Newsletter "Gemeinde" 04/2021

Liebe Leserin! Lieber Leser!

 

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Auch wenn Sie das Wort „Corona“ vielleicht gar nicht mehr hören können, muten wir Ihnen einen Newsletter zu eben diesem Thema zu. Nach dem mathematischen Grundsatz „minus x minus = plus“ und ausgelöst durch die Lektüre zweier wirklich interessanter belletristischer Titel stellen wir Ihnen hier ein Kindersachbuch zum Verständnis des Virus, ein Sachbuch für Erwachsene von Alexander Kekule, ein hintergründiges Bilderbuch für Erwachsene vor. „Monschau“ und „Eine Seuche in der Stadt“ zeigen das Unterhaltungs- und Diskussionspotenzial von Erzählungen rund um Epidemien.

Viel Spaß beim Lesen und sich Austauschen wünscht

Das Eliport-Team

 

Ihr Eliport-Team

 P.S.: Kennen Sie schon unsere neue Eliport-Schultüte mit dem wunderbaren ABC-Buch „Pudel, Pauken und ein Plan“ß Schauen Sie doch schon mal vorbei.


Bewertung:
+++    = hervorragend
++      = gut
+         = möglich

Bitte beachten Sie auch unsere weiteren Serviceangebote, die Sie auf unseren Internetseiten abrufen können:
► Literaturtipps unter www.eliport.de
► Alles über den  Evangelischen Buchpreis unter www.evangelischerbuchpreis.de
► Leseförderungs- und Taufprojekt unter www.willkommeningotteswelt.de
► Schulanfängerprojekt unter www.leseningotteswelt.de
► Alle Arbeitshilfen zur Bibliotheksorganisation für Mitarbeitende unserer Büchereien unter www.buechereiservice.de

Brensing, Karsten u. Linke, Katrin: Die spannende Welt der Viren und Bakterien. Ill. von Nikolai Renger. Bindlach: Loewe 2021. 186 S. : Ill. ; 29 cm. ISBN 978-3-7432-0974-9, geb.: 16,95 €

SARS-CoV-2 hat die gesamte Welt wie selten zuvor erschüttert. Eine brillante Einführung in die Welt der Mikrobiologie.

Ein erstklassig verständlich dargestelltes Sachbuch über die spannende Welt der Mikrobiologie für Leser ab 9 Jahren! Den Mikrobiologie-Autoren ist es glänzend gelungen, auf einem unvergleichlich hohen Niveau viele aktuelle Fragen verstehbar zu erläutern. Wie entsteht Leben, wie funktioniert unser Immunsystem, was ist eine Pandemie, was sollte man über Hygiene wissen usw.? Durch die Erfahrungen im Homeschooling ist bei vielen Eltern derzeit die Anerkennung der Leistungen der Schulen für ihre Kinder gewachsen. Diese Buchlektüre kann vielen selbst jungen Lesern eine anschließend hohe Wissenskompetenz vermitteln, die sie schützt und stärkt gegenüber gängigen Falschmeldungen und Bedrohungsszenarien. Selbst der erwachsene Leser mit viel Vorwissen erfährt noch so manches Neue mehr.
Ein Glossar für Fachbegriffe und Krankheiten mit einer ganzen Reihe von Infotafeln rundet das Bild dieser vortrefflich gelungenen Darstellung ab. Selten habe ich als Rezensent eine so breite Empfehlung geben dürfen.

Dieses aktuelle Sachbuch über Viren und Bakterien wird gerade auch im Zusammenhang mit Corona eine größere Nachfrage erfahren. Daher breite Empfehlung besonders für junge Leser.  

Signatur: Jn
Schlagworte: Mikrobiologie | Viren | Corona | Covid-19
Bewertung: +++
Rez.: Rudolf Venus

 

Heidelbach, Nikolaus: Alles gut? Zürich: Gatsby 2020. O. Pag. : überw. Ill. ;m 18 cm. ISBN 978-3-311-25013-5, geb.: 16,00 €

Nach bereits vierwöchiger Quarantäne beschließt ein Mann, ein Corona-Tagebuch (März bis Mai 2020) zu führen.

Um in Zeiten der Pandemie die Dinge im Griff zu behalten, beschließt ein Mann (der Autor?) ein Tagebuch zu führen, mit Kontrollnotizen (Temperatur messen und Selbst-Beobachtungen in seiner Wohnung). Mehr und mehr scheinen seltsame Dinge zu geschehen. Oder ist es nur Einbildung? („Beim Waschen entdecke ich an der linken Hand einen Ehering. Rätselhaft"), („Anhaltend gequält von der Vorstellung, im Keller wohne jemand und wolle mich unbedingt besuchen. Eben (19:00) gewinnt die Vernunft die Oberhand: Ich habe keinen Keller. Sehr erleichtert.“) Nikolaus Heidelbach ist bekannt für seine surrealen Bilder, die manche Betrachter irritieren, gar verstören mögen, aber immer zum Nachdenken anregen. Für Heidelbach-Fans besonders interessant sind immer wieder seine obskuren Tapetenmuster. Der kleine, aber feine Titel kann auch einfach als Parodie auf die diversen Corona-Verschwörungstheorien gelesen werden.

Vorzugsweise für Freunde dieses bekannten Illustrators sehr empfohlen.

Signatur: SL
Schlagworte: Quarantäne | Tagebuch
Bewertung: +++
Rez.: Wolfgang Vetter

 

Kopetzky, Steffen: Monschau. Roman. Berlin: Rowohlt Berlin 2021. 350 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-7371-0112-7, geb.: 22,00 €

Viel mehr als der Roman um einen Pockenausbruch in der Eifel 1962.

Steffen Kopetzky zeigt sich nach „Risiko“ und „Propaganda“ ein weiteres Mal als Meister in der Entwicklung einer spannenden Geschichte vor zeitgeschichtlich brilliant ausgeleuchtetem Hintergrund. Es geht in das schmucke Eifelstädtchen Monschau, in dem 1962 tatsächlich ein Fall von Pocken auftritt. Schon der Beginn mit der Odyssee eines Rettungswagens, der ein schwerkrankes Kindes in ein Spital bringen möchte und im Aachener Krankenhaus abgewiesen wird, sodass sich der Fahrer erneut durch die schneereiche Nacht nach Monschau kämpfen muss, nimmt die Leserin gefangen. In einer überaus gelungenen Mischung aus Zeitgeschichte, Wirtschaftsreportage und Liebesroman erzählt der Autor davon, wie Menschen, eine Kommune, ein mittelständisches Unternehmen, die politisch Verantwortlichen und die kundigen Mediziner und Wissenschaftler mit dem Ausbruch einer Epidemie umgehen. Parallelen zur gegenwärtigen Situation beabsichtigt und gelungen. Der verantwortliche Dermatologe, vom Innenministerium in Düsseldorf in die Eifel entsandt, und sein junger griechischer Assistent setzen das in Gang, was wir gerade gut kennen: Quarantäne, Schulschließung, Isolation im Krankenhaus und eine mit allen örtlichen Kräften koordinierte Impfung der örtlichen Bevölkerung. Parallel dazu wird die Geschichte eines Stahlbetriebes, größter Arbeitgeber in der Region, erzählt, dessen junge Erbin lieber Journalistin als Firmenchefin werden möchte und sich mit ihrer Recherchelust in unmittelbare Gefahr begibt.

Die politischen Verhältnisse (ausgehende Adenauerzeit), einschneidende Ereignisse wie die Flutkatastrophe in Hamburg, die Vorliebe der jüngeren Protagonisten für den Jazz, das Verharren der ganzen Republik vor dem Straßenfeger „Das Halstuch“ und die immer noch funktionierenden Kontakte einiger Alt-Nazis – das alles ist nicht nur Kulisse, sondern erzählter Raum dieses überaus gelungenen Unterhaltungsromans. Nicht nur für die Zeitgenossen, für diese aber mit besonderem Vergnügen.

Signatur: SL
Schlagworte: Epidemie | Deutschland, 20. Jh. | Geschichte | Eifel
Bewertung: +++
Rez.: Gabriele Kassenbrock

Ulitzkaja, Ljudmila: Eine Seuche in der Stadt. Szenario. Dt. von Ganna-Maria Braungardt. München: Hanser 2021. 110 S. ; 21 cm. Aus d. Russ. ISBN 978-3-446-26966-8, geb.: 16,00 €

Ein ursprünglich als Drehbuch entstandenes Szenario über einen Pockenausbruch im stalinistischen Russland 1939.

Eine schneereichen Nacht einige hundert Kilometer östlich von Moskau. In einem Geheimlabor arbeitet Rudolf Iwanowitsch Mayer in seiner Isolierkammer  an einem Wirkstoff gegen die Pestviren, als ihn die Pförtnerin ans Telefon ruft. Er soll nach Moskau kommen und – er findet verfrüht – über seine erfolgreiche Forschung berichten. Durch diese Unterbrechung und mutmaßlich eine kleine Unachtsamkeit wird die Pest aus dem Labor in die Welt getragen. Auf nur 100 Seiten und in sprechenden Szenen im Zugabteil, im Hotel, vor dem Volkskommissariat für Gesundheit, im Krankenhaus, auf dem Bahnhof, in Schlafzimmern und vor Wohnungstüren entfaltet die erfahrene Autorin die ganze Welt des stalinistischen Russland. Als Mayer in Moskau erkrankt, begibt sich der untersuchende Arzt, der die Lungenpest sofort erkennt, mit ihm in Selbstisolation und informiert per Telefon den Klinikchef über den Pestausbruch. Das setzt nicht nur Ärzte und Volkskommissare in Bewegung, sondern auch den – im Text so genannten - sehr Mächtigen Mann mit georgischen Akzent, der das drohende Problem zunächst nicht versteht und Liquidierung verspricht, wo es nur um Quarantäne geht. Unverzüglich werden Listen erstellt mit allen Kontaktpersonen, die Mayer auf dem Weg nach Moskau und in der Stadt hatte, und die Geheimpolizei wird aktiv. Erfahren mit politisch motivierten Verhaftungen reagieren die Moskauer panisch, eine Frau denunziert ihren Mann, ein Mann kommt der drohenden Abholung durch Selbstmord zuvor. Als die Epidemie eingedämmt ist und der Bezirksarzt – von seiner Frau schon verloren geglaubt – nach Hause zurückkehrt, sagt er: „Es war die Pest. Nur die Pest“.

In ihrem Nachwort skizziert die Autorin die Hintergründe des Textes und ihr Interesse an der Wechselwirkung zwischen der „Macht des Staates und der Macht der Natur“. Interessant für uns Lesende, dass es in Russland immer noch auf jedem Bahnhof ein Büro der Geheimpolizei gibt. Für alle politisch Interessierten.

Signatur: SL
Schlagworte: Epidemie | Russland | Geschichte | Stalin
Bewertung: +++
Rez.: Gabriele Kassenbrock

Kekulé, Alexander: Der Corona-Kompass. Wie wir mit der Pandemie leben und was wir daraus lernen können. Berlin: Ullstein 2020. 352 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-550-20140-0, geb.: 22,00 €

Prof. Kekulé beschreibt den bisherigen Verlauf von Covid-19 und sein Konzept zur Bewältigung der Pandemie ohne  Lockdown.

Covid-19: Protokoll einer Pandemie. Stets muss die Politik wissenschaftliche Fakten mehrheitsfähig umsetzen. Nicht selten wählt sie den Weg des geringsten Widerstandes im Unterlassen unbeliebter Maßnahmen, besonders wenn dies von mindestens einigen „Experten“ unterstützt wird. Als aktuell viel befragter Virologe widmet sich A. Kekulé zum Ausbruch und bisherigen Ablauf der Covid-19 Pandemie. Viele Kapitel ergänzen mit Basiswissen über Viren, Abwehrreaktionen des Immunsystems, Antikörpern, Killerzellen, Funktion von Impfungen, dazu Versäumnisse wie nicht umgesetzte Ergebnisse von simulierten Planspielen.
Der Autor bietet Lösungen an, wie ohne neue Strangulierung des sozialen und wirtschaftlichen Lebens durch weitere Lockdowns man mit der Pandemie leben könnte.
Der Redaktionsschluss des Buches Okt. 2020 schränkt die Chancen seines Lösungskonzepts erheblich ein. Auswirkungen wie langsame Impfstarts oder die neuen Virus-Mutationen als Auslöser der dritten Welle müssen unberücksichtigt bleiben.

Das Wissens über Covid-19 ändert sich rasant. Viele Infos im Buch verlieren leider so ihre Aktualität. Nur eher kleinere Leserkreise wird daher dieses Sachbuch noch interessieren.

Signatur: Nm
Schlagworte: Corona | Covid-19 | Pandemie | Lockdown
Bewertung: +
Rez.: Rudolf Venus

Müller, Sven-David: Die 50 besten Viren-Killer. Stuttgart: Trias 2021. 108 S. ; 16 cm. ISBN 978-3-432-11399-9, kt.: 9,99 €

Konzentriertes Wissen zur Stärkung des Immunsystems gegen Viruserkrankungen durch Mikronährstoffe und weitere Hilfen.

In kleinem Buchformat kommt hier ein kompetent geschriebener Leitfaden über
Möglichkeiten weitgehend ohne Pillen allein durch Ernährung und weitere ergänzende Maßnahmen zahlreiche Viruserkrankungen neben Corona zu stoppen oder mindestens deutlich zu bremsen.
Nach kurzem Text mit Basiswissen über Viren versammelt der promovierte Medizinjournalist 50 evidenzbasierte „Killer“-Tipps, mehrheitlich beruhend auf Vitaminen, Amino- und Fettsäuren, Spurenelementen und anderen Micronährstoffen in unserer Nahrung. Die Wichtigkeit einer gesunden Darmflora mit positiver Lenkung durch Prä- und Probiotika (richtige Nahrung für Darm-Mikroorganismen mit ihren abwehrstärkenden Fähigkeiten bzw. Aufnahme von „lebendigen“ probiotischen Milchsäurebakterien) wird ausführlich besprochen. Aber es gibt auch einige unerwartete „Exoten“ wie Chili, Bierhefe, Kefir oder Grüner Tee. Allgemeine Hygienetipps runden den nur ca. 100 Seiten umfassenden Band neben einem ausführlichen Quellen- und Adressenverzeichnis ab.

Auch Leser mit Vorwissen werden hier noch fündig. Kompetent geschrieben, dazu preiswert (10 €), ist dieser Leitfaden bei den täglich neuen Virus-Schlagzeilen sehr empfehlenswert.

Signatur: Nm
Schlagworte: Viren | Ernährungsmedizin | Immunsystem | Mikronährstoffe
Bewertung: +++
Rez.: Rudolf Venus