30 Jahre Mauerfall

Am 9. November jährt sich der Mauerfall zum 30. Mal. Aus diesem Anlass haben wir eine Auswahl aktueller Titel zum Thema zusammengestellt.

Anregende Lesestunden wünscht

Ihr Eliport-Team

 

Für Kinder und Jugendliche

Mit dem Ballon in die Freiheit. Kristen Fulton. Ill. von Torben Kuhlmann. Dt. von Jakob Hein u. Lisa Heilig. Ravensburg: Ravensburger Buchverl. 2019. O. Pag. : überw. Ill. ; 29 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-473-44719-0, geb.: 20,00 €

Von der spektakulären Flucht zweier Familien mit dem Heißluftballon aus der DDR in den Westen.

Die Flucht der Familien Wetzel und Strelzyk im Heißluftballon aus der DDR war 1979 eine Sensation; verfilmt 1980/82 und 2018. Jahre später hat die Autorin Günter Wetzel besucht, seine Geschichte hier nacherzählt. Torben Kuhlmann hat sie in eindrucksvolle fotorealistische Aquarellbilder gebannt.  Sie lassen das Wagnis aus Sicht des kleinen Peter miterleben: wie geplant wurde, die Nähmaschine nachts ratterte, wie der Ballon im dunklen Wald sich aufblähte, endlich unter dem Scheinwerferlicht der nahenden Grenzpolizei aufstieg, die Familien forttrug und jenseits im Walddickicht mit leeren Gasflaschen stranden ließ. Erst am vorbeifahrenden Polizeiauto erkannten sie: sie waren im Westen! - Das Buch bietet eine faszinierende Mischung aus Spannung und Information, lässt Kinder von heute das Ausmaß des historischen und technischen Wagnisses nachvollziehen, Not und Ängste der Menschen dahinter hautnah empfinden. Vier Seiten im Anhang liefern dazu das technische wie auch das politische Know-How.

Kindern von heute zu erzählen, wie es war, als es in Deutschland noch die Mauer gab, bleibt ein wichtiges Thema! Die Fluchtgeschichte bietet dazu einen spannenden Ansatz. Für alle.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Flucht | DDR
Bewertung: +++
Rez.: Heide Germann

Schädlich, Susan: Wie war das in der DDR? Einblicke in die Zeit des geteilten Deutschlands. Ill. von Alexander von Knorre. Hamburg: Carlsen 2019. 48 S. : Ill. ; 19 cm. ISBN 978-3-551-25169-5, kt.: 5,00 €

Die DDR – Fakten, Hintergründe und Erlebnisberichte für das Grundschulalter.

Durch die abwechslungsreiche Art von Bild und Schrift, von persönlichen Erfahrungen und Sachinformationen ist unter fachlicher Beratung ein überzeugendes Büchlein zum Thema DDR für Kinder ab 8 Jahren entstanden. Wie kam es zur Teilung? Wie wurde Deutschland aufgeteilt? Welche Gesellschaftsform entwickelte sich? Wie war der Alltag der Kinder in der DDR? Wie kam es zur Wiedervereinigung? All diese Fragen und noch mehr werden kurz und unterhaltsam beantwortet und bebildert mit der Aufforderung an den kindlichen Leser, selber DDR-Forscher zu werden und weiter in Büchern, in Gesprächen mit Zeitzeugen oder Filmen den ersten Eindruck zu erweitern. „Wichtig ist, dass ihr verschiedene Seiten zusammentragt, um ein vielschichtiges Bild zu erhalten. Denn die DDR war kein einfaches Land.“

Als Anregung zum Thema „DDR – und was geschah vor 30 Jahren?“ für Grundschulkinder sehr empfehlenswert. Besonders im „Jubiläumsjahr“ 2019 breit einsetzbar als erster Einblick ins Thema.

Signatur: Ju 1
Schlagworte: Deutsche Teilung | DDR | Wiedervereinigung
Bewertung: +++
Rez.: Karin Steinfeld-Bartelt

Burger, Judith: Gertrude grenzenlos. Ill. von Ulrike Möltgen. Hildesheim: Gerstenberg 2018. 235 S. : Ill. ; 23 cm. ISBN 978-3-8369-5957-5, geb.: 12,95 €

Grenzenlos – so ist auch die Freundschaft zwischen Ina und Gertrude.


Judith Burger thematisiert die besondere Freundschaft zwischen den beiden Mädchen in der DDR auf eine anrührende Art. Auch wird spannend dargestellt wie die Freundschaft der Mädchen durch einen Ausreiseantrage von Gertrudes Eltern beeinflusst wird. Es ist ein tolles Buch über eine Freundschaft fürs Leben.

Signatur: Ju 2
Schlagworte: Freundschaft | DDR
Bewertung: +++
Rez.: Mareike Ernst

Gehm, Franziska: Pullerpause in der Zukunft. Leipzig: Klett Kinderbuch 2019. 226 S. : Ill. ; 21 cm. ISBN 978-3-95470-209-1, geb.: 14,00 €

Zwei Kinder aus der DDR gehen auf Zeitreise in das wiedervereinigte Deutschland.

In seinem ersten Band über die DDR hat der Autor seine Hauptfigur Jobst zusammen mit seiner Mutter auf eine Zeitreise in das Jahr 1986 geschickt. In diesem Band holt Jobst seine Freunde Letscho und Jule mit Hilfe seines Zeitreisekoffers aus der DDR in die Gegenwart. Ziel ist es, das Theater von Jules Vater zu retten, das ausgerechnet von Letschos erwachsenem Ich gekauft werden soll ...
So liebenswert verrückt wie der Plan ist auch die ganze Geschichte. Denn natürlich bleibt es nicht ohne Konsequenzen, wenn die beiden Kinder aus der DDR mit dem wiedervereinigten Deutschland konfrontiert werden. Statt Soljanka, LPGs und Jungpionieren gibt es nun Donuts, Backshops und modische Teenager. Für besonders viel Verwirrung sorgen Internet und Smartphone. Doch dank eines Youtube-Films und der Mitarbeit von Letschos eigenen Kindern schaffen es die drei Freunde nicht nur, das Theater zu retten, sondern gleichzeitig auch Letschos erwachsenes Ich an dessen jugendliche Träume zu erinnern.

Völlig unverkrampft und mit jede Menge Witz holt das Buch die ehemalige DDR in die Gegenwart. Eine gute Möglichkeit, Kindern ein Gefühl für diese besondere Zeit zu vermitteln. 

Signatur: Ju 2
Schlagworte: DDR | Freundschaft
Bewertung: +++
Rez.: Amelie Sareika

Kummer, Dirk: Alles nur aus Zuckersand. Hamburg: Carlsen 2019. 137 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-551-55390-4, geb.: 12,00 €

Erzählung von einer Freundschaft, die an der Ausreise des einen Freundes aus der DDR in die BRD zu zerbrechen droht.

Falkensee, ganz nahe an der strengstens überwachten Grenze zur BRD - dort leben 1979 Fred und Jonas. Sie sind 10 Jahre alt, beste Freunde und Blutsbrüder. Doch während Freds Familie regimetreu ist, hat Jonas' Mutter für sich und Jonas einen Ausreiseantrag gestellt. Fred und Jonas ist klar, dass die Mauer, deren Unüberwindlichkeit und Auswirkungen sie tagtäglich erleben, sie bald voneinander trennen wird. Da beginnen sie in einer alten Ziegelei einen Tunnel in den feinen zuckerähnlichen Sand zu graben, der bis nach Australien reichen soll, so dass Fred von Falkensee her und Jonas, der aus Westdeutschland nach Australien reisen kann, sich wiedersehen können.
Dirk Kummers Buch ist auf der Grundlage seines gleichnamigen Films entstanden, was man ihm leider abspürt. Die Charaktere und Elemente der knappen Erzählung sind originell angelegt, bleiben aber eher oberflächlich und eindimensional und werden sprachlich zu wenig vertieft und mit Zwischentönen ausdifferenziert.

Meine Empfehlung an die Büchereien wäre, sowohl das Buch als auch den gleichnamigen Film zur Verfügung zu stellen, da die Bilder des Films die Erzählung eindrücklich ergänzen.

Signatur: Ju 2 | Ju 3
Schlagworte: DDR | Mauer | Freundschaft
Bewertung: +
Rez.: Anne Rank

Linke, Dorit: Wir sehen uns im Westen. Hamburg: Carlsen 2019. 103 S. ; 19 cm. (Carlsen Clips). ISBN 978-3-551-31841-1, kt.: 4,99 €

Berlin,  9. November 1989 - ein historisches Datum. Und eine Schriftstellerin erinnert sich, wie es war ...

Es ist die Geschichte dieser Nacht zum Anfassen, erzählt aus der Sicht zweier Jugendlicher, die einander lieben. Aber Nina ist mit ihren Eltern in den Westen ausgereist, Lutz ist jenseits der Mauer geblieben – hoffnungslos, wie sie denken. Und dann diese Nacht, in der sich die Mauer öffnet und nicht mehr schließen wird. Aber Letzteres weiß man noch nicht wirklich, und so machen sich beide, im Wechsel erzählend, unabhängig voneinander auf den Weg, den Anderen zu suchen – und fahren erst mal aneinander vorbei ... Es ist eine einfach geschriebene Geschichte, die in Lutz und Nina ihren Lesern perfekte Identifikationsmöglichkeiten bietet und sie unmittelbar an den Geschehnissen teilhaben lässt; sie vermittelt aber nicht nur ein minutiöses Bild der äußeren Ereignisse, sondern vielmehr auch der komplexen Welten und Denkweisen, der Kulturen und Glaubenskonzepte beider Teile. Ganz ohne Klischees und einfühlsam ein Roman über Liebe, Beziehungen, Ängsten und das Gewaltpotenzial von Menschen.

Vorschlag als Schullektüre beim Thema neue deutsche Geschichte; auch empfohlen als Diskussionsgrundlage im heutigen angespannten Verhältnis Ost-West.

Signatur:
Ju 3
Schlagworte: Deutsche Geschichte | Wiedervereinigung | Ostberlin | Liebe
Bewertung: ++
Rez.: Astrid van Nahl

Stein, Maike: Ein halber Sommer. Hamburg: Oetinger 2019. 268 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-7891-1051-1, geb.: 19,00 €

Lennie und Marie verlieben sich im Frühsommer 1961 im bald getrennten Berlin und stehen vor einer schweren Entscheidung.

Das Berlinern und die sprachliche Gestaltung gelingen gut und passen in eine atmosphärische Schilderung, die eine intensivere historische und emotionale Tiefenschärfe gut vertragen hätte. Marie und Helene wachsen ohne Mutter und kleinem Bruder bzw. ohne Vater auf. Es wird über die im Leben fehlende Person zuhause nicht gesprochen; auch nicht über die politische Lage. Stille, Schweigen. Zufällig lernen sich die fast erwachsenen Mädchen kennen und erfahren eine Liebe, auf die sie nie gehofft hätten. Heimliche Treffen - und dann die Errichtung der Mauer, die Ost und West und damit sie beide trennt. Gibt es eine Lösung?
Zu viele wichtige Themen sollen verarbeitet werden - doch eigentlich geht es der Autorin um eine Liebesgeschichte, deren zarte Beschreibung zunehmend redundant wirkt. Die wichtigen Dilemmata rücken zu wenig ins Zentrum dieser durchaus unterhaltsamen Lektüre, die mit wenig Überraschungen auskommt. Das bunte Cover trifft den Schwerpunkt der Geschichte gut.

Ein Mädchenschmöker für einen regnerischen Nachmittag, der vom den Sommer und der ersten Liebe träumen lässt.

Signatur:
Ju 3
Schlagworte: Liebe | Homosexualität | DDR | Berliner Mauer
Bewertung: +
Rez.: Frauke Thees

Breinl, Juliane: Mein Mauerfall. Von der Teilung Deutschlands bis heute. München: arsEdition 2019. ISBN 978-3-8458-3191-6, : 15,00 €

Mithilfe seiner Familie aus Ost und West erfährt der 12-jährige Theo eine Menge über Deutschland und die Wiedervereinigung.

Der Riss des geteilten Deutschlands geht direkt durch Theos Familie. So hat der 12-Jährige jede Menge Fragen. Opa und Tante aus Ost-Deutschland, Eltern und Oma aus dem Westen waren hautnah dabei. Aus ihrer Warte schildern sie die Nachkriegszeit, die Teilung Deutschlands, den Bau der Grenzanlagen, das Alltagsleben in der DDR und in der Bundesrepublik, die Proteste des Volkes, die Wiedervereinigung u. v. m. In jugendgerechter Sprache wird das thematisiert, was die Ziellesegruppe sicher interessiert. Farblich abgesetzte Infoboxen informieren ausgewogen z.B. über den kalten Krieg oder die parlamentarische Demokratie; Augenzeugenberichte in Form von Aufsätzen, Interviews oder Briefen veranschaulichen die Einzelheiten, flankiert von Fotos, Illustrationen etc. Hinweise auf YouTube-Filme, ein abwechslungsreiches Layout, Denk- und Sprechblasen, sowie leere Blätter zum Eintragen eigener Erinnerungen komplettieren das hoch interessante Buch anlässlich des 30. Jahrestags des Mauerfalls am 9. November.

Ganz auf Augenhöhe der Zielgruppe, Jungen und Mädchen ab 10 Jahren, wird ein wichtiger historischer Abschnitt verständlich gemacht. Unbedingt einstellen!

Signatur: Js
Schlagworte: Mauerfall | Deutsche Geschichte | Wiedervereinigung
Bewertung: +++
Rez.: Martina Mattes

Für Erwachsene

Annas, Max: Morduntersuchungskommission. Roman. Hamburg: Rowohlt Hundert Augen 2019. 345 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-498-00103-2, geb.: 20,00 €

Dieser erste Großkrimi aus der DDR ist ein durch und durch politisches Buch.

Seit 2014 hat Max Annas vier Kriminalromane veröffentlicht. Drei wurden mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet. Der neue Roman schließt in Thematik und Qualität nahtlos an. Annas, der einige Jahre in der DDR lebte, lässt einfühlsam die politische und gesellschaftliche Lage in der DDR der Vorwendezeit lebendig werden. Die Routinearbeit der Morduntersuchungskommission wird unterbrochen als 1983 an einem Bahngeleis die Leiche eines Vertragsarbeiters aus Mozambique gefunden wird. Annas bezieht sich auf einen bis heute ungeklärten historischen Kriminalfall. Die Ermittler gehen verschiedenen Spuren nach, stoßen aber immer wieder auf Schweigen. Ausländerhass gibt es in der DDR offiziell nicht. Neonazis erst recht nicht. Als der Verdacht auf neonazistische DDR-Bürger fällt, wird das Verfahren von höchster politischer Stelle eingestellt. Was nicht sein soll, darf nicht sein. Soll der brutale Mord ungesühnt bleiben? Ein Mitglied der Kommission ermittelt weiter und gerät in Gefahr.

Ein spannender Krimi und zugleich ein gesellschaftskritisches Buch. Sehr zu empfehlen!

Signatur: SL
Schlagworte: Krimi | Rassismus | Justiz | DDR
Bewertung: +++
Rez.: Karl Foitzik

Baumheier, Anja: Kastanienjahre. Roman. Hamburg: Wunderlich 2019. 411 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-8052-0756-0, geb.: 20,00 €

Eine kleine Dorfgemeinschaft erlebt die Entstehung und den Verfall der DDR.

Seit über 20 Jahren lebt Elise in Paris. Eines Tages erhält sie einen Brief von einem anonymen Freund, der sie darum bittet, noch einmal in ihr mecklenburgisches Heimatdorf Peleroich zurückzukehren. Dort soll sie erfahren, was damals zu DDR-Zeiten wirklich geschah. Warum ihr Vater starb und ihr damaliger Geliebter spurlos verschwand. Für Elise beginnt eine schmerzvolle Reise in die Vergangenheit. Mittlerweile ist das ehemalige Vorzeigedorf dem Verfall preisgegeben. Nichts erinnert mehr an das aufstrebende Lebensgefühl von 1950, als sich Elises Eltern kennenlernten. Sie, wie die anderen Dorfbewohner sollten in den kommenden Jahren die zunehmende Durchdringung des DDR-Systems bis in ihr privates Leben hinein miterleben.Die Geschichte der DDR, der Wende und der Gegenwart wird hier im Mikrokosmus eines kleinen fiktiven Dorfes beschrieben. Der historische Bogen ist weit gespannt, weshalb die Menschen mit ihrem Lebensgefühl zum Teil etwas flüchtig in Erscheinung treten.

Eine Liebesgeschichte, die im Zeitalter der DDR spielt - gut recherchiert und erzählt, ohne wirklich weh zu tun. Mit einem Personenregister zum Nachschlagen. 

Signatur: SL
Schlagworte: DDR | Flucht | Vergangenheitsbewältigung
Bewertung: +++
Rez.: Juliane Deinert

Gregor, Susanne: Das letzte rote Jahr. Roman. Frankfurt am Main: Frankfurter Verl. - Anst. 2019. 222 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-627-00263-3, geb.: 22,00 €

Eine Erwachsenwerden-Geschichte dreier 14-jähriger Freundinnen in der Tschechoslowakei, zwischen Mai ’89 und Jahresende.

Mai 1989: Miša, Rita und Slavka sind 14-jährige Freundinnen und leben im gleichen Haus im tschechoslowakischen Žilina. Aus Mišas Blick wird erzählt: Über die Eltern, deren Berufe, Konflikte, Einstellungen zum System, zur Mangelwirtschaft, zu fehlenden Politik-Infos. Über Slavka, die bis zu einem Unfall für ihre Sportkarriere lebt. Über die rätselhafte Rita, die sich stets für irgendetwas begeistert und seien es Krankheiten aus West-Paketen. Denn Mišas Vater bringt Souvenirs von beruflichen West-Reisen mit. Auch Slavkas Vater, ein Sportler, der nach Schweden floh, schickt Pakete. Eine Satellitenschüssel wird zum Weltpolitik-Tor. Aber auch vor Ort brodelts. Miša sieht, wie nun neues Denken, Überlegungen, Ängste ihr Umfeld und sie selbst beeinflussen. Gehirnwäsche durch Sozialisten hier und Konsumglaube dort, wird diskutiert. Alles verändernde Ereignisse folgen: die Flucht von Mišas Bruder (18) mit Rita in den Westen, Slavkas Lehrer-Affäre und ein neuer Job von Mišas Vater in Österreich.

All das genau geschildert, aber in einem Stil, der hervorragend leicht, locker und rasant wirkt. Gern empfohlen für weibliche Leser ab 15 Jahre, auch Schulbüchereien.

Signatur: SL | Ju 3
Schlagwort: 1989 | Tschechoslowakei | Mädchen-Freundschaften | Lebensveränderungen
Bewertung: +++
Rez.: Delia Ehrenheim-Schmidt

Rikl, Claudia: Der stumme Bruder. Kriminalroman. Reinbek: Kindler 2019. 472 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-463-40707-4, kt.: 14,99 €

Unbewältigte Vergangenheit - auch 30 Jahre nach der Wende noch ein Thema.

30 Jahre nach der Wende in Mecklenburg: Das Leben des Kriminalhauptkommissars Herzberg scheint völlig aus den Fugen zu geraten. In seiner Neubrandenburger Dienststelle gilt er als Verräter und Nestbeschmutzer, seine Ehe besteht nur noch auf dem Papier. So unterläuft ihm ein folgenschwerer Fehler. Als er eine versäumte Zeugenbefragung nach zwei Tagen nachholen will, wird der Zeuge gerade beigesetzt. Herzberg entdeckt Auffälligkeiten am Leichnam, die Beerdigung wird gestoppt. Herzberg und seine Kollegin scheitern immer wieder an dem Dickicht aus Mauscheleien, alten Seilschaften, unbewältigter Vergangenheit und den Ehrlichen, die an den korrupten Wendehälsen verzweifelt sind. Es entwickeln sich zahlreiche Handlungsstränge, man benötigt politisches Interesse und einen langen Atem, um Herzberg bei den Ermittlungen folgen zu können, die Beschreibung einer zerrissenen Gesellschaft im Osten Deutschlands geht unter die Haut, das Genre "Kriminalroman" greift hier viel zu kurz, schade.

Geeignet für ausdauernde Leser, die sich mit gesellschaftskritischen Kriminalromanen auseinandersetzen wollen.

Signatur: SL
Schlagwort: Geschichte | Krimi | DDR | Wende
Bewertung: ++
Rez.: Christiane Weppner

Schneider, Nadine: Drei Kilometer. Roman. Salzburg: Jung & Jung 2019. 151 S. ; 19 cm. ISBN 978-3-99027-236-7, geb.: 20,00 €

Sommer 1989 im Banat in Rumänien. Ein Sommer der Liebe, der Angst, des Misstrauens und der Flucht. Nur: wohin?

Das Rumänien der achtziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts war ein Land der Gegensätze und der Not. Hier hatte der Sozialismus ein hässliches Gesicht: die Diktatur der Ceaucescus hatte Land und Leute an den Rand des Untergangs getrieben. Mangel an Grundsätzlichem war keine Seltenheit. Die Überwachung durch die Securitate überzog das Land mit Angst. Die Ausreisewellen der Siebenbürger Deutschen, die Fluchtbewegungen auf illegalen Wegen ließen Dörfer veröden. Die junge Autorin hat die Erinnerungen ihrer Eltern zu einem bewegenden kleinen Buch gemacht, das dicht und spannend die letzten Monate vor den Aufständen im Herbst 1989 erzählt. Ein malerisches Dorf mit weisen alten Frauen ist das Zuhause der sich nach einer unbekannten Freiheit sehnenden jungen Generation, die ihren Weg durch den Mais sucht, um auf der anderen Seite ein jugoslawisches Dorf zu erreichen und so den Weg in den Westen zu finden. Aber gelingt die Flucht? Und ist es da draußen wirklich gut? Manche kehren zurück. Wie?

Ein Buch zum Herbst 2019: eine andere Perspektive auf die Umbrüche im Osten.

Signatur: SL
Schlagwort: Rumänien | Jugend | Flucht | Angst
Bewertung: +++
Rez.: Christiane Thiel