Newsletter "Gemeinde" 02/2019

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Die Bewahrung der Schöpfung ist eine zentrale Aufgabe unserer Gegenwart. Für unseren Februar –Newsletter haben wir drei Titel ausgewählt, die aus verschiedenen Perspektiven auf unsere Landwirtschaft schauen. Andreas Möller setzt sich sehr umfassend mit der Frage nach biologischem und konventionellem Anbau und entsprechender Tierhaltung auseinander. Der Insektenforscher Andreas Segerer schildert sachlich und kompetent das dramatische Insektensterben und seine Folgen für unsere Nahrungsmittelversorgung. Dass das Thema Kritik an der Massentierhaltung nicht neu ist, zeigt eine Neuauflage eines Kindersachbuches von Astrid Lindgren, die eben auch nicht nur Bullerbü vor Augen hatte.

Gute Lesestunden wünscht Ihnen

Das Eliport-Team

 

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Möller, Andreas: Zwischen Bullerbü und Tierfabrik. Warum wir einen anderen Blick auf die Landwirtschaft brauchen. Gütersloh: Gütersloher Verl. - Haus 2018. 235 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-579-08724-5, geb.: 20,00 €

Ökologie und industrieller Fortschritt in der Landwirtschaft - Plädoyer zu Kompromissen bei „konventionell“ und „bio“.

Der Nicht-Landwirt und Autor A. Möller beschreibt den bestehenden Konflikt zwischen konventioneller Agrarbranche, Biolandwirten und Verbrauchern. Ausgehend von hemmenden gesetzlichen Vorgaben (Brüssel etc.)  beider Ausrichtungen unserer Fleisch- und Pflanzenproduktion erfährt man viel über weitere Zwänge, die alle in der Landwirtschaft Tätigen eher als Getriebene von Verbrauchern und Weltmarkt darstellen. Vereinzelt nur nutzbare Nischen stellen leider keine breite Lösung dar. Auch das romantisierende Bild von bäuerlich regionaler Landwirtschaft mit pauschalisierter Ablehnung der mittlerweile industriellen Landwirtschaft hilft nicht weiter: durch den überwiegend doch fortgesetzten Einkauf beim marktbeherrschenden Discounter kommt das Geld der Konsumenten eben nicht beim Erzeuger an. Unsere Wohlstandsgesellschaft und ihre Nahrungserzeuger brauchen dringend Konzepte zum Überbrücken der bestehenden Gräben, um Ängste und Wünsche der Verbraucher zu überwinden, das Buch gibt hierzu viele Anregungen.

Sehr empfehlenswert für alle engagierten Verbraucher.

Signatur: Ng
Schlagworte: Landwirtschaft | Lebensmittel | Bio | konventionell
Bewertung: +++
Rez.: Rudolf Venus

Segerer, Andreas H. u. Rosenkranz, Eva: Das große Insektensterben. Was es bedeutet und was wir jetzt tun müssen. München: Oekom 2018. 204 S. : Ill. ; 23 cm. ISBN 978-3-96238-049-6, kt.: 20,00 €

Ein hochaktuelles Sachbuch mit Kompetenz über das dramatische Insektensterben und seine systemrelevanten Auswirkungen.

75% unserer Insekten sind weg, Hummel, Biene & Co befinden sich im Sinkflug. Wir haben eine Bestäubungskrise, die nicht etwa nur dem Landwirt schadet, sondern durch ihre Systemrelevanz morgen schon unsere gesamtgesellschaftliche Überlebensversicherung untergräbt. Die Nahrungsmittelversorgung größter Bevölkerungsteile steht auf dem Spiel. Dies ist keine Spinnerei verträumter Schmetterlingsfreunde, sondern bittere Realität.Der Insektenforscher A. Segerer erläutert bereits eingetretene und zukünftig noch katastrophalere Auswirkungen, die nicht etwa nur kurzfristige Launen der Natur darstellen. Die zahlreichen Zusammenhänge bekommen Ergänzung durch sorgfältige Tabellen u. Graphiken. Diese aufrüttelnde Lektüre wird wohl auch „hartgesottene Zuversichtler“ das Fürchten lernen, dass keine Zeit mehr zum Abwarten vorhanden ist.Teil II enthält zahlreiche, gut umsetzbare Tipps von Eva Rosenkranz: was können wir jetzt tun. Dazu 10 Punkte einer Agenda für Politik, Landwirtschaft u. Gesellschaft.

Das wichtige und folgenreiche Thema dieses Sachbuches besitzt sicher ein großes Leseinteresse. Daher breite Empfehlung zur Anschaffung.

Signatur: Nk
Schlagworte: Insektensterben | Naturschutz | Landwirtschaft | Politik
Bewertung: +++
Rez.: Rudolf Venus

Lindgren, Astrid u. Forslund, Kristina: Meine Kuh will auch Spaß haben. Ein Plädoyer gegen die Massentierhaltung. Dt. von Anna-Liese Kornitzky. Neuaufl. Hamburg: Oetinger 2018. 122 S. ; 21 cm. Aus d. Schwed. ISBN 978-3-7891-0902-7, geb.: 14,00 €

Astrid Lindgren bezieht klar Stellung gegen Massentierhaltung und dokumentiert ihren Einsatz für den Schutz der Tiere.

Betritt man heute eine Schweinemastanlage, hat der Anblick, der sich einem bietet nicht mehr im Entferntesten mit der von Astrid Lindgren beschriebenen Idylle in Bullerbü und Co zu tun. Vielmehr sieht man Lebewesen, die leiden und seit der Industrialisierung der Tierhaltung nur noch wie Produktionseinheiten behandelt werden. Dieses Buch dokumentiert den Einsatz einer der beliebtesten Kinderbuchautorinnen, die ihre Bekanntheit nutzte  um die Politiker ihrer Heimat Schweden zusammen mit der Tierärztin Kristina Forslund öffentlich aufzufordern, der Massentierhaltung endlich ein Ende zu setzten. Anhand von Briefen und Artikeln, die in der Tageszeitung Expressen von 1985 bis 1989 veröffentlicht wurden, können die in Gang gebrachten Veränderungen des schwedischen Tierschutzgesetzes nachvollzogen werden.  Diese sind zwar bis heute noch immer nicht ausreichend, doch zeigen die Autorinnen auf, wie wichtig es ist, für die eigenen Ideale zu kämpfen, um langfristige Veränderungen anzustoßen.

Ein thematisch sehr aktuelles Buch, empfehlenswert für alle Leser_innen, die sich für das Wohl der Tiere interessieren und außerdem ein Muss für alle Astrid Lindgren Fans!

Signatur: Js
Schlagworte: Tierschutz | Massentierhaltung | Landwirtschaft | Politik
Bewertung: +++
Rez.: Rosa Bömelburg