Newsletter "Gemeinde" 12/2017

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Es gibt doch kaum etwas Schöneres, als zu Weihnachten ein Buch unter dem Baum zu finden oder - fast noch besser - einen schönen Titel zu verschenken. Und so stellen wir Ihnen auch in diesem Jahr in unserem Dezember-Newsletter eine bunte Mischung an wunderbaren Titeln vor, die von klugen Geißlein und starken Mädchen, von hoch- und tiefbegabten Freunden, von Rock ’n’ Roll, berühmten Seerosenteichen und versunkenen Welten erzählen.

Ein frohes  Weihnachtsfest wünscht

Ihr Eliport-Team

Bewertung:
+++    = hervorragend
++      = gut
+         = möglich

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Meschenmoser, Sebastian: Die verflixten sieben Geißlein. Stuttgart: Thienemann 2017. O. Pag. : überw. Ill. ; 29 cm. ISBN 978-3-522-45857-3, geb.: 12,99 €

Ordnung hat im Geißenhaus nun wirklich keine Priorität. Zum Glück!

Die Geschichte ist schnell erzählt: Der Wolf hat einen ziemlich genialen Plan gefasst, um die sieben Geißleich schnappen und verspeisen zu können: Ausstaffiert mit rosa Kleid, Handtäschchen, knallroten Pumps, ebensolchem Lippenstift und kunstvoll aus leeren Klopapierrollen gebastelten Hörnern, klopft er bei den sieben Geschwistern an, als die Mutter gerade zum Einkaufen losgezogen ist. Tatsächlich wird ihm geöffnet. Soweit, so schlau. Was den Wolf jedoch im Inneren des Hauses erwartet, hätte er sich in seinem schlimmsten Träumen nicht ausmalen können: totales Chaos. Keine Chance die Geißlein zu finden. Der Wolf ist jedoch ein Mann der Tat und ersinnt in Sekundenschnelle eine neue Strategie: Flugs reinemachen, ein wenig aufräumen und dann – Geißlein fressen! Ob der Plan aufgehen wird?In wunderbar bunten und wimmeligen Aquarellbildern lässt sich das Familienchaos erkunden– mittendrin die Geißlein, die richtige Versteckprofis und somit gar nicht so leicht zu finden sind. Die Bilder laden zum Suchen, Benennen und Erzählen ein – die Pointe der Geschichte wird kleine Chaosqueens und Ordnungsmuffel sehr erfreuen.

Witzig! Dank der zahlreichen Alltagsgegenstände und Aktivitäten der Protagonisten sehr gut geeignet für die Sprachförderung.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Märchen | Ordnung | Wimmelbilder
Bewertung: +++
Rez.: Wiebke Mandalka

Nilsson, Frida: Siri und die Eismeerpiraten. Ill. von Torben Kuhlmann. Dt. von Friederike Buchinger. Hildesheim: Gerstenberg 2017. 370 S. : Ill. ; 19 cm. Aus d. Schwed. ISBN 978-3-8369-5920-9, geb.: 14,95 €

Vom Mädchen, das auszog, um die jüngere Schwester zu retten…

Piratenkapitän Weißhaupt hat Siris kleine Schwester Micki bei einem Ausflug auf die Eisenapfel-Schäre geraubt. Nun soll sie in seiner Diamentengrube schuften, bis sie kläglich zu Grunde geht. Dieses Schicksal möchte ihr Siri ersparen. Sie begibt sich allein auf die gefährliche Reise, um Micki aus den Fängen des gefürchteten und brutalen Piratenkapitäns zu befreien. Dabei muss sie allerhand Gefahren und Abenteuer im Eismeer überstehen. Frida Nilsson hat einen wunderbaren, fesselnden, atmosphärisch dicht erzählten Abenteuerroman à la R. L. Stevenson geschrieben. Dieser lehnt sich aufgrund der Leseranrede und der kindgerechten Sprache an Astrid Lindgrens Erzählton an. Illustriert wurde „Siri und die Eismeerpiraten" von Torben Kuhlmann, der seit der Veröffentlichung seines preisgekrönten Bilderbuches „Lindbergh - Die Abenteuergeschichte einer kleinen Maus" zu den etablierten deutschen Künstlern gehört. Gekonnt fängt er auf seinen phantsiereichen Illustrationen die arktische Eiseskälte ein.

Nilssons gelungener Roman ist für abenteuerlustige Kinder ab 10 J. empfehlenswert. Er bringt den Lesern die harten Lebensbedingungen in einem fremden Kulturkreis spielerisch nahe.

Signatur: Ju 2
Schlagworte: Abenteuer | Piraten | starke Mädchen | Freundschaft
Bewertung: +++
Rez.: Inger Lison

Steinhöfel, Andreas: Rico, Oskar und das Vomhimmelhoch. Ill. von Peter Schössow. Hamburg: Carlsen 2017. 263 S. : Ill. ; 21 cm. ISBN 978-3-551-55665-3, geb.: 14,99 €

Rico und Oskar – tiefbegabt und hochbegabt – sind beste Freunde und wachsen in dieser weihnachtlichen Trilogie-Ergänzung über sich selbst hinaus.

Heiligabend in Berlin: Ein Schneesturm tobt durch die Stadt und Rico erzählt in drei Rückblenden bis zur abendlichen Bescherung vom vergangenen Sommer: von Oskar und seinem Vater, einer Horde neuer bunter Kinder und einem Diebstahl, der Narben auf zarten Kinderseelen zurückgelassen hat. Überragend bei dieser Erzählung sind natürlich Ricos witzige Abschweifungen, seine wilde Assoziationen, skurrilen Beobachtungen und Deutungen und freilich seine ganz speziellen Worterklärungen. Viele unterschiedliche Handlungsstränge werden hier geschickt zusammengeführt und zaubern ein ganz herzerwärmendes Ende. Die einzelnen Charaktere sind mit ihren Ecken und Kanten authentisch und Steinhöfel schafft es, große Themen wie Freundschaft, Toleranz, Vertrauen, Verantwortung, Anderssein, Streit, Verzeihen, Verständnis, Mitgefühl und Loyalität geschmeidig in einem Kinderroman überzeugend lebensnah und ohne viel Schnickschnack einzufangen, denn so ist das Leben. Auch das von Kindern.

Kein reiner Kriminalroman, sondern eher etwas fürs Herz, aber mit viel Humor: für Weihnachtsbegeisterte und Rico und Oscar-Freunde ab 10 Jahren.

Signatur: Ju 2
Schlagworte: Weihnachten | Freundschaft | Gefühle | Anderssein
Bewertung: +++
Rez.: Anne Tebben

Vry, Silke: Verborgene Schätze, versunkene Welten. Große Archäologen und ihre Entdeckungen. Ill. von Martin Haake. Hildesheim: Gerstenberg 2017. 159 S. : Ill. ; 27 cm. ISBN 978-3-8369-5994-0, geb.: 24,95 €

Erzählband über 21 Forscher, deren Entdeckungen bekannter blieben als sie selbst. 

Nur mal Steine aus dem römischen Weinberg entfernen wollte 1506 Winzer Felice de Fredis, der dabei einen Raum mit der antiken Laokoon-Skulpturen-Gruppe entdeckte. Auf 160 Seiten wird hier von 21 Archäologen (Frauenforschung wurde stets behindert) erzählt, die zufällig auf etwas stießen oder zielstrebig forsch(t)en. Wie der Unterwasserarchäologe Goddio, der mit GPS Reste des historischen Alexandria findet. Die Autorin, selbst Archäologin, beherrscht die Kunst des Berichtens von Sachfakten in anschaulicher spannender Erzählweise. Dazu viele neugierig machende Illustrationen von Martin Haake wie Salzmumien-Skelette in Hallstatt und eine Art Stadtplan der Tempelanlage Angkor Wat. Der erste Satz führt zu Ort, Zeit und Lebenswelt des Forschers. Erzählt wird nicht nur von der Expedition selbst, sondern auch von jahrelangen Vorbereitungen, dem Wissensstand damals, den Entdeckungsfolgen bis zu heutigen Erkenntnissen, das Ganze wie ein Augenblicksbericht. Kleine Notizkästen, farbig unterlegt, geben Zusatzinfos, Museumstipps und Quellenangaben.

Echt gut! Jeder (Schul-)Bibliothek sehr empfohlen (für Referate geeignet). Ab 10 J., auch für Erwachsene.

Signatur: Jg
Schlagworte: Entdecker | Archäologie
Bewertung: +++
Rez.: Delia Ehrenheim-Schmidt

Smith, Betty: Ein Baum wächst in Brooklyn. Roman. Dt. von Eike Schönfeld. Berlin: Insel 2017. 621 S. ; 22 cm. Aus d. Engl.ISBN 978-3-458-17720-3, geb.: 25,00 €

Das müssen Sie lesen. Ich habe mit den Tränen gekämpft wie ein rührseliges Frauenzimmer...

So hat mich das bewegt!Die Neuübersetzung eines Kassenschlagers. Betty Smith legte 1943 ihr Debut vor und erreichte die Herzen zahlloser Menschen, indem sie voll Respekt und Wertschätzung vom Leben der unterschiedlichen Einwandererfamilien am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts in Brooklyn erzählt. Zuerst ist sie ein kleines Mädchen, das mit Süßigkeiten im Wert von einem Penny auf der Feuerleiter im Schatten eines Baumes sitzt, liest und die Nachbarschaft aufmerksam beobachtet. Ihre Augen sehen durch die Fassaden hindurch und blicken den Bösen, Traurigen und Wütenden in die Seele. Dass sie dabei nicht kitschig wird, verdankt sie ihrem klaren sozialen Gewissen. Wie treffend sie Arroganz beschreiben kann, die Armut als Folge von Faulheit diffamiert (Ist meine Mama etwa faul?), nimmt der Leserin im 21.Jahrhundert den Atem. Sie wächst zu einer jungen Frau heran, die das Glück einer tapferen und liebevollen Mutter hat. Dass der Vater zu früh stirbt, ist nur ein Schmerz und vielen. Aber Glück gedeiht dort auch! 

Für Literaturkreise und Literaturgottesdienste. Und ein berührendes Geschenk.

Signatur: SL
Schlagworte: Familie | Tapferkeit | Armut | Immigration
Bewertung: +++
Rez.: Christiane Thiel

Kaléko, Mascha: Sei klug und halte dich an Wunder. Gedanken über das Leben. Hg. von Gisela Zoch-Westphal u. Eva-Maria Prokop. München: Dt. Taschenbuch Verl. 2017. 172 S. ; 19 cm. ISBN 978-3-423-25385-7, kt.: 10,95 €

Auswahl an Gedanken, Gedichten, Tagebucheintragungen der jüdischen Dichterin Mascha Kaléko (1907-1975). Großdruck.

Gisela Zoch-Westphal, selbst Schauspielerin und Schriftstellerin, Frau von Gert Westphal, hat den Band zusammen mit E. Prokop herausgegeben. Zoch-Westphal ist Erbin und Verwalterin des Nachlasses von Kaléko. Der Band ist inhaltsidentisch mit der TB Ausgabe von 2013, jetzt neu und in Großdruck präsentiert. In sieben Kapiteln sind Gedanken über Leben und Tod, Liebe und Freundschaft, Alltag und Schicksal Kalékos versammelt. Die Gedanken dieser vom Schicksal gezeichneten großen Dichterin sind lesens- und nachdenkenswert und sollten nicht in Vergessenheit geraten. Kaléko ist in einer Reihe mit Else Lasker-Schüler, Hilde Domin, Sarah Kirsch oder Marie Luise Kaschnitz zu nennen. Auch wer nicht auf Großdruck angewiesen ist, findet in dem Band eine zeitlos schön gestaltete Ausgabe, mit Nachwort und Quellenverzeichnis.

Wo noch nicht vorhanden passt dieses kleine schön gestaltete Bändchen in jede Bibliothek. Und ein Geschenk mit Tiefgang.

Signatur: SL
Schlagworte:
Dichterinnen | Schicksal | Jüdische Schriftsteller
Bewertung: +++
Rez.:
Bettina Wolf

Norman, Philip: Paul McCartney. Dt. von Conny Lösch. München: Piper 2017. 972 S. : Ill. ; 22 cm.
Aus d. Engl. ISBN 978-3-492-05825-4, geb.: 32,00 €

Eine detaillierte Biografie mit faszinierenden Episoden, Humor und Neuem über einen Menschenfreund, der zur Musiklegende wurde.

Seit seinem 21. Lebensjahr lebt Paul McCartney ein ultimatives Rock’n’Roll-Leben, das nun von einem der besten Biografen der Musikszene mit McCartneys Zustimmung erzählt wird. Dieses Buch enthüllt den komplexen Charakter hinter der Showbiz-Fassade und beleuchtet unter anderem neu seine Kindheit – den Tod der Mutter, die Stütze durch den Vater, der ihn zur Musik führte. Es wird genau und lebhaft auf die schwierige Partnerschaft mit John Lennon eingegangen, auf sein persönlichen Trauma, nachdem die Beatles sich auflösten und seinen hartnäckigen Kampf zurück an die Musikspitze, was ihn in Afrika fast umbrachte und ihn 9 Tage Gefängnis in Toyko kostete. Wir erfahren mehr über seine Ehe mit Linda, ihre oft kritisierte musikalische Zusammenarbeit und lesen einen bewegenden Bericht über ihren Tod. Vollgepackt mit vielen neuen und kritischen Insider-Informationen wird dies sicher DIE Biografie einer musikalischen Legende. Philipp Norman hat bereits 2008 mit „The Life“ John Lennon ein Denkmal gesetzt. Dies ist ihm nun auch für Paul McCartney gelungen.

Ein Must have für alle McCartney Fans.

Signatur: Bb
Schlagworte:
Musik | Beatles | Künstler
Bewertung: +++
Rez.:
Anne Tebben

Monet. Auf den Spuren des Lichts. Salva Rubio. Ill. von Efa. Dt. von Anja Kootz. München: Knesebeck 2017. 111 S. : überw. Ill. ; 32 cm. Aus d. Franz. ISBN 978-3-95728-068-8, geb.: 22,00 €

Eine ebenso anschauliche, informative wie unterhaltsame Comic-Biographie über den Impressionisten Claude Monet.

Nach einer Augenoperation liegt der 83jährige Monet mit verbundenen Augen im Bett. Erinnernd führt er – als Ich-Erzähler – uns zurück in seine Jugend. Chronologisch folgt der Comic nun seiner Lebensgeschichte, den Akademiejahren in Paris, in denen er Renoir und andere Künstlerfreunde kennenlernt und trotz vieler Widerstände seine impressionistische Malerei entwickelt. Der Comic erzählt spannend und unterhaltsam, auf fundierter Recherche basierend, Monets Lebensgeschichte, die private wie die künstlerische Entwicklung. EFAs Zeichnungen imitieren nicht den impressionistischen Stil, doch in der lichten Farbgebung sind sie ihm nahe und lassen den Betrachter seine Spezifik spüren. Wie eine rätselgebende Bildreise ist die Comic-Biografie gestaltet, spielt immer wieder mit Motiven Monets und seiner Malerkollegen und erschließt dem Betrachter anschaulich Monets künstlerisches Konzept. Die Rahmenhandlung schließt mit der Szene, in der dem Maler vom Freund Clemenceau die Binde von den Augen genommen wird, er wieder sehen kann und sich ihm der Seerosenteich im Garten von Giverny darbietet – das große Motiv, das Monet noch vollendet hat und das zwei Monate nach seinem Tod 1826 in der Orangerie installiert wurde.

Für Jugendliche und Erwachsene eine lehrreiche und unterhaltsame Einführung in die Kunst des Impressionismus. Im Anhang werden mit entsprechenden Reproduktionen die zahlreichen Motivanspielungen erklärt.

Signatur: Bb
Schlagworte:
Malerei | Impressionismus | Künstler
Bewertung: +++
Rez.:
Dietrich Grünewald