Newsletter "Gemeinde" 04/2017

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Den April-Newsletter widmen wir den Frauen. Ein nachdenklich stimmender Roman porträtiert zwei Frauen, die sich am Ende ihres Lebens gegen viele Konventionen stellen und noch einmal aufbrechen. Frauen der Reformation stellt das Buch aus der Edition Ev. Gemeindeblatt in Württemberg vor, das auch zeigt, welche Rolle die Bildung für die Lebensgestaltung der Frauen in der Reformationszeit spielte. Susanne Niemeyer, bekannt für theologische Bücher mit Überraschungen und Gegenwartsbezug, erzählt Frauengeschichten aus der Bibel neu. Alle drei Bücher sind eine Fundgrube für die Gemeindearbeit.

Lassen Sie sich anregen zum Lesen, Vorlesen und Entdecken.

Ihr Eliport-Team

 

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Schmidt, Sarah: Weit weg ist anders. Roman. Berlin: Insel 2017. 261 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-458-36256-2, kt.: 12,95 €

Die Geschichte zweier 70jähriger Frauen, die sich trotz anfänglicher Abneigung auf das Abenteuer gemeinsamen Reisens einlassen.

Frau Scholz aus Berlin und Frau Jacobi aus Husum lernen sich in einer Rehaklinik auf Usedom kennen. Frau Scholz hat zwei neue Hüftgelenke bekommen, während Frau Jacobi an einer entzündlichen Nervenkrankheit leidet, die zum baldigen Tod führt. Tochter Kim weiß davon und möchte ihre Mutter in einem Heim unterbringen. Es steht sogar die Frage der Entmündigung im Raum. Während eines Besuchs in Husum eröffnen die beiden Damen Kim und deren Ehemann Reisepläne, die sie nach Baden-Baden führen sollen. Dabei wollen sie sich Altersheime anschauen. Tatsächlich steigen die beiden in einem guten Hotel ab und lassen sich verwöhnen. Im Spielcasino treffen sie auf den Heiratsschwindler Meininger. Frau Scholz stellt fest, dass sie ihr gesamtes Vermögen beim Glücksspiel verloren hat. Wie sollen sie ohne Geld nach Berlin kommen? Oskar Mannstein, der pfiffige Briefträger, erweist sich als rettender Engel. Er setzt sich ins Auto, um die beiden alten Damen abzuholen. Die Hotelrechnung kann natürlich auch nicht bezahlt werden. Also verlassen die Beiden frühmorgens durch einen Hinterausgang das Haus. Vierzehn Tage nach der gemeinsamen Reise erhält Frau Scholz die Nachricht vom Tod der Frau Jacobi.

Ein sehr nachdenklich stimmender Roman, in dem Lebensmut, Überlebenswille, Verstoß gegen Konventionen, aber auch Respekt vor dem Alter eine große Rolle spielen. Sehr zu empfehlen. Überall einsetzbar. Außer im Krankenhaus.

Signatur: SL
Schlagworte: Frauen | Alter | Lebensmut
Bewertung: +++
Rez.: Ingeborg Vogt

Auf zur Reformation. Selbstbewusst, mutig, fromm - Frauen gestalten Veränderung. Hg. von Eva-Maria Bachteler u. Petra Ziegler. Mit Beiträgen von Uwe Birnstein, Sylvia Weigelt u.a. Stuttgart: Ed. Evang. Gemeindeblatt 2016. 168 S. : Ill. ; 22 cm. ISBN 978-3-945369-27-2, kt.: 14,95 €

Ein schönes kleines Büchlein, das die bedeutendsten Reformatorinnen anschaulich, kurzweilig und fachkundig vorstellt.

Die Reformation ist unlösbar mit der Entwicklung der Rolle der Frau verbunden, so dass Margot Käßmann mit den Worten zitiert wird: "Die Beteiligung der Frauen ist nicht ein Seitenthema der Reformation, sondern sie steht exemplarisch für ihre Inhalte" (S.19). Dieser Bedeutung der Frauen geht das Buch nach. Es porträtiert bekannte Weggefährtinnen der Reformation ebenso wie weniger bekannte, deren Entdeckung lohnend und überraschend ist. Immer wieder ist feststellbar, dass Bildung und Stand entscheidende Kriterien für mutiges oder gelehrtes Auftreten waren. Besonders die Rolle der Klöster kann nicht unterschätzt werden. Aber auch einige Elternhäuser hatten offenbar schon den Mut, auch die Töchter gründlich bilden zu lassen. Bei ausreichender Bildung fiel der reformatorische Gedanke oft auf fruchtbaren Boden. Manche der vorgestellten Frauen lebten ehelos und in großer Freiheit und Selbststimmung. Frauengeschichte ist Lebensgeschichte.

Für Buchausstellungen zum Reformationsjubiläum, eine Gesprächsreihe oder einen Abend zu den Frauen der Reformation.

Signatur: Cc 1
Schlagworte: Reformation | Frauen | Geschichte
Bewertung: ++
Rez.: Christiane Thiel

Niemeyer, Susanne: Eva und der Zitronenfalter. Frauengeschichten aus der Bibel. Ill. von Ariane Camus. Leipzig: Ed. Chrismon 2017. 139 S. : Ill. ; 19 cm. ISBN 978-3-96038-019-1, kt.: 15,00 €

19 biblische Frauengeschichten lebendig, aktuell, witzig und tiefsinnig erzählt.

Damit die alten Geschichten nicht erstarren zu Salzsäulen, schreibt Susanne Niemeyer auf neue, frische Weise von Sara, Lots Töchtern oder Judit. Sie beruft sich dazu auf die biblischen Texte, aber auch auf apokryphe Evangelien oder Worte der Kirchenmütter bzw. -väter. Und es gelingt ihr, dass diese Frauen ihren Ort in der Geschichte behalten und uns gleichzeitig doch nahe kommen wie Nachbarinnen oder Freundinnen: überraschend gegenwärtig (auch mal im Präsens erzählt), zugleich erkennbar biblisch. Die Leserin sieht Friederike Laubenstängel, die spüren kann, wenn ein Sturm heraufzieht, mit einem Tiegel teurer Chanel-Gesichtscreme bei den Nachbarn im Zimmer stehen, oder die erfolgreiche, sehnsüchtige Lydia, die es sehr sympathisch findet, dass Paul vor der Taufe keine AGB unterschreiben lässt und ihr versichert: „Gott hat nichts gegen Anfänger. Er war selber einer.“ Insgesamt anregend, aufregend, auch mal irritierend – und sehr einladend zur (Wieder-)Begegnung mit den Frauen der Bibel.

Frauen-/Gemeindegruppen, (Frauen-)Gottesdienste, zum Verschenken an Ehrenamtliche - für alle, die nicht humorlos werden, wenn es um biblische Geschichten geht.

Signatur: Ch
Schlagworte: Frauen | Bibel
Bewertung: +++
Rez.: Griet Petersen