Newsletter "Gemeinde" 12/2019

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Weihnachten steht vor der Tür! Da kommt es gerade recht, dass wir Ihnen ausgewählte Buchtitel als Geschenkideen empfehlen. In den Bilder- und Erzählbüchern geht es um die Begegnung der verschiedenen Generationen. Eine Oma versteckt sich während eines Museumsbesuches in Gemälden, ein Jugendlicher merkt, wie kompliziert es ist, sich an den Ratschlägen seines verstorbenen Großvaters zu orientieren.  Der Roman „Luzies Erbe“ erzählt von einem Geheimnis, das vier Generationen überdauert, eine Graphic Novel nutzt die großartigen Möglichkeiten des Genres, um dem Thema Erinnerung auf die Spur zu kommen und der Roman „Wir waren eine gute Erfindung“ erzählt wie die alljährliche Sederfeier eine sehr heterogene jüdische Familie zusammenführt. Aus der Reihe „Comic Bibliothek des Wissens“ für junge Lesende stellen wir ein beeindruckendes Buch zum Charakter der Bibel vor und den Abschluss bildet ein Buch zum Wegenetz auf europäischen Handelswegen, eine Entdeckung für die historisch interessierte Leserschaft.

Viel Freude beim Auswählen für Familie und Freunde und vielleicht auch zum sich selbst Beschenken

wünscht

Ihr Eliport-Team

 

Bewertung:
+++    = hervorragend
++      = gut
+         = möglich

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Heidelbach, Nikolaus: Alma und Oma im Museum. Weinheim: Beltz & Gelberg 2019. 42 S. : überw. Ill. ; 28 cm. ISBN 978-3-407-75448-6, geb.: 14,95 €

Oma taucht ab in mittelalterliche Gemälde und lässt sich von Alma suchen.

Für einen vernünftigen Museumsbesuch braucht man gute Schuhe, gute Augen und genug Zeit, sagt die Oma zu Alma und verschwindet am Eingang des Wallraf-Richartz-Museums mit der Aufforderung, sie in den dort aufgehängten Gemälden zu suchen. Per Kopfhörer beginnt nun von Saal zu Saal vor den Alten Meistern ein vergnügliches Zwiegespräch zwischen Oma und Enkelin. Alma stellt ungewöhnliche Fragen, die Oma gibt witzige, kluge Antworten. Aber auch die Herausforderung, die in die Gemälde abgetauchte Oma zu finden, stellt Alma vor die schwierige Aufgabe, sich in die detailreiche mittelalterliche Bilderwelt subtil hineinzubegeben. Es wird mit dem Entdecken des grauen Haarschopfes der alten Dame belohnt … und einem anschließenden Gang ins Museumscafé. Die außergewöhnliche Führung durch die in Köln real existierende Gemäldesammlung wird von den skurrilen Zeichnungen des bekannten Illustrators begleitet.  

Ein lustiger wie auch lehrreicher Gang für einen großen Leser- und Betrachterkreis ab 5 J. mit Nachdruck empfohlen.

Signatur: Jm 1 | Jk
Schlagworte: Kunst | Museum
Bewertung: +++
Rez.: Annette Blanke

Schrocke, Kathrin: Immer kommt mir das Leben dazwischen. München: Mixtvision 2019. 181 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-95854-142-9, geb.: 14,00 €

Coming-of-Age-Erzählung. Hauptfigur Karl will die Ratschläge seines toten Opas umsetzen. Dabei kommt ihm immer das Leben dazwischen.

„Ein minderjähriger Kleinkrimineller namens Spaghetti würde mit dem VW-Bus seiner Schwester ohne Führerschein Omas Umzug machen.“  Klingt nach einem perfekten Plan. Und das alles nur, weil Karl Schmitz (13) im Traum sein toter Opa erschienen ist, der ihm nicht nur den Rat gab Youtube-Star zu werden, sondern ihn auch aufforderte, sich um das Glück der noch lebenden Oma zu kümmern. Und die will nun eben ins unkonventionelle Wohnprojekt „Fidibus“ ziehen. Wäre ja einfach, wenn da nicht Karls bildungsbürgerliche Professoren-Eltern wären. Als hätte Mann nicht schon genug Sorgen im pubertären Alter, muss sich Karl plötzlich um zahlreiche Dinge gleichzeitig kümmern.Herrlich abgedreht, toll beobachtet und im fulminanten Tempo erzählt Kathrin Schrocke vom Chaos im Leben ihres Helden. Sie offenbart wirklich witzige Figuren, die (egal welchen Alters sie sind) alle irgendwie im Coming-Of-Age stecken und sich derweil mit dem Leben und sich auseinandersetzen müssen.

Perfekte Unterhaltung für jedes Alter ab 12. Amüsanter Blick auf Generationenprojekte. 

Signatur: Ju 3
Schlagworte: Coming-of-Age | Familie | Pubertät | Alter
Bewertung: +++
Rez.: Anna Winkler-Benders

Bürster, Helga: Luzies Erbe. Roman. Berlin: Insel 2019. 287 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-458-17814-9, geb.: 22,00 €

Vier Frauen, vier Generationen, ein Weltkrieg und ein schwerwiegendes Geheimnis.

Als die fast 100-jährige Luzie Mazur stirbt, hinterlässt sie das „Mazur‘sche Schweigen“. Ein Schweigen darüber, was sie und ihren Mann und damit eine Liebe, die den 2.Weltkrieg überlebte, am Ende auseinandergebracht hat.
Als junge Frau verliebt sie sich in den polnischen Zwangsarbeiter Jurek. Diese Liebe, die in zwei Schwangerschaften mündet, bringt nicht nur das Paar, sondern auch Luzies Familie und den gesamten Bauernhof, auf dem die beiden arbeiten in Lebensgefahr. Doch können sie nicht voneinander lassen. Warum, so fragen sich die Töchter, Enkelin und Urenkelin, verließ Jurek seine Luzie und die Kinder dann jedoch einige Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, als endlich eine Heirat möglich war und so etwas wie Alltag und Normalität hätten einkehren können? Enkelin Johanne möchte es wissen, stöbert Jurek auf, erhält aber auch hier keine Antwort. Nur die Lesenden sind im Vorteil, denn ihnen wird die Geschichte von Luzie und Jurek erzählt, sie erhalten eine Ahnung von dem, was sie er- und durchlebten. Entstanden ist eine fesselnde Geschichte um vier Generationen Mazur‘scher Frauen und um ein tragisches Liebespaar während und nach der Terrorherrschaft der Nazis.

Ein Buch, das man nur schwer aus der Hand legen kann, unsentimental und sehr berührend erzählt. 

Signatur: SL
Schlagworte: Deutsche Geschichte | Zweiter Weltkrieg | Generationen | Zwangsarbeiter
Bewertung: +++
Rez.: Wiebke Mandalka

Hoße, Julia: In meiner Erinnerung war mehr Streichorchester. Frankfurt am Main: Ed. Büchergilde 2018. 159 S. : überw. Ill. ; 25 cm. ISBN 978-3-86406-091-5, geb.: 26,00 €

Wunderschöne, kunstvolle Graphic Novel über das Phänomen Erinnerung und den Umgang mit der eigenen Geschichte.

Julia Hoßes, in der Edition Büchergilde als gebundenes Großformat herausgegebene Graphic Novel erzählt in kunstvoll gestalteten Zeichnungen von Erinnerungen der Erzählerin, die wohl fast mit der Autorin gleichzusetzen ist. Es sind Augenblicke und Erinnerungsfunken, die die Autorin in wechselnden Mal- und Zeichenstilen festhält. Mal als Grafik, mal als Tuschezeichnung, dann wieder als Aquarell oder gar gemäldeartig wird die Familiengeschichte der Erzählerin dargestellt. Beginnend mit den Großeltern, die vor dem Krieg fliehen mussten, über die Eltern, die als Einwohner der DDR ihre eigenen Schicksalsschläge erfahren haben, bis zu den heutigen Reflexionen der Erzählerin, beschreibt die Graphic Novel in schönen Bildern eine sehr persönliche Geschichte. Diese kunstvoll versponnene, wunderschöne Graphic Novel ist sehr nachdenklich und manchmal träumerisch. Man verliert sich geradezu in dem Buch, wird aber auch dazu angeregt, sich mit seinen eigenen Erinnerungen auseinander zu setzen.

Ein wunderschönes, hochwertiges Buch, das man gut als Geschenk empfehlen kann und möglichst aufgeklappt präsentieren sollte.

Signatur: SL | Ju 3
Schlagworte: Erinnerung | Vergangenheit | Familiengeschichte
Bewertung: +++
Rez.: Christian Prange

Schnerf, Joachim: Wir waren eine gute Erfindung. Roman. Dt. von Nicola Dens. München: Antje Kunstmann 2019. 141 S. ; 20 cm. Aus d. Franz. ISBN 978-3-95614-315-1, geb.: 18,00 €

Hommage an eine Lebenskünstlerin, die eine ausgeflippte Familie in Zaum zu halten versteht.

Die alljährliche Sederfeier an Pessach führt eine extrem unterschiedlich tickende Familie zusammen. Man trifft sich zu uralten Ritualen, zum Essen der besonderen Speisen, die an die Befreiung der Vorfahren aus der ägyptischen Gefangenschaft erinnern. So soll es auch diesmal, zwei Monate nach Sarahs Tod sein, hat Salomon den Töchtern versprochen. Doch wird er, der traumatisierte Überlebende von Auschwitz, das schaffen?  Kann das gelingen ohne sie, die in bewundernswerter Ruhe und Ausgeglichenheit die oft schrägen und nervigen Familienmitglieder zu nehmen verstand? Salomon lässt in seinen Überlegungen zum Verlauf der Feier die Erinnerungen an frühere Feiern, besonders die des letzten Jahres, Revue passieren. Das hilft dem alten Mann, den Abend anzugehen und ist zugleich eine wundervolle Liebeserklärung an die Verstorbene und an alte Familienfeiern, lebensnah und zugleich urkomisch, aber auch zutiefst bewegend erzählt.

Für Liebhaber tiefsinniger und zugleich mit Humor geschilderter Familiengeschichten ein Lesevergnügen.

Signatur: SL
Schlagworte: Judentum | Familienfeiern | Konflikte | Konfliktbewältigung
Bewertung: +++
Rez.: Halgard Kuhn

Die Geschichte der Bibel und die Erfindung des Monotheismus. Hg. von David Vandermeulen. Text von Thomas Römer. Ill. von Léonie Bischoff. Berlin: Jacoby & Stuart 2019. 74 S. : überw. Ill. ; 22 cm. (Die Comic-Bibliothek des Wissens). ISBN 978-3-96428-037-4, geb.: 12,00 €

Wie die Bibel wurde und warum.

Wie kann ich deutlich machen, dass die Geschichte von der Eroberung Jerichos ein Mythos ist, dessen wertvoller Kern nicht seine historische Wahrheit ist (was auch falsch wäre), sondern der darin transportierte Glauben, dass ich mit Gott über Mauern springen kann? Wie mache ich klar, dass die Bibel eine Bibliothek ist, deren Werden sich über Jahrhunderte hinzog und an deren Entstehen Menschen unterschiedlichster Herkunft und Prägung mit ganz verschiedenen Zielen mitgewirkt haben? Dieser kleine Band macht es. Klar. Strikt. Mancher Leserin mag es zu viel „Entzauberung" sein. Aber es muss sein. Die Herausgebenden machen im Vorwort klar, warum sie mit so viel Mut an die Darstellung der wissenschaftlichen Erkenntnisse gehen. Die wortwörtliche Lektüre der Bibel ist und bleibt immer wieder gefährlich. Schönheit und Kraft der biblischen Überlieferung nähren sich nicht aus ihrer Wahrheit, sondern aus ihrer Wahrhaftigkeit. Daran lässt das Buch keinen Zweifel. Lies selbst, sagt es.

Konfirmationsunterricht, Religionsunterricht, Glaubenskurs, Gesprächskreis, Gottesdienst zur Bibel (mit Bildern).

Signatur: Jc
Schlagworte: Comic | Bibel | Auslegung
Bewertung: +++
Rez.: Christiane Thiel

Deen, Mathijs: Über alte Wege. Eine Reise durch die Geschichte Europas. Dt. von Andreas Ecke. Köln: DuMont 2019. 415 S. ; 22 cm. Aus d. Niederländ. ISBN 978-3-8321-8383-7, geb.: 24,00 €

Wegenetz Europa: Geschichten aus der europäischen Geschichte, die sich auf den Handelswegen abspielten.

Es ist ein frischer Blick auf die wechselhafte Historie Europas. Deen folgt einem neuen Trend der Geschichtsforschung, die Geschichte als Bewegung zu verstehen, Bewegung auf Handels- und Schifffahrtsrouten. Europa erscheint so als ein immer komplexer werdendes Wegenetz, das den Handel als eigentlichen Entwicklungsantrieb versteht, die Migration als wesentliches Charaktermerkmal Europas begreift und den Blick von den 'großen' Figuren auf die kleinen Handelstreibenden lenkt. So entsteht ein spannendes Mosaik aus kleinen Geschichten aus vergangenen Zeiten, von der ersten Besiedlung bis heute. Raffiniert zusammengehalten durch Berichte über Deens Reisen zu den Schauplätzen seiner Erzählungen. So entsteht historische Tiefe, gespiegelt im gegenwärtigen Bewusstsein. Die Protagonisten seiner Geschichten werden so zu Repräsentanten ihrer Epoche, mit ihren besonderen Merkmalen, ihren individuellen Schicksalen, ihren zeitgebundenen Ängsten und Nöten. Alltag mit überraschenden Parallelen zu uns.

Für historisch interessierte Leser, die neue Blickwinkel erkennen und doch vertraute Geschichtsstrukturen sehen.

Signatur: Gc
Schlagworte:
Geschichte | Europa | Handel | Migration
Bewertung: +++
Rez.:
Hans-Wolfgang Schaller