Newsletter "Gemeinde" 10/2019

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Das Kirchenjahr neigt sich dem Ende zu. Es kommt die Zeit, in der wir vermehrt der Toten gedenken und uns mit dem Lebensende beschäftigen. Literatur, Bücher kennen viele Wege, von Leben und Tod, dem Sterben, Abschiednehmen und Trauer zu erzählen. Ein kleiner Vogel erinnert sich an die gute Gemeinschaft mit einem großem Freund, ein Jugendbuch nimmt phantastische Elemente und philosophische Gedanken zu Hilfe, ein Roman überrascht in der Zeit der Trauer, ein Sachbuch fragt, wie Männer mit Schmerz und Ohnmacht umgehen und ein theologisch gebildetes Ehepaar diskutiert kontrovers über Sterbehilfe und Ewigkeit.

Gute Lebens- und Lesezeit im Herbst wünscht

Ihr

Eliport-Team

 

Bewertung:
+++    = hervorragend
++      = gut
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Mein Jimmy. Werner Holzwarth. Ill. von Mehrdad Zaeri. München: Tulipan 2019. O. Pag. : überw. Ill. ; 25 cm. ISBN 978-3-86429-420-4, geb.: 15,00 €

Ein kleiner Vogel verliert seinen allerbesten Freund, das Nashorn.

Der Vogel Hacki lebt auf dem Rücken des Nashorns Jimmy und pickt die Insekten auf, die Jimmys Rücken bevölkern. Eine Symbiose und Freundschaft zugleich. Aber Hacki trauert, denn er spürt, dass der alte Jimmy nicht mehr lange leben wird. Die beiden beginnen gemeinsame  Erinnerungen auszutauschen,  Erinnerungen über Siege und Erfolge. Haben sie doch  Löwinnen vertrieben und eine Bande Affen vom Baum geschüttelt. Aber jetzt fühlt sich das Nashorn stets müde und liegt am liebsten herum. Es stirbt in einer sternenklaren Nacht, und der Vogel findet eine neue Heimat auf einem Zebrarücken. Ausdrucksvoll sind die Illustrationen, die das Nashorn vor einer abstrakten Steppenlandschaft zeigen. Mehrdad Zaeri bringt das gewaltige Tier groß ins Bild, mit wenigen Umrissen verleiht er ihm ein gefühlvolles Mienenspiel und eine expressive Körpersprache. Tröstliches, Verschmitztes, Resigniertes! Von Blatt zu Blatt überrascht das versteckte und zutiefst Menschliche in Jimmys Körper und Gesicht. 

Ein ansprechendes, anrührendes Bilderbuch über die Freundschaft zwischen Groß und Klein, Alt und Jung, über glückliche Erinnerungen und einen allmählichen Abschied für immer.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Altern | Tod | Freundschaft
Bewertung: +++
Rez.: Barbara von Korff-Schmising

Sandén, Mårten: Haus ohne Spiegel. Dt. von Birgitta Kicherer. Ill. von Cornelia Haas. Frankfurt: Sauerländer 2019. 139 S. : Ill. ; 22 cm. Aus d. Schwed. ISBN 978-3-7373-5464-6, geb.: 12,00 €

Die Großmutter liegt im Sterben, und alle sind im alten Haus. Da entdecken die Kinder ein verborgenes Zimmer ...

Eine bedrückte Stimmung herrscht in der Familie, und nicht nur wegen Henrietta, der sterbenden Großmutter oben unter dem Dach; es ist eher so als wären sie alle mehr tot als lebendig, gefangen in einer großen Wolke von Traurigkeit und gegenseitiger Abneigung. Während der Vater bei seiner Mutter wacht, entdecken die Kinder in einem Schrank eine gespiegelte Wirklichkeit, in der sie Hetty treffen (ihre Großmutter als Kind) –  lange vor dem schrecklichen Ereignis, dem Tod eines kleinen Jungen, das seine Schatten immer noch wirft und das schwierige Zusammenleben der Familienmitglieder bestimmt. Manches bleibt irrational, ja unverständlich, will vom Leser eher erfühlt als verstanden werden. Ein fantastisch-fantasievolles und philosophisches Buch, das den Leser mit seiner unwirklichen Wirklichkeit wie ein Traum fasziniert und das in einer extrem spannenden Geschichte eine kindgerechte und trostreiche Auseinandersetzung mit Tod und Trauer bietet, die es für Groß und Klein zu bewältigen gilt.

Vor allem einsetzbar in Familien oder Kindergruppen nach dem Verlust eines Nahestehenden. Auch von erwachsenen Lesern mit großem Gewinn zu lesen - in jeder Hinsicht hilfreich!

Signatur: Ju 2 | Ju 3
Schlagworte: Familie | Tod | Trauerbewältigung | Fantastik
Bewertung: +++
Rez.: Astrid van Nahl

Silvera, Adam: Was mir von dir bleibt. Roman. Dt. von Hanna Christine Fliedner u. Christel Kröning. Zürich: Arctis 2019. 383 S. ; 22 cm. Aus d. amerikan. Engl. ISBN 978-3-03880-022-4, geb.: 18,00 €

Die erste große Liebe, große Träume. Doch dann kommt das Leben und schließlich der Tod dazwischen.

Griffin liebt Theo. Theo liebt Griffin. Doch lieben heißt auch Opfer bringen. Aus diesem Grund lässt Griffin Theo wegziehen, um ihn seinen Traum vom Studium leben zu lassen. Dabei ist er der festen Überzeugung, dass ihre gemeinsame Zukunft in Erfüllung gehen wird. Als bester Freund will er für Theo in jeder Situation da sein, auch wenn es dabei um dessen neuen Freund Jackson geht. Für ihre gemeinsame Zukunft nimmt Griffin auch das auf sich. Doch dann stirbt Theo plötzlich und Griffin muss sich eingestehen, dass es keine gemeinsame Zukunft geben wird. Mitten in der schwersten Zeit seines Lebens wird er ausgerechnet mit dem Menschen konfrontiert, der die letzten Monate mit Theo so eng verbringen durfte, wie Griffin sich es gewünscht hätte. Und ausgerechnet dieser Mensch hilft Griffin sich seiner Trauer zu stellen. Durch das geschickt genutzte Spiel mit Vergangenheit und Gegenwart, taucht der Leser sowohl in Griffins Zeit mit Theo, als auch in die Zeit nach dessen Tod ein.

Dieses Buch lässt den Leser nicht nur die tiefen Gefühle der Liebe, sondern gleichzeitig auch schmerzhafte Trauer und hoffnungsvolle Versöhnung erleben. 

Signatur: SL | Ju 3
Schlagworte: Trauer | Liebe | Freundschaft | Homosexualität
Bewertung: ++
Rez.: Julia Brede

Achenbach, Thomas: Männer trauern anders. Ostfildern: Patmos 2019. 167 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-8436-1131-2, kt.: 17,00 €

Umfassendes Wissen und praktische Tipps zum besseren Verständnis von Männern in ihrer Trauer.

Der Redakteur und zertifizierte Trauerbegleiter Thomas Achenbach nimmt sich dem Thema Männertrauer an. Da es keine wissenschaftlichen Studien zu diesem Thema gibt, greift er Erfahrungen aus seiner Begleitungstätigkeit auf und stellt Thesen auf, was Männer von Frauen unterscheidet und warum Männer sich in der Trauer oft anders verhalten als Frauen. Dabei ist er sich der Falle bewusst, in Klischees zu verfallen, die dabei nicht wirklich weiterhelfen. In 7 Kapiteln macht er sich Gedanken und stellt Thesen auf zu den Aspekten: Was unterscheidet Männer von Frauen? Wie gehen Männer mit Ohnmacht um? Männer reden, aber anders. Was hilft Männern, ihren Schmerz zu bewältigen und was tut ihnen gut? Welche Bedeutung hat die Arbeit und wie können sie ihre Trauer ausleben? Dabei informiert er über Trauer allgemein und Trauersymptome und gibt Tipps wie man einen guten Trauerbegleiter findet. So ist ein Ratgeber für betroffene Männer und ihre Unterstützer entstanden.

Für alle, die sich mit dem Thema „Männertrauer" auseinandersetzen wollen oder müssen.

Signatur: Fd | Ch
Schlagworte: Männer | Trauer | Trauerbegleitung | Verlust
Bewertung: +++
Rez.: Christine Stockstrom

Schneider, Anne u. Nikolaus: Vom Leben und Sterben. Ein Ehepaar diskutiert über Sterbehilfe, Tod und Ewigkeit. Im Gespräch mit Wolfgang Thielmann. Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Verl. 2019. 153 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-7615-6533-9, geb.: 14,99 €

Ehepaar Schneider im Gespräch mit W. Thielmann über Glauben, über assistierten Suizid und das Leben.

Die Theologen Nikolaus und Anne S. sind nicht einer Meinung über die Frage des assistierten Suizids. Respektvoll und engagiert zeigen sie die Widersprüchlichkeit der Argumentationen und das Spannungsgefüge zwischen individueller und ethisch-rechtlicher Entscheidung auf. Auf dem Hintergrund ihrer sehr aggressiven Brustkrebserkrankung vor vier Jahren und dem Tod der Tochter Meike durch Leukämie vor 14 Jahren bekommen ihre Thesen, Sichtweisen und theologischen Deutungen eine sehr persönliche Note und laden ein, den eigenen Standpunkt zu be- und überdenken. „Die vertrauensvollen und widersprüchlichen Gedanken dieses Buches sollen zum Einordnen, Akzeptieren und Umgehen mit den großen Lebensthemen Sterben und Tod dienen.“ Ihr Fazit: „Gutes Leben und gutes Sterben brauchen vertrauensvolle Beziehungen, Bejahung von Vielfalt und Vielstimmigkeit sowie den Mut zu Widerspruch“. Ein sehr gelungener Diskurs über die Grenzen und die Freiheit eines Christenmenschen zu einem gesellschaftspolitischen Thema!

Hervorragend geeignet für Veranstaltungsarbeit zu Glaube und Lebensende, Assistierter Suizid und Sterbebegleitung.

Signatur: Pa 3 | Ce
Schlagworte: assistierter Suizid | Sterbehilfe | Sterben | Tod
Bewertung: +++
Rez.: Christine Stockstrom