Interkulturelle Woche

Liebe Leserin! Lieber Leser!

"Vielfalt kann als Herausforderung und als Bereicherung wahrgenommen werden. Vor allem aber ist Vielfalt Alltag.", das zeigen auch unsere vielfältigen Buchtipps!

Anregende Lesestunden wünscht

Ihr Eliport-Team

Bewertung:
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+          = möglich

Jc Christlicher Glaube, Religionen

Ich glaube an mich! Kinder auf der ganzen Welt malen und erzählen, woran sie glauben. Hg. von little Art e.V. u. Elena Janker. Texte von Elena Janker u. Jakob Wetzel. München: Süddeutsche Zeitung 2017. 303 S. : überw. Ill. ; 30 cm. ISBN 978-3-56497-421-2, geb.: 29,00 €

In phantasievollen Bildern erzählen Kinder aus aller Welt von ihren Lebenshoffnungen.


Seit 2009 bittet der Münchner Verein „little ART" Kinder in aller Welt, zu erzählen und zu malen, woran sie glauben. Kinder aus 108 Nationen, mit unterschiedlichsten Religionen und Weltanschauungen und aus allen gesellschaftlichen Schichten, haben bislang darauf geantwortet und ihre Bilder nach München geschickt. Sie erzählen vom Getragensein der Kinder durch Gott, ihre Religion, ihren Glauben an ihre Eltern und Freunde, an die Natur, an Engel und Computer, an diese und andere Welten und vor allem: an sich selbst! Daniela Mecklenburgs graphische Gestaltung und die einfühlsamen, informativen  Texte Elena Jankers und Jakob Wetzels machen die Sammlung zu einem wirklichen „Kunstbuch", das staunen lässt über die Phantasie und Kreativität der Kinder, ihr Wissen um die Schönheit und das Gefährdetsein des Lebens. Ganz ohne Frage: Das schönste, beglückendste Buch des Jahres!

Ein Muss für jede evangelische Bücherei und jede/n, die/der in Familie, Gemeinde, KiTa und Schule mit Kindern lebt.

Signatur: Jc
Schlagworte: Glauben | Kindertheologie | Kunst
Bewertung: +++
Rez.: Erhard Reschke-Rank

Jaffa und Fatima - Schalom, Salām. Nacherzählt von Fawzia Gilani-Williams. Ill. von Chiara Fedele. Dt. von Myriam Halberstam. Berlin: Ariella 2018. O. Pag. : überw. Ill. ; 23 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-945530-20-7, geb.: 12,95 €

Ein Bilderbuch einer muslimischen Autorin und einer jüdischen Illustratorin über eine jüdisch-muslimische Freundschaft.

Die alte, vermutlich aus dem jüdisch-arabischen Kontext stammende, Legende von den beiden Brüdern, die sich in Zeiten der Not gegenseitig heimlich Korn zukommen lassen, wird hier neu und aktuell erzählt.
Jaffa ist Jüdin und betet in der Synagoge, Fatima ist Muslima und betet in der Moschee. Beide besitzen in dem Land, in dem „Milch und Hong fließen", eine Dattelplantage und sind Freundinnen. In einem Jahr mit sehr magerer Ernte versorgen sie sich heimlich gegenseitig mit Datteln. Ihre Freude ist groß, als sie aufeinander treffen und erkennen, dass sie beide aneinander gedacht und sich um die andere gesorgt haben.
Die Illustrationen des Buches sind ansprechend und detailreich und unterstreichen Jaffas und Fatimas Persönlichkeiten, leider sind sie insgesamt in recht dunklen Farben gehalten.
In klarer, weitestgehend einfacher und dabei eindrücklicher Sprache gibt das Buch der Hoffnung Ausdruck, dass Frieden und Freundschaft über alle Unterschiede und Grenzen hinaus möglich sind.

Sehr zu empfehlen für Büchereien mit religionspädagogischem und interreligiösem Schwerpunkt.

Signatur: Jc | Jm 1
Schlagworte:
Frieden | Freundschaft | Judentum | Islam
Bewertung: ++
Rez.:
Anne Rank

Schädlich, Susan: Woran Menschen glauben. Religionen, Weltanschauungen, Hintergründe. Ill. von Alexander von Knorre. Hamburg: Carlsen 2017. 32 S. : Ill. ; 19 cm. ISBN 978-3-551-25097-1, kt.: 3,99 €

Nur die Neugier auf das, was andere Menschen glauben oder nicht glauben, wird uns friedlich miteinander leben lassen…

Unsere Kinder wachsen in einem bunten Land auf, das durch eine Vielfalt an Religionen und Weltanschauungen geprägt ist. Doch sie selbst, ihre Eltern, ErzieherInnen und  LehrerInnen wissen oft wenig über den eigenen Glaubenshintergrund und über das, was ihre anders- oder nichtreligiösen Mitmenschen  denken und fühlen. Susan Schädlich stachelt ihre Leser*innen an, Glaubensdetektive zu werden: In kurzen, kindgerecht formulierten  Kapiteln erzählt sie von den großen Fragen, die die Menschen nach religiösen und naturwissenschaftlichen Antworten suchen lassen. Sie gibt Grundinformationen zum Christentum, Islam, Alevitentum, Buddhismus, Judentum, Hinduismus und Atheismus und lässt Kinder erzählen, was sie glauben oder nicht glauben. Förderlich für das Miteinander unterschiedlicher Religionen und Weltanschauungen ist nur die Toleranz, die Neugier auf das Eigene und das zunächst Fremde.

Hervorragend geeignet für alle „Glaubensdetektiv*innen" ab 8 J. in Schule und  Konfirmandenunterricht, für Lehrer- und ErzieherInnen. 

Signatur: Jc
Schlagworte:
Weltreligionen | Weltanschauungen
Bewertung: +++
Rez.:
Erhard Reschke-Rank

Wir feiern durch das ganze Jahr. Das Hausbuch der Feste und Bräuche. Ilka Sokolowski. Ill. von Sophie Schmid. Hildesheim: Gerstenberg 2018. 110 S. : überw. Ill. ; 27 cm. ISBN 978-3-8369-5906-3, geb.: 25,00 €

Ein Hausbuch der Feste und Bräuche - einmal quer durch das Jahr.

Warum feiern wir Silvester eigentlich am 31. Dezember? Und was ist ein Rummelpott? Warum wird in einigen Gegenden Walpurgisnacht gefeiert? Und in anderen „Kohl-Tage"? Und warum haben Juden und Muslime einen anderen Kalender als Christen? In diesem Hausbuch der Feste und Bräuche gibt es Antworten auf diese und viele andere Fragen, die wir uns im Jahreslauf vielleicht schon einmal gestellt haben. Die Autorinnen wollen mit diesem Buch nicht nur Antworten geben, sondern auch neugierig machen auf Altes und Neues, Anregungen geben für lebendiges Brauchtum im Wandel der Zeit - quer durch alle Religionen in unserem Land und mit Blick auf die verschiedenen Kulturkreise, die unser Miteinander prägen. Dabei gibt es viel Wissenswertes, manchmal auch Ungewöhnliches, zu erfahren; dazu Anregungen für Gestaltung, Basteln, (alte) Gedichte, Reime, Sprüche, Traditionen und Rituale. Anregend zusammengestellt und gut begleitet durch die passenden Illustrationen. Macht neugierig und Spaß!

Ein gutes, neugierigmachendes Nachschlagewerk; geeignet  für die Familie und die Arbeit in Kindergruppen, Kindertageseinrichtungen.

Signatur:
Jc
Schlagworte: Jahreskreis | Religionen | Brauchtum
Bewertung: ++
Rez.: Dörte Jost

Jm 1 Bilderbücher

Alle da! Unser kunterbuntes Leben. Anja Tuckermann. Ill. von Tine Schulz. Leipzig: Klett Kinderbuch 2014. O. Pag. : überw. Ill. ; 27 cm. ISBN 978-3-95470-104-9, geb.: 13,95 €

Ein witziges Kinderbuch über die Vielfalt unseres Zusammenlebens.

Wer neugierig ist, gewinnt! Diese Botschaft will ein buntes und quirliges Bilderbuch vermitteln, das sich vor allem an Kinder im Grundschulalter richtet. Unsere alltägliche Vielfalt an unterschiedlichen Menschen ist darin eine Selbstverständlichkeit und nicht etwa eine "Integrationsaufgabe". Die Mischung von fröhlichen Aspekten des Andersseins und von problematischen Seiten ist überaus gelungen. Mit welchen Gesten sagt man Ja oder Nein - das kann verblüffend unterschiedlich sein. Doch es wird auch erklärt, wieso das Fremde manchmal Angst macht und was ein Vorurteil ist. Auch hier gelingt es den Autorinnen, eine humorvolle Note in ein ernstes Thema zu bringen. Am Schluss des Buches werden alle aufgefordert, über die Vielfalt in ihrem eigenen Leben nachzudenken um dabei festzustellen, wie sehr sie Teil unseres kunterbunten Alltags sind.

Comicartige Zeichnungen und ein fröhlicher Text machen dieses Buch für Kinder ab 5 Jahren zu einem (Vor-) Lesevergnügen und bieten viel Stoff zum miteinander reden und nachdenken.

Signatur: Jm 1
Schlagworte:
Interkulturalität | Ausländer | Fremdheit | Humor
Bewertung: +++
Rez.:
Regina Riepe

 

Ein großer Freund. Babak Saberi. Ill. von Mehrdad Zaeri. Dt. von Nazli Hodaie. Basel: Baobab 2015. O. Pag. : überw. Ill. ; 25 cm. Aus d. Pers. ISBN 978-3-905804-63-8, geb.: 16,50 €

Der kleine Rabe hat endlich einen Freund gefunden! Aber der entspricht so gar nicht den Vorstellungen der Mutter.

So ganz anders ist er, dieser Freund. Er hat vier dicke Beine, einen Rüssel, er kann nicht fliegen und er ist groß, sehr groß. Ein Elefant also, kein Rabe eben. So ganz anders. Die Rabenmutter ist besorgt; der Freund ist groß, schwer, trinkt aus tiefen Wasserlöchern, könnte ihr Rabenkind beim Herumtollen erdrücken und außerdem sprechen die beiden doch völlig unterschiedliche Sprachen - der falsche Freund?! Doch das Rabenkind erzählt vom Miteinander der Beiden, das sehr genau um die Unterschiedlichkeiten weiß. Und die Mutter bemerkt in diesem Gespräch, dass sich ihr Kind verändert hat durch diese Freundschaft, dass es "groß" geworden ist. Babak Saberi/Text und Mehrdad Zaeri/ Illustration haben ein gefühlvolles und beeindruckendes Buch geschaffen. Humorvoll und inniglich geschrieben, unterstützt von fein gezeichneten schwarz-weiß Illustrationen. Ein wunderschönes Buch, über Vorurteile, Ängste, Freundschaft und "Größe"- die, die man sieht und die, die man spürt.

Dieses Buch mit seinen verschiedenen Aussagen eignet sich wunderbar für den Einsatz in allen Altersgruppen; im Kita-Bereich ebenso, wie bei Jugendlichen und auch Erwachsenen.

Signatur: Jm 1
Schlagworte:
Gefühle | Identität | Interkulturalität | Freundschaft
Bewertung: +++
Rez.:
Dörte Jost

Himmelskönig. Nicola Davies. Ill. von Laura Carlin. Dt. von Andreas Steinhöfel. Hamburg: Aladin 2017. O. Pag. : überw. Ill. ; 24 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-8489-0133-3, geb.: 19,95 €

Wie eine Taube eine Freundschaft stiftet oder „Himmelskönig, sei willkommen".

Die Schlote rauchten, es regnete und regnete und es roch nach Hammelsuppe und Kohlenstaub. Ein fremdes Land, eine fremde Sprache und fremde Gerüche - der Junge aus dem warmen Süden fühlt sich verloren und allein. Doch mit der leise beginnenden Freundschaft mit dem alten Taubenzüchter kehrt so etwas wie Zuversicht und Zugehörigkeit in das Leben des Jungen ein, denn Tauben kennt er von daheim. Gemeinsam haben Jung und Alt ein Ziel: Die Taube „Himmelskönig" soll das wichtigste Wettfliegen durch halb Europa gewinnen. - Eine poetische Freundschaftsgeschichte von Sich-finden und Ankommen, von Hoffnung und Freude. Braun-beige Aquarell-Illustrationen fangen hervorragend die Atmosphäre dieser besonderen Bilderbuchgeschichte ein.

In Kindertagesstätten und Gemeindegruppen zum Thema Geflüchtete, Fremde und Taubenzüchtung breit einsetzbar. Empfehlenswert, nicht nur für Taubenzüchter im Ruhrgebiet. 

Signatur: Jm 1
Schlagwort: Fremdsein | Heimat | Tauben
Bewertung: +++
Rez.: Karin Steinfeld-Bartelt

Lindenbaum, Pija: Pudel mit Pommes. Dt. von Kerstin Behnken. Hamburg: Oetinger 2018. O. Pag. : überw. Ill. ; 27 cm. Aus d. Schwed. ISBN 978-3-7891-0858-7, geb.: 15,00 €

Drei Pudel begeben sich aus der Not heraus auf eine abenteuerliche Reise in der Hoffnung auf ein neues Zuhause und auf etwas mehr Glück.


Bislang ging es den drei Pudeln richtig gut. Sie hatten ein schönes Zuhause mit einem Pool und jeder Menge Kartoffeln. Doch eines Tages bricht die Dürre über ihr wunderbares Land herein, so dass sie sich nach einem anderen Ort umsehen müssen. Sie zwängen sich in ein viel zu enges Boot und verlassen ihre Heimat. Sie rudern viele Tage und Nächte lang, trotzen einem Unwetter und hungern, bis sie endlich einen Strand entdecken, an dem drei dunkle Pudel leben. Während zwei dieser ortsansässigen Pudel die Neuankömmlinge herzlich begrüßen, verhält sich der dritte von ihnen den Fremden gegenüber unfreundlich und abweisend. Er will nicht mit ihnen teilen und sie am liebsten wieder wegschicken. Doch am Ende erkennt er, dass er vor allem sich selbst damit ausschließt.  
Die Geschichte hat eine schöne Botschaft, in der die Überwindung von Vorbehalten Fremden gegenüber durch Toleranz und Gastfreundschaft als Leitthema wunderbar herausgearbeitet wird.

Ein fabelhaftes Bilderbuch mit witzigen Illustrationen, in dem Themen wie Flucht, Abweisung sowie Offenheit und Hilfsbereitschaft sehr sympathisch und kindgerecht aufgezeigt werden. Absolut empfehlenswert für Kinder ab 4 Jahren.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Toleranz | Gastfreundschaft | Flucht
Bewertung: +++
Rez.: Juliane Deinert

Nusret und die Kuh. Anja Tuckermann. Ill. von Mehrdad Zaeri u. Uli Krappen. München: Tulipan 2016. O. Pag. : überw. Ill. ; 25 cm. ISBN 978-3-86429-302-3, geb.: 18,00 €

Ein kleiner Junge muss seine Großeltern und seine Heimat verlassen und die Sehnsucht aushalten.

Nusret lebt bei seinen Großeltern in einem verlassenen Dorf im Kosovo. Sein bester Freund ist eine Kuh. Eltern und Geschwister sind während des Krieges nach Deutschland gegangen und schreiben nun Briefe, die der Briefträger vorlesen muss, weil weder die Großeltern, noch Nusret lesen können. Nusret soll auch nach Deutschland gehen, um dort die Schule zu besuchen. Er nimmt seine Kuh mit, sie soll auch lesen und schreiben lernen und Nusret den Abschied von der vertrauten Umgebung erleichtern. Später kehrt die Kuh zurück, damit sie den Großeltern Nusrets Briefe vorlesen kann. Schon früh muss der kleine Junge lernen, Abschied zu nehmen und die Sehnsucht nach lieben Menschen auszuhalten. Und er lernt, sich in einer völlig fremden Umgebung zurechtzufinden.Die Geschichte wird in einem ganz ruhigen Tonfall erzählt, sie lässt viel Freiraum für eigene Gefühle und Gedanken und bewertet nichts.Die Bilder dazu wurden von zwei Künstlern gemeinsam geschaffen. Die jeweilige Stimmung Nusrets wird gut durch die Farbwahl ausgedrückt, Collagen und Zeichnungen auf großen Farbflächen unterstützen die Erzählung.

Für den Einsatz in Kindergruppen ab ca. 4 Jahren geeignet, um einen Einstieg in das Thema Flucht und Heimat, bzw. Heimweh zu finden. Eine Bereicherung für jede Kinderbibliothek.

Signatur: Jm 1
Schlagworte:
Heimat | Trennung | Fremde | Kosovo
Bewertung: +++
Rez.:
Monika Betz

Pin, Isabel: Du nicht! Rostock: Hinstorff 2017. O. Pag. : überw. Ill. ; 30 cm. ISBN 978-3-356-02155-4, geb.: 16,99 €

Eine Robbe findet neue Freunde bei den Pinguinen - bis die Vögel elementare Unterschiede bemerken.

Die drei Pinguine staunen nicht schlecht, als ein neuer Spielgefährte auf sie zuschlurft: Kautschuk nennt er sich und bereichert das Trio gleich mit seinen guten Einfällen. Und mit ihm macht alles doppelt so viel Spaß! Dass er anders aussieht, bemerken die Vögel erst, als alle zusammen einen Schneepinguin bauen wollen und Kautschuk den Schnabel dazu auftreiben soll. Der jedoch bringt einen Stein, dann eine Muschel - erst da nehmen die Pinguine seine Andersartigkeit wahr! Nun wird Kautschuk gemieden, doch seine guten Ideen fehlen den anderen bald. - Verpackt in eine Geschichte mit wunderbar klaren Illustrationen, vorwiegend in weiß, schwarz und blau, kommt die Botschaft schon bei kleinen Kindern an:  Das vermeintlich Fremde muss kein Ausschlusskriterium sein für Freundschaft. Im Gegenteil: Gemeinsamkeiten zwischen Gleichaltrigen finden sich über Länder- und Völkergrenzen hinweg. 

Ein wunderschönes Bilderbuch, das sich bestens als Einstieg zum Thema "Fremd sein" in Kita und Bibliothek anbietet. 

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Freundschaft | Anderssein
Bewertung: +++
Rez.: Margarete Barth-Specht

Zuhause kann überall sein. Irena Kobald. Ill. von Frey Blackwood. Dt. von Tatjana Kröll. München: Knesebeck 2015. O. Pag. : überw. Ill. ; 26 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-86873-757-8, geb.: 12,95 €

Ein Flüchtlingskind erkennt allmählich, dass das neue Land zur Heimat werden kann.

Ein (namenloses) Flüchtlingskind kommt mit seiner Tante (Eltern tot?) in einem Land an, in dem alles anders ist, ganz besonders die unverständlichen Worte der fremden Sprache - sie ergießen sich wie ein kalter Wasserfall über das Kind. Es bezeichnet deshalb fortan die vertrauten Wörter und Geräusche als seine "alte Decke", unter der es zu Hause Trost und Schutz findet. Erst das Zusammentreffen mit einem gleichaltrigen Kind, das ihm Freundschaft und Hilfe beim Spracherwerb bietet, befähigt das Mädchen, gleichsam eine neue schützende Decke aus dem neuerworbenen Wortschatz zu weben. - Eine starke, einfühlsame, hochaktuelle Geschichte aus der Sicht eines Kindes. Bemerkenswert, wie Text und Farben der Illustrationen (orange- alte Heimat / blaugrau - neue Heimat) sich ergänzen, aber die zwei Farben selbst erst am Schluss des Buches gleichberechtigt nebeneinander stehen.

Sollte grundsätzlich, aber besonders gegenwärtig in keiner Kita-/ Schulbibliothek fehlen!

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Flucht | Heimat | Spracherwerb | Integration
Bewertung: +++
Rez.: Petra Schulte

Ju 1 Erzählungen für das erste Lesealter (6-8 Jahre)

Geschichten rund um die Welt. Nacherzählt von Angela McAllister. Ill. von Christopher Corr. Dt. von Maike Stein. Ravensburg: Ravensburger Buchverl. 2018. 125 S. : überw. Ill. ; 28 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-473-36595-1, geb.: 16,99 €

Götter-, Geister- und Gespenstergeschichten aus allen Erdteilen, den zwölf Monaten des Jahres zugeordnet.

Die englische Autorin hat über 50 Fabeln, Märchen und Volksbräuche gesammelt, nacherzählt und mit dem Jahreskreis dergestalt verbunden, dass die Texte geografischen Besonderheiten zugeordnet werden können. Eine doppelseitige Übersicht „Feiertage und Ereignisse in aller Welt“ kann diesen interkulturell-religiösen Ansatz unterstützen, auch wenn britannische Gegebenheiten deutlich Akzente setzen. Das ausführliche Inhaltsverzeichnis verfolgt dieselbe Absicht, wobei man sich fragen kann, ob z. B. die Geschichte vom dicken, fetten Pfannkuchen unbedingt Fastnachtsdienstag zugeordnet werden muss! Der Illustrator Christopher Corr (London) hat fantasiereich und farbenfroh jeweils ein Deckblatt auf farbigem Untergrund für jeden Monat sowie jeden einzelnen Text ideenreich gestaltet. Dabei verzichtet er weitgehend auf bildnerische Mittel wie Perspektive, Transparenz und Licht-Schatten-Effekte und nähert sich damit kindlich-naiver Darstellungsart, ohne infantil oder kindertümelnd zu wirken.   

Als Vorlesebuch für international zusammengesetzte Kindergruppen im Vor- und Grundschulalter, zum Selbstlesen ab 7 Jahren empfohlen.

Signatur: Ju 1
Schlagworte: Anthologie | Interkulturalität | Bräuche
Bewertung: ++
Rez.: Margot Rickers

Meyer-Lehmann-Schulze: Tschüss, kleiner Piepsi. Ill. von Susanne Göhlich. Leipzig: Klett Kinderbuch 2009. O. Pag. : überw. Ill. ; 21 cm. (Die wilden Zwerge). ISBN 978-3-941411-03-6, geb.: 7,90 €

Die alltäglichen Katastrophen im Kindergarten.

Welch ein Kindergartenalltag! Selin findet einen toten Vogel und legt ihn in einem unbemerkten Augenblick auf den Frühstücksteller eines anderen Kindergartenkindes. Als dann noch ein Kakaobecher umkippt und der tote Vogel in der braunen Soße badet,  ist das Chaos perfekt. Nach einigem Hin und Her entwickeln die Kinder im Rollenspiel eine multikulturelle Bestattung. Leider werden die aufgezeigten Probleme, wie das hinterlistige Verhalten von Selin,  nicht genügend bearbeitet. Die bunten comicartigen Bilder sind witzig und stimmig zum Text und laden zum Betrachten und Erzählen ein. Zum Verständnis einer muslimischen Bestattung wäre ein Glossar der verwendeten Begriffe hilfreich gewesen. Die Hinführung zum Thema Tod erscheint für die Jüngsten mit diesem bebilderten Kinderbuch nicht empfehlenswert, wenn auch einige Fragen und Gedanken zum Sterben für diese Altersgruppe typisch sind und die Anregung zum Rollenspiel nachahmungswert ist.

Mit weiteren Gesprächen bei Fragen zu multikultureller (christlich/muslimischer) Bestattung oder Sozialproblemen im Kindergarten und in den ersten zwei Schuljahren einsetzbar. 

Signatur: Ju 1
Schlagworte: Kindergarten  Tod | Bestattung | Islam
Bewertung: +
Rez.: Barbara Cramer

Tsozo und die fremden Wörter. Frank Kauffmann. Ill. von Beate Fahrnländer. Zürich: Orell Füssli 2015. 47 S. : überw. Ill. ; 21 cm. ISBN 978-3-280-03496-5, geb.: 8,95 €

Eine neue Sprache lernt man am schnellsten, wenn man mutig ist und "sie tut" - diese Erfahrung macht Tsozo.

Tsozo ist mit seinen Eltern in ein neues Land mit einer ihm unbekannten Sprache gezogen. Er nimmt sich vor, sich nicht entmutigen zu lassen und die Ohren zu spitzen. So lernt er schnell Kinder in seinem Alter kennen und von Tag zu Tag neue Begriffe. Dass er allerdings in so kurzer Zeit schon in der Lage sein würde seine Freunde zu retten, das hätte er sich nicht vorstellen können. Eine ganz neue Erfahrung, die ihn in seiner neuen Welt ankommen lässt. - Ein Roman mit bunten Illustrationen für Kinder mit ersten Leseerfahrungen. Nicht das Flüchtlingsthema steht im Vordergrund, sondern vielmehr wird in diesem Buch aufgezeigt, wie Kinder anderen Kindern ihre Sprache vermitteln und ihnen helfen können, diese zu verstehen. Mittels rotgedruckter Wörter erfahren die kleinen Leser, wie sich Tsozos Sprachschatz entwickelt und vergrößert. 

Gerne empfohlen, nicht nur für junge Leser, sondern auch für Erwachsene ist dieses Buch hilfreich im Umgang mit Menschen, die unsere Sprache (noch) nicht beherrschen.

Signatur: Ju 1
Schlagworte: Sprache | Migration | Geflüchtete
Bewertung: +++
Rez.:
Helena Schäuble

Ju 2 Erzählungen für das zweite Lesealter (9-12 Jahre)

Kämper, Regine: Amina, Erdal, Njami und die anderen. Geschichten aus der Deutschstunde. Ill. von Yayo Kawamura. München: Dt. Taschenbuch Verl. 2016. 76 S. : Ill. ; 22 cm. ISBN 978-3-423-64024-4, geb.: 12,95 €

Neun Kinder aus neun verschiedenen Ländern lernen bei Regine Deutsch. Die liebenswerte Lehrerin gibt im Unterricht alles.


Tatsächlich sind nur neun Kinder in der Klasse. Das ist so ungewöhnlich nicht, denn die Jungen und Mädchen haben alle eine andere Muttersprache. Nun leben sie in der Bundesrepublik, wo sie Deutsch lernen wollen. Ihre Lehrerin heißt Regine. Sie mag jeden ihrer Schützlinge gerne, egal ob er Njami, Bartek, Milan, Irina, Nadja, Erdal, Antonia, Amina oder Wowa heißt und kenianische, polnische, kroatische, russische, türkische, spanische, syrische oder ukrainische Wurzeln hat. Damit den Kindern der Sprachunterricht leicht fällt, lässt sich Regine allerhand einfallen. Sie singt, spielt, kocht und scherzt und lässt keine Gelegenheit aus, die Neun zum Reden zu animieren. Langsam wird aus der Gruppe eine kleine Gemeinschaft. Aus der Ich-Perspektive lädt die Autorin ihre Leser ein, am Unterricht teilzunehmen und sich mit ihr über die Fortschritte beim Lernen und über die Späße der Kinder zu freuen. Ein weiteres Plus ist, dass man sprachliche Fehler durch Markierungen im Text sofort erkennen kann. Prima!

Die gut gegliederte, lustig illustrierte Geschichte erfüllt alle Bedingungen für ein gutes Kinderbuch und sollte in jeder Bücherei angeboten werden. Empfohlen ab 9 J.

Signatur: Ju 2
Schlagworte: Deutsch als Fremdsprache | Migration | Schule | Interkulturalität
Bewertung: +++
Rez.: Martina Mattes

Lester, Cas: Sprichst du Schokolade?  Dt. von Christine Spindler. München: arsEdition 2018. 236 S. ; 22 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-8458-2735-3, geb.: 12,99 €

Die kesse Engländerin Josie und die zurückhaltende Syrerin Nadima werden in kürzester Zeit ziemlich beste Freundinnen.

Zuneigung auf den ersten Blick könnte man das nennen, was zwischen der selbstbewussten Josie und dem scheuen Flüchtlingsmädchen Nadima aus Syrien seit dem ersten Zusammentreffen im Klassenzimmer der 7R abläuft. Keine versteht anfangs die Muttersprache der anderen. Sie behelfen sich, indem sie einander Emojis schicken, Schokolade teilen und ihre Herzen sprechen lassen. Ich-Erzählerin Josie erfährt, welche traumatischen Erlebnisse ihre neue Freundin durchleiden musste; Nadima wiederum bringt noch mehr Wärme in Josies Leben, indem sie sie unbefangen akzeptiert. Aber leider ist das Leben in der Klasse und auch sonst nicht nur eitel Sonnenschein. Die verschiedenen Themen des herausragenden Kinderromans sind aktueller denn je. Sie wurden für die Zielgruppe stimmig und nicht zu deprimierend dargestellt, sodass die Freude im Buch überwiegt. Die beiden Hauptfiguren haben Vorbild-Charakter; ihre berührende Freundschaftsgeschichte können junge LeserInnen ab etwa 10 Jahren nachvollziehen und genießen.

Selbst Kinderbüchereien mit einem knappen Budget sollten das fabelhafte Buch mit dem attraktiven Cover anbieten. Es ist auch als Klassenlektüre in der Mittelstufe bestens geeignet.

Signatur: Ju 2
Schlagworte:
Freundschaft | Integration | Legasthenie
Bewertung: +++
Rez.:
Martina Mattes

 

Rohmann, Kathrin: Apfelkuchen und Baklava. Oder Eine neue Heimat für Leila. Ill. von Franziska Harvey. Köln: Boje 2016. 173 S. : Ill. ; 22 cm. ISBN 978-3-414-82455-4, geb.: 12,99 €

Was erinnert einen an seine Heimat? Für Leila ist es die Walnuss, die ihr die Oma in Damaskus geschenkt hat.

Vor einem Jahr ist die 11jährige Leila, zusammen mit ihrer Mutter und ihren beiden Brüdern nach Deutschland gekommen. Obwohl sie nun eine eigene Wohnung haben und Leila auch schon ganz gut Deutsch spricht, ist ihr Herz immer noch in Damaskus, bei ihrer Oma und ihrem Vater. Die Walnuss, die ihr die Großmutter zum Abschied geschenkt hat, ist ihre einzige Erinnerung an ihr Zuhause. Deshalb bricht ihre Welt zusammen, als sie in der neuen Schule diese Nuss verliert. Gemeinsam mit dem gleichaltrigen Max sucht sie die ganze Schule ab, um ihre Nuss wieder zu finden. Langsam wächst ihre Freundschaft und Max versteht, warum diese Nuss so wichtig ist für Leila. Auch Max' Oma versteht Leila sehr gut, kann sie sich doch nur zu gut an ihre eigene Flucht als kleines Mädchen erinnern. - Eine sehr einfühlsame und nachvollziehbare Geschichte eines Mädchens, das alles hinter sich lassen musste und nun lernt, dass man eine neue Heimat und neue Freunde finden kann.

Ein gut gelungenes Kinderbuch zum Thema Flucht. Wobei nicht die Flucht selber im Vordergrund steht, sondern das Erinnern an die alte und das heimisch werden in einer neuen Heimat.

Signatur: Ju 2
Schlagworte: Flucht | Heimat | Freundschaft
Bewertung: +++
Rez.: Helena Schäuble

Ju 3 Erzählungen für Jugendliche ab 13 Jahren

Crossan, Sarah u. Conaghan, Brian: Nicu & Jess. Dt. von Cordula Setsman. München: Mixtvision 2018. 300 S. ; 22 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-95854-106-1, geb.: 16,90 €

Ein tragisches Liebespaar setzt sich ausdrucksstark in freier Versform über Sprachhürden hinweg.

Jess hätte Nicu, den Roma-Junge mit den großen Augen und der schlecht sitzenden Kleidung, niemals bemerkt, wäre sie nicht auch wie er wegen wiederholten Klauens zum Sozialdienst verdonnert worden. Äußerlichkeiten sind Jess wichtig, nicht zuletzt da sie selbst viel zu verbergen hat. Nicu aber findet Jess wunderbar. Nach England gekommen, um für Nicus arrangierte Hochzeit Geld zusammenzukriegen, will die Familie bald wieder fort. Nicu aber will nicht weg: Er will zur Schule, ein anständiges Leben und in London bleiben. Aber die Fäuste seines Vaters sind stärker und je näher sich Jess und Nicu kommen, desto mehr kommen beider Geheimnisse ans Licht. Den einzigen sicheren Halt geben sie einander, aber für immer zusammenbleiben können sie nicht.
Spannend ist die Sprache dieses Jugendromans. Abwechselnd aus der Perspektive der Hauptfiguren sind die Kapitel in Versform geschrieben. Während Jess trocken sarkastisch ihrer Wut freien Lauf lässt, behilft sich Nicu aufgrund seiner mangelnden Sprachkenntnisse mit Wortschöpfungen, ohne dass dabei die Figur ins Lächerliche gezogen wird.

Ein ungewöhnliches, mutiges und einfühlsames Buch für LeserInnen ab 14, die sich fragen, was Menschlichkeit bedeutet. Einsetzbar im Religions- und Ethikunterricht.

Signatur: Ju 3
Schlagworte: Menschlichkeit | Liebe | Sprache | Gewalt
Bewertung: +++
Rez.: Anne Tebben

Rabinowich, Julya: Dazwischen: ich. München: Hanser 2016. 254 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-446-25306-3, kt.: 15,00 €

Spannender Roman über das Erwachsenwerden eines 15jährigen Flüchtlingsmädchens nach ihrer Ankunft in Deutschland.

Erwachsenwerden ist nicht einfach – schon gar nicht, wenn man in einem Flüchtlingsheim lebt und sich in einer fremden Welt zurecht finden muss. Ihrem Tagebuch vertraut die 15jährige Madina ihre Gefühle an, erzählt von der Schule, den Konflikten in der Familie und ihrer Freundschaft zu Laura. Einfühlsam beschreibt die Autorin den Zwiespalt, in dem ihre Romanfigur steckt: Nie einfach so dazuzugehören, die richtigen Klamotten zu tragen, zu wissen, was zu tun ist. Dankbar für die Nachhilfe sein zu müssen, für die geschenkten Kleider – nie diejenige zu sein, die etwas gibt, etwas kann. Doch Madina nimmt ihr Leben in die Hand – und auch das ihrer Familie, die es schwer hat, in der neuen, fremden Heimat anzukommen. Im Flüchtlingsheim bahnen sich Konflikte an, der kleine Bruder nervt nur, die Familie auch. Aber die junge Frau kämpft und findet Unterstützung bei der Familie ihrer Freundin Laura. 

Einfühlsam geschrieben und spannend zu lesen ist dieses Jugendbuch auch für Erwachsene eine Möglichkeit, sich in jugendliche Flüchtlinge hineinzuversetzen.

Signatur: Ju 3
Schlagworte: Geflüchtete / Erwachsenwerden
Bewertung: +++
Rez.: Regina Riepe

Sachbücher für Kinder und Jugendliche

Kinder aus aller Welt - Das essen wir. Lektporat: Carrie Love u.a. Gestaltung: Lisa Robb u.a. Dt. von Manuela Knetsch. München: Dorling Kindersley 2018. 80 S. : überw. Ill. ; 29 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-8310-3476-5, geb.: 14,95 €

Ein buntes Kinderkochbuch, das Grundnahrungsmittel vorstellt und viele tolle Rezepte beinhaltet.

Was für ein spannendes Buch! Es gibt nicht nur Einblicke in fremde Lebensgewohnheiten, sondern erklärt in einer Kombination aus Sachwissen und Rezepten die verschiedenen Grundnahrungsmittel dieser Welt. Die Rezepte sind sehr kindgerecht und laden zum Nachkochen ein. Und zum Erzählen vom letzten Urlaub und den Speisen, die erst so fremd waren und doch überraschend gut schmeckten. Oder ganz ungewohnt. Die vielen verschiedenen Kinder unterschiedlicher Nationen, die in dem Buch abgebildet sind, lassen sich jeweils im Einband des Buches auf einer Weltkarten wiederfinden. In jedem Fall lädt das Buch dazu ein, andere Kulturen kennenzulernen und mal genauer hinzuschauen, wo denn wohl ein ausländischer Mitschüler so herkommt und welche Essgewohnheiten in diesem Teil der Welt so üblich sind.
Bleibt nur, den Lesern und Leserinnen guten Appetit zu wünschen, denn es lädt wirklich sehr zum Ausprobieren ein!

Dieses durchgehend farbig fotografierte Sachbuch eignet sich für alle großen und kleinen Menschen, die an anderen Kulturen interessiert sind und Spaß am Kochen haben.

Signatur: Je | Jr
Schlagworte: Ernährung | Kinder | Welt
Bewertung: +++
Rez.: Andrea Schmidt

Kostrzewa, Anna: Nasengruß & Wangenkuss. So macht man Dinge anderswo. Ill. von Inka Vigh. Frankfurt: Sauerländer 2017. O. Pag. : Ill. ; 31 cm. ISBN 978-3-7373-5483-7, geb.: 14,99 €

So macht man Dinge anderswo auf der Welt.

Dieses sowohl inhaltlich als auch gestalterisch hochwertige Buch lädt Kinder ein, die Vielfalt der Kulturen unserer Welt  kennenzulernen und dabei zu entdecken, dass diese bunt und faszinierend sind. Verschiedene Kapitel (meist auf einer Doppelseite) geben Einblicke in die Lebensweise anderer Menschen. Es geht z. B. um Gründe für Migration, um unterschiedliche Familienmodelle, um die Vielfalt unserer Gefühle, um verschiedene Esskulturen, Religionen, Feste,  Bräuche, (Körper-)Sprachen, Umgangsformen, Kinderspiele. Dabei helfen die kindgerechten Illustrationen sehr, die Erläuterungen noch besser zu verstehen. Manche Kapitel enden zudem mit Impulsen, die das Kind allein oder mit der Familie überdenken kann. Ein wichtiges Buch! Es informiert auf sehr kluge und kindgemäße Art, hilft dadurch Angst vor dem Fremden abzubauen oder im besten Fall einfach neugierig zu machen auf Unbekanntes und die spannende Vielfalt der Menschen auf dieser Erde.

Ein Plädoyer für Verständnis, Toleranz und Weltoffenheit; gegen Fremdenhass und Vorurteile. Für zu Hause , in der Gemeinde und in der Grundschule sehr zu empfehlen.

Signatur: Je
Schlagworte: Vielfalt | Kulturen | Toleranz
Bewertung: +++
Rez.: Petra Schulte

Das Ohr vom Opa. & andere Geschichten. Kinder erzählen von ihrer Heimat - der alten und der neuen. Gesammelt, aufgeschrieben und hg. vom Dt. Kinderschutzbund Landesverband NRW e.V. Ill. von Dirk Uhlenbrock. Essen: Ed. Schmitz 2017. 143 S. : Ill. ; 25 cm. ISBN 978-3-932443-65-7, geb.: 16,90 €

Geflüchtete Kinder berichten von ihrem Leben in ihren Herkunftsländern und ihrem jetzigen Leben.

59 Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 17 Jahren erzählen, was sie erlebt haben: Amir berichtet, wie seine Familie in Ägypten Weihnachten gefeiert und er Geschenke und neue Kleidung bekommen hat. Klesti schwärmt von dem leckeren rosa Eis, das es in Albanien gab und teilt mit, dass seine Familie bald wieder dorthin zurückgehen muss. Fatima aus Syrien beschreibt ihr Lieblingsgericht - mit Hackfleisch gefüllte Teigtaschen, die gebogen sind und deshalb in der Familie „Das Ohr vom Opa" genannt werden. Sie alle erzählen von Festen und Speisen, Tänzen und Spielen, die sie in ihrem Heimatland kennen gelernt haben, und auch davon, dass es in Deutschland große Einkaufsläden gibt und sie in der Schule viel lernen müssen. Der vorliegende Band lässt die Kinder und Jugendlichen selbst zu Wort kommen und macht sie so zu Autor*innen ihrer vielen kleinen Lebensgeschichten. An ihrem offenen Verständnis von Kultur und Welt lassen sie kleine und große Leser*innen teilhaben.

Die vielen kleinen Geschichten erweitern das Verständnis für Menschen, die nach Deutschland gekommen sind. Daher empfehlenswert für alle Gemeinde- und Schulbüchereien.

Signatur: Jb
Schlagworte: Heimat | Flucht | Identität | Kulturen
Bewertung: ++
Rez.: Anne Rank

SL Romane, Erzählungen, Dramen, Lyrik - Belletristik

Doulatabadi, Mahmud: Nilufar. Roman. Dt. von Bahman Nirumand. Zürich: Unionsverl. 2016. 213 S. ; 17 cm. Aus d. Pers. ISBN 978-3-293-20752-3, kt.: 12,95 €

Die Geschichte einer verlorenen Liebe, einer Suche nach Identität, erzählt auf dem Hintergrund persischer Kultur.

Ein Mann streift durch die Straßen einer europäischen Stadt, auf der Suche. Als er die Frau, in der er seine andere Hälfte sah, verlor, verlor er auch sich selbst. Während er gefundene Notizen eines anderen liest, schreibt er sich seine Sehnsucht und Verzweiflung von der Seele. Langsam enthüllt sich dabei dem Leser, wie die junge Frau, Nilufar, von ihrer Familie und den Umständen in ihrer Heimatstadt im Iran zum Bruch der Beziehung gedrängt wurde. Im Text fließen Perspektiven, ebenso Zeiten und Orte ineinander. Der Stil ist manchmal philosophisch fragend, dann poetisch, manchmal wirkt er wie jahrtausendealte Lyrik, dann wie ein nüchterner Bericht. Als Kenner persischer Dichtung von al-Qais über Rumi bis zu Sadegh Hedayat webt der Autor Doulatabadi seine Geschichte in einem Netz literarischer Bezüge. Das Handeln und selbst die Identität einzelner Figuren ist für den Leser manchmal schwer zu erschließen. Es geht um die großen Themen Leben, Liebe und Tod. Es bleiben viele Fragen.

Leser, die bereit sind, sich einer herausfordernden (evtl. mehrfachen) Lektüre zu stellen, erhalten einen bewegenden Einblick in persischer Mentalität und Dichtung.

Signatur: SL
Schlagworte: Iran | Identitätssuche | Liebe
Bewertung: +++
Rez.: Birgit Schönfeld

Gorokhova, Elena: Russisches Tattoo. Ein Memoir. Dt. von Saskia Bontjes van Beek. München: Dt. Taschenbuch Verl. 2015. 427 S. ; 21 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-423-26068-8, kt.: 16,90 €

Die Geschichte einer jungen Russin, die das Wagnis einer Immigration in die USA auf sich nimmt.

Elena ist 24, als sie einen ihr fast unbekannten Amerikaner heiratet, Robert. Sie will fort, fort aus ihrer Heimatstadt Leningrad, vor allem aber fort von ihrer überaus dominanten Mutter, die sich immer in ihr Leben einmischt. Der Kulturschock trifft die junge Frau mit unerwarteter Härte. So etwas Selbstverständliches wie das Einkaufen in einem Supermarkt, (ohne das Schlangestehen), das riesige Angebot der Waren, aber auch die Freundlichkeit des Personals erscheinen ihr wie ein Wunder. Robert möchte eine offene Ehe führen, Elena weiß noch nicht einmal, wovon er redet. Nach relativ kurzer Zeit wird die Ehe geschieden. Nach einigen Jobs in der Gastronomie arbeitet Elena als Lehrerin für englische Sprache. Sie lernt den Therapeuten Andy kennen, der ihr ein ganz neues Selbstwertgefühl vermittelt. Die beiden heiraten, kaufen ein Haus und bekommen Tochter Sascha. Elenas Mutter reist zur Geburt ihrer Enkeltochter in die USA und bleibt – für immer! Nach geraumer Zeit kommt auch Marina, Elenas Schwester. Sascha wird zweisprachig erzogen.  Im Alter von 96 Jahren stirbt die Mutter. Elena und Sascha unternehmen eine Reise nach St. Petersburg.

Ein wunderbares Buch, in dem von den Schwierigkeiten russischer Einwanderer in die USA berichtet wird. Unterhaltsam, humorvoll, aber auch voller Weisheit um familiäre Bande. Sehr zu empfehlen, überall einzusetzen!

Signatur: SL
Schlagworte: Einwanderung | USA | Russland | Selbstfindung
Bewertung: +++
Rez.: Ingeborg Vogt

Honigmann, Barbara: Chronik meiner Straße. München: Hanser 2015. 151 S. ; 19 cm. ISBN 978-3-446-24762, geb.: 16,90 €

Tagtägliche Begegnungen und Beobachtungen in einer ganz gewöhnlichen Straße führen in ungeahnte Weiten.

Seit drei Jahrzehnten lebt Barbara Honigmann in Straßburg in einer wenig attraktiv aussehenden Straße, von der es heißt, dass am dort am Anfang wohne, um bald in eine vornehmere Gegend zu wechseln. So war sie zunächst auch bei der Autorin als ein Provisorium gedacht, doch es kam anders. Ihr Schreibtisch steht noch immer vor dem Fenster mit Blick auf den Balkon, den eine freundliche Hausbewohnerin ihr eines Tages mit bunten Blumen bepflanzte. So bunt und vielfältig sind auch die Eindrücke im Quartier voll Schicksalen im Völkergemisch der vielfältigen Ethnien mit ihren ab und an befremdlichen Gewohnheiten, auch Schrulligkeiten, nur der sprichwörtlichen französischen Lebensart begegnet man in der grenznahen Straße nicht. Heimat aber ist hier auch nicht wirklich, obwohl man nach etlichen Jahren im Hinterhof die eigene Laubhütte aufstellen darf, um die Festwoche zu begehen. Die Verwarnung der von Nachbarn herbeigerufenen Polizei, die Laubhütte innerhalb einer Woche abzubauen, kann man problemlos zusagen, denn dann ist das Fest zu Ende - bis zum nächsten Jahr.

Eine zauberhaft erzählte Straßenchronik, voll Lebensschicksalen und Lebensweisheit, hier und da nicht ohne ein Schmunzeln oder voll Ironie, aber auch nostalgisch und jedenfalls höchstaktuell in einer multikulturellen Zeit.

Signatur: SL
Schlagworte: Interkulturalität | Heimat | Fremdheit | Großstadt
Bewertung: +++
Rez.: Halgard Kuhn

Kaiser, Vea: Makarionissi. Oder Die Insel der Seligen. Roman.  Köln: Kiepenheuer & Witsch 2015. 460 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-462-04742-4, geb.: 19,99 €

Eine griechische Familiengeschichte über fünf Generationen bis 2014, in fünf Ländern, vor zeitgeschichtlichem Hintergrund. 

Griechenland, 1956 bis 2014: Ein Buch mit neun Gesängen, nicht Kapiteln, wie bei Odysseus. Haupthelden: Die Urahnin im armen griechischen Bergdorf, die, gefangen in ihrer Tradition, zur Erhaltung der Dynastie, die geliebte Enkelin Eleni mit deren Cousin verheiraten will. Eleni will jedoch gegen die Diktatur kämpfen, politische Heldin werden, nicht heiraten – ihre Odyssee beginnt. Die Ehe bleibt ihr nur, um nach Gefängnis und Folter mit dem Cousin auszureisen. Ihr Kampf geht weiter im Hildesheim der 70er Jahre mit dem Musiker Otto, wieder im Bergdorf mit dessen Tochter und schließlich auf Makarionissi, jener griechischen Insel, von der ihr zweiter Mann stammt, der ihr kurze Zeit Halt gibt. Sprachgewaltig, anschaulich, im Sprachstil der jeweiligen Zeit erzählt, aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Poetisches wechselt mit dem Bezug zu Verstrickungen in Krieg und Schuld. Dazwischen eingewoben: griechische Mythen. Kampf und Suche enden in Erkenntnis und Einsicht. Ebenso hörenswert: das von Burghart Klaußner gelesene gleichnamige Hörbuch (ISBN 978-3-8398-1390-4).

Eine Familien-Entwicklungsgeschichte, ein mitreißender Lesestoff – sehr empfohlen – auch zum Vorlesen.

Signatur: SL
Schlagworte: Griechenland | Familie | Frauen | Entwicklung
Bewertung: +++
Rez.: Delia Ehrenheim-Schmidt

Mosebach, Martin: Mogador. Roman. Reinbek: Rowohlt 2016. 366 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-498-04290-5, geb.: 22,95 €

Ein spannungsreiches Buch zwischen Flucht, Suche und sich selbst finden. Wenn das Leben entgleist, wirst du es suchen.

Das Leben eines jungen, erfolgreichen Mannes gerät plötzlich aus den Fugen. Er sieht nur eine Möglichkeit, er flieht kopfüber nach Mogador. Dort tritt er in das Leben einer anderen Welt ein. Er erlebt, wie man sich aus dem Nichts eine Existenz aufgebaut hat, wie man sie verteidigt, und dass das Leben niemals perfekt ist. Egoismus und Durchsetzungsvermögen, Diplomatie, Selbstaufgabe und dabei niemals die eigenen Ziele aus den Augen zu verlieren, sind imposant dargestellte Elemente des Lebens in Marokko.
Mosebach dreht den Spieß um. Aus Deutschland lässt er seinen Protagonisten in die nordafrikanische Welt fliehen. Alles ist ihm fremd. Er versteht die Codes nicht, muss sich abhängig machen, um zu überleben. Er muss lernen, schauen und zulassen, bevor er wieder stark genug ist, in sein Leben zurückzukehren.

Hoch zu loben ist dieser Roman, der viele Facetten hat, aber uns hauptsächlich einen tiefen Einblick in eine unbekannte Gesellschaft liefert, und das Ganze ohne Klischee. Für Literaturkreise bestens geeignet.

Signatur: SL
Schlagworte: Marokko | Asyl | Fremdheit
Bewertung: +++
Rez.: Dirk Purz

Sachbücher für Erwachsene

Diaby, Karamba: Mit Karamba in den Bundestag. Mein Weg vom Senegal ins deutsche Parlament. Mit Eva Sudholt. Hamburg: Hoffmann & Campe 2016. 222 S. : 22 cm. ISBN 978-3-455-50420-0, geb.: 20,00 €

Ein Senegalese kommt zum Studium in die DDR, erlebt die Wende und wird als promovierter Chemiker Bundestagsabgeordneter.

Diaby, Jahrgang 1961, wuchs als Waisenkind in einer gut funktionierenden Großfamilie im Senegal auf. Als sehr guter Schüler bekam er im französischsprachigen System seines Landes ein Stipendium für die weiterführende Schule. Ein Stipendium der DDR brachte ihn 1985 nach Halle. Da er seine Promotion über industriebedingte Bodenbelastungen in Schrebergärten schrieb, lernte er die deutsche Gesellschaft auch auf der Graswurzelebene kennen. Auf die neuen Freiheiten in der BRD konnte er sich bald einstellen. Mehr Probleme machte ihm die bald einsetzende Fremdenfeindlichkeit. Trotzdem schaffte er es dank seiner hohen kommunikativen und fachlichen Kompetenz zuerst in den Rat der Stadt Halle und dann in den Bundestag. In seinem Buch vermittelt er auf unterhaltsame Weise wesentliche Hintergründe des Lebens im Senegal, der Beziehungen zu Deutschland sowie zum Leben eines Afrikaners in Deutschland und zur Arbeit eines Politikers.

Die zum Teil anekdotenhafte Biografie verschafft gute Einblicke in die Folgen der Globalisierung und die Chancen des Austauschs sowie der gegenseitigen Anerkennung.

Signatur:
Bb
Schlagworte: Einwanderung | Senegal | Deutschland | Politik
Bewertung: ++
Rez.: Rüdiger Sareika

Kowaluk, Agnieszka: Du bist so deutsch! Mein Leben in einem Land, das seine Tugenden nicht mag. München: Riemann 2014. 223 S. : 21 cm. ISBN 978-3-570-50166-5, kt.: 16,99 €

Mit Kenntnis und Einfühlung hält uns die Autorin den Spiegel vor - ein Glücksfall für unsere Selbsterkenntnis und unseren Umgang mit Fremden.

Agniezka Kowaluks Blick „von außen“ auf unsere Befindlichkeiten ist erkenntnisreich, humorvoll – und lesenswert! Wie der in Polen erfolgreiche deutsche Kabarettist Steffen Möller den Menschen in Warschau, Krakau und anderswo einen Spiegel vorhält, so notiert Autorin Kowaluk ihre Erfahrungen in unserem „Land, das seine Tugenden nicht mag“. Dass die auch als Übersetzerin tätige vielbelesene Journalistin auf einen großen Fundus literarischer gesellschaftlicher Abhandlungen zurückgreifen kann, verbreitert die philosophische Basis ihres Werks noch. Und ihre feinen Beobachtungen hierzulande und häufige Vergleiche mit dem Lebensstil in ihrer Heimat Polen zeigen, dass wir eben doch oft anders sind, als man zu wissen glaubt. Besser! Der öffentliche Raum, auf den Plätzen der Städte etwa, sei in Deutschland beispielsweise viel lebendiger als anderswo, verweist Kowaluk auf quirlige Straßencafes und bunte Wochenmärkte. Das ist durchaus eine neue Sichtweise für uns (West-) Deutsche, die wir traditionell eher nach Westen (die Boulevards in Paris) und Süden (die Straßencafes in Rom) schauen und im Vergleich mit der dortigen Kultur oft Defizite beim „Savoir vivre“ beklagen. Vom Osten des zusammenwachsenden Europas betrachtet stellt sich die Welt ein bisschen anders dar. So zeigt uns Agniezka Kowaluk Aspekte eines Lebensstils auf, den sie mag und über dessen Wert wir uns (trotz Stress, Ärger und Unzufriedenheit, die uns so oft quälen) auch im Klaren sein sollten. Die in München lebende Autorin hat eine Art Liebeserklärung an ihre Wahlheimat geschrieben, die die hier vorherrschende eher kritische Selbsteinschätzung ein wenig zurechtrückt. Wir sind entspannter, als wir denken.

Gut lesbar werden hier soziologische und kulturelle Aspekte des zusammenwachsenden Europas angesprochen. Spannend, informativ und mit positiver Lebenseinstellung hat Agnieszka Kowaluk ein Buch geschrieben, das gerade auch für kirchliche Büchereien eine lohnende Anschaffung ist.

Signatur: Sb
Schlagworte: Fremdheit | Mentalität | Toleranz
Bewertung: +++
Rez.: Klaus Frieling

Ribbat, Christoph: Deutschland für eine Saison. Die wahre Geschichte des Wilbert Olinde Jr. Berlin: Suhrkamp 2017. 269 S. : Ill. ; 22 cm. ISBN 978-3-518-42772-9, geb.: 24,00 €

Lebensgeschichte des Wilbert Olinde, der als Basketballer in die Bundesrepublik kam und als Mensch hier blieb.

Christoph Ribbat spannt mit den Mitteln der Vorausdeutung und der Rückblende - meist im Stil der Reportage – einen zeitlichen Bogen, der sich vom Ende des 18. Jahrhundert bis ins Jahr 2017 zieht. Dabei tritt der Verfasser bis zum letzten Kapitel hinter die Geschichte zurück. Die Geschichte handelt auf mehreren inhaltlichen Ebenen, die miteinander verknüpft werden. Es ist nicht nur die Geschichte des Wilbert Olinde und seiner Familie, sondern auch die der klassischen und modernen Sklaverei, die des amerikanischen und des deutschen Rassismus, die der Migration innerhalb der USA (von den 20er bis zu den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts), die der Migranten in Deutschland.  Es ist auch die politische und kulturelle Geschichte der Nachkriegszeit in den USA und der Bundesrepublik und natürlich im Kern: die vergleichsweise kurze Geschichte des Basketballs in der Bundesrepublik. Dies alles bildet den Rahmen der Entwicklung des heute zweiundsechzigjährigen Wilbert Olinde, der sich in seinem Leben durch äußere Einflüsse und Schicksalsschläge mehrmals neu erfinden musste.
Das Buch richtet sich nicht nur an Basketballfans, sondern an alle, die an den gegenwärtigen gesellschaftlichen Problemen interessiert sind.

Sehr empfohlen.

Signatur:
Bb
Schlagworte: Deutschland | 1970er | Basketball | Rassismus
Bewertung: +++
Rez.: Reinhold Zenke