Newsletter "Gemeinde" 04/2022

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Menschen haben gern Recht, auch, wenn es um Ihren Glauben geht. Dass das zu nichts Gutem führt, ist hinlänglich bekannt. Navid Kermani hat mit „Jeder soll von da, wo er ist, einen Schritt näher kommen“, ein wunderbares Plädoyer für die Verständigung unter den Religionen und das Aufeinanderzugehen vorgelegt. Er begibt sich gemäß dem (gekürzten) Bibelzitat „Werdet wie die Kinder“ gedanklich zurück in seine Kindheit und hält gleichzeitig Zwiesprache mit seiner 12jährigen Tochter, der er den Islam, aber auch Religion an sich näher bringen möchte. Auch unsere anderen Empfehlungen laden dazu ein, über den Tellerrand des Glaubens zu schauen. Wohl bekomm’s!

Ihr Eliport-Team


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Sieht Gott auf der ganzen Welt gleich aus? Wissen rund um die Religionen. Hg. von Albert Biesinger, Helga Kohler-Spiegel u. Simone Hiller. Ill. von Mascha Greune. Mit Beiträgen von Rainer Oberthür, Fahimah Ulfat u.a. München: Kösel 2021. 126 S. : Ill. ; 25 cm. (Kinder fragen - Forscherinnen und Forscher antworten). ISBN 978-3-466-37262-1, geb.: 18,00 €

Sachbuch über Fragen zu Religion und Religionen.

Was ist eigentlich eine „Religion"? Gibt es nur einen Gott mit vielen Namen und Gesichtern oder gibt es verschiedene Götter? Warum gibt es so viele unterschiedliche Religionen und wie können Menschen dieser unterschiedlichen Religionen gut zusammenleben? Diese und andere weiterführende Fragen werden von Wissenschaftler*innen entfaltet und mit Bezug auf kindliche und jugendliche Lebenskontexte umfassend beantwortet. Zu jedem Kapitel gibt es kluge Fragen und Anregungen zum Weiterdenken und Weiterfragen wie z. B.: „Denkst Du, Veganismus ist auch eine Religion?"Das Buch enthält gut aufbereitete Informationen und nachdenkenswerte Ausführungen, ist allerdings insgesamt etwas textlastig und für jüngere Leser*innen im Kindes- und Jugendalter eher sehr komplex, für ältere mitunter etwas langatmig. Es ist trotzdem hervorragend geeignet für die Vorbereitung und Gestaltung von Unterricht und Gesprächs- und Diskussionsrunden mit Kindern und Jugendlichen im Alter von 8-15 Jahren.  

Sehr geeignet, um über Religion und Religionen ins Gespräch und in den Austausch zu kommen. Daher für jede Gemeinde- und Schulbücherei zu empfehlen.

Signatur: Jc
Schlagworte: Religionen | Toleranz | Gott
Bewertung: ++
Rez.: Anne Rank

Und doch sind alle Äpfel rund .... Was Judentum, Christentum und Islam gemeinsam haben. Eine ganz besondere Familiengeschichte. Christine Hubka. Ill. von Agi Ofner. Innsbruck: Tyrolia 2021. O. Pag. : überw. Ill.; 25 cm. ISBN 978-3-7022-3919-0, geb.: 10,95 €

In Jojos Familie haben alle Mitglieder eine andere Religion. Das wirft Fragen auf …  

Dass alle runden Früchte in Omas Garten wirklich Äpfel sind, lässt sich mit guten Gründen bezweifeln. Vielleicht haben sich doch ein paar Birnen daruntergemischt. Christine Hubka sieht das vermutlich anders und entwirft vor dem Hintergrund der Idee einer abrahamischen Ökumene ein wunderschönes Sachbuch, das besonders durch seine hervorragenden Illustrationen besticht. Im Zentrum steht eine Familie, die multireligiöser nicht sein könnte. In dieser lebt auch der kleine Jojo. Und er hat eine Menge Fragen. Auf faszinierende Weise gelingt es der Autorin, die gemeinsame Verwandtschaft der unterschiedlichen religiösen Handlungen, Traditionen und Rituale aufzuzeigen. Das besticht, sind es doch gerade die verschiedenen menschlichen Ausdrucksformen, die einladen, miteinander ins Gespräch zu kommen: Warum betetest du so und nicht anders? Wie feierst du deine Feste? Leider mischen sich in die ausführlichen Erklärtexte immer wieder kleinere Fehler. „Die christliche Taufe leitet sich von der jüdischen Mikwe ab“, ist so einfach nicht korrekt. Dennoch sei das Buch empfohlen. Denn interreligiöse Toleranz erweist sich darin, die „anderen“ Religionen als vitale Glaubens- und Lebensweisen anzuerkennen und auch zu sehen, wie bunt der Glaube im 21. Jahrhundert ist.

Empfohlen für die Begegnung zwischen den drei monotheistischen Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam; ab 8 Jahren.

Signatur: Jc
Schlagworte: Monotheistische Religionen | Judentum | Islam | Rituale
Bewertung: ++
Rez.: Oliver Georg Hartmann

Kermani, Navid: Jeder soll von da, wo er ist, einen Schritt näher kommen. Fragen nach Gott. München: Hanser 2022. 238 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-446-27144-9, geb.: 22,00 €

Kermani unternimmt den Versuch, seiner Tochter die Bedeutung von Religion allgemein und seiner Religion, dem Islam, zu vermitteln.

Ausgangspunkt ist das Versprechen Kermanis an seinen verstorbenen Vater, die Kinder in Religion zu unterweisen. 19 Abschnitte umkreisen facettenartig, was Religion und Islam bedeuten und wie man einen Zugang zur Religion finden kann. Der Geist der Religion, der Geist des Islams wird erläutert, dargestellt, Verstehenskorridore tun sich auf  – und es geschieht noch mehr – Religion stellt sich als eine Herzensangelegenheit heraus. Es geht nicht um die Mitteilung objektiver Sachverhalte, sondern die eigene, persönliche Stellung zur Wirklichkeit. Daraus entsteht ein Bild, wie ein Intellektueller Religion am Anfang dieses Jahrhunderts empfindet und einschätzt. Das Gespräch zwischen Islam und Christentum kommt nicht zu kurz. Der Schriftsteller Kermani liebt die Metapher. Dadurch entstehen bei der Lektüre Bilder im Kopf, die den Zeitgeist relativieren und den religiösen Glutkern befeuern: Gott ist schön und Menschen leben in einer Zeichenwelt, die immer und überall auf Gott hindeutet. Religion ist das immer neu anfangende Verstehen dieser Zeichen. Der auf gebraucht designte Einband des Buches legt den Eindruck nahe, dass Religion sich durch den generationsübergreifenden Gebrauch auferbaut. Das Buch ist eine Hilfe, um religiös ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen.

Gemeindeveranstaltungen; Lektüregruppen; Literaturgottesdienst; Thematische Schulreferate; Erwachsenenbildung; (Geburtstags)Geschenk;

Signatur: Ci
Schlagworte: Religion | Islam | Bekenntnis | Dialog
Bewertung: +++
Rez.: Martin Schulz

Kleeberg, Michael: Der Idiot des 21. Jahrhunderts. Ein Divan. Köln: Galiani Berlin 2018. 457 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-86971-139-3, geb.: 24,00 €

Der moderne multiperspektivische West-östliche Divan zeigt, dass eine Überwindung kultureller Schranken keine Utopie ist.

Im weltoffenen Haus des freigeistigen Ehepaares Ulla und Bernhard treffen sich Freunde aus West und Nahost, deren Lebenswege unterschiedlicher nicht sein könnten. Der sensible Philosoph Hermann, die iranische Sängerin Maryam und deren Sohn, der „ ethische Hacker“ Navid, der sanfte islamische Theologe und Dichter Younes, sie und alle anderen Freunde vereint die Suche nach Antworten auf existenzielle Fragen des Menschseins in Orient und Okzident.
Ihre Schicksale bilden den Geschichtenteppich, in den facettenreich religiöse, philosophische, mystische und politische Annäherungen an Themen wie Heimat und Exil, Identität zwischen verschiedenen Kulturen, Ursprung von Gewalt und Überwindung der Unterschiede zwischen den Religionen eingewoben werden. In seiner von Goethes West-östlichen Divan inspirierten Geschichtensammlung stellt Kleeberg einer von Krieg und Krisen erschütterten Welt das Ideal einer friedlichen, an sich selbst wachsenden multikulturellen Gemeinschaft entgegen.

Die vielschichtige literarische Wanderung zwischen Morgen- und Abendland wird belesene Literaturfreunde begeistern und ist ambitionierten Lesekreisen zu empfehlen.

Signatur: SL
Schlagworte: Interkultureller Dialog | Zeitgeschichte | Religion
Bewertung: +++
Rez.: Christine Heymer