Interview mit Katja Gehrmann

 

„Opa Rainer weiß nicht mehr“ ist unser „Schau mal“-Buch des Monats. Es erzählt von Mia, die die fortschreitende Demenzerkrankung ihres Opas miterlebt. Geschrieben wurde das Buch von Kirsten John, Katja Gehrmann hat die wunderbaren Bilder beigesteuert.

Liebe Katja, vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses kleine Interview nimmst! Das Thema des Bilderbuches ist ja ein sehr aktuelles, das viele Familien betrifft. Hat sich dein Blick auf das Thema Demenz durch die Illustration des Buches verändert?

Ja, weil ich mich intensiv damit beschäftig habe. Als Jugendliche hatte ich mal in einem Pflegeheim gearbeitet. Dort gab es auch einen demenzkranken Mann. Er war noch gar nicht alt, aber schon schwer dement und vergaß jedes Mal beim Essen, dass er auch kauen und schlucken sollte. Das war erschreckend für mich. Für die Arbeit am Buch habe ich viel mit Angehörige von Demenzkranken gesprochen.

Du hast dem Buch durch deine Bilder an Schwere genommen, ohne dass das Thema dadurch bagatellisiert wird. Wie kamen dir die Ideen für die einzelnen Bilder?

Ich habe mir vorgestellt, wie das wäre, wenn man etwas Konkretes vor sich hat, aber gar nicht mehr weiß, wozu das eigentlich genutzt wird und stattdessen andere Assoziationen dazu hat.

Gibt es eine Szene im Buch, die dich besonders berührt hat?

Ja, der Schluss hat mir so gut gefallen. Die Icherzählerin ärgert sich nicht mehr, sondern lässt sich auf die Welt des Opas ein und „öffnet“ einen Schokoladenkeks.

Das ist auch meine liebste Stelle. Die Szene illustriert auch so gut, was man über den Umgang mit Demenzkranken oft liest: Man soll die Erkrankten so annehmen, wie sie sind. Sie können sich nicht ändern. Das ist ja oft sehr schwer. Kinder handeln da oft intuitiv richtig, so wie Mia.
Mia kommt ja mal sehr gut klar mit Opas Hilflosigkeit, in anderen Momenten macht diese sie richtig sauer oder sie ekelt sich sogar vor Opa Rainer. Was möchte die Geschichte Kindern hier mitgeben?

Ich denke, man lernt mit Mia die Problematik kennen, wenn ein geliebter Mensch plötzlich so komisch wird. Mia fühlt sich ja plötzlich erwachsener und vernünftiger als der Opa, dieser Rollentausch ist sicher erstmal schwierig aber irgendwie auch interessant.

Welches ist die wichtigste Botschaft, die ihr mit dem Buch vermitteln wolltet?

Die wichtigste Botschaft ist meiner Meinung nach, dass man die neue Welt des Opas annehmen muss. Nicht dagegen ankämpfen, sondern sich darauf einlassen.