Newsletter „Bücherei" 09/2019

Liebe Büchereimitarbeiterin! Lieber Büchereimitarbeiter!

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Langsam zieht der Herbst ins Land. Lesezeit! Im Kinderbuch geht es bereits herbstlich bunt (gemischt) zu: Mit Hund Toto kehren wir nach Oz zurück, mit Joris besuchen wir das Naturkundemuseum und Emma und Oskar nehmen uns schon mal mit ins Gastland der diesjährigen Buchmesse: Norwegen. Die Bücher für Erwachsene sind diesmal vor allem dem starken Geschlecht gewidmet: In „Die Damen des Hauses“ gründen vier rüstige Frauen eine WG; in „Mörder unbekannt verzogen“ begibt sich Postbotin Daphne aus Täterjagd; Barbara Pym nimmt uns in „Vortreffliche Frauen“ mit ins London der Nachkriegsjahre, wo die patente Mildred ihr Leben neu überdenkt; „Bella Ciao“ schließlich erzählt die Geschichte zweier Frauen vor dem Hintergrund der italienischen Geschichte des frühen 20. Jahrhunderts.

Einen spannenden Lese-Herbst wünscht

Ihr Eliport-Team

P.S. Haben Sie im Urlaub ein deutschsprachiges Buch gelesen hat, das Sie nachhaltig beeindruckt hat und über dessen Themen Sie immer mal wieder nachdenken? Und ist es in diesem Jahr erschienen? Dann wäre es das perfekte Buch, um für den Evangelischen Buchpreis 2019 vorgeschlagen zu werden!

 

Bewertung:

+++      = hervorragend
++        = gut
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Jm 1 Bilderbücher

Jetzt sind wir einfach glücklich. Vorlesegeschichten. Marjaleena Lembcke. Ill. von Claudia Burmeister. Wien: Nilpferd 2019. O. Pag. : überw. Ill. ; 28 cm. ISBN 978-3-7074-5224-2, geb.: 19,95 €

11 kleine Geschichten aus dem Alltag eines Vorschulkindes.

Lotti kommt bald in die Schule, ihr kleiner Bruder Max geht in den Kindergarten. Sie erzählt von ihrem Alltag: „Wenn wir im Zoo sind", „Wenn ich Oma besuche", „Wenn ich traurig bin". Es geht dabei nicht um spektakuläre Ereignisse mit großer Spannung, sondern einfach um die Welt und die Gefühle dieses kleinen Mädchens, das morgens manchmal mit dem falschen Fuß aufsteht, eine tote Hummel im Sandkasten findet oder mit seiner Freundin ein Picknick macht. Und wenn sie abends Angst hat, sind die Eltern nur kurz bei den Nachbarn und kommen gleich nach Hause. Sehr „traditionell" die Rollenverteilung der Geschlechter: Oma backt und erzählt Märchen, Mama bleibt zuhause, wenn Lotti krank ist, und ist ihre wichtigste Gesprächspartnerin, der Vater kommt abends von der Arbeit. Einfühlsam zeigen die großen Illustrationen, was Lotti erlebt und wie es ihr ums Herz ist. Da sitzt etwa die schlechte Laune als kleines Monster im Schrank, oder der aufbrausende Nachbar steht als brüllender Löwe im Raum.

Zum Vorlesen für Kinder im Kindergartenalter, auch abends vor dem Einschlafen.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Gefühle | Alltag
Bewertung: ++
Rez.: Griet Petersen

So lebt das Eichhörnchen. Eine Bilderreise durch den Wald. Sandra Noa. Fotos von Frank Hecker u.a. Münster: Coppenrath 2019. O. Pag. : überw. Ill. ; 21 cm. ISBN 978-3-649-63065-4, geb.: 10,00 €

Ein Sachbilderbuch über das Leben des Eichhörnchens während der verschiedenen Jahreszeiten.

Wenn der Frühling kommt, dann werden auch die Eichhörnchen munter und toben in den Bäumen unserer Parks, Wälder und Gärten herum. Mit vielen schönen und außergewöhnlichen Fotos illustriert die Autorin ihr Buch über das Leben der Eichhörnchen, und macht es so auch für kleine Leser interessant. Angefangen vom Nestbau und der Aufzucht der Jungen erklären kurze, kindgerechte Texte, wovon sich Eichhörnchen ernähren, warum sie so gute Kletterer sind und woher überhaupt ihr Name stammt. Dank kräftiger Hinterbeine können erwachsene Tiere fast fünf Meter weit springen und sie fressen bis zu 100 Nadelbaum-Zapfen pro Tag. Im Winter wachsen dem Eichhörnchen sogar unter den Fußsohlen wärmende Haare, damit es sich auf dem Weg zu seinen Vorräten, die es im Herbst sorgfältig vergraben hat, nicht die Füße verkühlt. Das Buch hat einen robusten Einband aus Pappe und enthält neben faszinierenden Fotos erstaunliche und lustige Details aus dem Leben der kleinen Tiere, die wir alle schon einmal beobachtet haben.

Das Sachbilderbuch überzeugt sowohl inhaltlich als auch optisch und eignet sich hervorragend für Kitas, Schulbüchereien von Grundschulen oder für Zuhause.

Signatur: Jn
Schlagworte: Eichhörnchen | Wald | Natur
Bewertung: +++
Rez.: Heike Nickel-Berg

Straaten, Harmen van: Joris puzzelt einen Dino. Dt. von Rolf Erdorf. Stuttgart: Freies Geistesleben 2019. O. Pag. : überw. Ill. ; 29 cm. Aus d. Niederländ. ISBN 978-3-7725-2884-2, geb.: 16,00 €

Der Alleskönner und Besserwisser Joris kommt einmal an seine Grenzen.

Joris ist nicht gerade ein Sympathieträger. Der Hänfling mit der großen runden Brille weiß alles, gewinnt überall und fühlt sich in allem als Experte. Für die Kinder in seiner Klasse ist das anstrengend, besonders wenn er mal wieder unaufgefordert sein Wissen ausbreitet und sie nicht zu Wort kommen lässt. Als ein Besuch im Naturkundemuseum ansteht, doziert er über Dinosaurier. Um noch mehr glänzen zu können, lässt er sich über Nacht im Museum einschließen. Doch als seine Klasse eintrifft, hat Joris ein großes Chaos bei den Dinos angerichtet. Die Kinder finden es lustig und die Lehrerin redet ihm ins Gewissen: „Joris, seh’s (sic!) einfach ein, man kann nicht der Beste in allem stets sein. Ein wahrer Meister ist man dann, gibt man zu, was man nicht kann!“ Nicht alles kann einem mühelos gelingen! Kleinen Lesern und Hörern wird diese Lektion mit ungewöhnlichen Bildern und gereimtem Text schmackhaft gemacht – und mit einem „Helden“, der ihnen durch sein Scheitern näher kommt.

Für Kinder von 4 bis 10 geeignet, auch als guter Aufhänger für Gespräche über Besserwisserei, Angeben und die Mühe, die man in manche Dinge stecken muss.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Zusammenleben | Angeberei | Dinosaurier
Bewertung: ++
Rez.: Kerstin Wohne

Wollen wir tauschen? Sandra Ladwig. Ill. von Dorothea Tust. München: Mixtvision 2019. O. Pag. : überw. Ill. ; 32 cm. ISBN 978-3-95854-094-1, geb.: 14,90 €

Bilderbuch über das Tauschen der liebsten kindlichen Besitztümer.

Tona und Pauli kennen sich seitdem sie Babys sind. Sie sind Freunde und haben schon immer alles geteilt. Seit sie etwas älter sind lieben sie es, fair und gerecht zu tauschen. Sei es die liebste Sammelkarte, die coolsten Hosen, das Lieblingsbutterbrot, das beste Kuscheltier oder auch den ältesten oder jüngsten Bruder. Bis sie ihren sehnlichsten Wunsch tauschen. Jetzt wissen sie zwar, dass sie etwas getauscht haben, aber was war das nur? Da hilft auch alles Suchen und Durchwühlen der Schubladen nichts.Ein neues Buch von Sandra Ladwig, liebevoll mit großen, ansprechenden Bildern illustriert von Dorothea Tust.

Sehr geeignet für Kindergartenkinder. Das Buch kommt mit wenig Text aus und ist mit bunten Bildern liebevoll illustriert.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Freundschaft | Kinderalltag
Bewertung: ++
Rez.: Christine Helming

Ju 1 Erzählungen für das erste Lesealter (6-8 Jahre)

Knutsen: BOB18 und das Schwein namens Donnerstag. Ill. von Michael Vogt. Hamburg: Oetinger 2019. 59 S. : Ill. ; 22 cm. (Lesestarter ; 3. Lesestufe). ISBN 978-3-7891-1066-5, geb.: 8,00 €

Zweitlesertext, der der Handlung des Minecraft-Computerspieles folgt. Bob18 sieht sich in einer fremden Welt diversen Kreaturen gegenüber.


Hauptfigur Bob18 wacht auf einer einsamen Insel auf und kann sich an nichts erinnern. Um ihn herum eine eckige Welt. Frustriert über seine missliche Lage möchte er sich ein Baumhaus samt Bett bauen, wird aber alsbald von einem sprechenden Schwein namens Donnerstag eines Besseren belehrt. Priorität hat jetzt die Herstellung eines Schwertes, denn es droht der Angriff von Zombies, Skeletten oder Riesenspinnen. Willkommen in der Welt von Minecraft.
Während im gleichnamigen Computerspiel kein festgelegtes Spielziel existiert, taucht in dieser Geschichte aus der Reihe Lesestarter der explizite Wunsch nach einem Bett immer wieder auf. Ansonsten folgen Handlung und Figurenzeichnung aber der digitalen Vorlage. Kinder, die noch Schwierigkeiten mit dem Lesen haben und Fans von Minecraft sind, werden möglicherweise von Geschichte und Bildern angesprochen. Das Bauen und Erkunden nimmt hier aber gegenüber der Abwehr von Angriffen deutlich weniger Raum ein.

Zur Unterstützung der Lesemotivation ab Klasse 3.

Signatur: Ju 1 | Ju 2
Schlagworte: Minecraft | Abenteuer
Bewertung: +
Rez.: Anna Winkler-Benders

Maar, Paul: Der kleine Troll Tojok. Hamburg: Oetinger 2019. 59 S. : Ill. ; 24 cm. (Vor-Lesestarter). ISBN 978-3-7891-1041-2, geb.: 8,00 €

Der kleine Troll Tojok spricht alle Tiersprachen und befragt die Tiere des Waldes nach ihrem Lieblingsessen.

Der Trolljunge Tojok lebt mit seiner Mutter in einem gemütlichen Trollhaus am Rande des großen Berges. Der Vater ist meist auf der Suche nach Edelsteinen mit anderen Trollen unterwegs. Grüne Haare, spitze Ohren, eine dicke Knollnase und die Gabe, die Sprache der Tiere zu sprechen und zu verstehen, so hat Paul Maar seinen kleinen Troll ausgestattet. Als Tojok seiner Mutter im Haushalt hilft, darf es sich ein Abendessen wünschen. Ratlos deswegen befragt er die Tiere seiner Umgebung nach ihren Lieblingsessen. Am Ende der kleinen Reise weiß er, was er sich wünschen soll: Eierpfannkuchen.
Maar hat das Buch selbst illustriert. Es ist mit didaktischen Hinweisen zur dialogischen Arbeit mit dem Buch ausgestattet. Einige Sprachspiele, etwa die Verdrehung der Buchstaben im Namen Tojok, ein Biber, der reimt, die Verwechslung von Beeren und Bären, helfen nicht darüber hinweg, dass das Buch betulich und nicht gerade spannend zu lesen ist.

Vorlesebuch mit Anregungen zum Sprechen über das Gelesene und die eigene Welt. Kindertagesstätte, Vorschule.

Signatur: Ju 1
Schlagworte:
Troll | Waldtiere | Familie
Bewertung: +
Rez.:
Gesine Meerheimb

Ju 2 Erzählungen für das zweite Lesealter (9-12 Jahre)

Morpurgo, Michael: Toto - Auf vier Pfoten zum Zauberer von Oz. Ill. von Emma Chichester Clark. Dt. von Anne Braun. Zürich: Woow 2019. 246 S. : Ill. ; 27 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-96177-038-0, geb.: 19,00 €

Die Geschichte vom Zauberer von Oz aus der Sicht des kleinen Hundes Toto.

Toto, der kleine Hund von Dorothy, der selbst in der Geschichte „Der Zauberer von Oz“ vorkommt, erzählt seinen Hundekindern, was er damals erlebt hat – damals, als die Geschichte mit dem Zauberer von Oz passierte. Durch einen Sturm werden Dorothy und Toto in das Märchenland von Oz geweht. Dort finden sie sich plötzlich zwischen bösen und guten Hexen, geflügelten Affen, wundersamen Blumen, Ungeheuern und anderen fabelhaften Wesen wieder. Nur zu gern möchten Dorothy und ihr treuer Begleiter wieder nach Hause reisen; aber dafür brauchen sie die Hilfe des mächtigen Zauberers von Oz. Und den wiederum werden sie nur finden, wenn sie der gelben Ziegelstraße bis zur Smaragdstadt folgen. Dorothy und Toto müssen viele Abenteuer bestehen, bis sie endlich am Ziel sind, und selbst dann stehen ihnen noch einige Überraschungen bevor.
Die Geschichte ist gut und kindgerecht nacherzählt und teilweise zusammengefasst; leider wurde der Schluss gegenüber der Originalgeschichte geändert, vermutlich, um die Geschichte zu straffen. Die Illustrationen gefallen mir sehr gut, sie sind farbenfroh, sehr anschaulich und unterstreichen den Text in guter Weise.

Empfehlenswert für Kinder ab 7 Jahren zum Vorlesen, ab 9 Jahren zum Selberlesen. Macht vermutlich neugierig auf das Original. 

Signatur: Ju 2
Schlagworte:
Märchen | Abenteuer | Fantasie
Bewertung: ++
Rez.:
Margot Haffke

Nagelhus, Helene: Immer was los bei Emma und Oskar. Ill. von Karin Lindermann. Dt. von Annika Ernst. München: Dt. Taschenbuch Verl. 2019. 298 S. : Ill. ; 22 cm. Aus d. Norw. ISBN 978-3-423-76258-8, geb.: 12,95 €

Emma und Oskar auf ihrem Bauernhof Eiktun in Norwegen - fast wie in Bullerbü!

„Immer was los" - der Titel ist Programm! Auf dem Bauernhof von Emma und Oskar (der auf dem Cover verdächtig nach den roten Häuschen in Bullerbü aussieht) geht es tatsächlich – sagen wir: lebhaft zu. Die neunjährigen Zwillinge leben hier mit den Eltern und der Oma und dem kleinen Bruder, in wunderbarer Natur und großem Glück. Und jeden Tag passiert etwas Neues, das Abenteuerlichste von allen vielleicht gleich am Anfang, als die beiden ein verlassenes Fuchsjunges finden und es gleich auch mitnehmen, wenn sie schon keinen Hund halten dürfen! Tiere sind die große Leidenschaft der beiden (und ganz sicher auch der jungen Leser), und so handeln viele ihrer Erlebnisse von Hunden, von Lämmern, die zur Welt kommen, von wild lebenden Vögeln, deren Eier jemand klaut … Ein wunderbar spannendes Buch, in dem sich aus dem einfachen Leben und Alltag in der Natur Ereignis an Ereignis im Jahreslauf reiht, unbeschwert, heiter, ohne Probleme. Kinder zwischen 8 und 11 werden es lieben!

Gut geeignet für Schulbibliotheken - für Leser ab 9, die nicht vor dem Umfang von 300 Seiten scheuen; die episodenhafte Struktur ermöglicht Lesen mit Pausen.

Signatur: Ju 2
Schlagworte:
Bauernhof | Tiere | Natur
Bewertung: ++
Rez.:
Astrid van Nahl

Ju 3 Erzählungen für Jugendliche ab 13 Jahren

Lystad, Mina: Zu cool, um wahr zu sein. Dt. von Karoline Hippe. Ravensburg: Hummelburg 2019. 221 S. ; 22 cm. Aus d. Norw. ISBN 978-3-7478-0004-1, geb.: 12,99 €

Über Nacht berühmt und beliebt werden - wer hätte das je für möglich gehalten bei der viel zu normalen Marie ...

Unvermittelt beginnt Maries neues Schuljahr mit einem Sozialkunde-Projekt, wie man sich für die digitale Zukunft rüstet: Jeder soll etwas auf die Beine stellen, was zu einem Internetphänomen werden kann, sprich: wie man in den sozialen Medien beliebt wird, Likes ergattert. Nicht einfach für Marie, obwohl ihre Mutter anerkannte Bloggerin ist. Aber dann stellt sie ein von ihrem Freund gedrehtes Video ein, das ihre Schönheit einfängt – und Marie klettert auf der Beliebtheitsskala rasant nach oben. Aber dann geht es plötzlich auf Kosten von Heddy, ihrer besten Freundin ... Mina Lystad geht das Thema soziale Medien unter diversen Blickwinkeln an, zeigt Chancen wie Unzulänglichkeiten, kontrastiert geschickt virtuelle und echte Beliebtheit – ein Lernprozess auch für den Leser, denn fiktionale Erzählungen vermitteln bestimmte Wahrheiten oft besser als reine Fakten; allerdings wirkt das Buch hier und da problemüberfrachtet und könnte diesen Effekt damit beim Leser wieder zunichte machen.

Generell sehr zu empfehlen für alle Bibliotheken an weiterführenden Schulen; auch für den Sozialkundeunterricht.

Signatur: Ju 3
Schlagworte: soziale Medien | Freundschaft
Bewertung: ++
Rez.: Astrid van Nahl

Nuyen, Jenny-Mai: Die Töchter von Ilian. Roman. Frankfurt: Fischer TOR 2019. 651 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-596-29997-3, kt.: 16,99 €

Fantasyroman über die Suche nach der verlorenen Magie für eine bessere Welt.

Einst wurde das Leben auf der Welt von den vier magischen Artefakten bestimmt: ein Becher zur Bewahrung der Vergangenheit, ein Spiegel zur Selbsterkenntnis, eine Flöte, um mit den Tieren zu sprechen und eine Sternenscheibe für den Blick in die Zukunft. Vier Artefakte, deren Macht durch Verschenken vergrößert, durch Behalten aber verkleinert wurde. Mit ihrer Hilfe regierten einst die weisen Frauen das Land. Aber die auch Iliaden genannten Artefakte wurden den weisen Frauen genommen und sind seitdem verschollen.Doch dann trifft die junge Zwergin Walgreta bei einem Fest den den Elfen Fayami, der damit beauftragt wurde, die Iliaden zu suchen. Gemeinsam machen die beiden sich auf den Weg zu einer besseren Welt ...

Der Fantasyroman ist spannend und fantasievoll geschrieben, aber er enthält auch sehr viele ebenso langatmig wie grausam beschriebene Kämpfe; auch die Vielzahl der beschriebenen Charaktere könnte überfordern. 

Signatur: Ju 3
Schlagworte: Fantasy | Liebe | Magie | Frieden
Bewertung: +
Rez.: Caroline Peter

Theisen, Manfred: Rot oder Blau - Du hast die Wahl. Roman. München: cbt 2019. 379 S. ; 19 cm. ISBN 978-3-570-31285-8, kt.: 9,99 €

Gesellschaftskritischer Jugendroman über Wahlen in Zeiten von Fake News und sozialen Medien.


Jakob ist vor einiger Zeit zu der neunten Klasse dazugekommen, mit der er gerade eine Projektfahrt macht. Die Schülerinnen und Schüler sollen auf dieser Fahrt Demokratie lernen, indem ein amerikanischer Präsidentschaftswahlkampf nachgestellt wird: Republikaner gegen Demokraten, dafür stehen die beiden Farben im Buchtitel. Jakob merkt schnell, dass er vor einer Gewissensentscheidung steht: Folgt er Max, der ihn in seine Clique aufgenommen hat, der aber auch mit unfairen Mitteln kämpft? Was Manfred Theisen hier inhaltlich entwickelt, ist durchaus spannend und eng an Strategien Donald Trumps angelehnt. Die Ausgangssituation allerdings wimmelt allzu sehr von Klischees: Vom rücksichtslosen Instagram-Influencer bis zur dürren Streber-Lachfigur wird alles aufgefahren, was geht. Theisen stellt zudem unfreiwillig zur Schau, dass er wenig Ahnung von aktueller Jugendsprache hat - so wird beispielsweise „du Honk" als Beleidigung bis zur Nervensägerei überstrapaziert.

Mit Einschränkungen empfohlen ab 14 Jahren. Für Veranstaltungsarbeit auszugsweise nutzbar.

Signatur: Ju 3
Schlagworte:
Demokratie | Manipulation | Freundschaft
Bewertung: +
Rez.:
Marcel Lorenz

Wagner, Antje: Hyde. Roman. Weinheim: Beltz & Gelberg 2018. 406 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-407-75435-6, geb.: 17,95 €

Die Wahrheit liegt irgendwo verborgen in verdrängten, düsteren Erinnerungen, die nun an die Oberfläche dringen ...

Alte, verwahrloste, dem Verfall überlassene Häuser in abgeschiedenen Regionen (vorzugsweise Wäldern) scheinen eine ungeheure Faszinationskraft auszustrahlen, die dort befindlichen Geheimnisse zu lüften. So ist es nicht verwunderlich, dass das Haus als Ort des Grauens ein beliebtes Motiv in der Kinder- und Jugendliteratur darstellt, da es für Spannung bei den Lesern sorgt. Auch in Ante Wagners bedrückend erzähltem Roman „Hyde" ist dies der Fall. In einem heruntergekommenen Haus mitten im Wald findet die umherwandernde Tischlergesellin Katrina, die stets mit einem Tuch vor dem Mund in der Öffentlichkeit auftritt, ein vorläufiges Zuhause. Merkwürdige und fremdartige Geräusche dringen nachts aus einem abgeschlossenem Zimmer, die nicht nur bei Katrina, sondern auch beim Leser wohlige Gänseschauer auslösen. Was befindet sich in diesem Raum? Warum hat Katrina nur bruchstückhafte Erinnerungen an ihr bisheriges Leben? Was hat es mit dem Tuch auf sich?

Die Sogwirkung des Romans speist sich aus der kontinuierlichen Rätselspannung und der düsteren Atmosphäre, die durch die sprachliche Raffinesse der Autorin erzeugt wird. Für alle Mystery-Fans ab 15 Jahren.

Signatur: Ju 3 | SL
Schlagwoorte: Spukhaus | Mystery | Kindesentführung | Traumabewältigung
Bewertung: ++
Rez.:
Inger Lison

SL Romane, Erzählungen, Dramen, Lyrik

Chatwin, Thomas: Mörder unbekannt verzogen. Ein Cornwall-Krimi. Hamburg: Rowohlt Polaris 2019. 301 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-499-27687-3, kt.: 14,99 €

Ein leichter Krimi, der in Cornwall spielt und die Hauptperson auf der Suche nach einem Mörder auf ihrem Wege zum gelingenden Ende begleitet.

Thomas Chatwin, ein Freund der Landschaft Cornwalls und damit seines  persönlichen literarisches Vorbildes, Rosamunde Pilcher, die ihn oft die Sonntagabende am Fernsehschirm verbringen lässt, versucht mithilfe sehr guter Kenntnis von Gegend und Menschen seine Postbotin Daphne wieder auf Verbrecherjagd zu senden. Ihr gelingt es natürlich mithilfe ihres Mannes Francis den Mörder dingfest zu machen, die Polizei kann nur erstaunt zuschauen. Apart wirkt dabei die Lippen lesende Daphne, die so manches aus der Entfernung erkennt. Dieses Buch lässt sich sehr schnell und unkompliziert lesen, literarische Hinweise zu Beginn eines jeden Kapitels übertünchen nur unzureichend die sehr einfach gestrickte Handlung ohne kriminalistischen oder anderen Tiefgang. Dafür erhält der Leser am Ende durchaus interessante geographische und kulinarische Hinweise auf Cornwall, diese sind lesenswert, auch ohne die Krimivorlage.

Das Buch könnte in sehr gut genutzten Krimiabteilungen einen Platz finden.

Signatur: SL
Schlagworte:
Cornwall | Mord | Detektivin | Sommer
Bewertung: +
Rez.:
Kurt Triebel

 

Gardam, Jane: Bell und Harry. Roman.  Dt. von Isabel Bogdan. München: Hanser Berlin 2019. 187 S. ; 21 cm. Aus d. Engl.ISBN 978-3-446-26199-0, geb.: 20,00 €

Ferien und Freundschaften auf dem abgelegenen, bäuerlichen Land in Yorkshire.

Die englische Autorin, in Deutschland mit ihrer Trilogie über „Old Filth“ populär geworden, hat ihren Roman bereits 1981 geschrieben. Darin setzt sie ihrer Heimat, dem „hohlen Land“, das seinen Namen früherem Bergbau verdankt, ein ebenso poetisches wie anschauliches Denkmal. Eine Londoner Familie sucht Zuflucht vor Lärm und Hektik in dieser kargen Gegend und mietet sich für viele Sommer im alten Bauernhaus der Familie Teesdale ein. Zwischen dem Stadtkind Harry und dem Bauernsohn Bell entsteht eine dauerhafte Freundschaft; gemeinsam durchstreifen sie das einsame Land und werden, ähnlich wie Tom Sawyer und Huckleberry Finn, einmal in einer Höhle eingeschlossen. Abgesehen von solchen Zwischenfällen fließt die Handlung behäbig dahin, denn das Leben dort ist beschaulich, die Menschen skurril und eigenbrötlerisch, aber gänzlich ohne Falsch und Tücke. Gardams Schilderungen lassen eine Landschaft und einen Menschenschlag lebendig werden, weitab von allem, was modernes Leben ausmacht.

Romantisch, ein wenig ironisch und auch in der Übersetzung von großer sprachlicher Qualität dürfte dieser kleine Roman vielen Lesern gefallen.

Signatur: SL
Schlagworte:
Provinz | Ferien | Einsamkeit | einfaches Leben
Bewertung: +++
Rez.: Barbara von Korff-Schmising

Pym, Barbara: Vortreffliche Frauen. Roman. Dt. von Sabine Roth. Köln: DuMont 2019. 348 S. ; 21 cm. Aus d. Engl.ISBN 978-3-8321-8382-0, geb.: 20,00 €

Das geruhsame Leben der patenten Mildred wird von einem jungen Paar auf den Kopf gestellt.

London, Ende der 40er Jahre: Mildred - Ende 20, hilfsbereit, gläubige Anglikanerin und Single - teilt ihr Leben zwischen der Arbeit in einer Stiftung für bedürftige Damen und ihrer Gemeinde auf. Unverdrossen schmückt sie Kirchräume, organisiert eine nie enden wollende Zahl von Basaren, kocht Tee vor Sitzungen, spült danach ab und spricht auf Geheiß des Pfarrers immer mal wieder „ein Wörtchen“ mit potentiellen KirchenbesucherInnen. Eine sehr patente, brauchbare und nicht sehr aufregende „vortreffliche Frau“ also. Als in ihr Haus ein charmanter Marineoffizier nebst unkonventioneller Gattin einzieht und ihr Pfarrer, der bisher dem Zölibat anhing, den Reizen einer attraktiven Neuzugezogenen erliegt, stellen sich plötzlich Fragen: Muss sie immer parat stehen, wenn andere ihre Hilfe in Anspruch nehmen wollen oder kann sie auch einfach mal tun, wonach ihr ist? Findet sich für sie vielleicht doch noch ein Mann? Und wenn ja, würde sie diesen überhaupt wollen?

Ein Roman, der mit Sätzen voller Esprit aufwartet. Amüsante und interessante Einblicke ins englische Gemeindeleben und in eine Zeit, in der Rollenzuschreibungen mehr oder weniger vorsichtig in Frage gestellt wurden, machen aus dem leicht und unterhaltsam zu lesenden Roman einen kleinen Genuss. 

Signatur: SL
Schlagworte:
London | Nachkriegszeit | Frauen | Rollenbilder
Bewertung: +++
Rez.:
Wiebke Mandalka

Reichlin, Linus: Keiths Probleme im Jenseits. Roman. Köln: Galiani Berlin 2019. 253 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-86971-191-1, geb.: 20,00 €

Wenn Männer 60 werden und in ihrer Seele Rock´n´Roller sind, werden irrwitzige Wünsche zu einer Chance auf Leben.

Ich habe immer wieder laut gelacht. Es ist ein witziges Buch, das tiefsinnig und leichtfüßig daherkommt, einen Blick in die alternde Männerseele gewährt, der schonungslos mit Eitelkeiten und Illusionen umgeht. An der Endstation des Lebenszuges bleibt nur noch der Umstieg in die Holzkiste, da wartet kein Porsche und keine schöne junge, viel zu junge Frau. Nein. Der Tod ist bitter wie das Bewusstsein, dass nach der 60 höchstens noch 20 Jahre kommen und die, davon geben die ersten Alterszeichen beredt Zeugnis, verheißen auch nicht, die besten zu werden. Linus Reichling überrascht mit diesem Buch. Es ist ein gelungener Versuch, den nahenden Tod auszulachen. Keith Richards Tod und Auferstehung sind der hilfreiche Plot, anspielungsreich das Vergehen der Idole zu parodieren. Was wäre denn, wenn so ein alter Knacker wieder leben würde, nachdem er tot ist? Wohin mit ihm? Für seine Leibärztin wäre es ein Grauen. Für ihn selbst auch? Dann bleibt nur postmortales Frieren in den Tropen.

Für Rockmesse und ihren alternden Musiker zur Lektüre empfohlen.

Signatur: SL
Schlagworte: Mann | Potenz | Träume | Tod
Bewertung: ++
Rez.: Christiane Thiel

Romagnolo, Raffaella: Bella Ciao. Roman. Dt. von Maja Pflug. Zürich: Diogenes 2019. 516 S. ; 19 cm. Aus d. Ital.ISBN 978-3-257-07062-0, geb.: 24,00 €

Liebe und Lebensträume zweier starker Frauen eingebettet in die italienische Geschichte des frühen 20. Jahrhunderts.

Ein Jahr nach dem Ende des 2. Weltkriegs kehrt Giulia Masca als vermögende alte Dame in das ärmliche piemontesische Städtchen Borgo di Dentro zurück, das sie als junge Frau verlassen hat. Kurz vor ihrer Hochzeit hatte ihre Jugendliebe Pietro Ferro sie mit ihrer innig geliebten Freundin Anita Leone betrogen. Zutiefst verletzt schiffte sich das mittellose, schwangere Mädchen Hals über Kopf nach Amerika ein und fand dort sein Glück, während das Leben der Menschen in Borgo di Dentro durch die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen aus den Fugen geriet. Mitreißend erzählt Raffaella Romagnolo vom wechselvollen Schicksal der Familien Ferro und Leone im kleinen Borgo di Dentro vor dem Hintergrund der Wirren der italienischen Geschichte vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis zum Ende des 2. Weltkriegs. Mit Giulia Mascas Rückkehr in ihr Heimatdorf im Jahre 1946 schließt sich der Kreis der Geschichte(n): beide Frauen, Giulia und Anita, finden endlich Frieden und Versöhnung.

Das fesselnde italienisch- amerikanische Epos ist eine gekonnt erzählte, für alle Büchereien geeignete Familien- und Liebesgeschichte mit zeitgeschichtlichem Hintergrund.

Signatur: SL
Schlagworte:
Freundschaft | Liebe | Krieg | Italien
Bewertung: +++
Rez.: Christine Heymer

Scholl, Susanne: Die Damen des Hauses. Roman. Salzburg: Residenz 2019. 245 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-7017-1719-4, geb.: 22,00 €

Vier Frauen schlagen einen unkonventionellen Weg ein und gründen eine gemeinsame WG.

Vier Frauen - eine Wohngemeinschaft. Alle vier im fortgeschrittenen Alter. Da ist zunächst Ella, die Wohnungsinhaberin, die verwitwet und allein in der großen Wohnung lebt. Nach und nach ziehen Rada, die rumänische Pflegekraft, Luise, die verlassene Ehefrau, und Maggie, Ellas jüngere Schwester, zu ihr.  Nach den Kapiteln der Vorstellungsrunde folgen die Kapitel Zusammenleben, Diskutieren, Alt Werden, Vergessen und Weiterleben. Die Autorin Susanne Scholl hat sich hier eine wunderbare Reihenfolge der Kapitel überlegt und einfühlsam das Thema Älter werden und Lebensbrüche in einem liebenswerten Roman verarbeitet. Migration, Flüchtlinge, Rechtspopulismus und andere Themen lässt die Autorin ihre "Damen" besprechen. Frauen im fortgeschrittenen Alter, die sich mit dem Sinn des Lebens und, wie Ella, mit dem Tod, der Vergesslichkeit und der Demenz auseinandersetzen. Natürlich wollen alle alt und älter werden, aber Ella sagt „Wenn du nicht alt werden wolltest, hättest du jung sterben müssen.“

Für Leserinnen und Leser, die sich mit dem Sinn des Lebens im Alter auseinandersetzen und dem mit Humor und Ehrlichkeit begegnen können. 

Signatur: SL | Fd
Schlagworte:
Altern | Frauen | Sinn des Lebens
Bewertung: ++
Rez.: Andrea Zimmermann

Sveen, Gard: Die stille Tochter. Thriller. Dt. von Günther Frauenlob. Berlin: List 2019. 366 S. ; 21 cm. Aus d. Norw.ISBN 978-3-471-36002-6, kt.: 14,99 €

Spionagenetzwerke aus der Zeit des Kalten Kriegs werden Rückblickend enthüllt. Wer war Feind? Wer Freund?

Der Kriminalroman gewinnt einen Großteil seiner Dramatik dadurch, dass der Autor die Handlung abwechselnd auf zwei Zeitebenen erzählt. Die eine spielt 1982 auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges. Christel Heinze gehört zur Schwimmnationalmannschaft der DDR und ist KGB-Agentin. Bei einem internationalen Wettbewerb in Oslo setzt sie sich von der Mannschaft ab und taucht in den Spionagenetzen der Großmächte unter. Warum? Wer steckt dahinter? Mit wem hat sie zu tun? Sie verschwindet von der Bildfläche. Die zweite Zeitebene spielt 2016. In einem See werden die Reste einer Frauenleiche gefunden. Kurz danach wird der berüchtigte Doppelagent Arvid Storholt ermordet. Tommy Bergmann ermittelt für den norwegischen Geheimdienst. Immer dann, wenn auf der einen Zeitebene sich Lösungen abzeichnen, wechselt der Autor auf die andere. Der Ermittler versucht die Ereignisse um1982 zu rekonstruieren, die auf der anderen Zeitebene spannend dargestellt werden.

Das bis zur letzten Seite spannende Buch wird bei Krimifreunden gut ankommen.  Für Gemeindebüchereien mit entsprechendem Bedarf zu empfehlen.

Signatur: SL
Schlagworte:
Krimi | Spionage | Spannung
Bewertung: ++
Rez.: Karl Foitzik

F Familie, Ehe, Lebensfragen

Bühre, Paul: Das Jahr nach dem Abi. An alle Leute, die noch keinen Plan haben oder denken, sie hätten einen. Berlin: Ullstein extra 2019. 301 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-86493-063-8, kt.: 18,00 €

Autobiographische Darstellung eines "Work and Travel"-Jahres nach dem Abitur.

Paul hat nach dem Abitur noch viele Fragen an sich und seine Zukunft und entschließt sich daher, ein Jahr an drei Stationen im Ausland zu verbringen. Er macht zunächst Erfahrungen an einer Kung-Fu-Schule in China, unterrichtet dann Kinder in Indien und geht schließlich einem Landbewohner in Schottland zur Hand. Dabei ereilt Paul jedes Mal ein kleiner oder größerer Kulturschock, die Erfahrungen, die er in diesem Jahr macht, sind profund. Wie Paul Bühre (geb. 1998) von seinem Jahr unterwegs erzählt, ist wunderbar. Humorig und doch ernsthaft, lebendig und authentisch. Allerdings muss man dieses Buch seinen LeserInnen empfehlen: Vermarktet wird es offensichtlich als Ratgeber, was es aber eigentlich kaum ist. Vielmehr verhandelt es auf unterhaltsame Weise große Themen wie Interkulturalität und Selbsterkenntnis, aber nie mit erhobenem Zeigefinger oder einem Absolutheitsanspruch - außer vielleicht, das sollte erwähnt werden, wenn sich Bühre kritisch mit Religion auseinandersetzt.

Perfekte Urlaubslektüre für an der Welt und am Leben Interessierte von 16 bis ins Rentenalter. Unbedingt empfehlenswert!

Signatur: Fd
Schlagworte: Reisen | Erfahrungen | Auslandsjahr
Bewertung: +++
Rez.:
Marcel Lorenz

Fraberger, Georg: Erfolgreich lieben. Wie man ein glückliches Paar wird und es bleibt. Salzburg: Residenz 2019. 174 S. ; 23 cm. ISBN 978-3-7017-3467-2, geb.: 22,00 €

Betrachtungen über das Zusammenspiel von Liebe, Körper, Geist und Seele, Fühlen, Denken und Handeln im Miteinander.

Themen des Miteinanders ziehen sich, unterschiedlich gewichtet, durch die Bücher des österreichischen Autors, Psychologen und Dozenten, der in einem Wiener Klinikum arbeitet. Unverkrampft erlaubt er, der ohne Arme und Beine geboren wurde, jeweils Anderen den Blick auf seine Behinderung.- Hier nun nimmt er die Liebe als Zweierbeziehung ins Visier, fügt Fallbeispiele aus seiner Praxis ein. Detailreich belichtet er Facetten und Zusammenhänge, definiert Liebe als Kraft, die Herz, Gefühle, Denken und Handeln beeinflusst, Energie und Orientierung im Leben gibt. Er verdeutlicht, dass Liebe bedingungslos, doch nicht selbstverständlich ist, ein Ausbalancieren zwischen Geben und Nehmen, Nähe und Distanz und gegenseitige Wertschätzung verlangt. Auch „Problemzonen der Liebe“ und Sexualität werden belichtet. Ein „Rezept für die große Liebe“ in 8 Punkten schließt den Band ab. Sie bringen das zuvor in philosophisch-psychologischem Bögen und Details skizzierte Wissen, was Liebe heißt, auf den Punkt.

Flüssig geschrieben, doch breit ausgelotet, birgt das Buch viele Denkanstöße zu gegenseitiger Liebe, zielt so auf intensive Leser, die mehr als schnelle Ratgeber-Information suchen.

Signatur: Fb | Pb 3
Schlagworte: Liebe | Zweierbeziehung
Bewertung: +
Rez.: Heide Germann

Müller, Titus: Einfach mal spazieren gehen. Zürich: Arche 2019. 138 S. ; 20 cm. ISBN 978-3-7160-2779-0, geb.: 14,00 €

Gedanken über das Spazierengehen.

Der Schriftsteller Titus Müller ist eigentlich ein Stubenhocker. Nachdem der Arzt ihm aufgrund von Rückenschmerzen Bewegung verordnet hat, hat er das Spazierengehen für sich entdeckt. In diesem schmalen Bändchen lässt er uns an seinen Gedanken darüber und seinen damit verbundenen Überlegungen für ein bewussteres und entschleunigtes Leben teilhaben. Wie ist es in der Nacht, in der Stadt oder auf dem Land spazieren zu gehen? Mit Kindern spazieren gehen bedeutet, sich an ihrer Neugierde und Entdeckerlust zu erfreuen, aber auch viel mehr Zeit einzuplanen. Spazierengehen am Meer und in den verschiedenen Jahreszeiten, das Ritual des täglichen Spaziergangs bei berühmten Künstlern sowie das gedankliche Spazierengehen beim Schreiben sind Themen, die der Autor streift. Auch kuriose Entdeckungen sind dabei: Bei Untersuchungen zur Laufgeschwindigkeit von Fußgängern steht Deutschland an fünfter Stelle. Das sehr persönlich gehaltene Buch liest sich wie ein Spaziergang. Man kann es in einem Rutsch durchlesen oder in viele kleine „Spaziergänge“ aufteilen.

Für alle Freunde/innen, die sich für Pilgern, Wandern und Unterwegs-Sein interessieren. Aber auch für alle, die die anderen Werke des Autors kennen und mögen.

Signatur: Fd
Schlagworte: Gehen | Schreiben
Bewertung: ++
Rez.: Anke Märk-Bürmann

R Rund um Hobby, Haus und Garten, Sport und Spiel

Mama backt, und ich helf' mit! Kinderleicht backen mit wenig Zutaten. 50 Rezepte und lustige Geschichten . Ill. von Pia von Miller. Rezepte von Melanie Allhoff u.a. Kurzgeschichten von Sandra Grimm. Igling: Ed. Michael Fischer 2019. 126 S. : überw. Ill. ; 24 cm. ISBN 978-3-96093-344-1, geb.: 12,99 €

Klassiker aus der Backstube mit Tipps, wie auch schon kleinere Kinder mithelfen können.

In diesem Backbuch gibt es 50 Rezepte für süßes und herzhaftes Gebäck. Am Anfang werden wichtige Begriffe erklärt und nötige Materialien vorgestellt. Dann geht es los mit sechs Grundteigen, die später als Basis für die unterschiedlichsten Rezepte gebraucht werden. Gut ist, dass versucht wurde, mit möglichst wenig Aufwand und Zutaten auch optisch ansprechende Ergebnisse zu erzielen. Textblasen mit einem Handsymbol geben Tipps, wie schon relativ junge Kinder beim Backen mithelfen können. Die Anweisungen sind alle im gleichen Stil geschrieben, mit sehr kurzen Sätzen. Durch die knappen Formulierungen leidet manchmal auch die sprachliche Genauigkeit. Die Zutaten sind im Text farbig hervorgehoben, sind daneben auch noch mit genauen Mengenangaben abgebildet.  Etwas irritierend fand ich, dass nicht klar ist, wer angesprochen werden soll. Von der Aufmachung und Sprache richtet es sich an Kinder ab ca. 10 Jahre, dafür setzt es aber zu viel Backerfahrung voraus. Die kurzen Geschichten dazwischen sind eher für Kindergartenkinder geeignet.

Wenn Büchereien einen großen Bedarf an Koch- und Backbüchern haben, ist es eine gute Ergänzung. 

Signatur: Ra 2
Schlagworte: Backen | Familie | Kinder
Bewertung: ++
Rez.: Monika Betz

Schei, Bente Helene: Für Yoga ist es nie zu spät. 50 einfache Übungen. Dt. von Ulrike Strerath-Bolz. Fotos von Nicki Twang. München: O.W. Barth 2019. 149 S. : Ill. ; 24 cm. Aus d. Norw. ISBN 978-3-426-29289-1, geb.: 19,99 €

Ein Yoga-Übungsbuch mit sechs abwechslungsreichen Übungsplänen.

Bente Helene Schei ist ausgebildete Yoga-Lehrerin und führt in diesem Buch die Leser*innen durch klassische Yoga-Übungen. Dabei verfolgt sie den Ansatz: Yoga ist einfach, jeder kann Yoga betreiben, an jedem Ort und zu jeder Zeit. Nach einer kurzen Einführung die Philosophie des Yoga, in Sitzstellungen und Atemtechniken und nach kleinen Sicherheitshinweisen, geht es direkt los. Das Buch ist unterteilt in verschiedene Programme: ein kurzes (10 – 20 Minuten) und ein langes Yoga-Programm (60 – 90 Minuten), ein Programm für die Verdauung, eines für Rücken, Nacken und Schultern und eines für Gleichgewicht und Konzentration. Die jeweiligen Übungen sind überwiegend einfach nachzumachen und in Text und Bild gut erklärt.
Grundsätzliche finde ich, dass man Yoga nicht allein erlernen sollte, da gerade zu Beginn noch das Körpergefühl fehlt, das anzeigt, wenn eine Übung nicht korrekt ausgeführt wird. Hier ist eine korrigierende Hand sinnvoll, um Fehler und Verletzungen zu vermeiden. Für Menschen mit leichter Vorerfahrung ist das Buch aber ein guter und ansprechend gestalteter Begleiter im Alltag.

Für Menschen mit Vorerfahrung (Yoga-Grundstufe) ein schöner Begleiter. Das Buch macht Lust auf Yoga.

Signatur: Rb
Schlagworte: Yoga | Atemtechniken | Achtsamkeit
Bewertung: +++
Rez.: Wiebke Mandalka