Newsletter "Gemeinde" 07+08/2017

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Für unsere Sommer-Doppelnummer haben wir Bücher ausgewählt, die sich auch für die Sommerferien eignen. Für Kinder gibt es ein Wimmelbuch mit Suchauftrag und zwei spannende Kinderbücher mit Tiefgang. Erwachsene Leserinnen und Leser entführen wir in die Sowjetunion in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, in das Singapur der 30er Jahre und eine Unternehmerfamilie, in einen Kriminalfall im Wien der Gegenwart und auf einen über vier Generationen in Familienhand befindlichen Tiroler Bauernhof.

Eine gute Lesereise wünscht

Ihr Eliport-Team

 

Bewertung:
+++    = hervorragend
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► Literaturtipps unter www.eliport.de
► Alles über den  Evangelischen Buchpreis unter www.evangelischerbuchpreis.de
► Leseförderungs- und Taufprojekt unter www.willkommeningotteswelt.de
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Spitzer, Katja: Wo ist Ferdi? Ein Such-Buch. München: Prestel 2017. O. Pag. : überw. Ill. ; 25 cm. ISBN 978-3-7913-7288-4, geb.: 12,99 €

Ein Wimmelbilderbuch, in dem Ferdi, die blaue Fledermaus, Hilfe bei einer nächtlichen Suche braucht.    

Ferdi, die blaue Fledermaus mit der lustigen, pinkfarbigen Nase, möchte ihren Geburtstag gerne mit all´ ihren Freunden zusammen feiern. Für die große, nächtliche Party fehlen aber noch neun Dinge, die Ferdi an den unterschiedlichsten Orten besorgen muss. Der magische Hut für den Zauberer soll z.B. im Gewächshaus sein. Die außerirdisch-leckere Torte saust irgendwo durchs Weltall und die Kakaokanne wird noch bei den Blumengärtnern gebraucht. Selbst in einer Tropfsteinhöhle und am Meeresgrund sind Dinge versteckt und es ist gar nicht so einfach sie in dem kunterbunten Durcheinander aus Farben und Formen zu entdecken. Hier wimmelt und wuselt es nämlich nur so von Gegenständen, seltsamen Pflanzen und fantasievollen, ja bizarr anmutenden Lebewesen, die als vermenschlichte Insekten und Roboter, die Doppelseiten bevölkern. Dazu passen die leuchtenden, teilweise schon grellen Farben, die vor dem dunklen Hintergrund kontrastreich wie ein Feuerwerk vor den Augen des Betrachters wirken.   

Ein originelles, kreatives Buch, in dem es viel  mehr als die gesuchten neun Gegenstände zu entdecken gibt. Sehr zu empfehlen. Ab 4 Jahren.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Wimmelbilder | Suchen und Finden | Fantasiewelt | Fledermaus
Bewertung: +++
Rez.: Brigitte Heimerl

Chomet, Sally: Toms Taxi. Ill. von Sylvain Chomet. Dt. von Edmund Jacoby. Berlin: Jacoby & Stuart 2017. 172 S. : Ill. ; 22 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-946593-23-2, geb.: 15,00 €

Auf der Suche nach seinem verschwundenen Vater gerät Tom in eine geheimnisvolle Gegenwelt…

Die Welt, in der Tom lebt, ist für Kinder ein einziger Albtraum. Geld ist alles, was zählt, und gierige Banker kaufen Eltern ihre Kinder ab, um sie zu kasernieren und zu Geldverkäufern abzurichten. Als Toms Vater, ein Historiker, der sich mit dem Fahren eines alten Taxis über Wasser hält, verschwindet, macht Tom sich mit dem Wagen auf die Suche nach ihm. Ein spannendes Abenteuer beginnt, in dessen Verlauf  Tom in die Hände der Geldverkäufer fällt, ihnen gemeinsam mit seiner Freundin Myra entkommt und immer wieder in eine Parallelwelt gerät, in der die Geschichte anders verlaufen ist. Hier findet er seinen Vater, doch der steht kurz vor seiner Hinrichtung... Sally Chomet ist ein rasanter Kinderkrimi voller irrwitziger Einfälle und skurriler Charaktere gelungen. Sylvain Chomets großformatige Illustrationen unterstützen die sich rasch aufbauende Spannung. Leider endet der Krimi mit einem mittlerweile auch bei Kinderbüchern scheinbar unvermeidlichen Cliffhanger, der den Leser/die Leserin etwas ratlos zurück lässt.

Ein phantasievoller, atemberaubender Krimi, aber auch ein Buch über den Wert der Freundschaft und einer gelungene Vater-Sohn-Beziehung. Besonders Jungen (ab 9 J.) zu empfehlen!

Signatur: Ju 2
Schlagworte: Freundschaft | Vater | Sohn
Bewertung: +++
Rez.: Erhard Reschke-Rank

Geest, Simon van der : Das geheime Logbuch, das magnetische Mädchen und eine fast brillante Erfindung. Dt. von Mirjam Pressler. Ill. von Kerstin Meyer. Stuttgart: Thienemann 2017. 168 S. : Ill. ; 21 cm. Aus d. Niederländ. ISBN 978-3-522-18454-0, geb.: 11,99 €

Wenn deine Mutter unschuldig im Gefängnis sitzt, muss man sie befreien! Nur wie?

Ros Mutter sitzt auf einer Gefängnisinsel im Niederländischen Wattenmeer in Haft. Sie soll aus dem Museum, wo sie als Putzfrau arbeitete, ein wertvolles Logbuch gestohlen haben. Ro ist der festen Überzeugung, dass seine Mutter unschuldig ist und heckt, zusammen mit seinen Freunden Lela und Archie, einen Plan aus, seine Mutter zu befreien. Archie, der davon träumt Erfinder zu werden, tüftelt an einer Idee einen Heißluftballon aus Zeltplanen zu bauen und damit auf die Insel zu fliegen um Ros Mutter zu befreien. Voller Elan machen sich die drei an die Arbeit, werden im Laufe der Zeit von Mitschülern unterstützt und schaffen es tatsächlich, mit dem Ballon loszufliegen und auf der Insel zu landen. Dort muss Ro jedoch erfahren, dass seine Mutter das Logbuch tatsächlich gestohlen hat, allerdings nicht um damit reich zu werden… - Das Geschenkbuch zur Niederländischen Kinderbuchwoche 2015. Eine fantasievolle Geschichte um Freundschaft und Zusammenhalt und um Träume, die wahr werden können.

Ein sprachlich sehr gelungenes und außerdem spannendes Buch, das sich sowohl zum Selberlesen (ab 9 Jahren) als auch, dank der kurzen Kapitel, zum Vorlesen eignet. 

Signatur: Ju 2
Schlagworte: Freundschaft | Zusammenhalt | Erfindungen
Bewertung: +++
Rez.: Helena Schäuble

Barnes, Julian: Der Lärm der Zeit. Roman.  Dt. von Gertraude Krueger. Köln: Kiepenheuer & Witsch 2016. 244 S. ; 20 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-462-04888-9, geb.: 20,00 €

Schostakowitschs Leben und Werk als Beispiel für den schmalen Grat einer Kunst zwischen Anpassung und Widerstand.

Stringent und zugleich ergebnisoffen erzählt Barnes das Leben des Komponisten in den Zeiten der Sowjetunion unter Lenin, Stalin und Chruschtschow. Das Verbot der 1934 uraufgeführten und sowohl in der Sowjetunion als auch weltweit gefeierten Schostakowitsch-Oper „Lady Macbeth von Mzensk“ durch Stalin im Jahr 1936 arbeitet Barnes als traumatischen Wendepunkt im Leben des Musikers heraus. Von nun an ist dessen Leben von dem Versuch bestimmt, die Untiefen politischer Macht auszuloten, um einen Schlupfwinkel für die eigene Existenz und das eigene Werk zu finden. In schlaflosen Nächten wartet er mit gepacktem Koffer darauf, von der Geheimpolizei abgeholt zu werden. Dann aber hat er 1942 die Möglichkeit, die sogenannte „Leningrad-Symphonie“ zu schreiben und deren Erfolg zu erleben. Aber weder in der Zeit nach dem Krieg, als Stalin ihn 1949 zum Friedenskongress nach New York schickt, noch in der „Tauwetter-Periode“ der Ära Chruschtschow endet die Ungewissheit über die Winkelzüge der Macht.

Trotz der politischen Thematik steht das berührende Schicksal des berühmten Musikers im Mittelpunkt. Ein großer Gewinn für die kultur- und zeitgeschichtlich interessierten Leser.

Signatur: SL
Schlagworte: UdSSR | Kunst | Widerstand
Bewertung: +++
Rez.: Rüdiger Sareika

Farrell, James Gordon: Singapur im Würgegriff. Roman. Dt. von Manfred Allié. Mit einem Nachwort von Derek Mahon. Berlin: Matthes & Seitz 2017. 828 S. ; 22 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-95757-251-6, geb.: 30,00 €

Die Geschichte einer Unternehmerfamilie im Singapur der 1930er Jahre.    

808 Seiten widmet Farrell diesem Thema, gefolgt von Nachwort, Dank und Zeittafel (die sehr hilfreich für die historische Einordnung ist) und ebenso eine Bibliographie, denn es geht dem Autor um Fiktion ganz nahe an der historischen Realität. Der dritte Band seiner „Empire Trilogy“ ist dem Niedergang der englischen Kolonialherrschaft gewidmet; 1937 setzt seine Erzählung in einem reichen Viertel von Singapur ein und beschreibt die hervorragend florierenden Geschäfte der Kautschuk-Firma Blackett & Webb. Das geplante große Firmenjubiläum1942 wird durch das japanische Bombardement der Stadt unmöglich. Kommunistische Ansichten streiten mit Überzeugungen der Kolonialherren, Profit auch zum Wohle der ansässigen Bevölkerung zu machen. Viel patriarchalische Familiengeschichte („Söhne sind Aktivposten, Töchter Verbindlichkeiten“), Liebesverstrickungen, Verwandtschaftszwist und Stadtgeschichte Singapurs machen den großen Roman, zumal erzählt im humorvoll-sarkastischen Unterton Farrells, zum Vergnügen, trotz seines immensen Umfangs.

Für alle historisch Interessierte besonders empfehlenswert; viel Vergnügen an Formulierungen und anhaltend humorigem Ton garantiert – trotz Empireuntergang!

Signatur: SL
Schlagworte: Südostasien | Geschichte | Empire
Bewertung: +++
Rez.: Christiane Spary

Prammer, Theresa: Die unbekannte Schwester. Kriminalroman. Berlin: List 2017. 380 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-471-35139-0, kt.: 14,99 €

Die Wiener Ermittlerin Carlotta Fiore steht in ihrem 3. Fall selbst auf der Todesliste eines Killers.

Bereits zum dritten Mal lässt die Wiener Schauspielerin und Theaterleiterin Theresa Prammer ihre ungewöhnliche Heldin Lotta Fiore ermitteln, diesmal nicht mehr undercover, sondern als neue Mitarbeiterin der Wiener Polizei. Als Tochter einer berühmten Operndiva und ohne Polizeiausbildung wird sie dort vom ersten Tag an gemobbt. Am Tatort eines vermeintlichen Suizids entdeckt sie einen Zettel mit ihrem Namen – der Auftakt eines perfiden Spiels, das der Mörder mit ihr treibt. Das Motiv seiner Taten ist in der Vergangenheit der Ermittlerin zu finden, die als Kind entführt wurde.
Hochspannend erzählt Prammer die Geschichte abwechselnd aus ihrer Perspektive und der des Mörders, ohne ihn dabei preiszugeben. Zum besseren Verständnis der Handlung sollte man allerdings die ersten zwei Bände gelesen haben, da vieles aus Lotta Fiores Vergangenheit vorausgesetzt wird.

Für Freunde unblutiger, aber hochspannender Krimikunst.

Signatur: SL
Schlagworte:
Krimi | Wien | Frau
Bewertung: ++
Rez.:
Claudia Puschmann

Soder, Stefan: Simonhof. Roman. Wien: Braumüller 2017. 259 S. ; 19 cm. ISBN 978-3-99200-179-8, geb.: 20,00 €

Simonhof ist der zweite Roman Stefan Soders und erzählt über vier Generationen die Geschichte eines Tiroler Bauernhofs.

Ein Bergbauernhof in den Alpen. In Zeiten bitterer Armut erobert der erste Simonbauer am Kartentisch eine Alm, die er mit Entbehrungen und Beharrlichkeit zum Bauernhof ausbaut. Im Zweiten Weltkrieg wächst der Simonhof unter dem zweiten Simonbauern. In den 1970er-Jahren bringen Frieden und Fremdenverkehr Wohlstand, der die Familie entzweit. Der Fortschritt lässt sich nicht aufhalten. So steht der vierte Simonbauer vor den Herausforderungen eines Hoteliers. In Simonhof geht es um das Leben der Menschen in den Bergen, den Wandlungen, die sie erfahren, wie aus armen Bauern wohlhabende Hoteliers werden und gesellschaftliche Veränderungen das Leben beeinflussen. Stefan Soder lässt die Tochter des letzten Simonbauern auf der Suche nach den Spuren ihrer Herkunft mit der Distanziertheit der inzwischen fünften Generation und zugleich der vertrauten Innigkeit einer Angehörigen eine Erzählung schildern, in der sich die bedeutenden Veränderungen in der Lebenswelt von vier Generationen widerspiegeln.

Der Roman in einfühlsamer Sprache verliert an keiner Stelle seinen Spannungsbogen. Die Leserin findet sich inmitten der Geschichte und kann sich vorstellen, dass es genau so war. 

Signatur: SL
Schlagworte:
Alpen | Generationen | Familie | Wandel
Bewertung: +++
Rez.:
Andrea Zimmermann