Newsletter "Gemeinde" 10/2017

Liebe Leserin! Lieber Leser!

„Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde: geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit…“ (Prediger 3,1-2)

Zum Ende des Kirchenjahres stellen wir Ihnen sechs Titel vor, die uns unter den Neuerscheinungen zum Thema „Sterben und Tod“ als empfehlenswert aufgefallen sind. Die Kinderbüchern behandeln die Trauerarbeit von Geschwisterkindern (Schlafen Fische?), die Vorbereitung auf den Tod eines Angehörigen (Opa, welche Farbe hat der Tod?) und kindliche Todesvorstellungen (Mikas Himmel).

Für die Erwachsenen haben wir drei Bücher ausgewählt, die klug und ermutigend - und in einem Falle auch humorvoll-zynisch (Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster) - von der Vorbereitung auf den Tod, von Lebensrückschau (Sterben) und der Auseinandersetzung mit Gott im Angesicht des Todes (Der Gott der letzten Tage) erzählen.

Gute Lesestunden und Gespräche wünscht

Ihr Eliport-Team

 

Bewertung:
+++    = hervorragend
++      = gut
+         = möglich

Bitte beachten Sie auch unsere weiteren Serviceangebote, die Sie auf unseren Internetseiten abrufen können:
► Literaturtipps unter www.eliport.de
► Alles über den  Evangelischen Buchpreis unter www.evangelischerbuchpreis.de
► Leseförderungs- und Taufprojekt unter www.willkommeningotteswelt.de
► Schulanfängerprojekt unter www.leseningotteswelt.de
► Alle Arbeitshilfen zur Bibliotheksorganisation für Mitarbeitende unserer Büchereien unter www.buechereiservice.de

Raschke, Jens: Schlafen Fische? Ill.von Jens Rassmus. München: Mixtvision 2017. 57 S. : Ill. ; 22 cm. (Dramatiker erzählen für Kinder). ISBN 978-3-95854-070-5, geb.: 17,90 €

Bebildertes Kinderbuch zur Trauerbewältigung eines 10-jährigen Mädchens nach dem Tod des kleinen Bruders.

Der 10-jährigen Jette gehen viele Gedanken über das Leben und das Sterben durch den Kopf. Vor einem Jahr ist ihr 6-jähriger Bruder Emil gestorben. Rückblickend erzählt die Protagonistin vom früheren Leben mit Emil, von einem Urlaub in Dänemark oder von einem Rollenspiel, bei dem die Geschwister so taten, als wäre Emil schon gestorben. Sie erzählt auch von Emils Beerdigung und von der Zeit nach seinem Tod, als die Mutter so viel weinte und Jette wütend war, weil der Bruder nicht mehr da war. Jette stellt dem Vater viele Fragen über das Wie und Warum des Sterbens, die der Vater ruhig beantwortet. Von der Mutter fühlt sich Jette jedoch vernachlässigt und es hilft ihr, darüber zu sprechen. Die kleinen, comicartig gemalten Bilder laden zum Betrachten ein. Die Sprache der Texte ist kindgemäß. Die Protagonistin erzählt von Empfindungen, die nach jedem Todeserleben auftreten. So ergeben sich beim gemeinsamen Lesen mit Kindern an vielen Stellen Einstiegsmöglichkeiten zu weiteren Gesprächen.

Ein unterstützendes Buch für die Trauerarbeit von Geschwisterkindern ab 8 Jahren. 

Signatur: Ju 2
Schlagworte: Sterben | Tod | Trauer | Geschwister
Bewertung: +++
Rez.: Barbara Cramer

Opa, welche Farbe hat der Tod? Annett Stütze u. Britta Vorbach. Ill. von Mascha Greune. Ostfildern: Patmos 2017. O. Pag. : überw. Ill. ; 25 cm. ISBN 978-3-8436-0953-1, geb.: 13,00 €

Opa Hase bereitet seinen Enkel auf sein baldiges Sterben vor.

Opa Hase spürt, dass dies sein letzter Frühling ist. Ihm ist wichtig den kleinen Hasen auf den Tod vorzubereiten. Obwohl auch er Angst hat über den Tod zu sprechen, ermutigt er den kleinen Hasen zu fragen: Warum stirbst du?  Welche Farbe hat der Tod? Kann man den Tod hören? Tut sterben weh? Wohin gehst du, wenn du stirbst? Opa Hase versucht zu antworten und gibt dem kleinen Hasen mit: „Wenn du an mich denkst, werde ich immer bei dir sein.“ und erklärt: „Weine so lange und so viel du willst. Dann wird es etwas leichter werden.“. Sie genießen die ihnen noch gemeinsame Zeit bis Opa Hase stirbt. Wunderbar einsetzbar, um Kinder auf das Sterben eines Familienangehörigen vorzubereiten.                            

Auch als Einstieg in das Thema „Tod und Sterben" in der Kita,  Grundschule oder Gemeinde geeignet, um Kinder zum Fragen und Aussprechen ihrer Ängste zu ermutigen. 

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Tod | Sterben
Bewertung: +++
Rez.: Christine Stockstrom

Mikas Himmel. Bibi Dumon Tak. Ill. von Annemarie van Haeringen. Dt. von Meike Blatnik. Hildesheim: Gerstenberg 2017. O. Pag. : überw. Ill. ; 27 cm. Aus d. Niederländ. ISBN 978-3-8369-5939-1, geb.: 12,95 €

Behutsame Begleitung eines kleinen Jungen nach dem Tod seines geliebten Hundes.

Die Bilderbuchgeschichte erzählt von den Empfindungen eines Jungen, der hier Kleiner Bruder genannt wird, nach dem Tod seines geliebten Hundes. In dem Moment, als der Hund stirbt, ist die Familie beisammen. Obwohl es stark regnet und gewittert, öffnen sie das Fenster. Wortlos verdeutlicht der Junge seinen Gedanken, dass Mika nun wohl im Himmel und zugleich auch bei ihnen ist. Liebevoll wird die Anregung des kleinen Bruders von seiner Familie aufgenommen: Sie graben ein Loch als Grab, streuen Blätter und Gras hinein und legen einen Ball zum Spielen hinzu. Der kleine Bruder stellt viele Fragen und die Älteren verstehen es, beruhigende und aufrichtige Antworten zu geben. Die Sprache ist kindgemäß und poetisch. Auf den großformatigen Doppelseiten überwiegt die Farbe Schwarz. Mehrfach sind die Konturen eines großen, schwarzen Hundes zu sehen und um ihn herum mit wenigen Strichen gezeichnete Motive, die zum Erzählen einladen. Die Geschichte endet tröstlich.

Empfehlenswert zum Verständnis der kindlichen Todesvorstellung und als Gesprächseinstieg nach dem Tod eines Hundes für Kinder von 4-8 Jahren.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Tod | Sterben | Haustier
Bewertung: +++
Rez.: Barbara Cramer

Pásztor, Susann: Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster. Roman. Köln: Kiepenheuer & Witsch 2017. 285 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-462-04870-4, geb.: 20,00 €

Ist das wahr oder ist das Kitsch? Ist das möglich? Eine Sterbebegleitung auf Umwegen zwischen Witz und Schock.

Fred ist Mitte 40 und übergewichtig, zieht nach einer Scheidung seinen Sohn Philipp allein groß, der gerade in die Pubertät kommt und ein Lyrik liebender liebenswerter Sonderling ist. Das Liebenswerte hat er mit seinem einsamen, spießigen aber offenherzig ratlosen Vater gemeinsam. Fred ist irgendein Beamter, ohne Hobbys, ohne Ausschläge, aber mit viel Aufmerksamkeit für Phil. So weit so gewöhnlich. (Ist das vielleicht schon ein bisschen zu stereotyp?) Fred entscheidet sich, eine Ausbildung zum ehrenamtlichen Sterbebegleiter zu machen und zu Beginn des Romans tritt er seinen ersten Dienst an: bei Karla. Sie ist Fotografin, Hippiegirl und Immobilienhändlerin gewesen. Mit Anfang 60 stirbt sie zügig an einem Schilddrüsenkrebs. Die Chemotherapie hat sie abgebrochen. Sie leidet und schwankt zwischen witzig zynischer Giftigkeit und kluger Ehrlichkeit. Sie findet Fred doof. Er versteht sie nicht. Aber alles kommt anders. Und wie es anders kommt, ist wunderbar. Phil spielt auch eine Rolle.

Empfohlen für Literaturgottesdienste, Jugendarbeit, Hospizarbeit, Krankenhausbibliothek

Signatur: SL
Schlagworte: Tod | Kampf | Wut | Witz
Bewertung: +++
Rez.: Christiane Thiel

Taylor, Cory: Sterben. Eine Erfahrung. Dt. von Ulrike Kretschmer. Berlin: Allegria 2017. 171 S. ; 20 cm. Aus d. Amerikan. ISBN 978-3-7934-2318-8, geb.: 18,00 €

Eine gelungene Auseinandersetzung mit dem bevorstehenden Sterben.

Schon zehn Jahre lebte die Schriftstellerin Cory Taylor mit der Diagnose Krebs. Als sie spürt, dass ihre Lebenszeit zu Ende geht, beginnt sie über das Sterben zu schreiben. Es ist ein Anliegen ihres Buches, Sterbende aus der Einsamkeit zu befreien. Aufrichtig spricht Cory Taylor über die Angst vor dem Tod und darüber, was ihr geholfen hat, zur Ruhe zu kommen. Bei einer Fernsehsendung zu Tabuthemen – hier dem Tod – erhielt die Autorin zum Einstieg zehn von Zuschauern gestellte Fragen. Diese Fragen nutzt sie im ersten Teil des Buches als Ausgangspunkte ihrer Gedankengänge. Im zweiten Teil berichtet sie humorvoll und spannend über ihr Leben. In der Bearbeitung ihrer Familiengeschichte und in den nüchternen Überlegungen zum bevorstehenden Tod gibt sie dem Leser eine Fülle von Anregungen zur eigenen Auseinandersetzung. Dieses Buch kann wie ein Geschenk erlebt werden, weil es Gelegenheit gibt, zunehmend Ruhe und Gelassenheit beim Gedanken an den eigenen Tod zu spüren.

Ein äußerst bemerkenswertes Buch für jeden, der sich mit dem Sterben auseinandersetzt.

Signatur: Fd
Schlagworte: Sterben | Leben | Gelassenheit | Familiengeschichte
Bewertung: +++
Rez.: Barbara Cramer

Knauss, Sibylle: Der Gott der letzten Tage. Roman. Tübingen: Klöpfer & Meyer 2017. 182 S. ; 19 cm. ISBN 978-3-86351-440-2, geb.: 20,00 €

Ein Pfarrer zieht vor dem Tod seine Lebensbilanz in Form eines Gesprächs mit Gott und nimmt Abschied von der Familie.

Ein Mann, Pfarrer von Beruf, liegt im Sterben. Zeitweise wiedererwacht aus dem Koma, medikamentös „lahmgelegt“, denkt er nach, erinnert sich. Er predigte besonders gut an Gräbern. Nun ist er über sein Hauptthema Tod und über sein verflossenes Leben mit Gott im Gespräch. Nach einer Embolie wurden ihm noch zehn Jahre geschenkt – Leben im „Sparflammenmodus“. Vieles kam ihm abhanden, um vieles hat er sich selber gebracht „mit Wut, Gewalt, Zigaretten, Alkohol und manch anderem.“ Religion beschäftigt ihn auf neue Weise: „Sie weckt unsere Sinne und Leidenschaften. Sie lockt uns an unsere Grenzen und darüber hinaus. Nur die erotische Liebe kann es mit ihr aufnehmen.“ Warum nur sind die meisten Menschen „religiös abstinent“? Stilsicher, nicht ohne Ironie und Humor wird dieser Dialog im Innenleben erzählt. In der äußeren Wirklichkeit treten seine Kinder und seine Geliebte an sein Bett. Mit ihnen spricht er über sein Versagen, seine Schuld. Mit Gott über Unverfügbares, über die letzten Dinge.

Das Buch sei Leserinnen und Lesern empfohlen, die raffinierte unkonventionelle Erzählweisen schätzen und an einem freien Umgang mit theologischen Fragen interessiert sind.

Signatur: SL
Schlagworte:
Sterben | Tod | Gott
Bewertung: ++
Rez.:
Christoph Kuhn