Newsletter „Bücherei" 03/2017

Liebe Büchereimitarbeiterin!

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Das Osterfest steht vor der Tür. Klar, dass sich da in unserem besonders bunten Newsletter auffallend viele Häschen tummeln. Neben einer kleinen Auswahl an Osterbüchern finden Sie auch einen Roman über die Mutter Martin Luthers, das „einfachste Kochbuch der Welt“ sowie ein liebens- und lesenswertes Buch über eine Schulklasse, in der neun Kinder aus ganz verschiedenen Herkunftsländern Deutsch lernen.

Sonnige Frühlingstage und gute Lesestunden wünscht

Ihr Eliport-Team

Bewertung:

+++      = hervorragend
++        = gut
+          = möglich

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Jm 1 Bilderbücher

10 kleine Osterhasen. 1,2,3 - Ach du dickes Ei! Hans-Christian Schmidt. Ill. von Marina Rachner. Bindlach: Loewe 2017. O. Pag. : überw. Ill. ; 16 cm. ISBN 978-3-7855-8736-2, geb.: 4,95 €

Der kleine Osterhase im Matrosenanzug bleibt nicht lange einsam. Schwupps gesellen sich nach und nach neun Häschen dazu.

Kurz vor Ostern steht der kleine Osterhase im Garten und gießt die Blumen. Noch ist er allein. Schon auf der nächsten Doppelseite des handlichen Pappbilderbuches mit den abwischbaren Seiten und den leuchtenden Farben, kommt ein Hasenmädchen im rosa Kleidchen dazu. Die beiden pusten große Seifenblasen in die Luft. Nach und nach, eines ums andere, schließen sich mehr Häschen an, bis am Ende zehn Osterhasen versammelt sind. Auf der allerletzten Seite hüpft jeder Hase weg und sucht ein Ostereiversteck. Das niedliche Buch, es wurde bereits 2012 zum ersten Mal auf den Markt gebracht, erzählt in vergnügten Reimen, wie peu à peu die kleinen Osterhasen zusammenkommen. An einer schmalen Griffleiste rechts kann der Betrachter nicht nur die Anzahl der Figuren sehen, sondern auch die Ziffern. Das Erkennen von Zahlen, das Zählen und Addieren werden so spielerisch eingeübt und durch die kunterbunten Bilder veranschaulicht. Ein lustiges Osterhasenzählbuch mit Sogwirkung, das viele Freunde finden wird.

Kinder ab etwa 3 Jahren werden das handliche Pappbilderbuch, vor allem zur Osterhasenzeit, gar nicht mehr aus den Händen legen wollen.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Ostern | Zählenlernen | Häschen | Zahlen
Bewertung: +++
Rez.: Martina Mattes

Eyb-Green, Sigrid: Die Sonnenschaukel. Wien: Jungbrunnen 2016. O. Pag. : überw. Ill. ; 28 cm. ISBN 978-3-7026-5902-8, geb.: 14,95 €

Vier Zwergenfrauen ziehen im Garten ein und begleiten ihn durch die verschiedenen Jahreszeiten. Ab 5 J.

Ganz munter ziehen vier weiße, fast durchsichtige Zwerginnen in den Garten ein. Frau Morgenzwerg wohnt im Zuckererbsenbeet, die „grüne Frau“ taucht ihre Umwelt in bunte Farben, Frau Western erntet den Hagebuttenstrauch ab und die letzte Dame, Frau Knochenbein, leitet den Frühling ein. Wenn der Jahreskreis geschlossen ist, packt das Zwerginnen-Quartett seine Sachen und nimmt Abschied. Diese Verwandlung hat die Autorin wunderschön illustriert und auf der letzten Doppelseite dargestellt, wo die kleinen Damen in bunten Mustern passend zu ihrer jeweiligen Jahreszeit präsentiert werden. Das in seiner künstlerischen Darstellung herausragende Bilderbuch bietet auf jeder Seite eine Überraschung, und die jungen Betrachter können sich wahrscheinlich nicht satt sehen an der Farbenpracht. Schwierig wird es eher bei dem Text. Der ist nur ab und an gereimt, ansonsten herrscht das freie Versmaß. Das stört den Lesefluss. Prekär sind auch verschiedene Begriffe, die vorwiegend im österreichischen Sprachraum vorkommen.

Eher für größere Bestände oder für Bibliotheken, die auch ausgefallenere Bilderbücher anbieten wollen.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Jahreszeiten | Zwerge
Bewertung: ++
Rez.: Martina Mattes

Jakobs, Günther: Eieiei - Die HasenhoppelEi. Hamburg: Carlsen 2017. O. Pag. : überw. Ill. ; 18 cm. ISBN 978-3-551-16894-8, geb.: 9,99 €

Pieps, das Küken, stößt an den Eierstapel – die bunten Eier wollen nur noch hüpfen und rollen, nichts wie hinterher!

Kurz vor dem Osterfest hat Osterhase Max alle Hände voll zu tun. Pieps, das Küken hilft ihm, die fertig bemalten Eier auf einen Haufen zu stapeln. Dummerweise stößt Pieps an den Stapel – „Ja, da fängt das Unglück an, denn die Eier roll`n voran.“ Hühner, Hasen, Küken und alle Tiere nehmen die rasante Verfolgungsjagd auf, um die Eier, die unbeirrt über Berg und Tal rollen, wieder einzufangen. Unversehrt landen die Eier schließlich in einem Sack – bis auf eines, das, „oh nein- knallt auf einen harten Stein.“ Die Überraschung ist groß, als aus diesem Ei ein Schnabeltier schlüpft – „war wohl auch ein Ei aus Australien dabei.“
Dieses gereimte Pappbilderbuch lädt zur Interaktion ein: die Betrachter können an Rädern drehen und hinter Klappen und Türen linsen – Kinder werden ihren Spaß daran haben! Ein farbenfrohes Osterspektakel ohne theologischen Hintergrund.

Geeignet für Kleinkindern ab ca. 1,5 Jahren. Für Büchereien nur eingeschränkt empfohlen, da die Klappen und Räder sicher unter der mehrfachen Ausleihe leiden. 

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Pappbilderbuch | Reim | Ostern
Bewertung: ++
Rez.: Susanna Hocher

Die Ostergeschichte. Amelie Benn. Ill. von Regine Altegoer. Bindlach: Loewe 2017. O. Pag. : überw. Ill. ; 20 cm. ISBN 978-3-7855-8473-6, geb.: 7,95 €

Was feiern wir eigentlich an Ostern? Eine Erzählung der biblischen Geschichte in wenigen Sätzen.

Die Autorin stellt sich der großen Herausforderung, die Stationen der Passions- und Ostergeschichte in wenigen Worten zu erzählen: Jesu Einzug in Jerusalem, das letzte Abendmahl mit seinen Jüngern, Jesu Gefangennahme im Garten Gethsemane, seine Kreuzigung und letztendlich seine Auferstehung. Dem Versuch, in jeweils nur 5-8 Sätzen einen sehr komplexen Inhalt kindgerecht wiederzugeben, ist es wohl geschuldet, dass manche Textstellen etwas hölzern klingen. Die Kreuzigung wird in der konkreten Darstellung vermieden (im Hintergrund sind drei Kreuze sichtbar), was in Anbetracht der Zielgruppe angemessen erscheint. Allerdings bleibt dieser Teil der Passion dadurch etwas blass.
Die farbenfrohen Bilder und die lieblich gezeichneten Gesichter der Personen werden Kleinkinder ansprechen.

Trotz mancher Schwächen im Text für Kinder ab 2 Jahren empfehlenswert. Der Stoff bedarf ohnehin der Vermittlung, das Pappbilderbuch kann dazu eine gute Grundlage bieten.

Signatur: Jm 1
Schlagwort: Ostern | Biblische Erzählung | Pappbilderbuch
Bewertung: ++
Rez.: Susanna Hocher

Ju 1 Erzählungen für das erste Lesealter (6-8 Jahre)

Die besten Leselöwen-Ostergeschichten. Mit Beiträgen von Norbert Landa u.a. Ill. von Michael Schober u.a. Bindlach: Loewe 2017. 121 S. : Ill. ; 25 cm. ISBN 978-3-7855-8544-3, geb.: 5,00 €

16 amüsante und lustig illustrierte Geschichten rund um das Thema Ostern in großer Fibelschrift.

Ungebrochen scheint die Nachfrage nach lustigen Geschichten zu sein, die geübte Grundschüler amüsieren und zum Lesen animieren. Diesen Zweck erfüllt die vorliegende Sammlung aufs Beste. Einige der Geschichten sind bereits vor mehr als 30 Jahren erschienen und werden immer wieder neu aufgelegt. Sie haben nichts von ihrer Anziehungskraft verloren. Da gibt es die Prachteier von Melvine und Meverik, das Mädchen Emil (!) und ihre beiden tierischen Gefährten Kommissar und Sherlock oder den Hasen Poldi, der durch die Osterhasenprüfung rasselt. Genussvoll werden die Leser Tüftels fehlerhafte Erfindung verfolgen oder gedanklich helfen, einen frechen Dieb in der Osternacht zu stellen. Die Verschiedenheit der Texte, erdacht von beliebte Autoren wie Ursel Scheffler, Norbert Landa und Christina Koenig, sowie die abwechslungsreichen Illustrationen, die große Fibelschrift und das ausgezeichnete Preis-Leistungsverhältnis machen diesen Saisontitel zu einem Renner. Er sollte in keiner Kinderbibliothek fehlen.
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In jeder gut sortierten Bücherei begrüßenswert; auch bei Antolin gelistet.

Signatur: Ju 1
Schlagworte: Ostern | Erstlesegeschichten | Antolin
Bewertung: +++
Rez.: Martina Mattes

Eine kunterbunte Überraschung. Thomas Krüger. Ill. von Ina Hattenhauer. Ravensburg: Ravensburger Buchverl. 2016. 43 S. : überw. Ill. ; 24 cm. (Leserabe, 1. Lesestufe). ISBN 978-3-473-36473-2, geb.: 7,99 €

Donald Rabbit hat eine tolle Idee wie Ostern doch noch schön werden kann.   

Miese Stimmung im Säbelbein-Wiesental: Donald Rabbit und seine Freundin Micki Kuchen haben sich gestritten, weil Donald wieder mal nur an sich gedacht hat und nicht teilen wollte. Zudem ist das Wetter so schlecht, dass der Osterhase nicht kommen kann, um seine Schokoeier zu verstecken. Doch da hat Donald einen richtig guten Einfall wie die Eiersuche ganz sicher nicht ins Wasser fällt und er gleichzeitig beweisen kann, dass er nicht der Vielfraß ist, für den Micki ihn hält.
Das große Schriftbild und die übersichtlichen Textstücke, die sich mit vielen lustigen Bildern abwechseln, machen es Leseneulingen leicht, der gut gegliederten und mit nur vier kurzen Kapiteln einfach aufgebauten Geschichte zu folgen. Zusätzlich wecken Themen, wie Freundschaft, teilen können, Streit und Versöhnung, die auch in der Lebenswelt von Schulanfängern eine wichtige Rolle spielen, die Leselust. Die Rabensticker im Buch werden als Lesemotivation und als Belohnung für die Lösung der Leserätsel im Anhang hier eigentlich gar nicht gebraucht.        
            
Ein besonderer Spaß für Micki und Donald Fans.

Signatur: Ju 1
Schlagworte: Freundschaft | Ostern | Teilen
Bewertung: ++
Rez.: Brigitte Heimerl

Das Leben und ich. Eine Geschichte über den Tod. Elisabeth Helland Larsen. Ill. von Marine Schneider. Dt. von Ursel Allenstein. Berlin: Kleine Gestalten 2016. O. Pag. : überw. Ill. ; 28 cm. Aus d. Norw. ISBN 978-3-89955-770-1, geb.: 14,90 €

Die Gestalt des Todes als junges Mädchen, das keine Angst verbreitet.

Ein dunkelblau umhülltes Mädchen mit einer Margerite und einer Mohnblume geschmückt erscheint mal auf einem Fahrrad, mal auf einem Boot, meist aber zu Fuß bei den unterschiedlichsten Lebewesen. Winzig  ist sie vor dem Elefanten, riesig groß bei den kleineren Tieren oder Kindern zu sehen. Immer tritt sie behutsam näher, passt sich demjenigen, den sie in ihr Reich holen wird, an. Die Autorinnen beschreiben unterschiedliche Todesarten, die gewaltsame, etwa durch eine Feuersbrunst oder den vorgeburtlichen Tod, wenn eine Mutter ihr Kind verliert. „Wenn ich sterben würde“, sagt die Todesgestalt, „wer sollte dann Platz schaffen?“ und  erklärt sich selbst als Teil des Lebens. Während der Text viele Wahrheiten ausspricht, bemüht sich die Illustratorin um eine beschwichtigende Wirkung des Inhalts.  Sie verwendet reine und zarte Farben, lässt die mädchenhafte Gestalt des Todes sanft und beruhigend auftreten und versetzt sie in idyllische, teilweise süßliche Landschaften und Kulissen.

Ein ungewöhnliches Bilderbuch, das sich zwischen wahrheitsgemäßer  und euphemistischer Darstellung des Todes nicht recht entscheiden kann. Deshalb nur bedingt empfehlenswert.

Signatur: Ju 1
Schlagworte:
Tod | Natur | Angst
Bewertung: +
Rez.:
Barbara von Korff-Schmising

Ju 2 Erzählungen für das zweite Lesealter (9-12 Jahre)

Collin, Andreas: Der Fluch des Bonawentura. Ill. von Sascha Morawetz. Bamberg: Magellan 2016. 223 S. : Ill. ; 22 cm. ISBN 978-3-7348-4013-5, geb.: 13,95 €

Arthur hat die Machenschaften seines Onkels satt, haut ab und gerät in ein rasantes Abenteuer.

Als Kleinkind zur Waise geworden, wird Arthur von seinem Onkel mehr schlecht als recht aufgezogen. Dass dieser ihn endgültig loswerden will, bekommt er durch Zufall mit und haut ab. Per LKW will er in einen Hafen, um als blinder Passagier auf ein Schiff zu gelangen. Doch er landet in Polen und mit ihm sein Erzfeind Oskar, der sich im selben Lastwagen versteckt hielt. Die beiden fallen einer Schmugglerbande in die Hände, entkommen jedoch mit Hilfe des Mädchens Kamila. Die drei geraten an einen seltsamen Forscher, der auf der Suche nach geheimnisvollen Tunneln und dem Schatz des Räubers Bonawentura ist. Die Freunde kommen schließlich zu einer Burg, in der sie den verhassten Onkel wieder treffen und in einem rasanten Showdown wird das Geheimnis - auch um Arthurs Herkunft - gelüftet. Der Abenteuerroman punktet mit viel Action, schlägt zwischendurch aber auch leise Töne an.

Gutes Lesefutter für Jungen und Mädchen gleichermaßen und bestens als Ferienlektüre geeignet.

Signatur: Ju 2
Schlagworte:
Abenteuer | Freundschaft | Schatzsuche
Bewertung: ++
Rez.:
Margarete Barth-Specht

Kämper, Regine: Amina, Erdal, Njami und die anderen. Geschichten aus der Deutschstunde. Ill. von Yayo Kawamura. München: Dt. Taschenbuch Verl. 2016. 76 S. : Ill. ; 22 cm. ISBN 978-3-423-64024-4, geb.: 12,95 €

Neun Kinder aus neun verschiedenen Ländern lernen bei Regine Deutsch. Die liebenswerte Lehrerin gibt im Unterricht alles.

Tatsächlich sind nur neun Kinder in der Klasse. Das ist so ungewöhnlich nicht, denn die Jungen und Mädchen haben alle eine andere Muttersprache. Nun leben sie in der Bundesrepublik, wo sie Deutsch lernen wollen. Ihre Lehrerin heißt Regine. Sie mag jeden ihrer Schützlinge gerne, egal ob er Njami, Bartek, Milan, Irina, Nadja, Erdal, Antonia, Amina oder Wowa heißt und kenianische, polnische, kroatische, russische, türkische, spanische, syrische oder ukrainische Wurzeln hat. Damit den Kindern der Sprachunterricht leicht fällt, lässt sich Regine allerhand einfallen. Sie singt, spielt, kocht und scherzt und lässt keine Gelegenheit aus, die Neun zum Reden zu animieren. Langsam wird aus der Gruppe eine kleine Gemeinschaft. Aus der Ich-Perspektive lädt die Autorin ihre Leser ein, am Unterricht teilzunehmen und sich mit ihr über die Fortschritte beim Lernen und über die Späße der Kinder zu freuen. Ein weiteres Plus ist, dass man sprachliche Fehler durch Markierungen im Text sofort erkennen kann. Prima!

Die gut gegliederte, lustig illustrierte Geschichte erfüllt alle Bedingungen für ein gutes Kinderbuch und sollte in jeder Bücherei angeboten werden. Empfohlen ab 9 J.

Signatur: Ju 2
Schlagworte: Deutsch als Fremdsprache | Migration | Schule | Interkulturalität
Bewertung: +++
Rez.:
Martina Mattes

Ju 3 Erzählungen für Jugendliche ab 13 Jahren

Mit dem Zeppelin nach New York. Die Geschichte vom Kabinenjungen Werner Franz. Stephan Martin Meyer. Ill. von Thorwald Spangenberg. Hildesheim: Gerstenberg 2016. 64 S. : überw. Ill. ; 31 cm. ISBN 978-3-8369-5884-4, geb.: 14,95 €

Halb in Wort, halb in Bild wird das Zeppelin Hindenburg und mit ihm eine Epoche der Luftfahrt porträtiert.

Frankfurt 1936: Der 14-jährige Werner heuert auf der Hindenburg, dem größten Zeppelin aller Zeiten, als Kabinenjunge an. Seine erste Reise führt ihn nach Rio de Janeiro, weit weg von seiner Familie. Doch unterwegs kann er mit seinem neuen Kollegen Wilhelm das Luftschiff entdecken, verstehen, wie es fliegt und wie seine Besatzung arbeitet. Großflächige Farbabbildungen verschmelzen mit Comic-Elementen in schwarz-weiß. Skizzen erklären das Luftschiff, Landkarten seine Routen. Zurück aus Südamerika geht es auf die Reise nach New York und unweigerlich bahnt sich die Katastrophe des Landeanflugs auf Lakehurst an, bei dem die Hindenburg in Flammen aufgeht. Das von der Zeppelin-Stiftung unterstützte Buch weckt Begeisterung für den berühmten Zeppelin. Allerdings war der Arbeitsalltag eines Kabinenjungen wohl nicht nur eine große Entdeckungsreise. Und im Glanz der Hindenburg erstrahlen immer auch ihre Hakenkreuze. Die Einordnung des Geschehens in die politischen Verhältnisse kommt zu kurz.

Mit Einschränkungen empfohlen.

Signatur: Jn
Schlagworte:
Zeppelin | Luftfahrt | Technik | Geschichte
Bewertung: +
Rez.: Malte Möck

SL Romane, Erzählungen, Dramen, Lyrik

Beinert, Claudia u. Nadja: Die Mutter des Satans. Roman. München: Knaur 2017. 446 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-426-65383-8, geb.: 19,99 €

Einfühlsamer Roman über Margarethe Luder (1459-1531), die Mutter Martin Luthers.

Während Margarethe dem Maler Lucas Cranach 1527 Porträt sitzt, lässt sie ihr Leben Revue passieren. Sie denkt an ihre schwierige Ehe mit dem Bergmann Hans Luder, der um seinen gesellschaftlichen Aufstieg kämpft und ihr nur wenig Wärme entgegenbringt, an die Geburt ihrer Kinder und v.a. an Martin, ihren ältesten Sohn, zu dem sie eine besonders enge Beziehung hat. Doch er hat es ihr nicht leicht gemacht. Statt Jurist zu werden, wie sein Vater es bestimmt hat, ist er Mönch geworden und hat mit seinen Thesen die mächtigsten Männer der Welt und der Kirche gegen sich aufgebracht. Sein Vater verstößt ihn, aber Margarethe hält zu ihm, obwohl sie auf offener Straße als "Mutter des Satans" beschimpft wird. Sie trifft sich heimlich mit ihm, setzt sich mit seiner Glaubenslehre auseinander und schließt sich ihr letztlich sogar an. - Mit großer Sensibilität rekonstruieren die Autorinnen das Leben der Mutter Martin Luthers und verweben gekonnt Fakten und Fiktion zu einem überzeugenden Gesamtbild.

Ein wunderbares Buch, das vor allem Frauen faszinieren wird und das in keiner Bücherei fehlen sollte. 

Signatur: SL
Schlagworte:
Luther | Familie | Reformation
Bewertung: +++
Rez.:
Elisabeth Schmitz

Galbraith, Robert: Die Ernte des Bösen. Roman. Dt. von Wulf Bergner, Christoph Göhler u. Kristof Kurz. München: Blanvalet 2016. 669 S. ; 22 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-7645-0574-5, geb.: 22,99 €

Ein abgetrenntes Bein bringt Unruhe in das Leben von Privatdetektiv Strike und seiner Kollegin.

Robin Ellacott arbeitet - sehr zum Missfallen ihres Verlobten - als Assistentin bei dem privaten Ermittler Cormoran Strike. Ihr Einkommen ist nicht hoch und auch nicht regelmäßig, aber es ist ihr Traumjob. Eines Tages öffnet sie ein an sie adressiertes Paket und findet darin ein abgetrenntes Frauenbein. Nach dem ersten Schock beginnen Robin und ihr Chef auf eigene Faust zu ermitteln, denn die Polizei konzentriert sich nur auf einen einzigen Verdächtigen. Strike aber fallen mindestens vier Verdächtige ein, mit denen er in der Vergangenheit aneinander geraten ist und denen er eine so makabre Tat zutrauen würde. Auf den Spuren des Täters kommt Strike zwangsweise wieder in Kontakt mit seiner Vergangenheit, die keineswegs immer rosig war. Bei Robin überstürzen sich auch privat die Ereignisse und so muss sie nicht nur auf der Hut sein, um ihr Leben zu schützen, sondern stellt auf einmal auch fest, dass ihr Verlobter sie schon lange betrügt. Zum Schluss entkommt der Täter fast unerkannt.

Ein spannendes Buch mit sympathischen Protagonisten. Für den Nervenkitzel abends vorm Kamin oder vielleicht doch lieber bei Tageslicht, damit es nicht zu gruselig wird.

Signatur: SL
Schlagworte:
Mord | Privatdetektiv | Serienkiller
Bewertung: ++
Rez.:
Lina Francke-Weltmann

Hein, Jakob: Kaltes Wasser. Roman. Berlin: Galiani 2016. 233 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-86971-125-6, geb.: 18,99 €

Von einem Ossi, der Karriere macht: Eine unterhaltsame Geschichte über die wilden Jahre nach 1989.

Als Kind von überzeugten Kadern wächst Friedrich Bender in den letzten Jahren der DDR auf. Vom real existierenden Sozialismus lässt sich seine Fantasie nicht einengen, als Schüler-Agitator schmückt er seine Berichte großzügig aus. Der Fall der Mauer führt zum Ende seiner erfundenen Beziehung mit einem englischen Mädchen, das er angeblich im Ferienlager kennengelernt hat. Und das Ende der DDR und die Zustände im Berlin der Wendezeit eröffnen Friedrich nahezu unbegrenzte Möglichkeiten. Ohne Skrupel macht er mit Wechselgeschäften ein kleines Vermögen. Mit einer illegalen Kneipe am Kollwitzplatz wird er zur großen Nummer im Berliner Partyleben, macht später Karriere an der Uni und erfindet sich eine Existenz als Westler. Doch immer wieder muss er sich neuen Gegebenheiten anpassen. Jakob Hein erzählt mit Leichtigkeit und Witz von den kleinen und großen Freiheiten der Wendezeit.

Als unterhaltsame Gegenwartsliteratur aus Deutschland breit empfohlen.

Signatur: SL
Schlagworte:
DDR | Mauerfall | Wendezeit | Berlin
Bewertung: +++
Rez.:
Monika Meffert

Magén, Mira: Zu blaue Augen. Roman. Dt. von Anne Birkenhauer. München: Dt. Taschenbuch Verl. 2017. 379 S. ; 22 cm. Aus d. Hebr. ISBN 978-3-423-26129-6, geb.: 21,00 €

Eine turbulente Familiengeschichte (Mutter und drei Töchter).

Hannah Jona, eine Frau von 77 Jahren, lebt mit ihren 3 Töchtern und Enkelin in einem bevorzugten Wohnviertel von Jerusalem. Johanna, eine Pflegerin aus Rumänien, kümmert sich um Hannah Jona. Gegen böse Geister hat sie 3 rote Tücher aufgehängt. Rafi, ein Nachbar, und angeblicher Dichter, ist stark interessiert an dem Grundstück. Jardena, mit Tochter Dana, arbeitet als erfolgreiche PR-Frau. Ihre Schwester Orna leitet ein großes Team. Demnächst fliegt sie für ein Jahr in die USA. Simona arbeitet als Ärztin im Bereich der Geriatrie. Eine lang andauernde Beziehung zu dem ebenfalls als Mediziner tätigen Michael ist in die Brüche gegangen. Hannah Jona kokettiert mit ihrem Alter und der damit verbundenen Freiheit. Sie färbt sich die Haare schwarz und trägt sehr auffällige Kleider. Beeindruckend ist aber vor allem die Wesensveränderung, die mit der Alten einhergeht. Aus der ehemals mürrischen Person ist eine fröhliche Närrin geworden. Die rumänische Haushaltshilfe Johanna macht sich Gedanken um Frau Hannah. Abends macht sie sich schick, um eine Bar zu besuchen. Als Untermieter haben sie einen Mann aufgenommen, der sich als Dichter vorgestellt hat. Dabei macht er gemeinsame Sache mit den Baulöwen Broschi und Söhne, die unbedingt das Grundstück der Alten erwerben wollen. Im Krankenhaus wird Simona mit der Krebserkrankung ihres ehemaligen Freundes Michael konfrontiert. Er macht ihr einen ungewöhnlichen Vorschlag: den eingefrorenen Samen zu nutzen. Bruno (Hannah Jonas Freund) wird zu Besuch erwartet. Simona, die Ärztin, besteht auf einer gründlichen Kopfuntersuchung ihrer Mutter. Es wird ein operabler Tumor entdeckt und entfernt. Hannah Jona deckt in einer heftigen Unterredung mit Rafi dessen Lügengeschichten auf. Bruno verlässt das Altersheim und zieht zu Hannah Jona.

Ein sehr lebendiger und kluger Familienroman. Neben all den Turbulenzen, die stattfinden, erfährt der Leser/in viel über jüdisches Brauchtum. Sehr zu empfehlen! 

Signatur: SL
Schlagworte: Alter | Frau | Judentum | Familie
Bewertung: +++
Rez.: Ingeborg Vogt

Steinfest, Heinrich: Das Leben und Sterben der Flugzeuge. Roman. München: Piper 2016. 597 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-492-05662-5, geb.: 25,00 €

Kommissar Blind ermittelt in einem mysteriösen Fall. Parallel lebt er in einer anderen Bewusstseinsebene als Spatz.

Kommissar Blind träumt davon, ein Spatz zu sein. Gleichzeitig gibt es in Paris einen Spatz namens Quimp, der von einem Dasein als Kriminalpolizist träumt. Bald stellt sich heraus, dass die Zwei Parallelgestalten in unterschiedlichen Welten sind und eine Einheit bilden. Beide haben eine Mission: Blind soll herausfinden, ob Karel Nelson und die junge Geliebte seiner Frau ermordet wurden oder nicht. Quimp dagegen muss, so will es ein Sterbender, die Spatzengesellschaft der Sperks retten. Außerdem gibt es da noch ein verschwundenes Flugzeug der Malaysia Airlines. Dieser aberwitzige Roman verlangt einem einiges ab: Verrückte Szenarien, skurrile Dialoge und eine halsbrecherische Wanderung zwischen Phantastik und Realität.  Die immer größer werdende Fangemeinde von Heinrich Steinfest liebt genau das. Der vorliegende Band sei, so schreibt die FAZ, „ein wenig Krimi, ein wenig Fantasy, viel Witz und ein mit Illustrationen des Autors schön gestaltetes Buch“. Wenn das keine Empfehlung ist!

Eher für Leser, die irrwitzige Szenarien in Büchern mögen, welche weit ab von jedem Durchschnittsgeschmack liegen und die die alte Rechtschreibung ignorieren können.

Signatur: SL
Schlagworte: Krimi | Gesellschaft | Fantasy
Bewertung: ++
Rez.: Martina Mattes

E Erd-, Länder- und Völkerkunde, Reisen

Pohlmann, Bettina: Frühstück mit Giraffen. 7 Reisetaschen, 5 Kontinente, 154 Tage - eine Familie reist um die Welt. München: Blanvalet 2016. 317 S. : Ill. ; 22 cm. ISBN 978-3-7645-0554-7, kt.: 14,99 €

Ein persönlicher Reisebericht: Eine Familie mit zwei kleinen Töchtern reist in fast sechs Monaten einmal um die Welt.

Bettina Pohlmann und ihr Mann sind schon immer viel gereist, und auch ihren Kindern (9 und 4) möchten sie die Welt zeigen und Freude am Reisen vermitteln. Als sie eine Erbschaft machen, beschließen sie, ihren Traum zu verwirklichen. Die Autorin schildert die Planung und Vorbereitungen und schließlich die einzelnen Stationen der Reise. Es geht von Hamburg über Südafrika nach Vietnam, Indien, Australien, Neuseeland über die Cook Islands in die USA und wieder zurück.
Pohlmann erzählt davon sehr persönlich und lässt auch Schwierigkeiten nicht aus. Das ist unterhaltsam zu lesen und macht Lust auf Abenteuer. Im Mittelteil gibt es zahlreiche Fotos. Immer wieder gibt die Autorin auch praktische Tipps für Nachahmer. Allerdings braucht es neben beruflicher Freiheit auch eine ganze Menge Geld, um es dieser Familie nachzutun. Aber wer nicht um die Welt reisen kann, kann immerhin davon lesen …

Zur Unterhaltung und zum In-die-Ferne-Träumen.

Signatur: Eb
Schlagworte: Reisen | Familie | Weltreise | Fernweh
Bewertung: ++
Rez.: Monika Meffert

R Rund um Hobby, Haus und Garten, Sport und Spiel

Mallet, J.-F.: Simplissime. Das einfachste Kochbuch der Welt - light. Richtig gut kochen mit maximal 6 Zutaten. Dt. von Julia Paiva Nunes. Igling: Ed. Michael Fischer 2017. 383 S. : überw. Ill. ; 26 cm. Aus d. Franz. ISBN 978-3-86355-716-4, geb.: 19,99 €

Mit maximal sechs Zutaten richtig gut und gesund kochen.

Mit maximal sechs Zutaten kreiert der Autor köstliche, gesunde Gerichte. Nach zwei Seiten Einleitung mit sehr knappen Erklärungen, geht es auch los mit den Rezepten. Im Buch selbst gibt es keine Kapitel, im Anhang jedoch sind die Rezepte nach verschiedenen Kategorien aufgelistet. Für jedes Rezept gibt es eine Doppelseite. Rechts ist ein ganzseitiges Bild des fertigen Gerichts, immer auf weißem Porzellan mit hellem Untergrund fotografiert.  Links sieht man die Zutaten mit Bild und Mengenangaben. Außerdem alle wichtigen Infos, wie Kalorien pro Portion, ob das Gericht laktose- oder glutenfrei oder vegan ist. Im unteren Drittel der Seite erfährt man, für wieviele Personen das Gericht berechnet ist, welche Gewürze benötigt werden und wie hoch der Zeitaufwand ist. Außerdem wird die Zubereitung in äußerst knappen Sätzen beschrieben. Erfreulich ist, dass die Schrift sehr groß und dadurch gut zu lesen ist. Allerdings sind die Zubereitungshinweise so knapp, dass Kochanfänger etwas überfordert sein dürften.

Das moderne Layout dürfte jedoch gerade junge Leute ansprechen. Ein Kochbuch, das sich auf das wesentliche beschränkt und durch seine Klarheit besticht. Für alle Büchereien mit Kochbuchbestand geeignet.

Signatur: Ra 2
Schlagworte: Kochen | glutenfrei | laktosefrei
Bewertung: +++
Rez.: Monika Betz