Newsletter "Gemeinde" 03/2020

Liebe Leserin! Lieber Leser!

„Altwerden ist nichts für Feiglinge“ – so lautet ein Spruch, der den Blick auf die schmerzlichen und verlustreichen Seiten des Alters richtet. Es gibt aber viele verschiedene Perspektiven, aus denen man das Altern und vermutlich auch das eigene Alt werden und sein betrachten kann. So erzählen auch die Bücher, die wir Ihnen in diesem Newsletter empfehlen wollen, ganz unterschiedliche Geschichten: Was passiert, wenn der Prozess des Alterns aussetzt? (Aus Frankreich von Grégoire Delacourt), Wie gelingt das Leben eines betagten Paares? (Aus den USA von Stewart O`Nan), Was kann die vielbeschworene Würde des Alterns sein? (Von Sven Kuntze aus Deutschland) und Was kann eine Zwölfjährige aus den Erzählungen ihres Großvaters über ihre Familie erfahren? (Von Simon Van der Geest aus den Niederlanden).

Gute Lesestunden und Gespräche wünscht

Ihr Eliport-Team

 

Bewertung:
+++    = hervorragend
++      = gut
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Delacourt, Grégoire: Die Frau, die nicht alterte. Roman. Dt. von Katrin Segerer. Hamburg: Atlantik 2019. 171 S. ; 21 cm. Aus d. Franz. ISBN 978-3-455-00651-3, geb.: 20,00 €

Fluch und Segen ewiger Jugend.

Martine (später Betty) führt ein völlig normales Leben. Sie hat studiert, mit André den Mann fürs Leben geheiratet und einen Sohn zur Welt gebracht. Die Zukunft ist für sie ein großes Versprechen. Nur ihre Maman fehlt ihr, die jung gestorben ist. „Ich vermisste Maman. Ihre Arme, ihr Atem hatte mich verwaist zurückgelassen, mir fehlte jede ihrer Poren, jedes Haar, jede Silbe, die sie mir nicht hatte schenken können. Genau wie Papa lief ich nur noch auf einem Bein." Doch mit dreißig hört sie plötzlich auf zu altern und ihre Welt gerät ins Wanken. Was zuerst sehr verlockend klingt, wird schnell schwierig: Die offensichtliche Altersdistanz wird - zumindest optisch - immer größer, sowohl zu ihrem Mann als auch bald zum Sohn. „Ich wusste um das Chaos, das sich anbahnte. Ich wusste um die Freude und die Fassungslosigkeit. Ich wusste um den Segen und den Fluch." Eine Geschichte, die nachdenklich macht und anregen kann, über Alter und Schönheit und die Würde des Alterns ins Gespräch zu kommen.

Für Veranstaltungsarbeit und Literaturkreis zum gemeinsamen Lesen, bringt über den Jugendwahn und die Würde des Alterns ins Gespräch.

Signatur: SL
Schlagworte: Alter | Schönheit | Liebe | Jugend
Bewertung: +++
Rez.: Christine Stockstrom

O'Nan, Stewart: Henry persönlich. Roman. Dt. von Thomas Gunkel. Hamburg: Rowohlt 2019. 478 S. ; 21 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-498-00121-6, geb.: 24,00 €

Henry (74) und Emily (69) sind seit fast 50 Jahren verheiratet und leben in der Nähe von Pittsburgh, Pennsylvania.

Sein ganzes Leben hat Henry in Highland Park, einem Vorort von Pittsburgh, verbracht - seine Kindheit und später sein Leben mit Emily und den beiden Kindern. Die Kinder sind aus dem Haus, er selbst im Ruhestand und zufrieden, wenn er etwas zu reparieren hat. Manchmal denkt er, wie es wohl sein wird, wenn er nicht mehr da ist und Emily allein zurecht kommen muss. Ein netter Einfall des Autors, der Jahre zuvor bereits die Bücher „Emily, allein" und „Leben in Chautauqua", beide zeitlich nach dem jetzt vorgelegten Roman verortet, veröffentlichte. (vgl. EvB 2012; 2005/2019 im TB) So ist das Buch auch die Geschichte einer Ehe, die fast 50 Jahre alt ist. Zusammen mit Rufus, dem Hund, sind sie irgendwie glücklich in ihrem Alltag. Kleine Gespräche über Nachbarn und Kinder, Stille, - die beiden verstehen sich ohne viele Worte (wunderbar die Beschreibung des Valentinstags). Anrührend wie Henry sich um Emily bemüht. O'Nan ist wiederum ein wunderbares Buch gelungen, ruhig und einfühlsam geschrieben.

Für viele Büchereien, unabhängig von den Vorgängerbänden einsetzbar, sprachlich ausgezeichnet, gut übersetzt von Thomas Gunkel.

Signatur: SL
Schlagworte: Alter | Ehe | Mann
Bewertung: +++
Rez.: Bettina Wolf

Kuntze, Sven: Alt sein wie ein Gentleman. Über Würde im Alter und andere überschätzte Tugenden. München: C. Bertelsmann 2019. 254 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-570-10358-6, geb.: 20,00 €

Ein persönliches Nachdenken über das Altsein.

„Das Leben ist bis auf einen Rest gelebt", schreibt Sven Kuntze in der Vorbemerkung seines neuen Buches „Alt sein wie ein Gentleman". Er lädt uns Lesende augenzwinkernd, philosophisch und melancholisch ein, an seinen Erfahrungen als fortgeschrittener Rentner teilzuhaben. Wie fühlt es sich an, wenn man auf die 80 zugeht, was kann ein alternder Gentleman dem Leben abgewinnen? Kein Ratgeber ist dieses Buch, das macht er gleich zu Beginn deutlich: „Ich trau mich an Rat nicht ran." Stattdessen nimmt er sich die Widrigkeiten des Alltags vor, die schwindenden Sinne und die zunehmende Gebrechlichkeit, den Kampf gegen die Einsamkeit, erzählt von der „Gesellschaft vom Dachboden", die er mit Gleichgesinnten gegründet hat. Er denkt nach über das Lachen und die Erinnerung und die Freuden des Lebens im Alter und stellt eines unmissverständlich klar: „Wir altern unschön." Sein Fazit: „Erst die Einsicht in die Endlichkeit, so lästig sie sein mag, macht uns das Leben wertvoll und lebenswert“.

Als Geschenk für „alternde" oder auch als Grundlage für eine Veranstaltung zum Thema „Alt sein" wunderbar geeignet.

Signatur: Fd | Sb
Schlagworte: Alter | Alt sein | Leben | Senioren
Bewertung: +++
Rez.: Christine Stockstrom

Geest, Simon van der: Das Abrakadabra der Fische. Dt. von Mirjam Pressler. Ill. von Almud Kunert. Stuttgart: Thienemann 2019. 314 S. : Ill. ; 21 cm. Aus d. Niederländ. ISBN 978-3-522-18484-7, geb.: 15,00 €

Die 12jährige Vonkie wird zum Großvater aufs Land geschickt, damit ihre Eltern sich mit ihren Eheproblemen beschäftigen können.

Vonkies Eltern haben Eheprobleme. Darum soll sie für eine Woche zu Großvater aufs Land, damit Mama und Papa reden können. Weder Großvater noch Vonkie scheinen anfangs besonders glücklich über dieses Arrangement zu sein. Doch schnell kommt Großvater ins Erzählen von längst vergangenen Zeiten und weckt damit Vonkies Interesse. Denn nicht nur der Umstand, dass Großvater nach dem Krieg mit vielen Geschwistern auf diesem Hof aufgewachsen ist, birgt eine Menge Erzählstoff. Auch um die benachbarte Mühle ranken sich Geschichten, die letztendlich ein großes Familiengeheimnis bergen und die Lebenswege zweier Brüder grundlegend beeinflusst haben. Empathisch und humorvoll schlägt der Autor mit seinem Jugendbuch eine Brücke zwischen den Generationen. Vor der beruhigenden Kulisse nordischer Weite, bahnt sich die Vergangenheit ihren Weg in die Gegenwart. Die überschaubaren Kapitel werden begleitet von Vignetten von Almud Kunert.

Berührendes Jugendbuch über Beziehungen auf den unterschiedlichsten Ebenen. Angeln als Balsam für die Seele. Einfühlsam und witzig wird es vor allem Mädchen ab 11 Jahren ansprechen. 

Signatur: Ju 2
Schlagworte: Familie | Trennung | Großvater
Bewertung: +++
Rez.: Brigitte Elstner-Steinbach