Norwegen - Gastland der Frankfurter Buchmesse 2019

Lieber Leserin! Lieber Leser!

Jedes Jahr im Oktober findet in Frankfurt am Main die weltgrößte Buch- und Medienmesse statt. Das Gastland der diesjährigen Messe ist Norwegen. Aus diesem Anlass haben wir eine Auswahl interessanter Titel für Sie zusammen gestellt.

Viel Freude beim Entdecken norwegischer Autorinnen und Autoren wünscht

Ihr eliport-Team

Für Kinder

Für Erwachsene

CDs für Kinder

CDs für Erwachsene

Bewertung:
+++      = hervorragend
++        = gut
+          = möglich

Jm 1 Bilderbücher

Bösemann. Gro Dahle. Ill. von Svein Nyhus. Dt. von Christel Hildebrandt. Zürich: Nord-Süd Verl. 2019. O. Pag. : überw. Ill. ; 27 cm. Aus d. Norw. ISBN 978-3-314-10481-7, geb.: 18,00 €

Ein überwältigendes Bilderbuch über häusliche Gewalt aus der Perspektive eines betroffenen Kindes.

Boj beobachtet seinen Vater sehr genau und nimmt jede kleinste Regung und Veränderung in seiner Stimmung, seinem Verhalten, seinem Gesichtsausdruck wahr. Er bemerkt, wie sich die ganze Atmosphäre in der Wohnung verändert, wenn der Vater wütend, bedrohlich und gewalttätig wird - dann verwandelt er sich in Bösemann.
In ausdrucksstarken Bildern wird der Prozess der Wut und Angst, des Versagens, der Bedrohung und der Hilflosigkeit aller Familienmitglieder einfühlsam-prägnant dargestellt. Der detaillierte Text beschreibt, wie sensibel die Antennen eines Kindes in einer von Gewalt geprägten Familie sind, wie sich Gefühle wie Schuld, Trauer, Scham und Schutzlosigkeit in die kindlichen Gedanken fressen und das emotionale Spannungs- und Abhängigkeitsfeld, in dem sich die Mutter befindet. Ein  beeindruckendes bild- und wort"gewaltiges" Buch, das so anschaulich, nachdrücklich und intensiv ist, dass es fast wehtut. Sehr hilfreich für die Arbeit mit betroffenen Kindern im therapeutischen Kontext.

Für alle (Fach)Menschen, die die Facetten von häuslicher Gewalt reflektieren und sich in die Gefühlswelt betroffener Kinder hineinversetzen möchten. Absolut empfehlenswert!

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Häusliche Gewalt | Kinderschutz | Familie
Bewertung: +++
Rez.: Lena Danneberg

Hole, Stian: Morkels Alphabet. Dt. von Ina Kronenberger. München: Hanser 2016. O. Pag. : überw. Ill. ; 27 cm. Aus d. Norw. ISBN 978-3-446-25100-7, geb.: 14,90 €

Wenn ein Bilderbuchillustrator ein Jugendbuch erzählen und malen will und es um die erste Liebe geht ...

Stian Hole ist eine Ausnahme. Seine Bücher sind Zauberwerke der Traumwelt, deren Bildsprache überraschend und ruppig unangepasst ist. Schön ist was anderes! Und trotzdem wimmelt es von Schönheit in all dem Hässlichen. In diesem Fall ist auch die Geschichte schön, die erzählt wird. Eine Geschichte, die Mut fordert. Morkel ist abgehauen und wohnt bei Eiseskälte im Baumhaus. Sein Vater gilt als Dieb. Sippenhaft macht Morkel zum Außenseiter. Aber Anna, die seit Kindertagen seine Freundin ist, kann seine Botschaften lesen und hat Tapferkeit genug, ihn im Wald zu suchen und zu finden. Sie ist ihm treu. Auch, als er verschwindet und sie von Trauer überfallen wird. Er wird wieder kommen. Sie wird ihn wieder finden. Gemeinsam können sie das Leben lesen. Und wir mit ihnen!

Ein Bilderbuchkino für Große, für KonfirmandInnen und für erste Liebende und Treue.

Signatur: Jm 1
Schlagworte:
Freundschaft | Liebe | Vorurteile
Bewertung: +++
Rez.:
Christiane Thiel

Jm 2 Märchen

Horndal, Sissel: Máttaráhkkás weite Reise. Eine Erzählung aus dem Samenland. Dt. von Elisabeth Berg. Basel: Baobab 2019. O. Pag. : überw. Ill. ; 26 cm. Aus d. Norw. ISBN 978-3-905804-96-6, geb.: 18,50 €

Der nordische Gott Radien und die Urmutter Máttaráhkká begleiten die Entstehung zweier neuer Erdenbürger.

Hoch oben in Nordeuropa bricht bei den Samen der Winter an. Mensch und Natur stellen sich auf eine lange Kälteperiode ein. Am See beobachten ein Mann und seine Frau die Zugvögel. Sie sehen wie der Winterhimmel immer dunkler wird. Gott Radien hält seine Hand über alles Lebende. Sein Sohn kann den Anfang eines Lebens schaffen, in Urmutter Máttaráhkkás Bauch wächst der Lebenskeim. Sie und ihre drei Töchter Uksáhkká, Juoksáhkká und Sáráhkká spielen eine wichtige Rolle dabei, dass die Frau am See Zwillinge gebärt. Das Paar und die Welt freuen sich nicht nur über dieses Ereignis, sondern auch darüber, dass die Sonne nach dem langen Winter wieder die Oberhand behält. Der uralte Mythos über die Entstehung von Leben, über Gott Radien und Urmutter Máttaráhkká erzählt man sich seit Generationen bei dem Volk der Samen. Seine wunderschöne Umsetzung ins Bildliche, mit filigranen Motiven und einer sehr ansprechenden Hell-Dunkel-Farbgebung, machen das außergewöhnliche Bilderbuch zu etwas ganz Besonderem.

Für empfindsame Kinder ab 8 Jahren, für empfängliche Jugendliche und für Erwachsene, die europäische Göttersagen und Sammler-Bilderbücher zu schätzen wissen.

Signatur: Jm 2
Schlagworte:
Sagen | Samen | Nordeuropa
Bewertung: +++
Rez.:
Martina Mattes

Prøysen, Alf: Die fabelhafte Frau Löffelchen. Ill. von Annine Qvale. Dt. von Antje Subey-Cramer. Stuttgart: Urachhaus 2019. 311 S. : Ill. ; 29 cm. Aus d. Norw. ISBN 978-3-8251-5186-7, geb.: 25,00 €

Märchenhafte Vorlesegeschichten von einer Frau, die plötzlich nur noch so groß wie ein Teelöffel ist.

Ausgerechnet an einem Tag, an dem sie besonders viel im Haushalt zu tun hat, geschieht es zum ersten Mal: Die vielbeschäftigte Ehefrau und Mutter erwachsener Kinder ist plötzlich nur noch so klein wie ein Teelöffel. Doch Frau Löffelchen ist erfinderisch, hadert nicht mit ihrer Situation, sondern beauftragt die Haustiere, mit denen sie sich in Teelöffel-Größe verständigen kann, gewisse Arbeiten zu übernehmen. Gerade in dem Moment, als alles erledigt ist, kommt ihr Mann von der Feldarbeit nach Hause und Frau Löffelchen erreicht wieder ihre wahre Größe. Auch in den anderen 46 Geschichten hält der Zustand der Verwandlung nicht allzu lange an, jedoch kann sich Frau Löffelchen nie sicher sein, in welcher Situation sie erneut auf die Größe eines Teelöffels schrumpft, was den märchenhaften Geschichten jede Menge Tempo und Witz verleiht und den Lesern viel Spaß bereitet, wenn es der erfinderischen Frau Löffelchen immer wieder gelingt, sich aus misslichen Situationen zu retten.

Ein Vorlesebuch für Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter, die sicherlich auch an den liebevoll gestalteten, typisch nordischen Illustrationen viel Freude haben werden.
Schlagworte:
Norwegen | Humor | Phantasie
Bewertung: +++
Rez.:
Claudia Birk-Gehrke

Ju 1 Erzählungen für das erste Lesealter (6-8 Jahre)

Øvreås, Håkon: Super-Laura. Ill. von Øyvind Torseter. Dt. von Angelika Kutsch. München: Hanser 2018. 189 S. : Ill. ; 18 cm. Aus d. Norw. ISBN 978-3-446-25873-0, geb.: 12,00 €

Laura kämpft mit ihren Freunden Bruno und Matze superhelden-mutig gegen die Errichtung einer großen Hühnerfarm.

Laura ist Mitglied der Farbsuperheldenbande. Immer wenn sie oder ihre zwei Mitstreiter Bruno und Matze sich über etwas ärgern oder eine Ungerechtigkeit aufdecken, mutieren sie zu „Blaura“, „Brauno“ und „Schwarzke“. Mit Farbeimern bewaffnet begeben sie sich auf Rachefeldzug. Leider erweist sich das jüngste Problem, das die drei Helden zu bewältigen haben, als nicht so leicht zu lösen. Der reiche Tom Hahn will mit Unterstützung des örtlichen Bürgermeisters direkt hinter den Wohnhäusern eine große Hühnerfarm errichten. Zu allem Überfluss steht genau dort die Hütte der drei Freunde. Der Neubau muss also unter allen Umständen verhindert werden. Nach einer gescheiterten Unterschriftensammlung, soll eine Kuchenlotterie auf dem Wintermarkt die Rettung sein. Aber so einfach lässt sich die Sache nicht meistern…  Nach den Bänden Super-Bruno und Super-Matze steht nun das dritte Mitglied der Bande im Mittelpunkt: Super-Laura. Eine herrlich launige Geschichte, die genau den Ton trifft: humorvoll und zugleich authentisch erzählt. 

Ein wunderbares Buch über eine unerschrockene Heldin, gespickt mit zahlreichen comicartigen Illustrationen. Unbedingt lesenswert für Kinder im Grundschulalter!

Signatur: Ju 1
Schlagworte:
Freundschaft | Mut | Helden | starke Mädchen
Bewertung: +++
Rez.:
Juliane Deinert

Ju 2 Erzählungen für das zweite Lesealter (9-12 Jahre)

Bjørnstad, Taran u. Grav, Christoffer: Der Krokodildieb. Ill. von Christoffer Grav. Dt. von Maike Dörries. Weinheim: Gulliver 2017. 122 S. : Ill. ; 19 cm. Aus d. Norw. ISBN 978-3-407-74905-5, kt.: 6,95 €

Ein haarsträubendes Mutmach-Abenteuer mit Witz, Tiefgang und gefräßigem Zwergkaiman.

Für seine Klassenkameraden ist der 9-jährige Odd schrullig, unscheinbar und eine kleine ängstliche Memme. Und auch von seiner Familie wird er nicht so richtig ernst genommen, der kleine Odd. Auf einem Klassenausflug in den Zoo kommt ihm da eine Idee: Wie wäre es, wenn er ein Krokodil zum Freund hätte? Mit so einem Freund würde er sich sicher viel stärker fühlen und alle würden ihn plötzlich anders sehen, den furchtlosen Odd! Kurzerhand klaut er unter Schweißausbrüchen Zack, einen Zwergkaiman, der ihm aber ganz schön einheizt. Zack hat es neben Schinkenbroten und Leberpaste auch auf den Hamster von Odds Schwester abgesehen. Der geheime Freund muss also wieder zurück, aber zackig. Und Odd kriegt das hin. Schließlich ist er ja nun kein Feigling mehr, sondern ganz schön verwegen, gefährlich, mutiger und auf Zack. Das brilliante Zusammenspiel von Text und zweifarbigem, comicartigen Illustrationen zieht Leser schnell in seinen Bann und weiß bestens zu unterhalten.

Eine witzige, aber einfühlsame Geschichte für alle Leser ab 8 Jahren, die ab und zu auch mal ein Krokodil zum Kumpel brauchen.

Signatur: Ju 2
Schlagwort: Mut | Selbstbewusstsein | Abenteuer
Bewertung: ++
Rez.: Anne Tebben

Kaurin, Marianne: Emil und die Prinzessin aus dem Nachbarhaus. Dt. von Meike Blatzheim. Bamberg: Magellan 2019. 127 S. ; 22 cm. Aus d. Norw. ISBN 978-3-7348-4053-1, geb.: 13,00 €

Ein ganz normaler Junge: Emil. Jedenfalls so lange, bis Florine in seine Klasse kommt. Da ist nichts mehr, wie es war ...

Was für eine wundervolle Liebesgeschichte mit dem 9-jährigen Emil! Sein Leben als Schüler verläuft gleichmäßig und ohne Aufregung, bis zu dem Tag, an dem Florine in die Klasse und neben ihm zu sitzen kommt. Von da an steigt die Temperatur im Klassenzimmer. Wenn er nur wüsste, wie er sich ihr am besten präsentiert und erst mal nähert! Da erfindet Florine ein Spiel: Sie ist Prinzessin und er ist Diener, und Diener müssen bekanntlich alles tun, was Herrinnen befehlen. So auch Emil. Das ist lustig, bis Florine ihm befiehlt, Alexander zu fragen, ob er mit ihr „gehen“ will, weil er sie zum Lachen bringt … Der junge Leser folgt dem Geschehen aus Emils Sicht und erlebt Höhen und Tiefen seiner neu entdeckten Gefühle. Ein berührendes Buch über das Träumen, Lieben und Größerwerden, das warmherzig und souverän Kinder und ihre Probleme ernst nimmt und Lösungen aufzeigt, die aus dem Mund der eigenwilligen, lebensklugen Oma nur Anstöße bieten, die es dann selbst zu überdenken und umzusetzen gilt.

Für alle Kinder ab Ende des 3. Schuljahrs wärmstens empfohlen.

Signatur: Ju 2
Schlagworte: Verliebtsein | Schule | Freundschaft
Bewertung: +++
Rez.: Astrid van Nahl

Lian, Torun: Alice, die Notfallprinzessin. Ill. von Øyvind Torseter. Dt. von Gabriele Haefs. Hildesheim: Gerstenberg 2019. 155 S. : Ill. ; 22 cm. Aus d. Norw.ISBN 978-3-8369-6010-6, geb.: 12,00 €

Im Schultheaterstück muss die chronisch schüchterne Alice plötzlich die Hauptrolle übernehmen.

Alice ist eine Heldin – am Schluss dieses besonderen Kinderbuches jedenfalls. Am Anfang ist sie unglaublich schüchtern. Sie hat sich ein wenig in ihren Nachbarn Iver verliebt, der seinerseits der hübschen Helene hinterherguckt. Beim Schultheaterstück spielt Alice die zweite Hälfte eines Pferdes. Nur im unwahrscheinlichen Fall, dass Helene in der Hauptrolle als Prinzessin ausfällt, soll Notfallprinzessin Alice einspringen. Ein Unglück geschieht. Nun muss Alice den wichtigen Part übernehmen. Die Zitterpartie bis zur Premiere nimmt immer schlimmere Formen an, bis Alice auf der Bühne steht. Dort überrascht sie alle und sich selbst am meisten. Nicht nur die eigenwilligen Illustrationen, sondern auch die fein beobachteten inneren Gefühle von Alice lassen dieses Kinderbuch aus der Masse deutlich herausragen. Schüchterne Kinder sehen in der Titelfigur vielleicht Parallelen zu sich selbst und gewinnen ein bisschen mehr Selbstvertrauen. Schon deswegen lohnt es sich, das Buch einzustellen.

Leser*innen, die gerne von seelischen Ängsten und Strategien lesen, wie man sie bewältigt, haben mit der sensibel erzählten Geschichte eine lohnende Lektüre gefunden. Ab 8 J.

Signatur: Ju 2
Schlagworte:
Schüchternheit | Theaterstück | Verliebtheit | Selbstvertrauen
Bewertung: +++
Rez.:
Martina Mattes

Lunde, Maja: Über die Grenze. Dt. von Antje Subey-Cramer. Ill. von Regina Kehn. Stuttgart: Urachhaus 2019. 190 S. : Ill. ; 21 cm. Aus d. Norw. ISBN 978-3-8251-5151-5, geb.: 15,00 €

1942: Norwegen unter deutscher Besatzung. Zwei jüdische Kindern müssen über die Grenze nach Schweden fliehen ...

Das Buch erschien in Norwegen 2012, bevor die Flut an Flüchtlingen nach Europa schwappte. Und es bringt jungen Lesern das Verständnis von Krieg und Verfolgung eindringlich nahe. Es ist das Jahr 1942. Zwei jüdische Kinder müssen nach der deutschen Besatzung Norwegens nach Schweden fliehen, wo der Vater wartet; eine norwegische Familie mit zwei Kindern hat sie versteckt, wird aber verhaftet – und die Kinder, allein geblieben, helfen ihren neuen Freunden. Eine abenteuerliche Flucht auf Leben und Tod beginnt: bittere Realität, die dem Leser, alt oder jung, beklemmende Einsichten vermittelt: Wie ist es, ohne Eltern zu sein, wenn man sich verstecken muss, wenn es kalt ist, wenn man Angst und Hunger hat? Und hat man den Mut zu helfen, wenn man Unrecht erkennt? Wie ist das mit dem Widerstand? Aus Sicht der Kinder entwickelt sich eine glaubwürdige Geschichte, die den Blick öffnet, eine Geschichte ohne nationale Vorurteile, die auch überkommene Feindbilder in Frage stellt. Unbedingt lesenswert!

Vor allem bei Kindern, die in der Schule oder am Wohnort mit Flüchtlingen zu tun haben.

Signatur: Ju 2
Schlagworte: Krieg | Verfolgung | Norwegen | Zivilcourage
Bewertung: +++
Rez.: Astrid van Nahl

Nagelhus, Helene: Immer was los bei Emma und Oskar. Ill. von Karin Lindermann. Dt. von Annika Ernst. München: Dt. Taschenbuch Verl. 2019. 298 S. : Ill. ; 22 cm. Aus d. Norw. ISBN 978-3-423-76258-8, geb.: 12,95 €

Emma und Oskar auf ihrem Bauernhof Eiktun in Norwegen - fast wie in Bullerbü!

„Immer was los" - der Titel ist Programm! Auf dem Bauernhof von Emma und Oskar (der auf dem Cover verdächtig nach den roten Häuschen in Bullerbü aussieht) geht es tatsächlich – sagen wir: lebhaft zu. Die neunjährigen Zwillinge leben hier mit den Eltern und der Oma und dem kleinen Bruder, in wunderbarer Natur und großem Glück. Und jeden Tag passiert etwas Neues, das Abenteuerlichste von allen vielleicht gleich am Anfang, als die beiden ein verlassenes Fuchsjunges finden und es gleich auch mitnehmen, wenn sie schon keinen Hund halten dürfen! Tiere sind die große Leidenschaft der beiden (und ganz sicher auch der jungen Leser), und so handeln viele ihrer Erlebnisse von Hunden, von Lämmern, die zur Welt kommen, von wild lebenden Vögeln, deren Eier jemand klaut … Ein wunderbar spannendes Buch, in dem sich aus dem einfachen Leben und Alltag in der Natur Ereignis an Ereignis im Jahreslauf reiht, unbeschwert, heiter, ohne Probleme. Kinder zwischen 8 und 11 werden es lieben!

Gut geeignet für Schulbibliotheken - für Leser ab 9, die nicht vor dem Umfang von 300 Seiten scheuen; die episodenhafte Struktur ermöglicht Lesen mit Pausen.

Signatur: Ju 2
Schlagworte: Bauernhof | Tiere | Natur
Bewertung: ++
Rez.: Astrid van Nahl

Parr, Maria: Manchmal kommt Glück in Gummistiefeln. Dt. von Christel Hildebrandt. Ill. von Barbara Korthues. Hamburg: Dressler 2019. 203 S. : Ill. ; 22 cm. Aus d. Norw. ISBN 978-3-7915-0079-9, geb.: 15,00 €

Trille und Lena sind allerbeste Freunde. Da kommt Brigitte aus den Niederlanden dazu. Die Abenteuer reißen nicht ab.

Ich-Erzähler Trille und Lena aus dem norwegischen Küstenstädtchen Knert-Mathilde bilden ein Gespann, das zusammenhält wie Pech und Schwefel. Sie kommen beide in die 7. Klasse, spielen in einer Fußballmannschaft und sind ziemlich beste Nachbarn. Später stößt die liebenswerte Holländerin Brigitte dazu. Trotz anfänglicher Verständigungsschwierigkeiten erleben sie nun zu dritt jede Menge Spektakuläres. Höhepunkte gibt es in diesem charmanten Kinderbuch viele, z. B. als Lena Papa aus Versehen mit dem Luftgewehr am Popo trifft oder als der normalerweise sehr zurückhaltende Trille seinem Opa beherzt das Leben rettet. Ein weiterer Grund höchster Freude sind Trilles neugeborene Schwester oder die Nachricht, dass Lena endlich auch ein Geschwisterchen bekommt. Neben den vielen lustigen Momenten und dem liebenswerten Charakter der Protagonisten verführen auch die kunterbunten Illustrationen ganz sicher dazu, dass die Zielgruppe dieses Kinderbuch vom ersten bis zum letzten Satz begeistert liest. 

Die bezaubernde Geschichte von Trille, Lena und Brigitte ähnelt ein bisschen dem Stil Astrid Lindgrens, die immer ein Garant für allerbeste Kinderliteratur ist. Ab 9 Jahren.

Signatur: Ju 2
Schlagworte: Freundschaft | Meer | Norwegen
Bewertung: +++
Rez.: Martina Mattes

Thon, Ingunn: Mollis Sommer voller Geheimnisse. Dt. von Maike Dörries. Ill. von Nora Brech. Zürich: Woow 2018. 234 S. : Ill. ; 21 cm. Aus d. Norw. ISBN 978-3-96177-006-9, geb.: 14,00 €

Eines Tages entdecken Molli und Gro im Birkenwald einen gelben, geheimnisvollen Briefkasten – und darin eine Postkarte …

Eigentlich ist sie gar nicht lustig, die Geschichte von Molli und ihrer Mama und deren nervigem Freund und dem süßen kleinen Sohn der beiden. Mollis Vater ist nämlich weg, und nur zum Geburtstag schreibt er jedes Jahr die gleiche Karte: „Ich denk an dich. Ich hab dich lieb.“ Nicht so einfach für Molli, aber zum Glück wohnt ihre beste Freundin Gro gleich nebenan. Und dann kommt der Sommer, in dem vieles geschieht: Die beiden entdecken einen Briefkasten und darin eine Postkarte. Sie lernen eine verrückte alte Frau kennen, die Post hortet, und bei ihr findet Molli Karten ihres Vaters… oder nicht? Eine abenteuerliche und sehr spannende Geschichte beginnt, mit irrationalen und märchenhaften Elementen, die in leisen Tönen aber auch von heutigen neuen und schwierigen Familienkonstellationen erzählt, immer aus der Perspektive des 10jährigen Kindes. Die Suche nach dem unbekannten Vater führt am Ende zwar nicht zum Vater, aber zu der Erkenntnis, dass auch Stiefväter und Stiefgeschwister gar nicht so übel sind…

Besonders geeignet für Kinder, die nicht in einer intakten Familie aufwachsen. Zum Vorlesen schon ab 6, auch in Gruppen, mit Möglichkeit zu Gesprächen über menschliche Beziehungen.

Signatur: Ju 2
Schlagworte: Familie | Vatersuche | Stiefvater | Freundschaft
Bewertung: +++
Rez.: Astrid van Nahl

Wiik Gjerde, Christian: Kleeblattsommer. Ill. von Anke Kuhl. Dt. von Maike Dörries. Hildesheim: Gerstenberg 2019. 333 S. : Ill. ; 22 cm. Aus d. Norw. ISBN 978-3-8369-5945-2, geb.: 14,95 €

Ein neuer Junge auf der kleinen Fjordinsel droht Alvar seinen besten Freund wegzunehmen.

Sie sind die weltbesten Freunde, haben einen Heulclub, ein Baumhaus der Spitzenklasse und Gulla, zu der sie jederzeit mit ihren Freuden und Nöten kommen können. Dann zieht Magnus auf die Insel. Magnus, der schon mit 12 Mädchen zusammen war und alle hat er geküsst! Der sich Gel in die Haare schmiert und eine coole Lederjacke trägt. Und der rasend gern Fußball spielt – genau wie Jens. Und da liegt das Problem: Alvar kann und mag kein Fußball spielen. Und er bekommt Angst, als Jens immer öfter mit Magnus unterwegs ist. Da tut er in seiner Wut und Verzweiflung etwas ziemlich Dummes und Jens kündigt ihm die Freundschaft auf. Gulla rät, dass Alvar seinen inneren Helden finden soll, um Jens Freundschaft zurückzugewinnen – und setzte damit eine Kette von Ereignissen in Gang, die auf einer Reihe von Umwegen tatsächlich zum glücklichen Ende der Geschichte führen.

Eine nette Wohlfühl-Geschichte, die ein Thema, mit dem sicher jedes Kind einmal konfrontiert ist, gut bearbeitet. Die Kinder klingen bisweilen arg altklug, aber die Botschaft kommt rüber. Das Buch eignet sich sowohl als Vorlesegeschichte ab 7 als auch zum Selberlesen ab 9 J.

Signatur: Ju 2
Schlagworte:
Freundschaft | Eifersucht | Insel | Norwegen
Bewertung: ++
Rez.:
Wiebke Mandalka

 

Ju 3 Erzählungen für Jugendliche ab 13 Jahren

Kaurin, Marianne: Beinahe Herbst. Dt. von Dagmar Mißfeldt. Zürich: Arctis 2019. 235 S. ; 21 cm. Aus d. Norw. ISBN 978-3-03880-031-6, geb.: 16,00 €

Eine Liebesgeschichte zu Zeiten der deutschen Besetzung Norwegens im Zweiten Weltkrieg.

Der Roman spielt im 2. Weltkrieg während der Besatzungszeit Norwegens durch die Deutschen. Das ist lange her, und es gibt kaum mehr Zeitzeugen. Mal sollte daher die „Historische Notiz“ zu den Judenverfolgungen am Ende des Buches lesen, sie liefert Zahlen und Fakten. Es ist eine Geschichte von Liebe und Zufällen, wie man sie auch aus anderen Zeiten kennt, ein Wiedererkennungseffekt, der Jugendlichen die Begegnung mit der unbekannten Welt erleichtert. Stärker als auf Geschichte setzt der Roman auf dauerhafte Werte, Verantwortung, Zivilcourage, Mut, Mitleiden, und weist damit über die bloße Kriegssituation hinaus. Die großen Themen, die Heranwachsende interessieren, Selbstfindung, Selbstbehauptung, familiäre Konflikte, Suche nach Vorbildern, die große Liebe, sie alle motivieren zum stetigen Weiterlesen dieser souverän erzählten Geschichte. Ein Buch über die politisch-soziale Verantwortung von Menschen, über Unzuverlässigkeiten der Beziehungen und die Fragwürdigkeit der Weltordnung. 

Schöne Zusatzlektüre im Fach Ethik oder im Geschichtsunterricht bei den Themen Zweiter Weltkrieg, Judenverfolgung und Widerstand.

Signatur: Ju 3
Schlagworte: Zweiter Weltkrieg | Norwegen | Widerstand | Judenverfolgung
Bewertung: +++
Rez.: Astrid van Nahl

Torseter, Øyvind: Hans sticht in See. Die Irrfahrt und Heimkehr eines mittellosen Burschen auf der Suche nach dem Glück. Dt. von Maike Dörries. Hildesheim: Gerstenberg 2019. O. Pag. : überw. Ill. ; 22 cm. Aus d. Norw. ISBN 978-3-8369-5686-4, geb.: 26,00 €

Den naiven Hans zwingt die Armut auf eine große Seefahrt voller Gefahren und ins Glück.

Der mit dem Kinder- und Jugendbuchpreis ausgezeichnete Torseter legt mit „Hans sticht in See" eine neue Graphic Novel vor, in der der vom Pech verfolgte, arbeits- und wohnungslose, schüchterne, immer freundliche Hans im gelben Flattermantel  in einer Hafenkneipe strandet und sich notgedrungen von einem reichen Sammler mit Elefantenrüssel anheuern lässt, um das größte Auge der Welt zu suchen. Auch an Bord wird Hans ausgebeutet, gibt seinen letzten Norwegerpulli an einen frierenden Delfin her und entdeckt in einer blinden Passagierin die Frau seiner Träume aus der Hafenkneipe wieder. Gemeinsam gelingt es ihnen, sich gegen den kapitalistischen Sammler aufzulehnen und das Richtige zu tun. Mit Elementen aus Märchen und Mythen fabuliert Torseter ein absurd-witziges und sozialkritisches modernes Abenteuer. Klassische Comiczeichnungen wechseln sich mit rostrot, gelb-blauen teils doppelseitigen Bildern ab und erzählen in Details noch mehr als der Text.

Wer Torseters ausgezeichnetes Werk „Der siebente Bruder" schätzt, wird hier nicht enttäuscht. Gestaltung und Geschichte suchen eine offene und neugierige Leser*innenschaft ab 12 Jahren aufwärts.

Signatur: Ju 3
Schlagworte: Glück | Abenteuer | Odyssee | Märchen
Bewertung: ++
Rez.: Kathrin Vogel

Sachbücher für Kinder

Fiske, Anna: Alle haben einen Po. Dt. von Ina Kronenberger. München: Hanser 2019. 78 S. : überw. Ill. ; 25 cm. Aus d. Norw. ISBN 978-3-446-26430-4, geb.: 14,00 €

Ein humorvolles Kindersachbuch darüber, wie unterschiedlich und vielfältig unsere Körper sind. Ein Plädoyer für einen respektvollen Umgang miteinander. 

Alle Menschen haben einen Körper und alle Körper sind unterschiedlich. Manche sind groß und kräftig, manche klein und zierlich. Der Körper kann Spaß bringen, zum Beispiel beim Tanzen. Der Körper verändert sich im Laufe des Lebens. Dieses fast textlose, mit comicartigen, farbigen Zeichnungen versehene Sachbuch macht deutlich, dass jede bzw. jeder über seinen Körper selbst bestimmen kann. Es stellt ungewöhnliche, zum Schmunzeln einladende Fragen wie „Können wir im Laden nackt sein?“ oder „Darf man in einen Abfalleimer pinkeln?“  Jede Doppelseite befasst sich überblicksartig mit einem Thema und präsentiert viele Einzelbilder. Das vorliegende Buch ist der erste ins Deutsche übersetzte Titel der in Norwegen sehr bekannten Illustratorin. Es wurde dort unter die schönsten Bücher des Jahres gewählt.   

Für Kinder ab 4 Jahren. Ein Buch, das mitwächst, große und kleine Leserinnen und Leser anspricht und zum Nachdenken, Diskutieren, Widersprechen und Lachen sowie zur kreativen Weiterarbeit einlädt.

Signatur: Jn
Schlagworte: Körper
Bewertung: +++
Rez.: Anke Märk-Bürmann

SL Romane, Erzählungen, Dramen, Lyrik

Elstad, Lotta: Mittwoch also. Roman. Dt. von Karoline Hippe. Köln: Kiepenheuer & Witsch 2019. 291 S. ; 20 cm. Aus d. Norw. ISBN 978-3-462-05203-9, geb.: 18,00 €

Ein Roman über die Auswirkungen einer ungewollten Schwangerschaft.

Mit Anfang dreißig ist Hedda gerade in einer schwierigen Phase. Wohn- und Jobsituation sind äußerst prekär und auch ihre Liebe zu Lukas wird nicht nach ihren Vorstellungen erwidert. Trotzdem schlägt sie sich so durch, bis sie nach einem mittelmäßigen One-Night-Stand auf einmal schwanger ist. Hedda ist glasklar, dass sie abtreiben möchte, doch die drei-Tage-Regel kommt ihrem Entschluss in die Quere. Das norwegische Gesundheitssystem sieht es vor, dass vor einem Schwangerschaftsabbruch drei volle Tage Bedenkzeit eingeplant werden müssen. Da ein Wochenende dazwischen liegt, hat Hedda sogar sechs Tage vor sich, in denen die Situation vollkommen kippt. Letztendlich lässt sie den vereinbarten Termin platzen und verliert ganz und gar die Kontrolle. Als sie wieder einigermaßen zu sich kommt, ist die Frist für einen Abbruch überschritten und sie weiß sich nicht anders zu helfen, als eine ganze Packung der Pille zu schlucken und lebensgefährlichen Tipps im Internet nachzugehen.

Ein wahnsinnig aufgeregter Roman, der sich mit Humor und Scharfsinn für das Recht auf Abtreibung ausspricht. Empfehlenswert für alle, die sich mit dem Thema Schwangerschaftsabbruch anhand einer Innenperspektive beschäftigen möchten.

Signatur: SL
Schlagworte: Ungewollte Schwangerschaft | Abtreibung | Feminismus | Frau
Bewertung: ++
Rez.: Rosa Bömelburg

Flatland, Helga: Eine moderne Familie. Roman. Dt. von Elke Ranzinger. Bonn: Weidle 2019. 306 S. ; 21 cm. Aus d. Norw. ISBN 978-3-938803-93-6, kt.: 25,00 €

Siebzigster Geburtstag von Papa, eine schöne Familienfeier mit den drei erwachsenen Kindern – ein Fest mit Paukenschlag.

Auch in diesem norwegischen Roman geht es letztlich um die Frage nach Zusammenleben und innere Einsamkeit. Eine Frage, deren Antwort auf der zweitägigen Tour der Familie nach Rom zur Feier von Papas Geburtstag wie eine Bombe einschlägt: Nach 40 Jahren bricht die Ehe von Sverre und Torill auseinander, sie werden sich scheiden lassen. Ungläubiges Staunen bei den drei erwachsenen Kindern Liv, 40, Ellen, 38, und Håkon, 30, die die Geschichte kapitelweise erzählen. Es ist nicht nur die gescheiterte Beziehung der Eltern, die sie unterschiedlich aufnehmen und diskutieren; vielmehr erhält der Leser einen intimen Blick in Leben und Beziehungen der Kinder, der verheirateten Liv mit zwei eigenen Kindern, der sich heftig nach Kindern sehnenden Ellen und des Junggesellen Håkon, der etwas aufbauen möchte. Es wird für alle eine Abrechnung, eine Auseinandersetzung mit dem Leben an sich. Für den Leser wird der Roman zur deutlichen Aufforderung, seine eigenen Ansprüche an Beziehungen zu überdenken.

Gut einsetzbar in Lese- und Literaturkreisen, die in Fragestellungen rund um den Wert von Ehe und Familie einen Schwerpunkt setzen.

Signatur: SL
Schlagworte: Familie | Ehe | Werte
Bewertung: +++
Rez.: Astrid van Nahl

Fosnes Hansen, Erik: Ein Hummerleben. Roman.Dt. von Hinrich Schmidt-Henkel. Köln: Kiepenheuer & Witsch 2019. 381 S. ; 22 cm. Aus d. Norw. ISBN 978-3-462-05007-3, geb.: 24,00 €

Niedergang und Verfall eines einst mondänen Hotels und Ende einer Idylle.

Am Ende fragt man sich, was man gelesen hat: einen Roman über den Umbruch der Zeit, einen Abgesang auf die Gesellschaft, eine persönliche Tragödie, eine Satire? Von allem etwas, und das macht die Lektüre zu einem großen und unterhaltsamen Abenteuer, auf das man sich einlassen muss. Es ist Anfang der 1980er Jahre, und der 14-jährige Sedd wächst in dem feudalen, aber nostalgisch veralteten Berghotel seiner Großeltern heran, immer vorbereitet auf seine Rolle als einstiger Hotelbesitzer. Aber die Zeiten ändern sich und damit die Gäste, die nun lieber in den Süden fliegen zum Wärmetanken. Und dann – auf der ersten Seite des Romans – stirbt der wohlwollende Bankdirektor während eines Essens und löst damit den Anfang des Untergangs aus. Die scheinbar heile Welt beginnt zu zerfallen … Erik Fosnes Hansen verbindet sprachgewaltig, humorvoll satirisch und überaus unterhaltsam geschrieben die Geschichte einer einsamen Kindheit mit Lokalkolorit und Zeitgeschichte. Ein literarischer Leckerbissen!

Ein „Spaziergang" durch die 1980er Jahre in Norwegen - der schönstmögliche Einstieg in die Vorbereitung auf das Gastland Norwegen bei der Buchmesse.

Signatur: SL
Schlagworte: Norwegen | Generationen | Gesellschaft | Zeitgeschichte
Bewertung: +++
Rez.: Astrid van Nahl

Gaarder, Jostein: Genau richtig. Die kurze Geschichte einer langen Nacht. Dt. von Gabriele Haefs. München: Hanser 2019. 124 S. ; 19 cm. Aus d. Norw. ISBN 978-3-446-26367-3, geb.: 16,00 €

Ich-Erzähler Albert zieht es aufgrund einer fatalen Krankheitsdiagnose in die Abgeschiedenheit. Dort blickt er zurück.

Seine Ärztin bringt es ihm schonend bei: Albert leidet an amyotrophischer Lateralsklerose. Die Diagnose zieht ihm den Boden unter den Füßen weg. Er fährt zu einem ganz besonderen Ort, um in Ruhe nachdenken zu können. Es handelt sich um ein Haus in der schwedischen Einsamkeit, das er vor vielen Jahren gemeinsam mit seiner Frau Eirin gekauft hatte. Dort gab es von Anfang an viele Glücksmomente. Daran und an vieles andere erinnert sich der Ich-Erzähler. Eine Überlegung liegt ihm besonders auf dem Herzen, nämlich die, seinen Lebensweg hier zu beenden. Da passiert etwas, was Albert so nicht vorgesehen hat und seine Geschichte erfährt eine neue Wendung. Das schmale Büchlein wurde von dem weltberühmten Philosophen und Autor des nicht weniger bekannten Jugendbuches „Sophies Welt“ verfasst. Schon das verspricht tiefe Gedanken sowie Worte, die Probleme auf den Punkt bringen und eine sehr berührende Thematik. Dazu kommen Jostein Gaarders Erzähltalent und seine Art, jeden zum Nachdenken zu bringen.

Ganz sicher kein einfaches Buch; es zu lesen lohnt sich von Anfang bis Ende. Gut einsetzbar auch in (Literatur-)Kreisen, in denen Krankheit und Tod thematisiert werden.

Signatur: SL
Schlagworte: Selbstbestimmung | Krankheit | Suizid
Bewertung: +++
Rez.: Martina Mattes

Gabrielsen, Gøhril: Die Einsamkeit der Seevögel. Roman. Dt. von Hanna Granz. Berlin: Insel 2019. 173 S. ; 22 cm. Aus d. Norw. ISBN 978-3-458-17780-7, geb.: 20,00 €

Um sich dem besitzergreifenden, verlassenen Ehemann zu entziehen, reist eine junge Wissenschaftlerin nach Nordnorwegen.

Norwegen: Das Buch beginnt damit, dass eine junge Forscherin mitten im Winter von einem Boot an einem einsamen Strand in der Finnmark abgesetzt wird, um dort die Seevogelpopulation zu erforschen. Alle fünf Wochen wird es wiederkommen, um sie mit Lebensmitteln zu versorgen. Ein Neuanfang soll es werden. Die Ehe ist kaputt, die kleine Tochter musste sie beim Ehemann zurücklassen. In der Einsamkeit, den Naturgewalten ausgesetzt, versucht sie wieder zu sich zu finden. Als ihr Geliebter das geplante Kommen hinauszögert, beginnt die Einsamkeit zur Bedrohung zu werden. Sie fängt an Geräusche zu hören und Personen wahrzunehmen, die vor langer Zeit in der Hütte gelebt haben. Völlig auf sich zurückgeworfen zieht die Protagonistin Bilanz. Das Ende der Geschichte bleibt offen. Die Handlung des Romans fließt eher träge dahin. Er lebt vielmehr von der Atmosphäre und von der Schilderung auch des geistigen Überlebens in dieser Ausnahmesituation.

Ein fesselnder Roman, psychologisch tiefgründig, zu empfehlen für NaturliebhaberInnen und Norwegenfans.

Signatur: SL
Schlagworte: Norwegen | Trennung | Forschungsprojekt | Einsamkeit
Bewertung: +++
Rez.: Susanne Brenner

Petterson, Per: Männer in meiner Lage. Roman. Dt. von Ina Kronenberger. München: Hanser 2019. 2/84 S. ; 21 cm. Aus d. Norw. ISBN 978-3-446-26377-2, geb.: 22,00 €

Es ist ein Trauer- und Trennungsroman, in dem der Protagonist versucht, seinen drei Töchtern ein guter Vater zu sein.

Die Familienangehörigen des Schriftstellers Arvid Jansen sind gestorben, bzw. bei einem Fährunglück umgekommen. Seine Frau trennt sich von ihm und nimmt die drei Töchter mit. In sechs Kapitel durchlebt er die Trennung. Per Petterson beschreibt eindringlich und intensiv die Gefühls- und Stimmungslagen von Jansen. Die Trennungstrauer, die der ziel- und rastlose Jansen durchlebt, ist eingebunden in die Stadt Oslo und die Natur Norwegens. Die Begegnungen Jansens mit den Menschen leben von skandinavischer Freundlichkeit und Offenheit. Der Roman ist durchwoben von pietistischer Frömmigkeit. Petterson ist ein genauer Beobachter und Formulierer. Er bleibt in allen misslichen Lagen seinen Töchtern ein guter Vater. Aber Männer in der Lage Jansens haben einen langen Weg vor sich, auf dem ihre Treue zu sich und den ihn Anvertrauten auf die Probe gestellt wird.

Für Oslo-Liebhaber ein Muss; Menschen in Trennungslagen; Literaturgruppen auf der Spur der Religion für Literaturgottesdienste. zur Vorbereitung auf die Frankfurter Buchmesse mit dem Gastland Norwegen.

Signatur: SL
Schlagworte: Trennung | Scheidung | Trauer | Norwegen
Bewertung: +++
Rez.: Martin Schulz

Sandel, Cora: Cafe Krane. Interieur mit Figuren. Dt. von Birgitta Kicherer. Stuttgart: Urachhaus 2019. 221 S. ; 22 cm. Aus d. Norw. ISBN 978-3-8251-5213-0, geb.: 19,00 €

Nur wenige Stunden der Begegnung zweier einsamer Herzen in einem Café, irgendwann in den 1920er Jahren ...

„Kranes konditori“ (Originaltitel) ist vor 75 Jahren erschienen und wurde sechs Jahre später, 1961, von der dänischen Regisseurin Astrid Henning-Jensen verfilmt. Man merkt dem Buch durch seine gewichtige, schwere Erzählweise sein Alter an, und es erfordert einen literarisch bewanderten Leser, um diese schätzen zu können. „Cafe Krane“ ist der bekannteste unter Cora Sandels Romanen, vielleicht auch der schwierigste. Sie erzählt darin die Geschichte von Katinka Stordal, der künstlerisch-talentierten Schneiderin der Stadt, die unter unerträglicher Armut und dem Zeitdruck leidet. Einsam ist sie in diesem kleingeistigen, engen Ort, sitzt im Café, sinniert ratlos und lebensmüde; da trifft sie dort auf Hut-Svenne, den Hafenarbeiter, und beide beginnen sich dem anderen zu öffnen, zu erzählen von den Zufälligkeiten ihres Lebens am Rande der Gesellschaft, ihren Ängsten, der Einsamkeit und der Sehnsucht nach Liebe und Zärtlichkeit – eine Begegnung, die bei den Dorfbewohnern schnell Argwohn weckt …

Für Leser anspruchsvoller und schwieriger Literatur, die sich mit tiefgehenden Lebensfragen auseinanderzusetzen gewillt sind.

Signatur: SL
Schlagworte: 1920er Jahre | Einsamkeit | Lebenssinn | Künstlerschicksal
Bewertung: +++
Rez.: Astrid van Nahl

Die schönsten norwegischen Märchen. Ausgewählt u. hg. von Hans-Jürgen Hube. Dt. von Hans-Jürgen Hube u. Frank Bresemann. Berlin: Insel 2019. 226 S. ; 19 cm. (insel taschenbuch ; 4700). Aus d. Norw. ISBN 978-3-458-36400-9, kt.: 11,00 €

37 norwegische Märchen.

Unser Märchenbegriff ist von den Brüdern Grimm geprägt, die den gesammelten mündlich tradierten Erzählungen ihre schriftliche Form gaben. In Norwegen waren Peter Christen Asbjørnsen und Jørgen Moe, beide 19. Jhd. und beeinflusst von den Grimms, Pioniere der Märchenforschung (dazu ein lesenswertes Nachwort!). Teile ihrer großen Sammlung stehen im Mittelpunkt dieser Ausgabe. 37 Märchen habe ich gezählt, manche erstaunlich lang für diese Erzählform. Sie sind anders, diese Geschichten, als unsere Märchen, in denen oft Könige, Prinzen und Prinzessinnen die Handlungsträger sind; vielmehr ist es – bei oft gleichen Erzählmotiven (wie die Vermählung der Tochter) – eine bäuerliche Gesellschaft, die einen Eindruck vermittelt von bäuerlichem Milieu und dortiger Lebensweise. Auch spielen immer wieder Trolle eine große Rolle oder die typischen Tiere des Nordens. So ergibt sich eine bunte, lebendige Mischung, die dem Leser einen nachhaltigen Eindruck gewährt in das, was man früher „Volksseele“ nannte.

Für alle Märchenliebhaber, die zudem Interesse an Norwegen und seiner literarischen Welt bekunden; eine Fundgrube auch für Märchenforscher und Ethnologen.

Signatur: SL
Schlagworte: Märchen | Norwegen
Bewertung: +++
Rez.: Astrid van Nahl

Solstad, Dag: T. Singer. Roman. Dt. von Ina Kronenberger. Zürich: Dörlemann 2019. 283 S. ; 20 cm. Aus d. Norw. ISBN 978-3-03820-065-9, geb.: 22,00 €

Die Geschichte des Bibliothekars T. Singer, dessen Leben eine dramatische Wendung nimmt.

T. Singer, 34 Jahre alt, tritt eine Stelle als Bibliothekar in der weit entfernten Bibliothek in Notodden an, um dort als Unbekannter ein neues Leben zu beginnen. Dort, in den büchergefüllten Kellerräumen, fühlt er sich am wohlsten, ohne Mitmenschen, nur inmitten wunderbarer Bücher. Da verliebt er sich in Mette und zieht mit ihr und ihrer kleinen Tochter zusammen. Dann bröckelt die Beziehung, doch bevor sich das Paar trennt, geschieht ein Unfall und T. Singer bleibt mit dem kleinen Mädchen allein zurück, das wie er keine Lebensfreude zu kennen scheint … Der Roman mit der melancholisch-tragischen Grundstimmung der absoluten inneren Einsamkeit ist allein aufgrund des stets reflektierenden Sprachstils nicht einfach zu lesen. Von einem Erzähler in Strecken eher wie ein sachlicher Bericht geschrieben, ohne direkte Rede, mit langen, verflochtenen Sätzen, fordert er vom Leser Geduld und den Willen, sich in den desinteressiert scheinenden Mann und seine Lebensphilosophie hineinzuversetzen.

Für literaturerfahrene und anspruchsvolle Leser mit Interesse an tiefgehenden philosophischen Lebensfragen; sehr geeignet für Literaturkreise.

Signatur: SL
Schlagworte: Schicksale | Lebensweisen | Norwegen
Bewertung: +++
Rez.: Astrid van Nahl

Sveen, Gard: Die stille Tochter. Thriller. Dt. von Günther Frauenlob. Berlin: List 2019. 366 S. ; 21 cm. Aus d. Norw. ISBN 978-3-471-36002-6, kt.: 14,99 €

Spionagenetzwerke aus der Zeit des Kalten Kriegs werden Rückblickend enthüllt. Wer war Feind? Wer Freund?


Der Kriminalroman gewinnt einen Großteil seiner Dramatik dadurch, dass der Autor die Handlung abwechselnd auf zwei Zeitebenen erzählt. Die eine spielt 1982 auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges. Christel Heinze gehört zur Schwimmnationalmannschaft der DDR und ist KGB-Agentin. Bei einem internationalen Wettbewerb in Oslo setzt sie sich von der Mannschaft ab und taucht in den Spionagenetzen der Großmächte unter. Warum? Wer steckt dahinter? Mit wem hat sie zu tun? Sie verschwindet von der Bildfläche. Die zweite Zeitebene spielt 2016. In einem See werden die Reste einer Frauenleiche gefunden. Kurz danach wird der berüchtigte Doppelagent Arvid Storholt ermordet. Tommy Bergmann ermittelt für den norwegischen Geheimdienst. Immer dann, wenn auf der einen Zeitebene sich Lösungen abzeichnen, wechselt der Autor auf die andere. Der Ermittler versucht die Ereignisse um1982 zu rekonstruieren, die auf der anderen Zeitebene spannend dargestellt werden.

Das bis zur letzten Seite spannende Buch wird bei Krimifreunden gut ankommen.  Für Gemeindebüchereien mit entsprechendem Bedarf zu empfehlen. 

Signatur: SL
Schlagworte: Krimi | Spionage | Spannung | Norwegen
Bewertung: ++
Rez.: Karl Foitzik

Sachbücher für Erwachsene

Hegge, Per Egil: Norwegen von A bis Ø . Dt. von Stefan Pluschkat u. Nora Pröfrock. Berlin: Insel 2019. 199 S. ; 19 cm. (insel taschenbuch ; 4699). Aus d. Norw. ISBN 978-3-458-36399-6, kt.: 11,00 €

Amüsantes und lehrreiches Panorama nicht nur der norwegischen Sprache.

Man könnte das Buch – seinem Originaltitel folgend – als eine Einführung in die „norwegische Volksseele“ bezeichnen, die darzustellen der (norwegische) Autor anhand von Wörtern unternimmt, die davon erzählen, wer die Norweger eigentlich sind. Von A bis Ø (das wäre für Deutsch A bis Z) bringt es in alphabetischer Reihenfolge kleinere Beiträge von 3 bis 4 Seiten zu insgesamt 48 Begriffen, die etwas Typisches über Land und Leute damals und heute aussagen. Das reicht von AGURKTID (Gurkenzeit) über HARRYTUR (Harry-Fahrt) bis zu VÆRFAST (wetterblockiert) – dabei sind viele Wörter, die nicht selbsterklärend sind. Es ist – neben vertrauten Begriffen, die auch unsere Sprache kennt – ein wunderbares Lehrstück über den typisch norwegischen Alltag und die Kultur des Landes, über Denkweise und Lebensart der Menschen dort. Wer Norwegen bereits kennt, wird fasziniert sein vom dem Gegensatz der immerwährenden Unveränderlichkeit und der Modernisierung und Entwicklung in vielerlei Bereichen.

Alle an Skandinavien, speziell Norwegen Interessierten. Gute Infos im Blick auf die bevorstehende Buchmesse 2019 (mit Norwegen als Gastland).

Signatur: Ek
Schlagworte: norwegische Sprache | Norwegen | Land und Leute
Bewertung: +++
Rez.: Astrid van Nahl

Kagge, Erling: Stille - Ein Wegweiser. Dt. von Ulrich Sonnenberg. Berlin: Insel 2017. 143 S. : Ill. ; 22 cm. Aus d. Norw. ISBN 978-3-458-17724-1, geb.: 14,00 €

Als norwegischer Extremsportler darf man sich auch über Stille äußern. Und das ist sogar ganz inspirierend.

Die Abwesenheit von Stille, die Anwesenheit von Lärm, die Menge der Ablenkung, der Stress der Erreichbarkeit, die permanente Beschallung und das Licht der Smartphones und Tablets - wie alle kennen die beängstigenden Entwicklungen und sind doch Teil des Ganzen und ebenso abhängig wie die, über die wir reden. Erling Kagge ist allein auf Skier an den Südpol gefahren. Er weiß, was Stille ist. Aber er lässt es nicht bei den Beispielen, die nur noch die anderen Messners erleben und erreichen können, sondern er wagt die Reise zur Stille in aller Banalität auch unseres Alltags. Es geht um die Entdeckung, sie zu vermissen. Es geht um die einfachen Schritte, sie zu suchen und zu finden. Dazu taugt der Arbeitsweg, den man am besten zu Fuß zurück legt, ebenso, wie ein Spaziergang durch den Park oder ein stilles Sitzen zu Hause. Die technischen Verführer sind weit weg. Die Ablenkung fällt allmählich von uns ab. Mitten im Lärm kann es still sein. Das Büchlein lädt zu einer Revolte ein. Das ist gut.

Mehr Stille im Gottesdienst wagen, mit anderen schweigen.

Signatur: Cz
Schlagworte: Stille | Wild | Natur | Einkehr
Bewertung: +
Rez.: Christiane Thiel

CDs für Kinder

Øvreås, Håkon: Super-Bruno. Hörspiel. Dt. von Angelika Kutsch. Sprecher: Torben Drube, Francesco Schramm u.a. Dortmund: Igel-Records 2018. 1 CD ; 40 Min. Aus d. Norw. ISBN 978-3-7313-1195-9, : 13,00 €

Bruno und seine Freunde wehren sich erfolgreich gegen drei ältere Jungen.

Bei Bruno läuft es gerade gar nicht gut. Sein Opa ist gestorben und Bruno kann noch nicht mit seiner Trauer umgehen. Da zerstören auch noch drei gemeine ältere Jungen das selbst gebaute Baumhaus. In der Nacht hat Bruno eine Idee, wie er sich rächen kann. Er bastelt sich ein Super-Bruno-Kostüm und schleicht sich als Brauno in den Ort, um die Fahrräder seiner Peiniger anzustreichen. Matzke als Schwarkze und Laura als Blaura unterstützen ihn in seiner nächtlichen Mission. Wirkliche Helden sind die drei nicht, doch sie halten zusammen und wehren sich gegen die Gewalt der Älteren mit deren Mitteln. Bruno findet als Superheld auch einen Weg, mit seinem Opa Kontakt aufzunehmen und seine Trauer anzunehmen. Die Machart des Hörspiels gibt Brunos anfängliche Erstarrung und seine Veränderung durch das Aktivwerden und den Zusammenhalt mit seinen Freunden sehr gut wieder.

Sehr hörenswerte einfühlsam und spannend erzählte Geschichte für Jungen und Mädchen ab 9 Jahren, die zeigt, dass man sich wehren darf und wie wichtig gute Freunde sind.

Signatur: Ju 2
Schlagworte: Freundschaft | Gewalt | Rache | Tod
Bewertung: +++
Rez.: Stefanie Drüsedau

Thon, Ingunn: Mollis Sommer voller Geheimnisse. Leicht gekürzte Lesung. Gelesen von Jodie Ahlborn. Dt. von Maike Dörries. Hamburg: Hörcompany 2018. 3 CDs ; 240 Min. Aus d. Norw. ISBN 978-3-945709-73-3, : 14,95 €

Nichts wünscht sich Molli so sehr wie einen Papa, ihren Papa. 101 Postkarten aus aller Welt führen auf seine Spur.

Die 10-jährige Molli hat einen großen Kummer: Ihr Papa, Borge-Papa genannt, lässt nichts von sich hören. Zwar hat Molli ihre Freundin Gro, den kleinen Bruder Ian, und eine liebevolle Mama, trotzdem fehlt ihr ein ganz wichtiger Mensch. Die Sehnsucht wird immer stärker. Eines Tages finden die beiden Mädchen im Birkenwald einen geheimnisvollen gelben Briefkasten. Dessen Eigentümerin gibt zu, Postkarten und Briefe zu horten, egal, an wen sie adressiert sind. Molli schöpft Hoffnung. Was, wenn es auch von Borge-Papa Postkarten gibt, die sie bislang nicht erreichen konnten? Tatsächlich führt eine Spur zu ihm. Das bleibt nicht das einzige Geheimnis, das Molli in diesem Sommer enträtseln muss. Das Debüt aus Norwegen, obwohl nicht ganz aus einem Guss, gewinnt durch die sympathischen Hauptfiguren, die anhaltende Spannung und durch skurrile Charaktere wie Ziegen-Theo oder Borgny. Sprecherin Jodie Ahlborn erweist sich als Glücksgriff. Ihr Talent, jede Gefühlsregung authentisch rüberzubringen, ist großartig.

Kinderbüchereien, die abenteuerlustige Kinder ab 9 Jahren zu ihren Hörer*innen zählen, können mit einer regen Ausleihfrequenz rechnen. 

Signatur: Ju 2
Schlagworte: Patchworkfamilie | Freundschaft | Norwegen
Bewertung: +++
Rez.: Martina Mattes

CDs für Erwachsene

Gabrielsen, Gøhril: Die Einsamkeit der Seevögel. Ungekürzte Lesung. Gelesen von Jutta Seifert. Dt. von Hanna Granz. Untermünkheim: Steinbach sprechende Bücher 2019. 1 mp3-CD ; 287 Min. Aus d. Norw. ISBN 978-3-86974-393-6, : 19,99 €

In der winterlichen Einsamkeit Nordeuropas will eine Forscherin ihre Studien vorantreiben. Ein gefährliches Unternehmen.

Bei der namenlosen Ich-Erzählerin kommt einiges zusammen, dass sie mitten im Winter in den äußersten Winkel Norwegens zieht. Sie, die Forscherin, will ihre Dissertation vorantreiben, sich über ihre Zukunft mit Jo klarwerden, ihre gescheiterte Ehe vergessen und Bahnbrechendes zur schwindenden Zahl der Zugvögel entdecken. Der Aufenthalt ist akribisch geplant, die kleine Tochter gut untergebracht. Außerdem hat Jo versprochen nachzukommen. Was die Ich-Erzählerin aber unterschätzt hat, sind die Einsamkeit und die rauen Naturgewalten. Bald nehmen ihre inneren Monologe wahnwitzige Formen an. Sie hört Geräusche, steigert sich in eine vor über 100 Jahren passierte Tragödie hinein und droht sich selbst zu verlieren. Das psychologische Meisterwerk der norwegischen Autorin verbreitet von Anfang an eine kalte, düstere Atmosphäre, die es auszuhalten gilt. Geschickt verstrickt sie die Protagonistin und damit die Zuhörer in ein eisiges Abenteuer, dessen Schluss nicht vorhersehbar ist. Besonders! 

Dieses brillant gelesene Hörbuch sollte man, schon im Hinblick auf die Ehrengastposition Norwegens bei der Frankfurter Buchmesse 2019, auf jeden Fall einstellen.

Signatur: SL
Schlagworte: Norwegen | Frauen | Forschung | Selbstfindung
Bewertung: +++
Rez.: Martina Mattes

Kagge, Erling: Stille - Ein Wegweiser. Ungekürzte Lesung. Gelesen von Wolfgang Berger. Dt. von Ulrich Sonnenberg. Untermünkheim: Steinbach sprechende Bücher 2017. 1 mp3-CD ; 150 Min. Aus d. Norw. ISBN 978-3-86974-312-7, : 16,99 €

Innere Ruhe und Ausgeglichenheit in sich selbst finden.

Was ist Stille? Wo ist sie zu finden? Warum ist sie gerade heute so wichtig? Diese drei Fragen über die Stille bewogen Erling Kagge sich mit der Stille und ihren Ausprägungen auseinanderzusetzen. Selber ein Kenner der Stille, der sich und die Stille auf extremen Naturexkursionen erprobt, sucht er aber auch bei anderen nach deren Denkansätzen und Definitionen. Martin Heidegger, Jon Fosse, Oliver Sacks und Marina Abramovic sind einige von ihnen. Der Norweger sucht vor allem die Stille, die in einem ist und nicht die, die man vielleicht um sich herum im Außen finden kann. Er findet viele Menschen, die Angst vor der Stille haben und damit vor der Auseinandersetzung mit sich selbst. Zeitvertreib und Langeweile sind in diesem Zusammenhang spannende Begriffe, die es ebenfalls auszuloten gilt. Ganz einfach und praktisch im Hier und Jetzt, auf dem Weg zur Arbeit, unter der Dusche oder auf dem heimischen Sofa. Wenn wir uns nicht ablenken lassen, kann es sogar im Lärm Ruhe für uns geben.

Philosophische Annäherungen an die Ruhe in uns selbst und Wege, sie zu finden und sich mit ihr auseinanderzusetzen. Sehr hörens- und nachdenkenswert.

Signatur: Fd
Schlagworte: Stille | Natur | Frieden
Bewertung: ++
Rez.: Stefanie Drüsedau

Lunde, Maja: Die Geschichte der Bienen. Gekürzte Lesung. Dt. von Ursel Allenstein. Gelesen von Bibiana Beglau, Markus Fennert u.a. München: Der Hörverl. 2017. 1 mp3-CD ; 602 Min. Aus d. Norw. ISBN 978-3-8445-2496-3, : 19,99 €

Die Jahre 1850, 2000 und 2098: Im Schicksal von drei Familien spielen Bienen eine entscheidende Rolle.

Die Erzählebenen des außergewöhnlichen Romans spielen in der Vergangenheit, genauer im Jahr 1852, anno 2000 und in der Zukunft, im Jahre 2098. Im Mittelpunkt stehen drei Familien, deren Schicksal von Bienen abhängt. Der Samenhändler William aus England hat alle Hände voll zu tun, seine vielköpfige Familie satt zu bekommen. Dabei wird er gemütskrank. Er legt sich ins Bett und steht erst wieder auf, als er eine umwerfende Idee zum Thema Bienenzucht hat. In Ohio dreht sich das Leben von Imker George um ein mysteriöses Bienen-Sterben und die Vergrößerung seines Hofes, den einmal Sohn Tom übernehmen soll. Der aber hat kein Interesse, was dem Vater fast das Herz bricht. Die Obstbaum-Bestäuberin Tao schließlich muss hilflos zusehen, wie ihr kleiner Sohn beinahe stirbt. In ihrem ersten ins Deutsche übersetzten, interessant aufgebauten und stilsicheren Roman macht die norwegische Autorin Bienen zum Mittelpunkt. Das Sprechertrio lässt mit seiner professionellen Vortragsweise keine Wünsche offen.

Der umfangreiche Roman bzw. die auf 10 Stunden gekürzte Lesung trifft bestimmt nicht jedermanns Geschmack. Ein Publikum aber, das außergewöhnliche Themen liebt, wird begeistert sein.

Signatur: SL
Schlagworte: Imkerei | Familie | Umweltschutz | Bienen
Bewertung: ++
Rez.: Martina Mattes

Lunde, Maja: Die Geschichte des Wassers. Gekürzte Lesung. Gelesen von Christiane Blumhoff u. Shenja Lacher. Dt. von Ursel Allenstein. München: Der Hörverl. 2018. 1 mp3-CD ; 490 Min. Aus d. Norw. ISBN 978-3-8445-2879-4, : 20,00 €

Auf der Flucht vor der großen Dürre anno 2041 findet David Wasserflaschen in einem Boot aus dem Jahr 2017. Rettung?

Südfrankreich ist im Jahr 2041 so verdorrt, dass David und seine Familie in letzter Minute nach Norden fliehen, um nicht zu verdursten. Seine Ehefrau und der Sohn schaffen es nicht; David und die kleine Lou schlagen sich unter großen Entbehrungen durch. Als sie dran sind aufzugeben, finden sie ein Boot, in dem Wasservorräte für etwa drei Monate gebunkert sind. Es stammt aus dem Jahr 2017. Damit machte sich die norwegische Umweltschützerin Signe nach Frankreich auf. Die Endsechzigerin wollte damals ihre einstige große Liebe Magnus wegen seiner Umweltfrevel - er kappte aus Profitgier einen norwegischen Gletscher - zur Rede stellen. Im zweiten Teil des sogenannten Klima-Quartetts hält die Schriftstellerin Maja Lunde in zwei spannenden Erzählsträngen und auf zwei unterschiedlichen Zeitebenen den Hörer in Atem. Ihre beiden Hauptfiguren, tadellos gesprochen von Christiane Blumhoff und Shenja Lacher, verkörpern das Leid, das entsteht, wenn die Ressource Wasser gering geschätzt und verschwendet wird.

Selbst wenn man den ersten Band, „Die Geschichte der Bienen“, des Vierteilers nicht kennt, versteht man mühelos, worum es der Autorin geht. Für viele!

Signatur: SL
Schlagworte: Umweltschutz | Wasserknappheit | Umweltfrevel
Bewertung: +++
Rez.: Martina Mattes