Interkulturelle Woche

Liebe Leserin! Lieber Leser!
Die 44. Interkulturelle Woche findet vom 22. bis 29. September 2019 statt. Sie steht unter dem Leitthema: „Zusammen leben, zusammen wachsen“.

Anregende Lesestunden wünscht

Ihr Eliport-Team

Bewertung:
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Jm 1 Bilderbücher

Fitzpatrick, Marie-Louise: Fledereule Eulenmaus. Frankfurt: Sauerländer 2017. O. Pag. : überw. Ill. ; 21 cm. ISBN 978-3-7373-5485-1, geb.: 14,99 €

Das Buch für die Augen zeigt das Zusammenfinden von Fledermaus- und Eulen-Familie und lädt zum Erzählen ein.

Ein echtes BILDER-buch, das ohne Worte eine zauberhafte Geschichte erzählt. Am Ast der Eulenfamilie findet eines Tages eine ebenso große Fledermausfamilie ihren Hängeplatz. Befremden, Neugier, Verunsicherung auf beiden Seiten sind bildlich herrlich festgehalten in kleinen Gesten und vor allem in den Augen. Als ein Sturm alle durcheinander wirbelt und in Lebensgefahr bringt, helfen sie sich und es beginnt ein vergnügtes Zusammenleben der Kinder, dem die Eltern entspannt zuschauen.
Die Bilder fangen Gefühle und Stimmungen wunderbar ein. Sie machen Lust aufs genaue Hinsehen, um die kleinen Veränderungen von Seite zu Seite wahrzunehmen.
Förderung von Sprache, Sehen und Vergleichen, Nachdenken über ein gutes Zusammenleben in Verschiedenheit – all das bietet dieses Buch, auf das Kinder außerdem mit „wie süüüß“ reagieren und Lust haben, es anzusehen.

In Familie und Kita sehr gut einzusetzen. Anders kann sehr gut sein! Das ist Sprach- und Wahrnehmungsförderung verbunden mit Spaß und Lust.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Toleranz | Freundschaft | Miteinander | textlos
Bewertung: +++
Rez.: Brigitte Messerschmidt

Kilaka, John: Schneller Hase. Ein Bilderbuch aus Tansania. Dt. von Maja Ruef. Basel: Baobab 2018. O. Pag. : überw. Ill. ; 22 cm. Aus d. Swahili. ISBN 978-3-905804-86-7, geb.: 15,90 €

Tingatinga-Malerei aus Tansania ist gewöhnungsbedürftig, aber überraschend. Eine Fabel aus Tansania über Kraft und Mut.

John Kilaka sammelt Geschichten seiner Heimat und bringt sie unter die Leute. Zum Glück. So kommen die, die das Buch ansehen, in den Genuss eines interkulturellen Leseerlebnisses, das Spaß macht und zugleich tief in die Zusammenhänge des Lebens verführt. Wenn alle Tiere Durst haben, aber das Krokodil, das den Fluss beherrscht, ein Opfer fordert, wer wird dann das Leben geben müssen? Es trifft die „kleinen Tiere" und von denen den Hasen. Aber dessen schnelle Beine retten ihn. Die Höhle, in der er Zuflucht findet, wird im Laufe der Geschichte auch zum Schutzort seiner Feinde. Kann das gut gehen? Wenn dann die kleine Maus noch die Idee des Ausräucherns hat? Wer kommt davon? Etwa alle? Und wie machen sie das?
Gibt es eine Strategie, wie sich die Kleinen gegen die Großen oder gar mit ihnen um das Leben bemühen? Das Buch stellt eine vor. Für Kinder erzählt. Für alle lesens- und bedenkenswert. Die Bilder dazu sind überraschend ungefällig und sperrig. Das reizt das Auge und das Herz.

Für Vorlesegruppe, Krabbelkirche, Eltern-Kind-Lesekreis.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Fabel | Afrika | Tansania | Miteinander
Bewertung: ++
Rez.: Christiane Thiel

Morgen kommt die Hyäne zum Essen. Nasrin Siege. Ill. von Barbara Nascimbeni u. Kerstin Meyer. Weinheim: Beltz & Gelberg 2019. 50 S. . überw. Ill. ; 28 cm. ISBN 978-3-407-81230-8, geb.: 13,95 €

Vergnüglich erzählte afrikanische Tiermärchen zum Vorlesen und Anschauen.

Kindern begegnet hier in fünf Märchen die ganze afrikanische Tierwelt, allerdings in ungewöhnlichen Rollen. Der listige Hase führt die Hyäne hinters Licht, das Nashorn kommt zu spät, als Gott allen Tieren ein farbiges Gewand näht und bleibt folglich grau, die Ameisen retten die grünen Blätter eines Baumes davor, von allen Tieren gefressen zu werden. Die grafisch gut gestalteten, ungewöhnlichen und modernen Illustrationen ergänzen die witzig erzählten Geschichten. So bekommen die Kinder einen Einblick in die afrikanische Tierwelt, die sie beim nächsten Zoobesuch wieder erkennen werden. Wie schön, dass die ausgesuchten Tiermärchen respektlos und überraschend sind, ohne „Moral von der Geschicht". Auch so kann man Afrika begegnen, z. B. in der nächsten Projektwoche in Kita oder Grundschule!

Für Kindergruppen und für zu Hause, zum Vorlesen und gemeinsam Anschauen.
Unverzichtbar für Afrika-Projekttage. Vergnüglich für Kinder ab 5 Jahren und ihre erwachsenen Vorleser*innen. Auch als Geschenkbuch  für erwachsene Afrika-Interessierte geeignet.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Tiere | Afrika | Märchen
Bewertung: +++
Rez.: Regina Riepe

Bansch, Helga: Achtung Ziesel! Wien: Jungbrunnen 2017. O. Pag. : überw. Ill. ; 28 cm. ISBN 978-3-7026-5909-7, geb.: 14,95 €

Die Tiere üben im Chor. Jede Stimme ist wichtig. Aber was tun, wenn Gefahr droht?

Helga Bansch (Evangelischer Buchpreis 2016) stellt uns wieder Tiere vor, die wir zwar kennen, so aber noch nicht gesehen haben. Sie wohnen am Teich und singen in den Abendstunden. Jede Stimme zählt. Kaulquappen und Gelse (Österreichisch für Stechmücke!), Unke und Biber machen den Chor aus. Das Ziesel, das plötzlich am Teich auftaucht, gilt als gefährlich. Es ist rot und trägt Ringelhosen. Perspektivwechsel, Bildachsen, Mimik - Bedrohliches geschieht. Helga Bansch beherrscht ihr Metier. Die eingeschworene Sängertruppe haut ab und schmiedet einen Verteidigungsplan. Als der mit aller Gewalt umgesetzt werden soll, kann der Eindringling im letzten Augenblick seinen unschuldigen Wunsch äußern: „Darf ich mich endlich zum Chor anmelden?". Nächste Seite, neue Welt: Der Chor ist um einen Sänger reicher. Lustvoll machen sie miteinander Musik. Als der Schreckruf: „Ein Uhu!" am Teich zu hören ist, könnte die Geschichte von vorn beginnen. „Aber diesmal läuft alles ganz anders."

Lesegruppe mit Geflüchteten und Beheimateten

Signatur:
Jm 1
Schlagworte: Toleranz | Freundschaft | Vorurteile
Bewertung: +++
Rez.: Christiane Thiel

Hesse, Lena: Neulich am Südpol. Deutsch - Arabisch. Mit Hör-CD in 8 Sprachen. Übersetzung ins Arab.: Adil Achiq. München: Ed. bi:libri 2017. 27 S. : überw. Ill. ; 22 cm + 1 CD. ISBN 978-3-19-329598-9, geb.: 15,99 €

Eine interessant gestaltete Bilderbuch-Geschichte, die den Ausspruch „Gähnen steckt an“ zum Thema macht.

Herr Früh hört im Radio eine sehr langweilige Nachricht über einen Vorfall am Südpol. Seine Reaktion: Er muss laut und lange gähnen und steckt damit zunächst seine Mitbewohner und schließlich immer mehr Personen, auch Tiere, an. Die etwas simple Erzählidee reicht eigentlich nicht, um ein erwähnenswertes Bilderbuch entstehen zu lassen. Illustration und Layout jedoch, auch die mitgelieferte CD in arabischer Sprache (in 6 weiteren Fremdsprachen erhältlich) machen den Reiz dieser Veröffentlichung aus. Die von Kalligrafie und Collage-Technik beeinflusste Printmediengestalterin Hesse benutzt die aus der Welt der PC-Spiele stammende Retro-Farbigkeit, bei der man zunächst eine schwarzweiße Hintergrundlandschaft auf eine Fläche projiziert. Schritt für Schritt wird diese durch farbige Streifen, Personen, Tiere, Gegenstände ergänzt, so dass die Darstellung schließlich durch Licht- und Schattenwirkung sowie Farbmischungen Transparenz, Tiefe und Beweglichkeit erhält, also mehrdimensional und sehr dekorativ wirkt.

Geeignet für die Arbeit in Vor- und Grundschule mit Kindern aus verschiedenen Nationen.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Phantasie | Interkulturalität | mehrsprachig
Bewertung: +++
Rez.: Margot Rickers

Der volllkommmen normale Herr Gnirzdefrrrtz. Martin Fuchs. Ill. von Fréderic Bertrand. Leipzig: Klett Kinderbuch 2018. O. Pag. : überw. Ill. ; 20 cm. ISBN 978-3-95470-183-4, geb.: 14,00 €

Nur weil jemand Hjolllschdequttelicki Gnirzdefrrrtz heißt, soll er nicht in Ordnung und absolut normal sein? Wieso das denn?

Auf den ersten Blick wirkt Herr Gnirzdefrrrtz außergewöhnlich, auf den zweiten ganz normal. Denn dann kennen wir ihn ja schon! Manche meinen, er sei nicht ganz normal, er sei ein komischer Typ. Aber wenn wir ihn uns ganz genau anschauen, dann kann es wohl nicht an seinem Bart liegen, der aus 1000 grünen, lustigen Tausendfüßlern besteht, auch nicht an seinen kunterbunten Zähnen, seiner Kleidung aus morschen Ästen und Ranzwanzen, seinen drei Augen (zwei zum Essen, eins zum Hören) mit Austauschexemplaren für Weihnachten namens Glitzi-Glupsch-Festtagsaugen … nee, so sind wir doch alle! Wir sind doch alle ein bisschen durchgeknallt. Jeder ist anders, jeder ist ein Original und somit herrlich normal. Jeder darf er selbst sein. Mit diesem graphisch toll umgesetzten Vorlesebilderbuch merken das selbst schon die Kleinsten. Sehr wertvoll!

Ein witziges Vorlesebuch mit farbenfrohen originellen Zeichnungen, welches junge LeserInnen ab 3 begeistern wird.

Signatur: Jm 1
Schlagworte:
Individuum | Anderssein | Akzeptanz | Humor
Bewertung: +++
Rez.:
Anne Tebben

Irgendein Berg. Fran Pintadera. Ill. von Txell Darné. Dt. von Silvia Bartholl. Wuppertal: Hammer 2018. O. Pag. : überw. Ill. ; 25 cm. Aus d. Span. ISBN 978-3-7795-0599-0, geb.: 16,00 €

Was passiert, wenn die Bewohner zweier Dörfer denken, dass ihre sei das Schönste? Es gibt Streit!

Oben auf einem Berg liegt ein Dorf. Seine Bewohner genießen den frischen Wind und die gute Aussicht. Im Tal gibt es ein weiteres Dorf mit einem Fluss und prächtigen Gärten. Berg- und Talbewohner sind überzeugt, das schönste Dorf zu haben. Deshalb wird gefeiert und die Leute im Tal zünden sogar ein Feuerwerk. Der Rauch zieht nach oben, was die Bergbewohner sehr ärgert. Sie werfen Steine hinunter ins Tal und die Talbewohner werfen die Steine wütend zurück. Bald liegen beide Dörfer in Schutt und Asche.Für die Illustrationen wurde eine Mischtechnik aus Bunt- und Wachsmalstiften sowie Aquarellfarben verwendet, weitere Bildelemente sind aus unterschiedlichsten Papieren ausgeschnitten. Der Text ist knapp gehalten und ergänzt die bildhaften Darstellungen. „Irgendein Berg“ ist keine leichte Lektüre für die junge Leser- und Zuhörerschaft. Auf kindgerechte und dennoch gruslig einfache Art wird Kindern nähergebracht, wie Konflikte und Kriege entstehen. Insofern sollte man sich genau überlegen, wie man dieses Buch einsetzt, denn wertvoll ist der Inhalt allemal.

Aufgrund der erschwerten Thematik empfehle ich das Buch für die Kita ab dem Vor- und Grundschulalter. Es bietet Gesprächsstoff zu Konflikten und wie man diese auch friedlich lösen kann.

Signatur: Jm 1
Schlagwort: Konflikte | Wut | Rache
Bewertung: ++
Rez.: Barbara Hildenbrand

Die Schlacht von Karlawatsch. Heinz Janisch. Ill. von Aljoscha Blau. Zürich: Atlantis 2018. O. Pag. : überw. Ill. ; 32 cm. ISBN 978-3-7152-0735-3, geb.: 19,95 €

Ein ungewöhnliches Bilderbuch über die Unsinnigkeit von Kriegen, das zur Diskussion einlädt.

„Die Schlacht von Karlawatsch“ beginnt mit einem lapidaren Zwischenfall. Eis tropft auf einen Hund. Daraus entwickelt sich ein Streit, dann ein Kampf und schließlich eine Schlacht zwischen den blauen und den roten Soldaten. Fast gleichzeitig kommen die Roten und die Blauen auf die Idee, sich gegenseitig mit ihren Uniformen zu bewerfen. Als alle Soldaten bis auf die Unterhosen nackt sind, weiß keiner mehr, wer zu den Roten und wer zu den Blauen gehört. Diese Bilderbuchgeschichte macht auf einfache, aber anschauliche Weise die Absurdität des Krieges deutlich. Die als Collagen und Schwarz-Weiß-Zeichnungen sehr reduziert gestalteten Illustrationen sind ungewöhnlich und irritieren auf den ersten Blick. Das Buch bietet auf den zweiten Blick viele Ansätze, um über Streit/Krieg zu diskutieren und sich damit  auseinanderzusetzen: Wie wird die Geschichte weitergehen? Vom Bildaufbau erinnert der Titel an das preisgekrönte Bilderbuch „Hier kommt keiner durch!“ (Klett Kinderbuch 2016).

Einsetzbar für Kindergruppen (ab 5/6 Jahre), Konfirmandengruppen, aber auch für Erwachsene. Damit das Bilderbuch wahrgenommen wird, braucht es zusätzliche Vermittlungsangebote.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Krieg | Streit
Bewertung: +++
Rez.: Anke Märk-Bürmann

Ju 1 Erzählungen für das erste Lesealter (6-8 Jahre)

Boie, Kirsten: Vom Fuchs, der ein Reh sein wollte. Ill. von Barbara Scholz. Hamburg: Oetinger 2019. 187 S. : Ill. ; 24 cm. ISBN 978-3-7891-0953-9, geb.: 16,00 €

Ein kleiner Fuchs wird nach einem Waldbrand von einer Rehfamilie aufgenommen und schließt Freundschaften fürs Leben.

„Eine gute Geschichte muss mindestens tausend Wörter haben, spannend und lustig sein, manchmal aber auch ein bisschen traurig" - so belehrt uns vorab der weise Uhu. Genau so eine Geschichte erzählt Kirsten Boie: Ein kleiner Fuchs verliert bei einem Waldbrand seine Familie und wird von der fürsorglichen Rehmutter gefunden, die ihn in ihre Familie aufnimmt. Natürlich ist ein Fuchs anders als ein Reh und so muss sich der kleine Fuchs mit Vorurteilen auseinandersetzen, lernt die Gefahren kennen, etwa in Form von merkwürdigen Zweifüßern, schafft es aber letztendlich seinen Mut zu beweisen und Hilfe für einen in eine Falle geratenen „Rehbruder" zu holen.Eine wunderbare, abenteuerliche und warmherzige Geschichte, die uns zeigt, dass es immer verschiedene Wege gibt, um ans Ziel zu kommen und dass wahre Freundschaft auch entstehen kann, wenn wir ganz verschiedenartig sind. Ganz nebenbei werden durch die Sicht der Tiere auf den Menschen einige Paradoxien des menschlichen Lebens entlarvt.

Hervorragend geeignet für längerfristige Vorleseprojekte in der Bücherei und zum Vorlesen in der Familie.

Signatur: Ju 1
Schlagworte: Toleranz | Verantwortung | Nächstenliebe | Mut
Bewertung: +++
Rez.: Claudia Birk-Gehrke

Kermani, Navid: Ayda, Bär und Hase. Ill. von Karsten Teich. München: Hanser 2017. 150 S. : Ill. ; 22 cm. ISBN 978-3-446-25481-7, geb.: 12,00 €

Ayda fühlt sich einsam, doch nach der Begegnung mit einem Bären und einem Hasen ändert sich alles.

Ayda ist fünf Jahre alt und für ihr Alter sehr klein. Im Kindergarten wird sie von Gleichaltrigen als Knirps abgetan, obwohl sie schon viel weiß und kann. Aydas Familie kommt aus dem Iran und Ayda hat viele Freunde, allerdings nicht in Köln, wo sie mit ihren Eltern lebt. Als sie sich besonders einsam fühlt, fährt sie mit ihrem Fahrrad in den Wald. Dort trifft sie auf einen Bär und eine Hasen. Sie erfährt, dass auch starke Tiere Ängste haben und wer klein ist, nicht schwach sein muss. Aus dieser Begegnung wächst eine tiefe Freundschaft, die sich bald auch auf die Eltern der drei ungleichen Freunde erstreckt. Aydas neue Freunde verschaffen ihr Anerkennung bei den andern Kindergartenkindern. Als Ayda nach dem Wechsel in die Schule wieder keine Freunde findet, weil sie einfach übersehen wird, sind Hase und Bär zur Stelle. Sie helfen Ayda in einer schwierigen Situation und lenken so die Aufmerksamkeit der anderen Kinder auf sie. Eine fantasievolle Geschichte über Freundschaft und Toleranz.

Ein Buch, das von Freundschaft und vom Anderssein erzählt.

Signatur: Ju 1
Schlagworte: Toleranz | Freundschaft | Anderssein
Bewertung: +++
Rez.: Eva Basler

Ju 2 Erzählungen für das zweite Lesealter (9-12 Jahre)

Applegate, Katherine: Baum der Wünsche. Dt. von Katrin Fischer. Ill. von Charles Santoso. Berlin: Ueberreuter 2018. 222 S. : Ill. ; 22 cm. Aus d. amerikan. Engl. ISBN 978-3-7641-5148-5, geb.: 14,95 €

Ein Baum, der Wünsche erfüllt, hilft einem geflüchteten Mädchen.

Rot, eine Eiche, ist schon über 200 Jahresringe alt und hat viel zu erzählen. Wie, erzählen? Ja klar, Bäume können sprechen und unterhalten sich gerne mit den Tieren. Und eigentlich auch mit den Menschen, wenn sie dürften. Das ist aber verboten. Nur Rot bricht diese Regel. Denn er möchte Samar helfen. Das muslimische Mädchen, das mit ihrer Familie erst seit kurzer Zeit in der Nachbarschaft wohnt und dort nicht akzeptiert wird, hat einen Wunsch an seine Äste gehängt (Rot gehört zu den seltenen Wunschbäumen), den er ihr gerne erfüllen würde. Aber Rot hat noch ein Problem: Einer Anwohnerin ist es ein Dorn im Auge, dass seine Wurzeln die Rohre im Garten bedrohen und im Herbst so viel Laub von ihm dort landet. Er soll gefällt werden. Nun ist Mut und Zusammenhalt gefordert, von den Menschen und von den Tieren. – Ein ungewöhnlicher Protagonist erzählt eine poetisch anmutende Geschichte um Freundschaft, Toleranz und Achtsamkeit, die verzaubert und zu vielen Gesprächen anregen kann.

Auf Grund der kurzen Kapitel gut zum Vorlesen in Schulklassen, die sich mit dem Thema Natur befassen oder für (Familien-)Gottesdienste zu Bewahrung der Schöpfung oder Toleranz geeignet.

Signatur: Ju 2
Schlagworte: Bewahrung der Schöpfung | Freundschaft | Toleranz
Bewertung: ++
Rez.: Helena Schäuble

Grumberg, Jean-Claude: Ein neues Zuhause für die Kellergeigers. Ill. von Ronan Badel. Dt. von Edmund Jacoby. Berlin: Jacoby & Stuart 2016. 85 S. : Ill ; 22 cm. Aus d. Franz. ISBN 978-3-941787-22-3, geb.: 12,95 €

Ein modernes Märchen, das mit Einfallsreichtum und Sprachwitz zeigt, wie Rassismus und Diskriminierung funktionieren.

Die Kellergeigers wollen auswandern, weil niemand Menschen mag, die aus dem Volk der „Kellergeiger“ kommen. Sie ziehen los, wir Leser begleiten sie auf eine Odyssee durch mehrere Länder. Überall, wohin sie kommen, werden sie ausgegrenzt. Und das, obwohl sie die schönste „Kellergeigermusik“ machen, denn ihre Lieblingsinstrumente haben sie immer dabei.
Grumberg erzählt kindgerecht eine hochaktuelle Fluchtgeschichte, die auch historische Bezüge enthält. So bekommen die Kellergeigers ein „K“ auf die Stirn tätowiert.
Viele Aspekte regen zum Nachdenken an. So gibt es keinen Bedarf an Schneiderinnen, da alles in weit entfernten Ländern genäht wird. Wohin die Kellergeigers auch kommen, ihre Kompetenzen sind nie gefragt. Rassismus und absurde Bürokratie regieren die Welt. Dann wird auch noch der älteste Sohn abgeschoben. Zum Glück gibt es ein Happy End: Er wird ein berühmter Geiger, die Eltern treffen ihn nach jahrelanger Trennung wieder.
Bitter ist die Geschichte, aber mit feiner Ironie und „Galgenhumor“ geschrieben und aufgelockert durch zahlreiche großflächige farbige Illustrationen.

Das Buch eignet sich für fortgeschrittene Selbstleser ab 10 Jahren, aber auch  hervorragend für die Gemeindearbeit, um die Themen Migration, Diskriminierung und Vertreibung zu vertiefen.

Signatur: Ju 2
Schlagworte: Migration | Diskriminierung | Rassismus | Familie
Bewertung: +++
Rez.: Katharina Katt

Ju 3 Erzählungen für Jugendliche ab 13 Jahren

Illegal. Die Geschichte einer Flucht. Eoin Colfer u. Andrew Donkin. Ill. von Giovanni Rigano. Dt. von Ulrich Pröfrock . Reinbek: Rowohlt Taschenbuch Verl. 2018. 122 S. : überw. Ill. ; 27 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-499-21806-4, geb.: 16,99 €

Graphic Novel zum Thema Flucht und über das Schicksal der flüchtenden Menschen.

Diese großformatige, farbenfrohe Graphic Novel erzählt von dem 12-jährigen ghanaischen Jungen Ebo, der auf der Suche nach seinem Bruder in den Flüchtlingsstrom nach Europa gerät. Wir treffen Ebo zuerst auf einem Schlauchboot im Mittelmeer, das zu kentern droht. Von hier aus erzählt er in Rückblenden seine Geschichte. Als sein Bruder Kwame über Nacht aus seinem Heimatdorf verschwindet, um seine Schwester zu suchen, die nach Europa geflohen ist, zieht auch Ebo los. Er schlägt sich zunächst in die nächst größere Stadt direkt vor der Sahara durch, bevor er von skrupellosen Schleppern in der Wüste zurückgelassen wird. Letztendlich schafft er es aber doch ans Mittelmeer, trifft tatsächlich seinen Bruder und beide landen auf dem Boot im Meer. Nach einer dramatischen Rettung durch ein anderes Schiff, spitzt sich die Lange doch noch einmal zu und Ebo macht die traurigste Erfahrung seines Lebens.
Eine wunderbar gezeichnete, behutsam erzählte Geschichte, die allerdings auch das grausame Schicksal vieler Geflüchteter zeigt.

Als Einstieg zum Thema Flucht und Geflüchtete gut einsetzbar. Aber bitte mit Begleitung, da das Schicksal der Geflüchteten teils ungeschönt gezeigt wird.

Signatur: Ju 3 | SL
Schlagworte: Flucht | Afrika | Graphic Novel
Bewertung: +++
Rez.: Christian Prange

Léon, Christophe: Väterland. Dt. von Rosemarie Griebel-Kruip. München: Mixtvision 2017. 114 S. ; 21 cm. Aus d. Franz.ISBN 978-3-95854-095-8, kt.: 9,90 €

Gabrielle und ihre Väter sind eine glückliche Familie - bis die politischen Veränderungen im Land zur Bedrohung werden.

Aus kindlicher Perspektive beschreibt die kleine Gabrielle liebevoll ihre unbeschwerte Kindheit in einem der wohlhabenden Viertel in Paris und erzählt von ihren beiden Vätern: zwei Künstlern, die sie über alles liebt. Sie kann es kaum glauben, als politische Veränderungen im Land ihre Familie plötzlich dazu zwingen ihre Privilegien abzulegen, in ein Ghetto zu ziehen und ihre sexuelle Orientierung durch rosa Winkel an der Kleidung zu kennzeichnen. Da ihre Väter sich immer wieder gegen das System auflehnen kommt es oft zu Schwierigkeiten, doch die Familie schafft es durch Kunst und Humor jeden Tag aufs Neue lebenswert zu machen. Eines Tages jedoch eskaliert die Situation, als Gabrielles Eltern für sie ein Geburtstagsgeschenk besorgen wollen. Christophe Léon kreiert im Verlauf seines Romans eine Dystopie, die zum Nachdenken anregt, da sie manchmal sowohl in der Vergangenheit als auch in der Zukunft gar nicht so weit entfernt scheint.

Flott zu lesende, sehr aktuelle Literatur, die sowohl für Jugendliche als auch erwachsene LeserInnen zu empfehlen ist.

Signatur: Ju 3
Schlagworte: Homosexualität | Homophobie | Regenbogenfamilien | Gesellschaftskritik
Bewertung: ++
Rez.:
Rosa Bömelburg

Achard, Marion: Am Ende des Regenwaldes. Dt. von Anna Taube. Bamberg: Magellan 2019. 92 S. ; 25 cm. Aus d. Franz. ISBN 978-3-7348-5044-8, geb.: 11,00 €

Geschichte eines starken Mädchens, dessen Leben im Amazonas-Regenwald bedroht ist.

Die Ich-Erzählerin Daboka lebt mitten im Regenwald. Sie gehört zu einer der kleinen indigenen Gemeinschaften, die ohne Kontakt zur sogenannten „Zivilisation" im Einklang mit der Umgebung leben, ohne Kleidung, gekaufte Nahrung, Straßen, Schulen oder Medikamente. Wie ist es, zum ersten Mal eine schnurgerade Asphaltstraße zu sehen, die bedrohlichen stinkenden Maschinen, die alles zerstören, was ihnen im Weg steht? Im Wald wurden große Ölvorkommen gefunden, da zählt das Leben von Menschen und Tieren nicht. Dabokas Familiengemeinschaft wird getötet, nur sie und ihre kleine Schwester werden von den Tätern mitgenommen. Doch das Mädchen will sich nicht an die „zivilisierte Welt" anpassen. Mutig findet sie einen Weg zurück zu einer Gemeinschaft, die wie sie früher mitten im Regenwald lebt. Aus der Sicht eines indigenen Mädchens wird hier eine spannende Geschichte erzählt, die eine uns fremde Lebensweise authentisch und respektvoll beschreibt. Gegen das Unrecht der Zerstörung des Regenwaldes!

Für junge Leser*innen ab 12 J. und für Erwachsene. Das Buch lässt aktuelle Berichte über die Zerstörung des Regenwaldes in einem anderen Licht erscheinen. Von Amnesty International empfohlen.

Signatur: Ju 3
Schlagworte: Amazonas | Bewahrung der Schöpfung | Umweltschutz | starke Mädchen
Bewertung: +++
Rez.: Regina Riepe

Sachbücher für Kinder und Jugendliche

Martin, Peer: Was kann Einer schon tun? Hamburg: Oetinger 2017. 106 S. ; 17 cm. ISBN 978-3-7891-0867-9, geb.: 8,99 €

Der Autor führt vier Gespräche über den aktuellen Zustand der Welt und fragt die Jugend, wie sie sie zu retten gedenkt.

Beschaulich ist das Leben des Autors und Ich-Erzählers im kanadischen Québec, wo er mit Familie und Hund durch die Stadt schlendert oder Ausflüge in das reizvolle Umland unternimmt. Trotzdem sorgt er sich. Nicht um sich selbst, aber um das Schicksal der Menschen in einer Welt, die immer weiter aus den Fugen zu geraten scheint: Gibt es einen Weg, all das zu retten? Die Angst vor dem Terror bedroht das Leben in Freiheit. Wachsende Ungleichheiten gefährden das soziale Miteinander. Abschottung, Intoleranz und Rücksichtslosigkeit setzen sich durch. Warum? Was tun? Der Erzähler hat so viele Fragen und sein Hund keine Antworten für ihn. Deshalb schreibt er die Fragen auf und stellt sie drei Jugendlichen: der Au-pair Lisa aus Leipzig, dem aus Somalia geflüchteten Barkhard und Jakob, seinem Sohn. Die Szenen sind fiktiv und unbeschwert, die Themen aufwühlend und zahllos: Migration, Politik, Religion, Toleranz, Reichtum, Armut, Krieg und Klimawandel. Und immer die Frage: Was kann einer schon tun?

Ein Sorgen-Sammelsurium, das, breit und unsystematisch wie es eben ist, in eine heile Welt einbricht. Zum Mitsorgen, Nachdenken, Widersprechen und selber Handeln. Empfohlen.

Signatur: Js  Jp
Schlagworte: Freiheit | Toleranz | Religion | Klima
Bewertung: +++
Rez.: Martina Mattes

Labor Ateliergemeinschaft: Ich so du so. Alles super normal. Mit Beiträgen von Anke Kuhl, Philip Waechter u.a . Weinheim: Beltz & Gelberg 2017. 175 S. : Ill. ; 23 cm. ISBN 978-3-407-82316-8, kt.: 16,95 €

Was ist denn schon normal?

Normal sein. Das bedeutet, vorschriftsmäßig zu sein, nämlich so wie es sich die Allgemeinheit als das Richtige vorstellt und keine auffälligen Unterschiede zu den anderen aufzuweisen. Und doch sind wir alle unterschiedlich, sehen anders aus, können eine Sache besser als eine andere und finden verschiedene Dinge schön oder auch nicht. Eigentlich ist das Verschiedensein an sich völlig normal. Mit Fotos, Bildern, Comics, kleinen Texten und Geschichten regt dieses Buch an, sich über uns selbst und unsere Mitmenschen Gedanken zu machen. Es bietet eine Fundgrube an Entdeckungen, wartet mit wahren, ehrlich geschilderten Geschichten einiger Menschen auf, die von Erlebnissen berichten, bei denen sie sich nicht normal gefühlt haben. Mit einer sehr abwechslungsreichen Gestaltung ausgestattetes Buch, in dem man immer wieder blättern mag und das Gefühl dafür bekommt, dass man eben so sein darf wie man ist und sich auch genau so mögen darf.

Hervorragendes Buch, um ins Gespräch über uns selbst und andere zu kommen und unsere Wahrnehmung füreinander zu schärfen. Für alle ab 10 Jahren.

Signatur: Jf
Schlagworte: Anderssein | Vorurteile | Klischees
Bewertung: +++
Rez.: Stefanie Drüsedau

Stalfelt, Pernilla: So bin ich und wie bist du? Ein Buch über Toleranz. Dt. von Birgitta Kicherer. Leipzig: Klett Kinderbuch 2014. O. Pag. : überw. Ill. ; 24 cm. Aus d. Schwed. ISBN 978-3-95470-097-4, geb.: 12,95 €

In lustigen und vielfältigen Szenen wird der Begriff Toleranz illustriert.


Wie facettenreich Toleranz ist und in wie vielen Bereichen man Toleranz zeigen sollte, wird in dem reich illustrierten Buch allzu deutlich. Verschiedene Szenen spielen sich ab, teils comicartige, teils in Karikaturen driftende Gespräche und Kommentare stehen nebeneinander und führen doch alle zum gleichen Thema: Wie relevant tolerantes Verhalten und der direkte Austausch untereinander sind. Begriffe wie "wir", "ihr" und "die" spielen dabei eine große Rolle. Anschaulich und sehr humorvoll führt das Buch vielerlei Gedanken zu Werten über Gleichheit, Toleranz und Menschlichkeit aus, um Kindern bereits früh zu zeigen, dass man vor etwas "Anderem" keine Angst und keine Vorurteile haben darf, sondern dass das Reden miteinander und das Verständnis füreinander die Basis für eine tolerante und glücklichere Welt sind.

Besonders geeignet für Diskussionsrunden (z.B. im Unterricht) zum Thema Toleranz.

Signatur: Js
Schlagworte: Toleranz | Gleichheit | Menschlichkeit | Werte
Bewertung: +++
Rez.: Petra-Kristin Bonitz

Meyer, Karlo u. Janocha, Barbara: Wie ist das mit den Religionen? Ill. von Sandra Reckers. Stuttgart: Gabriel 2018. 144 S. : Ill. ; 21 cm. ISBN 978-3-522-30519-8, geb.: 12,99 €

Fünf miteinander befreundete Kinder möchten mehr über ihren Glauben wissen und stellen deshalb interessante Fragen.

Parvati, Bing, Jacob, Marie und Selma wohnen in einem Hochhaus. Sie verbringen ihre Freizeit miteinander. Eines Tages wird ihnen klar, dass sie verschiedenen Religionen angehören und in dieser Beziehung erstaunlich wenig voneinander wissen. Zu Anfang der Ferien beschließen sie deshalb, ihre Eltern und entsprechende Fachleute in Tempel, Pagode, Synagoge, Kirche und Moschee zu befragen, um – wie sie es ausdrücken – dem „Geheimnis der verschiedenen Religionen auf die Spur zu kommen“. Das Buch hilft Kindern in ähnlicher Situation: Es gibt nicht nur einen religionskundlich versierten Einblick in die Religionen von Hindus, Buddhisten, Juden, Christen und Muslimen, sondern vermittelt sehr überzeugend etwas von der Atmosphäre, die erlebbar wird, wenn Angehörige verschiedener Religionen durch konkrete Begegnung den eigentlichen interreligiösen Prozess in Gang setzen. Neben Unterschieden kommen auch gemeinsame Probleme der Weltgesellschaft in den Blick (z. B. ethische Fragen).

Sehr empfohlen für Kinder (ab 9 Jahren), Jugendliche, Eltern und Unterrichtende in Schule und Kirche, u. a. weil die Verfasser religionswissenschaftlich beraten wurden. Neuauflage!

Signatur: Jc
Schlagworte: Weltreligionen | Interkulturalität | Glaube
Bewertung: +++
Rez.: Margot Rickers

Erche, Julia u. Jansen, Alexander: Ich habe meine Märchen mitgebracht. Geschichten, Lieder und Spiele von Flüchtlingskindern. München: Don Bosco 2018. 135 S. : Ill. ; 20 cm + 1 CD. ISBN 978-3-7698-2382-0, kt.: 19,95 €

Märchen, Lieder und Spiele für und von geflüchteten Kindern.

In Einrichtungen der Flüchtlingshilfe hat das Autorenpaar Familien aus afrikanischen und arabischen Ländern sowie aus Iran und Afghanistan nach Märchen, Liedern und Spielen befragt; diese aus der Heimat mitgebrachten „Schätze“ wurden dann übersetzt, teilweise überarbeitet oder ergänzt, manchmal zu Klang- oder Singspielen gestaltet. Inhaltliche Eingriffe werden benannt und betreffen vor allem die Rolle der Mädchen und Frauen (so wird z.B. aus einem Helden eine Heldin) und von Gewalt, die nicht Mittel der Konfliktlösung sein soll. Vorangestellt sind jeweils Kurzinformationen zu Thema, Intention, Spielerzahl etc., Wissenswertes zu Herkunft und Thematik sowie Praxistipps finden sich am Ende. Auf der beigefügten CD sind die Lieder zu hören, eine Strophe jeweils in Originalsprache (meist aber nicht von Muttersprachlern).
Mit diesem Buch erfahren (und üben) Kinder Wertschätzung der mitgebrachten Traditionen und erleben, wie Erzählen, Spielen und Singen Verbundenheit und Beheimatung schafft.

Für Kitas, Schul(Deutsch-)Klassen, Kindergruppen, Kinderchöre, Vorlesestunden in Büchereien – zum Kennenlernen, Wiedererkennen, als Anregung, die eigenen „Schätze“ zu präsentieren.

Signatur: Pc 10
Schlagworte: Märchen | Lieder | Geflüchtete
Bewertung: ++
Rez.: Griet Petersen

Kinder aus aller Welt - Das essen wir. Lektorat: Carrie Love u.a. Gestaltung: Lisa Robb u.a. Dt. von Manuela Knetsch. München: Dorling Kindersley 2018. 80 S. : überw. Ill. ; 29 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-8310-3476-5, geb.: 14,95 €

Ein buntes, internationales Kinderkochbuch, das Grundnahrungsmittel vorstellt und viele tolle Rezepte beinhaltet.

Was für ein spannendes Buch! Es gibt nicht nur Einblicke in fremde Lebensgewohnheiten, sondern erklärt in einer Kombination aus Sachwissen und Rezepten die verschiedenen Grundnahrungsmittel dieser Welt. Die Rezepte sind sehr kindgerecht und laden zum Nachkochen ein. Und zum Erzählen vom letzten Urlaub und den Speisen, die erst so fremd waren und doch überraschend gut schmeckten. Oder ganz ungewohnt. Die vielen verschiedenen Kinder unterschiedlicher Nationen, die in dem Buch abgebildet sind, lassen sich jeweils im Einband des Buches auf einer Weltkarten wiederfinden. In jedem Fall lädt das Buch dazu ein, andere Kulturen kennenzulernen und mal genauer hinzuschauen, wo denn wohl ein ausländischer Mitschüler so herkommt und welche Essgewohnheiten in diesem Teil der Welt so üblich sind.
Bleibt nur, den Lesern und Leserinnen guten Appetit zu wünschen, denn es lädt wirklich sehr zum Ausprobieren ein!

Dieses durchgehend farbig fotografierte Sachbuch eignet sich für alle großen und kleinen Menschen, die an anderen Kulturen interessiert sind und Spaß am Kochen haben.

Signatur: Je | Jr
Schlagworte: Ernährung | Kinder | Welt
Bewertung: +++
Rez.: Andrea Schmidt

Das Ohr vom Opa. & andere Geschichten. Kinder erzählen von ihrer Heimat - der alten und der neuen. Gesammelt, aufgeschrieben und hg. vom Dt. Kinderschutzbund Landesverband NRW e.V. Ill. von Dirk Uhlenbrock. Essen: Ed. Schmitz 2017. 143 S. : Ill. ; 25 cm. ISBN 978-3-932443-65-7, geb.: 16,90 €

Geflüchtete Kinder berichten von ihrem Leben in ihren Herkunftsländern und ihrem jetzigen Leben.

59 Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 17 Jahren erzählen, was sie erlebt haben: Amir berichtet, wie seine Familie in Ägypten Weihnachten gefeiert und er Geschenke und neue Kleidung bekommen hat. Klesti schwärmt von dem leckeren rosa Eis, das es in Albanien gab und teilt mit, dass seine Familie bald wieder dorthin zurückgehen muss. Fatima aus Syrien beschreibt ihr Lieblingsgericht - mit Hackfleisch gefüllte Teigtaschen, die gebogen sind und deshalb in der Familie „Das Ohr vom Opa" genannt werden. Sie alle erzählen von Festen und Speisen, Tänzen und Spielen, die sie in ihrem Heimatland kennen gelernt haben, und auch davon, dass es in Deutschland große Einkaufsläden gibt und sie in der Schule viel lernen müssen. Der vorliegende Band lässt die Kinder und Jugendlichen selbst zu Wort kommen und macht sie so zu Autor*innen ihrer vielen kleinen Lebensgeschichten. An ihrem offenen Verständnis von Kultur und Welt lassen sie kleine und große Leser*innen teilhaben.

Die vielen kleinen Geschichten erweitern das Verständnis für Menschen, die nach Deutschland gekommen sind. Daher empfehlenswert für alle Gemeinde- und Schulbüchereien.

Signatur: Jb
Schlagworte: Heimat | Flucht | Identität | Kulturen
Bewertung: ++
Rez.: Anne Rank

Aufeinander zugehen - gemeinsam Schätze teilen. Christliche und islamische Geschichten, Lieder und Ideen für die interreligiöse Begegnung in Kita und Schule. Saida Aderras, Ulrich Walter u.a. Ill. von Margret Bernard. Lippstadt: Kontakte Musikverl. 2018. 127 S. : Ill. ; 24 cm. ISBN 978-3-89617-310-2, geb.: 19,80 €

Ein informatives und praxisorientiertes Fachbuch zur interreligiösen Begegnung in Kita und Schule, mit Lied-CD.

Das (selbst vielfältig aufgestellte) Autorenteam des Buches will zu einer Entdeckungsreise einladen. Ziel der Reise sind das Christentum und der Islam und alles, was sich mit und zwischen den beiden Religionen ereignen kann. Ausgangspunkte sind zentrale Personen, Feste und Geschichten. Dabei geht es um bereichernde Gemeinsamkeiten, aber auch um das wertschätzende Wahrnehmen von Unterschieden und anderen Sichtweisen. Religionswissen, Gestaltungsimpulse und interaktiv angelegte Erzählungen ergänzen einander. Die Vorschläge sind klar strukturiert und gut umsetzbar.
Alle Liedvorschläge sind im Anhang abgedruckt. Die CD unterstützt den Einsatz der Lieder. Gut gefällt mir, dass sich neben neuen Liedern auch bekannte Lieder aus der Feder der Autoren finden, die sich thematisch gut einbauen lassen.
Für mich ist das Buch wie ein Schatzkästchen mit seinen vielen Informationen, Gedankenimpulsen und konkreten Angeboten. Aus ihm können sich alle reichhaltig bedienen, die mit Kindern auf eine solche interreligiöse Entdeckungsreise gehen. Wirklich empfehlenswert!

Sehr empfohlen für Büchereien, Kindertageseinrichtung und Schule. 

Signatur: Pc 6 | Pc 3
Schlagworte: Interreligiöse Begegnung | Islam | Christentum | Religionen
Bewertung: +++
Rez.: Susanne Betz

Fromme-Seifert, Viola M. u. Kamcili-Yildiz, Naciye: Miteinander feiern. Die sieben schönsten Feste für interkulturelle Kita-Gruppen. Mit Stefanie Poritzki. München: Don Bosco 2018. 149 S. : Ill. ; 20 cm. ISBN 978-3-7698-2379-0, kt.: 18,00 €

Ein informatives und praxisorientiertes Fachbuch zur interreligiösen Begegnung in der Kita am Beispiel von sieben Festen aus dem Christentum und dem Islam.

Das Buch „lädt ein, die wichtigsten christlichen und islamischen Feste im Kita-Jahr so zu gestalten, dass sich alle angesprochen und einbezogen fühlen“ – der Inhalt des Buches hält, was der Text auf dem Buchrücken ankündigt!
Die sieben Feste sind: ein Namensfest, Erntedank, Sankt Martin, Weihnachten, Ostern, Ramadan und das Opferfest. Aus der Sicht des Christentums und des Islam erzählen die beiden Autorinnen von diesen Festen, ihren Ritualen und Symbolen. In kurzen Infotexten zeigen sich gemeinsame Aspekte, aber auch bedeutsame Unterschiede. Insgesamt 40 Bausteine zeigen, wie die Feste in der Kita angelegt und religionspädagogisch umgesetzt werden können. Diese Bausteine sind ganz übersichtlich dargestellt und ganz praktisch angelegt. Besonderer Bonus: Über einen Downloadcode kommt man zu Zusatzmaterial!

Sehr empfohlen für Kindertageseinrichtungen und Büchereien, die mit Kitas zusammenarbeiten. 

Signatur: Pc 6 | Pc 3
Schlagworte: Interreligiöse Begegnung | Islam | Christentum | Feste
Bewertung: +++
Rez.: Susanne Betz

Mein Gott, dein Gott, unser Gott. Franz Hübner. Ill. von Guliano Ferri. Freiburg: Herder 2016. O. Pag. : überw. Ill. ; 29 cm. ISBN 978-3-451-71339-2, geb.: 14,99 €

Ein schönes Bilderbuch zum Thema interreligiöse Toleranz.

David, Ibrahim und Johanna sind seit Jahren befreundet. Offenbar sind sie erwachsen und sollen doch wie Kinder wirken. Hier zeigt das Bilderbuch eine große Schwierigkeit, die aber hinter die gute Absicht zurück tritt. Jede Person verkörpert einen Glauben, alle konkurrieren um die Wahrheit. Sie sind in ihrer Gottsuche vorsichtig, weil ihre Freundschaft sie verbindet. Ibrahim wird ausgesucht, die Welt zu bereisen, um den wahren Gott zu finden. In sehr kindlicher Weise bestaunt er die Schönheit der Gegenden und stellt fest, dass immer die Menschen, die da leben, ihren Gott für den größten halten. Als ihm Hirten Schutz gewähren, wird ihm die Bedeutung der Freundschaft klar, die alle Grenzen zu überwinden in der Lage ist und die deutlich machen kann, dass es EIN Gott ist, der in verschiedener Gestalt angebetet wird. Glücklich und befreit von der Last der einzigen Wahrheit kehrt er zu seinen Freunden zurück, die seine Entdeckung teilen. Wenn es so einfach wäre, wäre es schön. 

Für Eltern-Kind-Lesekreise, zum Thema „interreligiöse Toleranz“ für Gesprächskreise möglich.

Signatur: Jc
Schlagworte: Gott | Glaube | Toleranz | Freundschaft
Bewertung: ++
Rez.: Christiane Thiel

Mai, Manfred: Wir leben alle unter demselben Himmel. Die 5 Weltreligionen für Kinder. Ill. von Marine Ludin. München: Hanser 2016. 150 S. : Ill. ; 24 cm. ISBN 978-3-446-25300-1, geb.: 18,00 €

Ein Überblick über die fünf Weltreligionen; kompakt und sachlich erklärt für Kinder.

Innerhalb jeder Religion haben die Menschen Ansichten darüber, wie die Welt entstanden ist, welche Bedeutung der Mensch an sich hat, nach welchen Regeln und Werten er leben sollte und was nach dem Tod geschieht; die „großen“ Fragen unseres Lebens also. Manfred Mai hat in diesem Buch viele Hintergrundinformationen zu den fünf Weltreligionen zusammengestellt; zu ihren Anfängen, zu ihren Grundlagen, zu Ritualen, Festen, Symbolen, aber auch zu ihren Werte- und Moralvorstellungen. Wie im Vorwort angesprochen, erhebt dieses Buch keinen Anspruch darauf, vollständig über dieses komplexe Thema zu informieren; vielmehr möchte es Informationen und einen Überblick über die Verschiedenheiten geben und gleichzeitig das Gemeinsame finden, das verbindende Zentrum aller Religionen: die Liebe. Dieses Buch gibt Kindern, aber auch interessierten Erwachsenen, leicht lesbare und verständliche Informationen, die Möglichkeit, dieses Gemeinsame zu entdecken und somit hoffentlich, ein besseres Verständnis füreinander zu entwickeln.

Als Nachschlagewerk für interessierte Erwachsene und päd. Fachkräfte, ansonsten für ältere Kinder, ab 10 J.

Signatur: Jc
Schlagworte: Weltreligionen | Interreligiosität
Bewertung: ++
Rez.: Dörte Jost

SL Romane, Erzählungen, Dramen, Lyrik - Belletristik

Honigmann, Barbara: Chronik meiner Straße. München: Hanser 2015. 151 S. ; 19 cm. ISBN 978-3-446-24762, geb.: 16,90 €

Tagtägliche Begegnungen und Beobachtungen in einer ganz gewöhnlichen Straße führen in ungeahnte Weiten.

Seit drei Jahrzehnten lebt Barbara Honigmann in Straßburg in einer wenig attraktiv aussehenden Straße, von der es heißt, dass am dort am Anfang wohne, um bald in eine vornehmere Gegend zu wechseln. So war sie zunächst auch bei der Autorin als ein Provisorium gedacht, doch es kam anders. Ihr Schreibtisch steht noch immer vor dem Fenster mit Blick auf den Balkon, den eine freundliche Hausbewohnerin ihr eines Tages mit bunten Blumen bepflanzte. So bunt und vielfältig sind auch die Eindrücke im Quartier voll Schicksalen im Völkergemisch der vielfältigen Ethnien mit ihren ab und an befremdlichen Gewohnheiten, auch Schrulligkeiten, nur der sprichwörtlichen französischen Lebensart begegnet man in der grenznahen Straße nicht. Heimat aber ist hier auch nicht wirklich, obwohl man nach etlichen Jahren im Hinterhof die eigene Laubhütte aufstellen darf, um die Festwoche zu begehen. Die Verwarnung der von Nachbarn herbeigerufenen Polizei, die Laubhütte innerhalb einer Woche abzubauen, kann man problemlos zusagen, denn dann ist das Fest zu Ende - bis zum nächsten Jahr.

Eine zauberhaft erzählte Straßenchronik, voll Lebensschicksalen und Lebensweisheit, hier und da nicht ohne ein Schmunzeln oder voll Ironie, aber auch nostalgisch und jedenfalls höchstaktuell in einer multikulturellen Zeit.

Signatur: SL
Schlagworte: Interkulturalität | Heimat | Fremdheit | Großstadt
Bewertung: +++
Rez.: Halgard Kuhn

Kleeberg, Michael: Der Idiot des 21. Jahrhunderts. Ein Divan. Köln: Galiani Berlin 2018. 457 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-86971-139-3, geb.: 24,00 €

Der moderne multiperspektivische West-östliche Divan zeigt, dass eine Überwindung kultureller Schranken keine Utopie ist.

Im weltoffenen Haus des freigeistigen Ehepaares Ulla und Bernhard treffen sich Freunde aus West und Nahost, deren Lebenswege unterschiedlicher nicht sein könnten. Der sensible Philosoph Hermann, die iranische Sängerin Maryam und deren Sohn, der „ ethische Hacker“ Navid, der sanfte islamische Theologe und Dichter Younes, sie und alle anderen Freunde vereint die Suche nach Antworten auf existenzielle Fragen des Menschseins in Orient und Okzident.
Ihre Schicksale bilden den Geschichtenteppich, in den facettenreich religiöse, philosophische, mystische und politische Annäherungen an Themen wie Heimat und Exil, Identität zwischen verschiedenen Kulturen, Ursprung von Gewalt und Überwindung der Unterschiede zwischen den Religionen eingewoben werden. In seiner von Goethes West-östlichen Divan inspirierten Geschichtensammlung stellt Kleeberg einer von Krieg und Krisen erschütterten Welt das Ideal einer friedlichen, an sich selbst wachsenden multikulturellen Gemeinschaft entgegen.

Die vielschichtige literarische Wanderung zwischen Morgen- und Abendland wird belesene Literaturfreunde begeistern und ist ambitionierten Lesekreisen zu empfehlen.

Signatur:
SL
Schlagworte: Interkultureller Dialog | Zeitgeschichte | Religion
Bewertung: +++
Rez.: Christine Heymer

Liksom, Rosa: Abteil Nr. 6. Roman. Dt. von Stefan Moster. München: Dt. Verl.-Anst. 2013. 215 S. ; 22 cm. Aus d. Finn. ISBN 978-3-421-04583-6, kt.: 14,99 €

Eine finnische Archäologiestudentin und ein grobschlächtiger Russe, "zusammengesperrt" in der Transsibirischen Eisenbahn.

Es sollte eine beschauliche Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn werden. Stattdessen sitzt die junge Studentin mit einem russischen Bauarbeiter beengt in einem Zugabteil und hört sich seine drastischen Witze an—eine Woche lang. Sie sitzt und schweigt, er sitzt und trinkt  und erzählt von Frauen und Vergewaltigungen, von Gewalt und Mord. Und doch zeigt er Fürsorge für sie, teilt sein Essen mit ihr und schenkt ihr am Ende seinen wertvollsten Besitz: das Messer, mit dem er getötet hat. Die oftmals skurril wirkende Geschichte erfordert einen erfahrenen Leser, der die krassen Geschichten in vulgärer Sprache mit den leisen poetischen Beschreibungen der unendlich erscheinenden sibirischen Landschaft zu einem in sich geschlossenen Bild verbinden kann, vor dem sich in den Erinnerungen des Mannes die Geschichte der problembehafteten Liebe entfaltet, die zu der Tragödie führte. Ein Roman, der auch die Beziehung Finnlands zu Russland thematisiert und wie eine ehrerbietige Verbeugung scheint.

Für Leser, die bereit sind, sich auf anspruchsvolle Literatur einzulassen, die fremde Kulturen thematisiert. Auch im Blick auf Finnland als Gastland der Buchmesse 2014 zu empfehlen.

Signatur:
SL
Schlagworte: Interkulturalität | Russland | Tragödie | Finnland
Bewertung: +++
Rez.: Astrid van Nahl

Mosebach, Martin: Mogador. Roman. Reinbek: Rowohlt 2016. 366 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-498-04290-5, geb.: 22,95 €

Ein spannungsreiches Buch zwischen Flucht, Suche und sich selbst finden. Wenn das Leben entgleist, wirst du es suchen.

Das Leben eines jungen, erfolgreichen Mannes gerät plötzlich aus den Fugen. Er sieht nur eine Möglichkeit, er flieht kopfüber nach Mogador. Dort tritt er in das Leben einer anderen Welt ein. Er erlebt, wie man sich aus dem Nichts eine Existenz aufgebaut hat, wie man sie verteidigt, und dass das Leben niemals perfekt ist. Egoismus und Durchsetzungsvermögen, Diplomatie, Selbstaufgabe und dabei niemals die eigenen Ziele aus den Augen zu verlieren, sind imposant dargestellte Elemente des Lebens in Marokko.
Mosebach dreht den Spieß um. Aus Deutschland lässt er seinen Protagonisten in die nordafrikanische Welt fliehen. Alles ist ihm fremd. Er versteht die Codes nicht, muss sich abhängig machen, um zu überleben. Er muss lernen, schauen und zulassen, bevor er wieder stark genug ist, in sein Leben zurückzukehren.

Hoch zu loben ist dieser Roman, der viele Facetten hat, aber uns hauptsächlich einen tiefen Einblick in eine unbekannte Gesellschaft liefert, und das Ganze ohne Klischee. Für Literaturkreise bestens geeignet.

Signatur: SL
Schlagworte: Marokko | Asyl | Fremdheit
Bewertung: +++
Rez.: Dirk Purz

Peters, Christoph: Selfie mit Sheikh. Erzählungen. München: Luchterhand 2017. 253 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-630-87540-8, geb.: 18,00 €

Erzählungen an der Berührungsfläche von westlicher und islamischer Welt.

Die hier versammelten 14 Erzählungen spielen in Deutschland, in der Türkei, in Saudi Arabien, Ägypten und vor allem in Pakistan. Hier siedelt Peters gleich mehrere Geschichten an; er hat dort viel Zeit verbracht, da er dort ein Stipendium erhalten hatte. Die Geschichten haben ganz unterschiedliche Themen. Mal geht es um die Schwierigkeit, eine Liebesbeziehung zu führen, kommt man aus so verschiedenen Kulturkreisen. Mal geht es um Angst vor Terror oder die Situation, plötzlich selbst im Visier von Sicherheitskräften oder Polizei zu sein. Gleich in mehreren Erzählungen ist der Sufismus („Islamische Mystik“) Thema, eine islamische Strömung, die nicht bei allen Muslimen auf Akzeptanz stößt. Hat der Autor auch Inlandserfahrungen, bleiben die Geschichten und ihre Figuren doch merkwürdig hölzern, kalt und äußerlich. Emotional erreichen sie die Leserschaft nicht, so wie sie auch im eigentlichen Sinn nicht wirklich politisch sind oder eine Botschaft haben.

Leicht zu lesen als erster Einstieg zum Thema oder Illustration; ungeeignet für LeserInnen, die eine tiefere Auseinandersetzung mit der Problematik erwarten.

Signatur:
SL
Schlagworte: Interkulturalität
Bewertung: ++
Rez.: Christiane Spary

Peters, Christoph: Herr Yamashiro bevorzugt Kartoffeln. Roman. München: Luchterhand 2014. 223 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-630-87411-1, geb.: 18,99 €

Begegnung zweier Kulturen.

Ernst Liesgang plant, sich in einem alten Pfarrhaus als Töpfer zu etablieren. Seine Lehrjahre im fernen Asien münden in der Idee, einen original  japanischen Anagama-Ofen zu installieren. Er kann Herrn Yamashiro, den Meister dieses Genres motivieren, seinen Plan zu realisieren.
Nachdem Herr Yamashiro mit seiner Familie in dem winzigen Ostseedörfchen Rensen eintrifft, die künftige Lage des Ofens nach strengen Regeln des ZEN bestimmt wurde ("Leere" ist dabei ein zentraler Begriff. Entsprechend sieht die Werkstatt aus: Leer und durchstrukturiert"), beginnt dessen Bau unter erheblichen Schwierigkeiten. Zwei völlig unterschiedliche Kulturen mit gänzlich anderen Sichtweisen, Kunst- und Lebensverständnis treffen aufeinander. Die Essgewohnheiten funktionieren dabei überraschend perfekt und unkompliziert.
Missverständnisse mit ihren Unsicherheiten müssen erkannt, toleriert oder gelöst werden. Erst durch eine Erkrankung des Meisters, die einen stationären Klinikaufenthalt erfordert, kann - ganz allmählich - Skepsis durch Vertrauen ersetzt werden  und lang gehegte Wünsche finden endlich ihre positive Erfüllung.

Spezielle Lektüre. Interessant für Liebhaber dieses Genres mit Diskussionspotential. Bedingt empfehlenswert für Patientenbüchereien.
 SL (Gegensätze / Toleranz / Japan / Fremdheit) Brigitta Morgenstern (02.07.2014)
Peters: Herr Yamashiro bevorzugt Kartoffeln

Signatur:
SL
Schlagworte: Gegensätze | Toleranz | Japan | Fremdheit
Bewertung: ++
Rez.: Brigitta Morgenstern

Satrapi, Marjane: Persepolis. Gesamtausgabe. Graphic Novel. Dt. von Stephan Pörtner. Zürich: Ed. Moderne 2013. 356 S. : Ill. ; 24 cm. Aus d. Franz. ISBN 978-3-03731-117-2, kt.: 25,00 €

Ich zeichne, sagt Marjane Satrapi, die heute in Paris lebt, meine Familiengeschichte nicht für iranische Leser, sondern für jene westliche Welt, die gewissermassen vor lauter Kopftüchern die Vielfalt der realen Gesichter des Iran nicht sehe."

Aus der Perspektive eines kleinen Mädchens erzählt die gebürtige Iranerin Marjane Satrapi von der islamischen Revolution von 1979 und vom Krieg mit dem Irak – und zwar in einer einfachen, aber effektiven Bildsprache.
Um dem iranisch-irakischen Krieg zu entkommen, wird sie als Jugendliche von ihren Eltern aus Teheran nach Wien geschickt. Nach vier Jahren kehrt sie trotz der Faszination der europäischen Jugendkultur wegen Heimweh nach Teheran zurück, wo sie als dekadent gilt und mit den täglichen Widerwärtigkeiten des islamischen Regimes konfrontiert wird. Von nun an ist sie nirgendwo mehr zuhause.

Diese gelungene Mischung aus Unterhaltungs-, Informations- und Reflexionswert mag den großen Erfolg der Biographie, die inzwischen in sechs Sprachen übersetzt ist und hohe Auflagen erzielt, erklären.

Signatur:
SL | Ju 3
Schlagworte: Kindheit | Iran | Fremdheit | Entwurzelung
Bewertung: +++
Rez.: Red.

Smith, Zadie: Swing Time. Roman. Dt. von Tanja Handels. Köln: Kiepenheuer & Witsch 2017. 626 S. ; 21 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-462-04947-3, geb.: 24,00 €

Der Traum vom Tanzen verbindet zwei Londoner Mädchen mit jamaikanischen Wurzeln ein Leben lang.

Als einzige farbige Mädchen im Ballettunterricht, im armen Londoner Nordwesten der achtziger Jahre, fühlen sich die namenlose Ich-Erzählerin und Tracey sofort zueinander hingezogen. Beide entstammen einem ähnlichen Milieu und doch haben die Mütter völlig unterschiedliche Vorstellungen von der Zukunft ihrer Töchter. Die eine glaubt an Bildung als Eintrittskarte in ein besseres Leben, die andere setzt ihre ganze Hoffnung in eine Tanzkarriere ihrer Tochter. Von Anfang an besteht eine starke Konkurrenz zwischen den Mädchen. Während die eine tatsächlich studiert und anschließend als Assistentin einer Popsängerin um die Welt reist , bleibt die andere im Viertel und macht eine begrenzte Tanzkarriere. Am Ende scheitern beide. Die Autorin beschreibt sehr authentisch die  besonderen Schwierigkeiten der Identitätsfindung bei doppeltem kulturellem Hintergrund.  Die Fülle der Themen, die sie dabei nebenbei anreißt, bremst hier und da den Fluss der Handlung.

Ein facettenreicher Roman, sehr zu  empfehlen für LeserInnen, die sich gern gründlich in Themenkomplexe vertiefen. 

Signatur:
SL
Schlagworte: Freundschaft | Integration | England | Tanz
Bewertung: +++
Rez.: Susanne Brenner

Wemme, Eva Ruth u. Stan, Silvia Cristina: Amalinca. Roman. Berlin: Verbrecher 2018. 214 S. ; 17 cm. ISBN 978-3-95732-339-2, kt.: 16,00 €

Eine Deutsche und eine Romni freunden sich in Berlin an und schreiben gemeinsam ihre Lebensgeschichte auf.

Zwei Frauen erzählen abwechselnd ihre Lebensgeschichte. Eine Romni aus Rumänien und eine Deutsche. Sie treffen sich in Berlin, freunden sich an und versuchen sich der Kultur der anderen anzunähern. Es gelingt nicht immer, aber es entsteht eine große Verbundenheit. Die geschriebene Geschichte der einen, die auf Tonband gesprochene Erzählung der anderen handeln von glücklichen Kindheiten, Familie, Beziehungen, Eindrücken aus Deutschland und Rumänien, der Suche nach sich selbst und oft nichts geringerem als Leben und Tod. Teilweise als Bewusstseinsstrom erzählt, springt die Erzählung zwischen den Leben der beiden Frauen, aber auch in der Zeit. Der Leser weiß oft nicht so genau, wo und wann in der Erzählung er sich befindet. Durch diese Überlagerung der Lebensströme entsteht ein eigenes Lesegefühl aus den Lebensgefühlen der Protagonistinnen. Keine Autobiografie, aber die Figuren ähneln den Autorinnen.

Ein poetisch anmutender Roman für alle, die sich mit dem Schicksal und der Suche nach dem Lebenssinn von Frauen (aus anderen Kulturkreisen) beschäftigen möchten.

Signatur:
SL
Schlagworte: Freundschaft | Fremdheit | Lebensgeschichte | Rumänien
Bewertung: ++
Rez.: Rebecca Noppmann

Sachbücher für Erwachsene

Bota, Alice;  Pham, Khuê u. Özlem, Topcu: Wir neuen Deutschen. Wer wir sind, was wir wollen. Reinbek: Rowohlt 2012. 176 S. ; 20 cm. ISBN 978-3-498-00673-0, geb.: 14,95 €

„Migranten“: starke Herausforderungen – herausfordernde Stärken.

Alle drei Autorinnen sind gerade über dreißig Jahre alt und arbeiten als Politikredakteurinnen bei der ZEIT. Die Unterschiede ihrer geografischen und sozialen Herkunft sind groß, aber es eint sie ein gemeinsames Gefühl: „Wir sind Deutsche!“ Damit, so stellen sie gleich zu Anfang heraus, sind sie nicht allein. Für rund 16 Millionen Bürger stellen sie einen Migrationshintergrund fest. Im Wechsel von gemeinsam verfassten Essays zu den verschiedenen Herausforderungen mit persönlichen Erfahrungsberichten beschreiben sie ihren besonderen Zugang zu Deutschland. Weil sie ganz offen dazu stehen, dass ihnen die „Herkunftskultur“ ihrer Eltern weiterhin wichtig ist, leiden zwar auch sie an  „gespaltener Identität“, aber für sie ist diese u.a. Grundlage für zusätzliche Kreativität. Die Autorinnen achten die Leistungen ihrer Eltern und die Chancen, die sich ihnen dadurch in Deutschland eröffnet haben.

Ein positiver Akzent zu den schon vorliegenden Berichten und Analysen über die neuen Deutschen: Es muss noch viel verbessert werden, aber erste Erfolge sind eindeutig erkennbar!
Signatur:
Bb | Sb
Schlagworte: Deutschland | Gesellschaft | Migranten | Interkulturalität
Bewertung: ++
Rez.: Rüdiger Sareika

Kowaluk, Agnieszka: Du bist so deutsch! Mein Leben in einem Land, das seine Tugenden nicht mag. München: Riemann 2014. 223 S. : 21 cm. ISBN 978-3-570-50166-5, kt.: 16,99 €

Mit Kenntnis und Einfühlung hält uns die Autorin den Spiegel vor - ein Glücksfall für unsere Selbsterkenntnis und unseren Umgang mit Fremden.

Agniezka Kowaluks Blick „von außen“ auf unsere Befindlichkeiten ist erkenntnisreich, humorvoll – und lesenswert! Wie der in Polen erfolgreiche deutsche Kabarettist Steffen Möller den Menschen in Warschau, Krakau und anderswo einen Spiegel vorhält, so notiert Autorin Kowaluk ihre Erfahrungen in unserem „Land, das seine Tugenden nicht mag“. Dass die auch als Übersetzerin tätige vielbelesene Journalistin auf einen großen Fundus literarischer gesellschaftlicher Abhandlungen zurückgreifen kann, verbreitert die philosophische Basis ihres Werks noch. Und ihre feinen Beobachtungen hierzulande und häufige Vergleiche mit dem Lebensstil in ihrer Heimat Polen zeigen, dass wir eben doch oft anders sind, als man zu wissen glaubt. Besser! Der öffentliche Raum, auf den Plätzen der Städte etwa, sei in Deutschland beispielsweise viel lebendiger als anderswo, verweist Kowaluk auf quirlige Straßencafes und bunte Wochenmärkte. Das ist durchaus eine neue Sichtweise für uns (West-) Deutsche, die wir traditionell eher nach Westen (die Boulevards in Paris) und Süden (die Straßencafes in Rom) schauen und im Vergleich mit der dortigen Kultur oft Defizite beim „Savoir vivre“ beklagen. Vom Osten des zusammenwachsenden Europas betrachtet stellt sich die Welt ein bisschen anders dar. So zeigt uns Agniezka Kowaluk Aspekte eines Lebensstils auf, den sie mag und über dessen Wert wir uns (trotz Stress, Ärger und Unzufriedenheit, die uns so oft quälen) auch im Klaren sein sollten. Die in München lebende Autorin hat eine Art Liebeserklärung an ihre Wahlheimat geschrieben, die die hier vorherrschende eher kritische Selbsteinschätzung ein wenig zurechtrückt. Wir sind entspannter, als wir denken.

Gut lesbar werden hier soziologische und kulturelle Aspekte des zusammenwachsenden Europas angesprochen. Spannend, informativ und mit positiver Lebenseinstellung hat Agnieszka Kowaluk ein Buch geschrieben, das gerade auch für kirchliche Büchereien eine lohnende Anschaffung ist.

Signatur: Sb
Schlagworte: Fremdheit | Mentalität | Toleranz
Bewertung: +++
Rez.: Klaus Frieling

Merey, Can: Der ewige Gast. Wie mein türkischer Vater versuchte, Deutscher zu werden. München: Blessing 2018. 320 S. : Ill. ; 21 cm. ISBN 978-3-89667-605-4, kt.: 17,00 €

Merey erzählt die Geschichte seines türkischen Vaters und des Scheiterns seines Versuchs, in Deutschland heimisch zu werden.


Merey beschreibt in drei Kapiteln den Integrationsversuch seines türkischen Vaters Tosun in Deutschland. Tosun kommt 1958 aus wohlsituierten türkischen Verhältnissen nach Deutschland, heiratet eine bayerische Bauerntochter und lebt sehr deutsch. Beruflich erfolgreich erlebt er immer wieder offene Ausländerfeindlichkeit, die in dem Gefühl gipfelt mit fremdklingendem Namen keine Chance zu haben, in Deutschland Karriere zu machen und somit seine Zeit vertan zu haben. Die Generation seiner Kinder erlebt Ausländerfeindlichkeit zunehmend offen und mit Erstarken der AfD beängstigend. Merey zeigt auf, wie sich Deutschland vom weltoffenen Land der 50er Jahre entwickelt zu einem Minderheiten ausgrenzendem Land. Er erklärt Begriffe wie Integration, Assimilation und Leitkultur und gibt Antworten auf die Frage, warum so viele Deutschtürken Erdogan-Anhänger werden.

Flüssig geschriebenes Buch, sehr zu empfehlen für alle, die sich für das Thema interessieren oder Neues erfahren und lernen wollen; sollte in keiner Bücherei fehlen.

Signatur: Fd | Jf
Schlagworte: Migration | Ausländerfeindlichkeit | Integration | Islam
Bewertung: ++
Rez.: Christine Helming

Ngo, Chi Dung: Heimat für Fortgeschrittene. Vom Mekong in die Mitte Deutschlands. München: Claudius 2017. 135 S. ; 20 cm. ISBN 978-3-532-62800-3, geb.: 18,00 €

Lebenserzählung eines Mannes, der als Sechzehnjähriger mit den Boatpeople aus Vietnam nach Deutschland kam.

Nach dem Ende des Vietnamkrieges flohen Hunderttausende auf überladenen Booten aus Vietnam. Mitte der 70er Jahre nahm Deutschland viele dieser "Boatpeople" auf. Sie wurden als Flüchtlinge vor dem Kommunismus anders angesehen als die heutigen Flüchtlinge, die über das Mittelmeer kommen und "nur" vor Armut und Perspektivlosigkeit fliehen. Wie viele Ähnlichkeiten es trotzdem gibt, macht die Lebenserzählung von Chi Dung Ngo deutlich, der als Sechzehnjähriger mit seinen Geschwistern über das Meer floh. Sehr reflektiert - der Autor hat Philosophie und Germanistik studiert - berichtet er von seinen Erlebnissen und seinen Träumen, beschreibt den Schwebezustand zwischen einer Heimat, die es nicht mehr gab und einem neuen Zuhause, das ihm komplett fremd war. Sein beeindruckender Drang, weiterzukommen führte ihn zum Erfolg. Mit philosophischer Genauigkeit beschreibt er, was es bedeutet, im Leben anzukommen, in diesem fremden Deutschland.

Für Menschen, die mit Flüchtlingen - gleich welcher Herkunft - arbeiten, bietet dieses Buch eine ungewöhnliche Perspektive. 

Signatur: Bb
Schlagworte: Flüchtlinge | Flucht | Fremdheit | Vietnam
Bewertung: ++
Rez.: Regina Riepe