Newsletter „Bücherei" 09/2017

Liebe Büchereimitarbeiterin! Lieber Büchereimitarbeiter!

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Der September-Newsletter ist ein lehrreicher. Wir erfahren z. B., wie man als Paar die Elternzeit überlebt und wie man seiner Mutter mit dem richtigen Fingerspitzengefühl sagt, dass betreutes Wohnen jetzt für sie das Richtige wäre. Eine charmante Ratte zeigt, warum Lesen können sich wirklich lohnt, wir lernen, dass ein Ball kein Auto ist und begegnen einem Vogel, der zeigt, wie sich schlechte Stimmungen vertreiben lassen. Darüber hinaus gibt es - ganz ohne Lehrauftrag – Schönes, Spannendes und Aufregendes für den Leseherbst.

Viel Freude beim Entdecken und Empfehlen!

Ihr eliport-Team

 

Bewertung:

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Jm 1 Bilderbücher

Freimut. Ein Huhn gibt nicht auf. Manfred Kukla. Ill. von Sabine Wiemers. Haan: Albarello 2017. O. Pag. : überw. Ill. ; 29 cm. ISBN 978-3-86559-094-7, geb.: 12,90 €

Freimut, das freilaufende Bauernhofhuhn besucht seine Freundinnen in der Eierfabrik, um sie schließlich zu befreien.

Kukla erzählt vom gesunden, glücklichen auf dem Bauernhof lebenden Huhn Freimut, das seine Freundinnen „Eifrig", „Eilig" und „Fleißig" besuchen will, denn die hat ein Angebot in die städtische Eierfabrik „Hühnerstolz" gelockt. Freimut überwindet die Angst vor dem Weg und mithilfe anderer Tiere gelangt sie bis in die lauten stinkenden "Baracken". Mit vereinten Hühner-Kräften gelingt die gemeinsame Flucht aus der „Hühnerhölle" und Freimut ist „glücklich wie nie zuvor".
Die farbig colorierten Zeichnungen von Wiemers mit einem liebenswerten und ausdrucksstarken Huhn überzeugen mehr als die Geschichte, die moralisch schwarz-weiß-gezeichnet ist, schon die Namen der Hühner sprechen für sich. Es ist klar: Eier nur von glücklichen freilaufenden Hühnern kaufen und Kinder, setzt euch freimütig für alle Freimuts ein. So einfach gelingt die Balance zwischen Tierschutz und Konsumbedarf leider nicht.

Für Kinder ab 3 Jahren, um eine Ablehnung der Käfighaltung von Hühnern zu entwickeln.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Zusammenhalt | Käfighaltung | Hühner
Bewertung: +
Rez.: Kathrin Vogel

Göhlich, Susanne: Das Geschenk. Zürich: Orell Füssli 2017. O. Pag. : überw. Ill. ; 18 cm. (10 kleine Burggespenster). ISBN 978-3-280-03534-4, geb.: 8,95 €

Auch das kleine Burggespenst Zipfel hat gerne Geburtstag. Und was ist das beste am Geburtstag?

Zipfel, eines der 10 kleinen Burggespenster, hat Geburtstag. Er ist sehr gespannt auf die Geschenke der anderen Gespenster.  Marti schenkt ihm seine Mütze, Raffi und Oskar werfen Konfetti, von Rufus gibt es eine Pappe-Kerze. Zipfel fängt an zu weinen, was soll er nur mit diesen Geschenken anfangen? Gut das Luzi Zipfel Trost spendet. Und dann kommt Balduin mit dem richtigen Geschenk, eine riesengroße Torte und es wird noch eine tolle Geburtstagsfeier.
Die Geschichte wird in kurzen und witzigen Reimen erzählt. Die liebevoll gezeichneten Seiten wecken die Neugierde der Leser und lassen kleine Details entdecken. Die Gespenster laden die kleinen Leser zum erzählen und mitfühlen ein. Durch seine stabilen Pappseiten können auch schon die kleinsten dieses Buch entdecken.

Ein tolles Buch zum Vorlesen für die Familie oder auch in der Kita.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Geburtstag | Freude | Enttäuschung | Pappbilderbuch
Bewertung: ++
Rez.: Janine Halder

Das ist ein Ball. Beck Stanton. Ill. von Matt Stanton. Dt. von Petra Buck. Leipzig: Klett Kinderbuch 2017. O. Pag. : überw. Ill. ; 22 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-95470-153-7, geb.: 9,95 €

Ein Bilderbuch, in dem alle Bilder falsch beschrieben werden. 

Erwachsene haben ja fast immer recht, sollte man meinen. Aber in diesem besonderen Bilderbuch von Beck und Matt Stanton wird die Welt des jungen Lesers auf den Kopf gestellt. Das Auto wird als Fahrrad beschrieben, da es ja schließlich Räder hat und die gelbe Farbe des Autos wird zu Blau erklärt. Aus einzelnen falsch dargestellten Figuren wird eine kleine Geschichte, die die jungen Leser zum Widerspruch ermuntern und die Geschichten richtig stellen sollen. Die einfachen klar erkennbaren  Zeichnungen stehen im Mittelpunkt und die kurzen Texte sind völlig konträr. Hier heißt es für den jungen Leser diskutieren und erklären, Formen und Farben erkennen. 

Geeignet für große Büchereien, für Kinder ab 3 J.

Signatur: Jm 1
Schlagwort: Bilderbuch | Formen | Farben
Bewertung: +
Rez.: Monika Mazac

Strid, Jakob Martin: Ein kleiner Frosch macht Ärger. Dt. von Sigrid C. Engeler. Köln: Boje 2017. O. Pag. : überw. Ill. ; 30 cm. Aus d. Dän. ISBN 978-3-414-82473-8, geb.: 13,00 €

Ein Bilderbuch über einen unartigen kleinen Frosch, der trotz allem von seiner Familie geliebt wird.


Schon bei der ersten Begegnung mit dem kleinen Frosch hätte Familie Frosch merken können, dass er anders war (er brach mit einem Meteor durchs Dach). Alle haben es schwer mit ihm: Vater und Mutter Frosch, der Schulpsychologe, der uralte Mann auf dem Berg. Auch der kleine Frosch hat es schwer mit sich und seiner Umwelt. So schwer, dass er sich am Ende einer einsamen Reise fragt „Mich kann keiner aushalten. Wo soll ich hin?“. Was für ein Glück, dass ihn seine Familie trotz aller Unartigkeit liebt.
Die Geschichte ist liebevoll frech erzählt und dargestellt. Schnell fühlt man sich beim Anschauen und Lesen sowohl in den kleinen Frosch, als auch in die von seinen Streichen betroffenen Personen ein. Und bleibt am Ende des Buches doch ein wenig ratlos: Ein Museum stellt die Streiche des Frosches aus?! Hilft allein Liebe tatsächlich über alles hinweg? Wie weit können Toleranz und Akzeptanz von Anders-sein tragen? Hier hilft das Buch nicht weiter, kann aber als Gesprächsimpuls dienen.

Geeignet für Büchereien und für Familien mit Kinder ab 5 Jahren.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Anderssein | Kreativität | Fantasie | Akzeptanz
Bewertung: ++
Rez.: Susanne Betz

Der Wiederfrohmachvogel. Edward van de Vendel. Ill. von Ingrid u. Dieter Schubert. Dt. von Rolf Erdorf. Frankfurt: Sauerländer 2017. O. Pag. : überw. Ill. ; 30 cm. Aus d. Niederländ. ISBN 978-3-7373-5486-8, geb.: 14,99 €

Bei Langeweile und Trübsal brauchen die Tiere Australiens den Wiederfrohmachvogel, denn der sorgt immer für gute Laune.


„Schau, da fliegt der Wiederfrohmachvogel." So ein Name wirft Fragen auf, so auch bei dem kleinen Vogel. Und der große Vogel erklärt, warum dieser kunterbunte Wiederfrohmachvogel so wichtig ist. Am Morgen sorgt er dafür, dass drei kleine Wombats sich wieder vertragen, mittags, dass drei gelangweilte Koala-Herren aufmerksam werden auf drei hübsche Koala-Damen, am frühen Nachmittag bringt er wieder Schwung in das Leben von Herrn Känguru, ebenso am frühen Abend bei den Großeltern Emu. So ein Leben macht müde, stellt der kleine Vogel fest. Doch zum Glück gibt es die Wiederfrohmachvögelchen, die neue Zuversicht und Kraft für die nächsten Aufgaben geben. -  Eine Geschichte, die den Leser mitnimmt in die Tierwelt Australiens. Stimmungsvoll illustriert, Trauer und Freude kommen großartig zum Ausdruck. Doch ist es nicht zu schön um wahr zu sein, ein Vogel fliegt einfach vorbei und alle Sorgen sind wie weggeblasen? Darüber sollte man sich nach der Lektüre mit älteren Kindern unterhalten.

Ein Bilderbuch mit ausdrucksstarken Bildern und wenig Text, das sich gut zum Vorlesen eignet. Die Thematik des Buches erfordert allerdings eine tiefergehende Auseinandersetzung.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Trauer | Freude
Bewertung: ++
Rez.: Helena Schäuble

Ju 1 Erzählungen für das erste Lesealter (6-8 Jahre)

Das ABC der Leseratte. Von Affenzahn bis Zuckerwatte. Susanne Lütje. Ill. von Wiebke Rauers. Hamburg: Oetinger 2017. O. Pag. : überw. Ill. ; 20 cm. (Leseratte Otilie). ISBN 978-3-7891-0773-3, geb.: 7,99 €

Mit Leseratte Ottilie kurzweilig durchs Alphabet.

Erstes Lesen ist wunderschön, besonders, wenn die jungen LeserInnen von einer charmanten Leseratte erfahren, was man alles Schönes lesen kann. Im Buch wird das ABC aufgegriffen und dabei von passenden Lesestücken und Geschichten berichtet. Ottilie, die blaue Ratte, liest und liest und liest. Sie erfreut sich an allen möglichen Geschichten, seien sie lustig oder traurig, lang oder kurz.
Die kurzweilige, mit Reimen versetzte Erzählung begeistert die jungen LeserInnen vor allem auch wegen der witzigen Illustrationen die Murmeltiere, Katzen und viele weitere Tiere visualisieren.

Wunderbar illustriert ist das kurze Buch von Ottilie, der Leseratte ideal, um das erste Lesen zu trainieren und die Kenntnis um das ABC zu festigen. Für Kinder ab 5 Jahren.

Signatur: Ju 1
Schlagworte:
Alphabet | Lesen | Tiere
Bewertung: ++
Rez.:
Petra-Kristin Bonitz

Ju 2 Erzählungen für das zweite Lesealter (9-12 Jahre)

Herzog, Annette: Wer fragt schon einen Kater? Ill. von Pe Grigo. Bamberg: Magellan 2017. 123 S. : Ill. ; 21 cm. ISBN 978-3-7348-4114-9, geb.: 12,00 €

Ein Kater erzählt von seinem Alltag daheim und seinem Ausflug als Straßenkater, von Frust und Freuden.

Wer fragt schon einen Kater, der an Annas Geburtstag aus dem Tierheim geholt wird, ob er den Namen Aristoteles, die chaotische Familie oder ein Körbchen im Keller mag? Selten genug wird er gekrault! Dass Anna sich zum nächsten Geburtstag gar einen Hund wünscht, geht gar nicht! Er wird ihr zeigen, was er davon hält! Er läuft weg, versteckt sich, schlüpft in einen Bus, in einen Supermarkt, jagt Tauben. Überall Pech! Er ahnte nicht, wie schwierig und rau das Leben draußen, allein, ohne Futter und Unterkunft ist. Aber den kleinen ängstlichen Straßenköter, der sich ihm anschließt, kann er doch nicht allein lassen! Tatsächlich vertreiben sie zusammen sogar zwei Kerle, die bei Annas Familie einbrechen wollen…  Die Story wird krimispannend, mündet im Happy End. Die Kater-Perspektive bringt Lesespaß. Viel Humor, Situationskomik (und Katzenkenntnis!) stecken in der köstlichen Charakterskizze dieses selbstbewussten, doch allemal liebenswerten Katers. (vgl. auch Anne Fines „Tagebuch einer Killerkatze“ oder Hanna Johansens „Ich bin hier bloß die Katze“).

Die heitere, witzig illustrierte Geschichte bezieht ihren Reiz aus der Katerperspektive, ist kenntnisreich, birgt durchaus Denkanstöße. Nicht nur für Katzenfreunde! Ab 8 J.

Signatur: Ju 2
Schlagworte:
Katzen | Abenteuer
Bewertung: ++
Rez.:
Heide Germann

Ju 3 Erzählungen für Jugendliche ab 13 Jahren

F., Timo: Neonazi. Autobiografischer Roman. Würzburg: Arena 2017. 223 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-401-60294-3, kt.: 9,99 €

Autobiographie. Timo berichtet über seinen Weg in die rechte Szene, seine Karriere als Neonazi und über den Ausstieg.

Timo erlebt eine Kindheit voller Leid und Unsicherheit: Der Stiefvater schlägt ihn, seine Mutter hat keine Zeit - sie widmet sich nur ihren wechselnden Liebhabern. Obwohl Timo in der Grundschule gute Leistungen erbringt, wird er nicht gefördert. Dafür nehmen Rassismus und Antisemitismus einen hohen Stellenwert in der Erziehung ein. Im Auto spielt die Mutter ihren Lieblingsrechtsrock vor. Bald grüßt Timo mit Sieg Heil, wechselt seinen Kleidungsstil und sucht in der neuen Schule nach Kameraden. Auf einer Demo lernt er andere Neonazis kennen und knüpft Kontakte in die NPD-Jugend. Des Nachts zieht er um die Häuser und plakatiert. Die Ferien verbringt er im Wehrsportlager, um sich für den Kampf gegen den Feind zu rüsten. Bei alledem habe ihn vor allem die starke Gemeinschaft angezogen, keinesfalls Hass und Gewalt, meint Timo rückblickend, nun da er durch ein Aussteigerprogramm den Weg aus der rechten Szene und in ein neues Leben gefunden hat.

Ein Dokument, das wichtige Fragen wie den Umgang mit rechten Mitschülern aufwirft, in der Vermittlung dieser Themen aber keinesfalls die einzige Quelle bleiben darf.

Signatur: Ju 3
Schlagworte:
Rechte Szene | Neonazis | Familie | Autobiografie
Bewertung: +
Rez.:
Malte Möck

Macmillan. Kathy: Feuer und Feder. Dt. von Julian Haefs. Weinheim: Gulliver 2017. 494 S. ; 21 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-407-74796-9, geb.: 18,95 €

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.

Nur die Königsfamilie und die Tutoren beherrschen die Kunst des Lesens und Schreibens, denn über die hohe Schrift kommunizieren sie mit den Göttern. Eine Tutorin teilt ihr Wissen mit anderen Sklaven und wird wegen Hochverrats hingerichtet. Ihre Nachfolgerin ist die jugendliche Sklavin Raisa, die Ich-Erzählerin des Romans. Sie bekommt somit die Chance, das Schreiben zu lernen. Bald muss sie sich entscheiden zwischen ihrer Liebe zu Kronprinz Mati und einer geheimen Sklavenrebellion. Die Götter finden zunächst nur in kurzen Einleitungstexten vor den Kapiteln Erwähnung, mischen sich jedoch später in die Handlung ein. Die Geschichte und ihre Konflikte sind nicht neu, die Handlung hätte an manchen Stellen etwas gestrafft werden können.

Doch insgesamt ist der Roman ein solider Schmöker, vor allem für weibliche Fantasy-Fans ab 14 Jahren.

Signatur: Ju 3
Schlagworte: Fantasy | Romantik | Gesellschaftskritik | Mythologie
Bewertung: +
Rez.:
Annemarie Hagmayer

Novik, Naomi: Das dunkle Herz des Waldes. Dt. von Marianne Schmidt. München: cbj 2016. 573 S. ; 24 cm. Aus d. Amerikan. ISBN 978-3-570-17268-1, geb.: 17,99 €

Märchen über eine ungeschickte Zauberin wider Willen.

Ein dunkler, böser Zauberwald bedroht das Tal in dem die Ich-Erzählerin Agnieszka lebt. Nur der „Drache" genannte Magier kann die Bevölkerungen vor den Angriffen des Waldes schützen. Doch dafür holt er alle zehn Jahre ein junges Mädchen zu sich - und Agnieska ist seine nächste Auserwählte. Sie hat eine Gabe und wird seine widerspenstige, naive und tollpatschige Schülerin. Im Verlauf der bisweilen langatmigen Handlung entwickelt sich Agnieszka zur Heldin und geht dem Geheimnis des Waldes auf den Grund. Eine Liebesgeschichte mit ihrem Meister darf dabei nicht fehlen, sie spielt aber nur eine kleine Rolle. Das Setting, in das Elemente osteuropäischer Sagen eingeflochten wurden, ist düster und spannend, die Figuren und die Handlung jedoch leider für mich nicht überzeugend.

Dennoch könnte es fantasybegeisterten LeserInnen gefallen, zumal es in Buchblogs sehr gelobt wird. Meiner Meinung nach gibt es aber schlankere und inhaltlich stärkere Buchalternativen im Jugend-Fantasy-Bereich.

Signatur: Ju 3
Schlagworte:
Fantasy | Märchen | Magie | Selbstfindung
Bewertung: +
Rez.: Annemarie Hagmayer

SL Romane, Erzählungen, Dramen, Lyrik

Canobbio, Andrea: Drei Lichtjahre. Roman. Andrea Canobbio. Dt. von Annette Kopetzki. Reinbek: Rowohlt 2017. 444 S. ; 21 cm. Aus d. Ital.ISBN 978-3-498-00943-4, geb.: 24,95 €

Ein Arzt verliebt sich in seine Kollegin und später noch in ihre Schwester. Turbulente und ernste Liebesgeschichte.

Der Arzt Viberti, Anfang vierzig, geschieden und mit Mutter und Exfrau unter einem Dach lebend, verliebt sich in seine Kollegin Cecilia – auch geschieden und Mutter zweier Kinder. Neben dem Verhältnis mit ihr beginnt Viberti noch eins mit ihrer Schwester Silvia. Dreiecksgeschichten sind nicht ungewöhnlich in der Literatur. Treue, Untreue, Eifersucht, das Auf und Ab der Gefühle, Sehnsucht nach Beziehung und Flucht davor – das kommt millionenfach vor. Ungewöhnlich an diesem Roman ist wohl seine Erzählweise: Die Hauptperson Viberti wird einen Sohn bekommen: den Ich-Erzähler, der die Perspektive seines Vaters einnimmt und schildert, was vor der eigenen Geburt geschah. Das Familienepos wird auch noch aus Cecilias und Silvias Perspektive erzählt; also erfährt man nacheinander, was gleichzeitig passiert. Canobbio erzählt langsam, mitunter zu ausufernd. Sein Ich-Erzähler hat einen genauen und liebevollen Blick vor allem auf den Vater. Bis fast zum Schluss hält die Spannung, wer denn nun seine Mutter wird. Das Buch sei Leserinnen und Lesern empfohlen, die eine nicht zu schwere, unterhaltsame Lektüre schätzen, deren Inhalt auf die eigene Lebenssituation bezogen werden kann.

Signatur: SL
Schlagworte: Liebe
| Beziehung  | Familie
Bewertung: +
Rez.:
Christoph Kuhn

De Turckheim, Émilie: Popcorn Melody. Roman. Émilie de Turckheim. Dt. von Brigitte Große. Berlin: Wagenbach 2017. 200 S. ; 22 cm. Aus d. Franz.ISBN 978-3-8031-3289-5, kt.: 18,00 €

Ein schnelles unterhaltsames Buch über einen trostlosen Ort irgendwo im mittleren Westen der Staaten. Der Held dichtet!

Die Geschichte der gnadenlos ausgerotteten und vertriebenen indigenen Völker ist der Untergrundsound, der das Leben der armen Gestalten am Rande einer schwarzen Steinwüste verdunkelt. In barbarischer Hitze, ohne jedes Grün, fristen die Leute der Siedlung ihr Dasein, indem sie in einer nahe gelegenen Maisfabrik Popkorn produzieren. Der Maiskonzern beherrscht das erbärmliche Leben vollkommen und treibt den letzten kleinen Laden, den der Protagonist Tom mit Liebe und Naivität führt, in den Ruin. Nicht nur das. Er hat seine Schergen, die alle, die Widerstand wagen, durch Gewalt im Zaum halten. Es könnte trostlos sein, wäre da nicht Tom. Ein Schlehmil, der gewitz und vom Glück geküsst (seinen Laden hat er den Namen "Glück" gegeben), mit einem großen Herzen für die Zwischentöne der rauhen Seelen unverdrossen für deren Wohl zu sorgen versteht. Er selbst sammelt die Geschichten der Menschen und schreibt sie auf den Seiten des Recyclingpapiers von Telefonbüchern nieder. Bis er entdeckt wird. Ein unterhaltsamer Roman über das ländliche Amerika.

Signatur: SL
Schlagworte:
Widerstand |Humor | Familie
Bewertung: ++
Rez.:
Christiane Thiel

Foenkinos, David: Das geheime Leben des Monsieur Pick. Roman. David Foenkinos. Dt. von Christian Kolb. München: Dt. Verl.-Anst. 2017. 328 S. ; 21 cm. Aus d. Franz.ISBN 978-3-421-04760-1, geb.: 19,99 €

Literarische Sensation in der Bretagne? Das Manuskript des Pizzabäckers Henri Pick soll ganz groß herauskommen…

Im Finistère in der Bretagne findet sich eine ganz besondere Bibliothek. Autoren dürfen dort ihr abgelehntes Manuskript abgeben und sich einen Platz im Regal selbst aussuchen. In den Ferien stößt Delphine, engagierte Verlagslektorin in der Bibliothek auf eine ganz besondere Geschichte - eingereicht von Henri Pick, der zusammen mit seiner Frau die Pizzeria am Ort betrieb und weder viel las noch schrieb. Seine Witwe kann es kaum glauben! Delphine bringt den Roman ganz groß heraus. Foenkinos, bekannter französischer (Bestseller)Autor (Nathalie küsst) erzählt mit einem amüsiert zwinkernden Auge vom Rummel um ein Buch. Vor der Kulisse der Bretagne und der Großstadt Paris ist eine charmante Geschichte mit liebenswerten Gestalten entstanden, deren Leben plötzlich durcheinander gewirbelt wird. Eine unterhaltsame Persiflage auf die Praktiken des Buchmarkts und ein Blick in die Seele Frankreichs. Der in Frankreich zum Bestseller avancierte Roman verspricht gute Unterhaltung. 

Signatur: SL
Schlagworte:
Buchmarkt| Schriftsteller | Frankreich
Bewertung: ++
Rez.:
Bettina Wolf

F Familie, Ehe, Lebensfragen

Schlenz, Kester: Mutti baut ab. Wenn Eltern alt werden. Kester Schlenz. München: Mosaik 2017. 222 S. ; 19 cm.
ISBN 978-3-442-39315-2, geb.: 12,00 €

Wenn Eltern älter werden, stellen sie ihre Kinder vor neue Aufgaben. Kester Schlenz erzählt davon, wie es ihm erging.

„Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“, hat Udo Jürgens einst gesungen. Mit über 80 scheint es wieder aufzuhören. Diesen Eindruck vermittelt Kester Schlenz, wenn er von seiner Mutter erzählt. Wegen eines Sturzes ist sie im Krankenhaus gelandet, dann stellt sich heraus, dass sie auch noch Krebs hat. Ihre Kinder müssen Stück für Stück die „Regie“ für ihre angeschlagene Mutter übernehmen. Dass das nicht so leicht ist, schildert der Autor. Da sind Fingerspitzengefühl und Humor gefragt, um alle Klippen, die sich auftun, mit Geschick zu umschiffen. Wie zum Beispiel sagt man seiner Mutter, dass betreutes Wohnen jetzt für sie das Richtige wäre oder dass sie vielleicht gar ins Krankenhaus muss? Und wie organisieren berufstätige Kinder all die zusätzlichen Termine für ihre Mutter? Auch wenn das Buch voll von erschreckenden Wahrheiten ist, bleibt Schlenz‘ Sinn fürs Komische nie auf der Strecke. So finden wie im wirklichen Leben eine aufgespießte Perücke und verlorene Zähne auch ihren Platz.
Für Angehörige, deren Eltern noch fit sind, ist das Buch wie eine Vorbereitung auf den Ernstfall. Die, die schon mitten drinstecken oder ihn gar nicht erleben, brauchen es nicht.

Signatur: F
Schlagworte: Alter | Sterben | Generationen | Familie
Bewertung: ++
Rez.: Ute Lawrenz

R Ratgeber, Sport, Freizeitgestaltung

Dunn, Jancee: Bring deinen Mann nicht gleich um, du könntest ihn noch brauchen. Die Elternzeit als Paar überleben. Jancee Dunn. Dt. von Bettina Spangler. München: Mosaik 2017. 383 S. ; 21 cm.
Aus d. Amerikan.
ISBN 978-3-442-39313-8, kt.: 15,00 €

Was tun, wenn nach der Geburt eines Kindes nichts mehr glatt in der einst harmonischen Ehe läuft?

Wenn ein Kind geboren wird, sehen sich die Eltern in ihrer bisher harmonischen Ehe  neuen Herausforderungen gegenüber. Allzuleicht belastet eine neue Rollenverteilung die Beziehung. – Jancee Dunn, Autorin und Journalistin, nimmt in detaillierten Schritten das neue Miteinander ins Visier – und zwar ganz persönlich, offen und ehrlich, doch voller Humor am eigenen Beispiel. Sie berichtet, wie sie unversehens fast alle Arbeiten im Haushalt übernimmt, während ihr Mann sich seine Auszeiten sichert, wie Zorn wächst, wie sie, um die Ehe nicht zerbrechen zu lassen, Forschungserkenntnisse zum Thema Partnerschaft sichtet, Rat bei Psychologen, Ehe-, Familien-, Sextherapeuten und auch befreundeten Familien  sucht.  Doch auf der Grundlage gegenseitiger Achtung und Empathie gelingt es, Alltag, Miteinander, Haushalt, Vater-Mutterrollen neu zu strukturieren. – Zwar verweisen die vielzitierten Therapeutennamen auf die USA; die gespiegelten Konflikte aber sind allgemeingültig und die Lösungstipps allemal nachdenkenswert.

Eine amüsante, detaillierte, gut lesbare Analyse eines Ehealltags, der sich durch die Geburt eines Kindes verändert. Mit vielen Denkanstößen für junge Paare.

Signatur: R
Schlagworte: Partnerschaft | Familie
Bewertung: ++
Rez.: Heide Germann