Weltflüchtlingstag 2021

Der Weltflüchtlingstag ist ein von den Vereinten Nationen eingerichteter Aktionstag, der seit 2001 am 20. Juni stattfindet.

Erzählendes für Kinder und Jugendliche

Meine liebsten Dinge müssen mit. Sepideh Sarihi. Ill. von Julie Völk. Weinheim: Beltz & Gelberg 2018. O. Pag. : überw. Ill. ; 28 cm. ISBN 978-3-407-82337-3, geb.: 12,95 €

In den Koffer passen die liebsten Dinge nicht – ob sie in der neuen Heimat wiedergefunden werden können?

Das Aquarium, die liebste Freundin, der Schulbus mit dem singenden Fahrer, der Holzstuhl, den Opa ihr gebaut hat und der Birnbaum, der genauso alt ist wie sie: All das würde die kleine Ich-Erzählerin so gerne mitnehmen. Aber der Platz im Flugzeug reicht bloß für einen kleinen Koffer. So wird sie vorerst nur eins ihrer „liebsten Dinge“ im neuen Zuhause wieder treffen: das Meer. An seinem Ufer wartet und hofft sie, dass auch die anderen - per Flaschenpost - nachkommen. Wer sie da so wach, mit roten Wangen und aufmerksamem Blick im gelbgestreiften Pulli (der Autorin recht ähnlich, die 2012 den Iran verließ) stehen sieht, mag wünschen und beim Betrachten der Bilder auch ahnen, dass neue Beheimatung möglich sein könnte. Schließlich steht ganz in der Nähe ein großer Apfelbaum, und dort spielt ein gleichaltriges Kind... Dass die dreiköpfige Familie aus einem orientalischen Land stammen könnte, deuten die zarten Illustrationen (mit Bunt-/Bleistift) nur an. Den Grund ihres Aufbruchs erfährt man nicht.

Was/wo sind meine „liebsten Dinge“? Wie wird die Geschichte des Mädchens weiter gehen? Viele Gesprächsanregungen für Kinder mit und ohne ähnliche Erfahrungen, in Kita und Schule.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Abschied | Flucht | Heimat | Heimweh
Bewertung: +++
Rez.: Griet Petersen

Naylor-Ballesteros, Chris: Der Koffer. Dt. von Uwe-Michael Gutzschhahn. Frankfurt am Main: Sauerländer 2020. O. Pag. : überw. Ill. ; 28 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-7373-5704-3, geb.: 14,99 €

Eine Geschichte die auf liebevolle Art und Weise klar macht, was Toleranz bedeutet.

Zugegeben: Nach dem ersten Lesen war ich etwas ratlos. Obwohl die Geschichte mit klaren Worten erzählt wird, habe ich etwas gebraucht, um zu bemerken, was sich zwischen den drei Tieren und dem fremden Wesen abspielt, das mit seinem Koffer daherkommt. Natürlich fragen die Tiere sofort, was sich in dem Koffer befindet und erfahren von einer Tasse. Und außerdem von einem Tisch, einem Stuhl und einer Berghütte. Der Fremde bezeichnet all das, als sein Zuhause. Und als die Tiere sehen, dass er sich ein wenig schlafen gelegt hat, packen sie die Gelegenheit beim Schopf und öffnen den Koffer. Zum Vorschein kommt eine Tasse, die bei dieser Aktion zerbricht und ein Sepia-Foto mit besagtem Zuhause. Als das fremde Tier erwacht, kann es nicht glauben, was die Tiere getan hatten. Doch mit entwaffnender Ehrlichkeit beichten die Drei, dass die Tasse kaputt ist und präsentieren die Hütte, die sie gebaut haben, damit der Fremde bleibt.

Ein Buch mit eindrucksvollen Zeichnungen. Für alle, die Lust auf eine ehrliche Geschichte über Toleranz und Freundschaft haben. Aktion: Den fast leeren Koffer packen mit dem Spiel „Ich packe meinen Koffer“. Was würden die Kinder selbst von zu Hause mitnehmen wollen, was braucht man, wenn man sich auf den Weg macht ...?

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Toleranz | Offenheit | Flucht | Menschlichkeit
Bewertung: +++
Rez.: Andrea Schmidt

Raúf, Onjali Q.: Der Junge aus der letzten Reihe. Dt. von Katharina Naumann. Dt. von Pippa Curnick. Zürich: Atrium 2020. 286 S. : Ill. ; 22 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-85535-630-0, geb.: 15,00 €

Kinder-/Jugendbuch über ein unbegleitetes Flüchtlingskind.

Ahmet ist neu in der Klasse, spricht kaum und ist irgendwie anders. Alexa möchte mit ihm befreundet sein -  sie und ihre Klasse erfahren, dass Ahmet und seine Familie aus dem umkämpften Syrien flüchten mussten, seine Schwester unterwegs gestorben ist, er von seinen Eltern getrennt wurde und allein nach England gekommen ist. Alexa entwickelt einen waghalsigen Plan, damit Ahmet seine Eltern wiederfindet und sie einreisen können.Die engagierte Autorin will mit Kindern über das große Thema Flucht und die Situation Geflüchteter ins Gespräch kommen. Dafür wählt sie auf sehr feine und zugleich weitsichtige, klug beobachtende sowie einfühlende Weise die Ich-Perspektive Alexas, die nach und nach Ahmets Geschichte erfährt ebenso wie Ablehnung und Argwohn gegenüber Geflüchteten und auf ihre Art, die vordergründig naiv erscheinen mag, beherzt handelt und nach einer Lösung sucht.    

Sehr geeignet, um Kindern die Thematik von Flucht und Migration nahe zu bringen und mit ihnen über Handlungsoptionen nachzudenken und zu diskutieren. Höchst empfehlenswert für alle Büchereien!

Signatur: Ju 2 | Ju 3
Schlagworte: Geflüchtete | Flucht | Syrienkrieg | Multikulturalität
Bewertung: +++
Rez.: Anne Rank

Wir Kinder aus dem (Flüchtlings)Heim. Deutsch - Tigrinya. Cool kids u. Hoa Mai Trần. Ill. von Michaela Schultz. Übersetzung Samson Solomon. Berlin: Viel & Mehr 2020. 125 S. : überw. Ill. ; 23 cm. ISBN 978-3-945596-15-9, kt.: 7,00 €

Fünf Alltagsgeschichten von Kindern, die in Not- und Gemeinschaftsunterkünften leben.

Man sieht sie sofort vor sich, Aida und Ahmed, Narven und Yusuf und alle, die hier aus ihrer Perspektive von ihrem Alltag erzählen; ihr Tonfall ist genau getroffen - kein Wunder, denn das Buch wurde mit ihnen zusammen erarbeitet. Da geht ein kleiner Bruder ausgerechnet am Zuckerfest verloren und ein geheimer Garten wird entdeckt; Securitys, Betreuer und das Essen können manchmal eine Plage sein, aber die Kinder finden Plätze zum Spielen und Verstecken, schließen Freundschaften, sprühen vor Lebendigkeit, nur nachts kommen schlimme Träume. Denn alle leben ja mit der Angst vor Abschiebung. Das Buch gibt ihnen am Ende den Raum, ihre Wünsche zu äußern: ein echtes Zuhause, ein Schlüssel für mein Zimmer, Frieden für Afrin ... Der Text des Buches ist in Deutsch und Tigrinya zu lesen, das Buch ist auch mit Farsi, Englisch, Arabisch und Kurmancî als zweiter Sprache neben Deutsch erhältlich. Die poppig-bunten Illustrationen im Stil von Graphic Novels machen Gefühle, Stimmungen, Räume höchst lebendig.

Deutschklassen, Kinder-/Jugendhäuser, Gemeinschaftsunterkünfte; und eine entschiedene Leseempfehlung an alle, die über Asylsuchende oder in Asylverfahren entscheiden.

Signatur: Ju 2 | Ju 1
Schlagworte: Asyl | Flucht
Bewertung: +++
Rez.: Griet Petersen

Illegal. Die Geschichte einer Flucht. Eoin Colfer u. Andrew Donkin. Ill. von Giovanni Rigano. Dt. von Ulrich Pröfrock . Reinbek: Rowohlt Taschenbuch Verl. 2018. 122 S. : überw. Ill. ; 27 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-499-21806-4, geb.: 16,99 €

Graphic Novel zum Thema Flucht und über das Schicksal der flüchtenden Menschen.

Diese großformatige, farbenfrohe Graphic Novel erzählt von dem 12-jährigen ghanaischen Jungen Ebo, der auf der Suche nach seinem Bruder in den Flüchtlingsstrom nach Europa gerät. Wir treffen Ebo zuerst auf einem Schlauchboot im Mittelmeer, das zu kentern droht. Von hier aus erzählt er in Rückblenden seine Geschichte. Als sein Bruder Kwame über Nacht aus seinem Heimatdorf verschwindet, um seine Schwester zu suchen, die nach Europa geflohen ist, zieht auch Ebo los. Er schlägt sich zunächst in die nächst größere Stadt direkt vor der Sahara durch, bevor er von skrupellosen Schleppern in der Wüste zurückgelassen wird. Letztendlich schafft er es aber doch ans Mittelmeer, trifft tatsächlich seinen Bruder und beide landen auf dem Boot im Meer. Nach einer dramatischen Rettung durch ein anderes Schiff, spitzt sich die Lange doch noch einmal zu und Ebo macht die traurigste Erfahrung seines Lebens.Eine wunderbar gezeichnete, behutsam erzählte Geschichte, die allerdings auch das grausame Schicksal vieler Geflüchteter zeigt.

Als Einstieg zum Thema Flucht und Geflüchtete gut einsetzbar. Aber bitte mit Begleitung, da das Schicksal der Geflüchteten teils ungeschönt gezeigt wird.

Signatur: Ju 3 | SL
Schlagworte: Flucht | Afrika | Graphic Novel
Bewertung: +++
Rez.: Christian Prange

Sachbuch für Kinder und Jugendliche

Good Night Stories for Rebel Girls - 100 Migrantinnen, die die Welt verändern. Elena Favilli. Dt. von Birgitt Kollmann. Ill. von Nicole Miles u.a. München: Hanser 2020. 212 S. : überw. Ill. ; 25 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-446-26805-0, geb.: 24,00 €

100 Biografien von Migrantinnen, die die Welt positiv beeinflusst haben und ihren eigenen Weg gegangen sind.

„100 Migrantinnen, die die Welt verändern“ ist bereits der dritte Band der weltweit von Erfolg gekrönten Serie „Good Night Stories for Rebel Girls“. Auch diesmal wird mittels 100 Kurzbiogafien von mehr oder weniger bekannten aber sehr erfolgreichen Frauen berichtet, die für sich selbst eingestanden sind und so positive Veränderungen für sich und andere erreichen konnten. Jede Geschichte wird von tollen und farbenfrohen Portraits, die von 70 Künstlerinnen aus der ganzen Welt illustriert wurden, begleitet. Die Besonderheit in diesem Band liegt darauf, dass alle vorgestellten Frauen in ihrem Leben verschiedene Formen von Migration erlebt haben, sowie auch die Autorin Elena Favilli. Ein inspirierendes Buch, dass seine Leser*innen für verschiedene Lebensperspektiven sensibilisiert und dazu ermutigt, seinen eigenen Weg zu gehen, egal was die anderen sagen. Immer unter dem Motto der rebellischen Mädchen dieser Welt „Die Zukunft gehört euch!“

Bestens geeignet für rebellische Jugendliche oder solche, die es werden wollen und genug von Unterdrückung und Diskriminierung haben!

Signatur: Jb
Schlagworte: Migration | Diversität | Selbstermächtigung | Feminismus
Bewertung: +++
Rez.: Rosa Bömelburg

Erzählendes für Erwachsene

Kat, Otto de: Freetown. Roman. Dt. von Andreas Ecke. Frankfurt: Schöffling 2019. 166 S. ; 21 cm. Aus d. Niederländ. ISBN 978-3-89561-533-7, geb.: 20,00 €

Die Geschichte einer späten Liebe.

Abwechselnd erzählen Maria und Vincent von ihrer gegenseitigen, leidenschaftlichen Liebe, die sie in bereits höherem Alter wie ein Blitz aus dem Himmel überfallen hat. Beide sind maßvoll zufrieden verheiratet und haben den Höhepunkt ihres sehr unterschiedlichen beruflichen Lebens -  sie Musikerin, er Psychotherapeut -  längst hinter sich gelassen. Nach einigen Jahren aber kehren beide in den ruhigen Hafen ihrer Ehe zurück. Bei Vincent bleibt eine offene Wunde zurück. Nun treffen sich beide nach vielen Jahren wieder; denn Maria leidet unter einem großen Verlust und holt sich Rat bei ihrem früheren Geliebten, dem Psychotherapeuten. Sieben Jahre lang hat sie den Flüchtling Ishamael aus Sierra Leone betreut, nun ist er wie vom Erdborden verschwunden. Die Gespräche zwischen Maria und Vincent über den verlorenen Schützling macht die alte Liebesbeziehung wieder gegenwärtig, ohne sie allerdings neu zu knüpfen.

Diese einfache Erzählung über die Liebe, die leidenschaftliche ebenso wie die mütterlich-fürsorgliche, über Verlust und Altern  müsste ein breites Lesepublikum ansprechen.

Signatur: SL
Schlagworte: Liebe | Ehe | Flüchtling
Bewertung: ++
Rez.: Barbara von Korff-Schmising

Schubert, Helga: Vom Aufstehen. Ein Leben in Geschichten. München: Dt. Taschenbuch Verl. 2021. 221 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-423-28278-9, geb.: 22,00 €

Das Lebensbild einer Schriftstellerin in lose verknüpften Erzählungen – vor und nach der Wende.

Von den Kindheitserinnerungen im sommerlichen Greifswalder Garten der Großmutter über die schöpferischen Jahre in Ostberlin, die Reisen ins westliche Ausland bis zum Altwerden im einsamen, nicht immer beschaulichen Mecklenburg, breitet Helga Schubert ihre politische und private Biographie aus. Es ist ein Blick zurück fast ohne Zorn, denn die Autorin weiß Distanz zu halten zu sich und zu mancher Enttäuschung, die ihr das sozialistische System bereitet hat. Selbst die Auseinandersetzung mit einer kühlen Mutter wirkt nur wenig erregt, spricht sie dabei von sich doch durchweg als „der Tochter meiner Mutter“, um diese weniger schmerzhaft zu beschreiben. Zur Distanz gehören auch eine Portion Ironie und noch mehr Leichtigkeit. Nichts Phrasenhaftes stört ihren Blick auf die Ereignisse. „Vom Aufstehen“, die letzte titelgebende Erzählung, führt wie ein Brennglas noch einmal ein Leben auf engstem, dichtestem Raum zusammen, eine ebenso poetische wie schlichte und äußerst geglückte Lebensbilanz.

Diesen informativen, gleichzeitig lebendigen und äußerst eigenwilligen, prägenden Lebenserfahrungen, vertraut und fremd zugleich, wünscht man möglichst zahlreiche Leserinnen!

Signatur: SL
Schlagworte: Biographie | Flucht | Wende | Familie
Bewertung: +++
Rez.: Barbara von Korff-Schmising

Vertlib, Vladimir: Viktor hilft. Roman. Wien: Deuticke 2018. 286 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-552-06383-9, geb.: 23,00 €

Viktor, selbst als Kind Flüchtling gewesen, hilft ehrenamtlich in einem Transitlager in Salzburg.

Vertlib lebt wie Viktor in Salzburg, hat wie dieser ostjüdische Wurzeln und ist inzwischen österreichischer Staatsbürger. Der Roman trägt autobiographische Züge, will jedoch viel mehr. Er thematisiert ein hochaktuelles komplexes Thema. Die Gespräche der Flüchtlingshelfer untereinander, mit Passanten sowie die Suche nach seiner Tochter Lisa, die bei einer Familie leben soll, die sich für die AfD stark macht, bergen viel Zündstoff. Aber es wird geredet und es finden Begegnungen statt, das ist die zentrale und wichtige Botschaft des Buches. Ganz nebenbei erfahren wir etwas über den Ablauf im Transitlager, den Weg der Flüchtlinge und die Ohnmacht der Helfer. Mit dem ihm eigenen Humor erzählt Vertlieb von Situationen und Charakteren, von Viktors Tochter , die eigentlich gar nicht seine Tochter sein kann. Und von Verantwortung, die Viktor in sein Leben lässt. (s.a. Lucia Binar…)

Die täglichen Nachrichten berühren kaum mehr, aber dieses Buch schafft es und verdient in unserer heutigen gespaltenen Gesellschaft weite Verbreitung!

Signatur: SL
Schlagworte: Flüchtlinge | Deutschland | Migranten | Populismus | Österreich
Bewertung: +++
Rez.: Bettina Wolf

Sachbücher für Erwachsene

Erche, Julia u. Jansen, Alexander: Ich habe meine Märchen mitgebracht. Geschichten, Lieder und Spiele von Flüchtlingskindern. München: Don Bosco 2018. 135 S. : Ill. ; 20 cm + 1 CD. ISBN 978-3-7698-2382-0, kt.: 19,95 €

Märchen, Lieder und Spiele für und von geflüchteten Kindern.

In Einrichtungen der Flüchtlingshilfe hat das Autorenpaar Familien aus afrikanischen und arabischen Ländern sowie aus Iran und Afghanistan nach Märchen, Liedern und Spielen befragt; diese aus der Heimat mitgebrachten „Schätze“ wurden dann übersetzt, teilweise überarbeitet oder ergänzt, manchmal zu Klang- oder Singspielen gestaltet. Inhaltliche Eingriffe werden benannt und betreffen vor allem die Rolle der Mädchen und Frauen (so wird z.B. aus einem Helden eine Heldin) und von Gewalt, die nicht Mittel der Konfliktlösung sein soll. Vorangestellt sind jeweils Kurzinformationen zu Thema, Intention, Spielerzahl etc., Wissenswertes zu Herkunft und Thematik sowie Praxistipps finden sich am Ende. Auf der beigefügten CD sind die Lieder zu hören, eine Strophe jeweils in Originalsprache (meist aber nicht von Muttersprachlern). Mit diesem Buch erfahren (und üben) Kinder Wertschätzung der mitgebrachten Traditionen und erleben, wie Erzählen, Spielen und Singen Verbundenheit und Beheimatung schafft.

Für Kitas, Schul(Deutsch-)Klassen, Kindergruppen, Kinderchöre, Vorlesestunden in Büchereien – zum Kennenlernen, Wiedererkennen, als Anregung, die eigenen „Schätze“ zu präsentieren.

Signatur: Pc 10
Schlagworte: Märchen | Lieder | Geflüchtete
Bewertung: ++
Rez.: Griet Petersen

Spatz, Christopher: Heimatlos. Friedland und die langen Schatten von Krieg und Vertreibung. Mit Fotografien von Fritz Paul. Hamburg: Ellert & Richter 2018. 224 S. : Ill. ; 24 cm. ISBN 978-3-8319-0728-1, geb.: 19,95 €

Das Lager Friedland war Hoffnungsziel für Vertriebene und Flüchtlinge, Kriegsheimkehrer und Umsiedler und zugleich Zugangstor zur neuen Bundesrepublik.

Christopher Spatz hat mit diesem Sachbuch eine Lücke geschlossen. Für die Betroffenen war und ist Friedland ein Symbol für Hoffnung und Neuanfang, aber auch für Ungewissheit, Zukunftsangst. Drei große Phasen hat das Lager Friedland erlebt. Die großen Flüchtlings- und Vertriebenentransporte aus Ostpreußen, Pommern und vor allem Schlesien gingen bis Ende der vierziger Jahre zwecks Registrierung und Verteilung in die Regionen der Bundesrepublik durch Friedland, Mitte der fünfziger Jahre waren es erste Umsiedler und vor allem Kriegsheimkehrer, deren Entlassung aus russischer Gefangenschaft Adenauer verhandelt hatte, und bis heute kommen deutschstämmige Osteuropäer und andere Flüchtlinge hier an. Spatz dokumentiert, wie von Traurigkeit geprägt, wegen der verlorenen Heimat, wie hoffnungsvoll freudig erregt, wegen des möglichen Wiedersehens mit den Verwandten, und mit welchen Ängsten beladen, wegen der ungewissen Zukunft, die Menschen das Lager passierten. Das gelingt vor allem wegen der eindrucksvollen Fotografien von Fritz Paul, der in Ostpreußen geboren, später Fotograf des Göttinger Tageblattes wurde.

Das ist ein wichtiges Buch, es erinnert an Leid und Menschlichkeit, an Freude und Kummer. Es sollte gerade in unserer Zeit aufgeregter Flüchtlingsdebatten weite Verbreitung finden.

Signatur: Sb
Schlagworte: Flüchtlinge | Deutschland | Geschichte
Bewertung: +++
Rez.: Hans-Wolfgang Schaller