Newsletter "Gemeinde" 10/2018

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Wie in den vergangenen Jahren möchten wir Ihnen im Oktober-Newsletter neue Bücher rund um den Themenkreis Sterben und Tod vorstellen. Es geht jeweils um den Tod eines Elternteiles. Das Jugendbuch „Der große schwarzer Vogel“ schildert in großer Sensibilität und mit Hoffnungsschimmer den worst case: in einer Familie mit zwei Kindern stirbt ganz plötzlich die Mutter. Aber auch für Erwachsene ist der Tod von Mutter oder Vater ein unmittelbarer Einschnitt, der das eigene Leben erschüttern kann. Das zeigen unsere drei Bücher für Erwachsene, die in ganz unterschiedlicher Weise zur Auseinandersetzung mit dem Tod, zur Reflexion der eigenen Familiengeschichte anregen und den Blick auf das Danach lenken. Alle Bücher eigenen sich auch gut für das Gespräch in Literaturkreisen und Gemeindegruppen.

Gute Lesestunden und Gespräche wünscht

Ihr Eliport-Team

 

Bewertung:
+++    = hervorragend
++      = gut
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Höfler, Stefanie: Der große schwarze Vogel. Roman. Weinheim: Beltz & Gelberg 2018. 181 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-407-75433-2, geb.: 13,95 €

Berührender Roman über das Weiterleben nach dem  Tod der Mutter.

An einem strahlenden Oktobertag stirbt Bens Mutter unerwartet. Von diesem Moment ausgehend, erzählt der Junge von den Ereignissen, die dem Tod unmittelbar folgen sowie vom Davor und Danach. Davor: das sind kleine Episoden aus dem Leben mit einer hochemotionalen, unangepassten, aufbrausenden und leidenschaftlichen Mutter. Danach: das ist die erste Liebe, Zukunftspläne schmieden, als verkleinerte Familie wieder zueinander finden.Stefanie Höfler hat sich hier wieder ein schwieriges Thema vorgenommen. Und auch hier zeigt sie ein großes Einfühlungsvermögen in die Emotionen eines Jugendlichen, der nicht nur mit dem Tod der Mutter, sondern auch mit einem Vater, der zeitweilig völlig aus der Bahn geworfen und außerstande ist, sich gut um ihn und seinen kleinen Bruder zu kümmern, zurechtkommen muss. Die Geschichte hat (nachvollziehbar) kein Happy End, deutet aber an, dass die Familie sich ein Jahr später auf einem guten Weg der Heilung befindet: Sie pflanzt der baumvernarrten Mutter einen Apfelbaum aufs Grab, Ben erkundigt sich in einer Gärtnerei nach einem Praktikumsplatz, eine erste Liebe zeichnet sich ab und er hat einen Freund, wie man ihn sich besser nicht wünschen könnte.

Ein berührender, kluger Roman. Sehr gern empfohlen.

Signatur: Ju 3
Schlagworte: Tod | Trauer | Hoffnung | Geschwister
Bewertung: +++
Rez.: Wiebke Mandalka

Busquets, Milena: Auch das wird vergehen. Roman. Dt. von Svenja Becker. Berlin: Suhrkamp 2016. 169 S. ; 21 cm. Aus d. Span.ISBN 978-3-518-42527-5, geb.: 19,95 €

Vom Umgang mit der Traurigkeit über den Tod der Mutter an Sommertagen in Cadaques.

Blanca ist vierzig und hat gerade ihre Mutter auf einem kleinen Friedhof in Cadaques, einem Dorf in der Nähe von Barcelona, beerdigt. Hier hat ihre Familie im Sommer die Ferien verbracht, das Landleben und das Meer genossen. Zurück in der Großstadt und dem Alltag ist sie gefangen in den Erinnerungen an die letzten Monate mit ihrer Mutter und dem Schmerz um den Verlust. Freunde raten ihr, auch diesen Sommer wieder in Cadaques zu verbringen, und sie reist mit Familie und Freunden an diesen  Ort der schönen Kindheitserinnerungen. Mit von der Partie sind auch ihre beiden Exmänner und vor Ort ihr jetziger Geliebter. Es ist ein schöner Sommer, mit alten und neuen Begegnungen, Flirts und sexuellen Lieben, gutem Essen, Ausflügen ans Meer und den Erinnerungen an ihre geliebte Mutter. Die sind Begleiter auf Schritt und Tritt und sehr schmerzhaft. Ihr Tod ist für Blanca ein so großer Verlust, dass sie nicht daran glaubt, dass „auch das vergehen wird“.  Das Buch liest sich wie ein langer Abschiedsbrief an die geliebte und bewunderte Mutter mit liebevoll kritischem Blick und großer Dankbarkeit. Die Beschreibung des Sommers in Cadaques ist wie eine Einladung an einen Ort der Schönheit.

Dieser schöne einfühlsame Roman über eine Mutter-Tochter-Beziehung sollte in jeder Bücherei Platz finden. 

Signatur: SL
Schlagworte: Tod | Mutter | Tochter | Katalonien
Bewertung: +++
Rez.: Sophie Jünemann

Moritz, Rainer: Mein Vater, die Dinge und der Tod. München: Antje Kunstmann 2018. 189 S. ; 20 cm. ISBN 978-3-95614-257-4, geb.: 20,00 €

Anhand von Dingen des Lebens erinnert sich Rainer Moritz liebevoll an seinen verstorbenen Vater.  

Vater ist gestorben, und Rainer Moritz durchstreift noch einmal die Wohnung seiner Eltern und schaut sich um. Der Sessel, der Fernseher, die Musikanlage, die Bilder an der Wand  – alle diese Dinge erinnern an den geliebten Menschen, an seine unverwechselbaren Eigenheiten und Ansichten. Mit Wehmut blickt Moritz, Leiter des Hamburger Literaturhauses, zurück – beginnend mit der Zeit, als der Vater noch ein energischer Einkaufsleiter eines Betriebes in Heilbronn war, bis zu den letzten Jahren, als die Kräfte nachließen und er die Wohnung nicht mehr verließ. Das Leben des Vaters prägte auch sein eigenes, und Moritz lässt den Leser auf sehr persönliche Weise daran teilhaben. Den in den 50er und 60er Jahren Geborenen werden viele Erinnerungen von Moritz an den Vater verblüffend bekannt vorkommen. Das Buch ist letztlich auch – und das macht das Lesevergnügen aus – das Porträt einer Generation und ihres Lebensmodells, das es bald so nicht mehr geben wird. Ein melancholischer Abschied.     

Ein besinnliches Büchlein mit Wiedererkennungsfaktor für die mittelalte Generation – für diese besonders geeignet. 

Signatur: Bb
Schlagworte: Biographie | Gesellschaft | Lebensführung
Bewertung: ++
Rez.: Michael Freitag

Schacht, Michael: 100 Tage. Das Sterben meines Vaters. Gütersloh: Gütersloher Verl. - Haus 2018. 221 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-579-08704-7, geb.: 20,00 €

Ein Sohn beschreibt das Sterben seines Vaters.


Die Diagnose ist niederschmetternd, die Michaels Vater bekommt, der Krebs hat gestreut. „›Ihrem Vater bleiben noch 100 Tage. Rechnen Sie damit, dass er den Sommer nicht mehr erleben wird.‹ Zwei Sätze, die sitzen. Zack – da ist sie, die Realität. Der Tod, er klopft nicht an die Gartenpforte, er hat bereits die Haustür eingetreten.“ Michael Schacht beschreibt ehrlich und sehr berührend den Abschied von seinem krebskranken Vater. Er schildert, wie er versucht, den zu erwartenden Tod des Vaters zu begreifen. Ihr Verhältnis war nicht einfach. Nun versucht er sich ihm in den verbleibenden 100 Tagen wieder anzunähern und die restliche Zeit wie einen „Countdown des Lebens’’ bewusst zu gestalten und zu genießen. Er überlegt, was er ihn noch fragen oder ihm sagen möchte. Michael Schacht beschreibt sehr ehrlich und klar, dabei aber auch selbstironisch und humorvoll die Verwicklungen in seiner Familie und die Stimmungen in diesen letzten Tagen des Lebens seines Vaters.

Geeignet zur Veranstaltungsarbeit und als persönliche Einladung zur Auseinandersetzung mit dem, was noch wichtig ist im Leben angesichts des nahen Todes eines Angehörigen.

Signatur: Fd | Jb
Schlagworte: Sterben | Hospiz | Tod | Leben
Bewertung: +++
Rez.: Christine Stockstrom