Urlaubslektüre

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Mit dieser Zusammenstellung können Sie schmökernd in die Ferne reisen oder sich auf Ihre Urlaubsregion in Deutschland einstimmen. Wir präsentieren Ihnen leicht lesbare Ferienschmöker und Krimis aus den Regionen Norddeutschland – Städte in Deutschland – Alpen Österreich Schweiz – Frankreich – Spanien – England.  Vielleicht ist diese Zusammenstellung auch eine Anregung, einen Büchertisch oder den Schaukasten zu gestalten.

Ob mit oder ohne Urlaubsreise – Reisen im Kopf geht immer.

Gute Lese- und Mußestunden wünscht

Ihr Eliport-Team

Norddeutschland

Franke, Christiane u. Kuhnert, Cornelia: Krabbenkuss mit Schuss. Ein Ostfriesen-Krimi. Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verl. 2020. 316 S. ; 19 cm. ISBN 978-3-499-00244-1, kt.: 10,00 €

Diebstahl, Erpressung, Mord. Es ist viel los in der Tee-Firma Olsen. Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Taten?

Spürnase Rosa aus Neuharlingersiel stolpert geradezu über eine Leiche: Der Teetester der Firma Olsen wurde getötet. Und das just zu der Zeit, als die goldene Teekanne aus dem Firmenschild geklaut wurde und ein Erpresserbrief einging! Als weitere Verbrechen geschehen, hat Polizist Schnepel schnell einen Verdacht... Es ist bereits der siebte Fall um Lehrerin Rosa, Polizist Rudi und Briefträger Henner, die in der norddeutschen Provinz dem Verbrechen auf der Spur sind. Mit viel Witz und Lokalkolorit erzählt, gerät der Kriminalfall fast zur Nebensache. Viel wichtiger ist Rosas Partnersuche auf der lokalen Dating-Plattform "Krabbenkuss" und das Beziehungsgeflecht der Personen untereinander, das (wenn man noch keinen anderen Band gelesen hat) durchaus unübersichtlich ist - die umfangreiche Personenliste im Anhang kommt also nicht von ungefähr. Der Schreibstil ist locker und manchmal friesisch derb. Gute Hausmannkost, quasi. Passend dazu gibt es am Ende des Buches auch eine Rezeptsammlung.

Eingefleischte Krimileser*innen kommen hier eher nicht auf ihre Kosten. Das Setting an der deutschen Nordseeküste ist jedoch ein Garant für gute Ausleihzahlen. In diesem Fall sollte man allerdings zumindest einige weitere Titel der Reihe im Bestand haben.

Signatur: SL
Schlagworte: Krimi | Komödie | Nordsee | Provinz
Bewertung: +
Rez.: Katja Henkel

Hansen, Pamela: Die Inselpastorin. Mein Leben mitten in der Nordsee. Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verl. 2020. 282 S. ; 19 cm. ISBN 978-3-499-00066-9, kt.: 15,00 €

Erlebnisse einer Pastorin auf der Nordseeinsel Helgoland.

Die Pastorin Pamela Hansen war bislang in Detroit tätig, nun verschlägt es sie ausgerechnet auf eine Insel inmitten der Nordsee. Helgoland hat 1260 Einwohner, im Winter fährt täglich ein Schiff, ein Frachter bringt einmal pro Woche Waren. Alternativ kann die Insel auch per Flugzeug erreicht werden. Dies erfordert eine ganz schöne Umstellung von der jungen Pastorin. So können kleine alltägliche Vorhaben, wie das Installieren eines neuen Computers zu einer Herausforderung für die gesamte Kirchengemeinde werden, wenn das entscheidende Kabel fehlt. Pamela Hansen verliebt sich Hals über Kopf in die Nordseeinsel (und in einen Insulaner) und stellt fest, dies ist ganz offensichtlich der Ort, an dem Gott sie haben will.

Leider sind die alltäglichen Erlebnisse der Pastorin nicht allzu spannend und auch sprachlich ist der Text eher schlicht.Geeignet für Büchereien in Küstennähe, auf dem Tisch für Sommerlektüre platziert, wird das Buch sicher seine Ausleiher*innen finden.

Signatur: SL
Schlagworte: Helgoland | Kirche | Frau
Bewertung: +
Rez.: Maike Linne

Henschel, Gerhard: SOKO Heidefieber. Ein Überregionalkrimi. Hamburg: Hoffmann & Campe 2020. 283 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-455-00833-3, kt.: 18,00 €

Armin Breddeloh wird Opfer eines bestialischen Serienkillers, der es auf Heimatkrimi-Autoren abgesehen hat.

Vom beschaulichen Bad Bevensen ausgehend zieht sich quer durch den gesamten deutschsprachigen Bereich eine grauenvolle Mordserie, deren Opfer allesamt Regionalkrimi-Autoren sind. Jeder Tote wurde nach dem Vorbild eines Mordes aus seinem eigenen Krimi hingerichtet. Die SOKO Heidefieber steht vor einem Rätsel: Ist der Täter ein neiderfüllter Kollege, ein wahnsinniger Krimifan oder handelt es sich gar, wie es der Autor Frank Schulz vermutet, um "angewandte Literaturkritik"? Schulz will sich der Gefahr durch einen Urlaub in Griechenland entziehen und gerät in einen wahren Albtraum... In seiner Groteske führt Gerhard Henschel dialektkundig und sprachgewandt die abstrusen Gewaltphantasien und sprachlichen Unzulänglichkeiten der den Buchhandel überflutenden Regionalkrimis vor und zieht ganz nebenbei den gesamten Literaturbetrieb gehörig durch den Kakao. Eine bis hin zur Umschlaggestaltung gelungene Satire, in der der Autor das Abgleiten in den Klamauk geradezu sucht.

Ein Muss für alle Regionalkrimifans, die derben Humor vertragen, zudem eine ernstzunehmende Warnung an alle Krimiautoren!

Signatur: SL
Schlagworte: Regionalkrimi | Krimigroteske
Bewertung: +++
Rez.: Erhard Reschke-Rank

Janssen, Fenna: Das kleine Eiscafé. Berlin: Aufbau Taschenbuch Verl. 2020. 274 S. ; 19 cm. ISBN 978-3-7466-3679-5, kt.: 9,99 €

Sophie wird von ihrem Freund verlassen. Da trifft es sich gut, dass ihre Tante einen Kiosk auf Langeoog besitzt, in dem Sophie frei schalten und walten soll.

Dazu gehört auch eine alte Backstube – so steht der gelernten Bäckerin aus Frankfurt ein hoffnungsvoller Neuanfang vor Augen. Doch dann stellt sich heraus, dass der Kiosk nicht läuft, die Konkurrenz gleich nebenan ist. Und dann sind da noch der Inselcasanova Riccardo und sein Bruder Matteo. Und wie steht es um die Ehe ihrer Tante und wieso tauchen ihr Vater und seine seit 30jahren getrennt lebende Frau auf der Insel auf? Der Name „das kleine Eiscafé“ ist irreführend – denn das ist erst die Idee am Ende des Buches für Sophies Zukunft auf Langeoog. Irritierend sind einige Wiederholungen von Erklärungen und Tatsachen, dadurch fehlt manchmal die Spannung, der Pfiff. Trotzdem ein unterhaltsames Buch für Zwischendurch, das Lust auf die Insel weckt.

Nette Urlaubslektüre mit einigen Längen durch Wiederholungen.

Signatur: SL
Schlagworte: Nordsee | Urlaub | Liebe
Bewertung: ++
Rez.: Christine Stockstrom

Koch, Krischan: Friedhof der Krustentiere. Ein Küsten-Krimi. München: Dt. Taschenbuch Verl. 2020. 302 S. ; 19 cm. ISBN 978-3-423-21921-1, kt.: 9,95 €

Auf der Hallig Westeroog geschehen fürchterliche Dinge. Einbrüche und Leichen finden sich dort, Zwillinge werden verfolgt und fühlen sich mit dem Tod bedroht und alles auf einem Friedhof mitten in der Nordsee.

Krischan Koch, der Autor lässt seinen Helden Thies Detlefsen ein neues Abenteuer erleben. Dieser Dorfpolizist versucht mit seiner Kollegin, Nicole Stappenbek von der Kripo in Husum alles aufzulösen, was in seinem Dorf an der Küste geschieht: Einbrüche und Diebställe, Autoaufbrüche und nicht zuletzt Mord und Totschlag. In diesem einfach aber nachvollziehbar formulierten Krimi findet sich das Leben dieser Tage. Die schon aus den vorherigen Romanen bekannten Personen finden sich hier alle wieder, solange sie leben. Die Hallig ist Ort dieses Geschehens mit Erinnerungen an ein Schullandheim, das nun ein heruntergekommenes Hotel ist mit dem ehemaligen Leiter, der heute Hoteldirektor ist, dessen Sohn aus einem Heim ausgebüxt ist, mit einer schrecklichen Vergangenheit auf der Suche nach Zwillingen, die ihm früher das Leben schwer gemacht haben. Er hat vor etlichen Jahren seine Zwillingsschwestern ermordet und wird nun verdächtigt, die heutigen Untaten begangen zu haben. Alles kulminiert auf dem Friedhof am Halloweenabend und ist ... nicht ohne Augenzwinkern zu lesen, alles entscheidet sich auf letzten fünf Seiten.

Für Freund*innen des Autors findet sich dieser Krimi sicher in der Abteilung „Küsten-Krimi“.

Signatur: SL
Schlagworte: (Nordseeküste | Krustentiere | Erinnerungen | Sèancesitzungen
Bewertung: +
Rez.: Kurt Triebel

Peters, Katharina: Schiffsmord. Ein Rügen-Krimi. Berlin: Aufbau Taschenbuch Verl. 2020. 348 S. ; 19 cm. ISBN 978-3-7466-3562-0, kt.: 9,99 €

Ein toter Finanzbeamter auf einer Yacht in Sassnitz führt die Polizei in einen dichten Dschungel übler Machenschaften.

Regionalkrimis boomen. Lokalkolorit, ortstypische Mentalität und eine Rahmenhandlung fast wichtiger als der Kriminalfall sorgen für einen gewissen Wohlfühlfaktor bei der der (Urlaubs-)Region verbundenen Leserschaft. Anders hier… Beim neunten Fall um Kommissarin Romy Beccare hatte ich einige der Orte auf Rügen zwar vor Augen, die knappen Beschreibungen ließen aber keine Sehnsucht aufkommen. Auch eine Nähe zu den Hauptpersonen wollte sich mangels privater Momente nicht wirklich einstellen. Vielleicht muss man die Vorgängerbände kennen... So blieb es für mich bei einem eher nüchternen Leseerlebnis rund um einen zugegeben nicht unspannend konstruierten Fall, der die Polizei immer wieder andere Ermittlungsansätze um Korruption und Bestechung verfolgen und schließlich ein perfides Geschäftsmodell einer Werbeagentur aufdecken lässt. Man kann ganz gut „mitraten“, mir waren es jedoch ein paar Verwicklungen und falsche Fährten zu viel. Ich kann mir eine männliche Leserschaft ganz gut vorstellen.

Wer die anderen acht Bände dieser Krimireihe (zum Teil) bereits im Bestand hat und gut ausleiht, wird auch an diesem Exemplar nicht vorbeikommen. Alle anderen könnten es entbehren.

Signatur: SL
Schlagworte: Krimi | Rügen
Bewertung: +
Rez.: Katja Henkel

Steinbach, Jan: Die Schwestern von Marienfehn. Roman. Berlin: Rütten & Loening 2020. 429 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-352-00920-4, kt.: 14,99 €

Familien-, Lebens- und Liebesgeschichte von Hanna Brook und ihrer Schnapsbrennerei im Emsland.

Hanna Brook zieht in das Betreute Wohnen des Seniorenheims in Mariafehn. Auf dem Hof und der Familienschnapsbrennerei fühlt sie sich nicht mehr willkommen. Die erste, die sie im Heim trifft, ist ausgerechnet ihre Cousine, Adoptivschwester und ehemals beste Freundin Rosie. Über 40 Jahre herrschte Funkstille zwischen ihnen. Nach und nach entfalten sich die Lebensgeschichte und die Stationen einer Freundschaft, die im 2. Weltkrieg begann. Hanna wächst auf dem Hof mit der Familienschnapsbrennerei auf, erkämpft sich ihr Abitur und wird Lehrerin. Ihren Traum, Journalistin zu werden, verbietet der Vater. Ausgerechnet sie als unverheiratete Tochter muss den Vater auf dem Hof unterstützen, übernimmt die Schnapsbrennerei und führt sie durch manche Krise. Ihre große Liebe Carl opfert sie ihrem Pflichtbewusstsein. Dieser heiratet Rosie, doch die Ehe wird geschieden. In Rückblenden wird die Geschichte einer starken Frau gezeichnet, die lange mit ihrer Pflicht hadert und ihre Erfüllung findet.

Ein Lesevergnügen über die bewegende Geschichte einer Familie, einer Liebe und eines alten Handwerks.

Signatur: SL
Schlagworte: Liebe | Pflicht | Familienbetrieb
Bewertung: +++
Rez.: Christine Stockstrom

Städte in Deutschland

Amber, Liz u. Berg, Alexander: Pandora - Auf den Trümmern von Berlin. Kriminalroman. München: Droemer 2020. 445 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-426-28239-7, kt.: 14,99 €

Ein neuer Kommissar versucht, 1948 im Westteil Berlins eine Mordserie zu klären.

Das Autorenduo hat das bewährte Erfolgskonzept für einen Berlin-Krimi beherzigt: Wie bei Volker Kutschers Bestseller und "Babylon Berlin"-Vorlage "Der nasse Fisch" (2008) oder bei Kerstin Ehmers "Der weiße Affe" (2017) kommt ein neuer Ermittler nach Berlin und muss sich nicht nur mit Verbrechen, sondern auch mit den Kollegen auseinandersetzen - das Ganze vor dem Hintergrund einer spannenden historischen Epoche (hier der Beginn des Kalten Kriegs), gewürzt mit Lokalkolorit und reichlich Sex, beschienen vom unvermeidlichen Rotlicht. Hans-Joachim Stein heißt der Protagonist, der mit seinem kommunistischen Vater in London im Exil war und bei Scotland Yard ausgebildet wurde. Ihn zieht es aber zurück nach Berlin. Unter der dröhnenden Luftbrücke klärt er nach unzähligen Wirrungen mehrere Morde auf, die in engem Zusammenhang mit Nazi-Verbrechen an Psychiatrie-Patienten stehen. Die als erster Teil einer Serie konzipierte, gut recherchierte Geschichte wird in flüssigem Stil meist spannend erzählt.

Keine leichte Strandkorb-Lektüre, aber durchaus etwas für den Sommerurlaub, z. B. für Berlin-Städtereisende.

Signatur: SL
Schlagworte:
Berlin | Nachkriegszeit | Euthanasie
Bewertung: ++
Rez.: Tobias Behnen

Nössler, Regina: Die Putzhilfe. Tübingen: Konkursbuch Verl. Claudia Gehrke 2019. 397 S. ; 19 cm. ISBN 978-3-88769-595-8, kt.: 12,90 €

Eine Frau bricht mit ihrem bisherigen Leben und arbeitet unter falscher Identität in Berlin als Putzhilfe. Auch ihre neue Arbeitgeberin verbirgt etwas.

Was bringt Franziska Oswald dazu, alles fluchtartig hinter sich zu lassen? Ihre Arbeit an der Uni als promovierte Soziologin aufzugeben, ihren Mann in der Provinz zurückzulassen und mit neuer Identität in der Großstadt Berlin zu leben? In einem Loch von Kellerwohnung? Mit einem Job als Putzhilfe? Eigentlich vermeidet sie dort jeden Kontakt zu anderen Menschen, aber bei zwei Begegnungen lässt es sich nicht umgehen. Henny Mangold, gut situierte Dahlemer Witwe, hat in einem Museum einen kleinen Schwächeanfall und fällt Franziska quasi vor die Füße, bietet ihr wenig später eben jenen Job als Putzhilfe an. Sina, die andere, ist mit knapp sechzehn Jahren bereits vorbestraft, stalkt Franziska, um sie bei erstbester Gelegenheit in einem Hauseingang …
Ertappt! Regina Nössler gibt nur langsam etwas von ihren Figuren preis und es ist schon seltsam, was man sich zusammenreimt, man sofort zu wissen glaubt, nur weil sie in einem Nebensatz Blut erwähnt oder eine Figur eine Waffe besitzt. Hier kann es ganz anders sein und Ehemänner, Unikarrieren und selbst Geschwister (?!) sollten gründlich unter die Lupe genommen werden, bevor ein Urteil gefällt wird. Spannend und überraschend.
(Platz 2 beim Deutschen Krimipreis 2019)

Gut für LeserInnen, die mehr an Figuren, als an kriminalistischen Ermittlungen interessiert sind. 

Signatur: SL
Schlagworte:
Thriller | Identität | Berlin
Bewertung: ++
Rez.:
Anna Winkler-Benders

Fritz, Astrid: Der Turm aus Licht. Historischer Roman. Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verl. 2020. 813 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-499-00119-2, kt.: 14,00 €

Ein historischer Roman mit großem Sachwissen in Kunst- und Baugeschichte, lehrreich und spannend zugleich.

Schon von Weitem grüßt der eindrucksvolle Turm des Freiburger Münsters „Unser lieben Frauen" den Besucher. Der Bau dieser Kirche mitsamt seinem lichtdurchfluteten, filigranen, wohl schönsten Kirchturm der christlichen Welt dauerte von 1270 bis 1330, allerdings mit zahlreichen Unterbrechungen.  Die Turmspitze bildet die eigentliche Sensation: Die Steinmetze der Freiburger Bauhütte arbeiteten erstmals mit in Stein eingelegten Eisenankern. Ohne umfassende Quellenforschung, so die Autorin, aber mit intensiver Recherche der Zeit-, Landes- und Stadtgeschichte führt sie den Leser durch die Bauzeit. Er nimmt am Familienleben der Freiburger Bürger und Grafen teil und schaut den Steinmetzen und Bildhauern in der Fabrica, der Kirchenfabrik, über die Schulter. Auch die Übernahme der Bauherrschaft durch die Bürger um 1300 wird eindrucksvoll geschildert. Damit hatten sich der Stadtadel, die Kaufleute und Zünfte ein für allemal von der verhassten Grafenherrschaft freigekauft. Umfangreicher Anhang!

Für Große zum Lesen, für Kleine zum Zuhören, für alle zum  Nachdenken über unsere Geschichte.

Signatur: SL
Schlagworte:
Baugeschichte | Kunstgeschichte
Bewertung: ++
Rez.:
Christiane Weppner

Goldammer, Frank: Roter Rabe. Kriminalroman. München: Dt. Taschenbuch Verl. 2020. 380 S. ; 19 cm. ISBN 978-3-423-21917-4, kt.: 10,95 €

Eine Vielzahl von Selbstmorden, Unfällen und Diebstählen hält Oberkommissar Max Heller in seinem 4. Fall in Atem.

Dresden im Spätherbst 1951. Überraschend bekommt Karin Heller eine Reisgenehmigung für den Westen, um ihr neugeborenes Enkelkind besuchen zu können. Ihr Mann, Oberkommissar Max Heller, soll sich in der Zwischenzeit um die kleine Adoptivtochter kümmern. Dazu kommt es kaum, denn eine Spur beispielloser Gewalt zieht sich durch die Gegend, angefangen mit zwei identischen Selbstmorden. Die der Spionage Beschuldigten strangulierten sich im Gefängnis. Kurz darauf erschüttert eine Explosion das nahgelegene Kraftwerk. Außerdem wird Uranerz gestohlen. Schnell weiß Heller, dass es noch lange nicht das Ende einer beispiellosen Serie von Verbrechen ist. Jede Minute zählt, um eine Katastrophe zu verhindern. Spannung pur liefert dieser facettenreiche Krimi, der getragen wird von dramatischen Ereignissen während des Kalten Krieges und von Hellers heimlicher Sorge um Karins möglicher Flucht aus dem Unrechtsstaat. Es bleibt sehr zu hoffen, dass das nicht der letzte Fall des gewitzten Max Heller war. 

Ein Muss für alle, die komplizierte Verwicklungen lieben und einer Glorifizierung der DDR-Vergangenheit nicht erliegen wollen.

Signatur: SL
Schlagworte:
Krimi | Dresden | Kalter Krieg
Bewertung: +++
Rez.:
Martina Mattes

Maletzke, Elsemarie: Magnolienmord. Ein Gartenkrimi. Frankfurt am Main: Schöffling 2020. 241 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-89561-611-2, kt.: 18,00 €

Wie die Gartenliebhaberin Elinor und der Baumkenner Simon in ein Verbrechen verwickelt werden, selbst kriminelle Energie entfalten und sich verlieben.

Elinor gehört ein stilvoller Altbau im Frankfurt, im dem sie das Erdgeschoss und einen großen liebevoll angelegten Garten belebt. Für einige Wochen zieht der polnische Dendrologe Simon, der am botanischen Institut gastweise forscht, ins Dachgeschoss. Er hat einen geheimen Auftrag und versteckt ein fettiges kleines Päckchen auf dem angrenzenden jüdischen Friedhof. Die aufkeimende Sympathie zwischen den beiden skurrilen Persönlichkeiten zeigt erste Folgen und so bietet Simon an, die dunklen Fichten im Garten endlich zu fällen. Bei dieser Aktion verunglückt er schwer und liegt im Koma, sodass Elinor zunächst überrascht, dann gezielt und tatkräftig seinem Geheimnis auf die Spur kommt. Dabei verstrickt sie sich selbst immer mehr in die Folgen eines Diamantendiebstahls und einer Erpressung und weiß auch ihre eigenen Interessen hartnäckig zu vertreten. - Elsemarie Maletzke hat herausragende Biografien und Reisebücher geschrieben, da wundert es nicht, dass auch ihr „Gartenkrimi“ durch gute Charakterdarstellungen, eine unterhaltsame Schreibweise und eine authentische Atmosphäre besticht.

Ein sehr schönes Buch, das besonders Elinors Altersgenossinnen (ab 50 J.) zum Mitfiebern und Schmunzeln bringen wird.

Signatur: SL
Schlagworte:
Garten | Frau | Krimi | Liebe
Bewertung: +++
Rez.:
Gabriele Kassenbrock

Alpen - Österreich - Schweiz

Fischler, Joe: Die Toten vom Lärchensee. Ein Fall für Arno Bussi. Köln: Kiepenheuer & Witsch 2020. 318 S. ; 19 cm. ISBN 978-3-462-05320-3, kt.: 11,00 €

Arno Bussi soll in Tirol einen alten Mordfall aufklären und stößt auf eine eigene Welt. Weitere Morde geschehen.

Arno Bussi arbeitet beim BKA Wien, leider nur in der Kriminalstatistik - wegen Ehebetrugs mit der Frau des Innenministers. Dieser schickt ihn in ein Tiroler Dorf zur Aufklärung eines Mordfalls vor fünf Jahren: Der Seewirt -zuvor ein Villen-Dieb - ertrank betäubt im Lärchensee. Nun entfaltet der Erzähler einen präzise geschilderten, spannenden Handlungsstrang in fein pointierter, ironischer Erzählweise, ähnlich Wolf Haas. „Der Arno“ stößt auf ganz eigene Charaktere: den schweigsamen Dorfpolizisten Bernhard samt Lawinenhund Bernhard, den unangenehmen Unternehmer, der den See mit einem Chalet-Dorf zubauen will, die rote Bürgermeisterin. Jedoch die Insel im See hat der Bruder des Toten, - der ein vortrefflicher Käsesahne-Bäcker war und auch noch ermordet wird - an die Chalet-Gegner-Aktivistin verpachtet. Dann merkt „der Arno“, dass der Minister, ein „Schwarzer“, ihn benutzt, der roten Partei eins auszuwischen. Der Erzähler gibt der Story nach dem dritten Mord eine unerwartete Wendung.

Vergnügliche, spannende Unterhaltung durch Erzählstil und skurril gezeichnete Charaktere. Zur Aufstockung des Krimivorrats gern empfohlen.

Signatur: SL
Schlagworte: Krimi | Österreich | Tirol | Einzelgänger
Bewertung: +++
Rez: Delia Ehrenheim-Schmidt

Förg, Nicola: Flüsternde Wälder. Ein Alpen-Krimi. München: Pendo 2020. 336 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-86612-486-8, kt.: 16,00 €

Waldbadende, Detox-Jünger, ein Pflegebauernhof und eine zarte Liebesgeschichte, was will man mehr ...

Nicola Förg ist Reisejournalistin und Schriftstellerin. Mit Erfolg schreibt sie ihre Alpen-Krimis um die nicht mehr so junge Kommissarin Irmi Mangold. Flüsternde Wälder ist der 11. Band dieser Reihe. Es geht um ungeklärte Einbrüche, der letzte mit Todesfolge des Hausbesitzers und im Wald wird eine Frau tot aufgefunden. Scheinbar überrollt von einem Trecker. In der Aufklärung der Fälle, die irgendwie zusammenhängen, sieht sich das Expertenteam konfrontiert mit: Waldbadeseminaren und Waldbademeisterinnen, rücksichtslosen E-Bikern, Versicherungsvertretern, die Angst um ihre Prämien haben, Detox-Jüngern, alternativen Heilmethoden und dem privaten Alltag der Protagonisten. Die Ermittlungsspur führt zu einem Pflegebauernhof, einer Senioren-WG im bäuerlichen Umfeld. Daneben bahnt sich eine zarte Liebesgeschichte zwischen der Kommissarin und dem Kollegen Fridtjof Hase an. Dieser sticht hervor mit seiner unaufdringlichen, treffsicheren, feinen, sarkastischen und sachlichen Art.

Für mich war es der erste Krimi dieser Autorin, er ist leicht und sehr gut zu lesen.

Signatur: SL
Schlagworte: Wald | Alpen | Natur | Zeitgeist
Bewertung: ++
Rez.: Gabriele Rojek

Hughes, Sandra: Tessiner Verwicklungen. Der erste Fall für Tschopp & Bianchi. Roman. Zürich: Kampa 2020. 220 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-311-12013-1, kt.: 14,90 €

Mord im Tessiner Hinterland.

Die Basler Polizistin Emma Tschopp macht mit ihrem Campingbus und Labrador Rubio Urlaub im Mendrisiotto, dem Tessiner Hinterland. Als sie in der Nähe des Dorfs Meride eine Bekannte besucht, wird in der Pastamanufaktur Savelli im Kühlraum eine Leiche gefunden. Da Emma die junge Frau erst kurz zuvor in Meride kennengelernt hatte, schaltet sie sich in die Ermittlungen ein. Gemeinsam mit dem zuständigen Commissario Bianchi aus Locarno taucht sie tief in die Geheimnisse des Savelli-Clans ein.
Dieser erste Fall für Tschopp und Bianchi bietet eine kunstvoll konstruierte und psychologisch schlüssige Handlung vor der reizvollen Kulisse des Tessiner Berglandes. Dabei spielt die Autorin immer wieder mit den Vorurteilen der Deutschschweizer gegen die Tessiner und umgekehrt, wenn sich zum Beispiel Commissario Bianchi zu Emmas Erstaunen als nüchterner und faktenorientierter Ermittler erweist.

Das Buch macht Lust auf eine Reise in die Tessiner Bergdörfer und auf mehr Fälle für das Duo Tschopp und Bianchi. Sehr gut geeignet als Lektüre für den Tessinurlaub.

Signatur: SL
Schlagworte:
Krimi | Tessin
Bewertung: ++
Rez.:
Claudia Puschmann

Frankreich

Callanan, Liam: Ich erfinde dir Paris. Roman. Dt. von Juliane Zaubitzer. Hamburg: Atlantik 2020. 381 S. ; 19 cm. Aus d. amerikan. Engl. ISBN 978-3-455-00865-4, kt.: 12,00 €

Ein junges literarisch interessiertes Paar aus Wisconsin träumt von Paris, der Stadt der Liebe.

Leah und Robert, ein junges Paar aus Wisconsin, träumt von Paris. Sie verbindet die Begeisterung für französische Literatur, vor allem das Kinderbuch und die Verfilmung „Der rote Ballon“ von Albert Lamorisse (geb. 1922) und die Madeline-Reihe Ludwig Bemelmans (geb. 1898). Doch Familienleben, Geburt der beiden Töchter, Roberts Versuche als Schriftsteller erfolgreich zu sein, verhindern die Erfüllung des Traumes. Als Robert verschwindet, findet Leah Tickets nach Paris und ein Manuskript Roberts‘, das ihr Leben in Paris vorzeichnet. Auf der Suche nach ihm, fliegt sie mit ihren Töchtern dorthin, kauft eine Buchhandlung und beginnt ein neues Leben - ständig in der Hoffnung, Robert zu finden. Die Verknüpfung des Schauplatzes Paris mit den obengenannten Romanen, die jedoch in Deutschland wenig bekannt sind, ist reizvoll. Doch die Handlung schreitet mühsam voran und wirkt konstruiert, die Personen bleiben blass und auch das Ende befriedigt nicht, nachdem man geduldig auf die Auflösung wartet!

Als Schmöker nicht zu empfehlen. Für Interessierte an obiger französischer Kinderliteratur kann das Buch interessant sein.

Signatur: SL
Schlagwoorte: Liebe | Paris | Buchhandlung
Bewertung: +
Rez.:
Birgit Hillmer

Cors, Benjamin: Leuchtfeuer. Ein Normandie-Krimi. München: Dt. Taschenbuch Verl. 2020. 427 S. ; 19 cm. ISBN 978-3-423-21919-8, kt.: 10,95 €

In Vieux-Port an der Seine fühlt sich keiner mehr sicher. Kann Personenschützer Nicolas Guerlain dort helfen?

Zwar führt die Spur des Toten, der im Hafenbecken von Deauville schwimmt, ohne viele Umwege nach Vieux-Port mit knapp 50 Seelen. Sogar der Bürgermeister dort bittet Nicolas um Hilfe. Doch der Bodyguard ist mit seinem Herzen in Paris. Seine Freundin Julie ist des Mordes angeklagt. Das Urteil soll bald gesprochen werden. Weil die Ereignisse in Vieux-Port sich überschlagen, entschließt Nicolas sich schließlich doch, den Schutz des Dorfes zu übernehmen und muss sich nicht allein mit dem Grauen einer unbezwingbaren Vergangenheit auseinandersetzen. Auch eine selbst ernannte Bürgerwehr macht es ihm schwer, sich die nötige Autorität zu verschaffen. In Paris ist der Vater sein Gegenspieler. Unfassbar, was sich nach und nach enthüllt. Immer wieder scheinen beide Fälle gelöst, doch dann spinnt Autor Benjamin Cors noch eine unerwartete Wendung. Die Vorgänge in Dorf und Hauptstadt greifen ineinander. Was heißt das für Nicolas und seine Freundin? Können die Leser auf ein Happy End hoffen?   

Starke Nerven braucht man für diesen Krimi mit den Spielorten Paris und Normandie. Wer den Fall selbst lösen möchte, muss ein aufmerksamer Leser sein und braucht außerdem viel Talent zum Puzzeln.

Signatur: SL
Schlagworte:
Krimi | Missbrauch | Vater-Sohn-Beziehung | Liebe
Bewertung: ++
Rez.: Ute Lawrenz

Dries, Maria: Das Grab im Médoc. Bordeaux-Krimi. Berlin: Aufbau Taschenbuch Verl. 2020. 338 S. ; 19 cm. ISBN 978-3-7466-3688-7, kt.: 9,99 €

Ferienschmöker mit Krimicharakter aus dem Weinbaugebiet rund um Bordeaux.

Bei zahlreichen Einbrüchen in bekannten Weingütern werden trotz des Engagements verschiedener Sicherheitsdienste immer wieder die besten Weine entwendet. Dann gibt es plötzlich einen Toten - den Besitzer eines großen Weingutes - und später eine weitere Tote - eine sympathische Kinderbuch-Autorin, die in einem Weinberg als vermeintliche Vogelscheuche zur Schau gestellt wird. Gibt es eine Verbindung zwischen den Verbrechen? Die Aufklärung wird einer vierköpfigen Sonderermittlungsgruppe um Madame le Commissaire Pauline Castelot übertragen. Diese arbeitet recht behäbig, sie lösen den Fall lange nachdem die Leserin erste Hypothesen über die Zusammenhänge angestellt hat. Im Zentrum steht die detailfreudige Abbildung südfranzösischer Lebensart: Gutes Essen, ein Glas Wein mittags im Kollegenkreis und abends auf der Terrasse zu Hause. So ist ein „softer“ Krimi entstanden, in dem viel gegessen und getrunken (Crevettes, Schnecken, Tarte de chocolat und Entre deux mers) wird, die Männer breitschultrig sind und die Frauen im Sommerkleid und mit hochgesteckten Haaren sehr durchsetzungsfähig und souverän im jeweiligen Beruf sind.

Besonders für Frauen, die Südfrankreich lieben. Als Krimi aber wenig spannend, eher ein Schmöker.

Signatur: SL
Schlagworte:
Frankreich | Weinbau | Detektivin | Sommer
Bewertung: +
Rez.:
Gabriele Kassenbrock

Fouchet, Lorraine: Die 48 Briefkästen meines Vaters. Roman. Dt. von Katrin Segerer. Hamburg: Atlantik 2020. 298 S. ; 19 cm. Aus d. Franz. ISBN 978-3-455-00898-2, kt.: 12,00 €

Um Sicherheit über die Identität ihres Vaters zu bekommen, reist die Römerin Chiara (25) auf die bretonische Insel Groix.

Eine boshafte Bemerkung ihrer Patentante lässt Chiara daran zweifeln, dass der früh verstorbene Alessio ihr wahrer Vater ist; es käme nämlich auch ein französischer Fischer in Frage, dessen Name nur vage bekannt ist. Chiara macht sich auf, die Wahrheit zu erfahren. Die Spur führt sie auf die bretonische Insel Groix. Schon auf der Hinfahrt lernt sie Gabin alias Charles kennen. Sein Herz ist ebenfalls voller Scherben. Auf der Insel ergattert Chiara einen Aushilfsjob als Postbotin. Dadurch erhofft sie sich, nicht nur die Adresse des Mannes herauszufinden, sondern auch mittels eines heimlichen DNA-Tests sicher sagen zu können, wer ihr wahrer Vater ist. Eine weitere Rolle in diesem bitter-süßen Roman spielt Charles. Auch er wuchs ohne Vater auf und erkennt Chiara als den Engel, der sie ist. Ungewöhnliche Perspektivenwechsel, z. B. aus der Sicht des Postfahrrads, kummervolle Ereignisse, literarische Zitate, ein Kuchen-Rezept und ein sensibles, wunderbares Paar überzeugen auf der ganzen Linie.

Traurig, heiter, melancholisch, berührend – dieser sensationelle Roman lässt niemanden kalt. Man muss ihn einfach gelesen haben!

Signatur: SL
Schlagworte:
Bretagne | Vater | Tochter | Liebe
Bewertung: +++
Rez.:
Martina Mattes

Rademacher, Cay: Ein letzter Sommer in Méjean. Kriminalroman. Köln: DuMont 2020. 464 S. ; 19 cm. ISBN 978-3-8321-6525-3, kt.: 12,00 €

Krimi um einen 30-jährigen Mordfall im provenzialischen Fischerdorf Méjean mit fünf ehemaligen deutschen Abiturienten.

2014 erhalten fünf „Freunde“ einer Schülerclique aus Deutschland Briefe von einem anonymen Absender, mit der Aufforderung sich dort wieder zu treffen. Der sechste Junge der Gruppe war damals am Strand brutal erschlagen aufgefunden worden. Der Rucksack des Jungen und andere Dinge tauchen plötzlich wieder auf. Parallel sind im Dorf unter den Einwohnern und einem Arztehepaar aus Paris weitere alte Rechnungen offen, man begegnet sich mit Misstrauen. Der Fall scheint unlösbar, der krebskranke Commissaire Renard aus Marseille reist an - die Polizei hat ebenfalls ein Schreiben erhalten - um den Fall endlich aufzuklären. Innerhalb der Gruppe der damaligen Freunde gibt es auch Ungereimtheiten und bisher unausgesprochene Geheimnisse. Warum gab es den Mord an Michael? Wer ist der anonyme Absender der Briefe, der unter dem Namen des Toten das Ferienhaus angemietet hat? Ganz langsam erschließen sich lange verheimlichte Abgründe und die Idylle des malerischen Fischerdorfes wird verdunkelt.

Der Roman lebt von einer gut aufgebauten Spannung, er ist faszinierend, man fühlt sich gleich zu Hause am Urlaubsort, ein gelungener Krimi auch ohne Kommissar Roger Blanc.

Signatur: SL
Schlagworte:
Frankreich | Urlaub | Provence | Missbrauch
Bewertung: +++
Rez.:
Martin Ertz-Schander

 

Spanien

Einhorn, Katrin: Eine Postkarte ans Glück. Roman. München: Dt. Taschenbuch Verl. 2020. 318 S. ; 19 cm. ISBN 978-3-423-21925-9, kt.: 10,95 €

Wie ein Workaholic am Ende doch zu einem ruhigeren Leben findet.

Jakob Finks Leben ist ganz von seiner Arbeit als Marketingexperte bestimmt. Sein großer Traum ist es, Partner in der Agentur zu werden, für die er derzeit fleißig Überstunden macht. Mona Püschel hat ihren Traum schon verwirklicht. Sie ist in den spanischen Küstenort Cadaqués bei Barcelona gezogen, um dort in einem Zentrum für Entschleunigung zu arbeiten. Die Wege der beiden kreuzen sich, als Jakob auf Anraten seiner Schwester in gerade jenem Zentrum für zwei Wochen ein aufkommendes Burnout behandeln lassen soll. Doch Jakob erweist sich als besonders beratungsresistent, denn er widmet jede freie Minute lieber seinem neuen Projekt, als sich um Themen wie Achtsamkeit und Entspannung zu kümmern. Erst ein Lied bei einem Karaoke-Abend bringt seinen Lebensentwurf ins Straucheln. Befeuert von Erinnerungen an seine Studentenliebe macht er sich auf eine Suche, die ihn nach vielen Irrungen und Wirrungen zu einem befreiten Neuanfang führt.

Mit viel Witz und originellen Ideen erzählt die Autorin davon, dass der Weg zur Erholung manchmal schwerer fällt als man denkt.

Signatur: SL
Schlagworte:
Spanien | Urlaub | Liebe
Bewertung: ++
Rez.: Amelie Sareika

Múñez, Fernando J.: Die Köchin von Castamar. Claras Geheimnis. Roman. Dt. von Anja Rüdiger. München: C. Bertelsmann 2020. 382 S. ; 21 cm. Aus d. Span. ISBN 978-3-570-10392-0, kt.: 13,00 €

Der Aufstieg von der Küchengehilfin zur gefeierten Köchin ist nicht unproblematisch für Clara Belmonte.

Der Roman spielt im Oktober 1720 auf dem Landsitz des seit zehn Jahren verwitweten Don Diego von Castamar unweit von Madrid. Nur einmal im Jahr findet sich eine festliche Gesellschaft hier zusammen und erinnert an die bei einem Reitunfall verstorbene Herzogin. Sie war es, die früher mit ihrer Heiterkeit und durch ihre Schönheit viele Feste beherrschte. Als die Chefköchin diesmal plötzlich wegen einer schweren Pflichtverletzung entlassen wird, bietet sich für Clara die unverhoffte Chance, ihr Können und ihre Leidenschaft für eine schmackhafte und abwechslungsreiche Speisefolge zu zeigen. So lenkt sie unabsichtlich die Aufmerksamkeit des Herzogs auf sich, der ihr als Anerkennung und zum, Ansporn erlesene Kochbücher zukommen lässt. Clara weiß, dass diese Geste eine nicht einfache Situation heraufbeschwören wird. Zahlreich sind die internen Rivalitäten in dem kleinen Kosmos ländlicher Abgeschiedenheit, in der sie zudem ein Geheimnis sorgsam hütet.

Eine breitangelegte Geschichte einer höfischen Gesellschaft im Spanien des frühen 18. Jahrhunderts, auf deren Fortsetzung im folgenden Band man gespannt sein darf.

Signatur: SL
Schlagworte:
Spanien | 18. Jh. | Frauenleben | Ehrgeiz
Bewertung: +++
Rez.: Halgard Kuhn

England

Büchle, Elisabeth: Das Lächeln des Drachen. Roman. Asslar: Gerth Medien 2020. 446 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-95734-621-6, geb.: 20,00 €

Schmuck mit lächelndem Drachen verbindet abenteuersuchende Kanadier mit einem englischen Gutshof des 19. Jahrhunderts.

Was die Autorin auszeichnet, bestätigt sie auch in ihrem neuen Buch. Sie erzählt fesselnd und verknüpft gekonnt aktionsreiche Hektik mit Szenen stiller Romantik, so dass beide spannend bleiben. Zwischen den Zeilen tauchen immer wieder biblische Bezüge auf. Die Handlung: Falk Jäger sucht mit Freunden auf der als Schiffsfriedhof bekannten kanadischen Insel Sabel Island neue Abenteuer. Er begegnet Junia, einer Bekannten aus der frühen Jugend, die auf der Suche nach einem Familiengeheimnis ist. Falk und seine Freunde helfen ihr. Die Spur führt zurück ins 19. Jahrhundert auf den Gutshof eines Adligen in England. Der Roman beginnt mit einer fesselnden Schilderung des Lebens auf dem Gutshof. Besonders eindrucksvoll ist neben dem Butler die jung eingeheiratete Olivia. Ihr Geheimnis ist die schmale Brücke zum zweiten Teil des Romans. Er fällt gegenüber dem ersten ab und bleibt trotz spannender Kriminalistik und prickelnder Erotik merkwürdig leer. Die Lösung kommt unvorbereitet.

Als unterhaltsamer und spannender Roman zum Schmökern unbedingt zu empfehlen.

Signatur: SL
Schlagworte:
England | 19. Jh. | Krimi
Bewertung: ++
Rez.:
Karl Foitzik

Henn, Carsten Sebastian: Der Gin des Lebens. Kriminalroman. Köln: DuMont 2020. 334 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-8321-8397-4, kt.: 16,00 €

„Gin ist Lyrik: wenige Worte, aber alles an der richtigen Stelle."

Alles was Bene von seinem verstorbenen Vater geblieben ist, ist eine alte Flasche selbst gebrannten Gins. Die Gin Leidenschaft hatte einst die Familie zerstört und nun steht Bene selbst vor den Trümmern seines Lebens. Getrieben von der Suche nach dem Sinn seines Lebens macht er sich auf nach Südengland, um das Geheimnis des Ginrezepts seines Vaters zu lösen. Auf seiner Reise lernt er nicht nur Cathy kennen, die seine Obsession für die Herstellung von Gin teilt. Bene wird außerdem in einen Strudel aus Ereignissen, Kuriositäten und einen Mordfall hineingezogen und erfährt dabei eine Menge über den perfekten Gin, das Leben und die Liebe. - Ein leichter, humorvoller Kriminalroman der mit zahlreichen überraschenden Wendungen punktet und mit spannende Fakten über die Herstellung und Geschmacksvielfalt von Gin begeistert.Für alle Gin Liebhaber und solche die es noch werden möchten.

Eine leichte und unterhaltsame Lektüre für den Liegestuhl.

Signatur: SL
Schlagworte: Kulinarik | Krimi | England | Genuss
Bewertung: +++
Rez.: Susanne Hartmaier

Howard, Elizabeth Jane: Die Zeit des Wartens. Die Chronik der Familie Cazalet. Roman. Dt. u. mit Anmerkungen versehen von Ursula Wulfekamp. München: Dt. Taschenbuch Verl. 2020. 605 S. ; 19 cm. (Band 2). Aus d. Engl. ISBN 978-3-423-14752-1, kt.: 10,90 €

Die Chronik der englischen, großbürgerlichen Familie Cazalet (1937-1957), Band 2.

Als im September 1939 Großbritannien dem Deutschen Reich den Krieg erklärt, verbringt die Familie Cazalet gerade ihre Ferien auf dem Landsitz Home Place in Sussex. Während die Väter und Söhne eingezogen werden, bleiben die Frauen auf dem Land, das sicherer vor den Bombenangriffen ist als die Stadt London. Doch vor allem für die Teenager-Cousinen Polly, Clary und Louise ist das Leben dort sehr eintönig und sie warten brennend auf ein Kriegsende. Trotz der Schrecken der Zeit erzählt der Roman wechselnd aus ihrer Perspektive Geschichten des Erwachsenwerdens, oft geht es also auch nur um "kleine Dramen", um Kleidung und Aussehen, Beziehungen. Gemeinsam mit der Familie und den Hausangestellten versucht man durch die bedrohliche Zeit zu kommen. Geschickt wird man zu Beginn des Romans mit dem Inhalt des ersten Bandes vertraut gemacht. Band 2 endet nach fast 600 Seiten im Jahr 1941; ein dritter Band schließt an.

Interessante, gut lesbare Unterhaltung. Auch für den Urlaub geeignet.

Signatur: SL
Schlagworte:
England | 2. Weltkrieg | Provinz
Bewertung: ++
Rez.: Christine Stockstrom