Newsletter „Bücherei" 12/2019

Liebe Büchereimitarbeiterin!

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Der letzte Bücherei-Newsletter 2019 flattert Ihnen hier auf den Bildschirm! Wir haben nochmal eine silvesterraketenbunte Mischung zusammengestellt. Da geht es um Geschwister(liebe), Hexen, Prinzen und schwarze Feen, Herzensbrüche und Versöhnungen, grüne Wunder – und den einen oder anderen Zottorunkel.

Frohe Weihnachtstage und einen guten Start ins neue Jahrzehnt wünscht

Ihr Eliport-Team

 

Bewertung:

+++      = hervorragend
++        = gut
+          = möglich

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Jm 1 Bilderbücher

Ausreden Ausreden. Anushka Ravishankar. Ill. von Susanne Straßer. Dt. von Uwe-Michael Gutzschhahn. Wuppertal: Hammer 2019. O. Pag. : überw. Ill. ; 31 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-7795-0606-5, geb.: 16,00 €

Tim ist ein Meister im Erfinden von Ausreden.

Die Woche hat 7 Tage und für jeden Tag hat Tim einen guten Vorsatz gefasst: pünktlich aufstehen, in der Schule alles richtig machen und so weiter. Aber die Woche geht so schnell herum, dass er gar nicht dazu kommt, die Vorsätze zu erfüllen. Aber woran liegt das? Es muss überzeugende Gründe geben. Und so macht sich Tim an die Arbeit. Das Zuspätkommen in der Schule hängt mit dem Wecker zusammen, der falsch herum geht, ihn erst um 12 Uhr weckt. Und ohne Socken erscheint er bei der Chorprobe, weil er sie dem Elefanten in die Ohren stopfen musste, die Wände in seinem Zimmer hat ein Künstler bemalt, der vergessen hat zu signieren. Alles Ausreden, um die ist Tim nicht verlegen und man nimmt ihm die nicht übel, wie ungewöhnlich sie auch sind. Die kuriosen Ausreden hat die Illustratorin in witzig-verrückte Bilder übersetzt. Ein äußerst vergnügliches Bilderbuch.

Die Ausreden sind nicht nur fantasievoll, sie sind ins Groteske übersteigert. Man kann darüber lachen, aber auch über diese menschliche Schwäche, die alle kennen, ernsthaft reden.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Humor | Fantasie
Bewertung: ++
Rez.: Ursula Führer

Bonilla, Rocio: Geschwister! Dt. von Renate Loew. Hamburg: Jumbo 2019. O. Pag. : überw. Ill. ; 27 cm. Aus d. Span.ISBN 978-3-8337-3959-0, geb.: 15,00 €

Ein Bilderbuch über Geschwisterliebe, aus der Sicht der Geschwister.

Ein wundervolles Bilderbuch, das sich originell des ewig aktuellen Themas „Geschwisterliebe“ annimmt: ein Mädchen und ihr jüngerer Bruder, beide auf dem Cover, mit der Sprechblase „Mein Bruder ist ein Affe“. Aber dreht man das Buch um, sind auch da die beiden zu sehen, diesmal mit der Sprechblase „Meine Schwester ist ein Nashorn“. In der Mitte treffen sich beide Teile (eigentlich sind es also zwei Bilderbücher in einem), und bis dahin erzählt jeder in Bildern – mal klein, mal groß, mal ganzseitig – mit höchstens einem Satz dazu, wie sehr ihnen jeweils der/die Andere auf die Nerven geht. Die turbulenten farbreduzierten Bilder in Pastelltönen bieten dazu passende Situationen. Aber dann kippen die Geschichten und beiden fällt ein, wo es doch recht gut sein kann zu zweit.  Ein lautes „Bääh“ hinter verschlossener Tür, genau in der Mitte … aber wie wird es zu dritt? Ein Bilderbuch, dass die familiären Nöte von Geschwistern thematisiert, versteht und unauffällig Lösungen anzubieten hat. Top!

Für alle Familien mit mehr als einem Kind; auch in Kindergartengruppen gut einsetzbar um herauszufinden, was man mit Freunden alles Schöne machen kann ...

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Geschwister | Familie | Miteinander
Bewertung: +++
Rez.: Astrid van Nahl

Das endlos lange Weihnachtswarten. Stephanie Schneider. Ill. von Astrid Henn. Frankfurt am Main: Sauerländer 2019. O. Pag. : überw. Ill. ; 31 cm. ISBN 978-3-7373-5652-7, geb.: 14,99 €

Mia und Papa kaufen Weihnachtsgeschenke für Mama. Dann verlieren sie sich im Weihnachtsshoppinggewusel.

Weihnachten muss man Geschenke kaufen. Also wollen Mia und ihr Papa etwas Schönes für Mama kaufen. Einen Tag vor Heiligabend stürzen sie sich in den Trubel und suchen nach Geschenken. Wie wäre es mit einer Schachtel Frühstücksflocken, die ein Spielzeug enthält? Ein sehr schönes Geschenk findet Mia. Fußball ist auch etwas Schönes und so landen auch noch ein Fußball-T-Shirt und -Badehandtuch auf dem Kassenband. Die Autorin Stephanie Schneider spielt hier mit gängigen Klischees und Astrid Henn illustriert mit feiner Ironie. Plötzlich nimmt die Geschichte eine Wendung und Mia und Papa verlieren sich aus den Augen. Nun geht es um das Thema Verlorengehen. Ein Engel hilft Mia bei der Suche nach ihrem Papa. Als sie wieder vereint sind, bleiben die Geschenke verschwunden. Eine neue Packung Frühstücksflocken und ein Parfüm werden als Geschenke verpackt und erschöpft fahren beide zurück nach Hause. Mit einem warmen Gefühl im Bauch und mit der Erkenntnis das Weihnachtswarten doch ganz ok ist.

Für die Vorweihnachtszeit.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Weihnachten | Warten | Verlust | Vorfreude
Bewertung: ++
Rez.: Christoph Hoewekamp

Der kleine Prinz. Antoine de Saint-Exupéry. Nacherzählt von Agnès de Lestrade. Ill. von Valeria Docampo. Dt. von Anna Taube. München: Mixtvision 2019. O. Pag. : überw. Ill. ; 28 cm. Aus d. Ital. ISBN 978-3-95854-141-2, geb.: 15,00 €

Die bekannte Geschichte vom kleinen Prinzen wird hier sehr kindgerecht erzählt und illustriert.

Man könnte meinen, es gäbe schon genügend Ausgaben von Saint-Exupérys Klassiker. Und trotzdem hat dieses neue Bilderbuch seine Berechtigung und sollte in den Bestand aufgenommen werden. Die Geschichte ist so gekürzt, dass Kinder ab etwa 5 Jahren sie gut verstehen können. Alle wichtigen und bekannten Figuren kommen darin vor, und natürlich fehlt auch nicht der berühmteste Satz aus dem Werk. Beim Schriftbild wird auf eine einheitliche, sehr klare und nüchterne Schrift gesetzt, nur in der Größe wird variiert. Dadurch kommen die Bilder von Valeria Docampo noch mehr zur Geltung. Sie greift hauptsächlich zu warmen Farbtönen und ihre Illustrationen erinnern sehr an Bilder von Dali. Bild und Text ergänzen sich hervorragend und unterstützen sich gegenseitig. Ein sehr hochwertiges Bilderbuch, an dem bestimmt auch die vorlesenden Erwachsenen ihre Freude haben werden. 

Für alle Büchereien geeignet.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Freundschaft | Klassiker
Bewertung: +++
Rez.: Monika Betz

Plötzlich war ein Wuckel da. Uticha Marmon. Ill. von Anne-Kathrin Behl. Bamberg: Magellan 2019. O. Pag. : überw. Ill. ; 29 cm. ISBN 978-3-7348-2060-1, geb.: 14,00 €

Ida mag das Wuckel GAR NICHT, am Ende merkt sie, dass das Wuckel ein süßer Muckel ist, der gar nicht so verkehrt ist.

Ida ging es sehr gut ohne das komische Wuckel, das ihre Eltern eines Tages angeschleppt hatten. Jetzt ist es da -  immer. Es sieht grässlich aus, müffelt, spuckt, plärrt und als Ida ihm Wurst gibt, bekommt sie Ärger. Nichts darf sie, nur sollen soll sie! Nämlich was: leise sein, nett sein, im Bett sein … Das macht dem armen Mädchen keinen Spaß mehr. Es geht ihr nicht gut, der Klops im Bauch geht nicht weg. Da hat sie eine Idee. Sie macht eine Sauerei in der Küche, malt die Wand an … Ganz klar: „Das Wuckel war´s!“ Die Eltern glauben ihr dies nicht, da brüllt sie vor Wut. Als das Baby schreit, singt Ida aus Verzweiflung ein Lied und dann passiert es: Es ist still. Das Baby lacht, Ida lacht. So wird das furchtbare Wuckel zum süßen Muckel, den sie letztendlich doch gerne hat (auch wenn er noch immer manchmal nervt).
Moderner, ansprechender Zeichenstil mit Text in Reimform, der sich jedoch nicht auf Anhieb entspannt vorlesen lässt. Lädt zum Anschauen und frei Erzählen ein. 

Für Kinder ab 3-4 Jahren und werdende Eltern, die sich mit der anstehenden Veränderung auseinandersetzen möchten. Hebt sich erfrischend von den bisher erschienenen Büchern ab.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Eifersucht | Geschwister
Bewertung: +++
Rez.: Marei Kolb

Timmers, Leo: Ein Haus für Harry. Dt. von Rolf Erdorf. Zürich: Aracari 2019. O. Pag. : überw. Ill. ; 28 cm. Aus d. Niederländ. ISBN 978-3-907114-06-3, geb.: 14,00 €

Der Kater Harry verlässt sein sicheres Zuhause und erfährt, dass es neben seiner vertrauten Wohnung noch eine Welt gibt.

Der Kater Harry ist ein typischer Stubenkater. Als der Schmetterling Vera ihn fragt, ob er mit ihr Fangen spielen möchte, siegt die Neugier und er folgt ihr nach draußen. Obwohl er sich bemüht, kann er Vera nicht fangen. Plötzlich ist er alleine in einer fremden Umgebung. Er möchte nach Hause, doch nur Vera kennt den Weg. Niedergeschlagen macht sich Harry auf die Suche nach einem neuen Haus für sich, dabei entdeckt er, dass es Häuser für unterschiedliche Tiere gibt. Die neuen Häuser, die er ausprobiert, eignen sich alle nicht. Schließlich findet er ein Plätzchen in einer Mülltonne. Dort trifft er andere Katzen, die ihn zu Vera führen. Vera will wieder Fangen spielen und führt Harry so sicher nach Hause. Auf den Bildern sieht man den dicklichen Kater, der über die unbekannte Umgebung staunt. Timmers verzichtet auf Hintergrund oder ausschmückende Details, er konzentriert sich auf das Wesentliche, so dass Harrys, Verlassenheit, seine Angst, seine Neugier und Freude klar erkennbar werden.

Kita; Krabbelgruppe

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Freundschaft | Mut | Geborgenheit
Bewertung: +++
Rez.: Eva Basler

Wie man ein Zottorunkel zähmt. Andrea Schomburg. Ill. von Katja Gehrmann. Frankfurt: Sauerländer 2019. O. Pag. : überw. Ill. ; 31 cm. ISBN 978-3-7373-5546-9, geb.: 14,99 €

Ein kleines Mädchen zähmt eine Ungeheuer und bringt ihm gutes Benehmen bei, indem es ihm freundlich begegnet.

Jede Nacht wacht im Wald ein schreckliches Ungeheuer auf, das Zottorunkel. Es hat schrecklichen Hunger. Mit knurrendem Magen macht es sich auf die Suche nach Süßigkeiten. Zielstrebig geht es zu einem Haus, in dem ein kleines Mädchen wohnt. Weil das Zottelrunkel die Schokolade nicht gleich findet, verwüstet es die Küche. Erschöpft, mit Schokolade und Apfelsaft im Bauch, schläft es ein und zieht erst am Morgen wieder ab. Das Mädchen ahnt, dass das Zottorunkel wiederkommen wird und hat für diesen Fall einen Plan. Am nächsten Abend erwartet sie das Ungeheuer an der Tür, bittet es freundlich herein, bewirtet es, teilt die Schokolade mit ihm und bietet ihm sogar einen Schlafplatz für die Nacht an. Bei dieser guten Behandlung wird das Ungeheuer ganz zahm und höflich. Die in Reimen verfasste Geschichte wendet sich direkt an die Leser. Sie ist eine „Gebrauchsanweisung“, wie man sich verhalten sollte, wenn das Zottorunkel kommt. Die farbenfrohen Bilder unterstreichen die Dynamik der Geschichte.

Kita; Grundschule; gut geeignet für ein Projekt zum Thema „Wie gehen wir miteinander um".

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Ungeheuer | Angst | Benehmen | Teilen
Bewertung: +++
Rez.: Eva Basler

Ju 1 Erzählungen für das erste Lesealter (6-8 Jahre)

Kolb, Suza: Wunschbüro Edda - Eine Kiste voller Wünsche. Ill. von Daniela Kunkel. Bamberg: Magellan 2019. 103 S. : Ill. ; 21 cm. (Band 1). ISBN 978-3-7348-4120-0, geb.: 12,00 €

In der Kinderbuchreihe Wunschbüro Edda ist dies der erste Band, indem das Mädchen mir ihrer Wunschkiste einige Abenteuer erlebt.

Edda wünscht sich nichts sehnlicher als ein Pony. Als sie dann eines Tages ihre ganz eigene Wunschkiste bastelt, ist der Grundstein für ihr Wunschbüro gelegt. Der Verlauf der Geschichte ist relativ einfach gehalten. Es bedarf weit über die Hälfte, bis die Erzählung lebendig und fesselnd wird. Die einfache Wortwahl ermöglicht jedoch bereits sehr jungen Selbstlesern, das Buch eigenständig zu lesen. Auch die kurzen Kapitel bieten eine angemessene Leselänge, die gut zu bewältigen ist. Die Bedeutung der unsichtbaren Freundin ist fraglich, da die Stigmatisierung die Edda dadurch erhält ein eher negatives Bild erzeugt. Auch wird der unsichtbaren Pari ein relativ großer Spielraum eingeräumt und Edda von den anderen Kindern belächelt, weil sie mir ihr laut spricht. Die Geschichte hätte eine weniger starke Gewichtung dieser Figur auch den entsprechenden Abenteuercharakter verliehen.

In Büchereien für Kinder ab 6 Jahren, wenn sie bereits Leseerfahrung haben, sonst ab 8.

Signatur: Ju 1
Schlagworte:
Wünsche
Bewertung: +
Rez.: Eva Wimmer

Liebers, Andrea: Das Schulschwein. Ill. von Susanne Göhlich. Wuppertal: Peter Hammer 2019. 30 S. : Ill. ; 25 cm. ISBN 978-3-7795-0621-8, geb.: 9,90 €

Wie löst sich ein Streit in Finns Schulklasse? Ein Schwein ist Anlass und Lösung zugleich dafür.

Welches Tier soll Finns Klasse in der Schule halten? Finn schlägt ein Minischwein vor, wie das Minischwein Miss Piggy, das seine Familie gerade für die Tante hütet. Mehmet ist dagegen, Schweine sind unrein. Er trägt häufiger die Vorstellungen seines Onkels, "wie sich die Mitglieder einer türkischen Familie zu verhalten haben" (S.11) in die Schule und hat eben hinnehmen müssen, dass Laila neben Finn sitzen bleibt, obwohl sich das seiner Meinung nach nicht gehört. Doch die selbstbewusste Laila und die Lehrerin sind anderer Auffassung. Finn ist in diesem Konflikt noch sprachlos, doch er bewundert Lailas Mut. Mitten in die Diskussion über das Tier platzt die ausgebüchste Miss Piggy ins Klassenzimmer und sucht Zuflucht bei Mehmet, dessen Zuneigung sie schnell erobert. Er darf Miss Piggy schließlich zurückbringen.
Göhlich erzählt diese Geschichte über Vielfalt in Klassenzimmer auf 30 Seiten und die farbigen Zeichnungen von Liebers sind passend zur Handlung gelungen.

Für erstlesende Kinder eine Schulgeschichte mit Konflikten, wie sie sicher auch in einem kulturell vielfältigen Klassenzimmer vorkommen können, auch wenn man dort nicht immer (ein) Schwein hat, um Lösungen zu finden.

Signatur: Ju 1
Schlagworte:
Streit | Schule | Vielfalt | Mut
Bewertung: ++
Rez.:
Kathrin Vogel

Ju 2 Erzählungen für das zweite Lesealter (9-12 Jahre)

Freund, Wieland: Nemi und der Hehmann. Ill. von Hanna Jung. Weinheim: Beltz & Gelberg 2019. 138 S. : Ill. ; 23 cm. ISBN 978-3-407-75459-2, geb.: 14,95 €

Ein Plädoyer für den achtsamen Umgang mit der Natur.

Auf einem Streifzug durch den Wald begegnet Nemi dem Hehmann; dieser ist ein seltsames Wald-Wesen mit einem Bart aus Blättern und einer Haut wie Baumrinde. Der Hehmann wird von kaum noch jemandem wahrgenommen; dabei ist er doch das Gedächtnis des Waldes und hält die Erinnerung an so viele wunderbare Naturereignisse wach. Der Hehmann leidet darunter, dass kaum noch jemand sich für die Natur interessiert und er hat Angst, all sein Wissen, ja sein ganzes Gedächtnis zu verlieren. Nemi will dem Hehmann helfen, sie schreibt und malt vieles von dem auf, was er ihr erzählt.
Unterstützt wird Nemi in ihrer Mission, dem Hehmann zu helfen von einer alten Frau, der sie immer wieder im Wald - in der Nähe der Kapelle - begegnet. Die alte Frau zeigt ihr, dass der Hehmann auch in der Kirche abgebildet ist und erklärt, dass früher viele Menschen um diesen „grünen Mann“ wussten und ihn achteten. Gestärkt durch dieses neue Wissen, macht Nemi sich daran, den Hehmann bei seiner Mission zu unterstützen.

Empfehlenswert für Kinder ab 8 Jahren; eine kindgerechte Auseinandersetzung mit den Themen Umwelt und Natur. Detailgenaue Zeichnungen ergänzen den Text, der eher für lesefreudige Kinder geeignet ist, da keine spannende Handlung stattfindet.

Signatur: Ju 2
Schlagworte:
Natur | Umwelt | Wald
Bewertung: ++
Rez.:
Margot Haffke

Widmark, Martin: Halvdan, der Wikinger. Ill. von Mats Vänehm. Dt. von Maike Dörries. Berlin: Ueberreuter 2019. 120 S. : Ill. ; 22 cm. Aus d. Schwed. ISBN 978-3-7641-5184-3, geb.: 11,95 €

Eine Geschichte von zwei feindlich konkurrierenden Wikingerdörfern, die einen Streit ausfechten, den ein Junge aus Ostby mit einem Mädchen aus Westby hilfreich begleiten.

Martin Widmark, der bekannte schwedische Kinderbuchautor hat mit dem Jungen Halvdan und dem Mädchen Meia, die unter Gefahren den Wettkampf der beiden Orte aus einem betrügerischen Anfang zu einem guten Ende verhelfen, ein spannendes und sehr gut zu lesendes Buch vorgelegt. Es gelingen ihm und dem Illustrator Mats Vänehem das Leben der Wikinger z. Z. der ersten christlichen Missionare eindrucksvoll und differenziert zu schildern, sodass die jugendlichen Leser*innen sicher beeindruckt sein werden. Dieses Kinderbuch kann sich sehen und gut lesen lassen.

Das Werk sollte in die Kinderleseabteilungen der Büchereien aufgenommen werden.

Signatur: Ju 2
Schlagworte: Wikinger | Streit | Abenteuer
Bewertung: +++
Rez.: Kurt Triebel

Ju 3 Erzählungen für Jugendliche ab 13 Jahren

Michaelis, Antonia: Hexenlied. Hamburg: Oetinger 2019. 399 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-7891-1052-8, geb.: 20,00 €

Aus einem Theaterstück entwickelt sich eine Geschichte, in der letztendlich nichts so ist, wie es scheint.

In dem Roman „Hexenlied" geht es um das Theaterstück „la bruja", das an einer Schule aufgeführt wird. Die unscheinbare Lilith, die die Rolle der Hexe bekommen hat, und Tim, der oberflächlich betrachtet nur ein ganz normaler Junge ist, kommen sich mit der Zeit langsam näher. Eigentlich könnte alles gut sein, doch dann passieren während der Proben immer mehr ungewöhnliche Dinge und als im Theatercamp sogar einige Schüler verschwinden, gerät Lilith unter Verdacht, etwas mit den Vorkommnissen zu tun zu haben. Nur Tim kann nicht glauben, es bei Lilith wirklich mit einer Hexe zu tun zu haben. Auch wenn es zunächst so scheint, handelt es sich bei diesem Buch nicht um einen Fantasy-Roman.

Fesselnd geschrieben und für Leser ab 14 Jahren gut geeignet. Die Spannung steigt stetig und zum Ende hin gibt es einige überraschende Wendungen.

Signatur: Ju 3
Schlagworte: Hexen | Theater | Liebe | Schule
Bewertung: +
Rez.: Caroline Peter

Pessl, Marisha: Niemalswelt. Dt. von Claudia Feldmann. Hamburg: Carlsen 2019. 381 S. ; 22 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-551-58400-7, geb.: 18,00 €

Fünf Jugendliche geraten nach einem Autounfall in eine Zeitschleife zwischen Leben und Tod. Nur einer darf überleben.

Ein Jahr nachdem ihr Freund Jim starb, trifft die Ich-Erzählerin Beatrice, alias Bee, ihre Freunde von damals wieder. Die Frage, ob Jim Selbstmord beging, steht im Raum. Ein Autounfall verschlägt die fünf in eine Zeitschleife zwischen Leben und Tod, die sie in kurzen Zeitspannen die letzten elf Stunden immer neu durchleben lässt; Zeit für jeden, im alten Umfeld auf eigene Faust Erfahrungen zu sammeln, Antworten zu suchen für das, was damals rings um Jim geschah. Warum lügen alle? Was hat ein jeder damit zu tun? In der Zeitschleife bleiben die Freunde gefangen, bis sie sich einigen, wer von ihnen überleben soll. Wer ist schuldlos? Ein mysteriöser Wächter ist ihr Mahner. Wer hier anfängt zu lesen, verstrickt sich in einem überaus dichten Erzählgewebe, einem Knäuel aus Details und Fäden, die Bilder, Charaktere, Gruppendynamik, Fragen nach Verstrickung in Schuld umfassen und sich, psychologisch untermauert, nach hoch spannendem Finale auflösen. War alles ein Koma-Traum?

Ein Roman wie ein Albtraum, packend wie Fantasy, ohne in dieses Genre zu gehören! Anspruchsvolle Lektüre voller Denkanstöße. Für geübte Leser ab 14.

Signatur: Ju 3
Schlagworte:
Psychothriller | Mystery | Zeitschleife
Bewertung: +++
Rez.:
Heide Germann

Ruile, Margit: God´s Kitchen. Bindlach: Loewe 2018. 316 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-7855-8447-7, kt.: 14,95 €

Mensch = Maschine, Maschine = Mensch? Wie gefährlich kann Künstliche Intelligenz der Menschheit werden?

Das Thema Künstliche Intelligenz ist seit geraumer Zeit wieder verstärkt in der Kinder- und Jugendliteratur anzutreffen. So haben sich jüngst Karl Olsberg (Boy in a white room), Claudia Pietschmann (Cloud) und Ursula Poznanski (Thalamus) dieser Thematik angenommen. So auch Margit Ruile in ihrem zweiten Jugendroman „God's kitchen", in welchem sie in einer äußerst spannend erzählten Geschichte eindrucksvoll aufzeigt, welchen Fluch und Segen zugleich dieser wissenschaftliche Fortschritt mit sich bringt. Die 19-jährige Außenseiterin Celine beginnt während ihres Studiums ein Praktikum am Institut für neuronale Informatik. Dort arbeitet sie mit dem Roboter Chi zusammen, der über eine künstliche Intelligenz und ein täuschend echtes kindliches Antlitz verfügt. Obwohl sie sich darüber im Klaren ist, dass dessen Gefühle und Äußerungen nur programmiert sind, baut sie eine Beziehung zu ihm auf. Mysteriöse Vorfälle im Institut verdeutlichen Celine, dass sie selbst in Todesgefahr schwebt.

In diesem All-Age-Roman wird dem Leser schonungslos aufgezeigt, dass die KI zeitnah auf Basis statistischer Erhebungen Entscheidungen treffen wird, die bislang Menschen vorbehalten waren. Daher ideal für eine Diskussion im Bereich Werte und Normen geeignet.

Signatur: Ju 3 | SL
Schlagwoorte: Künstliche Intelligenz | Wissenschaft | Werte
Bewertung: +++
Rez.:
Inger Lison

Scheuring, Christoph: Absolute Gewinner. Bamberg: Magellan 2019. 285 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-7348-5406-4, kt.: 13,00 €

Ein spannender, actionreicher Basketballkrimi.

Luca, ein 13-jähriger Jugendlicher mit piepsiger Stimme, lebt mit seiner Mutter in Hamburg. Als ein Basketballturnier ausgeschrieben wird, darf er mitmachen und vom Siegpreis und von Mitspielerin Jana träumen. Sein Team besteht aus Losern. Trotzdem qualifiziert es sich für das Finale in Berlin - dank des Trainers. Als dieser plötzlich verschwindet, geht es um Wichtigeres. Wo ist der Coach? Und welches Geheimnis umweht Jana? Im ersten Teil des Buches steht die sportliche Konkurrenz in Basketball-Fachsprache im Vordergrund. Dann geraten die Jugendlichen in eine wilde Krimi-Geschichte. Der Autor, ein namhafter Journalist, hat bereits ein erfolgreiches Jugendbuch vorgelegt. In „Absolute Gewinner" gelingt es ihm, mit Spannung und überraschenden Wendungen vor allem Jungen anzusprechen. Dabei ist die Sprache vielleicht jugendgemäß, aber einseitig und wenig anregend. Letztlich wird Durchsetzungsvermögen als entscheidender Wert vermittelt. Es gibt einige erzählerische Unstimmigkeiten.

Ein etwas gewolltes Buch mit wenig Tiefgang, aber viel Schwung und einem attraktiven Cover. Für sportbegeisterte, vor allem männliche Lesemuffel zwischen 12 und 15 Jahren. Nichts für kleinere Bestände.

Signatur: Ju 3
Schlagworte:
Teamgeist | Sport | Identität | Kriminalität
Bewertung: +
Rez.: Rainer Merkel

Shusterman, Neal u. Shusterman, Jarrod: Dry. Dt. von Pauline Kurbasik u. Kristian Lutze. Frankfurt: Sauerländer 2019. 447 S. ; 22 cm. Aus d. Amerikan. ISBN 978-3-7373-5638-1, kt.: 15,00 €

Was passiert mit unserer Zivilisation, wenn der Wasserhahn trocken bleibt und wir um jeden Schluck kämpfen müssen?

Wasserknappheit ist für die Einwohner*innen Kaliforniens schon lange Alltag. Als dann allerdings die wertvolle Ressource völlig ausbleibt, der Wasserhahn nur noch einen trockenen Husten von sich gibt, und Hilfe von außen ausbleibt, werden die Menschen zu „Wasserzombies“ und bekämpfen einander um jeden Schluck. Das Haus der Prepper in der Nachbarschaft wird überrannt, der Vater erschießt in Panik den ältesten Sohn, und der zweite macht sich gemeinsam mit der Nachbarstochter und ihrem kleinen Bruder auf den Weg in die für solche Fälle vorbereitete Hütte in den Bergen. Unterwegs schließt sich ihnen noch eine jugendliche Aussteigerin an, die sich schon länger alleine durchschlägt.
Neal Shustermans dystopische Romane spielten bisher jeweils nach der Apokalypse. In diesem Roman erzählt er gemeinsam mit seinem Sohn höchst spannend und realistisch, was passieren könnte, wenn die Katastrophe tatsächlich eintritt.
Auch der 14-jährige Testleser – sonst eher kein Bücherfan – hat diesen Roman in einem Rutsch durchgelesen.

Für alle Jugendlichen ab 14 Jahren, die spannend über die Klimakatastrophe lesen wollen.

Signatur: Ju 3
Schlagworte:
Klima | Wasserknappheit | Dystopie | USA
Bewertung: +++
Rez.:
Sabine Klohn

SL Romane, Erzählungen, Dramen, Lyrik - Belletristik

Ehmer, Kerstin: Die schwarze Fee. Bielefeld: Pendragon 2019. 397 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-86532-656-0, kt.: 18,00 €

Kommissar Ariel Spiro muss im Berlin der Goldenen Zwanziger Jahre zwei Giftmorde aufklären.

Sein zweiter Fall führt Kommissar Spiro in die Welt der russischen Emigranten in Berlin, die nach der Revolution Zuflucht vor dem Zugriff der russischen Geheimpolizei suchen. Zwei junge Russen wurden mit einem seltenen Gift getötet, aber niemand scheint sie zu vermissen. Nebenbei bittet Spiros große Liebe Nike ihn um Hilfe bei der Suche nach ihrem vermissten Freund Anton. Bei den Nachforschungen geraten beide in einen Strudel aus Politik und Gewalt, der Ariel Spiro fast das Leben kostet. Ihrem Debüt „Der weiße Affe“ lässt Kerstin Ehmer eine raffiniert komponierte Fortsetzung folgen, deren komplexe Handlung äußerste Konzentration beim Lesen erfordert. In acht chronologisch erzählten Kapiteln bringen ständig wechselnde Personen die Handlung voran. Darunter leidet allerdings manchmal die Straffheit der Erzählung. Dafür werden alle Figuren sehr lebendig charakterisiert und die verwendete Sprache passt hervorragend zum Berlin der 1920er Jahre.

Sehr gut geeignet für alle an deutscher Geschichte interessierten Krimi-Fans.

Signatur: SL
Schlagworte:
Krimi | Berlin | Geschichte | Weimarer Republik
Bewertung: ++
Rez.:
Claudia Puschmann

Ferrante, Elena: Tage des Verlassenwerdens. Roman. Dt. von Anja Nattefort. Berlin: Suhrkamp 2019. 252 S. ; 22 cm. Aus d. Ital. ISBN 978-3-518-42885-6, geb.: 22,00 €

Eine verlassene Ehefrau findet in einem traumatischen Emanzipationsprozess zu sich selbst.

Als Olgas Mann Mario ihr eines Nachmittags verkündet, dass er sie und die beiden Kinder verlassen wird, zerbricht Olgas scheinbar heile Welt. Olga ist zunächst davon überzeugt, dass er zu ihr zurückkehren wird. Doch Mario hat seit langem ein Verhältnis mit der erheblich jüngeren Carla und führt schon seit Jahren ein Doppelleben. Olga gibt sich allein die Schuld am Scheitern ihrer Ehe und stürzt in einen Abgrund aus Selbsthass und Selbstzerstörung. Ihr Leben entgleitet ihr, sie vernachlässigt sich und die Kinder und verliert sich in einem Strudel wahnhaften Erlebens. Mit einer fast quälenden narrativen Präzision entfaltet Elena Ferrante das Porträt einer Frau, die sich und den Sinn ihres Lebens ausschließlich über die Beziehung zu ihrem Mann definiert. Die lineare Emanzipationsgeschichte entwickelt, wie Olga sich schließlich aus den Verstrickungen ihrer traumatischen Trennungserfahrungen befreit und sich der Erkenntnis öffnet, eine erwachsene, freie und unabhängige Frau zu sein.

Der bereits 2002 erschienene und jetzt neu aufgelegte Roman richtet sich an Leser*innen, die sich in ihrer Lektüre mit psychologischen Themen auseinandersetzen möchten.

Signatur: SL
Schlagworte:
Trennung | Emanzipation | Psychologie
Bewertung: ++
Rez.:
Christine Heymer

 

Kaes, Wolfgang: Endstation. Kriminalroman. Hamburg: Rowohlt Polaris 2019. 423 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-499-27565-4, kt.: 16,99 €

2013: Jonas Berthold ist nach einem Discobesuch verschwunden und wird zwei Wochen später tot aus dem Rhein geborgen. 2018: Zielfahnder Mohr entdeckt Unstimmigkeiten in der Akte Berthold.

2013: Jonas und einige Schulfreunde besuchten die Disco Rheingold in Bad Hombach. Seine Mutter Adela erhält mitten in der Nacht einen merkwürdigen Anruf auf ihrem Handy. Danach ist sie sehr beunruhigt und will sich sofort auf die Suche nach Ihrem Son machen. Ihr Mann beruhigt sie. Am nächsten Morgen steht die Polizei vor der Tür und hat das Portemonnaie von Jonas am Rheinufer gefunden, nur von Jonas fehlt jede Spur. Zwei Wochen später zieht man seine Leiche aus dem Rhein.Es wird von einem Suizid ausgegangen und die Akte sehr schnell geschlossen. 2018 - Thomas Mohr der einen missglückten Einsatz hinter sich hat und auch nicht mehr ganz jung ist, wird auf das Abstellgleis geschoben und beschäftigt sich mit alten nicht aufgeklärten Fällen „Cold Cases“. Plötzlich hat er die Akte von Jonas Berthold auf dem Tisch und ihm fallen einige Merkwürdigkeiten auf. Zeugenaussagen wurden ignoriert und die Ermittlungsbehörden haben schlampig gearbeitet. Irgendetwas stimmt mit dieser Akte nicht.

Hier schreibt erkennbar jemand vom Fach. ein gut recherchierter und spannend geschriebener Krimi.

Signatur: SL
Schlagworte:
Thriller | Krimi
Bewertung: +++
Rez.: Claudia Heinisch

Lépic, Alex: Lacroix und die Toten von Pont Neuf. Roman. Zürich: Kampa 2019. 270 S. ; 19 cm. ISBN 978-3-311-12500-6, geb.: 16,90 €

Commissaire Lacroix, genannt „Maigret“, löst gleich drei Fälle auf einmal.

Drei Morde in drei Nächten, immer an Clochards unter den Brücken der Seine. Commissaire Lacroix ist alarmiert, denn vor 30 Jahren gab es auch eine Mordserie an Obdachlosen. Sie wurde nie aufgeklärt. Ist derselbe Täter am Werk? Und was hat die Schutzgelderpressung der Clochards durch ein schwerkriminelles Brüderpaar mit den Morden zu tun? Mit Hut, Mantel und Pfeife begibt sich „Maigret“, wie ihn seine Kollegen nennen, auf Verbrecherjagd. Alex Lépic ist mit seinem Ermittler Lacroix eine hinreißende Hommage an George Simenon gelungen. Mit trockenem Humor ausgestattet schickt er den Commissaire und sein Team auf Mördersuche durch Paris, das seine Leser dabei recht gut kennenlernen. Auch Spannung und überraschende Wendungen hat der Krimi zu bieten. Nur auf spektakuläre Actionszenen wurde verzichtet, denn Lacroix löst seine Fälle durch Nachdenken.
Hervorzuheben ist auch die sehr ansprechende Cover-Gestaltung des Buches, das sich gut als Geschenk eignet.

Für alle Simenon- und Paris-Fans ein Lesegenuss.

Signatur: SL
Schlagworte:
Krimi | Paris
Bewertung: ++
Rez.:
Claudia Puschmann

Lodge, Gytha: Bis ihr sie findet. Kriminalroman. Dt. von Kristian Lutze. Hamburg: Hoffmann & Campe 2019. 397 S. ; 21 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-455-00620-9, kt.: 14,90 €

In einem vor 30 Jahren ungelösten Fall werden bei erneuten Ermittlungen zahlreiche Widersprüche aufgedeckt.

Ein 14jähriges Mädchen, das zu einer Gruppe älterer Jugendlicher gehört, die am Fluss eine Party feiern und zelten wollen, verschwindet spurlos. Erst nach 30 Jahren tauchen die Überreste ihrer Leiche an einem Ort auf, an dem die Jugendlichen damals eine große Menge Aufputschdrogen versteckt hatten. Eifersüchteleien, Alkohol und Drogen, sowie ein Lehrer, der zeitgleich in der Nähe gezeltet hatte, das alles sind Faktoren, die den Kreis der Mordverdächtigen unüberschaubar machen. Während die beteiligten Personen nur kurz und prägnant beleuchtet werden, stehen zahlreiche Befragungen im Vordergrund der Ermittlungsarbeit. Dabei kommt es zunehmend zu widersprüchlichen Aussagen, auch der Inspektor, der damals auf dieselbe Schule wie die Jugendlichen besucht hatte, scheint in den Fall verwickelt zu sein. Die kapitelweise eingefügten Rückblenden, die in kleinen Dosierungen die damaligen Geschehnisse konkret schildern, sorgen für Spannung.

Der durchschnittliche Krimi, der teilweise etwas verworren wirkt und in der Auflösung des Falls logisch nicht ganz rund ist, kann dennoch recht gut unterhalten. 

Signatur: SL
Schlagworte: Krimi | Jugendliche | Schuld
Bewertung: +++
Rez.: Natascha Rothert-Reimann

Molloy, Aimee: Die Mutter. Ein Fehler, und du verlierst alles. Roman. Aimee Molloy. Dt. von Katharina Naumann. Hamburg: Rowohlt Polaris 2019. 346 S. ; 21 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-499-27636-1, kt.: 12,99 €

Ein Baby wird aus seinem Bett entführt und keiner hat etwas gesehen.

Jede Woche trifft sich eine Gruppe frisch gebackener Mütter, um sich über die Sorgen und Freuden des Elterndaseins auszutauschen. Bei einem Treffen verabreden Sie sich zu einer Kneipentour und einer ersten Auszeit vom Babyalltag. Der feucht-fröhliche Abend endet in einer Katastrophe: eines der Babys wurde entführt. Als die alleinerziehende Mutter Winnie nach Hause kommt, ist ihr Sohn aus seinem Bettchen verschwunden und niemand hat etwas bemerkt. Es beginnt eine verzweifelte Suche. Drei der Mütter stellen ihre eigenen Ermittlungen an. Wer ist diese Winnie überhaupt und warum verschweigt sie die Identität des Vaters? Wie gut kennen Sie eigentlich die anderen Mütter aus der Gruppe? Das Buch porträtiert sehr treffend Frauen unserer Zeit, die zwischen Muttersein und Karriere und hin und her gerissen sind. Spannend erzählt mit einem überraschenden Ende, hinterfragt der Roman Rollenverteilungen und entlarvt gesellschaftliche Denkmuster.

Ein spannender, facettenreicher Thriller - nicht nur für Mütter geeignet.

Signatur: SL
Schlagworte:
Mütter | Entführung | Familie | Gesellschaft
Bewertung: ++
Rez.: Susanne Hartmaier

Nichts als Weihnachten im Kopf. Textauswahl von Céleste Blum. Ill. von Nikolaus Heidelbach. Mit Beiträgen von Axel Hacke, Joachim Ringelnatz u.a. Zürich: Gatsby 2019. 216 S. : Ill. ; 25 cm. ISBN 978-3-311-250047-4, geb.: 25,00 €

Neue und altbekannte Geschichten und Gedichte zur Weihnachtszeit.

37 Geschichten und Gedichte rund um die Weihnachtszeit sind in diesem Buch versammelt. Axel Hacke denkt da laut über ein Separatbäumchen für Sohn Luis nach, Vicky Baum lässt Tante Mali zum Plätzchenbacken anreisen und Jan Weiler benimmt sich als Nikolaus gründlich daneben. Natürlich gibt es auch den einen oder anderen Familienstreit, der unvermeidliche O. Henry ist mit von der Partie und auch Rilke darf nicht fehlen. Insgesamt ist es aber eine ausgewogene Mischung aus neuen Überraschungen, aus Ernstem, Lustigem und Besinnlichem. Wer Heidelbachs leicht verschrobene Art des Illustrierens mag, kommt hier auch bildästhetisch auf seine Kosten.

Ein schönes, wertig daherkommendes Buch, das sich gut in der vorweihnachtlichen Veranstaltungs- und Gemeindearbeit einsetzen lässt und das zudem als Geschenk oder einfach auch als Blickfang in der Bücherei etwas hermacht.

Signatur: SL
Schlagworte:
Weihnachten / Anthologie
Bewertung: ++
Rez.: Wiebke Mandalka

C Christlicher Glaube, Religionen, religiöse Weltanschauungen

Apelt, Anne-Maria: Grüne Wunder erleben. Geschichten von Lebensentdeckungen in der Natur. Asslar: Adeo 2019. 220 S. : überw. Ill. ; 24 cm. ISBN 978-3-86334-217-3, geb.: 22,00 €

Der Mensch, die Natur, Religion und Spiritualität. Dieses Buch erzählt davon, wie daraus eine Verbindung entsteht.

Welche Wirkung die Natur auf den Menschen hat, hört man immer wieder. Dieses Buch gibt Einblicke in Lebensgeschichten von Menschen, die in der Natur eine Bereicherung für ihr Leben gefunden haben. Mal religiös, mal spirituell, immer faszinierend sind diese Geschichten von mehr als 20 verschiedenen Personen. Eindrucksvolle Bilder unterstreichen die Berichte und wecken die Lust im Leser selber raus zu gehen und die Natur zu spüren. Ein Buch, das zum Suchen und Finden, zum Hören, Fühlen und Wahrnehmen anregt.

Für alle die mal durchatmen wollen und sich nicht davor scheuen, mit den eigenen Lebensfragen konfrontiert zu werden. 

Signatur: Ce
Schlagworte:
Spiritualität | Naturheilkunde | Wunder
Bewertung: +++
Rez.: Julia Brede

Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Die fünfzig schönsten Redewendungen der Bibel. Hg. von Petra Gerster u. Christian Nürnberger. Mit Beiträgen von Klaus Jürgen Diehl, Ruprecht Veigel u.a. Leipzig: Ev. Verl.-Anst. 2019. 119 S. : Ill. ; 22 cm. ISBN 978-3-96038-189-1, geb.: 14,90 €

Wer(s) glaubt, wird selig - wie Luther unsere Sprache bereichert.


Erneut ist ein Büchlein erschienen, in dem die Herkunft einiger Redewendungen aus unserer Alltagssprache erklärt wird. Mit entsprechenden Illustrationen versehen und kurzweilig erklärt, eignet es sich auch als Geschenkidee. Nicht jeder Nutzer dieser sprachlichen Bilder in seinem Sprachgebrauch kennt den Ursprung, die 500 Jahre alte Lutherübersetzung der Bibel. Wollte man die Nähe zur christlichen Religion vermeiden, wäre die eigene Ausdrucksweise eher sparsam und ungenau. Insofern ist dieser Band bestens geeignet, besonders den Kritikern der Kirche "die Schuppen von den Augen" fallen zu lassen.

Aber auch allen Interessierten sei dieses aufwendig gestaltete, mit den Angaben der Bibelstellen versehene Büchlein ans Herz gelegt, damit unsere Sprache kein "Buch mit sieben Siegeln" bleibt.

Signatur: Cz
Schlagworte: Religion | Sprache | Bibel | Luther
Bewertung: +
Rez.:
Christiane Weppner

F Familie, Ehe, Lebensfragen

Döring, Dorothee: Späte Versöhnung. Auseinandersetzung und Aussöhnung mit den alten Eltern. 3., wesentl. erw. Aufl. Kevelaer: Butzon & Bercker 2019. 223 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-7666-2644-8, kt.: 18,00 €

Dritte wesentlich überarbeitete Neuauflage des Ratgebers für die Aussöhnung mit den alten Eltern.

"Eltern sind an allem schuld!" Diesem Satz widerspricht die Lebensberaterin Döring und lädt ein, sich mit den alten Eltern auszusöhnen. Im 1. Teil ihres Ratgebers geht sie auf die Beziehungskonflikte zwischen Eltern und Kindern ein. Besonderes Augenmerk richtet sie auf nicht gelöste Abnabelungsprozesse und überhöhte (Perfektionismus-)Erwartungen aneinander. Der 2.Teil setzt sich mit Altlasten und konkreten Vorwürfen (z.B. Du hast die Familie zerstört durch Scheidung oder Du hast mich nie verstanden) auseinander. Das Herzstück für Döring ist der 3. Teil, den sie "Annäherung durch Verstehen und Verzeihen" nennt. Hierin gibt sie Tipps und Hinweise, wie Kinder weg von der Vorwurfshaltung hin zu einem selbstbestimmten Leben finden. Toleranz und Perspektivwechsel können Verständnis und damit Wege zur Versöhnung weisen. In allen Kapiteln lässt sie konkrete Beispiele von Klienten einfließen, die verdeutlichen, worum es geht. Fazit: Versöhnung kann ich mir erarbeiten, Liebe nicht.

Ein leicht zu lesender und solider Ratgeber, sich mit seinen Eltern und der eigenen Verantwortung für sein Leben auseinanderzusetzen.

Signatur: Fc | Fd
Schlagworte: Eltern-Kind-Beziehung | Familie | Konflikt | Versöhnung
Bewertung: +++
Rez.: Christine Stockstrom

Fitzek, Sebastian: Fische, die auf Bäume klettern. Ein Kompass für das große Abenteuer namens Leben. München: Droemer 2019. 256 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-426-27782-9, geb.: 18,00 €

"Stolpersteine" zum Nachdenken.

Sebastian Fitzek, präsentiert seinen drei Kindern - sowie seinem Lesepublikum - einen "Kompass" als Leitfaden für Alltagssituationen mit der Ermunterung, "versucht das Unmögliche, möglich zu machen", erklärt, dass "Freiheit" bedeutet, Entscheidungen treffen zu können, erachtet als unerlässlich, die Regeln zu kennen, die man bricht. Empfehlungen, die Erwachsene ebenso zum Nachdenken anregen, wie Kinder und Jugendliche. Er gibt den Rat, sich eigene Ziele zu setzen, das Dasein individuell zu gestalten, unbeeinflusst von "fremden" Ideengebern, denn, das Leben findet in der Gegenwart statt, nicht in der Zukunft. Für den Autor bedeutet "Reise" eine Metapher, die für Erfahrungen, Erlebnisse, Impressionen steht, die einen Charakter prägen mit den Herausforderungen, denen man sich stellen sollte bei dem dringenden Hinweis, keine Scheu vor negativen Reaktionen der Umwelt zu haben, diese eher zu relativen, denn sie tragen zur Selbsterkenntnis bei, kristallisieren den Eigenanteil heraus. Als Ziel sieht Fitzek u. a., nur EINE Erwartungshaltung zu erfüllen, nämlich die EIGENE, mit einem ihm wichtigen Hinweis, in keiner Situation auf "andere herabzuschauen".

Durchdachte Episodensammlung. Nachvollziehbar. Lesens- und empfehlenswert. 

Signatur: Fd
Schlagworte: Lebensratgeber
Bewertung: ++
Rez.: Brigitta Morgenstern

Schweighöfer, Kerstin u. Quermann, Dieter: Herzensbrüche. Geschichten von Trennungen und Neubeginn. Hamburg: Hoffmann & Campe 2019. 365 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-455-00534-9, geb.: 22,00 €

Wie Trennungen verlaufen, was man daraus lernen kann und wie diese gelingen können.

Jede dritte Ehe scheitert in Deutschland. Trennungen sind alltäglich geworden, aber dennoch eine persönliche Katastrophe für den Verlassenen ebenso wie für denjenigen, der verlässt. Und jede Trennung verläuft anders, es gibt kein Schema, keine universelle Gebrauchsanweisung für die Betroffenen, um aus dieser Lebenskrise herauszufinden und einen Neuanfang mit einem anderen Partner zu wagen oder allein zurückzubleiben.
Die Autoren, selbst erfahren in Sachen Trennung, haben acht Portraits von Betroffenen zusammengestellt, um dem Phänomen Trennung auf die Spur zu kommen. Leider kommt jeweils immer nur ein Partner zu Wort. Da solch eine elementare Lebenskrise jedoch für beide ehemaligen Partner äußerst schmerzhaft und leidvoll ist, bleiben die Portraits unvollständig und dienen eher nicht zu einer Versachlichung dieses hochemotionalen Themas.

Sehr freimütig und offen wird erzählt, um anderen Mut zu machen und ihnen neue Perspektiven zu eröffnen. Ob dies tatsächlich zutrifft, bleibt offen. Vorliegendes Buch eignet sich gut für Selbsthilfegruppen oder auch als Diskussionsvorlage für private Gespräche.

Signatur: Fd
Schlagworte: Ehe | Zusammenleben | Trennung | Neubeginn
Bewertung: +
Rez.: Christiane Weppner