Newsletter "Gemeinde" 01/2017

Liebe Leserin! Lieber Leser!

2017 hat begonnen, damit nehmen auch die zahlreichen Veranstaltungen zum Reformationsjubiläum, die am 31. Oktober 2016 begonnen haben, erneut Fahrt auf. Natürlich ist auch der Buchmarkt zum Thema Reformationsjubiläum rege. Wir stellen Ihnen in diesem Newsletter eine kleine Auswahl vor. Zur Annäherung dient „Luther in Selbstzeugnissen“. Drei weitere Titel setzen vertieftes Interesse voraus: Drewermann im Interview über Luther, eine kulturhistorische Betrachtung zu Luther als Marke und eine Spurensuche zu Luther im Spiegel von Literatur und Philosophie.
Eine umfangreiche Literaturzusamenstellung zum Reformationsjubiläum finden Sie auf unserer Homepage.

Gute Lesestunden wünscht

Das Eliport-Team

 

Bewertung:
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Scholz, Günter: „Habe ich nicht genug Tumult ausgelöst?! Martin Luther in Selbstzeugnissen. München: Beck 2016. 240 S. : Ill. ; 18 cm. (bp 6255). ISBN 978-3-406-69811-8, kt.: 12,95 €

Eine Sammlung der Selbstaussagen Luthers, zusammengestellt zu seiner Lebensgeschichte.   

Bücher über Luther werden im Moment nicht gezählt, sondern in Kilo gewogen. Warum sollte man nun also dieses Luther-Buch kaufen und lesen? Ganz einfach der Sprache des Reformators wegen! Der Kunsthistoriker Günter Scholz lässt den Wittenberger im Original zu Wort kommen und seine Geschichte erzählen. Schaut man ins Inhaltsverzeichnis, wird einem klar, dass hier nicht jedes Thema tiefgründig und gelehrt behandelt werden kann. Es sind vielmehr Schlaglichter. So wird z.B. das Übersetzen auf sieben schmalen Seiten verhandelt. Dafür hört man den Reformator im O-Ton und das mag dazu beitragen, dass sich das Gesagte dauerhafter im Gehirn festkrallt. Und noch etwas ist zu bemerken: Der Autor redet den polternden Mönch nicht schön, bei machen Zitaten hält man die Luft an und es gibt wohl keine Seite, die man als politisch korrekt bezeichnen kann. Deswegen sollte es nicht das einzige Buch sein, das man über Luther und die Reformation liest. Aber diese Gefahr droht dieser Tage ja kaum.   

Für alle Menschen, die Freude an der Sprachgewalt des Wittenberger Reformators haben, für alle, die einen anderen Blick auf das Innenleben Luthers werfen möchten.

Signatur: Cc 1
Schlagworte: Luther | Reformation | Sprache
Bewertung: +++
Rez.: Volker Dettmar

Drewermann, Eugen: „Luther wollte mehr“. Der Reformator und sein Glaube. Im Gespräch mit Jürgen Hoeren. Freiburg: Herder 2016. 320 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-451-35766-8, geb.: 19,99 €

Ein intensives Gespräch mit E. Drewermann über die Bedeutung Luthers und die gegenwärtige Kirche.

Ein eindrucksvolles und langes Interview hat Jürgen Hoeren mit E. Drewermann geführt und aufgezeichnet. Ein tolles literarisches Genre, das Verlage heute kaum noch zulassen. Aber, wie sonst sollte auch dem unglaublichen Wissensschatz des Befragten Raum gegeben werden? - Drewermann erzählt. Wie er Luther versteht, wie er als katholischer Theologe die Reformation sieht, welche Möglichkeiten sie eröffnet und welche Chancen sie nicht wahrgenommen hat. Und immer wieder die Auseinandersetzung, wie die Reformation aus psychologischer Sicht zu verstehen und zu deuten ist. Manchmal schweift Drewermann dabei ein wenig ab, aber Hoeren holt ihn stets zum Thema zurück.Luther reißt magisches Denken ein und verändert die Angst vor Gott zum Mut in Gott. Und weil das bis heute stetig neu zu tun ist, fordert Drewermann, dass Luther weiterentwickelt wird, man ihm die Worte schenkt, die er damals nicht haben konnte. Das macht das Buch aus. Luther nicht historisch lassen, ihn vergegenwärtigen.

Einzelne Abschnitte können optimal in Gruppen und im Unterricht verwendet werden.

Signatur: Co
Schlagworte: Luther | Reformation | Katholische Kirche
Bewertung: +++
Rez.: Dirk Purz

Pettegree, Andrew: Die Marke Luther. Wie ein unbekannter Mönch eine deutsche Kleinstadt zum Zentrum der Druckindustrie und sich selbst zum berühmtesten Mann Europas machte – und die protestantische Reformation lostrat. Dt. von Ulrike Bischoff. Berlin: Insel 2016. 407 S. : Ill. ; 25 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-458-17691-6, geb.: 26,00 €

Die Geschichte der Reformation als Geschichte des Buchdrucks verstanden und wie Luther zu einer Marke wurde.

Der Autor lässt uns durch Wittenberg wandeln und erzählt dabei, wie Luther in „seiner“ Stadt unterwegs war. Er gibt uns Anteil an der Reformation und wir können uns plastisch in diese Zeit versetzen. Schon immer wurde nebenbei gesagt: Ohne Buchdruck – keine Reformation. Pettegree verdeutlicht, wie eng der Zusammenhang zwischen dem Buchdruck und dem Gelingen der Reformation ist. Aufwendig stellt er dar, wie die Auflagen der Schriften Luthers im Laufe der Zeit stiegen, was die reformatorischen Bestseller waren und was Luther selbst dazu beitrug, den Buchdruck erfolgreich zu verwirklichen. Parallel dazu wandeln wir durch die gesamte Zeit Luthers und erkennen, wie außerordentlich populär der ehemalige Mönch in seinem Leben geworden ist. Durch seine Schriften war Luther quasi eine Marke, eine Garantie für Auseinandersetzung und neue theologische Lehre.Aus dieser Perspektive betrachtet, erhalten die Lesenden einen neuen Zugang zur Geschichte der Reformation und verstehen diese intensiver.

Für historisch und wissenschaftlich interessierte Sachbuchleser geeignet.

Signatur: Cc 1
Schlagworte: Luther | Reformation | Buchdruck
Bewertung: +++
Rez.: Dirk Purz

Dieckmann, Friedrich: Luther im Spiegel. Von Lessing bis Thomas Mann. Berlin: Quintus 2016. 264 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-945256-76-3, geb.: 22,00 €

Luther im Spiegel der deutschen Literatur.

Der Verfasser lebt als Schriftsteller in Berlin. Er wurde bekannt durch seine Bücher zu Fragen des Theaters, der Literatur und Zeitgeschichte und seine Biografie Friedrich Schillers und anderer Autoren.Aus öffentlichen Zwiegesprächen in den Jahren 2011 - 2016 mit dem Theologen Friedrich Schorlemmer ist dieses Buch hervorgegangen. In Luthers Namen darf sich der Leser auf Streifzüge eingeladen fühlen, auf Streifzüge, die sich zu einem größeren Streifzug verbinden. Manchmal bilden die Autoren von Fall zu Fall eine Stafette. Die literarische Wanderung führt von Lessing über Goethe, Schiller, Kant, Hegel, Schopenhauer, Heine, Marx und Engels hin zu Nietzsche und Thomas Mann, es sind zwei Jahrhunderte deutsche Geistes und Literaturgeschichte. Kultur war die Zunge seines Jahrhunderts, er hat das schöpferische Wort gesprochen, das immer den Anfang macht. Er (Luther) war ein voller Ausdruck des Willens seiner Zeit und ihrer Bedürfnisse, der im Namen seiner Mitlebenden gesagt hatte, was ist und was nottut. Dieser jedenfalls war der junge Luther.

Ein wundervolles Buch, das auch in Kreisen der Gemeinde im Jahr 2017 und darüber hinaus einsetzbar ist und zum Gespräch anregt.

Signatur: Gc
Schlagworte: Luther | Literatur | Philosophie
Bewertung: +++
Rez.: Martin Weskott