ARD Themenwoche 2018 "Gerechtigkeit"

Mühle, Jörg: Zwei für mich, einer für dich. Frankfurt: Moritz 2018. O. Pag. : überw. Ill. ; 25 cm. ISBN 978-3-89565-357-5, geb.: 12,95 €

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte…

Der Bär findet im Wald drei Pilze, die er stolz mit nach Hause nimmt. Dort bereitet das Wiesel aus den Pilzen ein köstliches Mahl. Doch dann gibt es Streit, denn wie soll man drei Pilze gerecht aufteilen? Der Bär meint Anrecht zu haben auf zwei der drei Pilze, denn er ist groß und hat außerdem die Pilze gefunden. Das Wiesel sieht das ganz anders. Es ist klein und muss noch wachsen und sollte aus diesem Grund zwei der drei Pilze essen dürfen. Außerdem hat es ja gekocht. So streiten beide ein Weilchen und bemerken nicht, dass sich inzwischen der listige Fuchs angeschlichen hat, der sich ganz schnell den dritten Pilz schnappt und isst. Verdutzt vergessen sie nun ihren Streit, bis zum Nachtisch. Denn da gibt es drei Waldbeeren. Geht es nun wieder von vorne los? – Streit ums Teilen, ein leidiges Thema für Kinder und Erwachsene. Dieses Bilderbuch mit ausdrucksstarken, aber nicht überfrachteten Illustrationen nähert sich dieser, für Kinder erkennbaren, Situation auf eine humorvolle Weise.

Dieses Buch bietet sich an, um mit Kindern übers Teilen, über einen fairen Umgang miteinander und Gerechtigkeit zu sprechen und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Teilen | Streiten | Gerechtigkeit
Bewertung: +++
Rez.: Helena Schäuble

Klassen, Jon: Wir haben einen Hut. Dt. von Thomas Bodmer. Zürich: Nord-Süd Verl. 2017. O. Pag. : überw. Ill. ; 29 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-314-10387-2, geb.: 16,00 €

Zwei Schildkröten finden einen Hut, den beide Tiere schön finden und gerne hätten. Was ist zu tun? 

Jon Klassen beherrscht die Kunst,  mit in Wort und Bild stark reduzierten Stilmitteln zum Nachdenken anzuregen meisterlich. Nach „Wo ist mein Hut“ (2012) und „Das ist nicht mein Hut“ (2013) rankt sich nun wieder alles um einen Hut. In drei kleinen Teilen wird die kurze Geschichte erzählt, aber was da an Fragen und Überlegungen angestoßen wird, beschäftigt die Menschen ein Leben lang. Zwei Schildkröten, die sich nur durch die Zeichnung des Panzers unterscheiden, finden gemeinsam einen Hut. Der steht beiden gleich gut. Ist es in Ordnung, wenn nur eine den Hut bekommt und die andere nichts hat? Wie entstehen Neid und Missgunst? Wie kann eine gutes soziales Miteinander gelingen? Was gibt es für Lösungen, wenn die eigenen Wünsche und Bedürfnisse im Gegensatz stehen zu denen der anderen? Gibt es Gerechtigkeit nur in idealistischen Traumvorstellungen? Graue Farbtöne, ein einfacher, aber wohl überlegter Bildaufbau, kurze Sätze – mehr braucht es nicht, um nachzudenken über unser Miteinander.        
       
Ein schöner Gesprächsanlass für alle ab 4 J., gut geeignet auch für den Einsatz in der Kita zu den genannten Themen.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Gerechtigkeit | Miteinander | Bedürfnisse
Bewertung: +++
Rez.: Heidrun Martini

Boie, Kirsten: Der kleine Ritter Trenk. Ill. von Barbara Scholz. Hamburg: Oetinger 2006. 275 S.: Ill.; 22 cm. ISBN 978-3-7891-3163-9, geb.: 15,90 €

Erfolgreich begehrt Trenk gegen das Leben eines Leibeigenen auf.

Der siebenjährige Bauernsohn Trenk erlebt täglich, wie hart das Leben für Leibeigene ist. Das zugeteilte Stück Land kann die Familie kaum ernähren, und der Vater wird bestraft, weil er den Zins nicht zahlen kann. Die Aussicht, dass sein Leben später so aussehen wird, lässt Trenk aufbegehren. Er zieht heimlich in die Stadt, um dort ein neues Leben zu beginnen, und trifft den Rittersohn Zink. Trenk schlüpft in die Rolle von Zink und erlebt gemeinsam mit dessen Cousine Thekla zahlreiche Abenteuer, die beide mit Mut und Einfallsreichtum bestehen. Schließlich bringt Trenk den Fürsten sogar dazu, über Leibeigenschaft nachzudenken und sie aufzuheben. Kirsten Boie hat mit Trenk und Thekla zwei starke Identifi kationsfi guren für Jungen und für Mädchen geschaffen. Im Verlauf der Geschichte wendet sich die Erzählerin immer wieder direkt an die Leser, um sie auf Unterschiede zwischen dem heutigen Leben und dem im Mittelalter hinzuweisen und schwierige Sachverhalte zu erklären. Das gelingt ihr, ohne dass die Spannung verloren geht. Die einfachen und witzigen Aquarellbilder von Barbara Scholz unterstreichen die Handlung.

Die Geschichte eignet sich bestens zum Vorlesen für Kinder ab 7 J.

Signatur: Ju 1
Schlagworte: Ritter | Abenteuer | Gerechtigkeit
Bewertung: +++
Rez.: Eva Basler

Geld zu verkaufen! Lorenz Pauli. Ill. von Claudia de Weck. Zürich: Atlantis 2017. O. Pag. : überw. Ill. ; 30 cm. ISBN 978-3-7152-0727-8, geb.: 14,95 €

Das Sachbilderbuch zum Thema Geld dreht sich nicht nur um kaufen, handeln und tauschen sondern auch um Freundschaft.

Milan ist empört! Da hat die freche Alma ihm doch einfach ein paar Bretter aus seinem Woodpecker-XXL-Bausatz geklaut, um damit an ihrem eigenen Baumhaus weiterzubauen. Weil Alma kein Geld für eigene Bretter hat, schlägt Milan ihr vor, ihm bei seinem Baumhaus zu helfen - gegen Bezahlung! Doch weil das Bauen zusammen viel mehr Spaß macht, kaufen sie sich von Almas Lohn Limonade und haben gleich eine neue Idee: selber Geld machen, um sich davon im Baumarkt Seile für eine Strickleiter kaufen zu können. Doch für ihre selbstgemalten Geldscheine bekommen sie nur mit einem Trick die dringend benötigten Seile. Große, fröhlichen Illustrationen rahmen die Geschichte ein, die neben dem Thema Geld auch Werte wie Freundschaft und Gerechtigkeit vermittelt. Zu dem Sachbilderbuch können sich ErzieherInnen im Internet ausführliches Begleitmaterial herunterladen.

Das schöne Bilderbuch eignet sich sehr gut für Kindergärten und untere Grundschulklassen. Die kurzen Sätze können auch Leseanfänger bewältigen.

Signatur:
Jm 1
Schlagworte: Geld | Freundschaft | Konsum
Bewertung: +++
Rez.: Heike Nickel-Berg

Ani, Friedrich: Totsein verjährt nicht. Roman. Wien: Zsolnay 2009. 284 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-552-05470-7, geb.: 19,90 €

Ein Mord im Randgruppenmilieu unserer Gesellschaft. Was ist und wer schafft hier Gerechtigkeit? Eine Grenzerfahrung.

Ein geistig zurückgebliebener Jugendlicher hat den sexuellen Missbrauch und den Mord an einem Mädchen gestanden, aber später widerrufen. Auch sonst ist manches widersprüchlich: die Leiche des Mädchens wurde nie gefunden, Zeugenaussagen sind wacklig und "halbseiden". Aber das Urteil ist gefällt und die Bevölkerung beruhigt. Jahre später behauptet ein Freund des Mädchens die Ermordete wieder gesehen zu haben. Er wendet sich an Kommissar Polonius Fischer, den ehemaligen Mönch, der schon bei der ersten Ermittlung nicht glaubte, dass der verurteilte Junge auch der Mörder war. Fischer rollt nun gegen alle Widerstände von Kollegen und Zeugen den Fall neu auf. Dabei erfährt der Leser nicht nur die Geschichte eines Verbrechens, das vielen realen Vorkommnissen der Gegenwart entspricht, sondern noch viel mehr über die Zustände in unserer Gesellschaft: Für viele Menschen gibt es keine Bindekräfte und keine Kontrolle ihres Verhaltens mehr.

Ein Roman von ungeheurer Dichte und hohem Realitätsgehalt. Die Alltäglichkeit des Bösen bringt den Kommissar bei seinen Ermittlungen fast an den Rand des Wahnsinns.

Signatur: SL
Schlagworte: Gesellschaft | Böse | Gerechtigkeit
Bewertung: +++
Rez.: Rüdiger Sareika

Armstrong, Karen: Die Botschaft. Der Weg zu Frieden, Gerechtigkeit und Mitgefühl. Dt. von Christa Broermann und Stephan Gebauer. München: Pattloch 2012. 239 S. ; 21 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-629-13003-7, geb.: 18,00 €

Eine Anleitung zu mehr Mitgefühl als Schlüssel zu Frieden und Gerechtigkeit weltweit.

Der Grundsatz „Behandle andere Menschen so, wie du selbst behandelt werden möchtest“ ist allen Weltreligionen gemeinsam. Ausgehend von dieser Aussage versucht Karen Armstrong aufzuzeigen, wie es gelingen kann, Mitgefühl, Achtsamkeit und Nächstenliebe in den Lebensmittelpunkt zu stellen. Denn, so ihre These, Mitgefühl kann systematisch gelehrt und vermittelt werden. - In zwölf Kapiteln geht es unter anderem um die Themen „Lernen, was Mitleid ist“, „Achtsamkeit“, „Wie sollten wir miteinander sprechen“, „Sorge um alle Menschen“ und „Liebe deine Feinde“. Grundlage der Überlegungen der Religionswissenschaftlerin Armstrong sind dabei ihre im Buch präsentierten Analysen der verschiedenen Weltreligionen und Mythologien sowie die von ihr initiierte „Charta der Anteilnahme“, die im Jahr 2009 von Vertretern der sechs großen religiösen Gemeinschaften (Judentum, Christentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus und Konfuzianismus) erstellt und an sechzig verschiedenen Orten in der ganzen Welt in Umlauf gebracht wurde.

Frieden, der bei einem selber anfängt – ein nachdenkenswerter Gedanke, der das Buch insbesondere für Literaturkreise und Veranstaltungsarbeit gut geeignet erscheinen lässt.

Signatur: Ce | Cl
Schlagworte: Weltreligionen | Frieden  Gerechtigkeit | Anteilnahme
Bewertung: ++
Rez.: Caroline Peter

Hill, Reginald: Rache verjährt nicht. Roman. Dt. von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann. Berlin: Suhrkamp 2013. 683 S. ; 21 cm. (Suhrkamp Nova). Aus d. Engl. ISBN 978-3-518-46390-1, geb.: 19,99 €

7 Jahre saß Sir Wilfred unschuldig im Gefängnis. Jetzt will er Rache nehmen.

England im Jahre 2018 (!). Sir Wilfred, genannt Wolf, verbüßte unschuldig eine 7-jährige Gefängnisstrafe. Während dessen hat er alles verloren: Seine Familie, den guten Ruf, sein Vermögen und die Gesundheit. Er kehrt an den Ort seiner Kindheit in Cumbria zurück. Dort sieht man ihn durch die Wälder streifen, eine Axt über der Schulter (der Originaltitel heißt treffend: The Woodcutter). Zwei Menschen halten trotz allem fest zu ihm: eine junge Gefängnispsychologin und der Vikar seiner Heimatgemeinde. Das Ausmaß des fiesen Komplotts, dem Wolf zum Opfer fiel, wird allmählich aufgedeckt; die ersten Leichen tauchen auf. Dieser menschliche Alptraum zwischen zwei Buchdeckeln zählt zum Feinsten, was das Krimi-Genre in letzter Zeit zu bieten hatte. Virtuos lenkt der britische Autor (1936-2012) seine Leser auf falsche Fährten, offeriert rasante Wendungen und beschreibt Abgründe, bei denen es einem kalt über den Rücken läuft. Außerdem machen feinsinnige Gedanken über Recht, Moral und Loyalität das treffend formulierte Buch zu viel mehr als „nur“ zu einem erstklassigen Kriminalroman.

Ein Diamant unter den vielen fesselnden Krimis, die Liebhaber des Genres in ihrer Freizeit so gerne lesen.

Signatur: SL
Schlagwort: Vergeltung | England | Gerechtigkeit | Intrige
Bewertung: +++
Rez.: Martina Mattes

Sandel, Michael J.: Gerechtigkeit. Wie wir das Richtige tun. Dt. von Helmut Reuter. Berlin: Ullstein 2013. 413 S. ; 20 cm. Aus d. Amerikan. ISBN 978-3-550-08009-8, geb.: 21,99 €

Von welchen Grundsätzen lassen wir uns leiten, wenn wir etwas als gerecht oder ungerecht beurteilen?

Inzwischen sind seine Vorlesungen über Gerechtigkeit in vielen Ländern, durch seine Bücher, Internet und Lesereisen bekannt geworden. Sandel ist Professor für politische Philosophie an der Eliteuniversität Harvard und hat eine ungewöhnlich lebhafte unkonventionelle Art seine Zuhörer zu fesseln. Er stellt viele Fragen und verführt dazu, eigene Ansichten und Konventionen zu hinterfragen. Anhand aktueller Beispiele aus Politik und Tagesgeschehen vermittelt Sandel, welche Gedanken und Theorien jeweils zugrundeliegen. Ein spannendes, unterhaltsames, souverän, dabei verständlich geschriebenes wichtiges Buch vom Autor des Bestsellers "Was man für Geld nicht kaufen kann"; auch ein Appell, sich einzumischen in politische Entscheidugen und vor sicht selbst zu überlegen, was ist denn meine Maxime, wenn ich sage, das ist gerecht und jenes ungerecht und in welcher Gesellschaft wollen wir leben?

Als Diskussionsanregung in der Gemeindearbeit oder für den einzelnen Interessierten, durchaus auch nur auszugsweise gut einsetzbar - in Bibliotheken jeder Größe je nach Leserkreis.

Signatur: Se | Pa 3
Schlagworte: Gerechtigkeit | Gesellschaft | Ethik
Bewertung: +++
Rez.: Bettina Wolf

Selke, Stefan: Schamland. Die Armut mitten unter uns. Berlin: Econ 2013. 279 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-430-20152-0, geb.: 18,00 €

20 Jahre Tafel – Segen oder Armutszeugnis?

Stefan Selke, bekennender Tafelkritiker und bekannter Soziologe, reiste 2009 bis 2012 durch Deutschland, um sich verschiedene Tafeln anzusehen und mit betroffenen Tafelnutzern zu sprechen. Er nennt in seinem Buch Gründe für das Absinken aus der Normalität und beschreibt sehr glaubwürdig, was es heißt in Deutschland arm, und auf die Tafeln angewiesen zu sein.  Seiner Meinung nach erhalten und feiern die Tafeln sich selbst. Sie lindern die bestehende Armut nur, bekämpfen aber nicht die Ursachen, was eigentlich notwendig sei. Nicht die soziale Gerechtigkeit, sondern der Transport von Lebensmitteln stehe im Vordergrund. Der Staat delegiert seine sozialen Aufgaben an ehrenamtliche und private Organisationen, wie Tafeln, Suppenküchen und Kleiderkammern. Die Bedürftigen werden nur noch abgespeist und zu Bittstellern, was durch die vielen Interviews mit Betroffenen zum Ausdruck kommt. Sehr kritisch geschriebenes Buch, aber auch sehr glaubwürdig.

Für alle, die mehr über das System der Tafeln wissen und mitreden möchten.

Signatur: Sb | Sc
Schlagworte: Armut < Deutschland | Almosen | Gerechtigkeit
Bewertung: ++
Rez.: Susanne Witkavel