liebeskalte Ehe des Fahrlehrers Karel ebenso wie die tiefe Liebe der jungen Ärztin, die ihren Mann an den Krebs verliert – eine ungewöhnliche, fast märchenhafte Erzählperspektive, die zur Einsicht der Betroffenen (und der LeserInnen) beiträgt: Das Leben muss ausgehalten werden, so wie es ist: „Wir haben unsere Erinnerungen. Unsere Scheune ist voll.“

Neben der privaten Lektüre empfohlen vor allem in Gruppen zur Trauerbewältigung mit der Zielsetzung Trost, Wecken von Hoffnung, Überwindung von Sprachlosigkeit angesichts emotionaler Überwältigung.

Signatur: SL
Schlagworte: Sterben|Engel|Trauer|Tod
Bewertung: +++
Rez.: Astrid van Nahl

Wenn du wiederkommst. Roman. Anna Mitgutsch. Köln: Luchterhand 2010. 271 S. ; 22 cm. ISBN 9783630873275 geb.: 19.95€

Roman um Trauerarbeit: Das Unfassbare geschieht, die Ich-Erzählerin muss sich mit dem Tod ihres Mannes auseinandersetzen.

Ein ganzes Leben haben Jerome und die Erzählerin gebraucht, um ein Liebespaar zu werden, das den eigenen hohen Ansprüchen genügt. Doch dann stirbt Jerome plötzlich, und die Erzählerin versucht mit einer eindringlichen, bewegenden Totenklage, das Versprechen eines Neuanfangs über den Tod hinauseinzulösen. In ihren Erinnerungen skizziert sie das Bild eines charismatischen Mannes, der durch seinen Humor und Klugheit viele Menschen bezauberte. Aus dem Wunsch nach persönlicher Freiheit der beiden Eheleute (nach dem Vorbild von Beauvoir und Sartre) entstanden Verletzungen, an deren Ende die Scheidung steht. Trotz allem bleiben die Europäerin und der Amerikaner verbunden, durch viele Interessen und die gemeinsame Tochter. Kurz vor dem Tod versichern sie einander, noch einmal von vorn anzufangen. Zu spät.

Eine sehr persönliche, intime Geschichte, die niemanden unberührt lässt. Sehr zu empfehlen!

Signatur: SL
Schlagworte: Ehe|Tod|Verlust|Trauer
Bewertung: +++
Rez.: Ingeborg Vogt