Newsletter „Bücherei" 09/2018

Liebe Büchereimitarbeiterin! Lieber Büchereimitarbeiter!

Liebe Leserin! Lieber Leser!

In den letzten Wochen war es wirklich schwer jemanden ans Telefon zu kriegen und auch auf Mails kam nur allzu häufig die fröhliche Botschaft: „Ich bin im Urlaub!“ als Antwort. So langsam aber kehren nun auch die letzten Weltenbummler_innen aus dem Urlaub zurück – und haben sicher alle Bücher ausgelesen, die in den Koffer gepackt oder auf den E-Reader geladen worden waren. Da kommt der September-Newsletter mit neuem Lesefutter doch wie gerufen!

Einen spannenden Lese-Herbst wünscht

Ihr Eliport-Team

P.S. Haben Sie im Urlaub ein deutschsprachiges Buch gelesen hat, das Sie nachhaltig beeindruckt hat und über dessen Themen Sie immer mal wieder nachdenken? Und es ist in diesem Jahr erschienen? Dann wäre es das perfekte Buch, um für den Evangelischen Buchpreis 2019 vorgeschlagen zu werden!

 

Bewertung:

+++      = hervorragend
++        = gut
+          = möglich

P:S.: Noch mehr aktuelle Besprechungen verschicken wir jeweils
► am 05. des Monats als „Kita-Newsletter“,
► am 10. des Monats als „Gemeinde-Newsletter“ und
► am 30. des Monats als „Hörbuch-Newsletter“, mit Besprechungen von CDs für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.
Diese können Sie ebenfalls kostenlos unter www.eliport.de abonnieren. Es lohnt sich!

Bitte beachten Sie auch unsere weiteren Serviceangebote, die Sie auf unseren Internetseiten abrufen können:
► Literaturtipps unter www.eliport.de
► Alles über den  Evangelischen Buchpreis unter www.evangelischerbuchpreis.de
► Leseförderungs- und Taufprojekt unter www.willkommeningotteswelt.de
► Schulanfängerprojekt unter www.leseningotteswelt.de
► Alle Arbeitshilfen zur Bibliotheksorganisation für Mitarbeitende unserer Büchereien unter www.buechereiservice.de

Jm 1 Bilderbücher

Brischnik, Irene: Im Straßenverkehr. Deutsch - Arabisch. Übersetzung ins Arab.: Adil Achiq. München: Ed. bi:libri 2018. O. Pag. : überw. Ill. ; 20 cm. (Bilibrini, die kleinen Zweisprachigen). ISBN 978-3-19-469598-6, kt.: 6,50 €

Paul und seine MitschülerInnen lernen von der Polizistin Fatma, wie man sich sicher durch den Straßenverkehr bewegt. Auf Arabisch und Deutsch erzählt.

Paul unternimmt zusammen mit seiner Klasse einen Ausflug durch die Stadt. In Begleitung der Polizistin Fatma lernen die Kinder hierbei die wichtigsten Verkehrsregeln kennen. Sie erfahren, wie man sich auf Gehwegen, an Ampeln, Zebrastreifen oder auch an Bau- und Haltestellen verhalten muss. Einen besonderen Höhepunkt stellt die Fahrt mit der Straßenbahn dar. Mit ihr geht es in Richtung Park zu einem Fahrradübungsplatz. Dort bereiten sich die größeren Kinder auf ihre Fahrradprüfung vor und die kleineren aus Pauls Klasse beobachten schon mal, was ein sicheres Fahrrad alles ausmacht.  Die von Irene Brischnik geschriebene wie illustrierte Episode zum Thema Straßenverkehr bietet eine schöne Möglichkeit, um mit Kindern die grundlegendsten Verkehrsregeln durchzugehen und darüber hinaus neue Vokabeln rund um das Thema zu lernen. In einer Wort-Bild-Leiste werden die wichtigsten Wörter auf jeder Seite noch einmal zusammengefasst. Das Heftchen ist in noch sechs weiteren Sprachen erhältlich.

Gut geeignet für Kinder, die zweisprachig großwerden. Aber auch für Kindertagestätten, Schulen und Bibliotheken mit arabischsprechenden NutzerInnen. Zu empfehlen ab 3 Jahren. 

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Arabisch | Verkehrsregeln | Zweisprachig | Schulweg
Bewertung: ++
Rez.: Juliane Deinert

Hoppe, hoppe, Reiter - Meine ersten Kniereiter. Texte: Trad. Ill. von Tina Nagel. Münster: Coppenrath 2018. O. Pag. : überw. Ill. ; 21 cm. (Coppenraths kleine Bibliothek). ISBN 978-3-649-62789-0, geb.: 9,99 €

Kleine, feine Sammlung von Kniereiter- und Spielreimen, mit Bewegungsanleitung und liebevollen Illustrationen.

Bereits das Cover macht Lust, das quadratische, aus dicken Hartpappe-Seiten bestehende Bilderbuch aufzuschlagen. Es zeigt, erhaben und mit einer ins Auge stechenden Glitzerfolie gestaltet, wie eine Füchsin ihr Junges auf den Knien balanciert. Ein ansehnlicher Fundus aus vierzehn Kniereiter- und Spielreime folgt. Viele von ihnen gelten als altbekannt wie „Hopp, hopp, hopp, Pferdchen, lauf Galopp!“ andere wiederum sind neueren Datums, etwa „Eine kleine Hexe gönnt sich keine Ruh“ oder „Einsteigen, Türen schließen, tut-tut!“ Abwechslungsreich vermitteln sie das, was Kindern von Anfang an brauchen: Freude an der Bewegung, Körpernähe und Spaß am Sprechen. Die Anleitung, wie die Kniereiter- und Spielreime zu vermitteln sind, wird am Seitenende in kleiner Schrift gleich mitgeliefert. So inspiriert das mit liebevoll gestalteten Illustrationen ausgestattete Bilderbuch die Erziehenden, Kinder auf den Schoß zu nehmen, die Reime nachzusprechen und sich dabei körpernah zu bewegen. Ein Glücksfall.

Obwohl die Auswahl an Büchern mit Kniereiterversen groß ist, sollte man gerade dieses Pappbilderbuch schon für die Kleinsten in der Bücherei bereit halten.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Kniereiterverse | Reime | Bewegung | Pappbilderbuch
Bewertung: +++
Rez.: Martina Mattes

Kowalska, Jadwiga: Ich bin ein Wolf, sagt Hase. Zürich: Atlantis 2017. O. Pag. : überw. Ill. ; 24 cm. ISBN 978-3-7152-0736-0, geb.: 14,95 €

Eine Geschichte über die Angst, wie man ihr beikommt und dabei lernt, den Bogen nicht zu überspannen.

Hase ist immer ängstlich. Zwar hat er seine Freunde Igel, Eule und Maulwurf, doch wenn er nach dem Spielen allein in seine Grube hüpft, schlägt sein Hasenherz vor Angst ganz laut. Ein Wolf müsste man sein, denkt Hase und näht sich ein Kostüm. Die Täuschung funktioniert: Alle Tiere ergreifen die Flucht, selbst der echte Wolf, der sich bisher als der einzige seiner Spezies im Wald wähnte. Doch Hase merkt, dass Macht auch einsam machen kann. Denn Igel, Eule und Maulwurf wollen mit dem gefährlichen Tier nichts zu tun haben. - Die Geschichte vom Hasen im Wolfspelz hat fast schon Fabelcharakter und ist das erste Buch der Schweizer Autorin und Illustratorin. Sie ist eigentlich Filmemacherin und es ist zu hoffen, dass es nicht bei diesem Bilderbuch bleibt.

Eine Bereicherung für jede Bücherei, schon wegen der grandiosen Illustrationen. Breite Empfehlung. 

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Freundschaft | Angst
Bewertung: +++
Rez.: Margarete Barth-Specht

Meine Omi, die Wörter und ich. Nikola Huppertz. Ill. von Elsa Klever. München: Tulipan 2017. O. Pag. : überw. Ill. ; 24 cm. ISBN 978-3-86429-299-6, geb.: 15,00 €

Wörter können wahre Schätze sein. Viele geraten jedoch im im Laufe der Zeit in Vergessenheit und Neue kommen dazu.

Dieses Bilderbuch wimmelt von Wörtern! Laute und leise Wörter, Gute-Laune-Wörter und Wörter fürs Traurigsein, Wörter zum Hoffen. Mios Oma kennt sie alle und Mio sammelt sie ein und lässt sie im Alltag wieder frei. Als Mio bemerkt, dass Oma in letzter Zeit keine Worte mehr findet, versucht er ihr seine Wörter zu schenken. Doch Oma scheint mit „Speicherkarte" und „Chicken Nugget" nicht viel anfangen zu können.
Rasant und kunterbunt taucht die Leserschaft ein in eine Welt des Sprachgebrauchs zwischen zwei Generationen. Das abstrakte Dickicht, das in den Illustrationen und der Bedeutung der ausgewählten Wörter selbst steckt, weckt im erwachsenen Leser eine gewisse Entdeckerlust und vermag ihn auch in die kindliche Wahrnehmung zu entführen. Für jüngere Kinder hingegen kann die Wortgewalt und -fülle des Buches zusammenhangslos und überfordernd wirken.
Die Botschaft: Sprache schafft eine Beziehung, die so nachhaltig ist, dass sie weiterlebt, selbst wenn die Worte versiegen.

Nichtsdestotrotz sehr empfehlenswert für den Austausch zwischen Generationen zum Thema Wortschatz. Ab 6 Jahren.

Signatur: Jm 1
Schlagworte:
Sprache | Generationen | Wortschatz
Bewertung: +
Rez.:
Lena Danneberg

Müller, Thomas: Tiere in der Stadt. Hildesheim: Gerstenberg 2018. O. Pag. : überw. Ill. ; 16 cm. ISBN 978-3-8369-5610-9, geb.: 12,95 €

Sieben Tiere, die Kinder auch im städtischen Umfeld entdecken können, werden in Bild und Text vorgestellt.

Wer mit Kleinkindern durch die Stadt geht, weiß welche Faszination von kleinen und größeren Tieren ausgeht. Was ist das - und was machen die hier? Diesen Fragen geht das einfache Pappbilderbuch in fast lexikalischer Weise nach. Kaninchen, Spatz, Hund und Taube dürften jedem Kind schon einmal begegnet sein. Mauersegler und Waschbär sind vielleicht nicht überall zu entdecken. Jedem Tier sind vier Seiten gewidmet, wobei immer zwei durch Aufklappen zu betrachten sind. Der Text ist sachlich und gibt Auskunft über Lebensweise, Aufzucht der Jungen und Nahrungssuche. Ihm gegenüber ist jeweils vor weißem Hintergrund das Tier fotorealistisch gezeichnet. In den Klappen zeigt der Illustrator einen typischen Ausschnitt aus dem Lebensraum und Details, die im Text erwähnt werden: z. B. den Löwenzahn beim Kaninchen, das Futter für die offenen Schnäbel der Spatzenkinder, die Mücken und Schnaken, die die Mauersegler fressen, bekannte Hunderassen, eine Fledermaus in hängender Schlafhaltung, Waschbären am Mülleimer und beim Klettern und Tauben mit einem Nest in einer Fensternische.

Als ein recht einfaches Pappbilderbuch mit ersten Informationen zum Tierleben in der Stadt für städtische Büchereien bei großem Bilderbuchbedarf empfohlen.
Müller: Tiere in der Stadt

Signatur: Jm 1 | Jn
Schlagworte:
Tiere | Stadt | Alltag | Pappbilderbuch
Bewertung: ++
Rez.:
Gabriele Kassenbrock

Nelli Spürnase und die verschwundenen Bücher. Julia Donaldson. Ill. von Sara Ogilvie. Dt. von Seraina Maria Sievi. Zürich: Orell Füssli 2018. O. Pag. : überw. Ill. ; 26 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-280-03552-8, geb.: 14,95 €

Egal was bei Peter so alles verschwindet, er ist sich sehr sicher, dass Nelli es findet!

Peters Hund Nelli hat eine stadtbekannte Spürnase. Sie findet einfach alles, was verloren ging oder gestohlen wurde! Und während sie von Dienstag bis Sonntag vieles sucht und findet, darf sie an den Montagen mit in die Spielgruppe zum Vorlesetag. Doch eines Montags sind alle Bücher verschwunden. Voller Eifer stürzt sich Nelli auf eine heiße Spur, um den enttäuschten Kindern ihre Bücher zurückzubringen. Gemeinsam jagen alle geführt von Nellis Spürnase durch die Stadt und finden in einem Garten einen lesenden Mann, der beteuert, die Bücher nur geliehen zu haben. Die gute Nelli hat gleich eine tolle Idee und führt alle zur Stadtbücherei, wo Pit sofort Kunde wird. Und Peter denkt sich eine ganz besondere Belohnung für seinen Spürhund aus! Die ausdruckstarken, bunten und detailreichen Bilder sprechen über den gereimten Text hinaus und erzählen von den Erlebnissen und Gefühlen der Kinder. Wie nebenbei stehen Bücher, das Lesen und Vorlesen sowie die Bücherei im Mittelpunkt der Geschichte.

Die spannende und liebenswerte Bilderbuchgeschichte macht große Lust, sich mit Büchern zu beschäftigen! Für alle Leser, Vorleser und Hundefreunde  ab 4 Jahren wärmstens empfohlen.

Signatur: Jm 1
Schlagworte:
Hunde | Diebstahl | Lesen | Bücherei
Bewertung: +++
Rez.:
Stefanie Drüsedau

Ju 2 Erzählungen für das zweite Lesealter (9-12 Jahre)

Berry, Edward: Der verrückte Ritter. Dt. von Anja Rüdiger. Ill. von Veronika Wunderer. München: Sanssouci 2018. 198 S. : Ill. ; 19 cm. (Die schönste Geschichte aller Zeiten). Aus d. Span.ISBN 978-3-99056-062-4, geb.: 15,00 €

Dritter Band der Reihe „Die schönste Geschichte aller Zeiten".

Die Geschwister Alba und Diego sind es bereits gewohnt: Ihre Tante, die Buchhändlerin Beatriz kämpft gegen einen mächtigen Feind, den Medienmogul Mr. Zargo. Er ist allergisch gegen Bücher und würde Literatur am liebsten vom Erdboden tilgen. Um sein Ziel zu erreichen, setzt er allerlei ausgefeilte Technik ein. Diesmal schmuggelt er einen feuerspeienden Drachen in „Don Quijote" und hofft, der Geschichte so den Garaus zu machen. Mit Hilfe des geheimen Rituals gelingt es, Alba und Diego direkt in die Handlung hineinzuversetzen. Zwar zähmt Don Quijote den Drachen, aber in der Folge wird er arrogant und geldgierig und vergisst gar seine Angebetete Dulcinea. Die Geschwister haben es nicht leicht, den Ritter zu überlisten, doch letztendlich können sie die Geschichte retten, wie in den Vorgängerbänden  „Peter Pan" und „Die drei Musketiere". - Ein guter Anlass, auch die jeweiligen Originale zu  lesen.

Überall dort, wo die ersten beiden Bände schon vorhanden sind und gut verliehen werden. Eher für versierte Leser_innen.

Signatur: Ju 2
Schlagworte:
Fantasy | Abenteuer | Drachen
Bewertung: ++
Rez.:
Margarete Barth-Specht

Brooks, Max: Minecraft. Die Insel. Roman. Dt. von Josef Shanel u. Matthias Wissnet. Berlin: Schneiderbuch Egmont 2018. 313 S. ; 22 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-505-14072-3, geb.: 14,00 €

Roman zum Computerspiel. Die Hauptfigur lebt auf einer Insel, auf der sie auf sich alleine gestellt ist. Sie kann bauen und gestalten. Und muss ums Überleben kämpfen.

„Wenn alles hier aus Blöcken besteht und diese Blöcke ihre Form bewahren“, sagte ich (…), „kann ich sie dann vielleicht aufeinanderstapeln um etwas daraus zu bauen?“  Ja, sicher. Willkommen in der Welt von Minecraft. Der Ich-Erzähler oder die Ich-Erzählerin findet sich plötzlich hier wieder und muss sich zurechtfinden. Tagsüber erkundet er/sie die Insel und baut, kümmert sich um Nahrungsbeschaffung, nachts muss er/sie sich vor allem Möglichen verteidigen. Zombies, Spinnen, sogenannte Creeper-Monster. Wie kann man hier bloß überleben? Jeder Schritt will gut überlegt sein, alles hat seine Konsequenzen und im zunächst leeren Rucksack können lebensrettende Dinge gesammelt werden. Für Fans des Minecraft-Computerspiels mag dieser Roman spannend sein. Er liest sich wie ein Handbuch zum Spiel, in dem man durch die Erlebnisse der Hauptfigur Tipps erhält. Da in Minecraft jedoch keine Kommunikation stattfinden kann, zumindest wenn man es alleine spielt, findet auch im Roman kein wirklicher Dialog statt. Fragen, die der Erzähler an andere Lebewesen (Kühe, Schafe) stellt, beantwortet er selbst. Das ist auf Dauer ziemlich eindimensional. 

Für größere Bestände. Um gezielt eine neue Leserschaft anzusprechen. 

Signatur: Ju 2
Schlagworte:
Computerspiel | Abenteuer | Minecraft
Bewertung: +
Rez.:
Anna Winkler-Benders

 

Ju 3 Erzählungen für Jugendliche ab 13 Jahren

Theisen, Manfred: Einer von 11. Ill. von Verena Ballhaus. Bindlach: Loewe 2018. 59 S. : Ill. ; 15 cm. ISBN 978-3-7855-8912-0, geb.: 6,95 €

Gut gemeinte Fabel über Moral und Rassismus in Deutschland vor dem Hintergrund der großen Fußballbühne.

In diesem kleinformatigen, kurzen Büchlein steht ein deutscher Fußballnationalspieler mit nigerianischen Wurzeln zur Einwechslung an der Seitenlinie bereit. Während er sich warm macht, erinnert er sich an seine Jugend und reflektiert die Schwierigkeiten, die Anderssein in Deutschland mit sich bringt. Dabei werden Themen wie Rassismus, Ausgrenzung, Integration von Flüchtlingen, Nationalität und Zugehörigkeit verhandelt. Das sicherlich gut gemeinte und respektable Vorhaben des Autors scheitert allerdings. Denn selbstverständlich kann man derlei komplexe Themen nicht auf 58 kleinformatigen Seiten zufriedenstellend behandeln. Der Autor überlädt das kleine Buch im Laufe der Geschichte immer mehr. Und so scheitert das Buch leider an der Aufgabe, die es sich selber stellt: extrem komplexe Probleme auf extrem kurzem Raum zu verhandeln. Die durchaus interessanten abstrakten Illustrationen von Verena Ballhaus, die an Buntstiftzeichnungen erinnern, entschädigen etwas, können das Buch aber auch nicht retten.

Das kleinformatige, schmale Bändchen passt in jede Taschenbibliothek. Vielleicht als Anregung zu weiterführenden Diskussionen, die tiefer gehen, zu verwenden.

Signatur: Ju 3 | Jr
Schlagworte: Rassismus | Fußball | Integration
Bewertung: +
Rez.: Christian Prange

Jr Ratgeber, Sport, Freizeitgestaltung

Programmieren mit Python® - supereasy. Carol Vorderman, Craig Steele u.a. Dt. von Birgit Reit. München: Dorling Kindersley 2018. 224 S. : Ill. ; 24 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-8310-3457-4, geb.: 16,95 €

Jeder kann programmieren! Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung in Wort und Bild.

Python ist eine der meist verwendeten und beliebtesten  Programmiersprachen. Sie wurde bereits 1990 entwickelt. Dem britischen Autorenteam gelingt es, sich ganz in den Anfänger hinein zu versetzen. Sie basieren ihre höchst detaillierten Anweisungen auf keinerlei Vorwissen. Bereits nach einigen wenigen Seiten mit nützlichen Begriffserklärungen kann der Leser mit einfachsten Programmierungen beginnen. Dabei ist das Seiten Layout in zwei Spalten angelegt, ebenso wie  das Pythonprogramm auf dem Bildschirm in zwei Fenstern geführt wird, dem Shell-Fenster, das die Werkzeuge der Programmiersprache enthält, und dem Editor-Fenster, das die  Programmierung notiert. Was diese Fenster zeigen, ist im Buch eins zu eins abgebildet, sie sind in unterschiedlichen Farben voneinander abgesetzt und so leicht erkennbar. Eine augenfällige Graphik gliedert die Lernfortschritte übersichtlich und  unterstützt damit den gut verständlichen Text, der, wenn auch keine Erfahrung, so doch Geduld erfordert.

Programmieren gleicht der Erlernung einer Fremdsprache, deren Entdeckung eine neue Welt öffnet. Daher für computerbegeisterte Kinder ab ca. 11 J., für Jugendliche und neugierige Erwachsene sehr zu empfehlen.

Signatur: Jr
Schlagworte: Computer | programmieren
Bewertung: +++
Rez.: Barbara von Korff-Schmising

SL Romane, Erzählungen, Dramen, Lyrik - Belletristik

Cueni, Claude: Der Mann, der Glück brachte. Roman. Basel: Lenos 2018. 278 S. ; 19 cm. ISBN 978-3-85787-487-1, geb.: 23,90 €

Nach sieben Jahren im Wachkoma kehrt Lukas Rossberg in ein Leben zurück, das sich buchstäblich auf den Kopf gestellt hat.

Als Unbeteiligter war Rossberg bei einem Casinoüberfall angeschossen worden, niemand rechnete damit, dass er wieder erwachen würde. Seine Freundin ist inzwischen mit seinem alten Freund Robert Keller verheiratet, seine einst erfolgreiche IT-Firma existiert nicht mehr. Der alten Zeiten wegen bietet ihm Keller, inzwischen Direktor einer Lotteriegesellschaft, einen Job an, bei dem er die glücklichen, neuen Millionäre beraten soll. Doch ist es tatsächlich nur Mitleid, das Keller treibt? War er wirklich auf dem Casinoparkplatz nur eine Zigarette rauchen, als die Räuber ihren Überfall begingen? Rossberg, mit dem Wissen, dass er aufgrund seiner Verletzungen nicht mehr lange zu leben hat, begibt sich auf Spurensuche und stößt dabei auf einen Komplott. Sollte es möglich sein, einen Lotterie-Computer zu hacken? Trotz Betrug und unglücklicher Lottomillionäre ein schön-melancholisches Buch.

Man lässt sich von der Geschichte gerne gefangen nehmen und verfolgt, wie Rossberg seinem Schicksal entgegenlebt. Vielleicht gerade deshalb ein Buch für einen sonnigen Urlaub.

Signatur: SL
Schlagworte:
Gewinn | Betrug | Krimi
Bewertung: ++
Rez.:
Heike Nickel-Berg

Glückliche Wirkungen. Eine literarische Reise in bessere Welten. Hg. von Alida Brenner u. Michael Krüger. Mit Beiträgen von Arian Leka, Albert Salvadó, Tatev Chakhian u.a. Berlin: Propyläen 2017. 237 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-549-07486-2, geb.: 28,00 €

Das Goethe-Zitat „Glückliche Wirkungen“ als Leitmotiv zu 57 Kurzerzählungen aus den 57 Ländern der 1975 gegründeten OSZE.

Diese Auswahl  und das Vorwort des damaligen Außenministers Frank-Walter Steinmeier machen diese respektable Sammlung zu einem politischen Projekt und Versuch der kulturellen Verständigung. Die beiden Herausgeber haben Autoren aus Ländern aufgespürt, deren Literaturen uns bis heute weitgehend unbekannt geblieben sind: Etwa Kasachstan, Kirgisistan oder Albanien. Die Kurzgeschichten sind von unterschiedlicher Qualität. Manche gehen das Thema „Glückliche Wirkungen“ erzählerisch an, wenn auch nicht immer optimistisch. Andere verfallen in den Ton der moralischen Ermahnung, etwa Peter Schneider aus Deutschland oder der den Vatikan vertretende Monsignore. Im Anhang finden wir Kurzbeschreibungen zu jedem Autor. Jede Erzählung ist überdies mit einem  Kommentar der Herausgeber versehen. Diese lesen sich bisweilen bemüht  und tragen nicht immer zu besserem Verständnis bei, die Herausgabe dieser Anthologie jedoch setzt eine umfassende Kenntnis  zeitgenössischer Literatur voraus. 

Dieser Streifzug durch die internationale Literatur ist durchaus unterhaltend  und spiegelt die unterschiedlichen Lebensarten und Lebensbedingungen in den 57 OSZE-Ländern wider.

Signatur: SL
Schlagwoorte: Europa | Internationalität | Zukunft
Bewertung: ++
Rez.:
Barbara von Korff-Schmising

Heidenreich, Stefan: Geburtstag. Wie es kommt, dass wir uns selbst feiern. München: Hanser 2018. 220 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-446-25841-9, geb.: 19,00 €

Kulturgeschichtlicher Blick auf die Entwicklung des Geburtstagsfestes als persönliches Ritual.


Wie hat sich das Feiern des Geburtstagsfestes über die Jahrhunderte als Tradition entwickelt und verändert? Eine an sich spannende Frage für eine kulturhistorische Betrachtung in unserer individualisierten Gesellschaft der Gegenwart. Einleitend berichtet der Autor im Plauderton von seiner geburtstagsbegeisterten Tochter, doch nach einer allgemeinen thematischen Übersicht verliert er sich recht schnell in verwirrende und detailreiche Exkurse, die dem Leser einiges an Vorwissen und Geduld abfordern. Wenn auch thematisch komplex recherchiert wirken die Beispiele aus der Historie oftmals willkürlich gesetzt, erscheinen teils langatmig oder aufgeblasen, sie sind wenig amüsant und bleiben ohne Bezug zueinander, sodass ein zerrissenes Gesamtbild entsteht. Andererseits werden historisch umfassende Bereiche zuweilen so auf das Geburtstagsthema heruntergebrochen, dass sich eine erweiterte oder erheiternde Sichtweise nur selten einzustellen vermag.

Die komplexe Faktensammlung vermittelt unzusammenhängendes Wissen und ist nur mit wenigen amüsanten Anekdoten gespickt. Das schmälert die Lesefreude.

Signatur: SL
Schlagworte:
Geburtstag | Kulturgeschichte
Bewertung: +
Rez.:
Natascha Rothert-Reimann

Junk, Catharina: Bis zum Himmel und zurück. Roman. Reinbek: Kindler 2018. 345 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-463-40694-7, geb.: 17,95 €

Tragikomischer Roman um eine Frau, die sich erst nach dem Schlaganfall des Vaters mit ihrer Familie aussöhnen kann.

Die leicht chaotische Endzwanzigerin Katja lebt in Hamburg, wo sie anspruchslose Serien-Drehbücher schreibt. Ihren Freund Ratko hält sie auf Distanz, denn zuviel Nähe ist nicht ihr Ding. Nur wenige kennen die vernarbten Unterarme und damit Katjas Geschichte: Ihre kleine Schwester starb mit neun Jahren bei einem Unfall, für den Katja sich verantwortlich fühlt. In Rückblenden wird der anschließende Zerfall der Familie geschildert, die Trunksucht der Mutter, das Verschwinden des Vaters, Katjas Aufenthalt in der Jugendpsychiatrie. Katja hat mit ihrer Familie abgeschlossen, bis sie erfährt, dass ihr Vater einen Schlaganfall hatte. Dann soll sie auch noch das Drehbuch für eine Familienserie schreiben und eines Tages steht ihre Halbschwester vor der Tür, von deren Existenz Katja bisher nichts wusste. Das sorgsam aufgebaute Gerüst stürzt ein und Katja muss sich ihrer Vergangenheit stellen.

Geschichte mit Höhen und Tiefen und leider sehr vorhersehbarem Ende! Gut zu lesen und  für alle Büchereien geeignet.

Signatur: SL
Schlagworte:
Familie | Selbstfindung | Liebe
Bewertung: ++
Rez.: Margarete Barth-Specht

Koestler, Arthur: Ein spanisches Testament. Neuausg. Berlin: Europa Verl. 2018. 263 S. ; 22 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-95890-180-3, kt.: 18,90 €

Spannender und erschreckender Bericht über das Schicksal von Tausenden von Inhaftierten im Spanischen Bürgerkrieg 1937.

Im Sommer 1936 reisten viele Intellektuelle aus der ganzen Welt, darunter auch Arthur Koestler, nach Spanien, um die bedrohte Republik vor den Faschisten zu retten. Im Februar 1937 erlebt der Autor als letzter westlicher Korrespondent den Fall Málagas. Er dokumentiert eindringlich die Gewaltexzesse, die die Franquisten entfachten, seine Isolierhaft und zugleich die Erschießung von fünftausend Menschen in Malaga. Bei den fesselnden Schilderungen anschließend in Sevilla beobachtet der Autor, der selbst der Erschießung nur knapp entgeht und weiter inhaftiert wird, zudem sehr genau, wie Gefängnis und die Angst vor dem Tod auf ihn wirken. Der neu aufgelegte Bericht über das Schicksal Abertausender von Inhaftierten im Spanischen Bürgerkrieg ist ein beeindruckendes Dokument der damaligen Zeit. Das Buch ist eine Mischung aus autobiografischem Bericht und historischer Zeitzeugenschaft, das nicht nur den Gefängnisalltag, sondern auch die allgemeine Kriegslage eindrucksvoll schildert und bewertet. Koestler war einerseits ein Parteikader, zugleich aber auch ein Journalist und beeindruckender Schriftsteller.

Ein Buch, das manche Entwicklung von heute verstehen lässt. Für Büchereien mit Lesern an geschichtlichen Themen.

Signatur: SL
Schlagworte:
Spanien | Bürgerkrieg | 20. Jh
Bewertung: ++
Rez.: Martin Ertz-Schander

Rath, Hans u. Raj, Edgar: Bullenbrüder - Tote haben kalte Füße. Kriminalroman. Reinbek: Wunderlich 2018. 284 S. ; 20 cm. ISBN 978-3-8052-5105-1, geb.: 16,95 €

Kriminalkommissar Holger Brinks wird mit einem Vermisstenfall betraut: Victoria Sommer, eine der drei Gründerinnen der "Smooth Sisters".

Der zweite Fall des ungleichen Geschwisterpaares Holger Brinks, leitender Kommissar der Mordkommission, und sein Bruder Charlie, ein pfiffiger, aber im Leben weniger erfolgreicher Privatdetektiv, ist für Liebhaber des humorvollen Krimijargons ein Muss. In ihrem zweiten gemeinsamen Fall, der sich am Anfang der Handlung nicht als gemeinsamer Fall darstellt, müssen die beiden ungleichen Brüder zwei unterschiedliche Vermisstenfälle lösen. Der eher biedere Familienmensch Holger bekommt von seiner Vorgesetzten den Auftrag eine Vermisste Frau zu finden. Diese Frau ist eine von drei „erfolgreichen“ Schwestern, die sich mit dem Modegetränk Smoothie ihren Reichtum finanzieren. Während sein Bruder Charlie den Auftrag hat, einen erfolgreichen ebenfalls verschwunden Anwalt zu finden. Beide Brüder ermitteln zunächst unabhängig voneinander bis sich mehr zufällig ihre Wege bei den Ermittlungen kreuzen. Aus den Vermisstenfällen werden im Laufe der Handlung Mordfälle, die sie dann gemeinsam versuchen aufzuklären. Als lustige und für die beiden Brüder „verschärfte“ Nebenhandlung taucht ihre verwitwete Mutter auf, die sich von den beiden Brüdern ihre vierte Hochzeit gestalten und finanzieren lassen will. Dieser mehr als merkwürdige Auftritt der Mutter Anita mit ihrem knackigen kolumbianischen Lover Rodrigo, ein Rodeo-Reiter, verleiht diesem Buch einen einfach königlichen Humor.

Eine rundherum gelungene Satire mit Krimiinhalten. Wer den doppelten Spaß sucht, sollte sich auch das gleichnamige Hörbuch, gesprochen von Christoph Maria Herbst, anschaffen. Für Krankenhaus- und Gemeindebüchereien geeignet.

Signatur: SL
Schlagworte:
Krimi
Bewertung: +++
Rez.: Claudia Heinisch

Winawer, Melodie: Die Liebenden von Siena. Roman. Dt. von Marion Balkenhol. Berlin: List 2018. 526 S. ; 21 cm. Aus d. Amerikan. ISBN 978-3-471-35158-1, kt.: 16,00 €

Spannender historischer Roman, der in Siena im 14. Jahrhundert spielt. Durch eine Zeitreise wird eine New Yorker Neurochirurgin an diesen Schauplatz versetzt.

Die New Yorker Neurochirurgin Beatrice Trovalto fliegt nach Siena, um den Nachlass ihres plötzlich verstorbenen Bruders Ben zu verwalten. Ben war Historiker und hatte sich intensiv mit dem Ausbruch der Pest im 14. Jahrhundert in Siena befasst. Dabei ist er anscheinend auf etwas gestoßen, das aus Sicht seiner Anwälte lieber unerforscht bleiben sollte. Beatrices Neugier ist geweckt. Welche Rolle spielten die Medici bei der ungewöhnlich intensiven Ausbreitung der Pest in Siena? Auf einem Kirchenfresko entdeckt Beatrice ein Porträt von sich selbst und wacht im mittelalterlichen Siena auf. Hier begegnet sie dem Maler Accorsi und verliebt sich in ihn. Dann bricht die Pest aus … . Der erste historische Roman einer Professorin für Neurologie ist bildreich, flüssig und spannend mit unerwarteten Wendungen geschrieben. Die Charaktere wirken lebendig und überzeugend. Durch das Mittel der Zeitreise gelingt es der Autorin, zwei Welten miteinander zu verbinden, ohne dass es konstruiert wirkt. 

Für Liebhaber historischer Stoffe, die ein Eintauchen in die mittelalterliche Welt Italiens fasziniert.

Signatur: SL
Schlagworte:
Italien | Mittelalter | Zeitreise
Bewertung: ++
Rez.: Anke Märk-Bürmann

C Christlicher Glaube, Religionen, religiöse Weltanschauungen

Westphal, Hinrich C. G.: Die Seele geht zu Fuß. Erlebnisse und Weggedanken. Gießen: Brunnen 2018. 140 S. ; 17 cm. ISBN 978-3-7655-0990-2, geb.: 10,00 €

Kleine Anekdoten und Geschichten aus dem Leben des Autors.

Der 1944 geborene Autor, durch den Verein „Andere Zeiten“  bzw. den Kalender „Der andere Advent“ bekannt, reiht in diesem handlichen Büchlein kleine Begebenheiten aus seinem Leben auf. So erzählt er von den ersten Schreibversuchen seiner Kindheit, davon, wie er als Student in den engeren Kreis um Helmut Thielicke gelangte, vom Heiligen Abend als Seelsorger im Gefängnis und wie die Aktion „Sieben Wochen ohne“ entstand, von Begegnungen im Taxi, dem Start des Vereins „Andere Zeiten“ und auch von den Herausforderungen des Älterwerdens. Zwischen den Zeilen ist der Stolz auf das Erreichte, Geschriebene und Gepredigte bisweilen sehr deutlich zu spüren. Unter die zwei-, dreiseitigen Texte, die sich auch einzeln lesen oder vorlesen lassen,  mischt der Autor eigene Gedichte und verweist immer wieder einmal auf Liedverse, die ihm wertvoll geworden sind.

Bei Interesse an der Person des Autors, einzelne Texte auch als Gesprächsimpulse gerade für ältere Menschen (jedoch normale Schriftgröße).

Signatur: Cp
Schlagworte:
Anekdoten | Geschichten | Alter
Bewertung: +
Rez.: Griet Petersen