Der Erinnerungsfälscher

Abbas Khider

Philosophisch-politische Aufarbeitung eines Lebenstraumas durch Verfolgung, Flucht und Heimatlosigkeit.

Der irakische Schriftsteller Said Al-Wahid hat seit Jahren schon einen deutschen Pass und lebt mit Frau und Sohn ein bürgerliches Leben in Berlin. Als ihn der Anruf seines Bruders aus Bagdad erreicht, seine Mutter liege im Sterben, bucht er umgehend einen Flug in den Irak. Auf der Reise überfluten ihn die Erinnerungen an seine Kindheit in Bagdad, seine Flucht als junger Mann über Jordanien und Libyen nach Europa und seine Jahre als Flüchtling in Deutschland. Aber ist auf sein Gedächtnis Verlass? Seine Erfahrungen haben Said so traumatisiert, dass er seine Erinnerungen verdrängt hat und seine Gedächtnislücken mit Erfundenem füllt. Die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen und Said, zunächst verstört ob seiner klaffenden Erinnerungslücken, spürt, dass der Schmerz nur so erträglich für ihn ist. Differenziert erzählt Abbas Khider, der selbst in Bagdad geboren wurde und seit 2000 in Deutschland lebt, ein universelles Flüchtlingsschicksal, einer Flucht, die nie zu Ende ist. 

Geeignet für: Ein sprachlich und inhaltlich überzeugender schmaler, aber ungeheuer intensiver Roman über den Überlebensmechanismus subjektiver Erinnerungen, auch für Lesekreise gerne empfohlen. 

Bewertung: 3/3   

Rezension von:   
Christine Heymer


Preisgeb.: 19,00 €
Erscheinungsjahr2022
VerlagHanser
Originalsprachedeutsch
Übersetzer:in--
Seitenzahl125 Seiten
ISBN978-3-446-27274-3
SignaturSL
SchlagworteFluchterfahrung / Identität / Heimatlosigkeit