Newsletter „Bücherei" 12/2020

Liebe Büchereimitarbeiterin!

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Heute erhalten Sie den letzten Bücherei-Newsletter des Jahres. Wieder findet sich hier eine bunte Mischung für Klein und Groß und vielleicht auch noch der eine oder andere last-minute Geschenktipp: Paul Maar erzählt z. B. von seiner Kindheit, Kommissar Gamache löst seinen nächsten Fall, die Zwillinge Fitz und Lena helfen einer Meeresprinzessin und eine Monsterfamilie versucht sich unauffällig in der Menschenwelt zu bewegen. Natürlich mit zweifelhaftem Erfolg.

Ein gesegnetes Weihnachtfest und ein fröhliches neues Jahr wünscht

Ihr Eliport-Team

 

Bewertung:

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Jm 1 Bilderbücher

K., Ulf: Der Meckerpapa. München: Tulipan 2020. O. Pag. : überw. Ill. ; 24 cm. ISBN 978-3-86429-460-0, geb.: 15,00 €

Ein Junge überlegt, wie es wäre, einen Heldenvater zu haben.

Mecker, mecker. Aufgrund der Meckerei seines Vaters („Du bist ja immer noch nicht fertig! Ich habe dir doch schon dreimal gesagt, du sollst die Jacke anziehen“) beginnt ein Junge darüber zu sinnieren, einen anderen Papa zu haben. In seiner Vorstellung hatte seine Mutter einfach zu wenig Geld um sich im „My Papa Vaterladen“ einen echten Kracher zu kaufen. Statt Restposten für 5 (? Währung nicht angeben!), hätte sie ansonsten einen Cowboy (350,-) oder einen Astronauten (600,-) aussuchen können. Ritter- oder Piratenväter scheinen wohl tatsächlich unbezahlbar zu sein, so dass ihr Preis noch nicht mal angegeben wird. Doch auch wenn sich der Junge zunächst diverse Traumszenarien ausmalt, bei dem die positiven Eigenschaften des jeweiligen Alternativvaters hervorstechen, kehrt er doch jedes Mal auch wieder zu seinem Papa zurück. Denn der hat schließlich auch seine Vorteile: trägt keine harte Rüstung, die Kitzelattacken unmöglich machen, hat keinen Piraten-Enterhaken, der jeden Fußball zerstört…Ulf K. erzählt in Text und Bild pointiert, witzig und unverkennbar cartoonistisch.

Toll, um Imagepflege für vermeintliche Restpostenväter zu machen. Liebevoller Blick auf Vater-Sohn-Beziehung.

Signatur: Jc | Jm 1
Schlagworte: Vater | Sohn | Vaterbilder
Bewertung: ++
Rez.: Anna Winkler-Benders

Levi, Taltal: Wo ihr mich findet. Dt. von Elisa Martins. Zürich: Nord-Süd Verl. 2020. O. Pag. : überw. Ill. ; 22 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-314-10531-9, geb.: 15,00 €

Eine kleine Ausreißerin macht sich mutig auf den Weg und erfährt, dass sie nicht verloren gehen wird.

Manchmal haben die Eltern anscheinend nur wenig Zeit für ihr kleines Mädchen. Dann fühlt sie sich fast unsichtbar, aber sie ist auch ein wenig schüchtern. Trotzig packt sie deshalb einen Rucksack und macht sich ganz eigenständig auf den Weg zu ihrer Lieblingsstelle am Meer. Sie kennt sich aus, die umgebende Natur ist ihr vertraut. Doch als es dunkel wird im Wald, fühlt sich plötzlich ganz klein und allein. Tief verkriecht sie sich in ihren Schlafsack. Am Morgen wird sie von einem anhänglichen Füchslein überrascht, das sie fortan treu begleitet. Und als die Eltern sie an ihrem Lieblingsplatz finden, ist ihre Welt wieder ganz rund. – Ist es der so wenig dramatische Handlungsverlauf oder sind es die kleinen Texte mit wohlgesetzten Worten, die dazu ermuntern, die Geschichte mit eigenen Ideen zu erweitern und auszuschmücken? Stimmig für die ruhige, märchenhafte Atmosphäre des Buches sind auch die aquarellierten, zart strukturierten Bilder in kräftigen und zugleich gedeckten Farbtönen.

Die Bilder, die leisen Töne und das unmittelbare Geschehen bilden eine ungewöhnliche Bearbeitung für dieses zeitlose Thema. Besonders geeignet für eher zurückhaltende Kinder ab vier Jahren.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Eigenständigkeit | Schüchternheit | Natur | Geborgenheit
Bewertung: ++
Rez.: Natascha Rothert-Reimann

Loo, Sanne te: Iber & Knort. Dt. von Eva Schweikart. Zürich: Aracari 2020. O. Pag. : überw. Ill. ; 31 cm. Aus d. Niederländ. ISBN 978-3-907114-11-7, geb.: 14,00 €

Kleine Geschichte über Freiheit und Freundschaft.

Der kleine Iber hat einen Vogel gefangen und präsentiert ihn stolz seinem großen Freund Knort. Der betrachtet ihn zwar behutsam ist aber der Ansicht, dass er besser freigelassen werden sollte. Ohne Ibers Protest zu beachten, macht Knort dies dann auch einfach und schwups, fliegt der Vogel wieder in den Himmel davon. Das findet Iber nun gar nicht gut und beschließt für sich, dass dann eben auch Knorts Höhlenkaktus dringend ins Freie gehört. Ob der Kaktus das überlebt? Die Niederländerin Sanne te Loo erzählt unaufgeregt vom Zusammenleben von Groß und Klein aus der Perspektive des Kleineren. In einer Steinwüste, die stellenweise aber eben über eine beachtlich dichte Vegetation und (versteckte) Tierwelt verfügt, leben die zwei zotteligen Fantasiewesen sehr friedlich miteinander. Hier gibt es keine großen Emotionsausbrüche und doch werden anhand von Gestik und Mimik, vor allen Dingen Augenausdruck, die Gefühlslagen sehr deutlich.

Gut geeignet, um mit Kindergartenkindern über Gefühle, Umgang mit der Schöpfung und den Freiheitsgedanken zu sprechen.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Freundschaft | Natur | Freiheit | Gefühle
Bewertung: ++
Rez.: Anna Winkler-Benders

Der Schneeflockensammler. Robert Schneider. Ill. von Linda Wolfsgruber. Wien: Jungbrunnen 2020. O. Pag. : überw. Ill. ; 26 cm. ISBN 978-3-7026-5946-2, geb.: 16,00 €

Der junge Farmerssohn Wilson ist ein Träumer, der den Augenblick genießt. Ein Faible entwickelt er für Schneeflocken. Bilderbuch zur Lebensgeschichte des Fotografen Wilson Alwyn Bentley (1865 bis 1931).

Die Bilderbuchkünstlerin Linda Wolfsgruber hat diese Erzählung des österreichischen Schriftstellers Robert Schneider mit einer aufwendigen Drucktechnik und stimmungsvollen Illustrationen gestaltet. Zum Leidwesen seines Vaters lebt Wilson in den Tag hinein und verbringt seine Zeit mit genauen Beobachtungen in der Natur. Im Winter widmet er sich der Schönheit und Einzigartigkeit von Schneeflocken und will diese einfangen. Um auf einer Farm in den Weiten Amerikas überleben zu können, sind allerdings andere Eigenschaften wie Fleiß und Tatkraft gefordert. In dem in zarten, transparenten Blau- und Weißtönen kunstvoll illustrierten Bilderbuch spiegeln sich die winterliche Atmosphäre und die Gefühlslage des Jungen wider, die Einsamkeit des Träumers, aber auch seine Entdeckerfreude und Ehrgeiz, andere an seiner Leidenschaft teilhaben zu lassen. Die sprachliche Gestaltung ist literarisch und wirkt altmodisch. Thematisch erinnert das Buch an den Titel „Der Träumer“ von P. M. Ryan, die Kindheitsgeschichte von P. Neruda.

Ein auch vom Haptischen her künstlerisch gestalteter Titel, dessen Vermittlung über die Illustrationen erfolgen kann. Der Text müsste angepasst bzw. die Geschichte erzählt werden. Eine Idee für eine praktische Umsetzung ist zu finden unter blog.labbe.de/wunderschoene-schneekristalle-nach-fotografien-von-bentley/ Ab 7 J.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Winter | Einsamkeit | Achtsamkeit
Bewertung: ++
Rez.: Anke Märk-Bürmann

Zug der Fische. Yaroslava Black. Ill. von Ulrike Jänichen. Mit einem Nachwort von Keno Verseck. Hamburg: Carlsen 2020. O. Pag. : überw. Ill. ; 22 cm. ISBN 978-3-551-51197-3, geb.: 18,00 €

Das schwierige Leben der „Eurowaisen“, Kinder osteuropäischer Erwerbstätiger, die in den westlichen Ländern arbeiten.

Marika lebt in einem karpatischen Dorf an dem großen Fluss Brusturka, ihre Mutter arbeitet in Italien. Auch an Weihnachten kommt sie nicht, stattdessen schickt sie viele Geldscheine, damit Marika und ihre Großeltern Winterkleidung und Spielsachen kaufen können, denn zu Hause gibt es nur äußerst spärliche Verdienstmöglichkeiten. Aber nun tritt der starke Junge Iwan auf, der alle Kinder des Dorfes dazu bringt, die Geldscheine der Eltern in den Fluss zu werfen. Er malt eine Krippe mit einem weinenden Jesuskind auf den 100-Dollarschein. „Komm zurück!“, schreibt er dazu. Etwas irritierend bleibt die völlig unvermittelte, zweifelhafte, religiöse Schlussperspektive, in der die  Mutter Maria und ihr Sohn, der „freundliche Fischer“ „wissen, was zu tun ist“! Trotz ansprechender Farben überzeugen auch die großformatigen, unruhig gestrichelten oder gepunkteten Illustrationen nicht immer. Die ins Bild gesetzten Details finden oft keinen rechten optischen Zusammenhang.

Dennoch: Vor allem aufgrund seines Themas ein wichtiges und diskussionswürdiges Bilderbuch für Kinder und Erwachsene.

Signatur: Jm 1
Schlagworte:
Eurowaisen | Migration | Armut | Frömmigkeit
Bewertung: +
Rez.:
Barbara von Korff-Schmising

Ju 1 Erzählungen für das erste Lesealter (6-8 Jahre)

Monsterstarke Geschichten. Zum ersten Selberlesen. Jochen Till. Ill. von Zapf. Ravensburg: Ravensburger Buchverl. 2020. 192 S. : überw. Ill. ; 22 cm. ISBN 978-3-473-36584-5, geb.: 9,99 €

Eine Monsterfamilie versucht in der Menschenwelt unentdeckt zu leben, was sie vor einige Herausforderungen stellt.

Familie Ungeheuerlich musste umziehen, da ihr Haus explodiert ist. Nun lebt die sechsköpfige Familie in einer Menschenstadt. Von schlangenartigen Haaren über blaues Fell bis hin zu Dynamitgaspupsen hat sich der Autor einiges einfallen lassen, um die Protagonisten witzig und wirklich rundum monstermäßig zu beschreiben. Freddie ist der Jüngste der Familie voller Monster und fällt am wenigsten auf, da an ihm nur seine immer in Schuhen versteckten Füße monstermäßig sind und der Rest von ihm wie ein Menschenkind aussieht. Deswegen darf er auch die Menschenschule besuchen und zum Einkaufen gehen. Dabei erlebt er allerhand urkomische Situationen, die aus seiner Sicht erzählt und detailliert ausgeschmückt werden.
Die sehr ausführliche Beschreibung und Fokussierung auf die speziellen Besonderheiten der einzelnen Monster lassen an manchen Stellen die Handlung etwas in den Hintergrund rücken, so dass es für Erstleser*innen eventuell schwierig sein könnte, den roten Faden beizubehalten.

Für alle geübten Erstleser*innen, die Monster mögen und gerne lustig übertriebene Geschichten lesen.

Signatur: Ju 1 | Ju 2
Schlagworte:
Monster | Freundschaft | Humor | Schule
Bewertung: ++
Rez.:
Darina Saust

Ju 2 Erzählungen für das zweite Lesealter (9-12 Jahre)

Rittershausen, Christiane: Mari, Mädchen aus dem Meer - Das Schildkröten-Orakel. Ill. von Nina Dulleck. Bamberg: Magellan 2020. 221 S. : Ill. ; 22 cm. ISBN 978-3-7348-4158-3, geb.: 14,00 €

Die etwa 10jährigen Zwillinge Fritz und Lena sollen einer Meeresprinzessin helfen, ihre Unterwasserheimat zu retten.

Die Klasse 5a der Schule von Einöd, einem verschlafenen Nest am Meer, bekommt eine neue Schülerin: Mari. Kennt sich super in Meeresbiologie aus und ist zufällig eine Prinzessin auf der Flucht. Ihr Königreich ist die geheime Unterwasserwelt Almaris. Natürlich ist auch das streng geheim. Und jeder, der diesem Geheimnis zu nahe kommt, wird mit ein wenig Seeigelgift seiner Erinnerungen beraubt. Außer den Zwillingen Fritz und Lena, deren Hilfe Mari braucht, um ihr Königreich vor dem Ausverkauf zu retten. Denn ein gieriger Unternehmer aus Einöd will Almaris als einen Unterwasserelebnispark profitreich vermarkten. Doch die drei Kinder finden einen Weg, dieses Vorhaben erfolgreich zu vereiteln. Der Beginn einer nicht ganz alltäglichen Freundschaft mit Potential für weitere Abenteuer. Mit ihrem ersten Kinderbuch gibt die Autorin den Auftakt zu einer überzeugenden Abenteuerserie. Überschaubare Kapitel werden von s/w-Vignetten von Nina Dulleck begleitet.

Empfehlenswertes Leseabenteuer für Jungen und Mädchen ab 10 Jahren. Mit Hinblick auf den Fortsetzungscharakter zur Anschaffung in größeren Bibliotheken geeignet.

Signatur: Ju 2
Schlagworte: Abenteuer | Unterwasserwelt | Magie
Bewertung: ++
Rez.: Brigitte Elstner-Steinbach

Ju 3 Erzählungen für Jugendliche ab 13 Jahren

Schäuble, Martin: Cleanland. Frankfurt am Main: Fischer KJB 2020. 205 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-7373-4257-5, geb.: 14,00 €

Die Dystopie spielt in einer post-pandemischen Zeit: Das Mädchen Schilo (15 J.) lebt in Cleanland. Hier gibt es absoluten Schutz vor Krankheiten, aber auch ständige Überwachung.

Schilo lebt mit ihrer Mutter und ihrer Oma in einem Hochhaus in Cleanland. Alle Menschen tragen einen Protector, der sie vor Berührungen mit anderen Menschen und damit vor Krankheiten schützt. Ein Controller am Handgelenk sorgt für absolute Überwachung der Körperfunktionen. Jeder darf nur zu einer anderen Person außerhalb des eigenen Haushalts Kontakt haben. Das ist bei Schilo ihre beste Freundin Samira. Schilos Weltbild gerät ins Wanken, als sie sich in Toko verliebt, der ihr zeigt, dass es außerhalb von Cleanland noch ein anderes Leben gibt. Toko ist als Cleaner zuständig für die Desinfizierung ihrer Wohnung. Als Samiras jüngerer Bruder Oscar gegen seinen Schutzanzug rebelliert und eine Art Umerziehung erfährt, verstärken sich Schilos Zweifel. M. Schäuble hat diese Dystopie im Frühjahr zu Beginn der Corona-Pandemie begonnen. Wegen der Brisanz des Themas ist Interesse an diesem spannenden Roman zu erwarten, auch wenn die Charakterzeichnung der Figuren etwas oberflächlich ist.  

Für jugendliche Leserinnen und Leser mit Interesse an aktuellen gesellschaftskritischen Themen. Der Roman bietet viele Ansatzpunkte für eine kritische Auseinandersetzung. Ab 12 Jahren.

Signatur: Ju 3
Schlagworte: Pandemie | Überwachungsstaat | Dystopie
Bewertung: ++
Rez.: Anke Märk-Bürmann

Sachbücher für Kinder und Jugendliche

Frag doch mal ... die Maus! Unsere Erde. Sylvia Englert. Ill. von Lorenzo Orlandi. Hamburg: Carlsen 2020. 55 S. : überw. Ill. ; 26 cm. ISBN 978-3-551-25349-1, geb.: 14,99 €

Erdbeben, heiße Wüsten, Hautfarben, Klimawandel, Herkunft von Sandkörnern: Erdkunde in 23 Fragen mit der „Maus"-Figur.

Die „Maus"-Fernsehfigur ist seit Jahrzehnten bekannt, ebenso die Kinderfragen, die dort beantwortet werden. So ist auch dieses Erdkunde-Sachbuch aufgebaut: Auf 55 Seiten erhalten die Leser Antworten zu 23 typischen Kinderfragen: Zur Entstehung von Tropfsteinhöhlen, Kontinentnamen, unterschiedlichen Hautfarben (sonnenabhängig) und Klimawandel. Weshalb gibt es nur Nord- und Südpol, keinen Ost- und Westpol? - wird mit Globus, Erdachsen-Drehung und Erd-Magnetfeld erklärt. Also durchaus sehr anspruchsvoll, aber mit dem gelungenen Bemühen, Schwieriges verständlich und spannend rüberzubringen. Der blaugedruckten Einleitung folgen auf je einer Doppelseite - bei den Tieren sind es sechs Seiten - Erklärungen und Zeichnungen von Lorenzo Orlandi bzw. Fotos, z. B. vom Polarlicht. Auf fast jeder Seite taucht auch die Maus auf, manchmal auch ein Kästchen mit weiteren Erläuterungen. Begriffserklärungen wie Magma und Meeresspiegel folgen am Schluss.

Die „Maus"-Figur spricht sicher mehr Jüngere an. Vom Verständnis her eignet sich das Buch jedoch erst ab 3./4. Klasse. Empfohlen besonders für Schulbibliotheken.

Signatur: Je | Jn
Schlagworte: Erdkunde | Naturphänomene
Bewertung: ++
Rez.: Delia Ehrenheim-Schmidt

Yoga für Minis. Text: Sally Beets. Ill.: Ailie Busby. Fotos: Ruth Jenkinson. Dt. von Stefanie Beck. München: Dorling Kindersley 2020. O. Pag. : überw. Ill. ; 21 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-8310-4053-7, geb.: 9,95 €

Flattern wie ein Schmetterling, hüpfen wie ein Frosch, wer macht alles mit?

In diesem tollen Pappbilderbuch werden die kleinen und großen Leserinnen eingeladen 15 Yoga Übungen mitzumachen. Kannst du flattern wie ein Schmetterling oder brüllen wie ein Löwe? Nicht nur den Kindern fällt es leicht die Übungen nachzumachen auch jeder Erwachsene kann die einfachen Übungen mitmachen.
Die stabilen Pappseiten mit abgerundeten Ecken sind sehr ansprechen und anschaulich gestaltet. Auf bezaubernden Fotos sieht man kleine Yogis wie sie die Übungen vormachen, ergänzend dazu gibt es wundervolle Zeichnungen.
An regnerischen Tagen nehmen wir uns gerne dieses Buch zur Hand um ein bisschen Familienyoga zu machen. Es macht uns immer sehr viel Spaß.

Eine ideale Anleitung für einfaches Yoga in der Krippe oder im Kindergarten.

Signatur: Jr
Schlagworte: Yoga | Konzentration | Entspannung | Pappbilderbuch
Bewertung: ++
Rez.: Janine Halder

SL Romane, Erzählungen, Dramen, Lyrik - Belletristik

Berkel, Christian: Ada. Roman. Berlin: Ullstein 2020. 394 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-550-20046-5, geb.: 24,00 €

Geschichte um die junge Ada die die Nachkriegszeit in West-Berlin beleuchtet.

Nach „Apfelbaum“ folgt nun „Ada", Ada kehrt mit ihrer jüdischen Mutter aus Argentinien ins zerstörte Berlin zurück. Für die Tochter hat die Mutter hat nicht viel Zeit übig, das wird auch nicht besser mit Otto, einem Arzt, der als Vater in die Familie eintritt, für Ada ist das keine emotionale Verbesserung, sondern nur eine materielle in einer Villa. Schnell wird ein neues Kind „Sputnik“ geboren, das nun im Mittelpunkt steht. Das Leben schweigt sich in der Nachkriegszeit über vieles aus, von der Vergangenheit wird nicht gesprochen. Ada hat das Gefühl unerwünscht zu sein, man begleitet Ada in West-Berlin zur Zeit des Wirtschaftswunders, des Mauerbaus und durch die 68er-Bewegung. Am Schluss wird Mauerfall 1989 thematisiert, einiges zwischen 68 und 89 fehlt. Ada scheint am Leben zu scheitern. Am Ende bleibt die Revolution aus. Der Wohlstand lässt vergessen, was gewesen ist. Eine geschickte Mischung aus realer Geschichte z.B. die negative Rolle des Schahs um 68 und den Freiheiten des Autors.

Das Buch ist vielschichtig, die Last der deutschen Geschichte erdrückt nicht, gleichzeitig eine ungewöhnliche Familiengeschichte, ein gelungener Roman, der leicht zu lesen ist.

Signatur: SL
Schlagworte:
Nachkriegszeit | West-Berlin | 68er | NS-Verdrängung
Bewertung: +++
Rez.: Martin Ertz-Schander

Dermansky, Marcy: Wirklich nett. Roman. Dt. von Martin Ruben Becker. Hamburg: Kindler 2020. 332 S. ; 21 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-463-40718-0, geb.: 22,00 €

Studentin verliebt sich in Professor, der eine Affäre mit ihrer Mutter beginnt.

Rachel Klein ist Studentin und küsst ihren Professor für Kreatives Schreiben. Der Kuss ist wirklich nett. Da der Professor- Zhaid – nach Pakistan zu seiner sterbenden Großmutter fliegen muss, vermietet er seine Wohnung an Khloe, seine lesbische Freundin,  unter und gibt seinen kleinen Hund „Princess“ zu Rachel in Pflege. Rachel fährt zu ihrer Mutter Becca. Diese ist gerade geschieden und ihr Hund ist gerade gestorben. Mit innerem Widerstand lässt sie sich auf Tochter und Hund ein. Da Zhaids Großmutter schon am Tag seiner Ankunft in Pakistan stirbt, kommt er sofort wieder zurück und braucht ein Quartier. So landet er bei Becca. Das Leben in ihrem Haus ist wirklich nett. Doch die beginnende Affäre mit ihr ist eine sehr schlechte Idee. Das Buch ist in Kapitel von jeweiligen Protagonisten unterteilt, die jeweils in der Ich-Form erzählen und alle sind verschrobene und "kaputte" Typen. Wirklich nett ist nur der Titel.

Eher mäßige Unterhaltung.

Signatur: SL
Schlagworte: Liebe | Affäre
Bewertung: +
Rez.: Christine Stockstrom

Gardam, Jane: Robinsons Tochter. Roman. Dt. von Isabel Bogdan. München: Hanser Berlin 2020. 316 S. ; 21 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-446-26783-1, geb.: 24,00 €

Ein ganzes Frauenleben im kargen Norden Englands voller Geheimnisse und Überraschungen.

Erst spät wurde die englische Autorin (*1928) auch einer breiten deutscher Leseschaft bekannt mit ihrer "Old Filth"-Trilogie. Jetzt legt der Hanser Verlag ein autobiographisch geprägtes Werk aus dem Jahr 1985 auf Deutsch auf. Darin geht es um ein langes Frauenleben in der kargen Landschaft in Nord-Yorkshire am Meer. Die 6-Jährige Polly Flint kommt 1904 zu ihren ältlichen Tanten in das Gelbe Haus in den Salzmarschen an der Mündung des Tee. Die Mutter ist früh gestorben und der Vater wird kurze Zeit später bei einem Schiffsunglück umkommen. Polly ist einsam, besucht keine Schule und tröstet sich mit stundenlangem Lesen der englischen Klassiker in der Bibliothek der Tanten. Immer wieder liest sie ihr Lieblingsbuch "Robinson Crusoe". Der Leser begleitet die Protagonistin durch ihre Kindheit, eine unerfüllte Liebe, Entbehrungen zweier Weltkriege, Alkoholexesse und die zunehmende Umweltzerstörung in der Nachbarschaft. Aber sie macht ihren Weg im Bestreben nach Selbstbestimmung.

Eine Hommage an die Klassiker der Weltliteratur mit einer einzigartigen Heldin ein ganzes Jahrhundert lang. Gerne empfohlen für Literaturkreise und jede Gemeindebücherei - lebendig.

Signatur: SL
Schlagworte:
Frauenleben | englische Gesellschaft im 20.Jahrhundert | Einsamkeit
Bewertung: +++
Rez.:
Karin Steinfeld-Bartelt

Guay-Poliquin, Christian: Das Gewicht von Schnee. Roman. Dt. von Sonja Finck u. Andreas Jandl. Hamburg: Hoffmann & Campe 2020. 284 S. ; 21 cm. Aus d. kanad. Franz. ISBN 978-3-455-00932-3, geb.: 24,00 €

Ein anhaltender Stromausfall verändert die Zivilisation grundsätzlich. Ein Dorf im Schnee und ein Unfall. Spannung.

Der Protagonist sucht nach dem Ende der Selbstverständlichkeiten nach einem Zufluchtsort und wähnt den bei seinem Vater in dörflicher Waldeinsamkeit. Ein Unfall verletzt ihn lebensgefährlich und nur durch Zufall wird er von Bewohnern eben jenes Dorfes gerettet. Lebensmittelrationen, schwankende Hoffnungen, knappe Medikamente - ein anderer Gestrandeter soll ihn pflegen, bis im Frühjahr - nach dem Schnee - eine Gruppe zu einer Expedition aufbrechen will und Matthias mitzunehmen bereit ist. Ein famoser Plott! Es schneit und schneit. Das Leben ist aufs Wesentliche reduziert. Die Beziehungen drohen unter dem Druck zu bersten. Und tun es auch. Das Buch liest sich wie ein Thriller und berührt durch die Posie der Sprache und die Reduktion der Handlung. Trotzdem bleibt bei der aufmerksamen Leserin ein maues Gefühl: vieles stimmt irgendwie nicht, manches nervt und erscheint retundant. Warum laufen so viele weg? Was wird aus dem Kind, das geboren wird? Ist der letzte Weg eine Falle?

Ein Roman für lange Winterabende.

Signatur: SL
Schlagworte:
Verlässlichkeit | Überleben | Sinn
Bewertung: ++
Rez.:
Christiane Thiel

In 80 Liebesgedichten um die Welt. Ausgewählt von Clara Paul. Mit Beiträgen von Ricarda Huch, Hilde Domin u.a. Berlin: Insel 2020. 138 S. ; 20 cm. ISBN 978-3-458-36483-2, geb.: 10,00 €

Liebe gibt es immerfort und auf der ganzen Welt. 80 Gedichte über ein leidenschaftliches,universelles und unerschöpfliches Thema.

Neben weltberühmten Namen wie Anna Achmatowa oder Pablo Neruda  lassen sich auch einige unbekanntere  Namen  in dieser Gedichtsammlung  entdecken. Die  Liebe widersetzt sich allen nationalen, kulturellen und religiösen Abgrenzungen. Ihre starken Gefühle und ihr poetischer Ausdruck  heben das ganze Universum aus den Angeln. Während Eugenio Montale den Liebesverlust als Hölle erlebt, vergleicht Ricarda Huch den Geliebten mit dem Himmel.  „Ich habe dich gewählt unter allen Sternen“, dichtet Else Lasker Schüler. „Welle sein schäumen…“  lesen wir bei Gioconda Belli. „Deine Liebe ist Schicksal“ schreibt Cees Nooteboom über einen Abschied. Die Geliebte ist wie der Wind über der Steppe, der Syrer Adonis fühlt sich durch die Geliebte  „der Finsternis entrissen“. Mit immer neuen Bildern ist der begehrte Mensch, das ersehnte Gegenüber geschildert, ein Abschied dagegen als Weltuntergang  und Orientierungslosigkeit, denn „Er war mein Norden, mein Süden, mein Ost und West“ (W. H. Auden).

Ausgestattet mit biografischen Angaben zu den Dichterinnen, bibliografischen Details zu den Gedichten und Nennung der Übersetzer ist dieser kleine Band in keiner Bücherei fehl am Platze.

Signatur: SL
Schlagworte:
Liebe | Weltliteratur
Bewertung: ++
Rez.:
Barbara von Korff-Schmising

Liksom, Rosa: Die Frau des Obersts. Roman. Dt. von Stefan Moster. München: Penguin 2020. 216 S. ; 21 cm. Aus d. Finn. ISBN 978-3328-60096-1, geb.: 20,00 €

Eine Frau in den Fängen der Nazi- Ideologie und einer zerstörerischen Liebe.


In der Einsamkeit Lapplands erinnert sich die greise Frau des Obersts an ihr Leben. Schon als kleines Mädchen hat der 28 Jahre ältere Oberst, ein Freund ihres Vaters, sie fasziniert. Ein glühender Nationalsozialist, Frauenheld, Egozentriker und Machtmensch, dessen Ehefrau sie wird. Sie ist Wachs in den Händen des Obersts, der sie ideologisch indoktriniert und als Frau beherrschen will. Wie viele patriotische Finnen träumt der Oberst davon, mit Hilfe Deutschlands die im ersten Weltkrieg an die Sowjetunion verlorenen Gebiete Finnlands zurück zu erobern. Als der Krieg verloren und die Nazi- Diktatur zerstört ist, explodiert das im Privaten bisher kontrollierte Gewaltpotential des Obersts und entlädt sich auf seine Frau. Brutalste Gewaltexzesse und Erniedrigungen zerstören ihren Körper und ihre Seele. Erst durch einen stationären Aufenthalt in der  Psychiatrie löst sie sich vom Oberst. Fernab ihres bisherigen Lebens findet sie in den Weiten Lapplands
Heilung für ihr geschundenes Selbst.

Ein lange nachwirkender Roman, der Zeitgeschehen und ein Frauenschicksal unkonventionell verstrickt, jedoch durch teils obszöne Beschreibungen unerträglicher Perversionen verstört.

Signatur: SL
Schlagworte: Emanzipation | Nationalsozialismus | Finnland
Bewertung: ++
Rez: Christine Heymer

Penny, Louise: Wenn die Blätter sich rot färben. Der fünfte Fall für Gamache. Roman. Dt. von Andrea Stumpf u. Gabriele Werbeck. Zürich: Kampa 2020. 537 S. ; 21 cm. Aus d. kanad. Engl. ISBN 978-3-311-12019-3, kt.: 17,90 €

Armand Gamache, Chefinspector der Sûreté, Montréal löst den verzwickten Mord eines Einsiedlers im idyllischen ThreePines.

Als Myrna, die schrullige Buchhändlerin morgens eine Leiche im Bistro von Gabri und Olivier entdeckt, fordert sie Inspecteur Gamache an. Dieser und sein Team treffen auf alte Bekannte, die Indizien scheinen auf den Lebemann Olivier zu deuten, doch warum sollte er einen ihm unbekannten Mann umbringen und in seinem Bistro liegen lassen? Diese Fragen führen in die Geschichte Kanadas und hinter den eisernen Vorhang nach Tschechien. Zwischenzeitlich spielt das Hadley Haus eine größere Rolle, die Geister der Vergangenheit lassen Gamache nicht los, die Neukäufer aus der City, die das Haus in ein Wellnesshotel verwandeln wollen, gehören zeitweilig zum Kreis der Verdächtigen. Die Identität des Einsiedlers bleibt lange unbekannt, er birgt viele Geheimnisse, um diese zu finden, zieht es Gamache weit in die Vergangenheit. Er reist er ans andere Ende des Landes nach British Columbia zu alten Bäumen, das in vielerlei Hinsicht interessant und tatsächlich zum Verständnis des vorliegenden Falles führt.

Ein Krimi mit leisen Tönen, mit schrulligen Charakteren, die Personen sind in sich schlüssig. Gute Unterhaltung mit Niveau, keine oberflächliche Spannung, schon für kleine Bestände.

Signatur: SL
Schlagworte: Krimi | Kanada | Montreal
Bewertung: +++
Rez.: Martin Ertz-Schander

Schädlich, Hans Joachim: Die Villa. Hamburg: Rowohlt 2020. 189 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-498-06555-3, geb.: 20,00 €

Nur einige Jahre kann Familie Kramer in ihrer schönen Villa im Vogtland wohnen, dann holt sie der 2. Weltkrieg ein.

Das Ehepaar Hans und Elisabeth Kramer bezieht samt ihrer vier Kinder 1940 eine ansehnliche Villa in Reichenbach, Vogtland. Es geht ihnen prächtig, der Vater verdient gut als Wollhändler. Anfangs ist er ein überzeugter Nazi, bis er den Wahnsinn durchschaut. Er stirbt mit nur 36 Jahren. Wegen Geldmangels entlässt seine Frau das Personal, verkauft die Villa, bleibt aber dort noch eine Weile mit den Kindern zur Miete wohnen. Wenig später geht Elisabeth eine neue Beziehung ein. Vor der anrückenden russischen Armee will sie nicht fliehen, sie bleibt im Land. Als alte Dame fährt ihr Sohn sie noch einmal zu „ihrer Villa“. Es ist nicht leicht in den Roman, der nur Monate vor dem 80. Geburtstag des bekannten Autors erscheint, hinein zu finden. Eher nüchtern, ja fast emotionslos formuliert er die autobiografisch angehauchte Familiengeschichte. Vielleicht beeindrucken die Passagen, die trotz des sparsamen Gebrauchs von Worten eine Menge aussagen und noch mehr erahnen lassen. Hier war ein Meister am Werk.

Wer gerne einen kargen Stil mag, wer sich durch Ungesagtes inspirieren lässt und wen die alte Rechtschreibung nicht stört, der greife zu. Ab mittleren Beständen.

Signatur: SL
Schlagworte:
Nazi-Zeit | Familie | Vogtland
Bewertung: ++
Rez.:
Martina Mattes

Stricker, Sven: Bin noch da. Roman.  Hamburg: Rowohlt Polaris 2020. 447 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-499-00195-6, kt.: 18,00 €

Vater-Sohn-Konflikt

Moritz Liebig hat seit zwanzig Jahren keinen Kontakt mehr zu seinen Eltern. Vater Karlheinz war dauerschlechtgelaunt und so gut wie nie freundlich – auch nicht zu seinen Kindern.  In Rückblenden werden Szenen aus Moritz Kindheit und Jugend erzählt: Von einem Luxusbaumhaus, das der Vater nur gebaut hat, um den Nachbarn zu übertrumpfen, dabei aber einen kindgerechten Kletterzugang vergessen hat. Von zahlreichen Verboten, keinerlei emotionaler Anteilnahme und heftigen Streitereien zwischen den Eltern, für die oft die Kinder die Schuld bekamen. „Mama war immer auf seiner Seite. Immer… Sie war feige. Und die Dinge sind eskaliert. Sehr langsam. Sehr lange.“, sagt Moritz‘ Schwester Nina. Nun steht Karlheinz in Moritz` Café und informiert ihn, dass seine Mutter gestorben ist. Und jetzt will er auch sterben. Was dann folgt, ist keine rührselige Familienzusammenführung, sondern ein vorsichtiges Annähern - ein „Anrumpeln“ von Vater und Sohn.

Für Leser*innen, die sich für Familienschicksale interessieren.

Signatur: SL
Schlagwoorte: Generationskonflikt | Vater-Sohn-Konflikt
Bewertung: ++
Rez.:
Christine Stockstrom

Sachbuch für Erwachsene

Maar, Paul: Wie alles kam. Roman meiner Kindheit. Frankfurt am Main: Fischer 2020. 297 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-10-397038-8, geb.: 22,00 €

Paul Maar erinnert sich an seinen Vater, seine Kindheit und Jugend und erzählt von seiner an Demenz erkrankten Frau.

In seiner Biographie löst sich Paul Maar ganz vom chronologischen Erzählen. Er knüpft schmerzliche und schöne Erinnerungen lose aneinander. Einen großen Teil nimmt das schwierige Verhältnis zu seinem Vater ein, das ihn stark geprägt hat. Vom Vater wird er geschlagen und gedemütigt. Paul wird zu einem schwierigen Kind. Trost und Ablenkung findet er in Büchern. Nie haben Vater und Sohn zueinander gefunden, was Paul Maar heute teilweise auch seinem eigenen Versagen zuschreibt. Als er sich als Jugendlicher mit Nele befreundet, die aus einer Theaterfamilie stammt und die später seine Frau wird, bekommt er Zugang zu einer Welt, in der über Bücher und Theaterstücke diskutiert wird. Sehr berührend erzählt Paul Maar von seiner an Demenz erkrankten Frau. Mit ihrem Einverständnis schildert er, wie die Krankheit ihr gemeinsames Leben unaufhaltsam verändert. Durch die Schilderungen der Kindheit und Jugend erfährt man viel über das Leben und Denken der Menschen in der Kriegs- und Nachkriegszeit.  

In Auszügen geeignet für Gemeindenachmittage, Seniorencafé; Empfohlen für Büchereien mit Biographienleserinnen und -lesern.

Signatur: Bb | SL
Schlagworte:
Paul Maar | Vater-Sohn-Verhältnis | Demenz | Kindheitserinnerung
Bewertung: +++
Rez.: 
Eva Basler