Newsletter "Gemeinde" 09/2018

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Nicht nur in der Kindheit sind sie prägend, auch im Erwachsenenalter ist für viele Menschen das Verhältnis zu den Geschwistern von Bedeutung. So verwundert es nicht, dass auch die Literatur voller „Geschwistergeschichten“ steckt. Unser September-Newsletter stellt deshalb gleich sechs Titel vor, in denen Geschwisterbeziehungen eine Rolle spielen. Es beginnt mit einem Willkommensbuch für eine neue kleine Schwester. Das Kinderbuch von Kirsten Boie entführt in einen Sommer an der Schlei, wo drei Geschwister mit der zunächst fremden Oma zurechtkommen müssen. Tamara Bachs Jugendbuch um Bruder und Schwester ist ein Sprachgenuss, es wird sicher auch erwachsene Lesende ansprechen. Auch in den Romanen geht es um das Verhältnis und die Rollenzuweisungen, die es unter Geschwistern gibt. Zwei Brüder, die rivalisieren, und zwei Schwestern, von denen eine, eine folgenreiche Entscheidung für beide fällt, sind die Protagonisten. Ein Vorlesebuch für ältere Menschen, in dem zwei Schwestern gemeinsam in einer Seniorenresidenz leben, rundet unsere Auswahl ab.

Gute Lesestunden wünscht

Das Eliport-Team

P.S. Haben Sie im Urlaub ein deutschsprachiges Buch gelesen hat, das Sie nachhaltig beeindruckt hat und über dessen Themen Sie immer mal wieder nachdenken? Und es ist in diesem Jahr erschienen? Dann wäre es das perfekte Buch, um für den Evangelischen Buchpreis 2019 vorgeschlagen zu werden!

 

Bewertung:
+++    = hervorragend
++      = gut
+         = möglich

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► Literaturtipps unter www.eliport.de
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Meine kleine Schwester. Ulf Stark. Ill. von Charlotte Ramel. Dt. von Birgitta Kicherer. Leipzig: Klett Kinderbuch 2018. O. Pag. : überw. Ill. ; 24 cm. Aus d. Schwed. ISBN 978-3-95470-182-7, geb.: 13,00 €

Eine innige Liebeserklärung an die neugeborene Schwester.

„Zuerst war sie nichts. Dann war sie ein Ball in Mamas Bauch.Und jetzt ist sie meine kleine Schwester.“Der namenlose Ich-Erzähler ist gerade großer Bruder geworden. Und er ist sehr stolz auf seine kleine Schwester. Als seine Mutter ihn bittet, kurz auf sie aufzupassen, stellt er eine Menge an, um sie zu beschäftigen und freut sich über das Lob der Mutter, als sie später zurück ist.

Die gerade, klare Sprache von Ulf Stark und die Bilder von Charlotte Ramel machen dieses Bilderbuch zu einem schönen Leseerlebnis für Kinder ab 3 Jahren.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Baby | Geschwister
Bewertung: +++
Rez.: Andrea Schmidt

Boie, Kirsten: Ein Sommer in Sommerby. Ill. von Verena Körting. Hamburg: Oetinger 2018. 318 S. : Ill. ; 22 cm. ISBN 978-3-7891-0883-9, geb.: 14,00 €

Drei Geschwister erleben ungewöhnliche Ferien bei ihrer Oma.

Schon der Prolog weckt beim Leser ein Interesse an dem kleinen, heruntergekommenen Haus der alten Inge, das auf einer einsamen Landzunge direkt an der Ostsee liegt. Die zwölfjährige Martha und ihre beiden jüngeren Brüder müssen hier bei ihrer Oma, die sie bisher nicht kannten, ihre Ferien verbringen. Während sich die Kinder und die merkwürdige Oma langsam einander annähern und die Kinder fernab vom W-Lan einen Alltag kennenlernen, der so ganz anders ist als zu Hause, braut sich eine Gefahr zusammen, die zugleich eine Bewährungsprobe für die neue Beziehung darstellt. Was führt der Mann im Schilde, der sich eines Nachts dem Haus nähert? Bald ist klar: Er will das idyllisch gelegene Haus kaufen, hat jedoch nicht mit der Sturheit der Oma gerechnet. Wie weit wird er gehen, um sein Ziel zu erreichen? Ein wenig erinnert Sommerby an die idyllischen Orte aus Astrid Lindgrens Erzählungen und so macht uns die Geschichte einmal mehr deutlich, dass Geld nicht alles ist, was in dieser Welt zählt.

Eine wunderschöne, warmherzige und spannende Geschichte. Für Kinder ab 10 J. sehr zu empfehlen. Auch zum Vorlesen sehr gut geeignet. Tolle Ferienlektüre!

Signatur: Ju 2
Schlagworte: Abenteuer | Ferien | Familie
Bewertung: +++
Rez.: Claudia Birk-Gehrke

Bach, Tamara: Mausmeer. Hamburg: Carlsen 2018. 142 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-551-58380-2, geb.: 12,99 €

Das Haus, das nach dem Tod des Großvaters leer steht, wird zum Begegnungsort der Geschwister.

Annika ist die strebsame, erfolgreiche, wohl erzogene Tochter und Ben der unerzogene Bruder, dem alles misslingt. Als sie auf ihn aufpassen soll, damit seine Party zum 18. Geburtstag nicht ausufert, landen beide Geschwister am anderen Ende von Welt und Zeit: im Haus des toten Großvaters, in dem sie schöne Kindertage verbrachten. Ben hat sie dahin entführt und sie ließ es unter Drogen und Alkohol stehend nur zu gern zu. Endlich schlafen! Genauso wie Annika statt liebe Tochter einmal Pippi sein will, genauso will Ben die Mauer zu ihr durchbrechen und endlich Bruder sein statt Schandfleck und Scheiterer.So weit so wenig überraschend. Bemerkenswert am Buch ist die Sprache der Erzählung, das Reduzierte und trotzdem Poetische, das behutsame Nachzeichnen innerer Dialoge und Bewegungen, die zum Ziel hin und wieder davon weg führen, ohne dass das Gegenüber es merken würde. Das alles wiederum im Sound eines Jugendbuches. Das macht das kleine Buch zu einem großen Leseabenteuer.

Konfirmationsunterricht, Jugendarbeit, Gottesdienst für Jugendliche, Lesenacht für jugendliche Leser und Leserinnen.

Signatur: Ju 3
Schlagworte: Mensch | Würde | Wert | Mut
Bewertung: +++
Rez.: Christiane Thiel

Bargum, Johan: Nachsommer. Roman. Dt. von Karl-Ludwig Wetzig. Hamburg: mare 2018. 142 S. ; 21 cm. Aus d. Schwed. ISBN 978-3-86648-260-9, geb.: 18,00 €

Eine Rivalität unter Brüdern, deren Ursachen und Spätfolgen, mit fast versöhnlichem Ende.

 Schauplatz dieses Romans ist das alte Ferienhaus der Familie in den finnischen Schären. Nach vielen Jahren ohne Kontakt treffen die ungleichen Brüder Olof und Carl am Sterbebett ihrer Mutter wieder aufeinander. Alte Rivalitäten, ungelöste Konflikte und Versäumnisse auf beiden Seiten brechen sogleich wieder auf. Und so wird der friedliche Spätsommer in der Idylle der dramatische Schauplatz einer Familientragödie.
Rückblickend erzählt Olof, von seinem dominanten und selbstbewussten jüngeren Bruder Carl in die Rolle des ständigen Verlierers gedrängt, von den Ereignissen in der Familie und deren Spätfolgen. Am Ende dieses besonderen Sommers kann sich Olof mit seiner schwierigen Lebensrolle fast versöhnen.
Es ist die klare und sensible Sprache, die dieses kleine Büchlein so lesenswert macht. Sie fesselt den geneigten Leser und lässt ihn nachdenklich zurück.

Ein besonderes Buch der leisen Töne für Familienerfahrene sowie für Literaturkreise besonders zu empfehlen.

Signatur: SL
Schlagworte: Lebensfragen | Familie | Geschwister | Rivalität
Bewertung: +++
Rez.: Christiane Weppner

Sullivan, J. Courtney: All die Jahre. Roman. Dt. von Henriette Heise. Wien: Deuticke 2018. 460 S. ; 21 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-552-06366-2, geb.: 22,00 €'

Die Familiengeschichte zweier irischer Schwestern in Amerika, die ein starkes Band und ein Geheimnis verbindet.

Die 21-jährige Nora Flynn wandert mit ihrer jüngeren Schwester Theresa 1957 von Irland nach Amerika aus, um ihren Verlobter Charlie zu heiraten. Obwohl Nora lieber in Irland bleiben würde, geht sie diesen Schritt, um Theresa in Amerika eine Ausbildung zur Lehrerin zu ermöglichen. Doch kaum in Amerika angekommen, wird Theresa schwanger. Nora trifft eine Entscheidung für sie beide und löst damit die Entzweiung der Schwestern aus. Als 50 Jahre später Noras ältester Sohn Patrick bei einem Autounfall stirbt, sucht sie den Kontakt zu ihrer Schwester Theresa, die inzwischen Nonne geworden ist. Eine faszinierende Familiengeschichte, die aus der Perspektive der verschiedenen Familienmitglieder und in zwei wechselnden Handlungssträngen erzählt wird:  In der Vergangenheit der beiden Schwestern,  und in der  Gegenwart der Frauen. Die Autorin versteht es geschickt, die beiden Zeitepochen miteinander zu verflechten und die einzelnen - sehr unterschiedlichen -  Charaktere lebendig werden zu lassen.

Für alle die Familiengeschichten und irische Sagas mit historischem Bezug lieben ein Muss.

Signatur: SL
Schlagworte: Familie | Geheimnisse | Tod | Geschwister
Bewertung: +++
Rez.: Christine Stockstrom

Blum, Helga u. Weltzer, Wiltrud: Schwesternliebe rostet nicht. Eine Geschichte für Senioren zum Lesen und Vorlesen. Großdruck. München: Reinhardt 2018. 115 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-497-02738-5, kt.: 9,90 €

Erfahrungen und Erinnerungen zweier ungleicher Schwestern in einer Seniorenresidenz.

Alltagsszenen aus dem Leben zweier ungleicher Schwestern. Rosemarie lebt schon länger in der Seniorenresidenz Lindenhof. Johanna, eine erfolgreiche Unternehmerin, muss nach einem Sturz dort einziehen. 13 kurze Kapitel erzählen vom Gegen-, Mit und Füreinander der beiden, von aktuellen Ereignissen und gemeinsamen Erinnerungen an längst vergangene Zeiten. Die einfühlsam und lebendig erzählten Episoden regen dazu an, eigene Erlebnisse und Erfahrungen zu reflektieren – als einzelner Leser und in Gesprächsgruppen. Was über Schwesternliebe geschrieben wurde, lässt sich gut auf Geschwisterliebe und auf das Verhältnis zu nahen anderen Menschen übertragen. Das Buch ist tatsächlich – wie der Untertitel anzeigt – ein Buch für Senioren zum Lesen und Vorlesen. Der Großdruck ist für alte Augen wohltuend.

Das kleine und preiswerte Buch ist für Gemeindebüchereien unbedingt zu empfehlen. Es eignet sich auch als Geschenk für ältere Menschen.

Signatur: Fd | Ch 2
Schlagworte: Alter | Seniorenheim | Geschwister | Erinnerungen
Bewertung: +++
Rez.: Karl Foitzik