Newsletter "Gemeinde" 02/2017

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Wie möchte ich behandelt werden und wie behandele ich andere? Wie viel Mut braucht es, um für Werte wie Toleranz, Respekt und Weltoffenheit einzutreten? Wie erklärt sich der Rechtsruck in Europa und was kann jeder Einzelne tun, um unsere pluralistische Gesellschaft zu verteidigen? Dies sind einige der Fragen, mit denen sich die vorgeschlagenen Bücher im Februar-Newsletter beschäftigen.

Anregende Lesestunden und gute Denkanstöße wünscht

Ihr Eliport-Team

Bewertung:
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Was WÜRDEst du tun? Karin Gruß. Ill. von Tobias Krejtschi. Bargteheide: minedition 2016. O. Pag. : überw. Ill. ; 25 cm. ISBN 978-3-86566-308-5, geb.: 10,00 €

Ein Kinderbuch rund um das Thema (Menschen-)Würde.

Zwölf Doppelseiten schildern Szenen aus dem Alltag von Kindern und Erwachsenen. In diesen Szenen geht es um Konflikte und Probleme: Krankheit, soziale Medien, Unaufmerksamkeit, grenzwertiger Spaß, Analphabetismus usw. Jede Szene wird mit einer Frage verbunden. Wen WÜRDEst du in deine Mannschaft wählen? Was WÜRDEst du posten? Was WÜRDEst du tun? oder: Wie WÜRDEst du dich fühlen? Das Buch ist ein Empathietraining, bei dem der Perspektivwechsel geübt wird. Die gedeckten Farben der Bilder passen gut zu den Szenen, die auf angenehme Weise zum Gespräch einladen.

Ein kluges Kinderbuch über Toleranz, Achtung, Respekt und Aufmerksamkeit. Für Kinder- und Konfirmandengruppen in der Gemeinde, Kindergärten, Unter- und Mittelstufe, Flüchtlingsklassen sehr empfohlen.

Signatur: Jp
Schlagworte: Menschenwürde | Respekt | Empathie | Toleranz
Bewertung: +++
Rez.: Martin Schulz

Clausewitz, Bettina von: Wer, wenn nicht wir! Weltverbesserer und Querdenker im Gespräch. Wuppertal: Hammer 2016. 172 S. : Ill. ; 22 cm. ISBN 978-3-7795-0555-6, kt.: 19,90 €

Elf Querdenker und Weltverbesserer berichten von ihrem gesellschaftlichen Engagement und dem, was sie antreibt.

Die Menschen, die in diesen Beiträgen zu Wort kommen, engagieren sich in vielfältiger Weise und auf unterschiedlichen gesellschaftspolitischen Feldern für eine bessere Welt. Die Herausgeberin Bettina von Clausewitz hat Gespräche u. a. mit Friedens- und Frauenaktivisten, Globalisierungskritikern, Umweltaktivisten und Konsumkritikern, aber auch sozial engagierten Unternehmern gesprochen. Eine Klinikclownin erzählt, wie sie todkranken Kindern ein Lachen schenkt. Rupert Neudeck berichtet von seinem Engagement für Flüchtlinge. Entscheidend war immer ein persönliches, prägendes Erlebnis. In einem informativen Gespräch mit der Herausgeberin erläutert die Sozialethikerin Marianne Heimbach-Stein am Ende des Buches, wie Weltverbesserer quasi als Seismografen auf die unterschiedlichen Gerechtigkeitslücken in unserer Gesellschaft reagieren und welche Bedeutung sie für diese haben. Sie sind ein lebendiger Gegenbeweis für das resignative „Man kann ja doch nichts tun.“ Mit weiterführenden Internetadressen der verschiedenen Initiativen.

Ein ebenso informatives wie berührendes Buch für Jugendliche und Erwachsene, das anstiftet zum Muthaben und gesellschaftlichen Engagement und Anstoß geben kann für Initiativen. 

Signatur: Jb | Js
Schlagworte: Gesellschaft | Engagement | Zivilcourage
Bewertung: +++
Rez.: Wolfgang Vetter

Emcke, Carolin: Gegen den Hass. Frankfurt: Fischer 2016. 239 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-10-397231-3, geb.: 20,00 €

Die Trägerin des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 2016 analysiert den wachsenden Hass, der die deutsche Gesellschaft zu spalten droht.

Die Publizistin widmet sich der aggressiven Stimmungsmache gegen ethnische und sexuelle Minderheiten in Deutschland und in den USA. Sie geht aber auch auf den Islamischen Staat ein, der mit der Ideologie der ‘reinen‘ islamischen Lehre brutal gegen ‘abweichende‘ Muslime und Angehörige anderer Religionen vorgeht. Emcke, selbst Angehörige einer sexuellen Minderheit, untersucht mit großem Einfühlungsvermögen etwa das Vorgehen eines aufgebrachten Mobs gegen ankommende Flüchtlinge in Clausnitz oder die Ermordung eines Schwarzen durch rassistische Polizisten. Sie findet die zugrundeliegenden Vorstellungen, die von Ideologen verbreitet werden, wie etwa die eines homogenen Volkes oder einer ‘natürlichen‘ Sexualität. Im letzten Abschnitt macht sie Vorschläge, wie eine pluralistische Gesellschaft verteidigt werden kann.

Das lesenswerte Buch, das breit in den Medien besprochen wurde, eignet sich gut als Grundlage für Diskussionen. Empfehlenswert.

Signatur: Pa 3
Schlagworte: Rassismus | Diskriminierung | Deutschland | USA
Bewertung: +++
Rez.: Peter Bräunlein

Eribon, Didier: Rückkehr nach Reims. Dt. von Tobias Haberkorn. Berlin: Suhrkamp 2016. 237 S. ; 20 cm. Aus d. Franz. ISBN 978-3-518-07252-3, kt.: 18,00 €

Vom Fabrikarbeiterkind zum Pariser Intellektuellen – ein Buch über Herkunft, soziale Scham und den Aufstieg der Rechten.

Ganze sieben Jahre dauerte es, bis dieses Buch ins Deutsche übersetzt wurde. Doch mit Blick auf den Brexit, die Erfolge der Rechten in Europa und nicht zuletzt die Wahl Donald Trumps ist das Buch aktueller denn je. Eribon, einer der bedeutendsten Intellektuellen Frankreichs, erzählt in seinem autobiographischen Text von seiner Kindheit  in einem proletarischen Umfeld, das geprägt war von Gewalt, Bildungsverachtung und Homophobie. Er schildert sein Coming-Out, den radikalen Bruch mit der Familie und seinen Aufstieg zu einem  angesehenen Mitglied der akademischen Welt. In einer Mischung aus autobiographischer Erzählung und kluger soziologischer Analyse beschreibt Eribon in klarer und verständlicher Sprache, was unsere Herkunft aus uns macht und ob bzw. wie wir ihr entkommen können. ​Dabei liegt sein Fokus nicht so sehr auf seiner Homosexualität als vielmehr auf seinem Bestreben, das Proletarische in sich auszumerzen. Gleichzeitig forscht er nach Ursachen für den Niedergang der Linken und den massenhaften Zuspruch, den Rechtspopulisten derzeit  - nicht nur, aber besonders -  unter den sogenannten "einfachen" Leuten finden und liefert  diskussionswürdige Antworten.

Ein scharfsinniges, hochaktuelles Zeitporträt. Nachdrücklich empfohlen. Für anspruchsvolle Literaturkreise gut geeignet.

Signatur: Sb
Schlagworte: Herkunft | Homosexualität | Armut | Politik
Bewertung: +++
Rez.: Wiebke Mandalka