Newsletter "Gemeinde" 09/2017

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Vielleicht kommen Sie gerade aus dem Urlaub zurück und freuen sich auf Zuhause. Was aber macht unser Zuhause aus?  Auffällig viele Veröffentlichungen beschäftigen sich gegenwärtig mit der Frage: „Was ist eigentlich Heimat?“ Der Berliner Journalist und Autor Jörn Klare wurde gerade in Wittenberg für sein Buch „Nach Hause gehen“ mit dem Ev. Buchpreis 2017 ausgezeichnet. Dieses Buch und drei weitere Titel zum Thema möchten wir Ihnen im September-Newsletter gerne zur Lektüre empfehlen. Je nach Wetterlage können Sie sich damit auf den heimischen Balkon oder das heimelige Sofa zurückziehen. Mit Sicherheit kommen Sie zu ganz eigenen Antworten, was denn Heimat nun bedeuten soll.

Gute Lesestunden wünscht

Ihr Eliport-Team

 

Bewertung:
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Klare, Jörn: Nach Hause gehen. Eine Heimatsuche. Berlin: Ullstein 2016. 239 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-550-08113-2, geb.: 20,00 €

Der Autor wandert 600 km von Berlin nach Hohenlimburg, seiner Ursprungsheimat, und berichtet von seinen Erlebnissen und Begegnungen auf der Reise.

Was genau ist eigentlich Heimat? Eine scheinbar banale Frage, die in Zeiten der Globalisierung und zunehmenden Unübersichtlichkeiten in dieser Welt inzwischen wieder eine ungewöhnliche Aktualität bekommen hat. Der Journalist und Autor Jörn Klare geht dieser Frage sehr persönlich und wörtlich nach. Von seinem Wohnort Berlin wandert er in 32 Tagen zu Fuß über 600 km westwärts Richtung Sauerland zum Ort seiner Kindheit und Jugend. Auf seinem Weg begegnet er Menschen, die ihm auf die Frage nach ihrer „Heimat“ sehr unterschiedliche und manchmal überraschende Antworten geben: sie lieben ihre Heimat, manche leiden an ihr, andere kämpfen für sie bzw. ihren Erhalt. Der Text springt zwischen den Beschreibungen der Tagesetappen und den Erlebnissen und Gesprächen in den jeweiligen Orten, Klares eigenen Reflexionen zum Begriff Heimat und den Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend, die ihm naturgemäß quasi auf der Zielgeraden kommen, hin und her.

Eine unterhaltsame und zugleich anregende Lektüre zu einem aktuellen Thema, die auch als Einstieg für Gesprächskreise in diese Thematik sehr empfohlen wird.

Signatur: Ec 1
Schlagworte: Heimat | Deutschland | Wanderung
Bewertung: +++
Rez.: Wolfgang Vetter

Schreiber, Daniel: Zuhause. Die Suche nach dem Ort, an dem wir leben wollen. München: Hanser Berlin 2017. 139 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-446-25474-9, geb.: 18,00 €

Daniel Schreiber versucht herauszufinden, was wir in unserer schnelllebigen, unsicheren Zeit als Zuhause empfinden.

Der Autor beobachtet eine zunehmende Entwurzelung der Menschen und fragt sich, wie er sein müsste, der Ort, an dem wir uns zu Hause fühlen. Seine eigene Geschichte und die Fluchtgeschichte seiner Familie nimmt er zum Anlass, sich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen. Als homosexuelles Kind in der ehemaligen DDR mit Beginn der Schulzeit seiner geborgenen Kinderwelt entrissen, braucht er lange sich vom Trauma der jahrelangen Diskriminierung zu erholen. Nachdem er das Thema „Zuhause“ aus philosophischer, psychoanalytischer und soziologischer Hinsicht betrachtet hat, findet er heraus, dass der Ort „an dem wir uns jeder Hinsicht vollständig aufgehoben fühlen“ nur ein unerreichbares Ideal ist. Er glaubt aber, dass wir uns auch an einem etwas weniger perfekten Ort  zu Hause fühlen können. Dem erfolgreichen Autor ist ein wunderbarer Essay gelungen, tiefgründig und unterhaltsam.

Lohnende Betrachtung in einer unsicheren Zeit, sehr gut geeignet für Gesprächskreise. Der schmale Band ist eine Bereicherung für jede Bücherei.

Signatur: Sb
Schlagworte: Zuhause | Entwurzelung | DDR | Kindheit
Bewertung: +++
Rez.: Susanne Brenner

Schüle, Christian: Heimat. Ein Phantomschmerz. München: Droemer 2017. 249 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-426-27712-6, geb.: 19,99 €

Eine „Heimatkunde“ frei von verhängnisvollen Assoziationen und vom Kitsch nostalgiesatter Verklärung.

Schüles großer Essay liest sich wie ein Kommentar zu „Nach Hause gehen: Eine Heimatsuche“ von Jörn Klare, dem diesjährigen Träger des Evangelischen Buchpreises. Schüle stellt fest: „Heimat ist der Zu-Fall.“ Letztlich können wir die Heimat und die damit verbundenen Gefühle nicht frei wählen wie etwa ein „Zuhause“. Fern aller Heimattümelei fragt Schüle konsequent danach, was der Begriff für die weltweit rund 65 Millionen Flüchtlinge zu bedeuten hat. Oder was er für die Menschen in den Industrieländern hergibt, deren Herkunftsmilieu durch die Dynamik der gesellschaftlichen Entwicklung in den letzten 70 Jahren mehrfach umgestaltet wurde und deren Arbeitswelt sich permanent verändert. Welchen Einfluss haben heute noch Religion und Nation auf die Definition von Heimat? Kann ein Deutschland in der EU mit seinem Grundgesetz allen Menschen die Basis für eine Heimat schaffen? Wie unterscheidet sich eine Generation „Landlust“ von einer global vernetzten „small is beautiful“-Gesellschaft?

Die große Bandbreite von poetischen Passagen bis hin zu politischer Programmatik regt die Lektüre ebenso an wie sie diese zum Teil erschwert. Ein fordernder Beitrag zum Diskurs.

Signatur: Sb
Schlagworte: Heimat | Deutschland | Gesellschaft
Bewertung: +++
Rez.: Rüdiger Sareika

Vogelsang, Lucas: Heimaterde. Eine Weltreise durch Deutschland. Berlin: Aufbau 2017. 328 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-351-03671-3, geb.: 20,00 €

Elf unterhaltsam zu lesende Reportagen stellen die Frage nach der Bedeutung von Heimat.

„Man kann sich seine Herkunft nicht aussuchen. Es ist eine Tätowierung, die dir ein anderer gestochen hat. Man nimmt sie mit hinein in die Welt." Der junge Reporter Lucas Vogelsang ist in Spandau geboren und lebt mittlerweile im Berliner Stadtteil Wedding, einem Viertel mit Menschen aus aller Herren Länder. Sie sind dort zu Hause, genau wie er. Über sie und viele andere Menschen, die ihre Wurzeln in allen Teilen der Welt haben, erzählt er in seinen nachdenklichen, treffenden Reportagen. Immer wieder stellt er die Frage nach der Heimat, auf die er ganz unterschiedliche Antworten bekommt. „Heimat ist der Ort, der dir nicht egal ist." ist eine von ihnen. Oder ist Heimat eher dort, wo du deine letzte Ruhe findest? Der Leser wird seine ganz eigene Antwort finden. In Deutschland kann man mittlerweile der ganzen Welt begegnen, direkt vor seiner Haustür. Das ist Herausforderung und Chance gleichzeitig, auf jeden Fall aber eine Realität, die sich nicht mehr wegdenken lässt.

Stoff zum Nachdenken und zum miteinander ins Gespräch kommen über die wichtigen Fragen nach Herkunft, Identität und Zusammenleben in unserem bunten Alltag in Deutschland.

Signatur: Sb
Schlagworte: Heimat | Zusammenleben | Fremde
Bewertung: +++
Rez.: Regina Riepe