Newsletter "Gemeinde" 06/2019

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Wie die Zeit vergeht… Diesen Ausspruch hat wohl jede/r schon getan, sei es im Hinblick auf das laufende Jahr (2019 ist schon wieder zur Hälfte vergangen) oder mit Blick auf die Jahreszeit. Gerade zeigt uns die Natur ihre Kraft mit Grün und Blüte. Diese Assoziationen führen uns zu vier Buchempfehlungen für den Gemeinde-Newsletter des Monats Juni. Sie beginnen mit einem zweisprachigen Bilderbuch aus Kolumbien, in dem die Uhr nach dem Tod des Großvaters zunächst stillsteht. Thomas Girst stellt sich in seinen kurzen auf Wissen und Nachdenklichkeit beruhenden Essays den Fragen nach Zeit, Muße, Verfallsdatum und Ewigkeit. Björn Kern will seine Zeit einmal mehr in der Natur verbringen und reflektiert über dieses Abenteuer vor der eigenen Haustür. Und die Weltreisende Meike Winnemuth berichtet von einem Jahr Glück im neuen eigenen Garten.

Lassen Sie sich anregen zum Lesen, Hören und Hinausgehen.

Sommerliche Grüße aus dem Eliport-Team

 

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Castaño Mesa, Samuel: Die Uhr meines Großvaters - El reloj de mi abuelo. Ein Bilderbuch aus Kolumbien. Zweisprachig Deutsch – Spanisch. Dt. von Jochen Weber. Basel: Baobab 2019. O. Pag. : überw. Ill. ; 23 cm. Aus d. Span. ISBN 978-3-905804-91-1, geb.: 17,00 €

Ein kolumbianisches Bilderbuch erzählt, wie sehr Großvaters alte Pendeluhr in der Familie die Zeiteinteilung vorgibt.

Der Enkel erinnert sich daran, dass das Alltagsleben seiner kolumbianischen Familie dem Takt einer alten Pendeluhr, die vom Großvater regelmäßig aufgezogen wird, folgt, bis dieser eines Tages stirbt. Danach scheint die Zeit stille zu stehen: Die Suppe bleibt kalt, Blumen verwelken nicht, ein Kind kommt noch nicht zur Welt. Die Trauer über den Verlust des Familienmitglieds verändert offenbar das Gefühl für die Zeit. Erst als der Junge im Nachlass den Pendeluhr-Schlüssel findet und diesen betätigt, beginnt ein neues Leben. -  Die vielseitig gestaltete Illustration besteht auf jeder Seite aus detailliert gezeichneten Menschen, Tieren und Gegenständen sowie Aquarell- und Collage-Elementen. Es gibt viel aus früherer Zeit zu entdecken, jedoch auch den Blick auf Zukünftiges frei: Kinderspielzeug und -zeichnungen.  Das Buch enthält ein Nachwort des Verfassers und Illustrators, das dessen Motivation aufdeckt, nämlich dazu anzuregen, das Verhältnis des Menschen zur Zeit zu reflektieren.

Das zweisprachig verfasste Bilderbuch wird wegen seiner interkulturellen Ausrichtung, seines schönen Textes und der anregenden Illustration für Vor- und Grundschulkinder sehr empfohlen.

Signatur: Jm 1 | Ju 1
Schlagworte: Interkulturalität | Zeit | Trauer | Kolumbien
Bewertung: +++
Rez.: Margot Rickers

Girst, Thomas: Alle Zeit der Welt. München: Hanser 2019. 200 S. ; 19 cm. ISBN 978-3-446-26187-7, geb.: 17,00 €

Über Zeit, Muße, Verfallsdaten und Ewigkeit.

Der Herausgeber und Autor Thomas Girst widmet sich in kurzen Essays den Problemen der Nachhaltigkeit, der Langsamkeit und der menschlich „gefühlten“ Zeit. Dabei beruft er sich nicht auf  altersdiktierte, vage Befindlichkeiten oder Klagen über die moderne Hektik, sondern erzählt von vielen kleinen und großen Projekten „mit langem Atem“, vom langsamen Werden in der Natur, sowie von den Geschwindigkeiten und Weiten des Universums. Er beruft  sich dabei auf ausgedehnte Leseerfahrungen und eine breite Bildung, so dass er das Ungefähre, das  solchen Themen droht, meisterhaft umgeht. Ein großer bibliografischer Anhang enthält  die Weltliteratur ebenso wie Sachbücher zu den unterschiedlichsten Themen. Er kann philosophische Fragen vertiefen und mit  Fakten unterlegen, etwa dem tausendjährigen „Longplayer“, dem langfristigen Musikprojekt von John Cage in Halberstadt, oder dem altgriechischen Paradox, das einem fliegenden Pfeil unendlich viele Einheiten des Stillstandes nachweist.

Diese auf Wissen und Nachdenklichkeit beruhenden Essays sind gut verständlich und unterhaltsam geschrieben und daher jedem neugierigen Leser sehr zu empfehlen.

Signatur: Pa 3
Schlagworte: Zeit | Muße | Geduld
Bewertung: +++
Rez.: Barbara von Korff-Schmising

Kern, Björn: Im Freien. Abenteuer vor der Tür. Frankfurt: Fischer 2019. 220 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-596-70201-5, kt.: 14,99 €

Kaleidoskop von Grenzerfahrungen eines Städters in der Natur.

In seinem Buch erkundet Kern ein Jahr lang die heimische Natur rund um seinen Hof im Oderbruch in Brandenburg. Bei seinen Streifzügen fühlt man sich an das bekannte Goethe-Zitat „Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah“ erinnert. Der Autor sucht bewusst nach einem Kontrastprogramm zum Hochglanz-Erlebnistourismus. Ganz ohne Outdoor-Ausrüstung und meistens spontan begibt er sich vor die eigene Haustür, um auf kurzen oder längeren Touren durch Wald und Feld einen Adrenalinkick zu finden. Dabei reicht ihm manchmal schon eine Nacht im Wald oder eine Begegnung mit einer Dogge im Maisfeld, um den Puls in die Höhe zu treiben. Amüsiert betrachtet werden seine Ausflüge von einem märkischen Nachbarn, der mit flapsigen Kommentaren den Sinn der Unternehmungen in Frage stellt. Dennoch erreicht Kern oft das, was er sich mit dem Draußensein wünscht: einen Moment der Freiheit zu verspüren.

Ein launiges Buch für alle, die nach dem Abenteuer in der Natur suchen – oder darüber lesen möchten.

Signatur: Re
Schlagworte: Natur | Abenteuer | Heimat
Bewertung: +++
Rez.: Amelie Sareika

Winnemuth, Meike: Bin im Garten. Ein Jahr wachsen und wachsen lassen. Gekürzte Lesung. Gelesen von der Autorin. München: Der Hörverl. 2019. 2 CDs ; 157 Min. ISBN 978-3-8445-3264-7, : 18,00 €

Vom Glück, Heimat im eigenen Garten zu finden.

Ruhelos ist die Autorin und Bloggerin Meike Winnemuth durch die Welt gezogen, doch damit ist nun Schluss. Gemeinsam mit ihrem Hund Fiete startet die Hamburgerin einen Selbstversuch: Sie kauft sich an der Ostsee ein Stück Land mit einer Hütte darauf. Voller Freude, Humor und Selbstironie berichtet uns die Neugärtnerin nun in ihrem Hörbuch von ihren Gartenerlebnissen, den Höhen und Tiefen, der körperlichen Arbeit, dem Säen und Wachsen, dem eigenen Wurzelnschlagen, dem Ernten und der großen Erfüllung und Befriedigung. Ganz nebenbei gibt es viel Wissenswertes über einzelne Pflanzen aber auch Internetseiten, Podcasts und britische Gartenclubs  Gemeinsam mit der Autorin bekämpfen wir die unzähligen Schnecken, bewirten Gäste mit Zutaten aus der Eigenproduktion und wollen sofort in den eigenen Garten ziehen, um es ihr gleich zu tun. Das inspirierende und geistreiche Gartentagebuch ist kein Ratgeber im herkömmlichen Sinne, sondern ein persönlicher, lockerer Erfahrungsbericht mit Mehrwert.

Beste Unterhaltung für alle Hobbygärtner*innen und solche, die es noch werden wollen.

Signatur: Fd | Ra 1
Schlagworte: Gartenjahr | Selbstfindung | Heimat | Verantwortung
Bewertung: +++
Rez.: Stefanie Drüsedau