Newsletter "Gemeinde" 07+08/2019

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Sommerzeit ist Ferienzeit! Auch in diesem Jahr möchten wir Ihre Ferienzeit mit unterhaltsamem und spannendem Lesefutter für Kinder und Erwachsene bereichern. Ein „Spaziergang mit Hund“ führt aus der Realität in die Welt der Phantasie, die Henne Trudel entdeckt unfreiwillig die Welt jenseits des Zaunes und Emilia hilft dem eingeschlossenen Sohn eines Admirals zu seiner wahren Identität. Bei den Romanen begegnen uns Mord am Ende einer Shakespeare-Aufführung, eine indisch-amerikanische Familiengeschichte um Tradition, Werte und Religion, die Schicksale zweier Italienerinnen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und ein dichter Einblick in eine Schulfreundschaft im Spanien während und nach der Francozeit. Den Abschluss bildet ein informatives und spannendes Sachbuch für Kinder, das Leuchttürme, ihre Funktionen und Bauweise in Text und Bildern erklärt.

Immer freie Sicht und genügend Licht zum Lesen in der Ferienzeit wünscht

Ihr Eliport-Team

 

Bewertung:
+++    = hervorragend
++      = gut
+         = möglich

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► Literaturtipps unter www.eliport.de
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► Leseförderungs- und Taufprojekt unter www.willkommeningotteswelt.de
► Schulanfängerprojekt unter www.leseningotteswelt.de
► Alle Arbeitshilfen zur Bibliotheksorganisation für Mitarbeitende unserer Büchereien unter www.buechereiservice.de

Nordqvist, Sven: Spaziergang mit Hund. Hamburg: Oetinger 2019. O. Pag. : überw. Ill. ; 28 cm. ISBN 978-3-7891-1060-3, geb.: 20,00 €

Was kann einem Kind bei einem Spaziergang mit Hund so begegnen? Absolut phantastische Welten und Figuren!

Für „Petterson und Findus" ist Sven Nordqvist berühmt und mit diesem textlosen großformatigen Bilderbuch ist ihm ein Meisterwerk gelungen. Ein kleines Kind darf den übergroßen Hund ausführen - oder ist es umgekehrt? Gemeinsam entdecken sie auf mehr als 10 Doppelseiten jeweils unterschiedliche, aber doch zueinander stimmige phantastische Welten, in denen Nordqvist traumhaft mit Größenverhältnissen und surrealen Elementen spielt. Sind die Menschen winzig oder die Tierfiguren riesig? Es wimmelt vor liebevollen Details, die zum Entdecken, Staunen und Erzählen anregen und mit jedem erneuten Betrachten lässt sich Neues entdecken in den unterschiedlichen Szenerien mit der Eisenbahn, im Zoo, in einer Burg, am Meer, in der Stadt ... Im  Stil erkennt man Nordqvist wieder, auch „Petterson und Findus" sind detailreich, witzig und liebevoll gestaltet doch dieses Wimmelbilderbuch ist noch facettenreicher und bietet der kindlichen Phantasie und Fabulierlust einen großartigen Raum.

Allen kleinen und großen Fans von Nordqvist, jedem Kindergarten, jeder Bücherei und allen Bilderbuchliebhaber*innen  wärmstens empfohlen.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Wimmelbuch | Phantasie | textlos
Bewertung: +++
Rez.: Kathrin Vogel

Trudel Gedudel purzelt vom Zaun. Eva Muszynski. Ill. von Karsten Teich. München: cbj 2019. O. Pag. : überw. Ill. ; 25 cm. ISBN 978-3-570-17592-7, geb.: 10,00 €

Zwei Puten hat es Henne Trudel zu verdanken, dass sie in die Welt hinaus kommt.

Hinter dem Zaun wohnt die Freiheit. Die sucht Henne Trudel Gedudel vom Hühnerhof „Das-Gelbe-vom-Ei“ eigentlich gar nicht. Weil sie sich nun aber nach einem unfreiwilligen Sturz schon mal auf der anderen Seite des Zauns befindet, geht sie tapfer in die Welt hinaus. In der ersten Nacht erscheint Trudel prompt ein furchterregendes Gespenst. Zum Glück handelt es sich lediglich um eine zerzauste Ratte mit Krückstock. Am nächsten Morgen spaziert Trudel in die Dünen, trifft die Krabben Siegfried und Roy und wird unglücklicher Weise von einer riesigen Welle ins Meer gespült. Die Möwe Gräten-Käthe und Ratte Klautermann wollen Trudel retten. Allein Siegfried und seinem Partner gelingt es, die Henne aus dem Wasser zu befördern. Am Schluss genießen alle Protagonisten den Sonnenuntergang und freuen sich am Leben. Die lebhafte Geschichte um ein gar nicht dummes Huhn und die lustigen Illustrationen erwecken bei den jungen Leser*innen vielleicht den Wunsch, die Welt jenseits ihres Horizonts zu erkunden. Volltreffer!

Das originelle, liebenswerte Kinderbuch mit seiner mutigen, gar nicht immer so braven Hauptfigur macht geübten Leser*innen ab 7Jahren, aber auch etwas jüngeren Zuhörer*innen großen Spaß.

Signatur: Ju 1
Schlagworte: Tiere | Freundschaft | Abenteuer | Mut
Bewertung: +++
Rez.: Martina Mattes

Schaap, Annet: Emilia und der Junge aus dem Meer. Dt. von Eva Schweikart. Stuttgart: Thienemann 2019. 393 S. : Ill. ; 21 cm. Aus d. Niederländ. ISBN 978-3-522-18492-2, geb.: 15,00 €

Im Turm des schwarzen Hauses des Admirals lebt – so sagen die Leute – ein Monster.

Emilia, Tochter des Leuchtturmwärters, wird zum Abarbeiten einer Schuld als Magd in das Haus des Admirals gebracht, der sich gerade auf See befindet. Ihr gelingt es, zu dem Jungen im Turmzimmer Kontakt aufzunehmen. Das vermeintliche Monster entpuppt sich nämlich als der Sohn des Hausherrn, der anstelle von Beinen einen Fischschwanz besitzt und deshalb von allen Blicken abgeschirmt werden muss. Emilia bricht dieses Verbot. Mit bescheidenen Mitteln, sehr viel Mut und ein wenig Hilfe gelingt es ihr ganz langsam, dem Sohn einer Meerjungfrau, die der Admiral einst liebte, Lebensfreude und Selbstbewusstsein zurückzugeben.Die sehr spannende Geschichte, in der auch eine kuriose Schaustellertruppe und eine Piratenmannschaft eine Rolle spielen, erzählt von Schuld und Verantwortung, von Freundschaft und Familie, von Einsamkeit und Mut und nicht zuletzt von der Individualität und Menschenwürde jeder einzelnen Kreatur. Zu Recht ist Annet Schaap für ihr Buch mehrfach ausgezeichnet worden.

Ein vielschichtiger Kinderroman mit märchenhaften Anklängen, dem man viele LeserInnen von 10 Jahren bis ins Erwachsenenalter wünschen kann.

Signatur: Ju 2
Schlagworte: Menschenwürde | Freundschaft | Verantwortung | Meerjungfrau
Bewertung: +++
Rez.: Birgit Schönfeld

Curtis, Ashley: Hexeneinmaleins. Dt. von Silvia Morawetz. Mit einem Nachwort von Frank Günther. Zürich: Kommode 2019. 447 S. ; 21 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-9524626-5-2, kt.: 22,00 €

Am Ende einer Macbeth-Aufführung findet man Professor Thompson tot im Zuschauerraum des Swan Theatre in Stratford.

Wer ist der wirkliche Verfasser der Werke Shakespeares, der Mann aus Stratford oder doch Edward de Vere, Earl of Oxford? Um diese Frage geht es auf einer hochkarätigen Tagung, die durch den plötzlichen Tod des Hauptredners ein jähes Ende findet. Durchsuchte Zimmer und Anschläge auf beteiligte Wissenschaftler lassen vermuten, dass Beweise zur Klärung der jahrhundertealten Streitfrage unterdrückt werden sollen. Ermittler in der Mordsache ist Ian Stokes, intelligent, intuitiv, phantasievoll, mit dem akademischen Umfeld vertraut. Weil die Frage der Shakespeare-Urheberschaft für die Mordermittlungen von zentraler Bedeutung zu sein scheint, bittet er seine Eltern, beide Literatur-Professoren, um Hilfe. Wie in einem Vexierspiel verknüpft der spannende Krimi die detektivische Mörderjagd mit der Suche nach Indizien für und wider die Oxford-Theorie. Immer wieder sind es Motive aus Hamlet und Macbeth, die Deutungsmuster für Handlungen und Geschehen liefern. Eine Personenübersicht wäre hilfreich.

Intelligent gemachter Krimi mit interessant ausgearbeiteten Protagonisten für LeserInnen mit literarischem und literaturkundlichem Interesse und Freude an komplexen Ratespielen. 

Signatur: SL
Schlagworte: Shakespeare | Literatur | Krimi
Bewertung: +++
Rez.: Birgit Schönfeld

Mirza, Fatima Farheen: Worauf wir hoffen. Roman. Dt. von Sabine Hübner. München: Dt. Taschenbuch Verl. 2019. 477 S. ; 23 cm. Aus d. amerikan. Engl. ISBN 978-3-423-28176-8, geb.: 24,00 €

Kalifornien: Die Geschichte einer indisch-amerikanischen Familie muslimischen Glaubens.

Die Ehe der Eltern wurde arrangiert. Nachdem sie nach Amerika ausgewandert sind, kommen ihre drei Kinder Hadia, Huda und Amar zur Welt. Hadia liebt ihren kleinen Bruder, hadert aber mit der Ungleichbehandlung durch die Eltern. Als Mädchen ist sie in einem noch strengeren Korsett aus Erwartungen und Verboten gefangen als ihr Bruder. Sie ist eine gute Schülerin. Da sie nicht mit ihrer Familie brechen will, beschränkt sie sich auf den Weg, den ihre Eltern ihr zugestehen. Sie darf Medizin studieren und das sogar in einem anderen Ort.  Doch auch der einzige Sohn fühlt sich nicht wohl in der ihm zugewiesenen Rolle. Er zerbricht fast daran und läuft schließlich weg. Hadia wird zum Stolz der Familie. Zu ihrer Hochzeit lädt sie auch Amar ein. Die junge Autorin hat uns in ihrer berührenden Familiengeschichte tiefe Einblicke in den durch Tradition und Religion geprägten Alltag gewährt und in die Schwierigkeiten diesen mit den Werten und Normen des neuen Landes in Einklang zu bringen.

Das wunderbar geschriebene Buch mit seiner aktuellen Thematik ist sehr empfehlenswert für alle Büchereien.

Signatur: SL
Schlagworte: Familie | Tradition | Religion | US-Amerika
Bewertung: +++
Rez.: Susanne Brenner

Romagnolo, Raffaella: Bella Ciao. Roman. Dt. von Maja Pflug. Zürich: Diogenes 2019. 516 S. ; 19 cm. Aus d. Ital. ISBN 978-3-257-07062-0, geb.: 24,00 €

Liebe und Lebensträume zweier starker Frauen eingebettet in die italienische Geschichte des frühen 20. Jahrhunderts.

Ein Jahr nach dem Ende des 2. Weltkriegs kehrt Giulia Masca als vermögende alte Dame in das ärmliche piemontesische Städtchen Borgo di Dentro zurück, das sie als junge Frau verlassen hat. Kurz vor ihrer Hochzeit hatte ihre Jugendliebe Pietro Ferro sie mit ihrer innig geliebten Freundin Anita Leone betrogen. Zutiefst verletzt schiffte sich das mittellose, schwangere Mädchen Hals über Kopf nach Amerika ein und fand dort sein Glück, während das Leben der Menschen in Borgo di Dentro durch die politischen und gesellschaftlichen  Entwicklungen aus den Fugen geriet. Mitreißend erzählt Raffaella Romagnolo vom wechselvollen Schicksal der Familien Ferro und Leone im kleinen Borgo di Dentro vor dem Hintergrund der Wirren der italienischen Geschichte vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis zum Ende des 2. Weltkriegs. Mit Giulia Mascas Rückkehr in ihr Heimatdorf im Jahre 1946 schließt sich der Kreis der Geschichte(n): beide Frauen, Giulia und Anita, finden endlich Frieden und Versöhnung.

Das fesselnde italienisch- amerikanische Epos ist eine gekonnt erzählte, für alle Büchereien geeignete Familien- und Liebesgeschichte mit zeitgeschichtlichem Hintergrund.

Signatur: SL
Schlagworte: Freundschaft | Liebe | Krieg | Italien
Bewertung: +++
Rez.: Christine  Heymer

Valero, Vicente: Übergänge. Roman. Dt. von Peter Kultzen. Berlin: Berenberg 2019. 85 S. ; 20 cm.
Aus d. Span. ISBN 978-3-946334-53-8, geb.: 22,00 €

Anlässlich der Beerdigung des Jugendfreundes Ignacio wird der Übergang der Jugendlichen ins Erwachsenwerden und zugleich der Spanier, die beginnen eine Diktatur abzuwerfen, beschrieben.

Nach zwanzig Jahren treffen sich drei Schulfreunde wieder. Als sie zwölf waren, haben sie an ihrer Klosterschule heimlich Auszüge aus Pornoheften von Ignacios verstorbenem Vater verkauft und 1975 noch zur Franco-Diktatur einen Skandal in Ibiza angezettelt.
Während der Beerdigungs-Predigt erinnert sich der Ich-Erzähler an die damalige Zeit. Nach der Beerdigung landet er mit den beiden anderen aus der alten Clique in einer Bar. Es kommen weitere Erinnerungen hoch z.B. an die Schwärmerei für Ignacios Schwester. Auch der Todestag von General Franco wird beleuchtet, es stellt sich für den Autor überraschend heraus, dass längst nicht alle auf Ibiza den Diktator unterstützten. Später ist die Insel von Touristen überschwemmt, ein anderer Übergang.
Glänzend wird in dieser Erzählung die damalige Unterdrückung und Spießigkeit im Alltag vermittelt. Hervorragend werden die Stimmungen in Übergangssituationen beschrieben, die der Jungen, die erwachsen werden, und die der Spanier, die beginnen, die Diktatur abzuschütteln. Kleine und große Ereignisse werden geschickt miteinander vermischt.

Schon für kleine Büchereien, da das Buch von der Kürze und von der Dichte viele ansprechen und viel vermitteln kann.

Signatur: SL
Schlagworte:
Spanien | Franco | Jugend
Bewertung: +++
Rez.:
Martin Ertz-Schander

Beljajew, Roman: Leuchttürme - Wegweiser der Meere. Dt. von Thomas Weiler. Hildesheim: Gerstenberg 2019. O. Pag. : überw. Ill. ; 30 cm . Aus d. Russ. ISBN 978-3-8369-6017-5, geb.: 15,00 €

Alles, was man über Leuchttürme wissen muss.

Klasse 4b macht einen Ausflug zu einem Leuchtturm. Gemeinsam mit Leuchtturmwärter Otto und seinem Hund Bürschle machen sich die Kinder auf Leuchtturm-Entdeckungstour. Dabei werden zahlreiche Fragen beantwortet. Wir lernen, warum es Leuchttürme gibt, wie sie von innen aussehen und wie sie funktionieren; was die Aufgaben eines Leuchtturmwärters sind, wie weit hinaus aufs Meer ein Leuchtturm seine Lichtsignal senden kann und wie man Leuchttürme unterscheiden kann (sowohl an Bau, Muster und Anstrich, als auch an den Leuchtsignalen!); was die Menschen vor den Leuchttürmen zur Orientierung genutzt haben, was bei Nebel zu tun ist und wie ein Leuchtturm gebaut wird. Alles leicht verständlich und in großer Schrift erklärt und mit anschaulichen und ansprechenden Illustrationen versehen. Die Schulklasse gerät im Laufe des Buches etwas in Vergessenheit, aber die Infos sind so spannend, dass das nicht weiter ins Gewicht fällt. Ein informatives und zugleich auch optisch schönes Buch ist dem russischen Autor Roman Beljajew hier gelungen.

Tolles Sachbuch zu einem spannenden Thema gerade zur Ferienzeit. Zum Vorlesen ab 6, zum Selberlesen ab 8 J. Allen Büchereien mit Kinderbuchbestand gerne empfohlen.

Signatur: Jn
Schlagworte: Leuchttürme | Meer
Bewertung: +++
Rez.: Wiebke Mandalka