Newsletter „Bücherei" 07+08/2017

Liebe Büchereimitarbeiterin! Lieber Büchereimitarbeiter!

Liebe Leserin! Lieber Leser!

In der Sommer-Doppelausgabe unseres Bücherei-Newsletters geben wir vor allem Tipps für spannende Ferienlektüre. Bei den Großen liegen der „Duft von Liebe und Limonen“ und knisternde Spannung in der Luft. Die Kleineren können sich mit Ente Emil ins tiefe Wasser wagen, zusammen mit den verflixten Fletcher-Boys ein Ferienabenteuer erleben oder mit Erdmännchen Gustav einen Kunstraub im Museum aufdecken.

Da für einige Kinder der Kita-Start kurz bevorsteht, haben wir zudem einen Titel ausgewählt, der ihnen (und ihren Eltern) dabei helfen soll, sich auf diesen großen Schritt vorzubereiten.

Sonnige, erholsame Urlaubstage und viel Spaß bei spannender Lektüre wünscht

Ihr eliport-Team

 

Bewertung:

+++      = hervorragend
++        = gut
+          = möglich

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Jm 1 Bilderbücher

Henkel, Christine: Jahreszeiten. Mein erstes Wimmelbuch. Stuttgart: Esslinger 2017. O. Pag. : überw. Ill. ; 32 cm. ISBN 978-3-480-23301-4, geb.: 9,99 €

Auf sechs großformatigen Pappbildern lassen sich heimische Tiere und Pflanzen suchen und durch die Jahreszeiten begleiten.   

Die Grafikdesignerin Christine Henkel fügt ihrer beliebten Reihe ‚Mein erstes Wimmelbuch‘, erschienen bei Esslinger, einen neuen Titel hinzu. Bisher erschienen sind u.a.: Tiere aus aller Welt (2015), Am Meer (2014), Feld und Wiese (2011), Im Wald (2010). Auf den großformatigen, detailreichen Bildern, lassen sich Tiere, wie Eichhörnchen, Igel, Rotkehlchen,  Mäusebussard, Fuchs und Wildschwein, aber auch Pflanzen, wie das Buschwindröschen, das Leberblümchen, der Klee  oder Früchte, wie die Brombeere, der Holunder suchen. Dazu kommen Nüssen, Pilze und Tierspuren. Jeweils zwei Monate ergeben eine Doppelseite und zum Schluss werden die einzelnen Monate des Jahres in einer Jahreszeitenuhr mit kurzen Texten vorgestellt. – Mit den stimmungsvollen Bildern lässt sich Natur erklären und dazu spielerisch der Wortschatz erweitern. Zur Vor- oder Nachbereitung eines Spaziergangs mit Kindern ab 3 Jahre in der Natur sehr gerne empfohlen.
  
Besonders auch für Kindergruppen geeignet.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Natur | Tiere | Pappbilderbuch
Bewertung: ++
Rez.: Bärbel McWilliams

Hurra, ich gehe in den Kindergarten. Katja Reider. Ill. von Barbara Korthues. Münster: Coppenrath 2017. O. Pag. : überw. Ill. ; 21 cm. ISBN 978-3-649-67084-1, geb.: 9,99 €

Am ersten Tag geht Jonas mit gemischten Gefühlen in den Kindergarten. Alle sind nett und machen die Eingewöhnung leicht.

Montag ist ein großer Tag. Jonas geht an Mamas Hand zum ersten Mal in den Kindergarten. Die Erzieherin begrüßt ihn freundlich. Sie zeigt ihm den Spielplatz, seinen Kleiderhaken, die Waschräume und die Kindergartenküche. Die kleine Leni bietet Jonas Kekse an. Sie nimmt ihn mit zum neuen Kletterhaus, wo die Kinder ausgelassen herumturnen. Mama will gehen, aber das möchte Jonas nicht, bis Leni kommt. Sie und die anderen Kinder beweisen ihm, dass es im Kindergarten selbst ohne Mama schön ist. Dieses fröhliche Pappbilderbuch mit den abwischbaren Seiten veranschaulicht in leuchtenden Farben, wie Jonas seinen ersten Tag im Kindergarten bewältigt und dabei immer gelöster wird. Der Junge könnte ein Vorbild werden für Kinder, die dem Entwicklungsschritt ebenfalls mit Bangen entgegensehen. Sie bekommen Einblick in den Kindergartenablauf, erkennen, dass auch andere die Mama ein bisschen vermissen und dass am Ende alles gut wird. Ein klug durchdachtes und in jeder Beziehung ansprechendes Bilderbuch.

Es sollte in jeder noch so kleinen Bibliothek ohne vergleichbare Titel angeboten werden, um den Start im Kindergarten für beide Seiten, Kinder und Eltern, zu erleichtern.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Kindergarten | Eingewöhnung | Pappbilderbuch
Bewertung: +++
Rez.: Martina Mattes

Jakobs, Günther: Schnabbeldiplapp. Ein wasserscheues Bilderbuch. Hamburg: Carlsen 2017. O. Pag. : überw. Ill. ; 29 cm. ISBN 978-3-551-51508-7, geb.: 12,99 €

Eine Ente die nicht schwimmen mag, wo gibt's den sowas? Lustige Geschichte über das Überwinden von Ängsten.

Ente Emil traut sich nicht ins Wasser, das nimmt der Schwan Henry als Anlass, der Ente zu helfen. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg zum Hallenbad, denn in überschaubaren Gewässern traut man sich eher. Die riesengroße Angst von Emil wird hervorragend dargestellt. Zuerst hat er seine Brille vergessen, dann das Handtuch und letztendlich muss er aufs Klo. Zahlreiche Ausreden lässt sich der kreative Emil einfallen, um nicht ins Wasser zu müssen. Nach einem unvorhergesehenen Wasserplantscher gefällt es Emil so gut im Wasser, dass er gar nicht mehr raus will. Die Illustrationen sind lebendig gezeichnet, so dass beim Betrachten ein schwungvolles Bild entsteht. Ein humorvolles Bilderbuch über das Überwinden von Ängsten und das Ablegen von Vorurteilen.

In Kindergärten hervorragend im Sommer einsetzbar bei Themen wie Vorurteile, Selbstvertrauen, Unterstützung von ängstlichen Kindern/Menschen und Motivation. 

Signatur: Jm 1
Schlagwort: Vorurteile | Angst | Schwimmen
Bewertung: +++
Rez.: Eva Wimmer

Kulot, Daniela: Munkeln im Dunkeln. Stuttgart: Thienemann 2016. O. Pag. : überw. Ill. ; 30 cm. ISBN 978-3-522-45825-2, geb.: 12,99 €

Übernachtungsparty bei Baldo Bär.

Baldo ist ganz aufgeregt, denn heute sollen Hermine Hase und Ringo Regenwurm bei ihm übernachten. Nach einem feinen Abendessen dürfen die drei noch etwas spielen. Sie verkleiden sich als Gespenster und Ringo macht den Beleuchter mit seiner großen Taschenlampe. Ziemlich gruselig, was aber keiner zugeben würde. Mama Bär beendet das Spiel und schickt die Freunde nach dem Zähne putzen ins Bett. Natürlich gibt es erst noch eine lustige Kissenschlacht und eine Gute-Nacht-Geschichte von Papa Bär. Im Dunkeln bemerkt Hermine plötzlich einen großen Schatten hinter dem Fenster. Was ist das bloß? Liebenswerte Bildergeschichte von Daniela Kulot, die den allerjüngsten Lesern Mut macht bei Freunden zu schlafen. Denn wenn man gute Freunde hat, kann man dunkle Schatten besiegen. Die Texte sind einfach und verständlich, ebenso wie die farbenfrohen detaillierten Bilder.

Für jede Bücherei gern empfohlen. Für Leser ab 3 J.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Bilderbuch | Nacht | Gespenster | Einschlafen
Bewertung: ++
Rez.: Monika Mazac

Siegner, Ingo: Erdmännchen Gustav. Kunstraub im Museum. München: cbj 2017. 28 S. : überw. Ill. ; 28 cm. ISBN 978-3-570-17459-3, geb.: 12,99 €

Erdmännchen Gustav klärt mit seinen Freunden im  hannoverschen Zoo einen Kunstraub aus dem Sprengelmuseum auf.

 Im neuesten Abenteuer um Erdmännchen Gustav und seine Freunde im Zoo geht es um den Kunstraub des Bildes „Zerbrochener Schlüssel“ von Paul Klee aus dem Sprengel Museum in Hannover.  Detektiv Fuchs hat den Fußabdruck des unbekannten Diebes sichergestellt und vergleicht ihn professionell mit den Pfoten der Zootiere. Nach einigen Ablenkungsmanövern landen alle schließlich beim Flusspferd Max, der das Bild von Paul Klee von dem Känguru Polly zum Geburtstag bekommen hat. Da ja eigentlich so ein berühmtes Gemälde für alle da sein soll, beschließt man, es zurückzuhängen neben „Merzbau“ und „Gekippten Raum“ und verzichtet auf Verhaftung und Belohnung.
Die spannende Geschichte ist auf großflächigen Bildern mit witzigen Tierfiguren umgesetzt. Kinder ab 4 J. können ganz nebenbei im Museum einen Blick auf Moderne Kunst werfen.

Einem großen Kreis für Freunde unterhaltsamer Bilderbuchkost empfohlen.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Kunst | Museum | Detektiv
Bewertung: ++
Rez.: Annette Blanke

Straßer, Susanne: So müde und hellwach. Wuppertal: Hammer 2017. O. Pag. : überw. Ill. ; 18 cm. ISBN 978-3-7795-0564-8, geb.: 14,90 €

Ein Bilderbuch für muntere Kinder, die ins Bett sollen. 

Es wird Abend und alle Tiere sind müde und liegen zusammen in einem Bett. Alle Tiere schlafen, nur der Seebär ist hellwach und kann nicht einschlafen. Schließlich steht er auf und verschwindet in Richtung Bad. Jetzt ist das Krokodil auch hellwach und beschließt nochmal Zähne zu putzen. Als nächster steht der Pelikan auf, um noch etwas zu trinken. Zum Schluss liegt nur noch der kleine Igel alleine im Bett und fürchtet sich. Er macht sich auf die Suche nach seinen Freunden und findet sie alle im Bett des Kindes. Das stabile Pappbilderbuch von Susanne Straßer besticht durch wundervolle Tierzeichnungen. In den wiederkehrenden kurzen Textzeilen hat jedes Tier seine eigenen Bewegungslaute, die jeder junge Leser sicher bald mit spricht.

Ein wunderbares Bilderbuch für Leser ab 2 Jahre, geeignet für alles Büchereien.

Signatur: Jm 1
Schlagworte:
Bilderbuch | Tiere | Einschlafen
Bewertung: ++
Rez.:
Monika Mazac

Und wie macht die Giraffe? Susanne Weber. Ill. von Tina Schulte. Zürich: Orell Füssli 2017. O. Pag. : überw. Ill. ; 16 cm. ISBN 978-3-280-03530-6, geb.: 8,95 €

Jedes Tier im Urwald gibt einen andern Laut von sich – doch wie macht eigentlich die Giraffe?

„Im Urwald gibt`s so manches Tier, der Affe kennt sie alle hier. Jedes Tier macht andere Töne, tiefe, laute, hohe schöne.“ Gemeinsam mit dem Affen unternehmen die Betrachter dieses Pappbilderbuches einen Streifzug durch den Dschungel. Dabei werden sie animiert, die unterschiedlichen Laute der Tiere nachzuahmen: das Tröten des Elefanten, das Gebrüll des Löwen oder das „Uh, uh, uh“ des Affen. Doch – fragt sich der Affe – wie macht denn die Giraffe? Versteckt, hinter eine Klappe am Ende des Buches, findet der Betrachter nicht nur die Giraffe mit ihrem langen Hals, sondern auch die Antwort auf die Frage. - Dieses Mitmach-Buch ist in Reimform geschrieben. Die farbenfrohen, flächigen Illustrationen werden die Zielgruppe – Kleinkinder ab ca.1,5 Jahren -  ansprechen.

Empfohlen für Kitas, Büchereien oder in der Familie, falls Bücher mit ähnlicher Thematik noch nicht im Bestand sind. 

Signatur: Jm 1
Schlagworte:
Tiere | Pappbilderbuch
Bewertung: ++
Rez.:
Susanna Hocher

Ju 1 Erzählungen für das erste Lesealter (6-8 Jahre)

Angry Birds. Wir sind die Angry birds! Hamburg: Oetinger 2017. O. Pag. : überw. Ill. ; 22 cm. ISBN 978-3-7891-0774-0, geb.: 5,00 €

Ein Wut-Seminar soll wieder Ruhe auf die Vogelinsel bringen.

Red, Chuck, Bombe und Terence sind wütend. Sehr wütend sogar. So wütend, dass sie zu einem Kurs in der Wut-Schule gehen müssen. Denn auf der Vogel-Insel geht es eigentlich sehr friedlich zu. Dass die vier auf Krawall gebürsteten Vögel sich dabei befreunden, dient dem Erreichen des Kurszieles eher weniger.
Es gelingt den Autoren dieses Erstlesebuches gut, die jeweiligen Situationen und Empfindungen der Freunde zu beschreiben. Dies preiswerte, schräge und gut zu lesende Buch zeigt aber außer Situationsbeschreibungen keine Konfliktlösungen auf. Sehr hilfreich ist jedoch der letzte Abschnitt, der den Lesenden in einer „Rätselwelt“ sinnvolle und lösbare Aufgaben stellt und so das Leseverständnis überprüft. Die Angry Birds sind vor allem durch die gleichnamigen Computerspiele bekannt geworden.

Das bei Antolin gelistete Buch der ersten Lesestufe lässt sich sicher gut auch von weniger lesefreudigen Kindern lesen und bedarf doch erläuternder Beiträge erwachsener Mitleser*innen zum Thema Umgang mit starken Gefühlen.

Signatur: Ju 1
Schlagworte:
Wut | Erstleser | Angry Birds
Bewertung: +
Rez.:
Kurt Triebel

So leben die Tiere. Der Igel. Friederun Reichenstetter. Ill. von Hans-Günther Döring. Würzburg: Arena 2017. 35 S. : überw. Ill. ; 21 cm. (Der Bücherbär, 1. Klasse, Sachwissen Natur). ISBN 978-3-401-70948-2, geb.: 7,99 €

Spannendes Sachwissen kleine für Erstleser*innen.

Wenn die Dämmerung hereinbricht gibt es im Sommer ab und an die Chancen, einen Igel durch den Garten wandern zu sehen. Oder vielleicht sogar zu hören. Denn Igel auf der Jagd schnauben und schnaufen tüchtig. Und sie haben 36 Zähne, mehr als der Mensch, wer hätte das gedacht? Diese und viele weitere spannende Fakten über den kleinen stacheligen Gesellen, lassen sich in diesem Erstlesebuch entdecken. Das Buch bietet kurze, sachliche Informationen und wartet mit naturgetreuen Zeichnungen auf. Allerdings hakt es an mancher Stelle. So steht da der Satz: „Die Tasthaare an seiner Schnauze sind nachts besonders wichtig.“ - und setzt voraus, dass jedes Kind, weiß, warum das so ist. Zudem hätte ich mir ein Kapitel mit Infos gewünscht, wie man Igeln durch den Winter helfen kann. Z. B. durch das Einrichten eine Futterstelle im Herbst oder durch das Herrichten von Unterschlüpfen, wie Reisighaufen oder katzensicheren Igelhäuschen.

Für kleine Naturfreunde. Zusammen mit einem Igel-Quiz, dem Basteln eines Laubigels oder einer Igellaterne (www.kidsweb.de) und einer kurzen Lesung – z. B. aus „Latte Igel“ -  lässt sich daraus auch eine herbstliche Igelveranstaltung machen. Vielleicht gibt es sogar eine Igelhilfe in der Nähe, die man im Herbst besuchen oder einen Nachmittag lang tatkräftig unterstützen kann.

Signatur: Ju 1
Schlagworte: Igel | Natur
Bewertung: ++
Rez.:
Wiebke Mandalka

Ju 2 Erzählungen für das zweite Lesealter (9-12 Jahre)

Levy, Dana Alison: Die verflixten Fletcher-Boys machen Ferien. Dt. von Catrin Frischer. Ill. von Maria Karipidou. München: cbt 2017. 270 S. : Ill. ; 22 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-570-16402-0, geb.: 14,99 €

Sommerliche Ferienabenteuer der vier Adoptivbrüder.

Endlose Sommerferien auf Rock Island. Alles soll so sein wie immer: schwimmen gehen, Eis essen, Krebse sammeln und den Inselleuchtturm erstürmen. Ein Paradies. Die vier Flechterbrüder sehen sich jedoch schon bald nach ihrer Ankunft mit erschreckenden Veränderungen konfrontiert. Der Leuchtturm ist von einem Drahtzaun eingeschlossen und soll verkauft werden, zudem erweist sich der Kaufinteressent auch noch als ziemlich seltsam … Band 2 der Fletcher Boys folgt dem üblichen Ferienabenteuer. Die vier Jungen zwischen 6 und 13 Jahren sind von Dad und Papa adoptiert und kämpfen mit unterschiedlichen Problemen. Neben der Schilderung der Ferienidylle und dem Chaos einer Großfamilie wirkt die Thematik Rassismus aufgrund von Hautfarbe aber aufgesetzt. Da holpert es auch im Text, wenn die Hand eines kleinen Jungen, der einen dunkleren Hautton besitzt, von der Autorin/ Übersetzerin selbst als „braune Pfote“ bezeichnet wird.

Zum Selberlesen ab 10 J., zum Vorlesen bereits ab 8 J. geeignet.

Signatur: Ju 2
Schlagworte:
Regenbogenfamilie | Rassismus | Ferien | Abenteuer
Bewertung: +
Rez.: Anna Winkler-Benders

Ju 3 Erzählungen für Jugendliche ab 13 Jahren

Oliver, Lauren: Als ich dich suchte. Dt. von Katharina Diestelmeier. Hamburg: Carlsen 2017. 367 S. ; 22 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-551-58351-2, geb.: 19,99 €

Grundverschieden, aber unzertrennlich sind die beiden Schwestern Nick und Dara. Bis Dara Parker küsst...

Nichts kann Nick und Dara trennen. Sie sind nicht nur Schwestern, sondern auch beste Freundinnen. Dara ist hübsch und die offensivere, Nick ist zurückhaltend und findet sich eher durchschnittlich. Unvorhersehbare Dinge passieren, die das Leben der beiden total verändert. Dara küsst Nicks besten Freund Parker. Sie und Parker haben zusammen einen Autounfall, bei dem Dara im Gesicht verletzt wird. Seit diesem Tag sprechen die beiden Schwestern nicht mehr miteinander und gehen sich so gut es geht aus dem Weg. Als Dara an ihrem Geburtstag verschwindet, denkt Nick erst an einen Scherz. Allerdings ist Dara schon das zweite Mädchen aus ihrer Stadt, das spurlos verschwindet. Nick macht sich Sorgen und spürt, dass Dara in großer Gefahr schwebt. Das Thema Schwesterngefühle wird hier in der Geschichte gut aufbereitet erzählt. Die Protagonisten lernt man gut kennen. Über ihre Beziehung zueinander und ihr Leben vor dem Unfall wird in Zeitsprüngen umfangreich berichtet. Die Geschichte hat einen genialen Twist, eine Wendung, die es in sich hat.  

Für Krankenhaus- aber unbedingt auch in Gemeindebüchereien einzusetzen.

Signatur: Ju 3
Schlagworte:
Beziehung | Schwestern | Spannung
Bewertung: ++
Rez.:
Claudia Osterloh

Tucholke, April Genevieve: All the strangest things are true. Dt. von Anne Brauner. Stuttgart: Thienemann 2017. 220 S.; 22 cm. Aus d. Amerikan. ISBN 978-3-522-20232-9, geb.: 14,99 €

Drei Jugendliche erzählen die Geschichte eines Sommers - jeder auf seine Weise.

Wink, ein geheimnisvolles Mädchen, das Geschichten liebt und diese gerne erzählt, Poppy, die egoistische Anführerin, die alle nach ihrer Pfeife tanzen lässt und Midnight, der von seiner Mutter verlassen wurde und alleine mit seinem Vater lebt. Poppy macht sich ständig über andere lustig, schart die Gelben, ihre Gang, um sich und legt es meistens darauf an, Wink bloßzustellen. Midnight fühlt sich zu Wink hingezogen, er mag die große chaotische Familie in der sie lebt, kann sich aber nicht von Poppy lösen. Die drei Jugendlichen treffen immer wieder aufeinander bis die Situation eskaliert und die Weichen neu gestellt werden. - Die Autorin lässt die drei Protagonisten als Ich-Erzähler eine Situation, ein Ereignis immer aus ihrer Sicht beschreiben. Eine interessante Methode, denn es gibt praktisch immer drei Varianten von der gleichen Begebenheit. Das lässt keinen durchgehenden Erzählstrang zu, tut aber dem überraschenden Ende keinen Abbruch.

Ein besonderes Buch für Jugendliche ab 14 Jahren, die sich für Geschichten mit aussergewöhnlichem, schon fast mystischem Inhalt interessieren.

Signatur: Ju 3
Schlagworte:
Freundschaft | Mobbing | Mystery
Bewertung: ++
Rez.:
Christine Schwendener

SL Romane, Erzählungen, Dramen, Lyrik

Buder, Christian: Das Gedächtnis der Insel. Roman. München: Blessing 2017. 269 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-89667-591-0, geb.: 19,99 €

Eine einsame Insel, ein aufkommender Sturm, ein ungeklärter Segelunfall und ein Fremder, den keiner je gesehen hat.

Als der Archäologe Yann nach zwanzig Jahren zur Beerdigung seines Vaters auf die kleine bretonische Insel zurückkehrt, auf der er seine Kindheit verbracht hat, holen ihn lange verdrängte Fragen wieder ein. Warum fuhr seine Mutter damals trotz eines aufkommenden Sturms aufs Meer hinaus und starb? Weshalb holte sein Vater bald danach Rykel ins Haus, die sich immer noch als seine Stiefmutter aufspielt? Was hat es mit Jojo auf sich, dem angeblichen Verlobten von Rykel, der mit seiner Mutter aufs Meer hinaus gesegelt sein soll? Während sich auf dem Meer erneut ein schwerer Sturm zusammen braut, versucht Yann mit Hilfe seiner Jugendfreundin Gwenn die Wahrheit über den Tod seiner Mutter zu erfahren. Je düsterer das Wetter wird, um so bedrohlicher wird auch die Situation für Yann, denn er deckt nach und nach einen perfiden Mordplan auf und zwingt die Inselbewohner, sich ihrer Schuld zu stellen.

Roman über die dunklen Seiten der Liebe, geeignet als Lesefutter und Urlaubslektüre.

Signatur: SL
Schlagworte:
Familie | Bretagne | Schuld
Bewertung: +
Rez.:
Heike Nickel-Berg

Ebert, Sabine: Schwert und Krone. Meister der Täuschung. Roman. München: Knaur 2017. 584 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-426-65412-5, geb.: 19,99 €

Lebensgeschichten von Männern und Frauen im 12. Jh. verbinden sich mit Gewalt, Krieg, Intrigen und Liebe.

In üblicher Manier gelingt es Sabine Ebert wieder einmal historische Zusammenhänge mit den Romanfiguren ihres Werkes gut zusammen zu bringen. Eigentlich geht es in dem Roman um die Nachfolge des verstorbenen Kaisers Lothar. Die Staufer, Welfen, Wettiner, Sachsen und Bayern streiten um die Macht. Das frühe Jahrhundert wird dadurch auf eine sehr aparte Art und Weise lebendig; historische Gestalten, belegte Ereignisse und geschichtliche Zusammenhänge verbindet die Autorin mit Gestalten und Geschehnisse ihrer Fantasie. Ihre Perspektiven wechseln in jedem Abschnitt. Könige, Fürsten und andere Adlige stellt sie in Gedanken, Worten und Aktionen dar. Innere Dialoge und Gedanken führen die Leserinnen und Leser immer wieder neu auf die Spur des Erlebten. Eine ihrer erdachten Gestalten: Lukian, der uneheliche Sohn eines Erzbischofs, ist für die Verfasserin und uns Leser fast das ganze Werk hindurch der sehr hilfreiche Führer, Schreiber und listenreicher Gaukler, eben der Meister der Täuschung, wie es im Untertitel heißt. Natürlich wird ihm sein Verhalten zum Verhängnis. Es wird deutlich, dass sich die Abenteuer und Menschen des 12. Jahrhunderts kaum von denen dieser Zeit unterscheiden.

Das Buch sollte die Werke der Autorin in unseren Büchereien vervollständigen und ist sicher nicht nur für historisch interessierte Menschen interessant.

Signatur: SL
Schlagworte: Geschichte | Intrigen | Kriege | Liebe
Bewertung: ++
Rez.: Kurt Triebel

Flumeri, Elisabetta u. Giacometti, Gabriella: Der Duft von Liebe und Limonen. Roman.  Dt. von Verena von Koskull. Berlin: Rütten & Loening 2017. 271 S. ; 22 cm. Aus d. Ital. ISBN 978-3-352-00895-5, kt.: 14,99 €

Sommerliche, aber ziemlich eindimensionale Liebesgeschichte mit viel Lokalkolorit aus Capri sowie Rezepten im Anhang.

Melania hat Beruf und Hobby miteinander verknüpft: Die leidenschaftliche Köchin schreibt für Kochzeitschriften und präsentiert ihre Kreationen auf einem Blog. Als sie auf Anfrage eines Verlages die Biographie eines Kochs schreiben soll, reist sie dazu auf die Insel Capri, wo der Auftraggeber sein exklusives Restaurant betreibt. Doch das Kennenlernen stellt sich als schwierig heraus, denn während der Biographierte gerne seinen Sexappeal austestet, sehnt seine Ghostwriterin sich nach echter Liebe. Nach vielen Irrungen und einigen Geständnissen finden sich die beiden schließlich - was nicht wirklich eine Überraschung ist. Die Story ist sehr vorhersehbar, entbehrt jeglicher Raffinesse und ist prall gefüllt mit Klischees von stolzen Italienern und den ebenso schönen Frauen des Landes. Einziges Highlight sind das schöne Cover sowie die Rezepte im Anhang für alle, die gerne Besonderes kochen.

Wo leichte Lektüre nachgefragt wird, evtl. mit Schwerpunkt Italien

Signatur: SL
Schlagworte: Liebe | Italien | Kochen
Bewertung: +
Rez.: Margarete Barth-Specht

Fouchet, Lorraine: Ein geschenkter Anfang. Roman. Dt. von Sina de Malafosse. Hamburg: Atlantik 2017. 367 S. ; 21 cm. Aus d. Franz. ISBN 978-3-455-60056-8, geb.: 20,00 €

Lou ist tot und ihr unendlich trauriger Ehemann Jo soll ihren letzten Willen erfüllen.

Der gestaltet sich rätselhaft, doch Jo findet heraus, dass Lou ihre Kinder glücklich sehen möchte - wo auch immer sie jetzt ist (manchmal meldet sie sich auch zu Wort!). Aus der stets wechselnden Perspektive der Familienmitglieder werden Jos Bemühungen, die immer wieder an die Grenzen der oft kindisch trotzigen Nachkommenschaft stoßen, je nach Gemütslage kommentiert. Auch Jo soll sich mit der renitenten Bagage versöhnen, Lou strebt ein harmonisches Familienleben an. Das Ende ist vorhersehbar, aber der Roman liest sich flockig- locker und macht richtig Spaß, zumal eine gute Portion Humor die jeweilige Position der  Protagonisten aufs Feinste kommentiert und durch den Kakao zieht, auch wenn einige tragische Ereignisse den Horizont manchmal zu verdüstern drohen. Doch alles wendet sich zum Guten für alle Beteiligten. Die Schilderungen der Ile de Groix vor der bretonischen Küste lassen von Ferien am Atlantik träumen. 

Anrührende, leichte Lektüre, nicht nur für den Sommer.

Signatur: SL
Schlagworte: Liebe | Tod | Verlust
Bewertung: ++
Rez.: Ulrike Müller-Hückstädt

Hillenbrand, Tom: Gefährliche Empfehlungen. Ein kulinarischer Krimi. Xavier Kieffer ermittelt. Köln: Kiepenheuer & Witsch 2017. 407 S. ; 19 cm. ISBN 978-3-462-04922-0, kt.: 9,99 €

Der Luxemburger Koch Xavier Kieffer ermittelt im Fall des verschwundenen Gastroführers "Guide Bleu" aus dem Jahr 1939.

Seit vielen Jahren bestimmt der Gastroführer "Guide Gabin" welche Restaurants in Frankreich angesagt sich und welche nicht. Bei der Einweihung des neuen Firmensitzes verschwindet ein extrem seltener "Guide Bleu" aus dem Jahr 1939. Der Luxemburger Koch Xavier Kieffer, der am rauschenden Fest teilnahm, findet bald darauf eine Leiche und stellt Nachforschungen an. Als er das gesuchte Buch findet und mit Hilfe von Experten das Geheimnis lüften kann, bringt er sich und seine Freunde in große Gefahr. - Der Autor lässt den sympathischen Koch zum wiederholten Mal schnüffeln, ermitteln und Nachforschungen anstellen. Der Krimi ist gut erzählt und lässt den Leser tief in die französische Vergangenheit aber auch in viele Kochtöpfe schauen. Manche Aktionen von Xavier Kieffer erscheinen etwas unglaubwürdig und heldenhaft, da mag aber jeder Leser selber entscheiden, was er davon hält.

Ein leicht zu lesender, unterhaltender Krimi für Leser und Leserinnen, die auch gerne in andere Kochtöpfe schauen. Für Krankenhausbüchereien gut geeignet.

Signatur: SL
Schlagworte: Krimi | Frankreich | Gastronomie
Bewertung: ++
Rez.: Christine Schwendener

Lehtolainen, Leena: Schüsse im Schnee. Kriminalroman. Dt. von Gabriele Schrey-Vasara. Reinbek: Kindler 2017. 380 S. ; 21 cm. Aus d. Finn. ISBN 978-3-463-40687-9, geb.: 19,95 €

Ein einsames Anwesen im winterlichen Finnland - die ideale Kulisse für einen Krimi.

Erben und Vererben: Das Schlüsselthema dieses Krimis. Die Personenschützerin Hilja Ilveskero hält ihren Auftrag, die schwerreiche und hochbetagte Lovisa Johnson auf deren Anwesen zu beschützen, zunächst für übertrieben. Nach sich häufenden Zwischenfällen auf dem einsamen Gut wird jedoch klar, dass die potentiellen Erben ihrer Tante nicht nur wohlgesonnen sind.
Aber auch Hilja ist nicht der unbescholtene Bodyguard, der sie zu sein vorgibt. Dennoch kann sie diesen lebensgefährlichen Auftrag am Ende erfolgreich abschließen.
Die Autorin folgt in diesem vierten Band um die Figur Hilja den bewährten und bekannten Handlungsmustern skandinavischer Kriminalromane. Der geduldige Leser wird erst spät mit der Klärung des Geschehens belohnt. Spröde Dialoge und teilweise unlogische Zusammenhänge erfordern einiges Durchhaltevermögen.   
              
Für Freunde skandinavischer Krimis

Signatur: SL
Schlagworte: Krimi | Finnland
Bewertung: ++
Rez.: Christiane Weppner

Oetker, Alexander: Retour. Luc Verlains erster Fall. Roman.  Hamburg: Hoffmann & Campe 2017. 287 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-455-00009-2, kt.: 16,00 €

Kaum im Aquitaine angekommen, muss sich Luc Verlain mit der Tod einer am Strand aufgefundenen jungen Frau beschäftigen.

Nur mit Vorbehalten ist Commissaire Verlain zurückgekehrt in die südfranzösische Provinz, um bei seinem kranken Vater zu sein. Statt Langeweile erwartet ihn aber schon am ersten Tag ein Mordfall. Ein übereifriger Kollege, falsche Verdächtigungen, lügende Zeugen – Verlain kommt dem Mörder dennoch auf die Spur und findet auch noch Zeit für diverse Liebschaften (die ihn der Rezensentin nicht gerade sympathischer machen).
Der Krimi, in dem die Schönheit der Region viel Erwähnung findet, soll der Beginn einer Reihe sein. Der Einführung des zentralen Ermittlers mit Einblicken in seine Vergangenheit und seine familiäre Situation wird daher viel Raum gegeben. Dennoch bleibt er wie auch die meisten anderen Charaktere des Romans oberflächlich. Der Kriminalfall wird mehr oder weniger psychologisch schlüssig gelöst. Die Beweggründe der handelnden Personen bleiben im Skizzenhaften stecken. Einige Szenen wirken unrealistisch oder lassen Fragen offen. Leichte Kost mit nur wenigen Spannungsmomenten.

Ein lockerer Urlaubsroman für Frankreichreisende wie Daheimgebliebene, der sich in die große Reihe der Krimis mit viel Lokalkolorit einreiht.

Signatur: SL
Schlagworte:
Krimi | Frankreich
Bewertung: +
Rez.:
Birgit Schönfeld

Runcie, James: Die Schrecken der Nacht. Sidney Chambers ermittelt. Dt. von Renate Orth-Guttmann. Hamburg: Atlantik 2017. 363 S. ; 21 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-455-60058-2, geb.: 20,00 €

Ein Krimi wie ein Schwarz-Weiß Film der 50er Jahre.

England, 1955. Sidney Chambers ist eigentlich Pfarrer einer überschaubaren Pfarrei in der Nähe von Cambridge. Engagiert widmet sich der Junggeselle seiner Kirche und der Gemeinde. Doch durch seine Neugierde und der Neigung, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein, wird Chambers in Kriminalfälle verwickelt. Jedoch nicht ganz unfreiwillig. Ein vergifteter Kricketspieler, ein toter Professor und ein abgebranntes Fotostudio halten Chambers in Atem. Privat beschäftigt ihn hingegen die Frage, wen er heiraten soll: die deutsche Witwe Hildegard oder seine extravagante Jugendfreundin Amanda. Um darauf eine Antwort zu finden reist Chambers nach Deutschland und erlebt dort hautnah die politischen Unruhen um den Berliner Mauerbau.
Ein langsamer, beschaulicher Krimi, der an einigen Stellen vorhersehbar ist, aber trotzdem durch seine altmodische Art sehr unterhaltsam bleibt. Chambers Ermittlungseifer und seine Intuition sind charmant, erscheinen aber gelegentlich übertrieben.

Für Fans der englischen Krimiliteratur und für alle die einen unaufgeregten, klassischen Kriminalfall zu schätzen wissen.

Signatur: SL
Schlagworte: Krimi | England | Mauerbau
Bewertung: ++
Rez.: Susanne Hartmaier

Stauffer, Stef: Marthas Gäste. Roman. Basel: Zytglogge 2017. 206 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-7296-0934-1, geb.: 32,00 €

Erinnerungen einer fast Achtzigjährigen an das dörfliche Leben im Berner Oberland im vergangenen Jahrhundert.

Martha, inzwischen vergesslich und vereinsamt in dem großen Haus, das früher immer voller Gäste war, blickt zurück auf jene vergangene Zeit. Jede einzelne Person der Großfamilie zieht in ihren Erinnerungen an uns vorbei. Viel erfahren wir über die harte, entbehrungsreiche,  liebevoll verklärte Vergangenheit. Martha, der Mittelpunkt, die die immer für alle zur Stelle war, die funktionierte, Haus und großen Garten versorgte und ein Ohr für jeden hatte, der kam, um bei ihr zu reden und sich Rat zu holen. Drei Generationen ziehen so an uns vorbei, zeichnen die Arbeits- und Lebenswelt in dörflicher Abgeschiedenheit nach. Dagegen steht die zunehmende Desorientierung in der Gegenwart, die körperlichen Defizite, die nur noch für die Bewältigung des Allernötigsten reichen. So entsteht eine spannungsreiche, auch bedrückende Schilderung zwischen Gegenwart und prallem Alltagsleben, fast vergessenen Arbeitsabläufen im Berner Oberland, die nüchtern betrachtet nicht so positiv war, wie die Erinnerung sie bewahrt.

Wer sich in die dörfliche Welt einer Schweizer Großfamilie im vergangenen Jahrhundert entführen lassen und auf die sprachlichen Eigenarten einlassen mag, wird das Buch mit Gewinn lesen.

Signatur: SL
Schlagworte: Schweiz | Großfamilie | Tradition | Sozialgeschichte
Bewertung: ++
Rez.: Halgard Kuhn

Tramitz, Christiane: Hadesspitz. Ein Alpen-Krimi. Messkirch: Gmeiner 2017. 280 S. ; 20 cm. ISBN 978-3-8392-2055-9, kt.: 11,99 €

Ein Priester unter Mordverdacht? Spannend wird seine im konservativen Milieu geprägte Persönlichkeit entfaltet.

In einem entlegenen Dorf in Südtirol ist „der Teufel los“. Im Pfarrhaus wird die übel zugerichtete Leiche der attraktiven Haushälterin Zita gefunden. Die Umstände ihrer Ermordung sind widersprüchlich, doch bald steht der Pfarrer unter Mordverdacht. In den Verlauf der Ermittlungen sind etwas klischeehaft seine bösen Erfahrungen in der Klosterschule und im Priesterseminar eingestreut, Sexualität ist Teufelswerk. Dennoch hat der Pfarrer offensichtlich eine Zuneigung zu Frauen. Musste Zita sterben, weil sie sich ihm widersetzt hat? Oder war es doch ein Raubüberfall? Welche Rolle spielt der benachbarte Wirt? Das Dorf ist zerstritten. Die einen sind von der Unschuld ihres Pfarrers überzeugt, für die anderen ist er der Mörder. Die Kirchenoberen bieten die besten Anwälte auf, um die Unschuld des Pfarrers zu beweisen. Er wird mangels Beweise freigesprochen, dann doch verurteilt. Geht er für jemand ins Gefängnis, den er nicht verraten will?

Leichte, spannende Lektüre für Krimiliebhaber 

Signatur: SL
Schlagworte: Krimi | Kirche | Sexualität
Bewertung: +
Rez.: Karl Foitzik