Newsletter "Gemeinde" 07+08/2018

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Mit einem bunten Strauß an „Sommerlektüre“ möchte diese Doppelnummer Sie in die Ferien begleiten. Witzige und spannende Kinderbücher warten mit Überraschungen auf. Für Jugendliche empfehlen wir eine Reinhold Messner-Biografie als Graphic Novel. Und die Romane führen Sie nach Timbuktu, in ein französisches Landhaus, in ein österreichisches Bergdorf und ans Meer - allerdings nicht zum Entspannen.  

Wir wünschen Ihnen schöne Sommerwochen und Lesestunden.

Ihr Eliport-Team

 

Bewertung:
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Lest das Buch, Lemminge! Ame Dyckman. Ill. von Zacharia Ohora. Dt. von Fabienne Pfeiffer. München: Mixtvision 2018. O. Pag. : überw. Ill. ; 26 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-95854-080-4, geb.: 14,90 €

Drei springwütige Lemminge, ein Fuchs mit einer Mission und ganz viel Spaß.

Lemminge springen NICHT. Nicht von Klippen, nicht von Schiffen (selbst wenn sie S.S. Klippe heißen). Einfach überhaupt nicht. Das weiß jeder, der das Buch „Alles über Lemminge“ gelesen hat. Nur die Lemminge wissen es nicht. Dabei drückt ihnen der belesene Fuchs nach jeder Kamikaze-Aktion - aus der er die drei putzigen Gestalten jedes Mal getreulich rettet – das Buch in die Hand. Doch sobald sie das Wort „springen“ hören, ist bei Springer, Ich Auch und Dito kein Halten mehr, ab geht‘s mit einem beherzten Kopfsprung in den Ozean. Bald weiß sich der Fuchs keinen Rat mehr – warum nur lesen die Lemminge das Buch nicht?! Der Grund ist einfach und wird erstaunlich schnell behoben (offenbar sind Lemminge ziemlich schnell in allem, was sie tun) – doch dem Fuchs kommt am Ende der Verdacht, dass schnellstens ein neues Buch über Lemminge geschrieben werden sollte…Ohora malt gewohnt großflächig. Die Bilder, in matten, aber starken Farben gehalten, sind einfach, ausdruckstark und ergänzen den Text auf das Wunderbarste. Die fröhliche Botschaft: Lesen bildet! Was dann daraus gemacht wird, ist wieder eine andere Geschichte.

Ein großer Spaß zum Wieder- und Wieder- und Wiederlesen in Bücherei, Kita und zu Hause. Ab 4 Jahren.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Tiere | Lernen | Mut | Meer
Bewertung: +++
Rez.: Wiebke Mandalka

Bertman, Jennifer Chambliss: Mr Griswolds Bücherjagd - das Spiel beginnt. Dt. von Elisa Martins. München: Mixtvision 2018. 359 S. ; 20 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-95854-065-1, geb.: 14,90 €

Mr Griswold, Bücherliebhaber, Verleger und Spielerfinder: die Bücherjagd, spannend, abenteuerlich und gar nicht ungefährlich…

Mit der guten alten Schnitzeljagd hat das nicht mehr viel zu tun, und doch ist das Spiel so ähnlich. Emily, frisch nach San Francisco gezogen, ist von der komplizierten Herausforderung begeistert, ebenso wie ihr neuer Freund James. Gemeinsam machen sie sich auf die Bücherjagd – und geraten in ein unglaublich aufregendes, intelligentes Abenteuer. Wer hätte gedacht, dass sich auch böse Menschen so um Bücher kümmern! Als zwei finstere Gestalten den guten Mr Griswold angreifen und schwer verletzen, geben die Kinder alles, das Rätsel zu lösen, und machen sich auf die Suche… Recherchieren in der Bibliothek, Umgang mit Codes und Chiffren, Geheimschriften und Entschlüsselung, sind nur ein paar Dinge, die die LeserInnen atemlos bei der Stange halten. Ganz nebenbei lernen sie ein paar Schriftsteller kennen, Edgar Allan Poe und Dashiell Hammett zum Beispiel. Erster Band einer New Yorker Bestsellertrilogie: ein temporeiches, raffiniertes Abenteuer, das so manches Internetspiel blass aussehen lässt.

Für alle, die gern intelligente Abenteuer lesen und die geistige Herausforderung schätzen. Vertrautheit mit Internetplattformen ist deutlich von Vorteil.

Signatur: Ju 2
Schlagworte: Abenteuer | Büchersuche | Geheimnis
Bewertung: +++
Rez.: Astrid van Nahl

Stark, Ulf: Unser Sommer mit Geist. Ill. von Per Gustavsson. Dt. von Bigitta Kicherer. Reinbek: Rowohlt 2018. 122 S. : Ill. ; 22 cm. Aus d. Schwed. ISBN 978-3-499-21805-7, geb.: 12,99 €

Ein eingesperrter Geist in der Flasche, der so gern sichtbar sein will, zwei Kinder, die einen unsichtbaren Freund brauchen…

Amy und Aron sind die besten Freunde, die alles gemeinsam machen. Aber dennoch haben sie Wünsche, bei denen diese Freundschaft nicht hilft: Aron vermisst seinen Vater, der als Lokführer oft wochenlang unterwegs ist, Amy möchte „Friede auf Erden und eine schwarze Katze“ und auch, dass ihr „Klumpfuß“ verschwindet, damit sie nicht mehr von den anderen verlacht wird. Hilft da der Geist, den die beiden – erstmal nur als Stimme – in einer Flasche eingesperrt finden? Nein, im Gegenteil, und damit beginnt eine wunderbar originelle Freundschaftsgeschichte. Denn Majo, der Kindergeist, ist unsichtbar geworden unter den Hänseleien seiner Freunde, ein einsamer Geist, der unter Freu(n)dlosigkeit des Lebens leidet. Und so helfen sie einander. Majo wird Stückchen für Stückchen wieder sichtbar, auf einmal hält der Zug und Arions Vater steigt aus, mit viel Zeit für seinen Sohn, und Amy … bitte selber lesen! Ein schönes Plädoyer für verständnisvolles Miteinander und liebevollen gegenseitigen Umgang.

Für alle fantasievollen Leserinnen und Leser im späten Grundschulalter; gut einsetzbar zum Vorlesen in der Klasse über einen längeren Zeitraum, mit Ideen zum Fortgang der Geschichte.

Signatur: Ju 2 | Ju 1
Schlagworte: Freundschaft | Wünsche | Umgang miteinander | märchenhafte Fantasie
Bewertung: +++
Rez.: Astrid van Nahl

Petrucci, Michele: Messner. Das Leben eines Extrembergsteigers. Dt. von Anja Kootz. München: Knesebeck 2018. O. Pag. : überw. Ill. ; 30 cm. Aus d. Ital. ISBN 978-3-95728-166-1, geb.: 22,00 €

Das Leben des südtiroler Extrembergsteigers Reinhold Messner als Bild-Roman erzählt.

Was Sprache nur beschreiben kann, stellen hier gelungene, farbig sensible Zeichnungen vor: die besondere Welt Reinhold Messners, die grandiose Welt der Dolomiten, die höchsten Berge in Nepal und Tibet, die Eisregionen im Norden und in der Antarktis, die Wüste Gobi in der Mongolei. Was dem Normalmenschen oft schwerfällt, zu verstehen, warum sich Menschen wie Messner Strapazen und Gefahr aussetzen, um extreme Situationen zu meistern, das wird in diesem Comic in die erzählte biografische Geschichte sichtbar eingeschmolzen. Die Bewährung des Menschen in dieser grandiosen Natur. Der Tod des jüngeren Bruders, die erlebte Angst, die Verletzungen innerer wie äußerer Art und dann doch die Überwindung aller Schwierigkeiten wird in den Kapiteln „Der Berg“ (der die Bergbesteigungen schildert), die Leere (das Scheitern in Nordsibirien, das Erreichen des Südpols in der Antarktis und die Durchquerung der Wüste Gobi) lebendig und nah erzählt. Das Schlusskapitel zeigt das Resümee, das Messner aus seinen Lebenserfahrungen gezogen hat: die Realisierung eines themenbezogenen Museumskonzeptes, das den Besuchern die Großartigkeit der Natur nahebringt.

Ein erzählerisch wie grafisch gelungener Bildroman, der jugendlichen wie erwachsenen Lesern nicht nur die extremen Aktionen Messners spannend vermittelt, sondern auch den Sinn seiner Erfahrungen anschaulich erfahren lässt.

Signatur: SL | Ju 3
Schlagworte: Bergsteigen
Bewertung: +++
Rez.: Dietrich Grünewald

Bassignac, Sophie: Familiäre Verhältnisse. Roman. Dt. von Claudia Steinitz. Hamburg: Atlantik 2018. 189 S. ; 21 cm. Aus d. Franz. ISBN 978-3-455-00128-0, geb.: 18,00 €

Isabelle liebt Pierre und stellt ihn an einem Sommerwochenende ihrer Großfamilie vor.

Der rationale Journalist Pierre erlebt so binnen weniger Tage die ebenso bizarre wie anarchisch-hedonistische Welt der Familie Pettigrew, die geprägt ist von gegenseitigem Respekt und gelebter Toleranz gegenüber fast jeder Diversität nach innen und nach außen, aber auch unerbittlich im zuweilen ablehnenden Urteil. - Familien entwickeln während ihrer Geschichte einen spezifischen Eigensinn, mit dem der Neue – Pierre – sich auseinandersetzen muss. Das Leben dieser Familie erschöpft Pierre so sehr, dass er sich nach wenigen Tagen mit einer brüsken Erklärung ohne Abschied  Richtung elterlichem Ferienhaus in die Dordogne davonmacht. Erst dort spürt er nach einem Tag das „Dröhnen von Langeweile und Schläfrigkeit“ der eigenen Familie; spürt, dass „die durch den Zufall der Liebe in seinem Leben aufgekreuzte Sippe ihm eine andere Art zu leben gezeigt hat.“ Er kehrt zurück in die Anarchie und wird dort  jubelnd empfangen.
Jede der 15 Personen ist als eigensinniges Individuum in einer Reihe kurzer Episoden beschrieben. Die Sprache zeichnet sich durch teilweise ungewöhnliche Vergleiche und durch  eine von assoziativem Witz getragene Metaphorik aus, die das Lesevergnügen nur steigern. Inhaltlich wird die scheinbar kompromisslose Unabhängigkeit dieser Familie von einigen Protagonisten durchaus problematisiert. Dann gerät der Erzählton ernsthaft, analytisch, nachdenklich.

Ein temporeicher Roman über die Liebe. Empfohlen.

Signatur: SL
Schlagworte: Familie | Liebe | Generationen
Bewertung: +++
Rez.: Reinhold Zenke

English, Charlie: Die Bücherschmuggler von Timbuktu. Von der Suche nach der sagenumwobenen Stadt und der Rettung ihres Schatzes. Dt. von Henning Dedekind u. Heike Schlatterer. Hamburg: Hoffmann & Campe 2018. 428 S. : Ill. ; 22 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-455-50372-2, geb.: 24,00 €

Die Suche nach der sagenumwobenen Stadt Timbuktu und die Rettung ihres historischen Schatzes.

In seinem Rechercheroman „Die Bücherschmuggler von Timbuktu“ dringt der britische Journalist Charlie English tief ein in die Geschichte und die Mythen, die sich um die sagenumwobene Stadt Timbuktu im Norden des Staates Mali ranken. Er berichtet von dem kulturellen Reichtum dieser Stadt der Gelehrten, die schon im Mittelalter Schulen, große Bibliotheken und Lehranstalten, für Europäer völlig unbekannt, eine hochentwickelte Schriftkultur besass. Als Islamisten 2012 die Stadt eroberten und diese Kultur bedrohten, retteten wagemutige Bibliothekare in heimlichen Aktionen die unermesslich wertvollen, Jahrhunderte alten Manuskripte. In seiner Spurensuche nach der alten Kultur bindet der Autor eine Vielzahl von Expeditionsberichten ein über europäische Forscher, die sich im 18. und 19. Jahrhundert auf die Suche nach der legendären Stadt Timbuktu machen. Eine hochinteressante Sicht auf die alte afrikanische Stadt mit ihrer für Afrika weitreichenden kulturellen Bedeutung.

Für Leser sehr zu empfehlen, die sich für die afrikanische Kultur und Geschichte interessieren.

Signatur: SL
Schlagworte: Timbuktu | Afrika | Forschungsreisen | Islam
Bewertung: +++
Rez.: Wilfried Arnold

Fleischhauer, Wolfram: Das Meer. Roman. München: Droemer 2018. 443 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-426-19855-1, geb.: 19,99 €

Sind die Weltmeere noch zu retten? Der Öko-Thriller setzt wenig Hoffnung in den Erfolg von Verhandlungen und Verträgen.

Die Ozeane sind heillos überfischt und werden von einer skrupellosen Fischereimafia gnadenlos ausgebeutet. Regierungen und überstaatliche Organisationen sind unfähig oder unwillig, dem Einhalt zu gebieten.
Auf dieser wohl leider den Tatsachen entsprechenden Annahme beruht der Öko-Thriller, der in 58 kurzen Kapiteln jeweils eine Person in den Mittelpunkt rückt.
Teresa, eine junge EU-Fischereibeobachterin, verschwindet spurlos von einem spanischen Trawler. Es zeigt sich, dass sie einer Untergrundorganisation angehört, die durch gezielte Vergiftungen die Nachfrage nach Fisch verringern will.
Eine der führenden Köpfe dieser Organisation ist Ragna. Sie gerät zunehmend in den Fokus des Geschehens, als drei Männer sich auf die Suche nach ihr machen. Zwischen Vigo, Brüssel, Bangkok und birmanischem Rebellengebiet entwickelt sich eine temporeiche Story. Der Autor erzählt spannend und weitgehend nachvollziehbar. Die Charaktere handeln stets glaubwürdig – wenngleich nicht immer ehrenhaft.

Wer keine Angst hat, dass ihm nach der Lektüre das Fischbrötchen im Hals stecken bleibt, findet hier ein spannendes, zum Nachdenken anregendes Buch - schlechtes Gewissen inklusive!

Signatur: SL
Schlagworte:
Öko-Thriller | Fischerei | Weltmeere
Bewertung: +++
Rez.:
Birgit Schönfeld

Gamillscheg, Marie: Alles was glänzt. Roman. München: Luchterhand 2018. 222 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-630-87561-3, geb.: 18,00 €

Über den Niedergang eines österreichischen Erzbergwerksdorfes. 

Mit dem Bericht des Journalisten über die Gefahr der Bergsenkung des durch jahrelangen Erzabbau ausgehölten Berges, kam der drohende Verfall der Stadt ans Tageslicht. Die Touristen blieben aus, wer konnte, verließ das Dorf, der rote Knopf im Schaubergwerk, - der die Sage des Blintelmannes erzählte, wie der die Sonne über dem Ort habe fallen lassen, so dass sie im Innern des Berges weiterleuchtete - , wurde nicht repariert. Die wenigen verbliebenen Einwohner schieben dem Journalisten die Schuld am Verfall des Dorfes zu. Als Regionalmanager Merih in die Region geschickt wird, um die Menschen zur Umsiedlung in den Dorfkern zu bewegen, nehmen sie diesen weiteren ‚Fremden‘ deshalb nicht mit offenen Armen auf. Ob diese Maßnahme das Dorf noch retten kann, ist sowieso ungewiss. Denn das Mädchen Teresa hat den Spalt schon lange gefunden, den Spalt der immer breiter wird und die Erde erzittern lässt. – Dieser literarisch anspruchsvolle Heimatroman besticht durch seine minimalistische Sprache, präzise Charakterstudien und sehr spröden österreichischen Humor. Ein melancholisch trister Abgesang auf die untergehende österreichische Bergwerksdorfkultur.

Für an zeitgenössisch österreichischer Literatur Interessierte und Leserinnen von Robert Seethaler, z. B.. „Ein ganzes Leben“.

Signatur: SL
Schlagworte: Österreich | Dorf | Dystopie
Bewertung: +++
Rez.: Bärbel McWilliams