Newsletter "Gemeinde" 03/2019

Liebe Leserin! Lieber Leser!

„die stunde mit dir selbst“ – dieser Titel des Lyrikbandes von Reiner Kunze könnte als Motto über unserem März-Newsletter stehen. Wir möchten Ihnen Bücher vorstellen, die sich auf nachdenkliche, eindrückliche und überraschende Weise mit der Zeit, dem Alter und dem Abschiednehmen und Sterben befassen.

Erfüllte Lesestunden und gute Gespräche wünscht Ihnen

Das Eliport-Team


P.S.: Gerne möchten wir sie auch auf unsere neue Eliport-Schultüte mit dem Buch „Hat Jesus Fußball gespielt?“ hinweisen. Die Arbeitshilfe zur Schultüte bietet u.a. einen Gottesdienst zum Abschied aus der Kita oder zum Schulanfang. Mehr Infos erhalten Sie hier: https://www.leseningotteswelt.de/die-eliport-schultuete/.

Bewertung:
+++    = hervorragend
++      = gut
+         = möglich

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► Literaturtipps unter www.eliport.de
► Alles über den  Evangelischen Buchpreis unter www.evangelischerbuchpreis.de
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Kunze, Reiner: die stunde mit dir selbst. gedichte. rankfurt: Fischer 2018. 67 S. ; 20 cm. ISBN 978-3-10-397376-1, geb.: 18,00 €

Kurze und wortknappe Lyrik in ungebundener Gedichtform.

Es ist ein kleiner Band sehr persönlicher, poetischer Begegnungen mit den Phänomenen der Natur, dem Himmel, den Wolken und Jahreszeiten. Eine verhaltene Resignation über das Altern entpuppt sich in Andeutungen über schlaflose Nächte, das Wissen über die Frist unserer irdischen Existenz und das unumkehrbare Verfließen der Zeit. „Die bühne ist nicht mehr dein ort / stumm stehn am ausgang die verluste.“ Bitter erscheint das Thema der zunehmenden Fremdheit auf Erden und der wachsenden Einsamkeit unter den verstorbenen Freunden. „ Das vorratsfach für schwarzumrandete kuverts ist leer.“ Und doch hinterlassen uns diese Gedichte nicht bedrückt oder hoffnungslos. Dies muss an den schwerelosen Zeilen und den treffenden Bildern liegen, an Rhythmus und Schwung, die Reiner Kunzes Sprache charakterisieren. Es ist ein Anliegen des Autors, verständlich zu bleiben und seine Haltung resignierter Heiterkeit, die immer aufrichtig und ohne Schönfärberei bleibt, dem Leser zu übermitteln.

Eine wunderbare Lektüre für alle, insbesondere ältere Leser. Die Gedichte prägen sich tief ein, auch  ohne Erfahrung mit moderner Lyrik.

Signatur: SL
Schlagworte: Natur  Alter | Zeit
Bewertung: +++
Rez.: Barbara von Korff-Schmising

Ono-dit-Biot, Christophe: Die griechische Freundin. Roman. Dt. von Michael von Kilisch-Horn. Göttingen: Steidl 2018. 233 S. ; 22 cm. Aus d. Franz. ISBN 978-3-95829-432-5, geb.: 20,00 €

Eine Geschichte voller Überraschungen um Liebe und Lebenswillen.

Cesar ist verzweifelt und will sterben, denn Paz, seine geliebte Frau, ist tot. Den sechs-jährigen Sohn hat er zu den Großeltern gebracht, für ihn ist gesorgt. Nun bleibt ihm nur noch übrig, sich mittels Tabletten das Leben zu nehmen. Doch gerade da begehrt seine junge Nachbarin, die ihm völlig unbekannt ist, Einlass bei ihm. Sie ist Griechin, erweist sich als hochgebildet und ist vor allem an seiner Bibliothek der griechischen Klassiker interessiert. Ihre Familie, die Cesar nach und nach kennenlernt, besteht aus außergewöhnlichen Personen mit sehr beachtlichen Fähigkeiten. Diese junge Freundin gibt ihm die Kraft, einen neuen Bund mit dem Leben einzugehen. – Es ist ein modernes Märchen um einen lebensmüden Vater, der in der Welt der Antike zu Hause ist, der aber lernen muss, sich dem Leben erneut zu stellen und damit auch dem Leben seines Sohnes. Wunderbar erzählt, voller Rückblenden und Erinnerungen und einem verblüffenden Schluss.

Ein wunderbares Buch mit vielen Überraschungen.

Signatur: SL
Schlagworte: Liebe | Tod | Mythos
Bewertung: +++
Rez.: Cornelia von Forstner

Parks, Tim: In Extremis. Roman. Dt. von Ulrike Becker. München: Antje Kunstmann 2018. 428 S. ; 22 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-95614-252-9, geb.: 24,00 €

Wenn die eigene Mutter im Sterben liegt, bleibt das Leben nicht stehen, sondern verdichtet sich IN EXTREMIS.

Die Nachricht vom nahenden Tod der eigenen Mutter bringt Thomas in arge Schwierigkeiten. Zum einen hat er massive altersbedingte körperliche Beschwerden. Zum anderen hat er berufliche Verpflichtungen. Zu allem Übel möchte er seiner Mutter noch unbedingt von seiner Trennung erzählen. Hin und her gerissen macht er sich auf den Weg ans Sterbebett.Die dann folgenden Tage und Wochen lassen ihn seine Grenzen erfahren. Wie führt er seine Patchworkfamilie zusammen? Wie kann er allen und sich selbst gerecht werden? Wer braucht was in einer solch schwierigen Zeit?Tim Parks schenkt uns einen ungemein zeitgemäßen Roman, der unglaublich verdichtet viele Erzählstränge parallel zusammenhält und uns so vor Augen führt, dass es kein stilles beschauliches Leben mehr gibt. Das Smartphone in der Tasche, die eigenen Interessen und Aufgaben, alles läuft ständig zeitgleich und fordert uns heraus. Und was geradezu erschreckt: Selbst in Zeit des Sterbens gibt es keine Entschleunigung mehr.

Unbedingt selbst lesen und in Literaturkreisen einsetzen.

Signatur: SL
Schlagworte: Sterben | Familie | Moderne
Bewertung: +++
Rez.: Dirk Purz

Hütten, Felix: Sterben lernen. Das Buch für den Abschied. München: Hanser 2019. 251 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-446-26025-2, geb.: 20,00 €

Ein Ratgeber für alle über das Sterben und zur Vorbereitung von Erkrankten und ihren Angehörigen.

Sterben könnte manchmal ein Stückchen leichter werden, wenn wir mehr darüber wüssten. Felix Hütten (Anfang dreißig) hat ein Buch über das Sterben geschrieben, das gut und unverkrampft informiert, nicht langweilig und kein Fachaufsatz ist. Wach und nahe an den Menschen und den Lesenden geht er in den Dialog, lässt teilhaben an eigenen Fragen und Erfahrungen z.B. von Frau B., die ihren Mann bis zum Tod begleitet hat. Wir wünschen uns einen "guten" Tod - was immer das heißen mag", schreibt er und sucht Antworten auf die vielen Fragen, die wir Menschen haben. Er macht deutlich, dass das Sterben meist ein Prozess ist, dem Betroffene und ihre Angehörigen anfangs ohne großes Wissen gegenüberstehen. Er beantwortet die vielen Fragen rund ums Sterben menschlich und faktenreich. Tut das Sterben nach einer langen Krankheit weh? Was alles kann "Sterbehilfe" bedeuten? Er geht auf das Thema "Bürokratie" genauso ein wie auf "Humor“. Ein lebendiges, leicht zu lesendes und gut informierendes Buch.

Für alle, die sich auf das Sterben und/oder die Begleitung von Angehörigen vorbereiten möchten.

Signatur: Fd | Cn
Schlagworte: Sterben | Tod | Pflege
Bewertung: +++
Rez.: Christine Stockstrom