Newsletter „Bücherei" 12/2018

Liebe Büchereimitarbeiterin!

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Heute erhalten Sie den letzten Bücherei-Newsletter des Jahres. Wieder findet sich hier eine bunte Mischung für Klein und Groß und vielleicht auch noch der eine oder andere last-minute Geschenktipp. Bücher sind immerhin nach wie vor eines der beliebtesten Präsente in Deutschland – aber wem sagen wir das…

Viel Freude beim Verschenken oder Selberlesen!

Ein gesegnetes Weihnachtfest und ein gutes neues Jahr wünscht

Ihr Eliport-Team

 

Bewertung:

+++      = hervorragend
++        = gut
+          = möglich

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Jm 1 Bilderbücher

365 mal Vorlesen. Geschichten und Gedichte für das ganze Jahr. Ill. von Ateliers Hafenstraße. Texte von Dirk Reinhardt, Salah Naoura u.a. Hamburg: Carlsen 2018. O. Pag. : überw. Ill. ; 22 cm. ISBN 978-3-551-51052-5, geb.: 20,00 €

Ein Buch, das mit 365 kunterbunten Geschichten und Gedichten durch das ganz Jahr begleitet.

Dieses kunstvolle Bilderbuch ähnelt einer Schatzkiste mit 365 Geschichten und Bildern für Kinder: Hier tummeln sich Tiere aller Art, Pantoffeltierchen und Wuschelinge krabbeln über die Seiten, Osterhasen, Monster, Drachen und Hexen treiben ihr Unwesen, Detektive sind auf Spurensuche, Kinderträume werden Realität... AutorInnen und IllustratorInnen der Ateliergemeinschaft Hafenstraße in Münster haben gemeinsam dieses Bilderbuch gestaltet. Texte und Bildern sind in Art und Stil sehr unterschiedlich. Mal kurz, mal lang, mal gereimt, mal erzählerisch, mal im Comic-Stil, mal skizzenhaft, mal plakativ und flächig, mal bunt, mal grau - hier kommt jeder auf seine Kosten. Das Buch kann durch die meist kurzen Texte Kinder zum Selbstlesen animieren und lädt ein, ein tägliches Lese- bzw. Vorleseritual für die ganze Familie zu etablieren. Einzige Kritik: Manchen Texten wirken bemüht knapp, was sich beispielweise in holprigen Reimen bemerkbar macht.

Für Familien und in der Veranstaltungsarbeit gut einsetzbar, überall wo kurze Vorlesetexte hilfreich sind. Eine Homepage bietet Malvorlagen an. Auch ein Bilderbuch zum Schmökern.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Anthologie
Bewertung: ++
Rez.: Susanna Hocher

Drescher, Daniela: Erbsenfee und Einhornschaf. Gedichte für Kinder. Stuttgart: Urachhaus 2018. O. Pag. : überw. Ill. ; 24 cm. ISBN 978-3-8251-5146-1, geb.: 14,00 €

Niedlich verspielte Gedichte aus der Kleintier- und Feenwelt. 

Der anthroposophische Urachhaus Verlag legt mit diesem Band Gedichte der Autorin und Illustratorin Daniela Drescher auf. Daniela Drescher gibt neben Kinderbüchern über Elfen und Wichtel, z. B. „Die kleine Elfe kann nicht schlafen“, 2007 auch Handarbeitsbücher mit ihren niedlichen magischen Figuren heraus. Allerdings fällt schon die erste Strophe des Bändchens - ‚Die klitzekleine Fadenmaus hat ein ganz besonderes Haus. In meinem alten Nähkästchen wohnt sie mit ihren Nesthäkchen‘, –  durch platte und zum Teil weit hergeholte Reime auf. Auch das Vokabular wirkt konstruiert und wenig kindgerecht, alles in allem auch altväterlich. Die kleinformatigen farbigen Illustrationen dagegen sind niedlich und mit viel Liebe fürs Detail gezeichnet. – Es mag Geschmackssache sein, aber für Kinder des 21. Jahrhunderts ziehe ich die verspielten Gedichte von Arne Rautenberg dieser heimeligen Sammlung vor.

Für Fans der Autorin, ansonsten entbehrlich.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Gedicht | Fee | Wichtel
Bewertung: +
Rez.: Bärbel McWilliams

Dulleck, Nina: Spinnen-Alarm! Das große (Spinnen-) Angst-weg-Buch. Hamburg: Oetinger 2018. O. Pag. : überw. Ill. ; 29 cm. ISBN 978-3-7891-0790-0, : 13,00 €

Das Buch gegen Angst vor Spinnen.

Für alle Kinder, die Angst vor Spinnen haben, hat Nina Dulleck dieses Buch geschrieben. Hier erfährt man, wo Spinnen überall leben, wie sie aussehen, wie groß sie werden, wie sich ihr Familienleben gestaltet und was man am besten macht, um keine Angst mehr vor ihnen zu haben und sich vielleicht sogar mit ihnen anzufreunden. Sehr anschaulich werden z. B. verschiedene Spinnen als Zeichnung dargestellt oder ein Lineal, auf dem eine Spinne sitzt, damit man sich das Größenverhältnis besser vorstellen kann. Genau bebildert werden auch die einzelnen Schritte vom Einfangen einer Spinne im Haus bis zum Freilassen derselben im Garten. Das Buch hat etwa DIN A4-Größe und einen festen Einband. Auf jeder Seite gibt es schöne bunte Zeichnungen und Text in großer Schrift, so dass es sowohl zum Vorlesen für kleinere Kinder als auch zum Selberlesen für Leseanfänger geeignet ist. Wenn  man das Buch durchgelesen hat, hat man so viele Spinnenzeichnungen gesehen und so viele Tipps gelesen, dass man Spinnen schon gar nicht mehr so schlimm findet.

Für Kinder ab ca. 4 Jahren und auch für Grundschulprojekte geeignet.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Spinnen | Angst
Bewertung: ++
Rez.: Lina Francke-Weltmann

Goes, Peter: Finn und die Kobolde. Ein Wimmelbuch zum Suchen und Finden. Dt. von Verena Kiefer. Weinheim: Beltz & Gelberg 2018. O. Pag. : überw. Ill. ; 33 cm. Aus d. Niederländ. ISBN 978-3-407-82341-0, geb.: 13,95 €

Finn muss 11 geheimnisvolle Labyrinthe durchqueren, um die Spur der entwischten Kobolde nicht zu verlieren.

Die Kobolde sind entwischt und Finn macht sich mitten in der Nacht auf den Weg, um sie wiederzufinden. Die Spur führt ihn dabei durch einen Irrgarten aus seltsamen Pflanzen und unterirdischen Gängen bis zu einem geheimnisvollen Schloss mit vielen Treppen, Türen und einem verwinkelten Dachgarten. Sogar auf einem fliegenden Teppich und in den tosenden Meereswellen ist er unterwegs, um sich am Ende, nach der Durchquerung von 11 scheinbar undurchdringlichen Labyrinthen, an einem unerwarteten Ziel zu befinden.Schon beim ersten Durchblättern des Buches fällt die ungewohnt düstere Atmosphäre der Illustrationen auf, da fast alle der unzähligen, teilweise winzigen Details der übervollen Wimmelseiten in schwarz oder grau-weiß in ebenfalls dunkle Hintergrundfarbtöne gesetzt sind. Das unterstreicht die nächtliche Stimmung und macht die Suche nach den vielen versteckten Gegenständen zu einem schwierigen Unterfangen, bei dem auch die kurzen, winzig geschriebenen Texte kaum Hinweise liefern.

Eine echte Herausforderung für alle Wimmelbuchfans, denn hier braucht man nicht nur gute Augen, sondern auch viel Geduld, um alle Verstecke zu finden. Ab ca. 4 Jahren.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Wimmelbilderbuch | Labyrinth | Kobolde
Bewertung: ++
Rez.: Brigitte Heimerl

Himpelchen und Pimpelchen. Mein erstes Fingerspielbuch. Text: Volksgut. Ill. von Monika Neubacher-Fesser. Ravensburg: Ravensburger Buchverl. 2018. O. Pag. : überw. Ill. ; 16 cm. ISBN 978-3-473-31751-6, geb.: 5,99 €

Finger durch die Löcher uns los geht’s mit den Fingerspielen.

Fingerspiel Klassiker wie „Eine kleine Dickmadam“, „Große Uhren machen Tick Tack“ oder „Himpelchen und Pimpelchen“ werden in diesem Buch wiederentdeckt.
Einfach die Finger durch die Löcher stecken und schon flattert der Vogel mit seinem Flügeln, die Dickmadam hebt ihre Arme oder das Schwänzchen des Kälbchens fängt an zu wedeln.
Auf jeder Doppelseite findet sich ein neues Fingerspiel, die passenden Bilder sind mit freundlichen, klaren Farben gestaltet. Die kleinen Leser werden eingeladen die Bilder zu erkunden. Das Pappbilderbuch ist schon für die ganz kleinen ab etwa 10 Monaten gut geeignet. Er lädt sie zum lautieren und später zum Mitmachen ein. Das Buch hat ein handliches Format was es den kleinen Lesern erleichtert es auch alleine zu erkunden. Es hat robuste Pappseiten was es sehr haltbar macht.

Ideal für Kinder ab 10 Monaten und der Krippe oder Familie gut geeignet. 

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Fingerspiele | Reime | Pappbilderbuch
Bewertung: ++
Rez.: Janine Halder

So ´ne lange Autoschlange. Norman Klaar. Ill. von Karsten Teich. Bamberg: Magellan 2018. O. Pag. : überw. Ill. ; 18 cm. ISBN 978-3-7348-1539-3, geb.: 9,00 €

Wo kommen nur die ungewöhnlichen Gefährte her, die sich nach und nach in den Stau einreihen? Ein Buch zum Schmunzeln.

„Alex hat, das kann man sagen, einen tollen Flitze-Wagen. Heute aber, das ist schade, rollt er in die Stau-Parade!“ Wie Alex geht es auch dem Abschleppwagen, dem Trecker und der Feuerwehr. Dass diese Stauparade irgendwie bizarr ist, wird spätestens klar, als der Elefant daherkommt, gefolgt von der Mondrakete Null-Acht-Vier und dem Rennpferd mit der Nummer sieben. Auf jeder Doppelbuchseite gerät ein weiteres Gefährt bzw. Getier in die „Autoschlange“. Überraschend wird auf der letzten Seite aufgelöst, was es mit dieser Aneinanderreihung auf sich hat, das wird hier aber nicht verraten….Die kunterbunten Illustrationen von Karsten Teich, wie gewohnt komisch-lustig mit etwas überzeichneten Figuren, passen gut zu den humorvollen Reimen von Norman Klaar. Vorleser und Zuhörerinnen werden Spaß mit dem Buch haben.

Für Autofans ab 2 Jahren. Eignet sich sehr gut zum wiederholten Vorlesen im Kinderzimmer, in Kitas und Büchereien.

Signatur: Jm 1
Schlagworte:
Autos | Humor | Reime | Pappbilderbuch
Bewertung: ++
Rez.:
Susanna Hocher

Ein Tag in der Kita. Sibylle Schumann. Ill. von Mechthild Weiling-Bäcker. Stuttgart: Esslinger 2018. O. Pag. : überw. Ill. ; 25 cm. (Mein allererstes Wimmelbuch). ISBN 978-3-480-23407-3, geb.: 8,99 €

Pappbilderbuch über einen Tag in der Kita.

Dieses Pappbilderbuch handelt von einem Tag in der Kita. In dem kurzen Text werden Fragen zur Darstellung gestellt, die nur durch sehr genaues Betrachten des Bildes auffindbar sind. Es fällt zum Teil selbst älteren Kindern schwer die gefragten Inhalte treffend aufzufinden. Die Illustrationen selbst sind extrem bunt gehalten. Was auf den ersten Blick ein kunterbuntes Gewusel erzeugt. Die verschiedenen Situationen eines Kita-Tages werden treffend dargestellt, wobei fraglich ist, ob wie im Buch dargestellt, vor dem Essen Zähne zu putzen sinnvoll ist. In dem kurzen Text, in dem eigentlich Max der Hauptakteur ist, wird dieser zur Mittagszeit aus dem Geschehen rausgeschrieben, seine Schwester Mia, die eigentlich Nebendarstellerin ist, bleibt vom Anfang bis zum Schluss. Auch das Max, das nachmittägliche Geschehen von außerhalb beobachtet, ist nicht dienlich, um sich mit dem Inhalt zu identifizieren.

Zur Eingewöhnung für die Kita ist dieses Buch nur bedingt zu empfehlen, es beinhaltet alle wichtigen Punkte, jedoch bedarf die Art der Darstellung noch Verbesserung. 

Signatur: Jm 1
Schlagworte:
Kindergarten | Pappbilderbuch
Bewertung: +
Rez.:
Eva Wimmer

Tjong-Khing, Thé: Henry bei den Dinosauriern. Dt. von Isabelle Brandtstetter. Frankfurt: Moritz 2018. O. Pag. : überw. Ill. ; 34 cm. Aus d. Niederländ. ISBN 978-3-89565-365-0, geb.: 14,00 €

Das großformatige Bilderbuch greift die Ausgrabung eines Dinosauriers für das Museum in Leiden 2013 auf.

Henry, visuell und mit Zauberstab an Harry Potter erinnernd, erlebt die Ausgrabung eines Tyrannosaurus Rex mit. Der Fund eines Zahns löst einen Traum aus, in dem er einen frisch geschlüpften Dino als Magic Man vor dem Tod rettet, mit seiner Mutter vereint und auch danach auf ihn aufpasst. Der Beschützer des kleinen Dino wirkt dabei in Traum wie Realität als distanzierter Forscher. Diverse Dinosaurier werden abgebildet und namentlich zugeordnet; „fressen und gefressen werden" wird als Lebensform dargestellt. Ein großer Regen mit folgender Schlammwelle tötet die Tiere, die daher gut konserviert aufgefunden werden. So bricht Henry am nächsten Tag zu neuen Funden auf. Traum und Realität der Ausgrabung stehen inhaltlich recht unverbunden nebeneinander. Die Bilder sind grob gehalten, der Text wirkt hölzern; neben nach dem Erkennen vieler Dinosaurierarten und einem Blick auf die Ausgrabungstätigkeit entstehen trotz gefälligen Vorlesesatzbaus wenig Gesprächsanlässe.

Das Buch mag einzelne Enthusiasten unterhalten durch die beschrifteten Dinosaurierbilder in Einband wie Buch und wunderbar komplizierte Namen. Die Bilder allein tragen nicht.

Signatur: Jm 1
Schlagworte:
Dinosaurier | Ausgrabung | Museum
Bewertung: +
Rez.:
Frauke Thees

Ju 1 Erzählungen für das erste Lesealter (6-8 Jahre)

Allerbeste Freundin gesucht. Luise Holthausen. Ill. von Karin Lindermann. Frankfurt: Duden 2018. 43 S. : überw. Ill. ; 23 cm. (Leseprofi, 1. Klasse). ISBN 978-3-7373-3375-7, geb.: 7,99 €'

Suna möchte durch einen Test herausfinden, wer ihre beste Freundin ist. Gelingt das?

Mit der Themenstellung im Malunterricht „Wer ist eure beste Freundin?“ weiß Suna zunächst nichts anzufangen. Deshalb testet sie ihre drei Freundinnen auf merkwürdige Art und Weise. Erst in einer Notsituation auf dem Schulhof begreift sie, dass ihre Freundinnen Marie, Fatima, Nora und sie selbst gemeinsam ein „Superteam“ bilden. - Ein neuer Band der  Leseprofi-Reihe regt ErstleserInnen durch kindgemäße Druckschrift-Texte und das Leseverständnis unterstützende Illustrationen zum Erlesen und Verstehen fremder Texte an. Außerdem gibt es Profi-Fragen, die in die Erzählung eingestreut sind und deren Beantwortung durch ein spezielles Lesezeichen eigenständig kontrolliert werden kann. Das sinnerfassende Lesen wird durch Verständnisfragen, Buchstabenrätsel und spielerische Übungen zum Alphabet am Ende des Buches vertieft. Ein sinnvoller Beitrag zur Leseförderung, weil erste Erfolgserlebnisse zu weiterem außerschulischem Lesen motivieren können.

Ein schönes Geschenk (Schultüte, Weihnachten) für Schulanfänger, die in der Regel zu Weihnachten bekannte Texte lesen können und ihre Fähigkeit nun an fremden Texten erproben möchten.

Signatur: Ju 1
Schlagworte:
Freundschaft | Solidarität
Bewertung: +++
Rez.: Margot Rickers

Ju 2 Erzählungen für das zweite Lesealter (9-12 Jahre)

Hartmann, Frank: Matteo, das Leben und der liebe Gott. Ill. von Dorothée Böhlke. Freiburg: Herder 2018. 135 S. : Ill. ; 22 cm. ISBN 978-3-451-71418-4, geb.: 12,00 €

Matteo überwindet die Trauer über den verstorbenen Opa durch einen neuen Freund, durch den er das Leben neu sehen lernt.

Matteo zieht mit der Familie in Opas Haus aufs Land. Er tut sich schwer mit seiner Trauer, dem Umzug, baldigen Wechsel der Schule und Abschied von seinen Freunden. Die Erinnerungen an Opa begleiten ihn auf der Suche nach einer neuen Heimat, die er beim Außenseiter Hannes, dem „Schäfer" in „Anderland", findet. Dessen von Einfachheit, Einklang mit der Natur und Respekt vor jedem Leben in einem sommerlichen Idyll geprägtes Leben fasziniert Matteo gegen alle Verbote der Erwachsenen. Die geheime, vertrauensvolle Beziehung lässt Matteo einen nachdenklichen und kenntnisreichen Gesprächspartner - wie Opa - kennen und die Welt mit anderen Augen wahrnehmen lernen. Ihre Gespräche helfen ihm, Trauer und Einsamkeit zu überwinden und sich als wichtiges Glied einer Gemeinschaft zu erleben. Ihre Freundschaft überwindet Grenzen und lässt nicht nur Matteo neue Perspektiven finden. Die sparsam gestaltete Bebilderung unterstreicht die Freundlichkeit des Buches, das tlw. zu pädagogisch bemüht wirkt.

Einsetzbar als Vorlesebuch/Lektüre für Jungen und Mädchen ab 8 in Schule wie Gemeindearbeit, das viele Gesprächsanlässe bietet und auch handlungsorientiert umgesetzt werden kann.

Signatur: Ju 2
Schlagworte: Trauer | Umzug | Freunde | Natur
Bewertung: +
Rez.: Frauke Thees

Jacobi, Peter: Der Papamat. Dt. von Alexander von Knorre. Reinbek: Rowohlt Taschenbuch Verl. 2018. 248 S. : Ill. ; 22 cm. ISBN 978-3-499-21790-6, geb.: 14,99 €

Philipp, der bei seiner Mutter aufwächst, vermisst den Vater und bestellt sich im Internet einen elektronischen. Mit unerwünschten Folgen...

Ein originelles Buch zu einem aktuellen Thema: Tausende von Kindern wachsen in unserer Gesellschaft nur mit einem Elternteil auf.  Philipp muss sich mit einer Mutter zurechtfinden, Björn der Freund der Mutter gefällt ihm gar nicht. Ein elektronischer Vater, ein „Papamat“ soll die häuslichen Konflikte entschärfen. Sein neuer Superdaddy entspricht nach einigen positiven Erfahrungen so gar nicht den Wünschen des Jungen, denn er gefällt sich in seinen unerwarteten, fast altmodischen Erziehungsmethoden, mit derer sehr direkte Anwendung sich auch Phillips Mutter überhaupt nicht anfreunden kann. Wie wird man eine solche Computergestalt wieder los? Das wird in dieser kreativ erzählten und sehr gut zu lesenden Story überzeugend durchgespielt. Ein tolles Buch für die jugendliche Lesergruppe ab 9 J. 

Gern empfohlen!

Signatur: Ju 2
Schlagworte:
Patchworkfamilie | Abenteuer
Bewertung: +++
Rez.:
Kurt Triebel

Ju 3 Erzählungen für Jugendliche ab 13 Jahren

Michaelis, Antonia: Tankstellenchips. Ein Heldenepos. Antonia Michaelis. Hamburg: Oetinger 2018. 362 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-7891-0918-8, geb.: 18,00 €

Roadmovie um Shayan, einen Geflüchteten aus dem Iran und Davy, einen Jungen, der aus einem Kinderheim geflohen ist.

Shayan ist 18 Jahre alt. Oder so. Ganz genau erzählt er das meistens nicht. Und das ist kein Wunder, denn er ist auf der Flucht vor üblen Verbrechern, denen er bei einem Einbruch in die Quere gekommen ist. Und vor der Polizei, die ihn für den wahren Täter hält. Gemeinsam mit dem kleinen Davy, der seinen Vater aufsuchen will, reist er quer durch Deutschland. Wie er dabei immer wieder in chaotische Situationen gerät, am Ende von der Person, die er hat aufsuchen wollen, enttäuscht wird und dennoch die Liebe seines Lebens findet, ist in jedem Fall unterhaltsam. Verwoben wird die Story mit der Geflüchtetengeschichte Shayans. Sicher auch eine gute Idee. Nur leider geht sie insgesamt nicht ganz auf, und das liegt vor allem an der Erzählperspektive. Shayan kann sich angeblich im Deutschen nicht richtig verständigen und er versteht immer wieder Dinge falsch. Da er aber der Ich-Erzähler des Jugendromans ist, besteht ein großer Bruch zwischen ihm als Erzähler und „realer" Figur. Schade.

Flottes Roadmovie a la „Tschick" mit logischen Schwächen im Bereich der Erzähltechnik. Empfohlen für Jungs und Mädchen ab 14 Jahren.

Signatur: Ju 3
Schlagworte:
Roadmovie | Humor | Geflüchtete | Deutschland
Bewertung: ++
Rez.:
Marcel Lorenz

SL Romane, Erzählungen, Dramen, Lyrik

Demirtaş, Selahattin: Morgengrauen. Storys. Dt. von Gerhard Meier. München: Penguin 2018. 141 S. ; 21 cm. Aus d. Türk.ISBN 978-3-328-60061-9, geb.: 16,00 €

Kurzgeschichten, die den Alltag in der gegenwärtigen Türkei schildern, aus der Perspektive eines entschiedenen Regierungskritikers.

Der frühere Co-Vorsitzende der Erdogan-kritischen HDP schrieb im Gefängnis Kurzgeschichten, die Schlaglichter auf die Türkei werfen. Meist sind sie realistisch, wie etwa ‘Seher‘ um ein Mädchen, das von ihrem Bruder ermordet wird, nachdem sie von einem Bekannten vergewaltigt wurde. In ‘Nazan, die Putzfrau‘ gerät eine Unbeteiligte in eine Demonstration, wird zusammengeschlagen und eingesperrt. Manchmal wechseln die Geschichten ins Fantastische, etwa in ‘Die Meerjungfrau‘ um eine Mutter und ihre Tochter, die auf der Flucht ertrinken. In der mit 20 Seiten längsten Erzählung ‘Unendlich einsam‘ erfährt eine beruflich erfolgreiche Architektin erst nach dem Tode ihres Vaters, dass dieser unter Pseudonym lebenskluge Romane schrieb, die sie beeindruckten. Insgesamt eine Sammlung ansprechender Kurzgeschichten, die einiges über die Schattenseiten der heutigen Türkei, aber auch über den gewitzten Widerstand gegen die Repression vermitteln. Der schlichte, gut verständliche Stil erleichtert Lesern das Verständnis, die wenig über die Türkei wissen.

Angesichts des Umbaus der Türkei in einen autoritären Staat können diese unterhaltsamen Erzählungen mit Tiefgang breit empfohlen werden.

Signatur: SL
Schlagwoorte: Türkei | Gegenwart | Repression | Kulturkonflikte
Bewertung: ++
Rez.:
Peter Bräunlein

Föhr, Andreas: Eifersucht. Ein neuer Fall für Rachel Eisenberg. München: Knaur 2018. 426 S. ;21 cm. ISBN 978-3-426-65446-0, kt.: 14,99 €

In ihrem zweiten Fall deckt die Anwältin Rachel Eisenberg ein raffiniertes Rachekomplott auf.

Judith Kellermann soll ihren Geliebten Eike Sandner aus Eifersucht in seiner Blockhütte in die Luft gesprengt haben. Alle Beweise sprechen gegen Rachel Eisenbergs neue Mandantin: Sprengstoffreste werden in ihrem Haus gefunden und mit ihrem Handy wurde die Explosion ausgelöst. Kellermann beschuldigt einen Ex-Soldaten namens Boris der Tat, den jedoch niemand kennt und der unauffindbar bleibt. Während die Anwältin noch verschiedenen Spuren folgt, taucht das Opfer des Anschlags höchst lebendig in einem Münchener Hotel auf – um dort ermordet zu werden.
Der zweite Fall für die Anwältin Rachel Eisenberg führt sie in eine verwickelte und actionreiche Ermittlung. Lange lässt der Autor sie im Dunkeln tappen und schenkt den Lesern durch eingestreute Rückblenden einen Wissensvorsprung bei der Lösung des Falls. Föhr erzählt temporeich und literarisch auf hohem Niveau. Besonders zum Ende hin kann man das Buch kaum aus der Hand legen.

Für Freunde anspruchsvoller deutscher Kriminalromane.

Signatur: SL
Schlagworte:
Krimi
Bewertung: ++
Rez.:
Claudia Puschmann

Messud, Claire: Das brennende Mädchen. Roman. Dt. von Monika Baark. Hamburg: Hoffmann & Campe 2018. 253 S. ; 21 cm. Aus d. amerikan. Engl. ISBN 978-3-455-00392-5, geb.: 20,00 €

Julia und Cassie sind überzeugt, dass ihre Freundschaft ewig hält, doch am Ende der Kindheit trennen sich ihre Wege.

Julia und Cassie verbindet seit der Kindergartenzeit eine enge Freundschaft und tiefe Zuneigung. Nach einem erlebnisreichen Sommer, den die 12jährigen Mädchen gemeinsam verbringen, beginnt die Freundschaft auseinander zu driften. Julia leidet darunter, dass sich Cassie neue Freunde sucht und dass aus der engen Beziehung eine lockere Pausenhoffreundschaft wird. Beide spüren, dass ihre Kindheit bald hinter ihnen liegt und das Erwachsenwerden macht ihnen Angst. Das Zerbrechen der innigen Freundschaft und die Angst vor dem Erwachsenwerden werden aus der Sicht Julias erzählt. So erfahren die Leserinnen alles nur indirekt und die Protagonistinnen bleiben seltsam fremd. Manchmal rutscht die Autorin knapp an Klischees vorbei, wenn sie die Gefahren benennt, die jungen Frauen drohen. Claire Messud thematisiert den Verlust einer ersten Freundschaft und die Frage: Wie gut kennen wir Menschen, die uns nahe stehen. Die dramatischen Ereignisse um Cassie werden sehr ruhig, fast emotionslos erzählt.

Auch schon für Jugendliche geeignet; für Frauenkreise, da es eher ein Frauen-Buch ist.

Signatur: SL
Schlagworte:
Freundschaft | Verlust
Bewertung: ++
Rez.: Eva Basler

Schweingruber, Alan: Simona. Roman. Frankfurt: Weissbooks 2018. 217 S. ; 20 cm. ISBN 978-3-86337-170-8, geb.: 22,00 €

Simona reist nach Nizza um Vergangenes zu bewältigen und trifft auf eine neue Liebe.

Simona bricht aus ihrem geordneten Alltag aus. Während eines Urlaubs in Nizza mit Mann und Tochter, verschwindet sie für ein paar Tage um allein zu sein. Doch schon die erste Nacht, diejenige in der ein Terrorist mit einem Lastwagen einen Terroranschlag in Nizza verübt, verbringt sie ungeplant mit einem anderen Mann. Der Schock der beiden Ereignisse wirft sie aus ihrem Leben und ihre Ehe zerbricht daran. Bis sie zwei Jahre danach wieder ausbricht und erneut nach Nizza fährt. Dort trifft sie auf Antoine, der wie sie gezeichnet ist und sich am Tod seiner Frau in den Schweizer Bergen die Schuld gibt. Sie finden Halt aneinander und eine neue Liebe scheint möglich zu sein. Ein Roman über Verletzungen, die bewältigt werden müssen, bevor ein Neuanfang möglich ist. Sprunghaft erzählt mit schnellen Wechseln der Zeitebenen und der Vermischung von Traum und Realität, Klischees werden bedient, so dass das interessante Thema und die durchaus spannende Erzählung nicht durchgängig zum Tragen kommen.

Debütroman des Züricher Autors, für literarisch ausgebaute Bestände möglich. 

Signatur: SL
Schlagworte:
Liebe | Ehe
Bewertung: +
Rez.: Birgit Hillmer

Ting-Kuo, Wang: Der Kirschbaum meines Feindes. Roman. Dt. von Johannes Fiederling. Zürich: Arche 2018. 282 S. ; 21 cm. Aus d. Chines. ISBN 978-3-7160-2770-7, geb.: 22,00 €

Im boomenden Taiwan findet ein junges Ehepaar zueinander, zerbricht aber an den Härten der auf Geld fixierten Umwelt.

Der Ich-Erzähler stammt aus kleinen Verhältnissen. Seine Mutter ist seit einem Verkehrsunfall schwerstbehindert. Der Vater verdient mühselig den Lebensunterhalt für die Familie als Hilfsarbeiter in einer Schule. Nach einem harten wirtschaftlichen Fehlschlag nimmt er sich das Leben. Nun muss der Ich-Erzähler für sich selbst sorgen. Erst absolviert er seine Armeezeit, dann findet er nach einigen erfolglosen Versuchen eine Stelle als Werbetexter in der Immobilienbranche. Bald wird Aki, eine junge Kellnerin, die Liebe seines Lebens. Auch Aki hatte eine schwere Kindheit. Schon früh kam beim Brand ihres Elternhauses ihre Schwester ums Leben. Ein Trauma, das Aki fortan als schwarzer Schatten begleitet. Nach und nach können die beiden Protagonisten miteinander über ihre inneren Verletzungen reden und dadurch Trost finden. Alles ändert sich aber, als der Ich-Erzähler beruflich aufsteigt. Die Möglichkeiten des Geldverdienens dominieren immer mehr ihrer beider Leben und zerstören es schließlich.

Die sensibel und teilweise äußerst spannend erzählte Geschichte eröffnet gute Einblicke in Grundstrukturen des menschlichen Lebens und in die Realität des Taiwans der Gegenwart.

Signatur: SL
Schlagworte:
Ehe | Taiwan | Arbeitswelt | Ethik
Bewertung: ++
Rez.:
Rüdiger Sareika

Toner, Barbara: Vier ehrbare Damen suchen Teilzeit-Ehemann. Roman. Dt. von Ulrike Laszlo. Köln: DuMont 2018. 427 S. ; 19 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-8321-6459-1, kt.: 12,00 €

Vier junge Frauen suchen sich in ihrer Not per Anzeige einen Ehemann, der allen gleichermaßen zur Seite stehen soll.

September 1919: Im australischen Prospect ist das Leben hart, denn viele der Männer sind im Krieg umgekommen oder kamen versehrt zurück. So auch Adelaides Mann, der urplötzlich in Panik ausbricht und seiner Frau keine Hilfe ist beim Führen ihres Geschäfts. Haushälterin Pearl ist bald unentbehrliche Stütze, doch sie scheint ein Geheimnis zu haben. Die kapriziöse Louisa ist die schönste Witwe der Stadt, weiß aber nicht, wer ihr nachts immer mehr Pferde auf die Koppel stellt. Und Maggie schließlich kämpft um ein Stück Land, das man ihr abgenommen hat. Der Ehemann, den die vier finden, stellt sich als charmant, aber völlig ungeeignet heraus, denn er kann weder einen Stall reparieren noch mit Zahlen umgehen. Dafür stiftet er jede Menge Verwirrung und das Damenquartett scheint bald seinen Reizen zu erliegen. Hilfe kommt schließlich von unerwarteter Seite und bringt etliche Steine ins Rollen. Amüsanter Roman, der augenzwinkernd die Konventionen der damaligen Zeit auf die Schippe nimmt.

Hat einige Längen, trotzdem breite Empfehlung.

Signatur: SL
Schlagworte:
Australien | Frauen | Historisches
Bewertung: ++
Rez.:
Margarete Barth-Specht

 

B Biographien, Briefe, Tagebücher

Kodmani, Hala: »Sie können mir den Kopf abschlagen, aber nicht meine Würde nehmen«. Ruqias tödlicher Kampf auf Facebook. Dt. von Elisabeth Liebl. München: Dt. Taschenbuch Verl. 2018. 143 S. ; 21 cm. Aus d. Franz. ISBN 978-3-423-26183-8, kt.: 14,90 €

Innenansicht aus Syrien zur Zeit des Kampfes gegen Assad und den Islamischen Staat.

Die französisch-syrische Journalistin Hala Kodmani berichtet in ihrem Buch über den Kampf einer jungen Frau, die sich während der Revolution auf Facebook unter einem Pseudonym sowohl gegen Assad als auch gegen den IS wendet. Es gab diese Frau wirklich. Ruqia Hassan, eine Philosophiestudentin und Lehrerin, lebte in Rakka bei ihren Eltern und wurde nach einer Denunziation vom IS ermordet. Die junge Frau erzählt von ihren Träumen, ihrer Liebe zu Syrien, ihrer Wut und den Erniedrigungen durch den Islamischen Staat. Sie wehrt sich auf ihre Weise, indem sie ihre Gedanken dem Internet anvertraut. Der Titel des Buches ist ein Zitat von ihr. Neben den Hintergrundtexten von Hala Kodmani, die nach Rakka reiste und mit den Freunden von Ruqia sprach, werden die Facebook-Posts von Ruqia zitiert. Ein beeindruckendes Zeugnis des Widerstandes einer jungen Frau!

Für Leser, die mehr über die Geschehnisse in Syrien wissen möchten, um zu verstehen, was syrische Flüchtlinge bei uns erlebt haben.

Signatur: Bb
Schlagworte: Syrien < Widerstand | Mut | Frau
Bewertung: ++
Rez.: Regina Riepe