Newsletter "Gemeinde" 04/2018

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Bücher über Paare, Ehepaare, Liebespaare kennen alle, die gerne Romane lesen. Dabei ist jede Paargeschichte eine besondere. Drastisch greifen die politischen und sozialen Verhältnisse in das Leben von Paaren ein. So erzählt Gert Loschütz in Gestalt des Fotografen Philipp vom Leben seiner Eltern im geteilten Deutschland und kommt damit seiner Familiengeschichte auf die Spur. Hans Joachim Schädlich porträtiert sehr gelungen das Malerehepaar Felix Nussbaum und Felka Platek. Und zwei kroatische Künstler nehmen die eigene Trennung zum Anlass, ein Museum der zerbrochenen Beziehungen aufzubauen. Entstanden ist daraus ein sehr ästhetisch gestaltetes Buch mit Fotos von Gegenständen, die an vergangene Beziehungen erinnern, und erklärenden Texten.

Lassen Sie sich anregen zum Stöbern und Erinnern.

Ihr Eliport-Team

 

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Loschütz, Gert: Ein schönes Paar. Roman. Frankfurt: Schöffling 2018. 235 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-89561-156-8, geb.: 22,00 €

Philipp stößt beim Ausräumen seines Elternhauses auf eine Kamera, die für seine Eltern alles bedeutet hat.

Der Fotograf Philipp löst sein Elternhaus auf. In seiner Erinnerung tauchen vergangene Bilder auf. Herta und Georg sind ein schönes Paar. Obwohl sie sich mit der Flucht nach Westdeutschland ein besseres Leben erhoffen, führt die Flucht zum Ende ihrer Liebe. Für Herta ist vor der Flucht das Leben zu eng, sie möchte Model werden. Doch der Traum zerplatzt. Dann macht ein Fehler Georgs die Flucht in den Westen nötig. Herta und Philipp folgen, doch das Leben im Westen wird nicht, wie Georg und Herta es sich vorstellen. Philipp deckt ihre Geschichte auf und stellt fest, dass sich seine Eltern bis zum Ende näher waren, als er dachte. Diese, auf der Geschichte der Eltern des Autors basierende Erzählung, ist keine Lektüre, die einfach zu lesen ist. Fast distanziert schildert der Autor die Geschichte seiner Eltern und letztlich auch seine eigene. Keine Abrechnung mit seinen Eltern, eher eine Annäherung, die es Philipp möglich macht, versöhnt zu sein. Seine Eltern bleiben für ihn, was sie immer waren: ein schönes Paar.

Gert Loschütz gelingt eine ruhig und nüchtern erzählte Familiengeschichte vor dem Hintergrund des geteilten Deutschland. Ein kluges Buch, das Frauen wie Männer berührt.

Signatur: SL
Schlagworte: Familiengeschichte | DDR | BRD | Liebe
Bewertung: +++
Rez.: Andrea Zimmermann

Schädlich, Hans Joachim: Felix und Felka. Reinbek: Rowohlt 2018. 201 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-498-06437-2, geb.: 19,95 €

Eine literarische Annäherung an das Malerehepaar Felix Nussbaum (1904-1944) und Felka Platek (1899-1944).

In knapper, aber von der ersten Szene an knisternder und spannungsgeladener Form erzählt Hans Joachim Schädlich die Lebensgeschichte des jüdischen Malerehepaares Felix Nussbaum und Felka Platek. Im Jahr 1933 hielten sich die beiden Künstler, er mit einem Stipendium des deutschen Reiches, in Rom in der Villa Massimo auf. Nach einer antisemitischen Provokation durch den Maler Hanns Hubertus Graf von Merveldt verlassen sie Rom fluchtartig. Da sie nicht nach Deutschland zurück können, verbringen sie zunächst einige Zeit malend an der Riviera, dann in Paris und schließlich in Belgien, wo ihre Existenz nach der Besetzung durch die Deutschen zunehmend bedroht ist. Eindrucksvoll ist bei der Lektüre die Bedrohung zu spüren, die Ängste, die Anspannung, aber auch das Netz hilfsbereiter Nachbarn und Freunde, denen es zu danken ist, dass zumindest ein Teil des künstlerischen Schaffens gerettet werden konnte, Nussbaums Wunsch entsprechend: Lasst meine Bilder nicht untergehen.

In ergreifenden, dichten Dialogen thematisiert der Text die Tragödie der Verblendung des Rassenwahns und ermutigt – ohne auf die Sammlung im Nussbaum-Haus in Osnabrück hinzuweisen – sich mit dem Werk zu beschäftigen, das hier nur in Fieberträumen genannt wird.

Signatur: Bb
Schlagworte: Antisemitismus | Rassenwahn | Exil | Künstler
Bewertung: +++
Rez.: Halgard Kuhn

Vištica, Olinka u. Grubišic, Dražen: Das Museum der zerbrochenen Beziehungen. Was von der Liebe übrig bleibt - Geschichten und Bilder. Dt. von Marcus Gärtner. Reinbek: Rowohlt Hundert Augen 2018. 123 S. : Ill. ; 18 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-498-07068-7, geb.: 15,00 €

Buch zum „Museum der zerbrochenen Beziehungen“ in Zagreb. Es zeigt 75 Beziehungsrelikte und ihre Geschichte.

Die eigene Trennung brachte die Künstler Olinka Vištica und Dražen Grubišic auf die Idee, ein Museum zu eröffnen. Was tun mit Gegenständen, die man am Ende einer Beziehung nicht behalten möchte, weil es zu schmerzhaft wäre, aber auch nicht wegwerfen kann, weil sie zu wichtig waren?  Im „Museum der zerbrochenen Beziehungen“ finden die Einsendungen aus aller Welt einen guten Platz. Das sehr schön und klar gestaltete Buch zeigt auf 123 Seiten berührende Einblicke in vergangene Beziehungen aller Art. Kurze Begegnungen kommen vor und auch langjährige Liebesbeziehungen, verhinderte Lieben mit dramatischen Folgen, Hasslieben, einseitige Lieben, aber auch die Liebe zwischen Eltern und Kindern. Dabei wurden die Gegenstände vor neutralem Hintergrund fotografiert, was die Wirkung steigert. Die knappen Erläuterungstexte beflügeln zusätzlich die Fantasie.

Das unterhaltsame Buch zur Ausstellung bietet reichen Stoff für Diskussionsrunden zu einem Thema, das alle betrifft.

Signatur: SL
Schlagworte: Liebe | Trennung | Symbole
Bewertung: +++
Rez.: Susanne Brenner